Franz Schubert: Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810 "Der Tod und das Mädchen"

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    • Franz Schubert: Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810 "Der Tod und das Mädchen"

      Forianer,

      der Tod und das Mädchen ist ein Sujet der bildenden Kunst und der Musik, das sich bereits während der Renaissance bei Hans Baldung Grien findet und vor allem im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen wurde.

      Franz Schubert hat sich mit dieser Thematik in seinem Streichquartett Nr.14 d-Moll D810 auseinandergesetzt. Den Namen verdankt das Quartett dem Thema des zweiten Satzes, der dem Lied "Der Tod und das Mädchen" entstammt.


      Das Mädchen:
      Vorüber! Ach vorüber!
      Geh, wilder Knochenmann!
      Ich bin noch jung, geh, Lieber!
      Und rühre mich nicht an.

      Der Tod:
      Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
      Bin Freund und komme nicht zu strafen.
      Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
      Sollst sanft in meinen Armen schlafen!

      Da mir Schuberts Kammermusik jedoch bisher immer viel Freude bereitet hat würde ich mich über Aufnahme-Empfehlungen freuen.

      Danke
      Richard
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Lieber Rachmaninov,

      ich liebe dieses Quartett! Es ist einfach wunderschön, großartig, anrührend, aber doch kraft- und spannungsvoll.

      ich finde die Aufnahme mit dem Guarneri Quartet (die zweite, späte von 1996) sehr berührend, ohne schmalzig zu sein. Ich mag allerdings auch deren Ton grundsätzlich sehr, sehr gerne.

      Nicht schlecht, aber auch nicht berauschend finde ich die Aufnahme mit dem Leipziger Streichquartett...

      Die anderen, die ich kenne, sind mir im Moment nicht sonderlich gewärtig. Meistens höre ich ohnehin nur die Guarneri-Aufnahme...

      Herzliche Grüße

      Sabine

      P.S. Der Text ist ursprünglich meines Wissens (aber ich kann mich täuschen) von Matthais Claudius nicht als Lied, sondern als Gedicht geschrieben.

      P.P.S. Ganz interessant finde ich auch, was Arnold Steinhardt in "Mein Leben zu viert: Von der Kunst aufeinander zu hören" (Knaus-Verlag) über der Tod und das Mädchen schreibt. Wenn Du das Buch hast oder in die Hände bekommst, dann lies mal nach.
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • Original von Amadé
      Hallo Rachmininow,

      die Spitzenposition nimmt immer noch die Aufnahme mit dem Busch Quartett aus dem Jahre 1936 bei EMI inne. Erfreulicherweise ist sie mit der ebenso hochkarätigen Aufnahme des G-dur Quartetts D.887 gekoppelt. Zugreifen!

      Gruß Amadé
      :hello


      Weils mich nun doch mal wundert: warum ist das eine gute Aufnahme? Oder gar "die Beste"? Was sind Deine Kriterien hier? Ich hörte über das Busch-Quartett nur soviel, dass sie wohl sehr gut intoniert haben (gut im Sinne von intervallischer Intonation, nicht in dem Sinn, dass sie "sauber" gespielt haben). Gehört habe ich die Aufnahmen aber noch nie.

      Für eine Antwort bedankt sich

      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Hallo Satie,

      dann wird es aber Zeit!

      Das Busch-Quartett spielt sehr natürlich und ungekünstelt, intensiv, ganz dicht bei Schubert, ohne herauszustreichen: ein bedeutendes Streichquartett. Im Spiel setzt es wie damals üblich an vielen Stellen Portamenti ein (Portamento = Hinübergleiuten von einem Ton zum anderen). Portamenti dienen der intensiven Gestaltung einer Melodie/Phrase, sie müssen dezent angebracht werden, nicht aufgetragen, dann klingt es kitschig. Etwa in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg war das Portamentospiel nicht mehr gern gesehen.

