Musikwissenschaftlicher Artikel über Stockhausen und die Rockmusik

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    • Danke für den Link, EinTon.

      Ich meine, dass dieser Artikel kein wissenschaftlicher ist, denn es gibt weder eine klar formulierte These noch eine Schlussfolgerung. Das muss ich mir als Leser selbst zusammenkratzen. Die zentrale Aussage scheint mir zu sein, dass “Stockhausens kompositorisches Werk auf Rockmusiker einen eher behaupteten als tatsächlichen Eindruck gemacht hat.”

      Er argumentiert m. E. recht überzeugend, dass dort, wo ein solcher Eindruck vermutet wird, nämlich bei den Beatles, wahrscheinlich eher zufällige Parallelen am Werk waren, die wegen der Bekannschaft von John Lennon mit Stockhausen als kompositorischer Einfluss fehlgedeudet werden. Dort wo dieser Eindruck sicher nachgewiesen ist, nämlich bei Mitgliedern der Gruppe Can, zeigt er m. E. ebenfalls überzeugend auf, dass diese Einflüsse weniger innerhalb der Rockmusik sondern mehr in der subventionierten Kunstmusik (im experimentellen Grenzbereich zwischen avancierter Neuer Musik und Rockmusik) und in der Filmmusik Niederschlag gefunden haben. Dort wo dieser Eindruck behauptet wird, nämlich von Musikern wie "Frank Zappa, Pete Townshend von The Who, Jerry Garcia von Grateful Dead (…) Björk und unter den Jazzmusikern (…) Miles Davis, George Russell, Charles Mingus und Anthony Braxton, die vorgaben, von Kompositionen Stockhausens so beeindruckt worden zu sein, dass diese bedeutsam für das jeweilige eigene Werk wurden", zweifelt er das an, mit dem pauschalen Hinweis, dass keineswegs "deutlich wird, welche Kompositionen Stockhausens diese Musiker kannten, welche Schallplatten dessen Werke möglicherweise in ihrem Besitz waren und welche eigenen Kompositionen oder Songs den Einfluss (…) so zeigen, dass auch Hörer dieser Kompositionen die Spuren des Werks Stockhausens erkennen könnten."

      Beleuchten wir zwei dieser Beispiele näher: Bei Frank Zappa ist zum einen sehr deutlich, welche Werke von Stockhausen er kannte, andererseits hat er sich nicht -wie behauptet- sonderlich davon beeinflusst gefühlt (hier). Bei Miles Davis wiederum gibt es keine Zweifel, welches Werk von Stockhausen (Mixtur) auf welcher Platte (On the Corner) Niederschlag gefunden hat. Drei Fehler in zwei Beispielen. Da kommt der Verdacht auf, dass das pauschale Anzweifeln tendenziös die eigene Sichtweise untermauern soll und nicht auf gründlicher Recherche beruht. Das ändert nichts daran, dass der Autor in der Sache wahrscheinlich Recht hat, aber ohne diese unnötige Passage wäre er glaubwürdiger gewesen.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Cetay ()