Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2020

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • tapeesa schrieb:

      Geht es dir nur darum, dass es ein völlig Unbekannter ist?

      Weil mich irritiert dieses Motiv - Frau erlöst Mann durch ihren Tod, egal ob bekannt oder unbekannt -
      generell. Zucke manchmal schon zusammen, wenn ich eine Inhaltsbeschreibung einer Oper lese und eine Variation davon auftaucht.
      Das geht mir ähnlich, dieses Motiv taucht wirklich in vielen Opern auf (und insbesondere bei Wagner). In dieser Oper stoße ich mich aber besonders daran, denn Senta scheint ja von Anfang an - also bevor sie ihm erstmals begegnet - nur daran zu denken, den Holländer zu erlösen, es scheint fast ihr ganzer Lebensinhalt zu sein. Dazu kommt, dass sie von ihrem Vater wie eine Ware an den Holländer verkauft wird und daran überhaupt keinen Anstoß nimmt.

      Bei mir geht es heute mit dieser Aufnahme weiter:



      Richard Wagner: Der fliegende Holländer

      Der Holländer - Dietrich Fischer-Dieskau
      Senta - Marianne Schech
      Daland - Gottlob Frick
      Erik - Rudolf Schock
      Mary - Sieglinde Wagner
      Der Steuermann - Fritz Wunderlich

      Chor der Deutschen Staatsoper Berlin
      Staatskapelle Berlin, Franz Konwitschny

      Insgesamt ziehe ich die dramatischere Dorati-Aufnahme mit den klangschöneren Stimmen von London und Rysanek vor, in der Konwitschny-Aufnahme wird dafür deutlich textverständlicher gesungen.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Amonasro schrieb:

      tapeesa schrieb:

      Geht es dir nur darum, dass es ein völlig Unbekannter ist?

      Weil mich irritiert dieses Motiv - Frau erlöst Mann durch ihren Tod, egal ob bekannt oder unbekannt -
      generell. Zucke manchmal schon zusammen, wenn ich eine Inhaltsbeschreibung einer Oper lese und eine Variation davon auftaucht.
      Das geht mir ähnlich, dieses Motiv taucht wirklich in vielen Opern auf (und insbesondere bei Wagner). In dieser Oper stoße ich mich aber besonders daran, denn Senta scheint ja von Anfang an - also bevor sie ihm erstmals begegnet - nur daran zu denken, den Holländer zu erlösen, es scheint fast ihr ganzer Lebensinhalt zu sein. Dazu kommt, dass sie von ihrem Vater wie eine Ware an den Holländer verkauft wird und daran überhaupt keinen Anstoß nimmt.

      Naja. :) Wenn wir anfangen, nach der inneren Logik oder der politischen Korrektheit von Opern-Stoffen zu fragen, dann haben wir ein Schlachtfest. Und zwar ein großes. ;)

      Die Komponisten haben ihre Stoffe doch anhand der Frage ausgewählt, inwieweit sie sich gut musikdramatisch umsetzen ließen. Es ist in erster Linie Musiktheater. Da steckt nicht immer die große überzeitliche Botschaft dahinter, und so sollte man das m.E. auch verstehen.

      Der Holländer ist eine schöne Oper. Und ob Sentas Arie so schön geworden wäre, wenn sie von ihrer Selbstverwirklichung, ihrer beruflichen Karriere, ihrem Verzicht auf Ehe und Kinder, ihrem Selbstfindungstrip zum Dalai Lama oder ihrem Engagement für Not leidende Katzen gesungen hätte?

      Ich glaub, es wär ein fades Stück Musik geworden. Seien wir froh, dass Wagner was anderes geschrieben hat und freuen wir uns an der Musik.

      Nichts für ungut. :)

      LG, Werther
    • Amonasro schrieb:

      [...] dieses Motiv taucht wirklich in vielen Opern auf (und insbesondere bei Wagner).
      Bei dem Versuch besser zu verstehen, wie es auch zu dem, von dir Benannten kommt -bin ich heute auf die Unterscheidung "Liebestod" und "Liebesverklärung" gestoßen.
      (am Beispiel: Isoldes Liebestod, Isoldes Liebesverklärung).
      Wagner unterscheidet da ja laut Wikipedia zumindest: de.wikipedia.org/wiki/Liebestod .
      (Viel weiter bin ich noch gar nicht gekommen).

