Versagen der gesamten Führungsebene

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    • Versagen der gesamten Führungsebene

      Liest man den nachfolgenden Artikel, so kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sollte das wirklich im 21. Jhdt. noch so sein wie 1920 beim "Gutsherren"?

      van.atavist.com/daniel-barenboim

      Barenboim war der Pianist meiner ersten LP, die ich jemals gekauft habe (Mozart, KK in F-Dur, KV 459). Niemals hätte ich gedacht, daß er sich so entwickelt...

      Traurig vor allem aber das völlige Versagen der Führungsebene. So etwas darf man nícht zulassen. Gegen aggressive Menschen hilft leider nur "Gegenhalten", was notfalls mit der Kündigung enden kann...

      Schade.
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      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")
    • habe nichts dagegen, dass das mal größer diskutiert wird, aber in "der Branche" ist das seit langem ein offenes Geheimnis. Bin mir nicht mehr sicher, ob das im Artikel auch zur Sprache kommt, aber bei der Staatskapelle gibt es bei Probespielen immer drei Termine: Vorprobespiel und Hauptprobespiel (bis dahin ganz normal für Orchester dieser Kategorie) und dann noch ein "Endprobespiel in Anwesenheit von GMD Daniel Barenboim". Dass der Dirigent überhaupt ein Mitspracherecht bei der Neubesetzung von Stellen hat, ist höchst ungewöhnlich und wenn dann nur bei Solobläsern, Konzertmeistern o.ä. Dass ein extra Probespiel mehr oder weniger für den GMD veranstaltet wird, gibt es sonst nirgendwo. Man hört, er habe auch schon Kandidaten gegen den Willen des Orchesters durchgedrückt. Grade bin ich zufällig über die Gegenreaktion gestolpert. Bin mal gespannt, was da nun passiert...
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Auf mich wirkte er schon immer unsympathisch, aber letztlich sind es nur eine Handvoll die sich -meist anonym- zu Wort gemeldet haben. Ob das alles so stimmt oder nicht - wer einmal einen Industriekonzern von innen gesehen hat, fragt sich, warum um einen autoritären Führungsstil, der auch mal Launen, Ruppigkeiten und Bloßstellungen beinhaltet, so ein Aufhebens gemacht wird. Das gibt es dort vielerorts (natürlich nicht überall) und die Wenigen, die das nicht abkönnen, wechseln halt -wie der Paukist in der Story- den Job und schimpfen dann über den üblen Führungsstil und den bösen Chef. Das ist normal und juckt keinen. Warum erwartet man von Künstlern immer, dass sie perfekte Gutmenschen sind?
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Weil das eben nicht der "normale" Führungsstil ist, auch nicht in "Industriekonzernen".

      Das kommt zwar hin und wieder vor, aber wenn gute Leute das Unternehmen verlassen und ihre Meinung über einen "autoritären Führungsstil" kundtun, dann wird sich im Normalfall die HR-Abteilung mal darum kümmern. Und wenn die nicht weiterkommt, dann wird sie den Vorstand envolvieren, und dann muß dieser "autoritäre Chef" schon sehr sehr wichtig sein...


      Zwei Mitarbeiter berichten, dass Barenboim sie wütend gepackt und geschüttelt habe.

      Das würde im Betrieb wohl nur einmal vorkommen, dann wäre es das gewesen. Falls da noch Übergriffe auf Frauen dabei wären (oder diese Frau das wenigstens behauptete), wäre dieser Chef nur noch die kürzeste Zeit im Unternehmen.

      Aber vielleicht sind gut bezahlte Orchesterstellen einfach nur sehr rar, und man muckt nicht auf, weil man keine Alternative hat?
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      (Aus "Amadeus")
    • Guenther schrieb:

      Weil das eben nicht der "normale" Führungsstil ist, auch nicht in "Industriekonzernen".

      Das kommt zwar hin und wieder vor, aber wenn gute Leute das Unternehmen verlassen und ihre Meinung über einen "autoritären Führungsstil" kundtun, dann wird sich im Normalfall die HR-Abteilung mal darum kümmern. Und wenn die nicht weiterkommt, dann wird sie den Vorstand envolvieren, und dann muß dieser "autoritäre Chef" schon sehr sehr wichtig sein...


      Zwei Mitarbeiter berichten, dass Barenboim sie wütend gepackt und geschüttelt habe.
      Das würde im Betrieb wohl nur einmal vorkommen, dann wäre es das gewesen. Falls da noch Übergriffe auf Frauen dabei wären (oder diese Frau das wenigstens behauptete), wäre dieser Chef nur noch die kürzeste Zeit im Unternehmen.

