Donizetti - Wiederentdeckungen

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    • Donizetti - Wiederentdeckungen

      Liebe Opernfreunde!

      In den letzten Jahren sind diverse Donizetti-Opern dem Dornröschenschlaf entrissen worden, und man spielt Oper auch abseits von Lucia, Don Pasquale und Liebestrank. Einige, wie zum Beispiel "La Favorite", "Maria Stuarda", "Anna Bolena" und "Roberto Devereux" würde ich nun nicht mehr so sehr zu den Exoten zählen, wobei ich gerade bei den oben genannten die Anna Bolena für überschätzt halte. Da gibt es bedeutend stärkere Werke, den Weg zu einem breiteren Publikum noch nicht geschafft haben. Andererseits werden Opern ausgegraben und als große Entdeckungen gefeiert, mit denen ich nicht so wirklich etwas anfangen kann. Mich würde interessieren, welche Donizetti-Opern ihr auf den Spielplan bringen würdet, vorausgesetzt ihr wärt Direktor eines Opernhauses und müßtet Donizetti-Festspiele veranstalten (Das ist in Wien übrigens ein äußerst beliebtes Spiel unter den Stehplatzbesuchers der Staatsoper - jeder wäre dort der beste Staatsoperndirektor aller Zeiten und hätte den ultimativen Spielplan parat).

      Liebe Grüße


      Werner
    • Donizetti - Wiederentdeckungen

      Liebe Opernfreunde!

      In den letzten Jahren sind diverse Donizetti-Opern dem Dornröschenschlaf entrissen worden, und man spielt Oper auch abseits von Lucia, Don Pasquale und Liebestrank. Einige, wie zum Beispiel "La Favorite", "Maria Stuarda", "Anna Bolena" und "Roberto Devereux" würde ich nun nicht mehr so sehr zu den Exoten zählen, wobei ich gerade bei den oben genannten die Anna Bolena für überschätzt halte. Da gibt es bedeutend stärkere Werke, den Weg zu einem breiteren Publikum noch nicht geschafft haben. Andererseits werden Opern ausgegraben und als große Entdeckungen gefeiert, mit denen ich nicht so wirklich etwas anfangen kann. Mich würde interessieren, welche Donizetti-Opern ihr auf den Spielplan bringen würdet, vorausgesetzt ihr wärt Direktor eines Opernhauses und müßtet Donizetti-Festspiele veranstalten (Das ist in Wien übrigens ein äußerst beliebtes Spiel unter den Stehplatzbesuchers der Staatsoper - jeder wäre dort der beste Staatsoperndirektor aller Zeiten und hätte den ultimativen Spielplan parat).

      Liebe Grüße


      Werner
    • RE: Donizetti - Wiederentdeckungen

      Hallo Werner,

      ich habe momentan leider wenig Zeit zum schreiben darum nur mal eine kurze Antwort : Lucrezia Borgia.

      Die würde ich zwar auch nicht zu den wirklich unbekannten Opern Donizettis zählen , aber sicher so populär wie z.b. Lucia.

      Eine nette kurze (1 CD) Oper ist Franceca di Foix.

      Die ist wohl wirklich unbekannt, aber es gibt seit 1-2 Jahren eine wirklich sehr gelungene Einspielung von Opera Rara.

      Wenn ich wieder mehr Zeit habe werde ich noch darüber schreiben(und natürlich auch in dem wieder ausgegrabenen Rossini-Thread) :wink

      :hello Jimi
    • RE: Donizetti - Wiederentdeckungen

      Hallo Werner,

      ich habe momentan leider wenig Zeit zum schreiben darum nur mal eine kurze Antwort : Lucrezia Borgia.

      Die würde ich zwar auch nicht zu den wirklich unbekannten Opern Donizettis zählen , aber sicher so populär wie z.b. Lucia.

      Eine nette kurze (1 CD) Oper ist Franceca di Foix.

      Die ist wohl wirklich unbekannt, aber es gibt seit 1-2 Jahren eine wirklich sehr gelungene Einspielung von Opera Rara.

      Wenn ich wieder mehr Zeit habe werde ich noch darüber schreiben(und natürlich auch in dem wieder ausgegrabenen Rossini-Thread) :wink

      :hello Jimi
    • Francesca di Foix

      Hallo Jimi !

