Sinfonie Nr. 17 F-dur

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    • Sinfonie Nr. 17 F-dur

      F-dur Hob. I Nr. 17

      Nr. 9 nach Finscher unterliegt wie viele ihrer Schwesterwerke dem Problem der unsicheren Datierbarkeit. Michael Walter ordnet sie mit "1762?" klar der Esterhazy-Zeit zu.
      Zu diesem Werk kann man auf den ersten Blick wieder in Richtung italienische Opern-Sinfonia argumentieren. Meine Höreindrücke zeigen aber gleichzeitig einen deutlichen Schritt nach vorn: was das Formale angeht aber auch in bezug auf einen größeren Tiefgang der Themen - die Gattung beginnt sich zu konstituieren.

      Besonders der schwermötige langsame Mittelsatz, f-moll, 2/4, hat schon profundes Gewicht: wie eine Trauerprozession schreitend - nicht fließend sondern mit vielen kleinen Generalpausen. Teils wagemutige Modulationen machen diesen Satz zusätzlich bemerkenswert, auch hört man einmal eine Sekund-Reibung wie später im ersten Satz des "Philosophen". Für mich jedenfalls das Kernstück dieser Sinfonie.

      Der Kopfsatz im beschwingten 3/4-Takt transportiert durch kluges Massieren der Mittel, insbesondere in den Moll-Einschüben, eine wirkungsvoll drängende Dramatik. Vielerorts wird über diesen Satz das Ebenmaß der (seinerzeit noch garnicht definierten) Sonatensatzform mit ungewöhnlich langer Durchführung hervorgehoben.

      Der nicht genannte Klappentext-Autor der Boettcher-Aufnahme schreibt:
      Der Aufbau des ersten Satzes der Symphonie Nr. 17 in F-Dur weist auf eine Form hin, die auch später zu einer von Haydn bevorzugten gehören wird: das Rondo mit seinem symetrischen Wechsel von Refrain und Interludium. Aber auch hier entspringen ungeachtet der wechselnden Stimmungen und der wechselnden Struktur alle Gedanken demselben melodischen Kern. Durch ständige Wiederholung der Anfangsidee schafft Haydn eine dramatische Spannung, die er dann in seinen reifen Werken bis zum Ende erhält, eines der auffallenden Kennzeichen seiner späten Symphonien.

      Das abschließende Menuett in 3/8 & in A-B-A-Form besitzt demgegenüber weniger Eigenprofil - es ist ein artiger Kehraus.

      Haydns Standard-Besetzung jener Zeit kommt auch hier wieder zum Einsatz: zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Violinen, Bratsche, Violoncello & Kontrabaß.

    • Kammerorchester der Wiener Festspiele - Wilfried Boettcher
      (LP, Impression, vermutlich 1970er Jahre)

      Allegro 5'04
      Andante ma non troppo 5'42
      Finale. Allegro molto 2'34

      a' = 440 Hz




      Philharmonia Hungarica - Antal Doráti
      (LP, Decca, P 1974)

      Allegro 5'02
      Andante ma non troppo 6'18
      Finale. Allegro molto 3'24

      a'= 440 Hz

      Die Boettcher-Aufnahme bleibt blaß & wirkt wenig inspiriert. Hinzu kommt ein etwas stumpfes Klangbild. Mehr als dokumentarischen Charakter besitzt die Aufnahme für mich nicht.

      Die bewährten Ruhrpott-Magyaren spielen mit gewohnter Musizierlust: schwungvoll, federnd, süffig. Die Sätze 2 & 3 gewinnen durch maßvollere Tempi. Der Klang ist direkter & durchsichtiger.

      In beiden Aufnahmen ist ein Cembalo mit von der Partie. Anders als in Marl muß es an der Donau im (den Streichern vorbehaltenen)
      Mittelsatz schweigen.

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    • Freut mich sehr, dass die Betrachtung der Haydn-Sinfonien weitergeht!

      Esterhazy oder doch eher Morzin - das ist hier die Frage und Csampai/ Holland tippen auf Letzteren, was der mittlerweile eher verbreiteten Meinung entsprechen dürfte. Die Antwort ist, außer für die Spezialisten, aber vielleicht nicht ganz so wichtig.

      Auch mir gefällt der zweite Satz am besten. In der dynamisch nicht allzu subtilen Einspielung von Adam Fischer, die mir als einzige physisch zur Verfügung steht und die, 1991 entstanden, noch ein wenig gleichförmig und nur bedingt historisch informiert erscheint, wird immerhin klar, dass ein durchgängiges Piano, gegen Ende pathetisch lauter werdend, den Satz prägt.

      Es grüßt Wolfgang.

    • Ensemble 13 Baden-Baden - Manfred Reichert
      (LP, dhm, 1977)

      Allegro 5'08
      Andante ma non troppo 7'01
      Finale. Allegro molto 3'23

      a'= 440 Hz



      Kammerorchester der Staatskapelle Weimar - Friedemann Bätzel
      (LP, Eterna, 1973)

      Allegro 5'11
      Andante ma non troppo 4'25
      Finale. Allegro molto 2'07

      a'= 440 Hz

      Die beiden Platten waren schon halb vergessen, da ich sie wegen ihrer aufnahmetechnischen Mängel bereits in die Kartons mit dem aussortierten Vinyl verbannt hatte.
      Zumindest im Falle des Ensemble 13 bin ich dabei, meine Meinung zu überdenken. Mit entsprechender Justierung am Verstärker (Höhen bis zum Anschlag rauf, Bässe moderat hochgeregelt) geht es in Richtung "erträglich" & das Ohr gewöhnt sich halt auch. Die Darbietung der Badener gefällt mir in diesem Fall nämlich gut. Die für die Wirkung wichtigen Generalpausen im Mittelsatz werden korrekt ausgezählt, der Kopfsatz wirkt ausgewogen, das Finale angemessen moderat im Tempo.

      Die Eterna-Platte wandert allerdings ziemlich sicher wieder zurück in die Strafecke. Auch hier wäre der entfernte, stumpfe Ensembleklang ein noch tolerables Manko. Das zentrale Andante lerne ich bei jedem neuen Hören mehr zu schätzen & sehe es mittlerweile als ein echtes kleines Juwel! Wie es hier aber derart lieblos & überhastet heruntergefiedelt wird, tut fast schon weh.
      Schade - dies ist der einzige Tonträger mit den Weimarern in meiner Sammlung. Aber ja: so bitte nicht - es liegen Welten zwischen Bätzel & Doráti!

      Aus dem Klappentext der Eterna-Aufnahme zitiere ich (wie schon zur Nr. 18) den an sich klug & elegant schreibenden Peter Gülke:
      Wie wenig die Individualität entwickelt ist, zeigt sich in der Sinfonie Nr. 17, in der Haydn ein echtes Menuett zum Allegro molto gemacht hat.

      Hier möchte ich zu Bedenken geben, daß die italienischen Vortragsbezeichnungen im Grunde Stimmungen ausdrücken: Allegro = "freudig" oder "lebhaft". Erst im Laufe der Zeit verschob sich der Sinngehalt von einer emotionalen zu einer metrischen Auffassung (das wird mir gerade wieder klar, während ich erneut Grete Wehmeyers Buch "Prestißißimo" lese). Ergo: Haydn hatte hier womöglich die Stimmung, den gefühlsmäßigen Charakter im Sinn & nicht (oder weniger) das Spieltempo.

      Beide Einspielungen verzichten auf ein Cembalo. Fagottisten, die das Stück einstudieren, sei die Weimarer Aufnahme ans Herz gelegt. Bei allem Schlechten, das ich zum Klang sagen mußte: die Fagott-Stimme ist vorzüglich herauszuhören - ohne, daß es aufdringlich im Vordergrund stünde.
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