Beethovens Waldsteinsonate

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Beethovens Waldsteinsonate

      Liebe Forianer,

      wie wohl jeder Leser hier schon bemerkt haben dürfte, bin ich großer Liebhaber der Kammermusik Beethovens. Neben dem Streichquartettschaffen hat es mir vor allem sein Klaviersontenwerk angtan. Und wirklich weiß ich jede Sonate höchst zu loben und zu schätzen - bis auf eine Ausnahme: Die Waldsteinsonte bereitet mir irgendwie beharrlich Widerstand.

      Wer kennt Schriften über das Sonatenwerk: Liegt hier vielleicht irgend etwas Besonderes vor, das diese Sonte signifikant von seinen anderen unterscheidet? Wer hat vielleicht eine Vermutung, weshalb gerade dieses - doch recht häufig aufgeführte - Werk mir so viel weniger zusagt? Ich habe nämlich nicht die geringst Ahnung einer Erklärung dafür.

      Danke!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: Beethovens Waldsteinsonate

      Lieber ab ,

      die "Waldstein"-Sonate leidet schon unter ihrem unglücklichen Namen . Und zwar sehr , weil damit zumal beim wenig geübeten Hörer undKenner der Hintergründe der Entstehung zum Teil ganz irrende Spekulationen hervorgerufen werden .

      Manche Rezensenten machen , meiner meinung nach , noch den verhängnisvollen Fehler einem bestimmten Pianisten eine bestimmte Zeit der Schaffenperiode Beethovens unsinnig formalistisch zuzuordnen. In dem Fall von Opus 53 ist dies die Verbindung mit dem Namen Gulda .
      Gulda ist ja nun wirklich nicht der einzige , der die "mittleren Sonaten" zumindest für seine Gemeidne grossartig eingespielt hat . Bei dem versuch zu realativieren und zu pbjektivieren , finden die Grossen Alten wie kempff ( 1950er und 1960er Jahre ) ebenso einen wahrscheinlich noch grösseren Anspruch auf den Platz auf dem Olymp wie Wilhelm Backhaus . Hoch interessant , dies wird meist unterdrückt , m u s s man das "Andante favori" mit einbeziehen .

      Leider tust Du dies auch nicht . Dann nämlich nähern wir uns Claudio Arraus wirklich grossartiger Aufnahme ( eben mit dem "Andante favori" ; Philips ) .

      Wir haben dann den manuell schier überwältigenden gegenpol zu Arrau in Horowitz . Aber ist dies , aussser dem Spektakulären , noch Beethoven . Wir mögen darüber diskutieren ( können ) . Diese Aufnahme gibt eben auch bei einigenbeethovensonaten die Horowitz - Grundsätze wieder : das Experiment zum Äussersten treiben . Eine sicher , wie auch bei Schumanns "Toccata" oder einigen Sonaten Scriabins oder Prokovievs interessante Analyse des Werkes , aber unter den von Dir ja immer betonten ästhetischen gesichtspunkten ist dies wenig zufriendenstellend .

      Interessant ist die Aufnahme mit Yves Nat , weil er eben Klarheit des Notentextes verbindet mit delikatem Anschlag und grosser Liebe zu Inneren des Werkes .

      ich möchte diese EMI - Aufnahme hier ausdrücklich herausstellen .

      Literatur :
      1. J Kaisers Buch über die 32 Sonaten beethovens 8 obwohl längst überholt , immer noch eine Fundgrube ) u n d

      2. M Kornemanns umfangreichen Textbeitrag zum Zykklus von Buchbinder ( 2002 ) . Der text leidet unter vielen Manierismen Kornnemenns und oft vorhersehbaren Ergebnissen seiner Sonatenanalytik .

