Beethoven Klaviersonate 32 Op. 111

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    • Beethoven Klaviersonate 32 Op. 111

      Hallo,
      ich habe gerade mal wieder die letzte Klaviersonate von Ludwig van Beethoven in der Einspielung von Friedrich Gunda gehört, und wie immer kamen mir die Tränen dabei.
      Wie ist es möglich, dass ein tauber Mensch so fantastische Musik sich ausdenken kann ohne sie wirklich jemals zu hören?
      Musik, die die Grenzen der Klassik bei weitem sprengt, Musik, die nach meiner Meinung in dieser Komplexität auf dem Klavier niemals wieder erreicht wurde.
      Welch gigantischen musikalischen Weg hat dieser Mensch im Laufe seines gar nicht so langen Lebens durchschritten, man vergleiche nur die braven, nicht desto trotz sehr schönen ersten Sonaten mit den drei letzten.
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      Hallo Lotreq,

      schön dass Du zum Klassik-Forum gestoßen bist.

      Beethovens letzte Sonate ist natürlich ein Juwel. Nicht ein Pianist allein kann das Werk erschöpfend darstellen, deshalb empfehle ich auch weitere Aufnahmen zu befragen, von denen ich weiß, dass sie sich nahe beim Komponisten bewegen, z. B. Solomon, Svjatoslav Richter, Arturo Benedetti Michelangeli oder Michael Korstick.

      Gruß Amadé
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      Hallo Lotreq, herzlich Willkommen im Forum. :hello

      __________

      Die Korstick-Aufnahme habe ich mir gestern in Ruhe angehört und erstmals hatte ich keine Schwierigkeiten mehr "mit Beethoven".
      Lag dann vermutlich an den bisher gehörten Interpretationen und nicht an seinen Kompositionen.

      Bin neugierig auf die anderen "nah dran" Interpreten.

      Gruß, tapeesa
      "Das Hören auf andere Stimmen, Gegenstimmen und Dissonanzen
      — die Regeln der Musik spiegeln das Leben selbst."
      Yehudi Menuhin
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      Lotreq schrieb:

      Tapeesa kennst du die Aufnahme von Friedrich Gulda, und sagt sie dir nicht zu?

      Oh nein, das wollte ich nicht ausdrücken. Ich bin immer noch "Klassik-Anfängerin" und hatte bei Beethoven bisher Abwehr - kannte nur die extrem populären Sachen und habe mich neulich vorsichtig versucht den Klaviersonaten anzunähern.
      Ich hatte den Thread hier erstmal von der Ferne beäugt, wie allen anderen Austausch zu Beethoven zumeist und als dann "Beethoven-nah" aufkam, als Vorschlag zu Interpretationen, war der Impuls, dort hinein zu hören.

      Heute morgen habe ich dann eine Einspielung der Sonate von Friedrich Gulda gehört und ich muss sagen, ich bin momentan überfordert mit meiner Annäherung an Beethoven.
      Friedrich Guldas Spiel berührt mich spontan emotional am meisten (auch bis hin zu Tränen und teils atemberaubend), nachdem ich in Amadés andere vorgeschlagene Aufnahmen hinein gehört habe zumindest. Michael Korstick hat mich auf eine neue Fährte gebracht -
      aber ich kann nicht im Ansatz momentan klarer benennen, was sich in mir an Erleben und Eindrücken beim Hören verschiedener Beethoven-Kompositionen wie Interpretationen abspielt oder auch was die Abwehr bei manchen Interpretationen auslöst.
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      Yehudi Menuhin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von tapeesa ()

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      Es ist, glaube ich, sehr schwer, mit den späten Beethovensonaten sich diesem genialen Komponisten nähern zu wollen, da die klassisch strenge Form einer Sonate kaum noch erkennbar ist. Kaum werden ausgeprägte, sagen wir singbare Melodien (Themen) verwendet. Die Formen wirken nicht geschlossen, es ist bizarr und teilweise sehr filigran. Das Hören dieser späten Sonaten ist wie ein Gang im Hochgebirge auf einem schmalen Grad, wo man von Gipfel zu Gipfel klettert und sich vor einem immer neue Abgründe auftun.
      Die frühen Sonaten sind viel leichter verdaulich und dabei sehr schön. Hier kann man verfolgen, wie Beethoven in ganz klassischer Manier seine Sonaten baut. Spätestens bei der so genannten Mondscheinsonate, op. 27.2. quasi und Fantasia, merkt man, dass er über die gewohnte Form hinausdenkt.

      Ich habe mir heute einmal eine Interpretation der 32. Klaviersonate von Alfred Brendel auf YouTube angehört und geschaut. Sehr beeindruckend, wie er mit geschlossenen Augen in jede Note das volle Gefühl hineinlegt. Während Gunda eher gemäßigt in seinem Ausdruck ist, spielt Brendel wesentlich kontrastreicher von stärksten Fortissimo zum zartesten Piano. Ebenso variiert er das Tempo stärker, manchmal scheint die ganze Bewegung im Pianissimo zum Stillstand zu kommen, dann haut er dem Hörer wieder eine schroffe Phrase um die Ohren. Ja, das ist Beethoven einmal hauchzart, dann wieder eckig und kantig.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Lotreq () aus folgendem Grund: Ergänzung

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      Es ist wohl eine Frage der Hörerfahrung. Wenn man schon auch gerne im 20. Jahrhundert musikalisch zu Hause ist, weiß man gerade die Spätwerke Beethovens aus eben den Gründen zu schätzen, die Du ja auch angeführt hast. Oder sagen wir, dass es mir so geht, wobei ich mir nicht vorstellen kann, die große Ausnahme zu sein.

