Joseph Marx (1882 - 1964) - Ein Bindeglied zwischen Spätromantik und Impressionismus (?)

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    • Joseph Marx (1882 - 1964) - Ein Bindeglied zwischen Spätromantik und Impressionismus (?)

      Joseph Marx wurde am 11.März 1882 in Graz geboren. Verstorben ist er am 03.September 1964 ebenfalls in Graz. Er hat damit die Geschichte von der Monarchie Österreich-Ungarns bis hin zur Zeit des Kalten Krieges erlebt. Er arbeitete als Komponist, Pianist, Pädagoge und Musikkritiker.

      Marx, als Sonh eines Arztes nicht in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, bekam früh von seiner Mutter Klavierunterricht. Dazu brachte er sich selbst das Violin - und Cellospiel bei. Schon als Jugendlicher begann er zu komponieren, aber auch bekannte Stücke zu arrangieren, um damit in den Wirtshäusern spielen zu können. Sein Vater lehnte es ab, dass er Musik machte, aber der junge Marx galt als recht aufbegehrend und machte trotzdem was er wollte.

      Sene Kindheit verbrachte er bei einer Großmutter in der Natur im Süden der Steiermark. Hier malte er Bilder in der Natur und schrieb impressionistische Liebesgedichte.

      Sein Vater bestand darauf, dass er Rechtswissenschaft studierte, aber er schrieb sich bald in Philosophie und Kunstgeschichte ein. Das führte zum Bruch mit seiner Familie. 1909 erwarb er den "Dr. Phil.", komponierte bereits zuvor munter weiter und trat 1914 eine Professur an der Wiener Musikademie an (in Musiktheorie). Er hatte da bereits zwei Dissertationen über Klangpsychologie und dem Wesen der Tonalität vorgelegt. 1922 wurde er Direktor der Akademie. 1924 - 1927 war er Rektor der von hm mitgegründeten Hochschule für Musik in Wien. 1932 wurde er von Atatürk zum Berater zum Aufbau eines Konservatoriums in Ankara berufen (bis Ende 1933).

      Marx, der in seinem Leben rund 1300 Schüler unterrichtete, war mit damaligen Größen wie Puccini, Richard Strauss, Ravel, Schreker, Respighi, Kodaly, Korngold, Kienzl, Alban Berg, Franz Schmidt, Franz Lehár und Karol Szymanowski bekannt. Er hatte außerdem rund 15.000 Brief von ca. 3400 Personen erhalten, Kulturressorts-Leiter und Musikkritiker für diverse Zeitungen Wiens tätig gewesen.

      Um 1900 herum waren seine Komposiionen eine Mischung aus Spätromantik, impressionistischen und expressionistischen Einflüssen, aber auch eine sehr eigene Anwendung unerwarteter Tonartwechsel. Man kann das an seinen ersten Klavierwerken, aber vor allem später in seinen Liedern und seinem ersten Orchesterwerk "Herbstchor an Pan" hören.

      Marx, der auch eine Vorliebe für die griechische Mythologie und der antiken Lebensart hatte, galt aber auch als ein Freund des Lebens, trak und aß gerne, und war Affären mit jungen Sängerinnen nicht abgeneigt. Dies bewahrte er sich bis ins hohe Alter hinein.

      Die Rolle von Joseph Marx während des 2.Weltkrieges ist auf der einen Seite eindeutig - er war mit vielen jüdischen Künstlern befreundet, und er wurde all seiner Ämter enthoben, aber auf der anderen Seite wurde er mit dem Komponisten Karl Marx (1897 - 1985) in Verbindung gebracht, der u.a. Musik für die Hitlerjugend geschrieben hat. Doch da er in Korrespondenz mit zahlreichen jüdischen Freunden gestanden hat, konnte der Versuch einer antisemitischen Haltung als gegenstandlos aus der Welt geschaffen werden. Allerdings hatte er nie gegen die Nazis gearbeitet oder ist emigriert.

      Nach dem 2.Weltkrieg half er bei Wiederaufbau des österreichischen Musiklebens, etablierte zahlreiche jüdische Komponisten und stand auch international Österreich bei zahlreichen Gremien und Jurys , etwa der UNESCO zur Verfügung.