      Viele Grüsse ,

      Frank

      PS.: das vielleicht überzeugenste "Andante favori" spielt für mich Igor Shukov . F.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ganong ()

    • RE: Beethovens Waldsteinsonate

      a propos Waldsteinsonate: Jüngst kam ich an einem Laden vorbei, wo man leider nicht anhören kann. Dort war eine BrilliantClassics -Doppel CD ausgestellt mit einem mir unbekannten Piansiten:
      Harris Goldsmith Plays Beethoven. Auf der Rückseite des Covers ist von Arrau zu lesen, dass Goldsmith einer der begabtesten jungen Piansiten gewesen sei, dessen Spiel so schön und berührend gewesen sei, dasss es ihm, Arrau, Tränen in die Augen getrieben hätte.

      Was ist davon zu halten?
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • lieber ab,

      die sonate c-dur op. 53 ist ungeheuer weiträumig konzipiert im kopfsatz und auch im finale. bewegung und motorischer drive sind ein grundprinzip. der mittelsatz wurde von beethoven geändert, der zunächst das andante favori vorsah. diese sonate braucht einen überragenden pianisten und musiker, der technisch weit überdurchschnittlich agiert und dabei ein meister der phrasierung ist. ohne technik kann die sonate nicht klanglich erblühen, ohne musikalität klingt es wie eine nähmaschine, man höre vladimir horowitz !

      zwei interpretationen bzw. aufnahmen haben es mir seit der schulzeit angetan:

      claudio arrau (philips)
      emil gilels (DG)

      gruß, siamak :)
    • Rudolf Serkin - Emil Gilels

      Liebe Forianer,

      gestern Abend habe ich mir die Waldsteinsonate mir Rudolf Serkin angehört, ein MItschnitt aus London 1973. Der erste Satz umwerfend, Serkin schien damals außer sich zu sein, so als wenn Beethovens Geist in ihn gefahren wäre (wennich das mal so sagen darf). Ich habe vor ca 30 Jahren ähnliches mit Serkin erlebt, er spielte damals die Appassionata.

      Die Gilels-CD bei DGG ist eine sehr gute Studio-Einspielung, die ins Spitzenfeld gehört. 1971 habe ich im Radio einen Klavierabend von den Salzburger Festspielen mit Gilels gehört. Er spielte damals auch die Waldsteinsonate, ich habe sie Gott-sei-Dank auf Band mitgeschnitten, immer wieder ein Genuss, den MItschnitt zu hören. Im Vergleich zur Cd fällt auf, um wieviel freier aber auch gespannter, zwingender Gilels interpretiert, das kann man kaum besser hinkriegen. Vielleicht - hoffentlich - veröffentlicht das Label ORFEO den Mitschnitt.

      Gruß Bernd
      :hello
    • Forianer,

      in den letzten Tagen hörte ich recht häufig die Waldsteinsonate. Ein so großartiges Werk voller Wechsel und Spannung.

      U.A. hörte ich dabei die Aufnahme vom M. Korstick, der von seinen Mitstudenten bereits als "Professor-Beethoven" genannt wurde.
      Korstick recherchiert im Vorfeld seiner Beethoven Aufnahmen sehr intensiv u.A. im Bonner Beethoven-Haus.

      Seine Aufnahmen wirken immer extrem durchdacht und sehr konzentriert.

      So ist es auch bei der Waldsteinsonate.



      Leider verleirt Korstick durch diese "akademische" Betrachtung Beethoven's die große Spannung, dieses Eingebung.
      Manchmal, so scheint mir, kann zu viel Wissen um ein Werk auch hemmend wirken.

      So bleibt es was Korstick und sein Beethoven angeht bei meinem bereits geäußertem ambivalentem Verhältnis.
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Rachmaninov
      Forianer,

      in den letzten Tagen hörte ich recht häufig die Waldsteinsonate. Ein so großartiges Werk voller Wechsel und Spannung.

      U.A. hörte ich dabei die Aufnahme vom M. Korstick, der von seinen Mitstudenten bereits als "Professor-Beethoven" genannt wurde.
      Korstick recherchiert im Vorfeld seiner Beethoven Aufnahmen sehr intensiv u.A. im Bonner Beethoven-Haus.

      Seine Aufnahmen wirken immer extrem durchdacht und sehr konzentriert.

      So ist es auch bei der Waldsteinsonate.



      Leider verleirt Korstick durch diese "akademische" Betrachtung Beethoven's die große Spannung, dieses Eingebung.
      Manchmal, so scheint mir, kann zu viel Wissen um ein Werk auch hemmend wirken.

      So bleibt es was Korstick und sein Beethoven angeht bei meinem bereits geäußertem ambivalentem Verhältnis.


      Lieber Rachmaninov,

      diese Waldstein-Sonate von Korstick gab es mal als Beigabe zum Fono-Forum. Für mein Empfinden ist diese Interpretation vulgär und dort, wo sie womöglich kraftvoll und leidenschaftlich sein sollte, nichts anderes als brutal; den zweiten Satz finde ich schlafinduzierend - insgesamt erinnert mich das nur entfernt an Musik.

      Übrigens würde ich davon ausgehen, daß jeder Interpret sich auch theoretisch mit einem Notentext auseinandersetzt, wenn oder bevor er ihn spielt, ohne gleich als Gelehrter gelten zu wollen.

      Neulich hörte ich im Fernsehen eine Aufnahme von Barenboim, die ich sehr überzeugend fand. Meine Lieblingsaufnahme dieser Sonate ist - glaube ich - immer noch die des 85-jährigen Backhaus bei einem Konzert, das er aufgrund eines Schwächeanfalls nicht wie geplant zuende bringen konnte; einige Tage später starb er an Herzversagen. Man merkt ihm anfangs schon an, daß er nicht in körperlicher Höchstform ist, jedoch wächst er im Verlauf über sich hinaus - hören!

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Hallo Forum!

      Bislang kannte ich die Waldstein-Sonate nur aus der Gesamtaufnahme von Ashkenazi. Diese Version gefiel mir beim ersten Anhören sehr (wohl auf Grund der eingängigen Melodien), doch schon nach dem dritten Mal langweilte sie mich. Mir schien Glenn Goulds Kritik an Beethovens mittleren bis späten Sonaten, dass sie ein Minimum an thematischem Material enthielten, das "in weniger geschickten Händen als den seinen gerade einmal ausgereicht hätte, um eine sechzehntaktige Einleitung ordentlich zu gestalten", auf diese Sonate durchaus zuzutreffen.

      Zufällig habe ich vorgestern eine preisgünstige Ausgabe der Horowitz-Aufnahme in die Hände bekommen und meinte mich zu erinnern, dass diese in diesem Faden hier überschwänglich gelobt worden sei (eigentlich war es ja die von Gilels). Und tatsächlich kommt es mir vor, als hörte ich ein anderes Stück. Ich möchte diese Aufnahme wieder und wieder hören (und tue das zurzeit auch).
    • Original von Derernst
      Hallo Forum!

      Mir schien Glenn Goulds Kritik an Beethovens mittleren bis späten Sonaten, dass sie ein Minimum an thematischem Material enthielten, das "in weniger geschickten Händen als den seinen gerade einmal ausgereicht hätte, um eine sechzehntaktige Einleitung ordentlich zu gestalten", auf diese Sonate durchaus zuzutreffen.



      So so, gleich alle mittleren und späteren Sonaten.

      Gould hat stets zu provozieren versucht und sein Ego in den Mittelpunkt gestellt, um von diesem Ego aus das Werk von außen zu betrachten und von diesem Standpunkt aus häufig mit herabsetzenden Äußerungen zu bedenken. Auf diese Weise ist er nur zu oft nicht zum Wesen eines Werkes vorgedrungen, was seine interpretatorische Leistung wohl eher schmälert. Aufgrund seiner respektlosen Art hat er allerdings auch keinen guten Kritiker abgegeben. Wenn er denn komponiert haben sollte, glaube ich nicht, dass er Überragendes geleistet haben könnte. Mir sind allerdings keine Kompositionen Goulds bekannt, noch nicht einmal sechzehntaktige Einleitungen.
      Gould gefällt mir da, wo er weniger bekannte Komponisten spielt, am besten - vermutlich weil er insoweit nicht genug Adressaten für Provokationen vorfand. Zum Beispiel Byrd.

