Welche Dirigenten stehen bei Euch hoch im Kurs!

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    • Derzeit - das hat sich über die Jahre durchaus geändert - sähe die Liste so aus:


      Celibidache
      Furtwängler
      Hickox
      Metzmacher
      Mrawinski
      Szell
      Vänskä
      Walter
      Wand
      Zender


      Sinopoli, Giulini, Salonen,Klemperer, Fricsay, Ancerl, die Kleibers, Kondraschin, Bernstein, Krips, Stokowski, Swetlanow, Paray, Karajan sollen zumindest erwähnt werden. Lebende Dirigenten, die nicht oder nur wenig zeitgenössische Musik dirigieren habe ich nicht berücksichtigt.

      Hickox? - Ich höre häufig britische Komponisten.....

      Gruß
      Vinding
      ............Das führt unvermeidlich zur Einebnung der jeweiligen Komponistenpersönlichkeit zugunsten der Hervorhebung der sie umgebenden zeitgebundenen Konventionen, soweit wir diese heute verstehen, also zur interpretatorischen Nivellierung der kompositorischen Qualität (Christoph Schlüren)


      Gruß
      Vinding
    • Meine Liste aus 2007 mit einigen Änderungen:

      Belohlávek, Jirí
      Bernstein, Leonard (höre ich fast gar nicht mehr, außer mit Berlioz - ersetze ich durch John Eliot Gardiner)
      Chailly, Riccardo
      Fischer, Iván
      Fricsay, Ferenc
      Gergiev, Valery
      Horenstein, Jascha (ist auch nicht mehr einer meiner Favoriten, nehme ich raus - dafür Vasily Petrenko rein)
      Kleiber, Carlos
      Swetlanow, Jewgenij
      Szell, George


      Gruß, Cosima
    • Lieber Dekyi1210, nicht alle sind unbedingt Lieblingsdirigenten von mir. Aber unabhängig davon beneide ich dich darum, wen du noch gehört hast.

      Für C.Kleiber hatte ich mal Karten, aber dann sagte er ab und kam nie wieder. Bei einem Karajan-Konzert fand ich (für den Preis) das Programm nicht ansprechend genug und dachte: Na ja, beim nächsten Mal. Allerdings kam auch er nie wieder. Leinsdorf erkrankte und kam ebenso nie wieder. Bernstein hätte ich noch in Mailand sehen können. Aber wir zogen einen 'Piccolo Marat' in Livorno vor und dachten, wir könnten ihn nächstes Jahr ja auch beim SHMF erleben. Und auch er kam nie wieder.

      Fazit: Nur ja immer zugreifen. Wer weiß, was passiert. ^^ (Ging mir übrigens mit Arrau, Segovia, Nilsson, Varnay und Fitzgerald genau so. Schluchz! ;) )

      LG Falstaff
    • Mir fällt gerade auf, dass der Titel dieses Fadens etwas ungewöhnlich ist, weil er einen Satz mit Fragewort mit Ausrufezeichen abschließt. Ist das nun eine Frage, die explizit impliziert, dass gefälligst jeder drauf zu antworten hat?
      Ich fühle mich jedenfalls ausgerufen - ich meine aufgerufen, mich nochmals zum Thema zu äußern. Allerdings bin ich mir fast sicher, dass ich keine 10 zusammenbekommen werde.

      Fangen wir bei den Lebenden an. Ich habe mal wahllos zwei der gerade angesagten Stars (Andris Nelsons und Yannick Nézet-Seguin) herausgegriffen und mir die Diskographie angeschaut. Es wäre zum Haare raufen, wenn ich denn welche hätte. Immer wieder das Gleiche, das schon die Generation davor und die davor und die davor eingespielt hat. Keine wenig bekannten Komponisten, keine wenig bekannten Werke von bekannten Komponisten, nichts, nada. Stattdessen die gefühlt 139. GA von Bruckner. Warum, wozu, weshalb? Sicher, es gibt immer ein paar Enthusiasten, die sich alles von ihren Lieblingskomponisten bzw. -werken kaufen. Aber glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass es da noch neue Sichtweisen gegeben kann, nachdem sich vier Generationen daran abgearbeitet haben und von SloMo-Celi bis Turbo-Venzago oder von Sanctus Jochum bis Secularus Skrowaczewski wirklich für jeden etwas dabei sein müsste? Warum macht einer das freiwillig? Gar nicht. Aber auch Dirigenten sind Arbeitnehmer und müssen das machen, was der Arbeitgeber verlangt - das ist bei mir auch nicht anders. Und der Arbeitgeber verlangt das, was sich verkauft. Und es verkauft sich das, was das Publikum will. Und das kauft halt lieber den 139. Aufguss eines Bruckner als auch nur eine CD von Reinecke. Zumal die Fachpresse dem Publikum einredet, dass es sich hier um die ultimative Einspielung handelt. Klar, wenn alle Kritiker alle überflüssigen Aufnahmen als solche benennen würden, würde keiner mehr Fachzeitschriften lesen - und kein Label würde sie mehr sponsern. Dirigenten, die -aus welchen Gründen auch immer- genau und nur das liefern, was das Publikum hören will, sind nichts anderes als Popmusiker, die genau und nur das liefern, was das Publikum hören will und die Bildungshörer, die sich ach so elitär fühlen, aber nur Mainstream-Klassik konsumieren, unterscheiden sich von gemeinen Musikkonsumenten, die nur Mainstream-Pop hören, lediglich dadurch, dass sie sich ach so elitär fühlen. Mich interessiert diese Dirigenten-Generation jedenfalls einen Dreck. Die ganze? Nein! Da gibt es einen gehypten Jungstar, der fast noch in den Windeln Chef des RSO Wien wurde und versprach, frischen Wind in das Repertoire zu bringen. Den Worten folgten Taten: Ganz ohne Bruckner und Strauss ging es zwar nicht, aber er legte auch alle Sechse von Martinů vor und es wurden gar CDs mit Werken von lebenden Komponisten gesichtet. Mal sehen, ob Cornelius Meister das durchhält. Für den Versuch steht er bei mir hoch im Kurs.

      Alle anderen, die bloß die abgestandenen Lumpen wieder auswringen, können mir gestohlen bleiben - da gibt es nichts mehr zu entdecken. Man bleibe mir weg mit kritischen Neuausgaben, die gemacht wurden, nachdem forensische Untersuchungen gezeigt haben, dass die Punktierung auf dem Cis vier Takte nach R71 im Originalmanuskript in Wirklichkeit ein Fliegenschiss ist, was ein völlig neues Licht auf das ganze Werk und die Intentionen des Komponisten wirft und unter diesen Gesichtspunkten eine Neueinspielung unumgänglich macht. Nein, wir müssen einsehen, dass die HIPster die letzten waren, die im Populär-Klassik-Repertoire wirklich nochmal etwas Neues bieten konnten, zumindest was die Instrumente angeht. Für alles andere, was sie so an Revolutionärem für sich reklamierten, hat sich bald herausgestellt, dass das schon vor Jahrzehnten jemand so gemacht hat. Das Problem mit den HIPstern war, dass sie deswegen hoch im Kurs standen, weil sie HIP gemacht haben, nicht weil sie großartige Dirigenten waren. Die einzige Ausnahme ist vielleicht Gardiner, aber wenn ich meine aktuelle Sammlung durchforste, dann sind von ihm genau null Aufnahmen verbleiben.

      Was macht einen Dirigenten so großartig, dass er bei mir hoch im Kurs steht. Oder anders herum: Wie kann er sich nachhaltig bei mir disqualifizieren? Nehmen wir den gehyptesten der Youngster, Currentzis, der gefühlt bei jedem zweiten Mal, wenn ich den Kultursender einschalte, gerade ein Interview gibt. Der hat einen Personalstil, was an sich nicht verkehrt ist. Verkehrt ist, dass er diesen Stil auf alles anwendet, was ihm vor dem Stab kommt. Ob Mozart, Stravinsky, Tschaikowsky – es klingt alles gleich. Damit befindet er sich in der lange Reihe derer, für die eine Komposition lediglich eine Skizze, über die dick mit eigenen Vorstellungen gepinselt wird, darstellt: Solti streut überall Pfeffer drauf, Bernstein macht aus allem ein Hollywood-Spektakel, Karajan macht alles breit und satt - das sind nur die Allerbekanntesten und das geht so weiter zurück bis zu Klemperer und Furtwängler.

      Manchmal frage ich mich, ob die Subjektivisten, die alles Mögliche in die Partituren hineindeuten, überhaupt wissen, mit was für einer Art von Kunst sie sich auseinandersetzen. Jeder Dödel plappert zwei der berühmtesten Zitate über Musik nach: Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie (Beethoven) und Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist (Hugo). Aber dann reden sie trotzdem weiter darüber und fragen sich, ob das Fis in den gestopften Hörnern bedeutet, dass der Komponist unter Blähungen litt. Nochmal zurück zu Currentzis: Der Mann kann ja schon toll reden und deshalb hörte ich mir ein paar Interviews an, obwohl es mir schier die Schuhe auszog. Für ihn ist alles Programmmusik, in der sich die Gefühle des Komponisten widerspiegeln und das muss in der Interpretation hörbar sein. Da komme ich nicht mit. Wozu sollte sich einer die Arbeit machen, eine viersätzige Sinfonie zu komponieren, nur um seine Gefühle auszudrücken – wenn die doch viel einfacher “gesagt“ (Hugo) werden könnten? Und was hat das mit höherer Offenbarung zu tun? Das bringt mich zu Toscanini. Auf die Frage, wie er den ersten Satz der Eroica deute, antwortete er: Für mich ist es Allegro con Brio. Dieser Dirigent steht bei mir hoch im Kurs, weil er etwas begriffen hat – und wer sich ob dieses Spruches echauffiert, dass man ein klassisches Musikstück nicht so einfach aus dem historischen Kontext reißen darf, dem sei nochmals die Meditation über die beiden Zitate nahegelegt.

      Noch zu nennen: Beecham. Sein Haydn, obwohl von vorne bis hinten subjektiv und werkuntreu, steht so hoch über der Konkurrenz, dass es den Dirigenten auf einen hohen Kurs hebt. Und Christoph Spering, der die Chuzpe hatte, die Requiem-Fragmente von Mozart ohne Füllstimmen einzuspielen. Und dann alle, die auf die ganz große Karriere verzichteten oder verzichten, weil sie lieber Zeitgenossen dirigieren, allen voran Robert Craft.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 11 mal editiert, zuletzt von Cetay ()