      Die Lucrezia Borgia ist auch eine meiner ganz großen Donizetti-Lieben. Es wundert mich, dass dieses wunderschöne und meiner Ansicht nach auch sehr eingängige Werk (Barkarolenrhythmus, also 6/8-Takt, ist vorherrschend) zumindest in Österreich praktisch nicht existent ist. Ich glaube, dass diese Oper in Italien doch bedeutend mehr gespielt wird.

      An bedeutenden Namen, die sich dieser Oper angenommen haben, mangelt es ja nicht (Gencer, Sutherland, Caballe, Ricciarelli, Aragall, Carreras, Kraus, Verrett, Horne) und ich hoffe, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Lucrezia Borgia das selbe Interesse erweckt wie etwa Maria Stuarda.

      Francesca di Foix kenne ich überhaupt nicht, nicht einmal im Ansatz. Ich weiss lediglich, dass die von dir genannte Aufnahme existiert. Vielleicht kannst du bei Gelegenheit hier im Forum ein bißchen was darüber erzählen.

      Ich würde noch folgende Opern gerne wiederbelebt sehen: Pia de Tolomei, Maria di Rudenz, (beide absolut genial), Rosmonda d'Inghilterra, Il duca d'alba, Poliuto, Gabriella di Vergy (die 2. Fassung) und Belisario.

      In 2. Linie kämen für mich Don Sebastiano (etwas spröde und ungleichmäßig im musikalischen Gehalt, aber zwischendurch sensationell), Maria di Rohan, Gemma di Vergy, Linda di Chamonix (wird immer wieder mal für die Gruberova ausgegraben) und Caterina Cornaro.

      Wenig Begeisterung entlocken mir Opern wie Alina, Torquato Tasso, Gli esiliati in Siberia, Marino Falliero und Fausta.

      Bei mir ist auch grad Mega - Stress angebrochen, der in ein paar Tagen vorbei sein sollte, dann erzähl ich dir, warum ich die oben genannten Opern so mag bzw. nicht mag.


      Liebe Grüße



      Werner
    • Francesca di Foix

      Hallo Jimi !

      Die Lucrezia Borgia ist auch eine meiner ganz großen Donizetti-Lieben. Es wundert mich, dass dieses wunderschöne und meiner Ansicht nach auch sehr eingängige Werk (Barkarolenrhythmus, also 6/8-Takt, ist vorherrschend) zumindest in Österreich praktisch nicht existent ist. Ich glaube, dass diese Oper in Italien doch bedeutend mehr gespielt wird.

      An bedeutenden Namen, die sich dieser Oper angenommen haben, mangelt es ja nicht (Gencer, Sutherland, Caballe, Ricciarelli, Aragall, Carreras, Kraus, Verrett, Horne) und ich hoffe, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Lucrezia Borgia das selbe Interesse erweckt wie etwa Maria Stuarda.

      Francesca di Foix kenne ich überhaupt nicht, nicht einmal im Ansatz. Ich weiss lediglich, dass die von dir genannte Aufnahme existiert. Vielleicht kannst du bei Gelegenheit hier im Forum ein bißchen was darüber erzählen.

      Ich würde noch folgende Opern gerne wiederbelebt sehen: Pia de Tolomei, Maria di Rudenz, (beide absolut genial), Rosmonda d'Inghilterra, Il duca d'alba, Poliuto, Gabriella di Vergy (die 2. Fassung) und Belisario.

      In 2. Linie kämen für mich Don Sebastiano (etwas spröde und ungleichmäßig im musikalischen Gehalt, aber zwischendurch sensationell), Maria di Rohan, Gemma di Vergy, Linda di Chamonix (wird immer wieder mal für die Gruberova ausgegraben) und Caterina Cornaro.

      Wenig Begeisterung entlocken mir Opern wie Alina, Torquato Tasso, Gli esiliati in Siberia, Marino Falliero und Fausta.

      Bei mir ist auch grad Mega - Stress angebrochen, der in ein paar Tagen vorbei sein sollte, dann erzähl ich dir, warum ich die oben genannten Opern so mag bzw. nicht mag.


      Liebe Grüße



      Werner
    • Pia de Tolomei

      So, jetzt widme ich mich einmal einer meiner Lieblingsopern von Donizetti: Pia de Tolomei. Warum diese Oper keinen größeren Bekanntheitsgrad hat, kann ich absolut nicht verstehen, sie gehört für mich zu den musikalisch reichhaltigsten Werken Donizettis.

