Schumann: Faschingsschwank aus Wien Op. 26

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    • Schumann: Faschingsschwank aus Wien Op. 26

      Im Herbst 1838 reiste Robert Schumann nach Wien in der Hoffnung, dort seine ‚Neue Zeitschrift für Musik’ zu veröffentlichen und gegebenenfalls eine dauerhafte Übersiedlung vorzubereiten. Srinr Ziele nicht erreichend, setzte Schumann mit der Komposition ‚Faschingsschwank aus Wien Op. 26’ ein Denkmal dieser Reise. Die Arbeiten an dem fünfsätzigen Werk begannen im März 1839. Das Werk kann als Fantasienabfolge ohne programmatische Titel, jedoch auch als romantische Sonate verstanden werden.



      Der Kopfsatz ist ein Allegro in B-Dur in Rondoform. Schumann ‚verkleidet’ hier zwei Episoden, den sog. Großvatertanz, welchen er schon im Carnaval anbrachte, und die Marseillaise, welche unter dem Diktat Metternichs in Österreich verboten war. Es folgen eine Romanze in g-moll und ein frisches Scherzino. Sehr leidenschaftlich und virtous zeigt sich ein Intermezzo in es-moll. Herrlich kantabel erstreckt sich die Melodie in der rechten Hand über laufende Figurationen in der Mittellage und kontrapunktisch angelegten Bassakkorden. Pianistischer Höhepunkt ist das Finale in B-Dur. Diesen fünften Satz im brillanten Stil ergänzte Schumann nach seiner Rückkehr in Leipzig. Interessanterweise ist alleine dieser Satz in Sonatenhauptsatzform gehalten ! Quasi eine Umkehr der Satzformen, Rondo im ersten und Sonate im letzten !

      Unten zu sehen im 17. bis 24. Takt die Anspielung auf die französische Nationalhymne:


      1. Satz: Allegro. Sehr lebhaft
      2. Satz: Romanze. Ziemlich langsam
      3. Satz: Scherzino
      4. Satz: Intermezzo. Mit größter Energie
      5. Satz: Finale. Höchst lebhaft

      der faschingsschwank wird eher selten auf das programm genommen. technisch ist dieses werk schon absolute oberklasse. so brilliant, wie hier ABM interpretiert, insbesondere im letzten satz (höchst lebhaft), habe ich es sonst nicht gehört (DG, ADD, aufn. 1957).


      .
      ansonsten kenne ich noch die aufnahmen mit sviatoslav richter (EMI) und daniel barenboim, welche sicherlich auch als sehr gut eingestuft werden können. es fehlt jedoch die eleganz in der phrasierung (IMO).


      gruß, siamak :engel
    • RE: Schumann: Faschingsschwank aus Wien Op. 26

      Lieber Siamak ,

      herzlichen Dank für diesen sehr differenzierenden Beitrag unserer Schumann - Reihe .

      Höchst interessant finde ich Deine Analyse , dass es sich um eine romantische Sonate handele .

      Angesichts der begleitumstände persönlicher Art wie der von Dir dankenswerterweise hervorgehobenen politischen Umstände der Metternich - Dikatur ist das Werk tatsächlich , aus meiner Sicht , ein wichtiges Dokument des angeblich so wenig politischen Mannes Schumann .

      Die Satzbezeichungen , und Du weist ausdrücklich auf den von Dir hier besprochenen "Carnaval" hin , sind im Kontext gesehen schon überraschend .

      Unter Berücksichtigung des von Dir geschriebenen und meiner Quellenkenntnisse ( Briefe ; Tagebücher ) , muss Mettrenich für Robert Schumann , wie sein Wienaufenthalt insgesamt , schon eher abschreckend gewesen sein .

      Ich denke , dass Schuman n sein ganz eigenes stark idealisiertes Wienbild hatte . unter disem gesichtspunkt verstehe ich auch die von Dir zu recht so beschrieben Einspieleung durch Michelangeli .

