Ernest Bloch - Ein Schweizer Jude im amerikanischen Exil (1880 - 1959)

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    • Ernest Bloch - Ein Schweizer Jude im amerikanischen Exil (1880 - 1959)

      Ernest Bloch wurde am 24.Juli 1880 in Genf geboren. Ernest Bloch begann mit neun Jahren das Violinspiel und machte unter Anleitung des ersten Lehrers Albert Gos so rasche Fortschritte, dass dieser Ende 1894 einen Wechsel zu Emile Jaques-Delcroze, Professor am Genfer Konservatorium, empfahl. Dieser erkannte Blochs kompositorische Begabung und unterrichtete ihn in Musiktheorie und Komposition; den Violin-Unterricht übernahm Louis Rey. Obwohl seine Eltern dagegen waren, ging Bloch 1896 nach Brüssel zu dem Violin-Virtuosen Eugene Ysaye, wo François Rasse sein Kompositionslehrer wurde. Mit dessen Unterricht unzufrieden, wechselte er 1899 zu Iwan Knorr nach Frankfurt/Main an das Dr.Hoch's Konservatorium und zwei Jahre später zu Ludwig Thuille nach München.
      Nach seinem Studium reiste er nach Paris. Hier begegnete er auch Claude Debussy. 1903 war Blochs erste öffentliche Vorstellung seiner Musik bei einem Schweizer-Deutschen Musikfestival in Basel von Kritikern hart angegriffen worden. Einer schrieb sogar, dass ein junger Emporkömmling, der den Affront hatte, solche dissonante und wilde Musik zu schreiben, auf immer bei Brot und Wasser eingesperrt gehöre. Da er anderweitig keine Anstellung fand, war er gezwungen im elterlichen Geschäft zu arbeiten. Auch seine Oper Macbeth, für die Edmond Fleg das Libretto schrieb, und an der er fünf Jahre gearbeitet hatte, war bei der Uraufführung am 30. Oktober 1910 an der Opérea Comique in Paris kein Erfolg. Im Anschluss an eine kurze Tätigkeit als Konzertdirigent in Neuchâtel und Lausanne (1909/1910) hielt er bis 1915 Vorlesungen am Genfer Konservatorium. Hier hörte ihn der spätere Dirigent Ernest Ansermet.

      1916 nahm er die Stelle eines Orchesterleiters bei der Tanzgruppe von Maud Allen an, die mit 40 Musikern und sechs weiteren Tänzern auf eine Nordamerika-Tournee ging. Leider war diese nicht sehr erfolgreich und Bloch in Amerika gestrandet. Am 29. Dezember 1916 wurde sein erstes Streichquartett gegründet in der Schweiz – in New York aufgeführt und hinterlies einen starken Eindruck. Im Januar 1917 begegnete er Mrs. J.F.D. Lanier von der Society of Friends of Music, die ihm grosszügig und uneigennützig unter die Arme griff. Weil seine Werke in Amerika noch unbekannt waren, veröffentlichte Paul Rosenfeld im Februar 1917 einen Beitrag „The music of Ernest Bloch“ und im Monat darauf übersetzte Waldo Frank, Direktor des Magazins „The Seven Arts“, einen von Bloch verfassten Artikel ins Englische und veröffentlichte ihn „Man and his Music“. Die scheinbare Katastrophe verwandelte sich in einen Triumph, als mehrere bedeutende Dirigenten Trois poèmes juifs („Drei jüdische Gedichte“: Danse, Rite und Cortege Funebre) aufführten. Am 7. Juni 1917 reiste er zurück nach Europa und kam am 19. Oktober mit seiner Familie zurück nach Amerika. Vor seiner Abreise hatte er einen Vertrag mit Rudolf Schirmer über die Veröffentlichung seiner Werke abgeschlossen.