      Kurz zum Inhalt. Italien zur Zeit der Machtkämpfe zwischen den Guelfen und Ghibellinen: Pia ist mit Nello (Bariton) - einem Ghibellinen -glücklich verheiratet, aber aufgrund einer Intrige Ghinos (Tenor), der von Pia abgewiesen wurde, hält Nello sie für untreu, schickt vom Schlachtfeld aus einen Boten und befiehlt ihr Selbstmord. Ghino fällt in der Schlacht, gesteht sterbend, dass es kein Liebhaber sondern Pias Bruder Rodrigo (Mezzo) - ein Parteigänger der Welfen- war, den sie aus dem Kerker befreit und versteckt gehalten hat. Als Nello im Schloß ankommt um die Katastrophe zu verhindern, ist es zu spät. Pia hat Gift genommen. Sterbend ersucht sie um Versöhnung der Rivalen.

      Die Charakterzeichnung Pias fällt eher blaß aus, das mag wohl auch der Grund sein, warum diejenigen, die sich als Königinnen des Becanto gern inszenieren haben lassen, sich für diese Oper nicht interessiert haben und statt dessen immer noch Anna Bolena und Roberto Devereux gesungen haben, auch wenn sie schon jenseits des Alters waren, in dem sie solche Rollen stimmlich und darstellerisch glaubhaft über die Bühne bringen konnten. Dafür hat sich eine junge Generation dieser Oper angenommen und wirklich glanzvolle Portraits geliefert. Allen voran ist die stupende Lella Cuberli zu nennen (auch nicht mehr ganz neu, die Einspielung ist auch immerhin schon 30 Jahre alt), aber sie gibt der Pia unglaublich viel Jugend und Schönheit. Diesem Standard kommt Patrizia Ciofi 2005 sehr nahe, Cuberli ist trotzdem besser. Aus dem selben Jahr stammt die Einspielung von Opera rara mit Majella Cullagh. Auch sie ist gut, hat aber nicht das schöne Stimmmaterial von Ciofi und natürlich besonders von Cuberli. Diese Aufnahme hat den Vorteil, dass sie die vollständigste aller Einspielungen ist und die Rolle des Rodrigo zur Gänze herstellt. Zu recht, denn Opera rara bietet als Rodrigo Manuela Custer auf, die ein hervorragender Mezzo ist und der schwierigen Rolle absolut gerecht wird (in den anderen Aufnahmen ist das nicht der Fall). Zuzüglich bietet Opera rara ein encore mit verschiedenen Versionen der beiden Finali.

      Am psychologisch interessantesten ist die Rolle Ghinos, des abgewiesenen Liebhabers. Ihm gehören auch die schönsten Teile der Musik. Beim ersten Mal hören glaubt man sich in der Traviata, denn in seiner Einleitung zur ersten großen Arie (Ah, Pia mendace) erklingt eine Phrase, die Verdi später in seiner Traviata verwendet hat: Amami, Alfredo. Also, wenn das nicht allein schon für die Qulität dieser Oper spiricht...

      Ansonsten hat der erste Akt Anklänge an Bellini - wie etwa die Cabaletta Rodrigos "L'astro che regge il mio destino" klingt ein wenig wie Romeos "La tremenda ultrice spada". Hier sind auch Situation und Stimmlage recht identisch wie in Bellinis Capuletti. Das Duettino Rodrigo- Pia ist zweifelsohne inspiriert von Elviras "Ah vieni al tempio" aus den Puritanern.

      Der zweite Akt bietet einen der spannendsten orchestralen Stürme, gefolgt von einem machtvollen Unisono Chor und dem Tod Ghinos. Keine Arie im eigentlichen Sinn sondern eine der genialsten Sterbeszenen, die je komponiert wurden. Auch hier scheint sich Verdi inspiriert zu haben (weniger musikalisch als viel mehr von Stimmung und Situation)- "Solenne in quest'ora".
      Die Partie des Ghino liegt offensichtlich eher unbequem und so kämpfen sowohl Dario Schmunck als auch Renzo Casellato mit der hohen Tessitura. Der von mir sehr geschätzte Bruce Ford hat zwar keine technischen Probleme klingt aber für meinen Begriff als tenoraler Bösewicht zu weich. Vor allem die Sterbeszene gestaltet Schmunck fantasiereicher. Den besten Ghino hört man in einer Querschnittproduktion von 1968 mit dem mir sonst völlig unbekannten Giuseppe Baratti. Den Rest dieser Produktion braucht man allerdings nicht kennen.....

