Sinfonie Nr. 19 D-dur

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    • Sinfonie Nr. 19 D-dur

      D-dur Hob I Nr.19

      Hoboken: 19 - Finscher: 10 - Walter: 22 - Csampai /Holland: 4. Wer bietet mehr? Wer bietet weniger?

      Ein weiterer Dreisätzer vom Apennin kommt doch schon recht erwachsen daher, besitzt eine nennenswerte & spürbare Dichte & Durchdringung.

      Das in 3/4 stehende Allegro hebt im forte mit einem aufsteigenden gebrochenen Dreiklang an. Ein freudig-festlicher Geist durchweht diesen Satz. Sequenzierungen grüßen noch vom verebbenden Barock herüber, Horn-Fanfaren unterstreichen den stürmischen Charakter.

      Im Andante, d-moll, in 2 Halben. kommt ein für mich etwas neckischer, kapriziöser Zug zum Tragen: das Pendel schlägt mal zum Ernsten, Getragenen, dann wieder zum mit dem Ernsten & Getragenen Kokettierenden aus. Die punktierte Eingangsfigur, zwei fallende Terzen, eine fallende Quart, eine Sekund hoch, eine hinab, ein Halbton hinab, einen hinauf, bestimmt das Geschehen, kehrt variiert & in Originalgestalt wieder. Der Satz besitzt klassische Eleganz & Delikatesse.

      Das abschließende Presto in 3 Achteln wirbelt wieder in Festlaune vorüber. Ein Tuttischlag im forte, eine Terz hinauf & im Piano zwei Sekunden aufwärts, Repetitionen & Triller, dann nimmt der launige Trubel seinen Lauf. Moll-Variationen des Eingangsmotivs tragen kurz etwas schattige Würze hinein, ehe der Anfangsteil wieder aufgegriffen & zu knappem, fröhlichem Abschluß geführt wird.


      Laut Haydns Biograph Giuseppe Carpani (1751 - 1825) sei eine festliche dreisätzige Sinfonie in D es gewesen, die Paul Anton von Esterházy auf den jungen Haydn aufmerksam hat werden lassen oder gar den Ausschlag für seine neue Anstellung gab. Es liegt nahe, daß es sich hierbei um Hob. I Nr. 15 oder eben Nr. 19 handelt.

      Wieder kommt die bekannte Lukavice-Besetzung zum Einsatz: zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Violinen, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Fagott.


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    • Kammerorchester der Staatskapelle Weimar - Friedemann Bätzel
      (LP, Eterna. 1973)

      Allegro molto 3'54
      Andante 2'48
      Presto 3'02

      a'= 440 Hz

      Aufs Neue belegt Bätzel mit den Weimarern den letzten Platz hinsichtlich Aufnahmequalität: ein dünner, leicht entfernter Orchesterklang mit schwachen Bässen. Mit Wiederholungen wird sich hier nicht groß aufgehalten, alles geht behende vonstatten. Was dennoch ansprechend wirkt, ist der schlanke Ton: die Streicher annähernd non vibrato. Dazu wird mit feiner Akuratesse gestaltet (oftmals sauberer als die unten erwähnte Hungarica), insgesamt eine Spur zu nüchtern für mich. Einen Pluspunkt stellt, wie schon bei Nr. 17, die angenehm ausgeglichene Stimmenbalance dar: gerade im Schlußsatz wird das Fagott wieder gut hörbar - etwas, das bei der Konkurrenz auf der Strecke bleibt.




      Kammerorchester Basel - Giovanni Antonini
      (LP, alpha, 2017)

      Allegro molto 5'14
      Andante 4'16
      Presto 2'41

      a'= 430 Hz

      Die Basler & Antonini holen fraglos das Meiste aus diesen Noten heraus - alles ist fein bis detailverliebt gestaltet. Doch auch in diesem Werk wirkt die Darbietung streckenweise überzüchtet, ja gewollt. Jähes Dreinfahren an den Forte-Stellen macht erneut den didaktischen Zeigefinger sichtbar. Das Schnaufen & Fauchen des Dirigenten fügt sich da ins Bild. Gut gesetzte Tempi, allenfalls das Presto scheint mir etwas zu rasant. Insgesamt herrscht eine Tendenz, Pausen nicht voll auszuzählen, besonders im Kopfsatz.
      Wohl verstanden - dies sind Kritikpunkte eines Haarspalt-Hackebeilchen-Schwingers - die Aufnahme bleibt summa summarum famos!




