Sinfonie Nr. 27 G-dur

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    • Sinfonie Nr. 27 G-dur

      G-dur Hob I Nr. 27

      Nr. 6 nach Finscher ist eine weitere dreiteilige quasi Opern-Sinfonia.

      Der schwungvolle Kopfsatz hebt im forte mit einem in Halbe gebrochenen Tonika-Dreiklang der stimmführenden 1. Geigen, der Oboen & Hörner an. Unterlegt wird dies mit einem fast durchgehenden tremolierenden Baß, meist in den tiefen Streichern + Fagott, zeitweise auch in den 2. Geigen (bspw. gleich im 1. Takt, dort sogar massiert in 16teln, sonst meist in 8eln}. Die heiter drängende Musik kommt recht mozartisch daher, alles tönt sonnendurchflutet & konfliktfrei - flüchtige Moll-Einschübe bleiben eine würzende Zutat am Rande. Einzelne kräftige Akzente & dynamische Differenzierungen besitzen, wie schon im ersten Satz von Nr. 1, den Duft kurpfälzischen Raketenpulvers.

      Schon wieder Mozart, dachte ich spontan, als das ständchenhafte Andante - Siciliano begann (C-dur, 6/8): Susanna & die Gräfin mit ihrer "Canzonetta sull'aria" sind hier nicht weit. Bereits bekannt kommen uns die schweigenden Bläser sowie die sordinierten Geigen vor. Nach einem nachdenklicheren Moll-Abschnitt wird zum anfänglichen C-dur zurückgekehrt. Ein hübsches, genrehaftes Stück.
      Vielleicht war es gerade dieser serenadenhafte, süß-kantable Satz, der Gregor Joseph Werner (1695-1766), Haydns Vorgänger im Amt des Kapellmeisters bei Esterházy, zu seinem abfälligen Urteil vom "Modehansl" und "Gsanglmacher" veranlaßte. [1]

      Das abschließende Presto (G-dur, 3/8) ist wieder ein typischer Kehraus mit wenig Eigenprofil. Daran ändern auch die knappen Moll-Intermezzi der Streicher nicht viel.

      In summa: eine Art Westentaschen-Haydn. Lieblich & nett mit einem Zug ins Glatte, Gefällige.

      Haydns damalige Standardbesetzung ist auch hier wieder im Einsatz: zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Violinen, Bratsche, Violoncello & Kontrabaß.

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      [1] aus dem Klappentext der Aufnahme mit dem Ensemble 13 - der Autor wird nicht genannt

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    • Ensemble 13 Baden-Baden - Manfred Reichert
      (LP, intercord, 1977)

      Allegro molto 4'32
      Andante. Siciliano 4'58
      Finale. Presto 2'52

      a' = 440 Hz

      Diese Aufnahme bietet die für mich stimmigsten Tempo-Proportionen. Schade, daß der Klang derart fern & konturenschwach ist. Unter diesen Umständen leider ein weiterer Anwärter auf meine Haydn-Playoffs.

    • Nicolaus Esterházy Sinfonia Budapest - Béla Drahos
      (CD, Naxos, 2001)

      Allegro molto 5'59
      Andante. Siciliano 4'36
      Finale. Presto 2'43

      a' = 440 Hz

      Konturenschwach? Das trifft auch hier zu. Etwas direkter als die Baden-Badener Aufnahme, drohen dennoch die Tremolo-Bässe des Kopfsatzes auch hier in schwer unterscheidbarem Klangbrei zu verschwimmen. Außerdem sind die Tempi in allen drei Sätzen zu straff. Falls die anderen beiden Sinfonien dieser Aufnahme im Verlauf nicht überzeugen, muß auch sie weichen.

    • Philharmonia Hungarica - Antal Doráti
      (LP, Decca, 1975)

      Allegro molto 4'16
      Andante. Siciliano 3'52
      Finale. Presto 2'37

      a' = 440 Hz

      Auch hier gilt wieder: die Spielzeiten führen leicht in die Irre: Dorátis Tempi sind durchweg gemessener als jene bei Drahos, aufgrund teils nicht beachteter Wiederholungen erscheint er aber in der Zeitbilanz auf den ersten Blick schneller als dieser.
      Abgesehen von der erwähnten Sorglosigkeit beim Schalten & Walten mit Strichen kann ich nicht umhin, zu sagen: hier stimmt (fast) alles! Insbesondere die Finessen des ersten Satzes in Agogik & Dynamik spielt niemand so detailliert & lustvoll heraus wie die Hungarica. Das bereitet großen Hörspaß - selbst bei diesem sonst nicht gerade überwältigenden Stück. So oder ähnlich stelle ich mir Antoninis Lesart vor.

      Bei Doráti ist wieder das Cembalo zu hören, bei Drahos & Reichert nicht.
    • Danke, Sfantu! Meine Einspielung ist wieder nur die von Fischer; sie stammt bereits von 1989 und ist ordentlich.

      Deiner Charaktisierung möchte ich gar nichts hinzufügen. Besonders der Mannheimer Aufschwung und die Mozart-Nähe fallen auch mir auf. Sehr hübsch ist sicher die kleine Serenade als Herzstück. Deine Bezeichnung des "Westentaschen-Haydn" gefällt mir gut.

      Vor vielen Jahrzehnten wurde die Komposition erst für 1765 angesetzt; daher die zu hohe Nummer. (1) Csampai/ Holland ordnen sie - aus welchen Gründen auch immer - ebenfalls höher ein (im Rahmen der ersten Gruppe bis 1761), als Finscher dies tut.

      (1) Doch noch eine kleine Ergänzung anekdotischer Art, die ich dem deutschen Wikipedia-Artikel entnehme: 1907 wurde - wie gesagt - das Werk als Nr. 27 veröffentlicht. Dies hatte man wohl vergessen, als man 1946 ein Autograph in Siebenbürgen fand und es dann 1950 zur bejubelten vermeintlichen Uraufführung einer "neuen Sinfonie" von Haydn in Bukarest kam.

      :) Wolfgang

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Andréjo ()