      1917–1918 unterrichtete er an der The David Mannes Music School , die 1916 von David Mannes (damals Konzertmeister des New York Symphony Orchestra) und seiner Ehefrau Clara Mannes Damrosch (Schwester von Walter Damrosch) gegründet worden war, und noch einmal 1918–1919. Während seiner Zeit an der David Mannes Musikschule hat er bereits 20 private Schüler, darunter waren Herbert Howells und Roger Sessions.

      1919 gewann er den Elizabeth-Sprague-Coolidge-Preis für die Viola-Suite.[7] Mit den Aufführungen des „jüdischen Zyklus“ bestehend aus Trois poèmes juifs, Schelomo und Israel, hatte er seinen Ruf als Komponist gefestigt, so dass er am 11. Juli 1920 als Musikdirektor an das in Aufbau befindliche Clevenad Institute of Music berufen wurde. Die Fakultät umfasste bald 20 Personen, unter ihnen waren Nathan Fryer für Klavier und Ensemble, der Konzertmeister des Cleveland Orchestra Louis Edlin und Victor de Gomez, Erster Cellist; es folgten Beryl Rubinstein (späterer Direktor) und Ruth Edwards in der Fakultät für Klavier.

      Hier gründet er auch ein Studenten-Orchester und einen Chor. Hier komponierte sein bekanntes erstes Klavierquintett. Für seine Studenten gehört es zur Pflicht, an den Proben des Cleveland Orchesters teilzunehmen, um Harmonielehre und Kontrapunkt zu erleben. 1922 unterrichtet er während der Sommermonate fünf „Meisterklassen“. Auch richtet er eine Art Volkshochschule ein, in der er Vorlesungen hält „Musik erklärt von einem Musiker“. André de Ribaupierre widmet er seine zweite Violinsonate „Poème mystique“, die er 1924 komponiert.

      1926 wechselte Bloch zum San Francisco Conservatory of Music wo er Four Episodes for chamber orchestra (1926), America: An Epic Rhapsody (1927) und Helvetia (1929) komponierte. Mit der Rhapsody gewann er den mit $3000,- dotierten Musikwettbewerb von Musical America 1928. Die Preisrichter, bestehend aus fünf hoch angesehenen Orchesterleitern, darunter Leopold Stokowski, wählten sein Werk einstimmig zum Gewinner. Unter dem Titel The Mountains – später Helvetia – nahm er 1929 an dem Musikwettbewerb der Victor Company teil. Er gewinnt den Preis, der mit $25,000,- dotiert ist und fühlt sich endlich frei.

      Die Familie von Rosalie and Jacob Stern (der mit seinen Brüdern die Firma von Levi Strauss weiter führte), die Bloch wohlgesinnt waren, richteten für ihn einen außerordentlich generösen Trust Fund über $50.000,- ein, der von der University of California in Berkeley verwaltet wurde. Für die Dauer von zehn Jahren erhielt er jährlich $5000,- aus diesem Fond. Er war freigestellt von allen Lehrverpflichtungen und konnte sich voll dem Komponieren widmen. Auch war er an keinen Wohnort gebunden. Daraufhin entschied er sich, zurück in die Schweiz zu gehen. So lies er sich 1930 in Roveredo, Ticino, in den Schweizer-Italienischen Alpen nieder, wo er in den Jahren 1930–33 sein Avodath Hakodesch (Sacred Service) komponiert hat. In Roveredo konnte er auch seine Passion für die Fotografie weiterentwickeln.

      Blochs Werke sind auf der einen Seite der Spätromantik zuzuordnen (etwa Richard Strauss, aber ich finde auch Gustav Mahler, aber auch Claude Debussy zählt zu seinen Einflüssen, der natürlich ganz klar dem Impressionismus zuzuordnen ist. Dazu kommt der Einfluss der jüdischen Volksmusik und Liturgie.