      Ich habe bei den Sonaten durchaus Lieblinge davor und es geht ja nicht nur un die ungewöhnliche Struktur. Eine Sonate wie op. 31/3 schätze ich wegen der geradezu impressionistischen oder in der Unterhaltungsmusik vergangener Jahrzehnte ausgeschlachteten sixte ajoutée zu Beginn oder wegen der humoristisch mehrdeutigen Binnensätze. Und bereits bei op. 2/2 zeigt der Finalsatz einen ganz unverwechselbar verspielten Tonfall. So als würde man Rokokofigurationen ironisieren.

      Eigentlich hat sich Beethoven in seinen Klaviersonaten von Anfang an nicht wiederholt, um es einmal so pauschal zu formulieren.

      Ich besitze mindestens zehn Einspielungen der letzten Sonate und fast alle sind interessant und gelungen, ohne sich allzu sehr zu ähneln.

      Stichwort Gunda - nur weil Du das jetzt schon zweimal so buchstabiert hast: Der Mann heißt geringfügig anders. Vielleicht hätte ihm aber Deine Variante auch gefallen. Es ist ihm zuzutrauen. :D :)

      :beer Wolfgang
    • Neu

      Oh, habe ich Friedrich Gunda geschrieben?
      Natürlich Friedrich Gunda - oh, schon wieder! Blöde Autokorrektur ?(

      Übrigens, unerfahren wie ich war, habe ich diesen Thread hier begonnen, er sollte eigentlich in 'was ich gerade höre' stehen. Nun aber sehe ich, dass er besser unter Klaviermusik -> Beethoven aufgehoben wäre.
      Könnte ein netter Administrator das verschieben?

      Gruß,

      Lotreq
    • Neu

      Lotreq schrieb:

      Es ist, glaube ich, sehr schwer, mit den späten Beethovensonaten sich diesem genialen Komponisten nähern zu wollen, da die klassisch strenge Form einer Sonate kaum noch erkennbar ist.
      Guter Einwand, war auch so nicht geplant, diese Annäherung.
      Der erste Kontakt zu den Sonaten war über die 2 und 7. Dann ein Überblick und jetzt im hochalpinen Gelände gelandet.
      Vielleicht komme ich langsam zu etwas mehr Form und System im Hören.

      Die Beschreibung:

      Lotreq schrieb:

      Die Formen wirken nicht geschlossen, es ist bizarr und teilweise sehr filigran. Das Hören dieser späten Sonaten ist wie ein Gang im Hochgebirge auf einem schmalen Grad, wo man von Gipfel zu Gipfel klettert und sich vor einem immer neue Abgründe auftun.


      deckt sich mit meinem Hörerleben. Hat mir geholfen was zu verstehen. Danke.
      "Das Hören auf andere Stimmen, Gegenstimmen und Dissonanzen
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      Yehudi Menuhin
    • Neu

      tapeesa schrieb:

      Der erste Kontakt zu den Sonaten war über die 2 und 7.
      Hallo tappeesa,
      die 7. op 10 ist auch ein Juwel, besonders finde ich den tief empfundenen, melancholischen 2. Satz beeindruckend. Es klingt, als wenn jemand einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat und nun über sein Unglück nachgrübelt. Seine Gedanken kreisen ständig um das Thema, manchmal stöhnt er vor innerlichem Schmerz auf, dann versinkt er wieder in tiefe Traurigkeit.
      Oft scheint der Satz zu Ende gehen zu wollen, doch dann setzt er sich wieder leise und schleppend fort.
      Ein geniales Stück.
    • Neu

      Lotreq schrieb:

      Andréjo schrieb:

      Wenn man schon auch gerne im 20. Jahrhundert musikalisch zu Hause ist,
      Hallo Wolfgang, was meinst du mit 20. Jahrhundert, welche Art von Musik?
      Gruß,

      Lothar
      Hallo, Lothar!

      Ich gehe da querbeet. Klassische Moderne bis hin zur Avantgarde und Postmoderne. Es gibt kaum etwas, womit ich mich nicht beschäftigen will. Dass etwa der Jazz, dass auch Vokales zu kurz kommt, ist nur eine Zeitfrage.

      Aber noch kurz und konkret zu Beethoven: Der Weg von seiner Großen Fuge hin zu Schönberg scheint mir nicht länger als der, sagen wir mal, von Brahms zu Reger. Das verblüfft mich jedesmal von Neuem. (Und dass Beethoven in op. 111 den Boogie-Woogie vorweggenommen hat, ist zwar ein älterer Witz, aber das Körnchen Wahrheit darin ist halt auch ein großes Korn ...)

      :) Wolfgang
    • Neu

      Lotreq schrieb:

      ich habe gerade mal wieder die letzte Klaviersonate von Ludwig van Beethoven in der Einspielung von Friedrich Gulda gehört, und wie immer kamen mir die Tränen dabei.
      Hallo Lotreq,

      ich kann deine Empfindung sehr gut nachvollziehen, und das insbesondere bei Gulda. Ich habe viel verglichen, und insgesamt erreichen mich seine Interpretationen der op. 111 am allermeisten. Ich vermute, du hast die Version von 1968 aus der Gesamteinspielung von AMADEO gehört?
      Es gibt noch eine andere, die man zur Zeit wohl nur gebraucht oder als Download bekommt - und zwar seine Philips-CD aus den 80er-Jahren. Vom Charakter her ist sie empfindsamer und weniger sportlich, und ich glaube sie gefällt mir noch besser.
      Und dann gäbe es ja auch noch die Gesamtaufnahme von DECCA aus den 50ern, aber die kenne ich bisher leider nicht...

      Viele Grüße,
      Martin