Wer ist Eure "Carmen"?

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    • Wer ist Eure "Carmen"?

      Es ist die wohl bekannteste Figur der Opernliteratur: CARMEN! Über keine andere Person gibt es so viele Anekdoten und erzählungen, keine Oper ist öfter aufgenommen worden und keine Figur ist so legendär wie die feurige Spanierin!

      Wer ist für Euch Eure Carmen? Ist es die Callas in ihrer legendären Aufnahme unter Prêtre, ist es Julia Migenes, die sich leider damit die Stimme ruinierte? Ist es Jessye Norman? Oder doch eine ganz andere? Welche Aufnahmen empfehlt Ihr?
    • RE: Wer ist Eure "Carmen"?

      Carmen auf Schallplatte?

      Victoria de los Angeles mit Beecham (EMI),

      Später dann vielleicht Teresa Berganza mit Abbado (DG),
      in deutscher Sprache Christa Ludwig mit Horst Stein (EMI), ein Außenseiter, ich weiß, aber sie gefällt mir. Der Querschnitt in deutsch: Oralia Dominquez mit Fricsay (DG).

      Amadé
    • Also, auf der Bühne haben mich 2 Carmens beeindruckt: Agnes Baltsa und Denyce Graves. Leider hat die Baltsa die Carmen nur ein einziges Mal aufgenommen, und diese Produktion hat mit Carmen nur am Rande zu tun. Ich gehe so weit zu behaupten, dass die DG einen Druckfehler begangen hat, und eigentlich eine Oper namens "Herbert" herausgebracht hat. Dazu kommt noch die lächerliche Diskrepanz zwischen Gesangs- und Sprechstimmen. Aber, wie gesagt, auf der Bühne (vor allem mit Luis Lima oder mit Shikoff) war sie sensationell, und ich hab mir immer gewünscht, sie sollen überhaupt nicht aufhören zu singen und zu spielen.
      Denyce Graves hat, glaube ich,bis jetzt nie wirklich den ganz großen Durchbruch geschafft. Sie war eine sehr sinnliche Carmen. Leider hat die Graves die Carmen nicht auf Tonträger konserviert. Bisher hat sie immer auf Platten immer nur die Wurz'n gekriegt (Maddalena im Rigoletto, Gertrud im Hamlet, Emilia im Otello).
      Ich hab sie schon verdächtig lang nicht mehr gehört, weiss nicht, wie's mit ihrer Stimme bestellt ist.

      Eine sehr sinnliche Carmen auf CD finde ich Leonthyne Price. Auch hier wieder umgeben von stimmlicher Larmoyanz und orchestraler Zähigkeit (Die Soldaten langweilen sich am Anfang des ersten Aktes, schön und gut, aber warum muss sich auch der Zuhörer langweilen??). Vom Ton einer Opera comique ist da gar nix zu hören. Die Aufnahme hör ich nur wegen der Price. Sie hat die ideale Carmen-Stimme. Erotisch, sinnlich, rauchig, sie spielt und verführt mit der Stimme. Das macht ihr keine nach.

      Die Beecham-Einspielung mit der de los Ancheles trifft zwar diesen Opera comique Ton, aber bei aller Wertschätzung für diese Aufnahme fehlt ihr doch ein wenig die Verruchtheit.

      Ähnliches gilt für die Abbado-Einspielung mit Teresa Berganza. Sie ist mir eine Spur zu liebenswürdig und einen Schuß zu wenig sinnlich. Aber sie kann nix dafür, dass die Price so toll in der Rolle ist (nein, eigentlich ist sie die Carmen). Dafür mag ich das rhythmisch pointierte Dirigat Abbados sehr.


      Liebe Grüße



      Werner
    • Ich stieß gerade zufällig auf diesen thread, der nun schon ein Weilchen vor sich hinschlummert - in der Zwischenzeit scheint es irgendwie keine Carmen-Erlebnisse gegeben zu haben.

      Kennt jemand die Carmen DVD mit Maria Ewing? Die finde ich nicht schlecht, wobei ich die Ewing im Verdacht habe, optisch ein bißchen an Julia Migenes anschließen zu wollen.



      Ich mochte früher die Aufnahme mit Berganza, Domingo und Cotrubas sehr gern, aber Manrico hat schon recht - Sinnlichkeit kann man der Berganza nun wirklich nicht vorwerfen...

      Manche mögen, wie man anderswo lesen kann, Elina Garanca als Carmen, nur kann ich mir die eigentlich noch weniger als die Berganza als feurige Zigeunerin vorstellen. Oder liegen wir alle mit unseren Erwartungen bezüglich einer Carmen falsch? Muß man es noch ganz anders machen?

      Grüße!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Meine persönliche Favoritin aktuell ist Victoria de los Angeles in dieser Einspielung:



      GEORGES BIZET [1838 - 1875]
      Carmen
      de los Angeles, Gedda, Micheau, Blanc
      Choeurs & Orchestre National de l'ORTF Paris
      Sir Thoma (Beecham) am Pult
      EMI, 1958

      Victoria de los Angeles hat das richtige Temperament und die ideale Stimme für diese Partie. Beecham sorgt zudem für das erforderliche mediterran-hitzige Dirigat.

      Herzliche Grüße
      J E A N
      ...
    • My Carmen forever ist Agnes Baltsa, die ja beinahe 15 Jahre lang ein Abo auf diese Partie an der WSO hatte. Sie ist für mich einfach die Idealverkörperung dieser Partie, keine andere Sängerin hat ihre Don Josés so um den Finger gewickelt wie sie - und das Publikum dazu. Baltsa hat sogar das Kunststück zuwege gebracht, den steifen José Carreras aus der Reserve zu locken und so etwas wie Leidenschaft in ihm zu entfachen, wenn es auch nur ein schwaches Flämmchen war, verglichen mit dem Vulkan Luis Lima.
      Die Erinnerung an diese beiden vermiest mir eigentlich jede DVD, so auch die von Honoria erwähnte, die ich mir wegen Lima zugelegt habe. Aber Maria Ewing ist definitiv nicht meine Carmen, sie verwechselt phasenweise Erotik mit Vulgarität, auch stimmlich reicht sie an die Baltsa nicht heran. Lima agiert an ihrer Seite seltsam blutleer, also scheint die Chemie nicht sonderlich gestimmt zu haben.
      Julia Migenes wiederum überzeugte zwar als Typ, stimmlich war sie mit der Rolle aber hörbar überfordert.

      Auf Elina Garanca bin ich schon sehr gespannt. Sie ist meine Lieblingssängerin, trotzdem kann ich sie mir als Carmen nicht so recht vorstellen. Na, im April werde ich es dann wissen. (Mit Villazón als José hätte ich diese Bedenken nicht, der hätte sie schon mitgerissen, aber Giordani ist eine ziemliche Schlaftablette. Ich fürchte also ein bisschen, diese "Carmen" wird nur ein Fest der schönen Stimmen werden......)

      lg Severina :hello
    • Liebe Honoria,

      da ich auf Deine Frage vor nicht all zu langer Zeit in einem anderen Forum eingegangen bin, kopiere ich mal meinen Beitrag über die Londoner CARMEN der Maria Ewing hierher:


      Um das entscheidende Urteil vorweg zu nehmen: die Aufnahme lohnt sich aus einem Grund und zwei halben. Gar keinen Grund bietet die Inszenierung von Nuria Espert, die öde Folklore nach den gewohnten Klischees liefert und die Darsteller weitgehend sich selbst überlässt, was vor allem den Nebenrollen nicht gut bekommt. Aber auch Gino Quilico als Escamillo hätte eine Regie gebraucht, die ihn mehr fordert und fördert. Er ist zwar gut bei Stimme und vermag einen guten Escamillo zu singen, aber als Person wirkt er wie ein etwas zu jung geratener Père Germont, so bieder wirkt seine Autorität, der jegliches Feuer, geschweige denn Charisma abgeht, was gerade bei den wenigen Auftritten Escamillos lebensnotwendig ist. Da war Ildebrando D'Arcangelo selbst hoch zu Ross noch überzeugender, und den Auftritt hätte man ihm auch nicht antun sollen. Ansonsten ist die Regie fast eine Ehrenrettung anderer konventioneller Inszenierungen wie der Londoner mit Jonas Kaufmann, denn die wimmeln wenigstens von einfallsreichen Details. Sehr gut, wie meist in London, ist wieder mal der Chor, auch in der Bewegung, aber wer kauft schon eine Aufnahme um des Chores willen, zumal die spätere in der Hinsicht nicht schlechter ist? Welchen Quantensprung man in den Anforderungen der Regie zwischen 1994, dem Jahr dieser Aufnahme, und 2007 gemacht hat, ist aber im Vergleich der beiden Inszenierungen sehr gut zu sehen. Fernsehübertragungen und DVD haben sicher erheblich dazu beigetragen.

      Auch das Dirigat Zubin Mehtas ist kein Grund, sich die Aufnahme zuzulegen. Das beste, was man darüber sagen kann, ist, dass es nicht auffällt, nicht positiv, aber auch nicht wirklich negativ außer durch eine ziemlich einheitliche Dauerlautstärke. Bezeichnenderweise ist er am besten, wenn er richtig einheizen darf, etwa zu Beginn des zweiten Aktes in Lila Pastias Kneipe.

      Der eine halbe, eigentlich Dreiviertelgrund, sich auch diese Aufnahme zuzulegen, ist die Micaela von Leontina Vaduva, die mir sehr gut gefallen hat. Sie vermag zwar nicht die Erinnerung an Mirella Freni zu verdrängen, die für mich noch immer die beste Michaela ist (zwar nur vom Höreindruck, aber ich zweifle nicht, dass sie auch darstellerisch ganz weit vorne liegen würde), aber sie kann bei vorzüglichem Gesang das Mädchen vom Lande glaubhaft machen und ist, ganz im Gegensatz zu Nora Amsellem, eine lebendige Person. Der andere halbe Grund ist Luis Lima, der aus der normalen Entfernung zur Opernbühne sicher überzeugender war als in der gnadenlosen Nähe der Live-Kamera. Trotzdem gebe ich ihm nur einen halben Punkt, nicht wegen seines starken spanischen Akzents, der bei der CARMEN ja nicht verfehlt ist, und auch nicht in den Dialogen, die hier sehr ausführlich sind und von allen außer dem Zuniga ordentlich bis gut gemeistert werden, sondern in seiner Art, beim Singen zu spielen. Die wirkt, als habe er bei Rudolf Schock Schauspielunterricht genommen und sich entschlossen, ihn einfach zu kopieren. Sein Outrieren am Schluss ist dann finsterster Verismo, was im Vergleich zu der von innen heraus glühenden Darbietung seiner Partnerin fast grotesk wirkt. Schade ist das schon deshalb, weil er die Rolle bis zum Schluss wirklich vorzüglich singt und auch gut eingeteilt hat, denn er verausgabt sich zwar, ist es aber bis zuletzt nicht hörbar.

      Das gilt erst recht für den eigentlichen Grund, sich diese Aufnahme zumindest einmal anzusehen, und der heißt Maria Ewing. Ihr großer Mund und ihre Riesenaugen legen nicht unbedingt den Eindruck eines bildhübschen Mädchens nahe, und es gab und gibt sicher auch figürlich auf den ersten Blick überzeugendere Carmencitas, aber was für ein Leben kann sich im Gesicht dieser enorm begabten Amerikanerin abspielen! Nicht von ungefähr orientiert sich die Kamera immer wieder in Großaufnahmen an ihrem Gesicht, denn das spielt mit rückhaltloser Überzeugungskraft sogar dann noch mit, wenn sie eigentlich gar nichts zu tun hat außer zuzuhören. Diese Carmen und ihr enormes Selbstbewusstsein sind wirklich gelebt, und man glaubt ihr sofort, dass die Männer - wenn sie ihren deutlich ordinären Touch mögen - verrückt nach ihr sind, selbst wenn man es ihr nicht auf den ersten Blick ansieht. Sie ist vielleicht der beste Beweis dafür, dass Ausstrahlung nichts mit Aussehen zu tun hat.

      Eine wirklich gute Carmen muss in der Tradition der Opéra Comique zuhause sein und sollte auch eine gute Offenbach-Périchole singen und spielen können. Maria Ewing hat beides mindestens in Genf getan, denn davon gibt es eine sehr amüsante Aufnahme. Man merkt auch hier, dass sie sehr viel von dem spezifisch französischen Charakter dieser Opéra comique verinnerlicht hat, denn nicht selten meint man, sie sprechen zu hören, obwohl sie durchaus die richtigen Töne singt. Ganz selten nur bricht sie aus der Gesangslinie heraus um die extreme Emotion einer Passage zu betonen, und da ist sie so überzeugend, wie ich es nur von Agnes Baltsa erinnere und von Patricia Petibon kenne, die eine Carmen womöglich ähnlich anlegen würde, wenn sie ihrer Stimme läge. So ähnlich wie übrigens auch Julia Migenes, die aber diese Ausbrüche auch brauchte um stimmliche Defizite zu kaschieren, was Maria Ewing nur ganz selten nötig hat - oder zu haben scheint (ich bin da kein Fachmann). Das bedeutet natürlich nicht, dass Maria Ewing an die Carmen der Agnes Baltsa heran reicht, nur hat die mit ihrem José Carreras in der MET wirklich einen schlechten Tag und Partner erwischt, so dass die DVD aus der MET nicht wirklich konkurrenzfähig ist.

      Wenn Maria Ewing ein Defizit hat, dann ist es das Piano, das sie nur ganz selten versucht, aber wie sie die Resignation in der Kartenarie rein schauspielerisch ausdrückt und stimmlich unterstreicht, das ist schon das Ansehen wert. Manchmal irritieren einige Eigenheiten, zumal, wenn sie sich zum Ende hin öfter wiederholen. Da sie aber durchweg im Charakter bleiben, stören sie allenfalls Leute, die partout "Fehler" orten müssen, mich jedenfalls nicht. Maria Ewing wäre sicher auch eine vorzügliche Partnerin für Jonas Kaufmann gewesen. Luis Lima jedenfalls ist ihr nirgendwo gewachsen.

      Man sollte diese Aufnahme übrigens nicht mit der aus Glyndebourne verwechseln, die es wesentlich günstiger gibt und u. a. bei der D'Agostini Opernreihe gab. Diese Gesamtaufnahme kenne ich nicht, könnte aber durchaus konkurrenzfähig sein. Beide braucht man aber sicher nicht, denn ihre Interpretationen scheinen, nach den zahlreichen YouTube-Ausschnitten zu schließen, einander sehr ähnlich zu sein. Wer will, kann dort aber beide Aufnahmen in Ausschnitten vergleichen, denn es gibt ziemlich viele davon. Filmisch ist die von Covent Garden jedenfalls die bessere, wenn auch keineswegs außerordentlich. Man sollte sich aber die Aufführung in den - technisch wie immer ungenügenden - Ausschnitten ansehen, bevor man sie zum gegenwärtigen Hochpreis kauft.

      Ich jedenfalls würde dann lieber 5 Euro sparen und diese Aufnahme kaufen, die von den kommerziell verfügbaren die deutlich bessere ist und den besten Don José seit Domingo sowie die höchst achtbare Carmen der Antonacci und mit Pappano einen viel flexibleren Dirigenten als Mehta bietet:



      :hello Rideamus
      Ich mag alle Kunstformen und Genres. Ich höre Musik von Alban Berg und gehe ins Musical. Für mich gibt es keine Hierarchie der Künste, denn es sind letztlich alles Erzählformen. Alain Resnais
    • Ich schliesse mich mal wieder Sevi an, denn die Agnes Baltsa-Carmen mit Carreras und unter Abbado in der Zefirelli Inszenierung war mein erster Ausflug in die grosse Welt der Oper und mein allererster Besuch in Wien. Blutjung wie ich war, hat mich all das so wahnsinnig beeindruckt, dass ich noch heute, schon aus reiner Nostalgie, alle Carmens der Welt damit vergleichen werde.
      Ein optischer aber auch akustischer Hochgenuss ist allerdings auch die Londoner Carmen mit Kaufmann und antonacci- für mich ein Traumpaar in dieser Oper. Einziger Schwachpunkt in dieser Carmen ist für mich Norah Amsellen- so was Langweiliges ist mir selten vorgekommen, aber zur Rolle passt es dann wenigstens....
      Meine Lieblings-Micaëla ist Ileana Cotrubas, aber leider wird die Rolle heute oft schlecht besetzt. Wie neulich wieder mit Barbara Frittoli in der MET mit ihrem viel zu grossen und ausgeleierten Sopran. Dabei könnte man daraus wirklich was machen, so ein tolles Duett!!!!!
      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Liebe Fairy,
      ich dachte auch immer, Norah Ansellem ist punkto Langeweile als Micaela nicht zu toppen, aber die Besetzung an der Scala (Name habe ich mir absichtlich nicht gemerkt X() fand ich noch schlimmer.
      Meine aktuelle Lieblingsmicaela ist Genia Kühmeier, die international wohl noch nicht so bekannt ist. Sie singt diese Partie nicht nur technisch einwandfrei und mit schöner Stimme, sondern beseelt sie auch, wenn ich mir Deinen Ausdruck ausleihen darf. :wink Eine so innige, wirklich zu Herzen gehende Micaela habe ich seit Cotrubas Zeiten nicht mehr gehört, sie bekam auch immer deutlich mehr Applaus und Bravos als Don José und Carmen (Immerhin Marina Domashenko).
      lg Sevi :hello
    • Lieber Rideamus,
      vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort, die sich mit meinen Eindrücken weitestgehend deckt. Maria Ewing ist sicher nicht jedermanns Sache - vor allem aus optischen Gründen, aber auch ich fand ihre Rollengestaltung stimmlich und darstellerisch überzeugend. Jedenfalls paßt sie vom Typus her eher zu der Rolle als viele andere Sängerinnen, die sich schon sehr bemühen müssen, eine gewisse Ruchlosigkeit in Liebesdingen auf die Bühne zu bringen. Luis Lima kauft man halt mit dazu in dieser Aufnahme, und der Escamillo war meiner Erinnerung völlig entschwunden...

      Ich gestehe, daß mich die gezeigte Aufnahme mit Antonacci, Kaufmann und d'Arcangelo nicht so sehr reizt - erstens verfolgt mich Herr d'Arcangelo geradezu: bei jedem meiner -nun wirklich sehr spärlichen- Opernbesuche in Wien blühte er mir (meist zusammen mit José Cura), und irgendwie habe ich immer seine nicht ganz so genialen Abende erwischt (dito).
      Und meine Skepsis bezüglich Jonas Kaufmann hat mir anderswo schon viel verbale Prügel eingebracht :A. Allerdings könnte er, schon allein wegen der dunkel timbrierten Stimme und seines unzweifelhaft vorhandenen darstellerischen Talents, sicher ein glaubwürdiger Don José sein...ich werde die DVD mal auf die Anschaffungsliste setzen....

      Grüße!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Original von Honoria Lucasta
      Lieber Rideamus,
      v

      Ich gestehe, daß mich die gezeigte Aufnahme mit Antonacci, Kaufmann und d'Arcangelo nicht so sehr reizt - erstens verfolgt mich Herr d'Arcangelo geradezu: bei jedem meiner -nun wirklich sehr spärlichen- Opernbesuche in Wien blühte er mir (meist zusammen mit José Cura), und irgendwie habe ich immer seine nicht ganz so genialen Abende erwischt (dito).
      Und meine Skepsis bezüglich Jonas Kaufmann hat mir anderswo schon viel verbale Prügel eingebracht :A. Allerdings könnte er, schon allein wegen der dunkel timbrierten Stimme und seines unzweifelhaft vorhandenen darstellerischen Talents, sicher ein glaubwürdiger Don José sein...ich werde die DVD mal auf die Anschaffungsliste setzen....

      Grüße!

      Honoria


      Naja, aber im Vergleich mit Cura muss er trotzdem die reinste Wonne gewesen sein :ignore Ui je, hoffentlich bin ich da in kein Fettnäpfchen getreten :D

      Was Jonas Kaufmann betrifft, würde ich mich da gerne mit Dir duellieren :wink beziehungsweise Deine Meinung über ihn kennen lernen, aber besser in einem eigenen Thread. (Keine Bange, ich habe absolut kein Problem damit, wenn andere meine Lieblinge nicht mögen!)
      lg Severina :hello
    • Wiederbelebung aus gegebenem Anlass:

      Meine Carmen ist nicht Magdalena Kozena, wie man in meinem Bericht schon lesen konnte. Und das liegt ganz sicher nicht an der Haarfarbe.
      Meine bevorzugte Carmen ist nämlich noch blonder und blau-äugiger als Kozena, aber hat ihr in Sachen Ausstrahlung einiges vorraus, meiner Meinung nach. Ich spreche von Elina Garanca. Ich habe sie als Carmen nie live gesehen (Mai 2013!! :D ), nur auf DVD, also kann es sein, dass sie mir live dann nicht mehr so gut gefällt, was ich aber ehrlich gesagt nicht glaube.
      Ich finde die Sache mit der Haarfarbe das unwichtigste überhaupt. Lassen wir dann nur mehr Chinesinnen Turandot singen, oder wie? Ich finde die Gesten, die Ausstrahlung und die Spielfreude bei einer Carmen viel wichtiger. Die kleinen Gesten, vor allem die Blicke, sieht man auf der Bühne natürlich manchmal nicht wirklich, aber es macht einen Unterschied, ob jemand mit dem ganzen Körper dabei ist, oder nur ein paar große Bewegungen macht.

      Erstens einmal ist Garancas Stimme für mich persönlich sehr erotisch und das ist ja bei einer Sängerin ein wichtiger Teil. Ich habe also bei jemandem wie ihr auch kein Problem, sie nur zu hören. Sie hat die nötige Dramatik für die Kartenszene oder das Schlussduett, aber auch nicht zu viel Bruststimme, was auf die Dauer auch nerven könnte.
      Dann strahlt sie eben für mich alles aus, was eine Carmen ausmacht. Nicht plumpe, billige Posen, sondern feine Gesten benutzt sie und vor allem bei ihren Blicken versteht man, wieso jeder Mann ihr hinterrennt. Sie müsste mit der Seguidille nicht einmal anfangen und ich würde mit ihr sofort in die Berge rennen.

      Da Carmen aber eben eine Rolle ist, wo es sehr stark auf den persönlichen Geschmack ankommt, ist es logisch, dass nicht jeder die gleiche Lieblings-Carmen hat, das ist auch gut so.

      Hyacinth :hello

      PS: Dass meine Lieblings-Micaela Genia Kühmeier ist, das dürfte ja jedem bekannt sein :wink
      Töne, töne, süsse Stimme
      Fremder Vogel, singe wieder
      Deine Klagen, sie beleben,
      Uns entzücken solche Lieder.
      ("Ariadne auf Naxos", R. Strauss)
    • Nun, dass früher Agnes Baltsa für mich DIE konkurrenzlose Carmen war, habe ich weiter oben schon beschrieben, aber die Vergangenheit ist vergangen und war für mich noch nie die glorreiche, in der alles besser war.
      Live habe ich allerdings wirklich seither keine Carmen mehr erlebt, die mich ähnlich mitgerissen hätte wie die Baltsa, auf Konserve dafür gleich zwei: Anna Caterina Antonacci auf der von Rideamus vorgestellten DVD vom ROH und Elina Garanca auf der DVD von der MET. (Auf die bezieht sich ja wahrscheinlich auch Hyacinth, oder?)

      Beide legen ihre Carmen unterschiedlich an: Antonacci sehr extrovertiert, ganz wilde Raubkatze, die Garanca äußerlich eher ruhig, innerlich ganz lodernder Vulkan, der sich immer wieder durch ihre Augen Bahn bricht (Jaaa, Hyacinth - diese Augensprache :down :down :down). Wie gesagt, zwei Interpretationen, aber jede auf ihre Art stimmig.
      Denn es gibt eben nicht DIE Carmen, sondern eben überzeugende und weniger überzeugende, und von der Haarfarbe hängt das ganz bestimmt nicht ab.
      Auch ich fiebere der ersten Wiener "Carmen" mit Elina Garanca entgegen :leb!

      lg Severina :hello

      PS: Hier habe ich die Met-DVD besprochen: das-klassikforum.de/addreply.php?action=quote&postid=101455

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