O. Messiaen: Vingt regards sur l'Enfant-Jésus

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • O. Messiaen: Vingt regards sur l'Enfant-Jésus

      Forianer,

      wiedereinmal möchte ich hier im Forum ein Klavierwerk vorstellen.
      Dieses mal das groß angelegte Werk von O. Messiaen:

      Vingt regards sur l'Enfant-Jésus


      Messiaen schrieb dieses Werk in Parias zwischen dem 23. März und dem 8. September 1944.
      Einer Zeit der großen Not i.d. die Stadt Paris unter der deutschen Besatzung zu leiden hatte. Einer Zeit in der es so gut wie an allem mangelte.

      Die einzelnen Titel lauten:

      Regard du Pere - Betrachtung des Vaters
      Regard de l'Etoile - Betrachtung des Sterns
      L'echange - Der Austausch
      Regard de la Vierge - Betrachtung der Jungfrau
      [B]Regard du Fils sur le Fils - Der Sohn betrachtet den Sohn[/B] - Von Ihm ward alles erschaffen
      Ragrard de la Craoix - Betrachtung des Kreuzes
      Regard des hauteurs - Betrachtung der Höhen
      Regard du Temps - Betrachtung der Zeit
      Regard de l'Esprit de joie - Betrachtung des Geistes der Freude
      Premiere communion de la Vierge - Die erste Kommunion der Jungfrau
      La parole toute puissante - Das allmächtige Wort
      Noel - Weihnacht
      Regard des Anges - Betrachtung der Engel
      Le baiser der l'Enfant-Jesus - Der Kuss des Jesuskindes
      Regard des prophetes, des berges et des Mages - Betrachtung der Propheten, der Hirten und der Weisen.
      Regard du Silence - Betrachtung der Stille
      Regard de l'Onction terrible - Betrachtung der letzten Ölung
      Je dors, mais mon coeur veille - Ich schlafe, aber mein Herz hält Wache
      Regard de l'Eglise d'amour - Betrachtung der liebenden Kirche

      Messaien selbst sagte:


      Das Werk bringt viele neue Verfahren zum Einsatz, die sich von Stück zu Stück unterscheiden. Drei Hauptthemen durchziehen die Vingt Regards, das "Gottesthema", das sie fast durchweg und gleich von der ersten Seite n hören werden: das "Thema des Sterns und der Kreuzes", und schließlich das "Akkordthema", das dazu gedacht ist, fragmentiert oder konzentriert in einem Regenbogen wiederzukehren.

      Viel Liebe, Freud, Leid und Meditation stehen am Ursprung dieses Werkes; aber auch viel Lektüre, insbesondere "Le Christ dans ses Mysteres" von Dom Columba Marmion und die "Douze Regards" von Maurice Toesca. Und schließlich enthält es eine gewisse Anzahl von besonderen pianistischen Charakteristken und Effekten - eine kleine Revolution in der Stimmführung für Klavier - die ich niemals hätte realisieren können, hätte ich nicht die ersten Konzerte von Yvonne Loriod gehört und nicht das Glück gehabt, selbst Pianist zu sein



      Das Werk ist wirklich extrem reichhaltig an Ausdrucksformen und unterschiedlichen Eindrücken, die es vermittelt. Keine "leichte" Kost aber sicherlich wert gehört zu werden.

      Es fordert den Zuhörer und seine Konzentration aber dann offenbart es auch einiges.

      Mir liegt die Aufnahme von S. Osborne vor, die mir viel Freude bereitet:

      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: O. Messiaen: Vingt regards sur l'Enfant-Jésus

      Lieber Rachmaninov,
      ein wirklich sehr schönes Werk! Bei Messiaen ist es ja so, dass er primär zwei Gesichter hat (das ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern soll nur anschaulich sein): ein katholisches und ein ornithologisches. In seiner großen Oper St. Francois findet man ebenfalls solche "Embleme" (so etwas wie Leitmotive), auch gibt es dort natürlich ein Vogelkonzert. Oft trennt Messiaen das auch, also steht entweder ein religiöses Sujet im Vordergrund oder Vogelstimmen.
      Was man bei Messiaen wie bei keinem anderen Komponisten seiner Zeit entdecken kann ist ein ungeheurer Klangsinn. Messiaen war ein Synästhetiker, der bei Orchesterproben auch durchaus sagen konnte: "Spielen Sie diesen Akkord bitte mehr orange!"
      Interessanterweise liegen Messiaens Stücken im Grunde konstruierte Skalen zu Grunde, aber er war immer fähig, mit der Konstruktion poetisch umzugehen. Die Vingt Regards sind ein sehr schönes Beispiel dafür.
      Ich habe eine Aufnahme mit Aimard, die ich auch sehr gut finde.

      Herzlich
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Ich kenne daraus nur zwei Stücke, nämlich Regard de l'Esprit de joie - sowie
      Regard du Silence, gespielt von Jean-Rodolphe Kars von 1970. auf dieser von mir sehr geliebten DoppelCD sind von Messiaen noch Le Merle Bleu aus dem ersten Buch des Catalogue d'oiseaux drauf. Diese Platte habe ich schon wegen der Debussy-Préludes hier öfters höchst gelobt. So gespielt höre ich mir gerne Messiaen an!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Ich kann diese Aufnahme von den "Vingt regards" empfehlen:



      Ein genialer Zyklus neben den "Préludes", auch wenn die "Vingt Regards" eindeutig schwerer zu verstehen sind, kann z.B. bis heute nicht nachvollziehen, was XIII Noel mit Weihnachten zu tun hat (was ich selber gespielt habe). Trotzdem gehört es für mich zu den bedeutendsten Klavierwerke der Moderne, nicht nur wegen ihrer recht hohen Schwierigkeit, sondern auch wegen ihren Motiveinsätzen und ihrer Komplexität.

      Diese Sätze sind meiner Meinung nach besonders hörenswert:

      V Regard du Fils sur le Fils
      X Regard de l'Esprit de joie
      XI Premiere communion de la Vierge
      XIII Noel
      XV Le baiser der l'Enfant-Jesus
      XVI Regard des prophetes, des berges et des Mages
    • Benutzer online 1

      1 Besucher