      Während Bloch besonders in den USA schon zu Lebzeiten große Erfolge feiern konnte (seine Anhänger sahen ihn als viertes „B“ nach Bach, Beethoven und Brahms) und auch heute noch als bedeutender Komponist gilt, sind seine Werke in Europa weitgehend in Vergessenheit geraten. Bloch besuchte England in den 1930er Jahren, wo er Konzerte gab. 1949 wurde sein Concerto Symphonique für Klavier und Orchester erstmals bei dem Edinburgh Festival aufgeführt. Im gleichen Jahr dirigierte er das London Philharmonic Orchester mit Chor in der Royal Albert Hall.

      Bloch war das jüngste von drei Kindern. Sein Vater Maurice hatte ein Souvenirgeschäft in Genf und verkaufte u. a. Kuckucksuhren an Touristen. Er und Blochs Mutter Sophie liessen sich 1901 scheiden. Sein Vater hatte viel Geld am Aktienmarkt verloren und sie waren in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Sein Vater starb am 31. März 1913.
      Am 13. August 1904 heiratete er in Genf Margarethe (franz. =Marguerite) Augusta Schneider, Pianistin aus Hamburg, († 1963), die er an der Hoch’schen Schule kennen gelernt hatte. Sie hatten drei Kinder:
      • 20. Februar 1905 Geburt seines Sohnes Ivan-Kolia, der Ingenieur wurde
      • 9. August 1907 Geburt seiner Tochter Suzanne, die einzige Musikerin. Sie unterrichtete Harfe, Laute und Komposition an der Juillard School in New York.
      • 5. Januar 1909 Geburt seiner Tochter Lucienne. Sie wurde (Wand-)Malerin und Fotografin. Zusammen mit ihrem Ehemann, Stephen Pope Dimitroff, assistierte sie Diego Rivera bei seiner (später zerstörten) Wandmalerei am Rockefeller Center. Von ihr stammen auch die einzigen erhaltenen Fotografien von dieser Wand. Sie war befreundet mit Riveras Ehefrau, Frida Kahlo, und machte viele Fotos von ihr, die später Bestandteil vieler Biografien über Kahlo wurden.
      1924 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

      Ernest Bloch starb am 15.Juli 1959 in einem Krankenhaus in Portland, Oregon, an Darmkrebs. Er hatte sich 1941 in Agate Beach niedergelassen, weil ihn die Berge und Wälder Oregons an seine Schweizer Heimat erinnerten. Seine Asche wurde dem Meer bei Agate Beach übergeben.

      Quelle: Wikipedia
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)

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    • Bloch war auch als Fotograf sehr erfolgreich. Hier eine Übersicht auch dazu :

      Angeregt durch seinen Professor, Bernard Freemesser, der von der Arbeit des Fotografen W. Eugene Smith gehört hatte, Blochs Musik mit Fotografie in Verbindung zu verbinden, nahm Eric Johnson 1969 Kontakt zu Ivan Bloch auf, der ihn an seine Schwester Lucienne verwies, die ihn einlud, das Photo-Archiv ihres Vaters durchzusehen.

      Bloch begann bereits um 1897 als Geigenschüler mit dem Selbstauslöser Standbilder zu schiessen und hatte im Laufe seines Lebens mehr als 6000 Negative und 2000 Abzüge zusammen getragen. Ausgestattet mit einem College-Projekt begann Johnson 1970–71 mit der Durchsicht und richtete er eine provisorische Dunkelkammer auf dem Grundstück von Lucienne und Stephen Dimitroff in Gualala, Mendocino County, California ein. Tausende der Fotos waren Kontaktabzüge ohne Vergrösserung. Es gab aber auch Filmrollen von seiner Leica und 4x5 Glasplatten. Im „Aperture magazine“ von 1972 „A Composer’s Vision: Photographs by Ernest Bloch“ dokumentierte Johnston seine Funde.