      Sein musikalischer Stil steht auf mehreren Beinen. Auf der einen Seite ist die Spätromantik, etwa Max Reger, auf der anderen Seite steht der Impressionismus durch Claude Debussy, und der ebenfalls nicht ganz genau zu einzuordnende Alexander Skrjabin.

      Er bekam zahlreiche Ehrungen in seiner Heimat, so 1942 die Ehrung der Stadt Wien, 1947 die Bürgerurkunde der Stadt Wien , 1950 gar den allerersten Österreichischen Staatspreis in Musik, 1952 den Prei der Stadt Wien in Musik, 1952 die Mozartmedaille durch die Mozartgemeinde Wien, 1956 den Landespreis des Landes Steiermark, 1957 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und nach seinem Tode ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

      2006 wurde in Wien die Joseph-Marx-Gesellschaft gegründet, damit die Werke von ihm wieder aufgeführt, aber auch sein Andenken gewahrt bleibt.

      Seine Werke gelten als sehr umfangreich. Er schrieb eine Herbstsinfonie (1922), Natur Triologie (1922 - 1925), Nordland-Rhapsodie (1929), die Altwiener Serenaden (1941), zwei Werke für Streichorchester (1944 und 1945), Feste im Herbst (1945), zwei Klavierkonzerte in Es-Dur (1919-1920 und 1929-1930), mehrere Chorwerke mit Orchester, ca 150 Lieder mit Klavierbegleitung, diverse Kammermusik für Klavier Cello, Violine, Orgel und drei Streichquartette.

      Quellen : Wikipedia, aber auch das Booklet von CPO von Stefan Esser & Berkant Haydin von der Joseph-Marx-Gesellschaft
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Hier eine Auswahl an Einspielungen, die auf diversen Labels vorliegen:



















      Serenaden"


      Die Naxos-Edition kam ursprünglich bei ASV heraus. Sie wurden also nur übernommen und sind keine Neueinspielungen. Sie galten aber als eine Wiederentdeckung durch den Dirigenten Steven Sloane damals.




















      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Von Marx steht für mich mit weitem Abstand ganz oben sein Romantisches Klavierkonzert von 1920 - das für mich überhaupt ein Klavierkonzert darstellt, welches ich besonders gerne höre. Es ist ein blendend virtuoses, aber vor allem äußerst süffiges Werk von wunderbar origineller Harmonik, das vielleicht im Orchestersatz ein wenig überladen sein mag. Das stört mich aber nicht. Es scheint äußerst anspruchsvoll zu sein für den Pianisten. Nicht mehr als zwei Einspielungen dürften auf dem Markt sein - David Lively und Marc-André Hamelin. Maurice André hat ja dankenswerterweise beide verlinkt. Selber kann ich dank eines Cellisten, der früher sehr aktiv in den Parallelforen war, noch auf eine Live-Aufnahme mit Jorge Bolet zurückgreifen, der das Konzert erst vor einigen Jahrzehnten wenigstens ein bisschen bekanntgemacht hat.

      Das zweite Klavierkonzert Castelli Romani, auf der CD mit Lively enthalten, entstand etwa zehn Jahre später und erscheint ganz anders im Zuschnitt. Hier kommt ein Impressionismus zur Geltung, der von Respighi stammen könnte.

      Was die beiden bequem erhältlichen Produktionen anbelangt, ziehe ich übrigens Lively vor. Hamelin, der Supervirtuose, spielt seinen Part ein wenig zu leichtfüßig herunter.