      Meine momentane Theorie wäre, dass um das Ideal "Liebestod", "Liebe über den Tod hinaus" - wenn nicht das bereits eine Verklärung ist - sich sehr viel Verklärendes abspielt - was zu allen möglichen Konstellationen führen und missbräuchliche Komponenten haben kann. Selbst-Verrat, und und und -
      in der Kunst, wie im realen Leben -

      Hier jetzt:



      Piano Transcriptions of Franz Liszt
      1 - Isoldes Liebestod, Wagner
      Thomas Otten
      "There's so much labor just in breathing lately."
      Alejandra Ribera

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von tapeesa ()

    • Werther schrieb:

      Naja. Wenn wir anfangen, nach der inneren Logik oder der politischen Korrektheit von Opern-Stoffen zu fragen, dann haben wir ein Schlachtfest. Und zwar ein großes.

      Die Komponisten haben ihre Stoffe doch anhand der Frage ausgewählt, inwieweit sie sich gut musikdramatisch umsetzen ließen. Es ist in erster Linie Musiktheater. Da steckt nicht immer die große überzeitliche Botschaft dahinter, und so sollte man das m.E. auch verstehen.

      Der Holländer ist eine schöne Oper. Und ob Sentas Arie so schön geworden wäre, wenn sie von ihrer Selbstverwirklichung, ihrer beruflichen Karriere, ihrem Verzicht auf Ehe und Kinder, ihrem Selbstfindungstrip zum Dalai Lama oder ihrem Engagement für Not leidende Katzen gesungen hätte?

      Ich glaub, es wär ein fades Stück Musik geworden. Seien wir froh, dass Wagner was anderes geschrieben hat und freuen wir uns an der Musik.

      Nichts für ungut.
      Dass der Holländer eine schöne Oper ist, würde ich sofort unterschreiben. Aber Musiktheater ist eben auch Theater und so mache ich mir automatisch bei jeder Oper auch Gedanken über die Handlung, die Musik kann ich trotzdem uneingeschränkt genießen.

      Jetzt:



      Ottorino Respighi:

      Sinfonia drammatica
      Belfagor (Konzertouvertüre)

      Orchestre Philharmonique Royal de Liège, John Neschling

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Über das Cover freue ich mich jedes Mal ^^

      Ich nehme erstmal Abstand vom Wagner hören.
      Freude will nicht aufkommen, eher immer größeres Befremden und vielleicht nähere ich mich wenn überhaupt über Literatur -
      "schöne Oper" wäre keine Vokabel, die mein Hörerleben mit dem "fliegenden Holländer" beschreibt.

      Also - wohin des Weges?
      Vielleicht zum Dalai Lama - oder mir einen Vater suchen, der meine Berufung für mich findet. ?( 8)
      Mich fragen, ob ich verflucht bin und wer mich erlöst? Fragen über Fragen ...

      Erstmal hier gestrandet, aber halbherzig, muss den Wagner-Exkurs erstmal verdauen.
      Immerhin passt es farblich zum ersten Post auf dieser Seite und macht doch deutlich mehr Freude (auch wenn das nicht mein einziges Hör-Motiv ist).



      Jacques Offenbach - Orpheus in der Unterwelt
      NDR Symphonie-Orchester, Paul Burkhard, Heinz Hoppe, Anneliese Rothenberger,
      Ferry Gruber, Ursula Schirrmacher, Karl Otto, Rupert Glawitsch
      "There's so much labor just in breathing lately."
      Alejandra Ribera
    • tapeesa schrieb:

      Ich nehme erstmal Abstand vom Wagner hören.
      Freude will nicht aufkommen, eher immer größeres Befremden
      (...)
      muss den Wagner-Exkurs erstmal verdauen.
      Es muss ja nicht unbedingt weiter gehen. Dein Befremden teilen nicht Wenige. Witzigerweise las ich passend dazu gestern in einem Roman die folgenden höchst erfreulichen Sätze:

      Dowland war der erste, der ein Stück abstrakter Musik geschrieben hat, dachte Buckman. Er nahm das Band heraus, legte ein anderes ein und lauschte den >Lachrimae antique pavan<. Darauf beruhen, überlegte er, letzten Endes auch Beethovens Quartette. Und alles andere. Außer Wagner.
      Er konnte Wagner nicht ausstehen. Wagner und seinesgleichen - Leute wie Berlioz - hatten die Musik um drei Jahrhunderte zurückgeworfen. Erst Karlheinz Stockhausen mit seinem >Gesang der Jünglinge< hatte sie wieder auf die Höhe der Zeit gebracht.