      Später im Graduierten-Programm an der University of New Mexico standen Johnson bessere Techniken zum Entwickeln zur Verfügung und Paul Caponigro zeigte ihm die Drucktechnik für die Negative. 1977 erstellte er an der Universität von New Mexico zusammen mit der Fakultät für Musik die erste Ausstellung, zu der auch Lucienne und Steve Dimitroff kamen.

      Blochs riesige Sammlung von 6000 Negativen und 2000 Abzügen wurde 1978 vom Center for Creative Photography in Tucson, Arizona, erworben und archiviert.
      105 Schwarz-weiss-Aufnahmen aus der Zeit von 1896 bis 1937 übergab Eric Johnson der Library of Congress.
      2011 stellte Johnston 40 Fotos von Bloch im Jüdischen Museum in Portland aus.

      Er erhielt in seinem Leben zahlreiche Auszeichnungen. Hier eine kleine Übersicht auch dazu :

      • Coolidge Prize – 1919
      • Carolyn Beebe Prize – 1927
      • Musical America – 1928
      • RCA Victor Award – 1929
      • Italy’s Academy of Saint Cecelia – 1929
      • Gold Medal in Music from the American Academy of Arts and Letters – 1947
      • Stephen Wise Award – 1952
      • Music Critics Circle of New York City – 1954
      • National Jewish Welfare Board’s Frank L. Weil Award – 1956
      • Brandeis Creative Arts Award – 1956
      • Henry Hadley Medal – 1957 awarded by the “National Association of Composers and Conductors”
      • Ehrendoktor des Linfield College – 1948
      • Ehrendoktor der Brandeis University – 1955
      • Doctoral degree from Reed College – 1955
      • Professeur Eméritus de l’Université de Berkeley – 1952
      Quelle ; Wikipedia
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)

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    • Dalia Atlas ist eine der wenigen Dirigentinnen der Welt, die sich auf Bloch spezialisiert hat. Bei den Dirigenten sind vor allem der leider verstorbene Israel Yinon und Gerard Schwarz zu nennen. Im Konzertsaal hört man allenfalls noch Schelomo, sein Werk für Cello und Orchester.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Ernest Bloch habe ich lange Jahre nur über das jüdische Idiom identifiziert, verbunden mit zweifellos markanten Werken wie dem Violinkonzert, mit Voice in the Wilderness oder Schelomo. Dann habe ich versucht, seinen Stil allgemeiner kennenzulernen und damit dessen erweitertes Spektrum wahrzunehmen. Mittlerweile schätze ich auch seine Kammermusik, vorneweg die Streichquartette, die nicht so sehr jüdisch klingen.

      Nicht so ganz fühle ich mich von seinem Klavierkonzert angesprochen, dass mir ein wenig zu dick daherkommt.

      Maurice, Du hast eine ganze Reihe von Aufnahmen angeführt und ich lasse mich hier gerne weiter beeinflussen. Drei in etwa kenne ich. Sehr attraktiv ist darüber hinaus das erste Klavierquintett.



      Schönen Gruß,

      Wolfgang

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Andréjo ()

    • Andréjo schrieb:

      Maurice, Du hast eine ganze Reihe von Aufnahmen angeführt und ich lasse mich hier gerne weiter beeinflussen. Drei in etwa kenne ich.
      Ich selbst habe die BIS-Aufnahmen, einen Teil der Dalia Atlas-Einspielungen und natürlich die Swetlanov-CD, die es immer noch für einen Appel und Ei gibt. Dazu natürlich Israel Yinon, die Marco Polo-Einspielung der C-Moll-Sinfonie unter Gunzenhauser. DIE war der Anfang gewesen, dass ich mir sagte, dass man mehr über ihn wissen und hören solle.

      Natürlich habe ich auch Schelomo da, aber hier noch weitere Empfehlungen, aber weniger auf Grund von mir, sondern durch Rezensionen.



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      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)




    • Die beiden CDs sind auch hoch gelobt worden. Vielleicht ist ja jemand hier, der sich mal ranwagen möchte?
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)