      Michaelnagli war je zeitlebens ein besonders politisch denkender und handelnder Mann gewesen . Und es ist sicherlich keine Spekulation , dass er nicht in dem von ihm nicht mehr sehr geschätzten Italien , sondern in Lugano beerdigt werden wollte und wurde . Dies beweist erneut , dass es um mehr geht , als Noten , selbst auf diem wundervollen Niveau , runterzuspielen , sondern durch diesen interpretatorischen Ausdruck auch das Innere des Komponisten wiederzugeben .

      Interessant ist daher , dass Aldo Ciccolini das Werk beim ersten Hinhören sehr lyrisch zu spielen scheint . Fast ein wenig zu sehr gegen die tempovorgaben . Aber wer dann serh genau hineinhört , der vernimmt subtile Zwischentöne , die das Werk dann wieder als grosses , in sich geschlossenes Ganzes wiedergeben .

      Der sehr packende Zugriff durch Alexis Weissenberg (EMI France ) entspricht in Weissenbergs bekannter Art der Notentexttreue , ist aber sicherlich vielleicht der Gegenpol zu Michelangeli ( dasselbe gilt für den "Carnaval" der beiden ) .

      Grüsse und Dank für diesen nachdenkswerten BEITRAG 1

      Frank
    • Ich kenne nur die Aufnahmen von ABM, Sviatoslav Richter und Marta Deyanova. Letztere (Nimbus) gefällt mir persönlich am Besten!

      Gibt es eine Einspielung, die "wienerisch" klingt?

      (Allgemeine Frage dahinter: Welchen Wert kommen Überschriften zu: Ist dies Teil des Werks; oder aber etwas, was am Rande einen Hinweis auf Außermusikalisches bereitet - so etwas wie ein vager Wunsch des Komponisten?)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • Schumann : Faschingsschwank aus Wien Op. 26

      Lieber ab ,

      ich kenne keine Aufnahme die "wienerisch" klingt .

      Im übrigen müssten wir klären was "wienerisch" eigentlich abseits von plakativen Touristenvorstellungen ist .

      Zu deiner Anmerkungen : ich denke , dass beides möglich ist - grundsätzlich . Dies bedeutet , wenn wir Deinen bisherigen Ausfühtrungen folgen , dass wir wieder beim Problem der Schöpfungsästhetik u n d der Wirkungsästhetik sind . Unlösbar .
      Grüsse ,

      Frank
    • Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Werk bis vor kurzem noch nicht sonderlich beschäftigt habe - zu unrecht! Ich hörte es vor einigen Wochen mit Gabriela Montero in Köln und war total begeistert! Mittlerweile habe ich den 1. Satz bereits selber einstudiert und werde es im August im Konzert spielen. Mir gefällt besonders gut, dass Schumann das Anfangsthema immer wiederholt und dann verschiedene "Ideen" dazwischen verarbeitet. Der Teil in g-moll ist typisch Schumann, er erinnert mich sehr stark an die 2. Sonate, der Pathetische Teil, der an die "MArseillaise" erinnert, spielt sich unglaublich gut! Es ist eine der "fröhlichsten" Passagen Schumanns, die ich kenne!
    • Original von Jeremias
      Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Werk bis vor kurzem noch nicht sonderlich beschäftigt habe - zu unrecht! Ich hörte es vor einigen Wochen mit Gabriela Montero in Köln und war total begeistert! Mittlerweile habe ich den 1. Satz bereits selber einstudiert und werde es im August im Konzert spielen. Mir gefällt besonders gut, dass Schumann das Anfangsthema immer wiederholt und dann verschiedene "Ideen" dazwischen verarbeitet. Der Teil in g-moll ist typisch Schumann, er erinnert mich sehr stark an die 2. Sonate, der Pathetische Teil, der an die "MArseillaise" erinnert, spielt sich unglaublich gut! Es ist eine der "fröhlichsten" Passagen Schumanns, die ich kenne!


      @Jermias,

      und hast Du auch eine Aufnahme, die nach Deiner Meinung gelungen ist?
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Ich habe leider kaum welche... Benedetti Michelangeli sit nicht schlecht, aber wer es mir sehr angetan hat, das ist Arrau im Rahmen seiner Philips-Einspielungen! Würde gerne mal Asheknazy hören, er hat den Zyklus auch aufgenommen!