      Nellos Arien bieten beste Donizettiqualität und den typischen Doppelarien-Aufbau. Die Duette und Ensembleszenen sind wirklich bestechend und sehr wirksam komponiert - vor allem die Umarbeitung des Finale I mit dem großen Concertato (das allerdings eine musikalische Leihgabe aus "Ugo-Conte di Parigi" ist.). Donizetti hat dann dieses Stück noch einmal umgearbeitet aber diese Fassung ist die wirksamste.

      Summa summarum also ein echter Belcanto - Leckerbissen.

      Ich hoffe, ich habe euch auf den Geschmack gebracht.

      Liebe Grüße


      Werner
    • Pia de Tolomei

      So, jetzt widme ich mich einmal einer meiner Lieblingsopern von Donizetti: Pia de Tolomei. Warum diese Oper keinen größeren Bekanntheitsgrad hat, kann ich absolut nicht verstehen, sie gehört für mich zu den musikalisch reichhaltigsten Werken Donizettis.

      Kurz zum Inhalt. Italien zur Zeit der Machtkämpfe zwischen den Guelfen und Ghibellinen: Pia ist mit Nello (Bariton) - einem Ghibellinen -glücklich verheiratet, aber aufgrund einer Intrige Ghinos (Tenor), der von Pia abgewiesen wurde, hält Nello sie für untreu, schickt vom Schlachtfeld aus einen Boten und befiehlt ihr Selbstmord. Ghino fällt in der Schlacht, gesteht sterbend, dass es kein Liebhaber sondern Pias Bruder Rodrigo (Mezzo) - ein Parteigänger der Welfen- war, den sie aus dem Kerker befreit und versteckt gehalten hat. Als Nello im Schloß ankommt um die Katastrophe zu verhindern, ist es zu spät. Pia hat Gift genommen. Sterbend ersucht sie um Versöhnung der Rivalen.

      Die Charakterzeichnung Pias fällt eher blaß aus, das mag wohl auch der Grund sein, warum diejenigen, die sich als Königinnen des Becanto gern inszenieren haben lassen, sich für diese Oper nicht interessiert haben und statt dessen immer noch Anna Bolena und Roberto Devereux gesungen haben, auch wenn sie schon jenseits des Alters waren, in dem sie solche Rollen stimmlich und darstellerisch glaubhaft über die Bühne bringen konnten. Dafür hat sich eine junge Generation dieser Oper angenommen und wirklich glanzvolle Portraits geliefert. Allen voran ist die stupende Lella Cuberli zu nennen (auch nicht mehr ganz neu, die Einspielung ist auch immerhin schon 30 Jahre alt), aber sie gibt der Pia unglaublich viel Jugend und Schönheit. Diesem Standard kommt Patrizia Ciofi 2005 sehr nahe, Cuberli ist trotzdem besser. Aus dem selben Jahr stammt die Einspielung von Opera rara mit Majella Cullagh. Auch sie ist gut, hat aber nicht das schöne Stimmmaterial von Ciofi und natürlich besonders von Cuberli. Diese Aufnahme hat den Vorteil, dass sie die vollständigste aller Einspielungen ist und die Rolle des Rodrigo zur Gänze herstellt. Zu recht, denn Opera rara bietet als Rodrigo Manuela Custer auf, die ein hervorragender Mezzo ist und der schwierigen Rolle absolut gerecht wird (in den anderen Aufnahmen ist das nicht der Fall). Zuzüglich bietet Opera rara ein encore mit verschiedenen Versionen der beiden Finali.

      Am psychologisch interessantesten ist die Rolle Ghinos, des abgewiesenen Liebhabers. Ihm gehören auch die schönsten Teile der Musik. Beim ersten Mal hören glaubt man sich in der Traviata, denn in seiner Einleitung zur ersten großen Arie (Ah, Pia mendace) erklingt eine Phrase, die Verdi später in seiner Traviata verwendet hat: Amami, Alfredo. Also, wenn das nicht allein schon für die Qulität dieser Oper spiricht...

      Ansonsten hat der erste Akt Anklänge an Bellini - wie etwa die Cabaletta Rodrigos "L'astro che regge il mio destino" klingt ein wenig wie Romeos "La tremenda ultrice spada". Hier sind auch Situation und Stimmlage recht identisch wie in Bellinis Capuletti. Das Duettino Rodrigo- Pia ist zweifelsohne inspiriert von Elviras "Ah vieni al tempio" aus den Puritanern.

