Bohuslav Martinu (1890 - 1950) - Schüler von Josek Suk und Albert Roussel - Ein moderner Impressionist mit interessanter Rhythmik

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    • Bohuslav Martinu (1890 - 1950) - Schüler von Josek Suk und Albert Roussel - Ein moderner Impressionist mit interessanter Rhythmik

      Bohuslav Martinu wurde am 08.12.1890 im damaligen Ostböhmen (Policka) geboren, was zu dieser Zeit zu Österreich-Ungarn gehörte. Von 1906 bis 1910 studierte er am Prager Konservatorium Violine, später auch Orgel und Komposition bei Josef Suk, 1912 schloss er es mit dem Diplom als Violinlehrer erfolgreich ab, und das, obwohl er 1910 wegen "mangeldem Interesse" aus dem Konservatorium ausgeschlossen wurde.

      1913-1914 saß er als Gastmusiker in der Tschechischen Philharmonie in Prag an der zweiten Violine, bis 1918 war er als Musiklehrer aktiv gewesen. nach dem 1.Weltkrieg spielte er erneut in der Tschechischen Philharmonie (1918 - 1923), ging aber anschließend nach Paris, um bei Albert Roussel Komposition zu studieren und auch zu vollenden. Nach der Heirat lebte er bis 1940 in Paris. Dort traf er auf Paul Sacher und Arnold Schönberg. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankfreich und Paris musste er fliehen. Wie Schönberg gelang ihm die Flucht in die USA.

      Erst HIER begann er seine sechs Sinfonien anfangen zu schreiben. Von 1941 an (bis 1953) lehrte er Komposition in den USA, etwa beim berühmten Musikfestival in Tanglewood, aber auch in New Jersey und später in New York. Erst 1952 bekam er die Amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen.

      Besonderes Interesse an seiner Arbeit zeigte der berühmte Dirigent Segiej Koussevitzky, dessen Frau er seine 1.Sinfonie widmete. Auch der berühmte französische Dirigent setzte sich für das Werk ein, und sollte es nach dem Kriege in Prag auch aufführen (mit Vaclav Neumann im Orchester an der Bratsche).

      1953 bis 1955 lebte Martinu in Nizza und kurzzeitig auch in Rom, ging 1955/56 nochmals zurück in die USA, um am berühmten Curtis Institute in Philadelphia zu unterrichten, aber dann zog es ihn in die Schweiz, wo er bei Paul Sacher lebte. 1956/57 lehrte er in Rom an der Amerikanischen Musikakademie.

      Er verstarb am 28.08.1959 in Liestal in der Schweiz.

      Seinen Stil zu beschreiben, ist nicht ganz so einfach. Auf der einen Seite steht der Bezug zur Volksmusik seiner Heimat, dazu kommt eine sehr rhythmische Betonung, die auch durch zahlreiche Taktwechsel nicht einfach für die Orchester zu spielen war. Er erweiterte die Tonalität, teilweise klingt das Ganze höchst Dissonant, was seiner Musik eine Modernität verlieh, die weit weg war von der Musik eines Dvorak, Suk oder auch Gustav Mahlers. Dazu kam der Einfluss des Impressionismus, später auch des Jazz.

      Seine Werke umfassen vor allem sechs Sinfonien (1942 - 1953 geschrieben), fünf Klavierkonzerte (1925 - 1958) , zwei Violinkonzerte, zwei Cellokonzerte, ein Konzert für Cembalo, 16 Opern (1926 - 1958), 13 Ballette, das berühmte "Gilgamesch.Epos" (1958), sieben Streichquartette und wirklich vieles vieles mehr.

      EIne Anmerkung zu meinen Quellen. Ich bediene mich immer wieder gerne der teilweise sehr sorgsam aufgemachten Booklets der mir vorliegenden Einspielungen. Dieses Mal der Sinfonien-Box unter Vaclav Neumann (Supraphon), aber auch heute wieder Wikipedias. Natürlich könnte ich auch einfach nur den Hinweis auf Wikipedia geben, aber auch dort steht weder alles drin, noch stimmt die Angabe dort immer. Daher mache ich gerne einen eigenen Mix, so auch heute wieder. Auch finde ich es für den Interessenten attraktiver, wenn er gleich HIER Dinge erfährt, die man am Ende auch nicht in Wikipedia findet.

      Hinweise zu Einspielungen kommen gleich.....
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)












    • Ich halte diese drei Zyklen der Sinfonien für die besten: Neumann in den 1970-er Jahren, Järvi in den 1980-er Jahren, Valek und Belohlavek in den 2000-er Jahren. Bei Belohlavek sollte man erwähnen, dass er bei Supraphon schon einmal die Sinfonien eingespielt hat in den 1990-er Jahren (Supraphon).













      Ich empfehle auch die beiden hervorragend eingespielten Cello-Konzerte hier unter der im Westen weit unter dem Radar laufenden Angelica May. Es lohnt sich wirklich.





      Hier eine Rarität, die ich selbst nicht kenne, die aber frühe Werke bringt, die man sonst kaum oder überhaupt nicht kennt von ihm. Sicher, das Orchester und Dirigent sind unbekannt, aber vielleicht findet man die CD mal irgendwo günstig und schlägt zu.



















      Ganz wichtig ist diese Box mit den Violinkonzerten unter Christopher Hogwood, der ein Spezialist der Musik Martinus war. Man kennt ihn sonst eigentlich mehr als Freund der alten Musik bis hin zu Beethoven, aber DAS konnte er auch ausgezeichnet.



      Hier weitere Orchesterwerke, die mit dem Dirigenten Jiri Belohlavek und der Tschechischen Philharmonie die ideale Konstellation haben.

      Meine Auswahl ist keine Gesamtübersicht der Werke und erst recht kann ich nicht zu allen CDs was schreiben. Daher sollte sich der Interessent auch selbst mit dem Komponisten beschäftigen.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Martinu ist in der Tat ein interessanter Komponist, den nach meiner Erfahrung aber selbst Kennern des klassischen Repertoires oft unbekannt ist.

      Kennengelernt habe ich diesen auch mir damals völlig unbekannten Künstler durch ein Konzert eines halbprofessionellen Heidelberger Studentenorchesters, das in einer wirklich beachtlichen Aufführung Martinus 2. Sinfonie präsentierte.

      Der langsame Satz dieser Sinfonie bringt zu Beginn eines der schönsten klassischen Themen, die ich kenne, ist aber dann durch einen eigentümlichen Strukturverlust gekennzeichnet, den ich immer unbefriedigend fand. Auffällig ist, dass hier auch das Klavier ins Orchester integriert wird.

      Die Musik ist eindeutig noch tonal, arbeitet aber schon sehr stark mit chromatischen Elementen, die an den Grenzen der Tonalität zumindest rütteln. Das ist jedenfalls meine persönliche Wahrnehmung.

      Diese Sinfonie landet noch manchmal in meinem CD-Player, müsste mal gucken, welche Aufnahme ich besitze, habe die CD gerade nicht greifbar.

      Die Sinfonien 3 und 4 habe ich von Järvi, diese CD habe ich ewig nicht mehr hervorgeholt, sie kann mich früher nicht begeistert haben. Vielleicht höre ich mal wieder rein.

      In die Streichquartette habe ich vor 20 Jahren mal bei einem Freund reingehorcht, das hat mich damals nicht vom Stuhl gerissen. Aber das ist nach so langer Zeit kein Urteil, dem ich noch Gültigkeit beimessen würde.

      LG, Werther
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