      Aber vielleicht sind gut bezahlte Orchesterstellen einfach nur sehr rar, und man muckt nicht auf, weil man keine Alternative hat?
      ja. Aber sowas von dermaßen. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass auch in normalen A-Orchestern die Gehälter durchaus in Ordnung sind. Aber der Satz gilt auch, wenn du das "gut bezahlt" streichst.

      Aber auch sonst stimme ich Dir hier voll und ganz zu. Es ist eine Frage des Maßes, und das geht hier wohl ziemlich verloren.

      Heute beim Mittagessen hat ein Kollege das Thema angesprochen und gemeint, er amüsiere sich ziemlich über die Überraschung, weil - wie oben schon angesprochen - das eigentlich branchenweit bekannt ist. Übrigens gibt es da aber auch noch mehr Leute, ein Bekannter hat mir von einer Probe in einem anderen Berliner Orchester erzählt, in der der Chefdirigent zum oder über den Solohornisten sagte "wer hat mir dieses Arschloch da hingesetzt". Zur Verteidigung der Dirigentenzunft: Die meisten sind nicht so! Ich habe so etwas selbst noch nie erlebt.
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    • Guenther schrieb:

      Weil das eben nicht der "normale" Führungsstil ist, auch nicht in "Industriekonzernen".

      Das kommt zwar hin und wieder vor, aber wenn gute Leute das Unternehmen verlassen und ihre Meinung über einen "autoritären Führungsstil" kundtun, dann wird sich im Normalfall die HR-Abteilung mal darum kümmern. Und wenn die nicht weiterkommt, dann wird sie den Vorstand envolvieren, und dann muß dieser "autoritäre Chef" schon sehr sehr wichtig sein...
      Es sollte nicht der "normale" Führungsstil sein, aber es kommt mehr als hin und wieder vor. Es sind nicht die "guten" Leute, die das Unternehmen verlassen, weil denen das am breiten Buckel runter läuft. Und der Vorstand wird einen Teufel tun, einen CEO, der seit Amtsantritt jedes Jahr zweistelliges Gewinnwachstum bringt, rauszuschmeissen, bloß weil ein paar Sensibelchen nicht mit dessen Launen klar kommen. Das heißt nicht, dass Herr B kein A ist, aber dass da so ein Terz drum genacht wird, wenn Künstler betroffen sind, während Tausende in ihrem Arbeitsalltag dasselbe Los wie die Pauke gezogen haben, muss ich nicht verstehen.

      Edit: Doch, es gab wenigstens einen Fall, in dem die Aktionäre den Gründer & CEO wegen Beschwerden von Mitarbeitern über die Unternehmenskultur, die sexuelle Belästigung und Rassismus fördere, zum Abgang bewegten und das ging breit durch die Presse: Uber. Das ist ein anders Kaliber, als die unberechenbaren Launen und Schikanen des Dirigenten.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Das Ganze ist eigentlich nichts Neues. Celibidache hat das mit Musikern in München auch so gemacht, die er nicht haben wollte. Der Fall einer Posaunistin ging damals auch durch die Presse, Karajan tat das Gleiche, indem er ihnen Sabine Meyer vorsetzte.

      Der Umgang mit Menschen ist offenbar für einige Dirigenten immer wieder ein großes Problem. Früher galten Böhm, Toscanini, Reiner, Szell und Solti als "schwierige Zeitgenossen", für die einen Musiker mehr, für die Anderen weniger.

      Heute wird das nicht viel besser sein, aber eben auf eine andere Art und Weise. Sexuelle Übergriffe scheint es bei einigen Dirigenten gegeben zu haben, Namen lasse ich aus rechtlichen Gründen mal lieber weg.

      So lange Herr B die Zahlen abliefert, die ein Haus der Größe der Deutschen Oper in Berlin oder wo auch immer benötigt, dazu genug Sponsoren-Gelder auftreiben kann, wird sich da überhaupt nichts tun. Da machen die "paar kaputten Menschenleben" doch nichts aus. Das ist eben Schicksal...

      Ich werde mich da sonst auch nicht weiter beteiligen, weil das leider auch heute noch überall stattfindet. In nahezu jeder Hobby-Blaskapelle gibt es solche Vorfälle, sei es durch Beleidigungen von Dirigenten, als auch der Anmache untereinander. Als aktiver Musiker habe ich diese Erfahrungen auch erlebt, sowohl bei Kollegen, als auch bei mir selbst. Letzteres aber zum Glück in der mehr harmlosen Form. Meine Konsequenz war einfach: Ich spiele in keinen Orchestern mehr, nicht mal mehr zur Aushilfe. Seit dieser Zeit habe ich da absolute Ruhe. Im Jazz habe ich das in dem Bereich, in dem ich spiele, nur einmal erlebt. Auch hier gab es nur eine Konsequenz: Ich habe am nächsten Tag meinen sofortigen Ausstieg aus der Band bekannt gegeben. Man muss sich nicht alles bieten lassen.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)