      (Philip K. Dick, Eine andere Welt, Fischer Klassik E-BOOKS, Pos. 1527-1531)

      Das hat mich dann zu folgendem Nachtprogramm bewogen:



      John Dowland; Lachriame "Seven Teares"
      Opera Prima Consort, Cristiano Contadin




      Ludwig van Beethoven; Streichquartett Nr. 16 F-Dur, op. 135
      Végh Quartett





      Karlheinz Stockhausen; Gesang der Jünglinge
      Studio für elektronische Musik des WDR, Karlheinz Stockhausen
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Danke.

      Cetay schrieb:

      Es muss ja nicht unbedingt weiter gehen
      Stimmt.
      Dowland hat mich erstmal zu Andreas Scholl geführt.
      Da war dann ein dickes Stopp. (nicht wegen Dowland)
      Opern packe ich - bis auf zwei - auch erst mal ins Land Außerhalb.



      Xenakis - Percussion Works
      Persephassa
      Rebonds B, Rebonds A
      Psappha
      Pléïades: I. Mélanges
      Steven Schick, u. a.
      "There's so much labor just in breathing lately."
      Alejandra Ribera

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von tapeesa ()



    • John Dowland; Lachriame
      Philomusica of London, Thurston Dart (AD: 1957)





      Johann Sebastian Bach; Triosonaten fur Orgel BWV 525 - 530
      Ton Koopman

      Das nenne ich mal einen angenehmen Orgelsound. Klingt weder nach Kirche noch nach Kirmes.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Ich würde gerne mehr inhaltlich in spezifischeren Threads schreiben, aber ich bin immer noch dabei, eher einen Überblick zu bekommen und der Fokus liegt auf dem Hören, Hören, Hören -
      mal was Biographisches, über das hinaus, was ich hier lese oder beim parallelen Suchmaschine nutzen finde, packe ich kaum zeitlich - auch wenn Interesse da ist.
      Bleibt nur Geduld für den Moment -

      Mit der relativen Opern-Abstinenz, klappt nicht -
      das hier jetzt scheint auch zum Genre Oper zu gehören. Der Begriff Choroper war mir bisher unbekannt.



      Christian Jost: Angst - 5 Pforten einer Reise in das Innere der Angst
      Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey
      Musikfabrik
      "There's so much labor just in breathing lately."
      Alejandra Ribera

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von tapeesa ()

      Beitrag von Werther ()

      Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().


    • Charles Gounod/Michel Carré: Mireille

      Mireille - Mirella Freni
      Vincent - Alain Vanzo
      Taven - Jane Rhodes
      Ramon - Gabriel Bacquier
      Ourrias - José Van Dam
      Vincenette - Christine Barbaux
      Clémence - Michèle Command
      Ambroise - Marc Vento
      Le passeur - Jean-Jacques Cubaynes
      Andreloun - Luc Terrieux

      Orchestre et Chœurs du Capitole de Toulouse, Michel Plasson

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)


    • Eugèn D'Albert/Rudolph Lothar: Tiefland

      Pedro - Heinz Hoppe
      Marta - Hanne-Lore Kuhse
      Sebastiano - Ernst Gutstein
      Tommaso - Theo Adam
      Moruccio - Günther Leib
      Nuri - Rosemarie Rönisch
      Pepa - Ingeborg Wenglor
      Antonia - Jola Koziel
      Rosalia - Gertraud Prenzlow
      Nando - Harald Neukirch
      Stimme eines Bauern - Siegfried Vogel

      Chor der Staatsoper Dresden
      Staatskapelle Dresden, Paul Schmitz

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Marcie schrieb:

      Ahhh, ich bin hingerissen. An der Sinfonie werde ich wohl noch lange Freude haben, [...]
      Ich mag diese CD auch sehr. Ist im Inneren unter "Favoriten" gespeichert.
      ________



      Erasmus van Rotterdam
      Èloge de la Folie, Praise of Folly, Elogio de la Locura - kastilische Version
      Montserrat Figueras, u. v. a.
      La Capella Reial de Catalunya, Hespèrion XXI, Jordi Savall
      "There's so much labor just in breathing lately."
      Alejandra Ribera

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von tapeesa ()



    • D. Shostakovich: Violinsonate Op. 134

      Oleg Kagan, Violine
      Sviatoslav Richter, Klavier


      Die Entstehungsgeschichte dieser Sonate ist sehr amüsant: Shostakovich wollte Oistrakh zum 60. Geburtstag sein zweites Violinkonzert schenken. Leider hatte er sich um ein Jahr vertan und schenkt ihm das aus Versehen schon zum 59. Geburstag. Daraufhin schrieb er dann ein Jahr später die Sonate :D
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Benutzer online 1

      1 Besucher