Verdis Requiem - ein sakrales Gedenkwerk

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    • Verdis Requiem - ein sakrales Gedenkwerk

      Wenn man vom "Requiem" spricht, so fällt einem immer direkt - wohl auch zu recht - das von Mozart ein. Aber direkt im nächsten Atemzug müsste eigentlich jenes von Giuseppe Verdi genannt werden. Diese Komposition verdanken wir einem recht ungewöhnlichen Projekt. Verdi wollte eigentlich des Todes von Rossini gedenken und bat deswegen alle namhaften italienischen Komponisten der Zeit um einen Beitrag zu einem gemeinsamen Werk. Die Uraufführung sollte am 1. Todestages Rossinis, am 13.11.1869 in Bologna stattfinden. Jedoch verweigerte man die Aufführung seitens der Stadt, da kein Künstler bereit war, unentgeltlich dieses Werk darzubieten. Verdi, der das Libera me beigetragen hatte, legte dieses erst einmal zur Seite. Es folgten zunächst einmal andere Kompositione, nämlich Aida und das Streichquartett. Nachdem Verdi in der Folgezeit keinerlei neue Werke geschaffen hatte, erfuhr er 1873 vom Tode des grossen Nationaldichters Alessandro Manzoni. Diesen hatte er mindestens genauso wie Rossini verehrt. Nicht einmal an dessen Begräbnis konnte er aus Bewunderung nd Trauer teilnehmen. Kurz darauf traf Verdi den Verleger Ricordi und erzählte ihm von seinem Vorhaben, die Erinnerung an diesen durch ein großes Werk wachzuhalten. So entstand das Requiem, das anlässlich des 1. Todestages Manzonis aufgeführt werden sollte. Das Libera me wurde einn Teil des Werkes, das dann auch tatsächlich am 22.5.1874 uraufgeführt wurde. Verdi selbst war es, der ein auserlesenes, über 100 Musiker starkes Orchester sowie einen über 120 Personen starken Chor dirigierte. Verdi selbst war von seiner Komposition anfangs nicht gerade überzeugt. In einem Brief, mit welchem er versuchte, die Sängerin Maria Waldmann für die premiere zu gewinnen, schrieb er: "Ansehen oder Geld würde es Ihnen nicht eintragen; doch es geht gewiss in die Annalen der Geschichte ein, freilich nicht weil die Musik es Wert ist, sondern wegen des Mannes, dem sie gewidmet ist; daher meine ich, es wäre doch schön, wenn die Geschichte eines Tages berichten könnte: "Am 22. Mai fand in....eine grosse Totenmesse für den Jahrestag von Manzoni statt, bei der die Herrschaften.... mitwirkten"!". Heute weiss man, dass es sich um ein Werk handelt, das vielfach als eine von Verdi's größten Inspirationen betrachtet wird.

      Ich besitze folgende Einspielungen:





      wobei mein großer Favorit folgende ist:



      Und wer einmal dieses Dies Irae gehört hat, wird es nie wieder vergessen!
    • RE: Verdi's Requiem - ein sakrales Gedenkwerk

      Hallo,

      ich kenne nur zwei Reqiem, das von Mozart und das von Verdi. Verdis Requiem finde ich ganz stark, aber ich kann es nicht zu oft und auch nicht in jeder Situation hören. Das Dies Irae ist mir so gewaltig, dass es schon Angst macht. Was Verdi hier mit der Musik verknüpft kann ich mit meinen Glauben doch nicht so ganz vereinbaren. Religion oder Musik, die Angst macht halte ich zumindestens für fragwürdig. Vielleicht bin ich da ja aber auch etwas zu sensibel. Da liegt mir als Protestant in der musikalischen Aussage Bach viel näher.
      Und trotzdem, wenn ich die Musik vom Inhalt trennen könnte, spricht mich die Musik Verdis mehr an.
      Es geht in diesem Vergleich der beiden unvergleichlichen Komponisten nicht um deren Musik, sondern um die Wirkung der Musik. Vielleicht ist die Musik Verdis ja auch einfach darauf ausgelegt, Angst zu machen. Wie hielt es der Italiener denn mit der Religion? War das Requiem für ihn nur ein erprobtes Medium für seine Musik und das Ziel, das er verfolgte oder war Verdi ein Mensch, der sich vom Katholizismus und den Aussagen des Requiems (vor allem des richtenden, zürnenden Gottes) inspirierenden ließ? Dann jedenfalls hätte man die Aussagen des Dies irae nicht besser gestalten können und kein Priester könnte anschaulicher den Tag des Gerichtes darstellen...

      Gruß Ralf
    • RE: Verdi's Requiem - ein sakrales Gedenkwerk

      Hallo Jeremias,

      leider besitze ich noch keinen Scanner, dass ich die frontcover ablichten kann.