      Zu Horowitz´ Beethoven vermag ich nichts zu sagen, weil ich ihn nicht kenne - wobei ich bezweifle, dass ich die Aufnahme kennenlernen sollte. Ich persönlich will allerdings "kein völlig anderes Stück" hören, wenn ich die Waldsteinsonate auflege. Gulda, Kempff, Gilels und der von Daniel und mir - sonst hier wohl weniger - geschätzte Brendel haben jeweils ihre eigene persönliche Lesart. Aber alle spielen mit Respekt vor der Komposition und dem Komponisten.



      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von HenningKolf
      Gulda, Kempff, Gilels und der von Daniel und mir - sonst hier wohl weniger - geschätzte Brendel haben jeweils ihre eigene persönliche Lesart.
      Gruß
      Henning


      Ich habe unlängst die 70er Aufnahme mit Brendel blind gehört und folgendes dazu geschrieben:

      Die Interpretation war ganz nach meinem Geschmack. Das wurde -in positiven Sinne- etüdenhaft vorgetragen, so dass die musikalischen Inhalte sehr klar herauskamen und die Abläufe quasi Note für Note nachvollziehbar wurden. Das ging aber in keinster Weise auf Kosten des musikalischen Flusses, im Gegenteil, selten habe ich Beethoven so selbstverständlich dahingleiten gehört. Darunter hat wiederum die Gewichtigkeit nicht gelitten, die niemals vom vorbildlich zurückhaltenden Interpreten aufgedrückt wirkte, sondern aus der Musik selbst zu sprechen schien. Dieser wunderbare Beethoven war ein Triumph von Konzentration und Klarheit.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Original von Derernst
      Bislang kannte ich die Waldstein-Sonate nur aus der Gesamtaufnahme von Ashkenazi. Diese Version gefiel mir beim ersten Anhören sehr (wohl auf Grund der eingängigen Melodien), doch schon nach dem dritten Mal langweilte sie mich. Mir schien Glenn Goulds Kritik an Beethovens mittleren bis späten Sonaten, dass sie ein Minimum an thematischem Material enthielten, das "in weniger geschickten Händen als den seinen gerade einmal ausgereicht hätte, um eine sechzehntaktige Einleitung ordentlich zu gestalten", auf diese Sonate durchaus zuzutreffen.


      Die Pointe der Provokation ist ja, daß Gould etwas umdreht, was sonst als zu lobende Eigenschaft von Beethovens Musik hervorgehoben wird (vgl. z.B Bernsteins Fernsehsendungen oder Artikel zu den Sinfonien), nämlich aus wenigem und "trivialem" Material sehr viel zu machen. Gould ist hier aber inkonsistent, denn das gilt ebenso oder noch mehr für einige frühe und späte Werke (ganz deutlich z.B. gleich im ersten Satz der ersten Klaviersonate) und oft auch für seinen Favoriten Bach.
      Ich glaube, daß Gould etwas ganz anderes gestört hat. Nämlich der auftrumpfende und konzertante Gestus (er hatte grundsätzlich etwas gegen Konzerte, sowohl die Gattung als auch das Konzertieren). Legtim, aber eben keine besonders interessante, weil wenig erhellende Kritik...
      Daher gibt es in einem Stück wie der Waldstein natürlich auch viel "Füllmaterial", ausgebreitete virtuose Episoden (aber wieder sehr ähnlich schon in frühen Werken wie op.2,3).

      Mir ging es als Jugendlicher umgekehrt: Ich kannte schon einige Beethoven-Sonaten (die üblichen drei, aber auch einige der späten) und fand die Waldstein zuerst eher enttäuschend: keine "Melodie", nur so eine Art Klangfläche am Anfang.
      Aber das ist gerade ein Witz des Stücks und ein Teil seiner Neuheit und Radikalität.

      :hello

      Wooster
    • Mir fällt jetzte kein besonderer Grund dafür ein, aber die Waldstein Sonate war die erste Beethovens, die ich gleich gemocht hatte. Ich weiß gar nicht mehr mit wem ich sie kennenlernte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon andere CDs mit Beethovens Sonaten, aber die Entdeckung der Op. 53 war dann der richtige Einstieg, der Funke und Weg zu den anderen Sonaten.

      Die Eigenarten dieser Sonate hat AcomA weiter oben eigentlich knapp aber treffend beschrieben.

      Horowitz (RCA) liefert supendes Virtuosentum. Das klingt auf eine Art antiquiert, die hier für mich ihren Reiz hat.

      Gulda (Amadeo) hat ja bei der Walstein einen gewissen Ruf und ich mag seine Deutung wirklich sehr gerne. Diese Mischung aus Technik und irrwitzigem Tempo begeistert mich einfach. Ich werde fast immer High davon.

      Backhaus (Decca) spielt sie vergleichsweise langsam und kommt mir auf seine Art sehr verkopft vor, dennoch ist das meine bisherige Lieblingseinspielung dieses Pianisten.

      Serkin (Sony) höre ich gerade im Moment. Ich höre Serkin zwischen seiner Alterswildheit und Konzentration auf die einzelnen Verläufe einfach sehr gerne.

      Schnabel ist bei mir in diesem Fall nicht im Spitzenfeld, aber wie immer einfach sehr gut und hörenswert.

      Korstick seine extreme Tempiwahl, sein Schwerpunkt auf Fragen der Dynamik und seine Transparenz, die auch die entlegensten Strukturen und ihre Verästelungen immer hörbar macht, dass alles hatte auch mich einen Sog, dem ich mich seitdem nicht mehr entziehen kann. Sein Beethovenspiel befriedigt bei mir quasi Bedürftnisse in Dingen, die bis dato einfach kein anderer so wichtig genommen hat.

      Brendel (Vox). Ewig nicht gehört, aber gerade die mittleren Sonaten haben mir beim jungen Brendel einfach besser gefallen als alles was ich bei Phillips bisher kenne (Nicht das die die schlechtesten sind). Schon typischer Brendel, aber mit einer gewissen frische.

      Arrau (Phillips). Wenn es bei Arrau eine Sache gibt, die mir weniger gefällt, dann ist es er Eindruck man hätte zuviel von einem , wenn auch wirklich sehr sehr gutem, Essen zu sich genommen. Eine gewisse Schwere und Völle die sich nach dem hören von Arraus Beethoven einstellt. So gut ich diese Waldstein Sonate auch finde. Ich kann immer nur eine hören.

      Dann habe ich noch Kempff (DGG Stereo), Gilels (DGG) die einfach nicht mein Ding sind.
      ________________________________________
      ------------------------------------------------------------
      ________________________________________
    • Original von Dox Orkh
      Original von HenningKolf
      Gulda, Kempff, Gilels und der von Daniel und mir - sonst hier wohl weniger - geschätzte Brendel haben jeweils ihre eigene persönliche Lesart.
      Gruß
      Henning


      Ich habe unlängst die 70er Aufnahme mit Brendel blind gehört und folgendes dazu geschrieben:

      Die Interpretation war ganz nach meinem Geschmack. Das wurde -in positiven Sinne- etüdenhaft vorgetragen, so dass die musikalischen Inhalte sehr klar herauskamen und die Abläufe quasi Note für Note nachvollziehbar wurden. Das ging aber in keinster Weise auf Kosten des musikalischen Flusses, im Gegenteil, selten habe ich Beethoven so selbstverständlich dahingleiten gehört. Darunter hat wiederum die Gewichtigkeit nicht gelitten, die niemals vom vorbildlich zurückhaltenden Interpreten aufgedrückt wirkte, sondern aus der Musik selbst zu sprechen schien. Dieser wunderbare Beethoven war ein Triumph von Konzentration und Klarheit.


      Das ist ja jetzt schon das zweite Mal in kurzer Zeit............ :B ?(

      :beer
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von HenningKolf
      Aufgrund seiner respektlosen Art hat er allerdings auch keinen guten Kritiker abgegeben. Wenn er denn komponiert haben sollte, glaube ich nicht, dass er Überragendes geleistet haben könnte. Mir sind allerdings keine Kompositionen Goulds bekannt, noch nicht einmal sechzehntaktige Einleitungen.


      Ohne deinen Ausführungen zu Goulds Kritik widersprechen zu wollen - ich denke, dass ein Interpret grundsätzlich durchaus legitimiert ist, eine Komposition oder einen Komponisten zu kritisieren, ohne dass er selbst komponieren würde. Ich fühle mich als PC-Anwender jedenfalls auch legitimiert, sachliche und fundierte Kritik an einer Software anzubringen, ohne dass ich sie selbst programmieren könnte...

      Ich bin aber wiederum mit dir einig, dass eine respektvolle Grundhaltung auch zum Komponieren eine gute Basis ist. Ironischerweise galt ja Goulds Kritik am Beethoven jener Phase ausgerechnet dessen seiner Meinung nach egoistischem, "herrischem Geist"; er kritisierte also etwas, das er selbst auch verkörperte.

      Einen schönen Samstagabend, Gruss
      Derernst
    • Original von Dox Orkh

      Ich habe unlängst die 70er Aufnahme mit Brendel blind gehört und folgendes dazu geschrieben:

      Die Interpretation war ganz nach meinem Geschmack. Das wurde -in positiven Sinne- etüdenhaft vorgetragen, so dass die musikalischen Inhalte sehr klar herauskamen und die Abläufe quasi Note für Note nachvollziehbar wurden. Das ging aber in keinster Weise auf Kosten des musikalischen Flusses, im Gegenteil, selten habe ich Beethoven so selbstverständlich dahingleiten gehört. Darunter hat wiederum die Gewichtigkeit nicht gelitten, die niemals vom vorbildlich zurückhaltenden Interpreten aufgedrückt wirkte, sondern aus der Musik selbst zu sprechen schien. Dieser wunderbare Beethoven war ein Triumph von Konzentration und Klarheit.


      Man könnte fast meinen, SWR2 möchte Lehrstunden erteilen. Heute gab es wieder ohne Ansage den 3. Satz aus der Waldsteinsonate und die Interpretation war so ziemlich das Gegenteil von der Brendelschen. Statt perlend weichen Läufen gab es relativ hartes single note Spiel, die dynamischen Kontraste wurden stark betont und die Form samt großem Spannungsbogen wirkte blockhaft aufgebrochen. Das war eine deutlich weniger gebändigte Präsentation als die von Brendel, dennoch kam sie mir total blutleer vor. Auf mich wirkte das eher wie ein Vorführen als wie ein Musizieren.
      Der Interpret: Michael Korstick.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Original von Dox OrkhStatt perlend weichen Läufen gab es relativ hartes single note Spiel, die dynamischen Kontraste wurden stark betont und die Form samt großem Spannungsbogen wirkte blockhaft aufgebrochen. Das war eine deutlich weniger gebändigte Präsentation als die von Brendel, dennoch kam sie mir total blutleer vor. Auf mich wirkte das eher wie ein Vorführen als wie ein Musizieren. Der Interpret: Michael Korstick.

      Lieber Dox Orkh,

      die Vokabeln "blutleer" und "Vorführen" scheinen mir eminent zu Korstick zu passen, soweit ich ihn gehört habe (glücklicherweise auch einmal "blind", ich glaube, es war mit Schumanns "Carnaval") - siehe auch hier - ein Beamter am Klavier.

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gamaheh ()

    • Hallo,

      Die Waldstein-Sonate war zusammen mit der Les Adieux schon immer (oder besonders in letzter Zeit) meine Lieblingssonate von Beethoven. Wunderbar wie da das zweite Thema reinkommt! Meint ihr (hauptsächlich die Pianisten unter euch), dass man das zweite Thema in E-dur etwas langsamer Spielen muss als den Anfang. Ich glaub es steht nichts in den Noten, aber so vom Gefühl... ?

      Diese zwei Sonaten gefallen mir wohl auch deshalb so besonders, weil ich etwas von dem Mondschein-und Sturm-Beethoven abgekommen bin, und auch die letzten Sonaten erst vor nicht allzu langer Zeit "für mich entdeckt habe.

      Leider kenne ich bei der Waldstein nur Gulda (Aus der Gesamteinspielung) und Pollini (die ich jetzt auch gerade anhöre) aber das könnte man doch fast noch perfekter machen...

      Wer kann mir noch andere Aufnahmen empfehelen, besonders, da ich mit Gielels Beethoven-einspielungen wenig Anfangen kann. Hörte mal die ein odere andere Sonate und hatte (entschuldigung wenn ich das so sage) irgendwie da ein richtig schlechten Eindruck davon. Mir schien es fast etwas langweilig...
      von eurem kreislerianer
    • Original von Amadeus Kreisler
      Hallo,

      Die Waldstein-Sonate war zusammen mit der Les Adieux schon immer (oder besonders in letzter Zeit) meine Lieblingssonate von Beethoven. Wunderbar wie da das zweite Thema reinkommt! Meint ihr (hauptsächlich die Pianisten unter euch), dass man das zweite Thema in E-dur etwas langsamer Spielen muss als den Anfang. Ich glaub es steht nichts in den Noten, aber so vom Gefühl... ?



      Ich finde: NEIN!! AUF KEINEN FALL!! Die alte Mär vom lyrischen Seitensatz oder gar dem "weiblichen" Thema, die über Generationen von Klavierlehrer zu Klavierlehrer weitergegeben wurde, sollte man endlich mal nicht immer auf sämtliche verfügbaren Parameter beziehen. Reicht es denn nicht, dass man hier plötzlich und völlig unerwartet nur noch Halbe und Viertel im homophonen Satz hat, nach pochenden Achtelbässen und aufbauschenden Triolen? Muss man dann immer gleich noch molto rubato spielen und seufzend, wie man es bei keiner barocken Schmerzensarie tun würde? Also ich hätte gerne ein robustes Tempo, welches wie der Beginn die Abgründigkeit weiterhin verschleiert (wie vielen Pianisten ist denn aufgefallen, dass der Bassgang zu Beginn einer Passus Duriusculus wie aus dem Bilderbuch ist?). Und dann im Seitensatz der fallende Quintzug ohne Umschweife...ach, Schenker muss da bei der Analyse das Wasser im Mund zusammengelaufen sein. Und dann noch diese trugschlüssige Harmonik, die uns nie ganeu erklärt, ob diese "verdurte dritte Stufe" wirklich eine ist und was sie soll. Noch krasser ist die Harmonik in Beethovens drittem Klavierkonzert, wo der erste Satz wie erwartet in c-moll steht, der zweite aber in E-Dur. Aber gut: dort sind die Sätze immerhin durch eine Pause getrennt, hier haben wir die volle Mediante im Seitensatz (davon konnte Liszt noch zehren). Also bitte: es ist genug da, da (um es mal sehr frei nach Gertrude Stein zu sagen). Wozu noch die Sperenzchen mit dem Tempo?

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch