Sinfonie Nr. 10 D-dur

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    • Sinfonie Nr. 10 D-dur

      D-dur Hob. I Nr. 10

      Finscher Nr. 7
      kleidet sich wiederum in das bewährte Gewand der italienischen Opern-Sinfonia.

      Der Kopfsatz in 4/4 wird mit einem Tutti-Akkord im forte auf dem ersten 4tel eröffnet, gefolgt von den übrigen 4teln im piano. Der zweite Takt bringt einfache, wieder im forte-Tutti stehende Sekundschritte, auf & ab. Dieser stetige dynamische Kontrast kennzeichnet den gesamten Satz & verleiht ihm dadurch seinen vorwärts drängenden Grundcharakter. Diesen Einstieg als Thema zu bezeichnen, ist fast etwas hoch gegriffen. Insgesamt beweist Haydn hier eine äusserst ökonomische aber Effekt machende Verwertung simpler Motivik. Das ist legitim & am Ende nicht ohne Reiz. Ein Geniestreich, der staunen macht, ist es indes nicht.
      Dieser wie auch der Schlußsatz (in 3/8eln - ein ebenfalls durch dynamisches Auf & ab gekennzeichneter, knapper Parforce-Ritt) gewinnen durch wiederholtes Hören - bei der ersten Begegnung können sie aber rasch fad wirken.

      Von eigener Qualität dagegen der Mittelsatz. In seiner noblen, graziösen Eigenart, nicht ohne schattenverhangene Moll-Trübungen, ist er bereits sehr haydnsch. Bewährtem Muster folgend, sind wieder nur die Streicher am Werke. Seufzer-Motive & gekonnt dosierte Laut-Leise-Effekte verleihen ihm den ersten Podestplatz unter den drei Sätzen dieser Symphonette.

      Aufs neue begegnen wir der üblichen Besetzung; zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Violinen, Bratsche, Violoncello & Kontrabaß.
      Die bisweilen zu lesende Charakterisierung als "Bläsersinfonie" kann ich nicht nachvollziehen. Wenn hie & da die Blasinstrumente etwas prominenter zu hören sind, dann dadurch, daß Haydn ihnen im Gesamtklang eine Art zaghafte Emanzipation zuteil werden läßt. Weder hören wir Soli noch ist ihre Textur ausgesprochen virtuos. Sie verlassen weiterhin (noch) nicht ihren Posten als Verstärker der Streicher.

    • Philharmonia Hungarica - Antal Doráti
      (LP, Decca, 1974)

      Allegro 5'06
      Andante 4'40
      Finale. Presto 3'06

      a' = 440 Hz


      Cantilena - Adrian Shepherd
      (CD, Chandos, 1989)

      Allegro 5'11
      Andante 4'37
      Finale. Presto 3'10

      a' = 440 Hz

      Die fast identischen Spielzeiten künden von gleicher (angemessener) Tempo-Auffassung.
      Beide Ensembles spielen ohne Tadel - Haydns Klangwelt erhält die ihr gemäße Natur & Gestalt.
      Doráti sorgt erneut für etwas mehr zupackenden Schwung, der Klang seiner Hungarica ist eine Spur direkter & aufnahmetechnisch mit mehr "Körper" eingefangen als jener der (ebenfalls auf modernen Instrumenten musizierenden) Schotten.
      Letztere kosten dafür die Affekte des Andante noch treffender, rhetorischer aus - ein Glanzlicht!

      Hier wie dort spielt ein Cembalo im Continuo mit - bei Shepherd etwas besser & konstanter hörbar.

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    • Die Aufnahme aus der Fischer-Box (wieder eine der älteren, von 1990), die ich wohl erst zum zweiten Mal überhaupt vorhin gehört habe, hat mich durchaus angesprochen. Es ist ein heiter-majestätisches Spiel, sicher einfach in der Wirkung, aber durchaus klangvoll, im Binnenbau schon zukunftsweisend, selbst wenn nicht im Sinne des Sturm und Drang, sondern - Sfantu hat ja darauf hingewiesen - aus dem Geist der italienischen Sinfonia, und eben der Wiener Klassik zugewandt. Im Schluss-Satz vor allem beeindrucken mich die Kontrastwirkungen, die durch die dunkel getönten melancholischen Einwürfe der tieferen Streicher entstehen. Im Kopfsatz vor allem gefallen mir auch solistische Passagen - ein Element, das sich beim frühen Haydn wohl noch öfters finden wird - ich denke zum Beispiel an die Tageszeiten-Sinfonien.

      Von einer "Bläsersinfonie" habe ich auch gelesen, ohne dass mir dies sonderlich zwingend erschiene.

      Es grüßt Wolfgang.
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