      Meine Favoriteinspielungen sind hier:

      Arturo Toscanini live mit Milanov, Castagno, Björling und Moscona 1940

      Victor de Sabata EMI mit Schwarzkopf, Dominquez, di Stefana und Siepi 1954

      Ferenc Fricsay DGG mit Stader, Radev, Krebs und Borg 1954

      Fritz Reiner Decca mit L.Price, Elias, Björling und Tozzi 1960

      Carlo Maria Giulini mit Schwarzkopf. Ludwig, Gedda und Ghiaurov 1963

      Gruß Bernd
    • @ Bernd: Du kannst die biler auch von Amazon nehmen und hier einfügen, schau mal im internen Bereich nach, da findet Du eine Anleitung

      @ Atilla: Mir sagt Verdi auch mehr zu als Mozart, aber das ist Geschmackssache. Jedoch stehe ich in meiner Familie da recht alleine da :engel Es gibt im übrigen ja noch weitere hochinteressante Requien, z.B. von Fauré oder Schumann aber auch das von Berlioz ist hochinteressant. Übrigens muss man bedenken, dass Verdi kein besonders religiöser Mensch war im gegensatz zu Mozart. Ich denke, dass sollte man beim Hören im Hinterkopf haben!
    • Verdis Requiem mag ich sehr, weil mich die Musik an sich berührt, nicht so sehr das "religiöse", sofern es hier durchscheint. Übrigens finde ich, daß Verdi den Text sehr anschaulich in Musik übersetzt hat, auch wenn es teilweise ins "opernhafte" gleitet. Die Emotionalität in der Musik ist einfach mitreissend.
      Ob ihr es glaubt, oder nicht: es gab eine Phase, da habe ich Auszüge jeden Abend im Bett gehört (natürlich nicht gerade das Dies irae, da fällt man ja eher aus dem Bett!!).

      An Aufnahmen besitzte ich folgende:


      Meine erste Aufnahme, recht bombastisch, bin zur Zeit nicht ganz überzeugt von ihr, auch wenn sicher tolle Momente dabei sind.


      Habe ich mir zugelegt, weil sie ja zu den Referenzen gezählt wird. Ich muß aber gestehen, daß sie mir nicht gefällt. Es war damals doch eine andere Art des Musizierens üblich, zu der ich keinen richtigen Zugang finde.


      Derzeit mein Favorit, auch wenn jetzt sicher viele aufschreien; in der Kritik kommt sie sehr schlecht weg. Ich empfinde sie als "schnörkellose" oder "schlanke und trotzdem berührende Aufnahme.

      sowie eine Aufnahme auf Video aus dem Fernsehen:

      WDR Rundfunksinfonieorchester, Semyon Bychkov
      Chor weiß ich nicht mehr genau
      Michèle Crider, Luciana d'Intino, Marcus Haddock, Ferrucio Furlanetto

      Ich war seinerzeit live dabei in der Kölner Philharmonie: sehr, sehr beeindruckend!

      Gruß, Nikolaus.
    • @Jeremias,

      das Verdi Requiem höre ich relativ selten (<1 pro Jahr?).
      So recht drauf "eingelassen" habe ich mich wohl nie.

      Die von Dir genannte Giulini Aufnahme kenne ich auch und habe sie als eine sehr gute Aufnahme in Erinnerung.



      Leider ist die Aufnahme stellenweise von der Klangtechnik her mit Verzerrungen behaftet. Das sollte man einfach wissen. Die "goldene Zitrone" geht hier (IMO wiedereinmal) an EMI.

      Desweiteren besitze ich die Gardiner Aufnahme.

      Gardiner läßt auf historischen Instrumenten spielen. Kann mich kaum noch an die Aufnahme erinnern, was aaber keine negative Wertung darstellt. (s.o.)



      So weit ich mich erinner war vor allem der Monteverdi Choir fantastisch.

      :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Ja das Verdi Requiem

      Das Verdi Requiem ist immer wieder etwas besonderes und einfach ein hochgenuß für die Ohren.
      Herbert von Karajan hat sich immer wieder mit dem Requiem auseinander gesetzt und ich glaube mit Erfolg.





      Diese Aufnahmen habe ich von dem Requiem und das reicht!
      Gruß Andreas

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von karajan ()

    • Karajan dirigiert das Verdi Requiem

      @Karajan:

      Wie hat sich Karajans Interpretationsansatz bei diesem Werk geändert? Zwischen dem salzburger Mitschnitt aus den späten 50er Jahren und der letzten Produktion (ich glaube, sie stammt aus den 80er Jahren) sind doch immerhin 30 Jahre vergangen.
      Und welche Aufnahme würdest du empfehlen?

      Liebe Grüße


      Werner
    • Ich muss sagen, dass die Karajan'sche Aufnahme bei der DG mit Carreras mein 1. Eindruck war und mich bis heute begeistert. Leider stört mich Carreras immer und immer mehr, so dass ich mich von der Aufnahme jetzt getrennt habe. Stattdessen bevorzuge ich derzeit Pavarotti/Muti und Domingo/Abbado.

      Und derzeit bin ich in Vorfreude auf kommenden Samstag, wenn das große Event in der kölner Philharmonie steigt :leb
    • Original von Jeremias
      [...]

      Und derzeit bin ich in Vorfreude auf kommenden Samstag, wenn das große Event in der kölner Philharmonie steigt :leb


      Na dann, schon mal vorweg einen schönen Abend.

      Ich persönlich werde mit Verdis Requiem nicht so recht warm. Dabei hat es - im Gegensatzt zu einigen anderen Werken - auch nichts genutzt, daß ich es einmal im Chor mitgesungen habe. In meinem Bestand finden sich 2 LP-Aufnahmen (Sweet/Quiver/Cole/Estes//Giulini, Berliner; Schwarzkopf/Dominguez/di Stefano/Siepi//de Sabata, Scala) sowie die Gardiner-Aufnahme.
      Vielleicht sollte ich aber in absehbarer Zeit mal wieder eine dieser Aufnahmen hervorholen.

      Grüße,
      Wolfgang
      Wir sollten uns nicht brüsten, der Gipfel der Evolution zu sein, sondern uns daran freuen, eine Art Freak der Natur zu sein.
      So etwas wie uns wird die Evolution nie wieder hervorbringen. (Paul Sereno, Paläontologe)
    • Ich denke, man darf das Requiem nicht als ein solches betrachten, sondern sollte vielmehr bedenken, dass Verdi ein Opernkomponist war und hier quasi eine Mischung erschaffen hat. Zudem hat er es in Gedenken an Rossini geschrieben. Betrachte das Werk einmal unter diesem Gesichtspunkt, vielleicht erschließt es sich Dir ja!
    • Versehentlich bei Mozart abgelegt, fand ich soeben diese am 2. Nov.1960 in der Stuttgarter Liederhalle entstandene interessante Aufnahme wieder:

      Hans Müller-Kray/ Symphonie-Orchester des SDR u. Chor des SDR, Stuttgarter Lehrergesangverein, Bach-Chor Stuttgart mit Maria Stader, Marga Höffgen, Fritz Wunderlich, Gottlob Frick

      Erstaunlich, wie der gerade 30-jährige Fritz Wunderlich seinen Tenotpart beherrscht, sogar das bei allen Tenören gefürchtete "Ingemisco" meistert er bravourös. :engel
      Mime mahnt:Nehmt euch in Acht! Alberich naht.
    • Original von Jeremias
      Die Live-Darbietung mit Bychkov vom vergangenen WE soll ebenfalls als CD erscheinen!!!

      :leb :leb :leb

      Ich hatte die große Freude, dies Aufführung in der Philharmonie in Köln erleben zu dürfen. Da ich erst sehr kurzfristig davon erfahren habe, habe ich nur noch Plätze oberhalb der Chorempore bekommen. Wir saßen also so, daß wir nur die rückseite der Solsiten zu sehen bekamen, dafür aber Herrn Bychkov sehr intensiv bei der Arbeit zusehen konnten.
      Akustisch war es ein Erlebnis der ganz besonderen Art: als der Chor loslegte, hat mich fast der Schlag getroffen: ich hatte nicht das Gefühl, Musik zu hören, sondern MITTEN IN DER MUSIK ZU SEIN. So etwas habe ich noch nie erlebt und ich kann jedem der die Möglichkeit dazu hat, nur raten, das mal auszuprobieren.
      Bei einem Solokonzert (wie einige Monate später bei Villazóns Arienabend), würde ich diese Plätze ncht unbedingt wählen, aber bei einem großen Chor- und Orchesterwerk ist der Klang faszinierend.
      Allerdings konnte man auch die Solisten aufgrund der extrem guten Akustik in der Philharmonie sehr gut hören.
      Violeta Urmana ist der Hammer, wenn ich das mal so flapsig formulieren darf.
      TANTE EDIT SAGT
      Und wieder was für den Wunschzettel: Wunderlich mit dem Verdi-Requiem
      Ich werde wohl bald irgendeiner unanständigen, aber gut bezahlten Tätigkeit nachgehen müssen, um all das kaufen zu können, was ich haben, sehen und erleben will. :cool
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Solitaire ()

    • Bei amazon habe ich keine entsprechende CD gefunden. Ihr beide werdet doch nicht zu sehr gehustet haben und die haben deshalb von einer CD-Veröffentlichung abgesehen?? :B
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von Amadé
      Wichtige Interpretationen des Verdi-Requiems hinterliesen auch Fritz Reiner mit den Wiener Philharmonikern, Decca, und Ferenc Fricsay mit seiner RIAS Mannschaft, DGG, nicht identisch mit dem kürzlich auf Andromeda veröffentlichten live-Mitschnitt.


      Die von Fritz Reiner kenne ich lieder nicht, aber von Fricsay gibts die genannte Studio-Aufnahme auch deutlich billiger und mit 96kHtz Transfer beim Label Documents.



      Giuseppe Verdi (1813-1901)
      Messa da Requiem
      Total Time: 75:23
      Maria Stader, Sopran / soprano - Marianna Radev, Mezzo-Sopran / mezzo-soprano - Helmut Krebs, Tenor / tenor - Kim Borg, Bass / bass - RIAS-Kammerchor - Chor der St. Hedwigs-Kathedrale - RIAS-Symphonie-Orchester, Berlin - Ferenc Fricsay, Dirigent / conductor - aufg. / recorded in: 1953
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()