Das Schicksal klopft an die Tür - die Fünfte

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    • Das Schicksal klopft an die Tür - die Fünfte

      Mit Erschrecken, mit Erstaunen, mit Verwunderung habe ich festgestellt, das hier noch kein Thread zur 5. Sinfonie von Beethoven existiert. Das muss ja wohl mal sofort geändert werden. :J

      Von den ersten Aufzeichnungen 1800 bis hin zur UA 1808 reicht die Arbeit Beethovens an dieser Sinfonie. Erstmals dem Publikum vorgestellt wurde sie in einem 'XXL-Konzert', in dem neben der 5. auch die 6. Sinfonie, das 4. Klavierkonzert und einige andere Werke erklangen.

      Auch Menschen, die absolut nichts mit klassischer Musik anfangen können, kennen wohl das berühmte Anfangsmotiv. Drei Achtel auf G und ein langgezogenes Es, das berühmte 'Schicksalsmotiv', das sich immer wieder in diese Sinfonie in völlig unterschiedlichen Variationen einschleicht. Und unabhängig vom Anfangsmotiv ist es wohl auch die populärste Sinfonie Beethovens und vielleicht die populärste überhaupt geblieben. Gibt es einen Dirigenten, der sie nicht eingespielt hat, vielleicht kann man sagen, sie einspielen musste? Quasi ein Schlachtross klassischer Musik.

      Ich will hier gar nicht die einzelnen Sätze genauer darstellen. Das können andere wesentlich besser.

      Rezeptionsgeschichte?
      'Schicksalssinfonie' war natürlich etwas für die Romantik. Von den Zeitgenossen noch eher kühl und unverstanden aufgenommen, erlebte die 5. Sinfonie spätestens seit E.T.A. Hoffmanns Kritik 1810 eine ungemeine Wertschätzung. Es gibt wohl kaum einen namhaften Komponisten dieser Zeit, der sich nicht zu ihr geäußert hätte, bzw, der nicht von ihr beeinflusst wurde. Und selbst im XX. Jahrhundert hinterließ sie ihre Spuren, kritisch betrachtet oder auch nicht, in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gebracht oder auch nicht.

      Und mein eigenes Verhältnis zu ihr? Naja, immer wieder gehört und als 'Ach ja, die Fünfte' abgetan, muss ich sagen, dass ich in den letzten Jahren immer begeisterter von ihr bin. Das ist vielleicht sogar ein recht spärliches Material mit dem Beethoven da arbeitet, kann sein, aber was er daraus macht!!!! Für mich, als musikalischen Laien ist sie so dermaßen folgerichtig, so sehr aus einem Guss, so stringent und so klar durchstrukturiert, dass ich einfach nur hin und weg bin. Für mich ist sie die klarste und (scheinbar) einfachste, will sagen eindeutigste, Sinfonie, die ich kenne. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass hier alles stimmt.

      :hello Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Das ist vielleicht sogar ein recht spärliches Material mit dem Beethoven da arbeitet, kann sein, aber was er daraus macht!!!! Für mich, als musikalischen Laien ist sie so dermaßen folgerichtig, so sehr aus einem Guss, so stringent und so klar durchstrukturiert, dass ich einfach nur hin und weg bin. Für mich ist sie die klarste und (scheinbar) einfachste, will sagen eindeutigste, Sinfonie, die ich kenne. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass hier alles stimmt.
      So ist es und aus dem Grund sind für mich die Interpretationen, bei denen sich die Interpreten völlig raus halten, die zutreffendsten. Beethoven betreibt hier Abstraktion durch Weglassen und schält damit das universale Wesen der Musik, die für ihn höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie darstellt, heraus - fast wie ein Mathematiker, der die universalen Gesetzmäßigkeiten hinter den phänomenologischen Erscheinungen der Natur erforscht. (Es gibt sogar ein -freilich nicht unumstrittenes- Papier, das den ersten Satz der Fünften als eine Folge Gruppentheoretischer Operationen versteht). Hier wie dort sind (für mich) Einsichten zu gewinnen, die jenseits der konventionellen Denkprozesse stattfinden müssen, weswegen jegliche außermusikalische Deutung (für mich) absolut kontraproduktiv ist. Und wer hat das besser verstanden als Signor "für-mich-ist-es-Allegro-con-Brio" Toscanini?



      Mehr Fünfte kommt bei mir nicht mehr vor. :thumbup:
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)