      Gruß Amadé
    • Hallo alle,

      ich besitze die Aufnahme mit dem Leipziger Streichquartett (aus einer Box mit einer Gesamteinspielung aller Quartette sowie einiger anderer Kammermusik von Schubert). Bezüglich D.810 kann ich die Box eingeschränkt, insgesamt jedoch ohne weiteres Empfehlen. Von "Der Tod und das Mädchen" gibt es sicher noch bessere Aufnahmen, insofern teile ich cellodils Auffassung.

      Ich habe das Stück einmal in Köln live vom Alban Berg Quartett gespielt gehört, was mich begeistert hat. Wenn es vom ABQ eine Aufnahme gibt, könntest Du sie evtl. in die engere Wahl nehmen, Rachmaninov.
    • Tod & Mädchen mit Alban Berg Quartett

      (Kurwenal): "Darf ich die Antwort sagen?"

      Hallo Gerion,
      es gibt sie schon längst. Sie ist sehr dramatisch, aber trotzdem diszipliniert gespielt und gehört in die Spitzenklasse. Gekoppelt war sie immer mit dem Streichquartett a-moll D.804 op.29 Nr.1 "Rosamunde", für mich die Spitzenaufnahme dieses Quartetts. Erschienen bei EMI. Bitte zugreifen oder sich schenken lassen.

      Gruß Amadé
    • Die berückendste Aufnahme bzgl. des zweiten Satzes, die ich kenne, stammt vom Juilliard String Quartet von Anfang der 60er jahren. Inzwischen scheint sie bei Testament wiederveröffentlicht worden zu sein. Die kann ich sehr ans Herz legen!
      Die letzten beiden Sätzte (die, wie so oft bei Schubert, selbtsam gegenüber den ersten beiden abfallen) spielen sie aber in ihrer späteren Aufnahme (Sony) in einem schönern, weil langsamern Tempo.)

      Sehr schön finde ich auch das Amadeus Quartett, von dem inzwischen zwei Aufnahmen vorliegen.

      Am öftensten höre ich wohl die vom Hagen Quartett, wohl auch weil sie mit dem letzten Beethovens gekoppelt ist: mehr perfekter als berückender Schubert.

      Die Leipziger finde ich schon wegen des ausgedünnten, dürren höhenbetonten Klangs und insbesondere den fatalen Schwächen des Cellisten sehr ungern. Das Alban Berg Quartett missfällt mir wegen des Schmelz des Primgeigers.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Lieber Amade,

      danke für den Hinweis auf die bereits existierende Referenzaufnahme mit dem ABQ. Ich verehre das Ensenble sehr und durfte es schon mehrmals in der Kölner Philharmonie erleben, u.a. auch schon mit D 810, freilich bereits in der neuen Besetzung mit Isabel Charisius als (guter) Ersatz für den (damals erst erkrankten) Thomas Kakuska.

      Ich hoffe derzeit, dass D 810 vollständig auf der CD des neuen Bandes der Zeit Klassik-Edition enthalten ist, den ich mir bestellt habe. Ansonsten muss ich nochmal den Saturn hier in Köln aufsuchen. Obwohl das nicht ganz ungefährlich ist, gerade wenn ich mich im kammermusikalischen Bereich bei den ABQs bewege... :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gerion ()

    • D.810 mit Takacs und Juilliard

      Zwei neue CDs mit Schubert Quartetten lagen heute in der Schublade meines Players:


      Auf der hyperion-CD spielt das neubesetzte Takacs-Quartett die Quartette a-moll D.804 sowie das in d-moll D.810. Die Testament-CD enthält ebenfalls das d-moll Quartett sowie noch Beethovens op.131 mit dem Juilliard Quartett aus 1959/60, damals noch bei RCA unter Vertrag.
      D.810 habe ich in beiden Aufnahmen verglichen. Um es gleich vorweg zu sagen, die gut restaurierte Juilliard-CD gefällt mir wesentlich besser, sie hat in den Ecksätzen mehr Sog, ist vorwärtsdrängender. Das Thema im 2. Satz ist nicht Andante sondern Adagio gespielt, wider Schuberts Vorschrift, aber welche Wirkung zeitigt dies! Dann gehen die Variationen im gewohnten Tempo weiter. Die einzelnen Instrumente sind genau aufeinander abgestimmt, in sehr guter Balance, den dynamischen Vorzeichen hätte man hier und da noch etwas mehr Beachtung schenken können. Überall kann die Musik atmen kann.
      Auch beim Takacs-Quartett müsste man bei der Dynamik mehr differenzieren. Schwerer wiegt allerdings, dass die einzelnen Stimmen in ihrem Verlauf nicht genau zu orten sind, da das Klangbild etwas zu komprimiert ausgefallen ist. Die dynamische Bandbreite ist nicht so groß, wie man es heute auf digitalem Tonträger erwarten kann. Der 1. Satz kommt mir etwas einförmig daher, das 2.Thema müsste lyrischer gespielt werden, damit es in den wenigen Sekunden etwas Ruhe in den Satz bringen kann. Diese Stelle lösen die Juilliards viel besser. Im Variationssatz hat jede Variation ihr eigenes Tempo. Beim Trio im 3.Satz wird taktweise die 2.Violine verschluckt, später die Viola, die von der Vl. die Stimme übernimmt. Am besten gefällt mir noch der Schlusssatz. Bei aller instrumentalen Meisterschaft der Takacs-Formation bleibt doch Schuberts gewaltiger Quartett-Aufriss etwas unterbelichtet. Auch das viel heiklere „Rosamunde“ Quartett hinterlässt bei mir keinen vorteilhafteren Eindruck, leider. Die Anschaffung der Testament-CD mit Beethoven und Schubert möchte ich dagegen nachdrücklich empfehlen.

      Herzliche Grüße
      Amadé
    • RE: D.810 mit Takacs und Juilliard

      Original von Amadé

      D.810 habe ich in beiden Aufnahmen verglichen. Um es gleich vorweg zu sagen, die gut restaurierte Juilliard-CD gefällt mir wesentlich besser, sie hat in den Ecksätzen mehr Sog, ist vorwärtsdrängender. Das Thema im 2. Satz ist nicht Andante sondern Adagio gespielt, wider Schuberts Vorschrift, aber welche Wirkung zeitigt dies! Dann gehen die Variationen im gewohnten Tempo weiter. Die einzelnen Instrumente sind genau aufeinander abgestimmt, in sehr guter Balance, den dynamischen Vorzeichen hätte man hier und da noch etwas mehr Beachtung schenken können. Überall kann die Musik atmen kann.

      Die Anschaffung der Testament-CD mit Beethoven und Schubert möchte ich nachdrücklich empfehlen.

      Herzliche Grüße
      Amadé


      Hallo Amadé,

      Kennst du auch die Aufnahmen des Juilliard Quartets aus den 70ern bei CBS/Sony? Dort nehmen sie den dritten und vierten Satz viel langsamer und gewinnen dadurch - wie ich finde - viel größere Eindrücklichkeit. (Ich hätte mir immer eine Mischung aus den ersten beiden Sätzen der alten RCA-Aufnahmen und den beiden Schlusssätzen der jüngeren CBS-Aufnahme gewünscht.)

      [Bei der jüngeren Aufnahme, mit den letzten berühmten Quartetten, spielen sie beim Quartettsatz auch die Fragmente des zweiten Satzes, so wie gerade auch bei der aktuellen (für mich enttäuschenden) Artemis-Quartett Neuerscheinung, gepaart mit dem Quintett in C mit Truls Mörk.]

      Ich kenne die alte Aufnahme noch von Schlalplatte - ist eigentlich Beethovens op.131 auch eine alte RCA-Aufnahme?

      Das Takacs-Quartett betreffend finde ich das gemeinsam Vibratospiel so unausgegoren, sowie den spitzen Ton des Primgeigers höchst unerfreulich sowie bei Dynamiksteigerung nicht homogen füllig.