      :hello Wolfgang
    • Andréjo schrieb:

      Von Marx steht für mich mit weitem Abstand ganz oben sein Romantisches Klavierkonzert von 1920 - das für mich überhaupt ein Klavierkonzert darstellt, welches ich besonders gerne höre. Es ist ein blendend virtuoses, aber vor allem äußerst süffiges Werk von wunderbar origineller Harmonik, das vielleicht im Orchestersatz ein wenig überladen sein mag. Das stört mich aber nicht. Es scheint sehr anspruchsvoll zu sein für den Pianisten. Nicht mehr als zwei Einspielungen dürften auf dem Markt sein - David Lively und Marc-André Hamelin.
      So ist es. Und wie Du bereits richtig geschrieben hast:


      Andréjo schrieb:

      Was die beiden bequem erhältlichen Produktionen anbelangt, ziehe ich übrigens Lively vor. Hamelin, der Supervirtuose, spielt seinen Part ein wenig zu leichtfüßig herunter.
      Doch es war eben genau Hamelin, der das Werk wirklich bekannt gemacht hat. Lively hat übrigens auch immer wieder gerade technisch schwierige Werke eingespielt. Etwa Liszt, Tschaikowsky, Busoni, Ravel, aber auch das schwierige Klavierkonzert von Wilhelm Furtwängler (auf Marco Polo), aber auch etwa Faure, Brahms und Copeland.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Maurice André schrieb:

      Doch es war eben genau Hamelin, der das Werk wirklich bekannt gemacht hat.
      Das denke ich auch und es dürfte am relativen Bekanntheitsgrad der Hyperion-Serie liegen. Ansonsten habe ich eben auch über die Bedeutung von Jorge Bolet für dieses Werk gelesen, doch das war Jahrzehnte früher.

      Aber wenn wir schon dabei sind: Im Rundfunk habe ich bereits zu einer Zeit, als es noch gar keine CDs gab, einen Mitschnitt mit einem deutschen Rundfunkorchester - weiß nicht auswendig, welches - und eben Jorge Bolet gemacht. Klanglich eher dürftig, wodurch das Konzert noch kompakter klingt als ohnehin schon. Dennoch mag ich es bereits seit damals - und dürfte also die meisten Aufnahmen weit und breit davon besitzen ( ;) - vielleicht hat Michael Schlechtriem noch mehr ...)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Andréjo ()

    • Andréjo schrieb:

      Das denke ich auch und es dürfte am relativen Bekanntheitsgrad der Hyperion-Serie liegen. Ansonsten habe ich eben auch über die Bedeutung von Jorge Bolet für dieses Werk gelesen, doch das war Jahrzehnte früher.
      Ich weiß das um Bolet, aber es gibt keine Veröffentlichung irgend eines Mitschnitts eines dieser Konzerte. Okay, Du hast es mehr oder weniger zufällig parat, aber auch nur durch einen Direktmitschnitt.

      Ob er wirklich mehr hat davon? Es ist im Grunde auch egal, denn diese sind ja nicht veröffentlicht worden.

      Ja, Die Hyerion-Serie hat aber immerhin schon so manche tollen Veröffentlichungen hervogebracht. Auch die Cello-Konzerte und Violin-Konzerte von Hyperion sind bis jetzt sehr gut angekommen.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Marcie schrieb:

      Vielen Dank für den Startbeitrag! (jetzt weiss ich, dass es auch eine Frühlingsmusik gibt )
      Kein Problem. Na, dann weiß ich ja, was im Frühling bei Dir laufen wird so ab März. ;)
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

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    • Marcie schrieb:

      Lohnen die Streichquartette und die orchestralen Arbeiten auch?
      Zur Kammermusik werde ich mich immer nur sehr passiv äußern, das ist nicht mein Bereich. Daher kann ich Dir dazu Null weiterhelfen. Die Orchesterwerke lohnen sich auf jedem Fall.

      Auch wenn das hier quasi Werbung für die "Konkurrenz" ist: Ich lege Dir mal den Komponisten Siegmund von Hausegger nahe. Es gibt mehrere CDs von CPO mit seinen Werken. Besonders seine "Natursymphonie" ist der Hammer.

      Auch Hans Rott ist so ein unbekannter Komponist, der eine Hammer-Sinfonie geschrieben hat.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Marcie schrieb:

      Rotts Sinfonie besitze ich in drei Versionen und schätze sie sehr.


      Von Hausegger habe ich die Natursymphonie, Barbarossa und Aufklänge; Dionysische Phantasie; Wieland.
      Super. Setzen. Eins mit Auszeichnung. Prüfung bestanden. :times10 :hello :beer
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

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