Differenzen in Aufnahmen von Nocturne Nr.20 Cis-moll

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    • Differenzen in Aufnahmen von Nocturne Nr.20 Cis-moll

      Hallo liebe Musikfreunde!

      Ich habe eine Frage die mich seit langem plagt. In manchen Aufnahmen des Nocturne aus der Überschrift spielen die Pianisten in Takt 6 in der linken Hand ein Dis anstatt einem Fis als tiefsten Ton. Vergleiche dazu diese Aufnahme von Ashkenazy bei ca. 0:34 :



      In meiner Notenversion (Henle Verlag) sind tatsächlich sogar schon zwei Versionen 20a und 20b enthalten, jedoch enthält keine der Versionen den angesprochenen Unterschied. Diese enthalten die Anmerkungen

      20a: "Fassung nach einer Abschrift."
      20b: "Fassung nach Eigenschrift."

      Gibt es hier eine dritte Version? Wurde dieses Werk lange keinem Verlag vorgelegt, so dass überhaupt erst Unterschiede etabliert werden konnten?
      Ich persönlich bevorzuge die Version von Ashkenazy bei weitem, sie ist deutlich mysteriöser und harmonisch weniger vorhersehbar als das "original".

      Was denkt Ihr? Jemand der bescheid weiß?

      Viele Grüße,
      Fredl :)
    • Hallo Fredl, willkommen im Forum!
      Die Grundlage für alle Ausgaben ist offenbar ein eher entwurfhaftes Autograph, in dem möglicherweise das dis notiert ist. Harmonisch gesehen ist der Klang sehr seltsam und schwer vorstellbar, denn nach dem Cis7 als (Zwischen-)Dominante muss entweder fis-Moll oder ein gängiger Trugschluss kommen, das wäre in dem Fall ein D-Dur Dreiklang (dieser kommt aber später als effektvoller echter Neapolitaner, das wäre also verschossenes Pulver). Der Halbverminderte auf dis ist subdominantisch und ergibt zwar vor dem folgenden Gis-Dur wieder Sinn, scheint mir aber nach dem Cis7 wenig wahrscheinlich/ schlüssig. Von der Notation her kann es durchaus ein Flüchtigkeitsfehler sein (eine Linie zu tief gerutscht) oder einfach schlecht lesbar sein. Die Cortot-Ausgabe zeigt dieses dis, die meisten Ausgaben allerdings zeigen fis.
      Wir müssten den Komponisten Mal anrufen...

      Herzliche Grüße
      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Wow, danke für die ausfühliche Analyse. Ich habe jetzt gerade ein paar Minuten an der Klaviatur deinen Gedankengang verfolg (mit anschließender Google Suche "Neapolitaner"). Es stimmt schon, das fis erscheint logischer, geht man nach der standard Harmonielehre!
      Für meine persönlichen Interpretationen bleibt's aber wohl doch bei der Cortot Version! ;)

      Vielen Dank und viele Grüße,
      Fredl
    • Im Prinzip ist dem jungen Chopin ja harmonisch so gut wie alles zuzutrauen, wenn man sich z.B. mal die erste Nocturne anschaut, da schafft er es im Mittelteil, zwischen Des-Dur und D-Dur hin und her zu modulieren, als wäre das völlig normal.
      Wer weiß, vielleicht ist das dis gewollt. Für mich scheint es tatsächlich ein Schreib- oder Lesefehler, vor allem, weil es bei den Wiederholungen des Themas nicht mehr vorkommt (eher Chopin-untypisch). Aber wer weiß! Vielleicht ein Beispiel Chopin'scher Koloristik, die so oft schon zu den Impressionisten hinüberleuchtet.

      Herzliche Grüße
      Satie
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      Harry Partch
    • Bei Dir ist es Takt 8 (wie in der Cortot-Ausgabe ist hier die Wiederholung der Takte 1&2 ausgeschrieben).

      :hello
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      Harry Partch
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