      :hello
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • Lieber ab,

      ich habe auch die neueren von CBS im Regal, hier spielen sie auch in erneuerter Besetzung: von der älteren Mannschaft ist nur noch der Primarius dabei. Du hast recht, die Spielzeiten des 3. und 4. Satzes sind (etwas) langsamer, zuerst RCA danach CBS: 1.Satz: 11:49/12:02, 2.SAtz: 15:09/14:53, 3.Satz: 3:44/3:58, 4.SAtz: 8:11/9:16, im Scherzo fällt es nicht so auf, der 2.SAtz ist in der älteren Aufnahme noch langsamer. Im Augenblick gefällt mir die RCA/Testament-CD etwas besser, auch klanglich, obwohl sie 10 Jahre älter ist.
      Das Quartett op.131 ist ursprünglich auch von RCA. Ob weitere Beethoven-Quartette eingespielt wurden weiß ich nicht, jedoch je eine mit Haydn und Mozart-Quartetten sowie die Debussy/Ravel Kopplung, die ich auch noch auf LP besitze ebenso wie die LP mit Berg (Lyrische Suite) und Webern op.9 und op.5. Eine Kompilation aus Haydn, Mozart und Schuberts Quartettsatz, der mir D.810 gekoppelt war, findet sich hier:


      Gruß Amadé
    • Ich hatte bislang keinen richtigen Zugang zu Schuberts Kammermusik.

      Seit drei Monaten habe ich diese Einspielungen der Schubert'schen Kammermusik:



      Der Tod und das Mädchen ist darin in einer Einspielung des Brandis Quartett enthalten.
      Ich habe allerdings erst das Forellenquintett gehört, was mir aber irgendwie auf die Nerven gegangen ist. Daraufhin habe ich einen Bogen um die weitere Kammermusik gemacht und lieber wieder Lieder gehört.

      Letzte Woche habe ich mir in der Bücherei folgende CD ausgeliehen:



      Jerusalem Quartet 2007
      Zusammen mit dem Quartettsatz D.703

      Und siehe da, es hat auf Anhieb gefunkt. Die CD kommt gar nicht mehr aus dem Player. Auch der Quartettsatz ist ganz superb.
      Zum Vergleich habe ich mal bei den Brandis reingehört, die ich aber nicht so zwingend und impulsiv fand.

      Dies ist übrigens das erste Streichquartett, das mich nicht langweilte.
      Ich habe mich über meine kleine Entdeckung riesig gefreut.

      Grüße
      Jürgen
    • Original von ab
      Original von Jürgen
      Dies ist übrigens das erste Streichquartett, das mich nicht langweilte.
      Ich habe mich über meine kleine Entdeckung riesig gefreut.

      Grüße
      Jürgen


      willkommen im Streichquartett-Fan-Club ! :beer


      ... da stoße ich doch gleich mit an... :beer

      ... und, Jürgen, dann versuch's doch mal mit dem späten Beethoven...

      Liebe Grüße

      Sabine
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • Original von cellodil
      ... und, Jürgen, dann versuch's doch mal mit dem späten Beethoven...


      sachte, sachte, nur nichts überstürzen.

      Wenn Dir solch Fetziges zusagt, dann womöglich erste einmal solches wie das Grieg Streichquartett (ich empfehle hierbei das Oslo-Quartet bei Naxos) oder Schumanns op 41/1 (natürlich vom Hagen Quartett).
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von ab
      Original von cellodil
      ... und, Jürgen, dann versuch's doch mal mit dem späten Beethoven...


      sachte, sachte, nur nichts überstürzen.


      ... vielleicht hast Du recht. Obwohl: Ich kenne kaum aufregendere Streichquartette als die späten Beethoven Quartette.

      Original von ab
      (natürlich vom Hagen Quartett).


      :D und :beer und liebe Grüße

      Sabine
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii