"Der am höchsten Geschätzte Musiker"

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Halllo Stefan,
      Wie steht es eigentlich heute mit der Bescheidenheit von Künstlern? Ist dies in der heutigen Marktsituation ein Kriterium? Wie nützlich/schädlich ist es, ein Künstler mit Marotten zu sein und diese offensiv zu vermarkten? Ohne zu werten: Sind "Geigenpunks" à la Nigel Kennedy oder Cross-Over allgemein geeignet, Menschen die Klassische Musik näher zu bringen?

      Diese interessanten Fragen haben wir schon öfter diskutiert, lies mal z.B. den Thread "Der Künstler als Markenname"; oder auch im Lang Lang Thread oder zur Frage der Bescheidenheit unlängst hier am Beispiel von Sängern.

      Interessant und themenverwandt auch der Strang "Erotik und klassische Musik" - denn bekanntermaßen gibts natürlich sinnliche Aspekte in vielen Werken, aber auch viel Werbung mit Erotik, die mehr mit dem Künstler als der Musik zu tun hat

      Vielleicht kannst du da oder dort neue Aspekte einbringen?
      :hello
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Heike ()

    • Original von Heike
      Halllo Stefan,

      Diese interessanten Fragen haben wir schon öfter diskutiert, lies mal z.B. den Thread "Der Künstler als Markenname"; oder auch im Lang Lang Thread oder zur Frage der Bescheidenheit unlängst hier am Beispiel von Sängern.

      Interessant und themenverwandt auch der Strang "Erotik und klassische Musik" - denn bekanntermaßen gibts natürlich sinnliche Aspekte in vielen Werken, aber auch viel Werbung mit Erotik, die mehr mit dem Künstler als der Musik zu tun hat

      Vielleicht kannst du da oder dort neue Aspekte einbringen?
      :hello
      Heike


      Liebe Heike
      Vielen Dank für die Hinweise. Eigentlich war es ja klar, dass diese Themen schon existieren (-> Erde an Stefan: Gehirn einschalten. Erst Lesen, dann Denken und zuletzt Schreiben. Nicht umgekehrt..)

      Ich lese mir die Threads gerne durch und zu "Erotik und klassische Musik" kann ich auch noch was einbringen.

      Viele Grüsse aus dem verregneten Rapperswil am Zürichsee :hello
      Stefan
      "Nur weil Du nicht paranoid bist, heisst das nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind." (Terry Pratchett)
    • Original von Ganong
      Meiner Meinung nach muss man in ganz besonderer Weise mit der Persönlichkeit der Künstlerin / des Künstlers wenn möglich persönlich so gut wie möglich beaknnt und sogar vertraut sein . Dem Gesamtumfeld etc.


      Hallo Frank,

      Bei einer (nur) Audioaufnahme (CD, Tonband) ist es ganz einfach, denn da spricht zu einem nur die Musik, das Instrument und das Können der Interpreten. (Im Konzert oder Theater kommt noch die ganze Atmosphäre - da hinterläßt ein verschnupfter Teilnehmer im Publikum häufig mehr Eindruck als die Künstler auf dem Podium, aber das ist ein anderes Kapitel...)
      Da ich in den "gehobenen" künstlerischen Kreisen mit keinem persönlich verkehre, sind mir die Geschehnisse hinter den Kulissen gänzlich unbekannt, dennoch habe ich meine großen Lieblingsinterpreten. Laß es mich am Beispiel der Violine skizzieren.

      Violinspiel gehört (neben Opern) zu meinem beliebtesten, so kommt es, daß ich einige Violinkonzerte in zahlreichen Interpretationen habe. Über Jahrzehnte "schwärmte" ich für David Oistrach, und ich glaubte ihn als den größten Geiger aller Zeiten (was objektiv gesehen als weit übertrieben bezeichnet werden darf). Persönlich habe ich ihn nie gesprochen, kenne nur seine Schallplatten/CD-Aufnahmen, aber seine Spielweise hat meinen musikalischen Geschmack über lange Zeit beeinflußt, und aus jedem Vergleich kam er als Sieger heraus. Bis ich vor einigen Jahren eine ältere Aufnahme von 1981 mit Anne-Sophie Mutter aufgelegt habe.
      Anne-Sophie Mutter persönlich kenne ich ebenso wenig wie David Oistrach, nämlich gar nicht, ich höre nur ihre Geige und ihr Spiel, und plötzlich lege ich diese eine Aufnahme immer wieder auf, weil ich von ihr so fasziniert bin. Allein dieses Bekenntnis, von ihrem Spiel begeistert zu sein, schiebt mich in die Dilettanten-Ecke, weil Anne-Sophie Mutter keine gute Kritik in der Tagespresse/Internetforum erntet.

      Nun, ich lasse mir nicht von schlechter Presse den Musikgenuß madig machen; Anne-Sophie Mutter spielt die VK von Mendelssohn-Bartholdy, Bruch und Brahms wie kein anderer; ihr Spiel und der Klang ihrer Geige erreicht meine Gefühle in einer Art, daß ich quasi "gezwungen" bin, Oistrach (sen. wie jun.) oder Hudecek verstauben, und die CDs mit Anne-Sophie Mutter zu der meistgespielten (Violin)Musik meiner Sammlung werden zu lassen.

      Ich kann es rational nicht begründen, aber Liebe kann man weder erzwingen noch vernichten; sie entsteht "einfach so".

      Als Wagnerianer darf ich in politisch korrekten Kreisen "den Mund erst gar nicht aufmachen". Richard Wagner mag gewesen sein, wie auch immer, aber er war es, der Tristan und Isolde komponierte, er war es, der in die deutsche Kulturgeschichte den Ring des Nibelungen schrieb. Kein anderer.

      Und last but not least: Nur wenigen von uns sind die wahren Charaktere der Musiker bekannt. Der eine macht Schlagzeilen, der andere nicht. Ob die Schlagzeilen gut/schlecht sind, hat häufig mit dem Charakter des Künstler wenig zu tun, vielmehr entspricht es der journalistischen Kunst, den einen herauszubringen und den anderen zu vernichten.
      Wieviel wir uns diesem journalistischen Einfluß entziehen können, sei dahingestellt.

      Gruß, Bert
      Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht. [Albert Einstein]
    • Original von Bert

      Hallo Frank,

      Bei einer (nur) Audioaufnahme (CD, Tonband) ist es ganz einfach, denn da spricht zu einem nur die Musik, das Instrument und das Können der Interpreten. (Im Konzert oder Theater kommt noch die ganze Atmosphäre - da hinterläßt ein verschnupfter Teilnehmer im Publikum häufig mehr Eindruck als die Künstler auf dem Podium, aber das ist ein anderes Kapitel...)
      Da ich in den "gehobenen" künstlerischen Kreisen mit keinem persönlich verkehre, sind mir die Geschehnisse hinter den Kulissen gänzlich unbekannt, dennoch habe ich meine großen Lieblingsinterpreten. Laß es mich am Beispiel der Violine skizzieren.

      Violinspiel gehört (neben Opern) zu meinem beliebtesten, so kommt es, daß ich einige Violinkonzerte in zahlreichen Interpretationen habe. Über Jahrzehnte "schwärmte" ich für David Oistrach, und ich glaubte ihn als den größten Geiger aller Zeiten (was objektiv gesehen als weit übertrieben bezeichnet werden darf). Persönlich habe ich ihn nie gesprochen, kenne nur seine Schallplatten/CD-Aufnahmen, aber seine Spielweise hat meinen musikalischen Geschmack über lange Zeit beeinflußt, und aus jedem Vergleich kam er als Sieger heraus. Bis ich vor einigen Jahren eine ältere Aufnahme von 1981 mit Anne-Sophie Mutter aufgelegt habe.
      Anne-Sophie Mutter persönlich kenne ich ebenso wenig wie David Oistrach, nämlich gar nicht, ich höre nur ihre Geige und ihr Spiel, und plötzlich lege ich diese eine Aufnahme immer wieder auf, weil ich von ihr so fasziniert bin. Allein dieses Bekenntnis, von ihrem Spiel begeistert zu sein, schiebt mich in die Dilettanten-Ecke, weil Anne-Sophie Mutter keine gute Kritik in der Tagespresse/Internetforum erntet.

      Nun, ich lasse mir nicht von schlechter Presse den Musikgenuß madig machen; Anne-Sophie Mutter spielt die VK von Mendelssohn-Bartholdy, Bruch und Brahms wie kein anderer; ihr Spiel und der Klang ihrer Geige erreicht meine Gefühle in einer Art, daß ich quasi "gezwungen" bin, Oistrach (sen. wie jun.) oder Hudecek verstauben, und die CDs mit Anne-Sophie Mutter zu der meistgespielten (Violin)Musik meiner Sammlung werden zu lassen.

      Ich kann es rational nicht begründen, aber Liebe kann man weder erzwingen noch vernichten; sie entsteht "einfach so".

      Als Wagnerianer darf ich in politisch korrekten Kreisen "den Mund erst gar nicht aufmachen". Richard Wagner mag gewesen sein, wie auch immer, aber er war es, der Tristan und Isolde komponierte, er war es, der in die deutsche Kulturgeschichte den Ring des Nibelungen schrieb. Kein anderer.

      Und last but not least: Nur wenigen von uns sind die wahren Charaktere der Musiker bekannt. Der eine macht Schlagzeilen, der andere nicht. Ob die Schlagzeilen gut/schlecht sind, hat häufig mit dem Charakter des Künstler wenig zu tun, vielmehr entspricht es der journalistischen Kunst, den einen herauszubringen und den anderen zu vernichten.
      Wieviel wir uns diesem journalistischen Einfluß entziehen können, sei dahingestellt.

      Gruß, Bert


      Lieber Bert
      Deinen Ausführungen ist eigentlich nichts hinzuzufügen. :thanks
      Ich habe im Bereich Violine ebenfalls diverseste Einspielungen verschiedener Künstler und Epochen. Ehrlich gesagt, kann ich mich manchmal dem Einfluss der Fachpresse nicht entziehen. Nur soviel: Ich habe Violinkonzerte, die von Maxim Vengerov unter Rostropovich auf TelDec eingespielt worden sind (Tschaikovski, Shostakovich usw.) gekauft, da sie von der Presse damals hochgelobt worden sind. Nun, Shostakovichs erstes VK unter Neeme Järvi und mit Lydia Mordkovitch gefällt mir um einiges besser :(.

      Seither gehe ich nur noch nach meinem Geschmack.

      Und was Wagner betrifft: Daniel Barenboim versucht ja schon seit einiger Zeit, gegen das scheinbar politische Element in dieser Musik anzugehen, indem er Wagners Werke aufführt. Für ihn zählt offensichtlich der musikalische Wert und nicht die Instrumentalisierung, die bestimmte Kreise in der Vergangenheit (leider mit gewissem Erfolg) versucht haben. Wenn dies kein Zeichen ist, dann weiss ich auch nicht...

      Gruss
      Stefan
      "Nur weil Du nicht paranoid bist, heisst das nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind." (Terry Pratchett)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cantus Arcticus ()

    • Original von Cantus Arcticus
      Daniel Barenboim versucht ja schon seit einiger Zeit, gegen das scheinbar politische Element in dieser Musik anzugehen, indem er Wagners Werke aufführt. Für ihn zählt offensichtlich der musikalische Wert und nicht die Instrumentalisierung, die bestimmte Kreise in der Vergangenheit (leider mit gewissem Erfolg) versucht haben. Wenn dies kein Zeichen ist, dann weiss ich auch nicht...


      Hallo Stefan,

      sicherlich ist es ein gut gemeintes politisches Zeichen; ich habe nicht seine (Barenboims) Erfahrungen, daher kann ich nicht beurteilen, wie wichtig/nachhaltig sein politisches Engagement als Dirigent ist, aber ich vertraue ihm, daß er ein gutes Werk tut.
      Doch als Musikliebhaber finde ich (generell) schon die Tatsache, daß an sich politisch neutrale Musik unter (welcher Art auch immer) politischem Einfluß stehen sollte, bedenklich.

      Gruß, Bert
      Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht. [Albert Einstein]
    • Original von Bert
      Hallo Stefan,

      sicherlich ist es ein gut gemeintes politisches Zeichen; ich habe nicht seine (Barenboims) Erfahrungen, daher kann ich nicht beurteilen, wie wichtig/nachhaltig sein politisches Engagement als Dirigent ist, aber ich vertraue ihm, daß er ein gutes Werk tut.
      Doch als Musikliebhaber finde ich (generell) schon die Tatsache, daß an sich politisch neutrale Musik unter (welcher Art auch immer) politischem Einfluß stehen sollte, bedenklich.

      Gruß, Bert


      Hallo Bert
      Ich stimme Dir voll und ganz zu. À propos politischer Einfluss und vor allem der Widerstand dagegen, ist hier mehr als deutlich zum Ausdruck gekommen:

      Hans Eisler - Deutsche Symphonie Op. 50


      Mehr Informationen zu Hanns Eisler sind hier zu finden:

      Viele Grüsse
      Stefan
      "Nur weil Du nicht paranoid bist, heisst das nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind." (Terry Pratchett)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cantus Arcticus ()

    • Benutzer online 1

      1 Besucher