      Philharmonia Hungarica - Antal Doráti
      (LP, Decca, 1974)

      Allegro molto 5.20
      Andante 4'28
      Presto 2'47

      a' = 440 Hz

      Dieses Ensemble macht wieder einmal (fast) alles richtig. Was sich vor allem vermittelt, sind die Lust & Laune, mit der sie hier bei der Sache sind: schwungvolles Musikantentum & ideale Tempi in bestem Decca-Stereo! Der Mittelsatz bekommt hier die angemessene Noblesse verliehen, welche ihn abermals zum (nicht nur numerischen) Kernstück eines Haydn-Dreisätzers macht. Jetzt noch das kernig grundierende Fagott aus Weimar dazu & ich wäre wunschlos!

      Die Weimarer & Marler verwenden ein Cembalo, das Basler Continuo verzichtet auf eine Klaviatur.
    • Wieder eine schöne, anschauliche Einführung, werter Sfantu!

      Zumindest nach Finscher folgt ja die 19. unmittelbar auf die 17. Sinfonie und so liest man im Netz, dass sich das formale Können im Kopfsatz bei mancher Vergleichbarkeit noch einmal erweitert hat, indem Haydn thematisches Material überblendet und stärker denn je verarbeitet. Das Spiel mit Dur und Moll prägt den zweiten Satz, das Finale ist ein schwung- wie kraftvoller Ausklang.

      Zur Verfügung steht mir neben Adam Fischer ebenfalls die alpha-Produktion mit dem Kammerorchester Basel. Die nur zehn Minuten Gesamtspielzeit bei Fischer kommen dadurch zustande, dass Wiederholungen weggelassen werden. Die Tempi sind aber nur wenig langsamer als bei Antonini; das gilt für alle drei Sätze. Ansonsten gefällt mir Fischers Einspielung von 1991 nicht schlecht in ihrer Ausgewogenheit. Antonini ist stärker, spannender, was nun keine Überraschung darstellt. Ich habe übrigens keine Probleme mit seiner Presto-Tempowahl.

      Dass Haydn mit diesem im guten Sinne frühreifen Werk möglicherweise auf Esterhazy einen guten Eindruck gemacht hat, spricht nicht gegen Esterhazy und wäre insofern auch nicht weiter überraschend.

      (PS: Hast Du Dir Csampai/ Holland erst jetzt zugelegt oder Dich nur bislang nicht auf diese Quelle bezogen? Im Sinne Deiner Eröffnung kann ich zumindest nicht "mehr" bieten ... ;) )

      :hello Wolfgang
    • Lieber Andrejo,

      wieder einmal herzlichen Dank für Deine verlässliche Unterstützung (frei nach Wellington: "Ich wünschte, es wäre Nacht oder die Franken kämen!")!
      Die von Dir beschriebenen Entwicklungsschritte von Werk zu Werk kann man sicher am besten auch für sich selbst nachvollziehen, indem man dran bleibt mit dem Hören. Ich werd's zumindest versuchen. Ansonsten steht aber ja sowieso jedem offen, mir zuvor zu kommen mit einer Werkvorstellung. Ich finde, das Prinzip, jeder Sinfonie ihren eigenen Faden zu widmen, bewährt sich gerade unter diesem Aspekt. Aber noch aus einem weiteren Grund: die laut Finscher nächst anstehende Nummer, nämlich "A" resp. Hob I Nr. 107, steht mir auf Tonträger (noch) nicht zur Verfügung. Ich bin hier also gezwungen, sie vorerst zu überspringen um mit Hob I Nr. 25 fortzufahren.

      Csampai / Holland steht nicht erst seit gestern bei mir. Bisher habe ich jedoch kaum auf allgemeine Konzertführer zurückgegriffen oder wenn, dann, aus Bequemlichkeit & als Gewohnheitstier, auf die älteren Schinken. Wenn ich jetzt aber sehe, wie gründlich sie auch den frühen Haydn brücksichtigen, werd' ich sicher & gern öfter dort nachschauen.

      Auf bald,
      Sfantu