      Der zweite Akt bietet einen der spannendsten orchestralen Stürme, gefolgt von einem machtvollen Unisono Chor und dem Tod Ghinos. Keine Arie im eigentlichen Sinn sondern eine der genialsten Sterbeszenen, die je komponiert wurden. Auch hier scheint sich Verdi inspiriert zu haben (weniger musikalisch als viel mehr von Stimmung und Situation)- "Solenne in quest'ora".
      Die Partie des Ghino liegt offensichtlich eher unbequem und so kämpfen sowohl Dario Schmunck als auch Renzo Casellato mit der hohen Tessitura. Der von mir sehr geschätzte Bruce Ford hat zwar keine technischen Probleme klingt aber für meinen Begriff als tenoraler Bösewicht zu weich. Vor allem die Sterbeszene gestaltet Schmunck fantasiereicher. Den besten Ghino hört man in einer Querschnittproduktion von 1968 mit dem mir sonst völlig unbekannten Giuseppe Baratti. Den Rest dieser Produktion braucht man allerdings nicht kennen.....

      Nellos Arien bieten beste Donizettiqualität und den typischen Doppelarien-Aufbau. Die Duette und Ensembleszenen sind wirklich bestechend und sehr wirksam komponiert - vor allem die Umarbeitung des Finale I mit dem großen Concertato (das allerdings eine musikalische Leihgabe aus "Ugo-Conte di Parigi" ist.). Donizetti hat dann dieses Stück noch einmal umgearbeitet aber diese Fassung ist die wirksamste.

      Summa summarum also ein echter Belcanto - Leckerbissen.

      Ich hoffe, ich habe euch auf den Geschmack gebracht.

      Liebe Grüße


      Werner
    • RE: Pia de Tolomei

      Hallo Werner,

      die von dir erwähnte Opera Rara Einspielung von Pia de Tolomei habe ich vor gar nicht so langer Zeit in einem CD-Laden in der Hand gehabt ,die Oper war mir zu dem Zeitpunkt nur vom Namen her bekannt.

      Als ich den Preis der Aufnahme entdeckt habe, (so knapp unter 55 €) bekam ich sofort derart schweißnasse Finger dass ich das Teil sofort wieder zurück gestellt habe.
      Neugierig geworden hab ich mir vorgenommen mich nach anderen (günstigeren) Einspielungen umzusehen, bin dann aber darüber weggekommen.

      Durch deinen Beitrag wieder daran erinnert hab ich mal etwas rumgestöbert und festgestellt:

      Die Aufnahme mit Patricia Ciofi gibt es auch als DVD und ist auch nicht teuerer als die CD! :)





      Zum kennen lernen der Oper ist das wohl die beste Wahl.
      Wenn ich das gute Stück habe, werde ich natürlich berichten wie es mir gefällt.


      Viele Grüße von
      Jimi
    • RE: Pia de Tolomei

      Hallo Werner,

      die von dir erwähnte Opera Rara Einspielung von Pia de Tolomei habe ich vor gar nicht so langer Zeit in einem CD-Laden in der Hand gehabt ,die Oper war mir zu dem Zeitpunkt nur vom Namen her bekannt.

      Als ich den Preis der Aufnahme entdeckt habe, (so knapp unter 55 €) bekam ich sofort derart schweißnasse Finger dass ich das Teil sofort wieder zurück gestellt habe.
      Neugierig geworden hab ich mir vorgenommen mich nach anderen (günstigeren) Einspielungen umzusehen, bin dann aber darüber weggekommen.

      Durch deinen Beitrag wieder daran erinnert hab ich mal etwas rumgestöbert und festgestellt:

      Die Aufnahme mit Patricia Ciofi gibt es auch als DVD und ist auch nicht teuerer als die CD! :)





      Zum kennen lernen der Oper ist das wohl die beste Wahl.
      Wenn ich das gute Stück habe, werde ich natürlich berichten wie es mir gefällt.


      Viele Grüße von
      Jimi
    • Maria de Rudenz - eine gewalttätige, blutige Liebe

      Nachdem ich Jimis Interesse für die Pia de Tolomei geweckt habe, komm ich gleich mit der nächsten Oper: Maria de Rudenz.
      Das ist eine der düstersten und blutrünstigsten Opern, die ich von Donizetti kenne.

      Kurz zum Inhalt:
      Schweiz, im 14. Jh.: Corrado di Waldorf (Bariton) möchte die Waise Mathilde (Sopran) heiraten, nachdem er Jahre zuvor mit ihrer Cousine Maria de Rudenz (Sopran) durchgebrannt ist, sie aber in Rom in den Katakomben zurückgelassen hat, weil er sie für untreu gehalten hat.
      Auch sein Bruder Enrico (Tenor) liebt Mathilde und ist eifersüchtig. Da taucht die totgeglaubte Maria auf, vereitelt die Hochzeit und enthüllt außerdem, dass Corrado in Wirklichkeit Sohn eines berüchtigen Mörders sei und daher niemals Mathilde heiraten könne. Würde er aber sie, Maria, heiraten, sei sie bereit, die Dokumente seiner niederen Herkunft zu vernichten. Andernfalls würde sie Mathilde töten. Da stößt ihr Corrado den Dolch in die Brust.
      Die Hochzeit zwischen Corrado und Mathilde findet statt, der eifersüchtige Enrico verhöhnt Corrado seiner Herkunft wegen, fordert ihn zum Duell und wird dabei getötet. Als er zur Hochzeitsgesellschaft zurückkehrt, ertönt ein gellender Schrei: Mathilde ist von Maria, die nur schwer verwundet aber nicht tot war, umgebracht worden. Als Corrado auch Maria töten will, reißt sie sich den Verband von der Wunde und verblutet.

      Glaubt man dem Beiheft von Opera rara, so war diese Oper Donizettis größte Niederlage. Das lag aber wohl am eher daran, dass diese Oper nix für zart besaitete Gemüter ist. Musikalisch ist sie in vielen Teilen hervorragend.

      Die guten Nummern fangen mit einer sehr schönen Gebetsszene und der Romanz des Corrado an - Ah, non avea piu lagrime - eine der schönsten Liebeserklärungen Donizettis. Erwähnenswert außerdem die Auftrittsarie der Maria: "Si, del chiostro penitente". Eine der berührendesten Cavatinen Donizettis (Ich weiss, man soll mit Superlativen vorsichtig sein, aber das sind wirklich zwei absolut großartige Nummern). Ihre Cabaletta "Sulla mia tomba gelida" ist ein Vorgeschmack auf Amalias "Lo sguardo avea degli angeli" aus Verdis Masnadieri.
      Das Larghetto - Terzett des ersten Finales (Chiuse al di) findet Wiederverwendung im Poliuto, die Stretta ist an Maria Stuarda (Va, preparati furente) inspiriert, allerdings umgearbeitet und ganz auf Maria zugeschnitten.
      Das Duett Finale des 2. Teils hat einen sehr schönen Andante-Teil, der Allegro klingt konventionell, allerdings wird Maria am Ende musikalisch äußerst wirkungsvoll in einer fallenden Skala erstochen.
      Der 3. Teil bringt noch ein wirkungsvolles Duett Corrado-Enrico und natürlich die große sehr eindrucksvolle Sterbeszene der Maria "Non ha legge, ne confine oltraggiato immenso amor".

      Bei dieser Oper fällt die sehr sorgfältige musikalische Charakterisierung der drei Protagonisten auf (Mathilde bleibt unauffällig konventionell), die innere Zerrissenheit und Einsamkeit. Völlig untypisch ist, dass die klassische Gut-Böse Schranke fällt. Jeder sucht sein privates Glück und trägt so sein Schärflein zum Unglück der anderen bei. Die Düsternis über der schweizer Burg will nicht weichen.
      Diese Oper ist meiner Ansicht nach viel interessanter als etwa Anna Bolena, Linda di Chamonix oder auch Roberto Devereux, die ja viel eher zu Bühnenehren kommen. Schade, dass sie noch keine breitere Rezeption erfahren hat.

      Ich kenne zwei Aufnahmen, eine unter Eliahu Inbal, eine von Opera rara unter David Parry. Obwohl die Aufnahme aus dem Fenice unter Inbal technisch traurig ist, finde ich sie die bei weitem bessere Aufnahme. Das liegt vor allem an de Protagonistinnen. Maria ist offensichtlich keine Sopranrolle, der man einfach durch Singen der richtigen Noten beikommen kann, sie verlangt nach der Interpretation durch eine starke Persönlichkeit. Und Nelly Miricioiu ist eine wackere Sängerin, die Maria de Rudenz ist aber eine Nummer zu groß für sie. Die Ricciarelli mag zwar nicht immer schön singen, aber hier steht eine zerrissene Persönlichkeit auf der Klangbühne, die diese Rolle äußerst eindrucksvoll gestaltet. Sie ist gefährlich, aggressiv, verzweifelt. Außerdem hat sie in Leo Nucci den besseren Kontrahenten, der 1980 noch nicht nur mehr von den Resten seiner Stimme zehren musste. Opera rara hat dafür in Bruce Ford den besseren Enrico, aber auch Alberto Cupido schlägt sich beachtlich. Dazu kommt Inbals dramatische Interpretation von Donizettis Thriller.
    • Maria de Rudenz - eine gewalttätige, blutige Liebe

      Nachdem ich Jimis Interesse für die Pia de Tolomei geweckt habe, komm ich gleich mit der nächsten Oper: Maria de Rudenz.
      Das ist eine der düstersten und blutrünstigsten Opern, die ich von Donizetti kenne.

      Kurz zum Inhalt:
      Schweiz, im 14. Jh.: Corrado di Waldorf (Bariton) möchte die Waise Mathilde (Sopran) heiraten, nachdem er Jahre zuvor mit ihrer Cousine Maria de Rudenz (Sopran) durchgebrannt ist, sie aber in Rom in den Katakomben zurückgelassen hat, weil er sie für untreu gehalten hat.
      Auch sein Bruder Enrico (Tenor) liebt Mathilde und ist eifersüchtig. Da taucht die totgeglaubte Maria auf, vereitelt die Hochzeit und enthüllt außerdem, dass Corrado in Wirklichkeit Sohn eines berüchtigen Mörders sei und daher niemals Mathilde heiraten könne. Würde er aber sie, Maria, heiraten, sei sie bereit, die Dokumente seiner niederen Herkunft zu vernichten. Andernfalls würde sie Mathilde töten. Da stößt ihr Corrado den Dolch in die Brust.
      Die Hochzeit zwischen Corrado und Mathilde findet statt, der eifersüchtige Enrico verhöhnt Corrado seiner Herkunft wegen, fordert ihn zum Duell und wird dabei getötet. Als er zur Hochzeitsgesellschaft zurückkehrt, ertönt ein gellender Schrei: Mathilde ist von Maria, die nur schwer verwundet aber nicht tot war, umgebracht worden. Als Corrado auch Maria töten will, reißt sie sich den Verband von der Wunde und verblutet.

      Glaubt man dem Beiheft von Opera rara, so war diese Oper Donizettis größte Niederlage. Das lag aber wohl am eher daran, dass diese Oper nix für zart besaitete Gemüter ist. Musikalisch ist sie in vielen Teilen hervorragend.

      Die guten Nummern fangen mit einer sehr schönen Gebetsszene und der Romanz des Corrado an - Ah, non avea piu lagrime - eine der schönsten Liebeserklärungen Donizettis. Erwähnenswert außerdem die Auftrittsarie der Maria: "Si, del chiostro penitente". Eine der berührendesten Cavatinen Donizettis (Ich weiss, man soll mit Superlativen vorsichtig sein, aber das sind wirklich zwei absolut großartige Nummern). Ihre Cabaletta "Sulla mia tomba gelida" ist ein Vorgeschmack auf Amalias "Lo sguardo avea degli angeli" aus Verdis Masnadieri.
      Das Larghetto - Terzett des ersten Finales (Chiuse al di) findet Wiederverwendung im Poliuto, die Stretta ist an Maria Stuarda (Va, preparati furente) inspiriert, allerdings umgearbeitet und ganz auf Maria zugeschnitten.
      Das Duett Finale des 2. Teils hat einen sehr schönen Andante-Teil, der Allegro klingt konventionell, allerdings wird Maria am Ende musikalisch äußerst wirkungsvoll in einer fallenden Skala erstochen.
      Der 3. Teil bringt noch ein wirkungsvolles Duett Corrado-Enrico und natürlich die große sehr eindrucksvolle Sterbeszene der Maria "Non ha legge, ne confine oltraggiato immenso amor".

      Bei dieser Oper fällt die sehr sorgfältige musikalische Charakterisierung der drei Protagonisten auf (Mathilde bleibt unauffällig konventionell), die innere Zerrissenheit und Einsamkeit. Völlig untypisch ist, dass die klassische Gut-Böse Schranke fällt. Jeder sucht sein privates Glück und trägt so sein Schärflein zum Unglück der anderen bei. Die Düsternis über der schweizer Burg will nicht weichen.
      Diese Oper ist meiner Ansicht nach viel interessanter als etwa Anna Bolena, Linda di Chamonix oder auch Roberto Devereux, die ja viel eher zu Bühnenehren kommen. Schade, dass sie noch keine breitere Rezeption erfahren hat.

      Ich kenne zwei Aufnahmen, eine unter Eliahu Inbal, eine von Opera rara unter David Parry. Obwohl die Aufnahme aus dem Fenice unter Inbal technisch traurig ist, finde ich sie die bei weitem bessere Aufnahme. Das liegt vor allem an de Protagonistinnen. Maria ist offensichtlich keine Sopranrolle, der man einfach durch Singen der richtigen Noten beikommen kann, sie verlangt nach der Interpretation durch eine starke Persönlichkeit. Und Nelly Miricioiu ist eine wackere Sängerin, die Maria de Rudenz ist aber eine Nummer zu groß für sie. Die Ricciarelli mag zwar nicht immer schön singen, aber hier steht eine zerrissene Persönlichkeit auf der Klangbühne, die diese Rolle äußerst eindrucksvoll gestaltet. Sie ist gefährlich, aggressiv, verzweifelt. Außerdem hat sie in Leo Nucci den besseren Kontrahenten, der 1980 noch nicht nur mehr von den Resten seiner Stimme zehren musste. Opera rara hat dafür in Bruce Ford den besseren Enrico, aber auch Alberto Cupido schlägt sich beachtlich. Dazu kommt Inbals dramatische Interpretation von Donizettis Thriller.
    • Caterina Cornaro

      Na, gut, nachdem keiner mit mir über die Maria de Rudenz diskutieren mag, versuch ich's einmal mit der Caterina Cornaro, die letzte Premiere einer Donizetti-Oper zu seinen Lebzeiten (Dom Sebastien wurde zwar später komponiert, aber noch vor der Caterina uraufgeführt).

      Venedig 1454: Aus Staatsräson wird Caterina am Tag ihrer Hochzeit mit dem französischen Edelmann Gerard gezwungen, diese abzusagen, um Lusignano, den König von Cypern zu heiraten. Lusignano selbst ist sich der Tatsache bewußt, dass diese Heirat einzig der vermehrten venezianischen Einflußnahme in Cypern dienen soll.
      In Nikosia rettet er einen Fremden, der natürlich niemand anderer als Gerard ist, vor einem Angriff. Sie erkennen sich, stellen fest, dass sie beide unglücklich sind und schwören einander Freundschaft. Der Versuch der Venezianer einen Keil zwischen die beiden zu schieben, indem man Caterina und Gerard des Ehebruchs bezichtigt, scheitert. So kämpfen die beiden gegen den Angriff der Venezianer. Gerard führt die cypriotischen Truppen, Lusignano fällt in der Schlacht.
      Caterina beschließt, weiterhin allein über Cypern zu herrschen.

      Soweit kurz die Handlung. Die Musik selber finde ich nicht schlecht, erreicht aber meiner Meinung nach nicht durchwegs die Höhe seiner Meisterwerke. Vor allem der Prolog in Venedig ist eher konventionell und uninspiriert geraten. Das kurze Liebesduett ist aus Don Pasquale entliehen (Tornami a dir). Die erste Arie der Caterina (Vieni, oh tu, che ognora io chiamo) ist sicherlich der Lichtblick in diesem Akt (die Cabaletta dazu wieder eher schwach).Das darauffolgende Duett Caterina / Gerard hat schöne Stellen, wirkt streckenweise aber etwas gesucht.
      Der erste Akt eröffnet mit der Arie des Lusignano (Da che sposa Caterina). Die ist recht hübsch, aber ziemlich konventionell. So schleppt sich die Oper über das Freundschaftsduett hin, bis zur der kurzen Unterhaltung zwischen Lusignano und Caterina. Er weiss, dass sie Gerard liebt, macht es ihr aber nicht zum Vorwurf (Ah non turbarti). Das ist eine wirklich sehr sehr schöne Stelle.
      Der kurze zweite Akt ist am besten gelungen. Hier haben im wesentlichen Gerard und Caterina je eine Arie - Gerard mit einer starken Stretta ("Morte, morte") und natürlich Caterina mit einem großartigen Finale. Der lyrische Teil ("Pieta oh Singor, ti mouvano") könnte Verdi für seinen nur wenig später komponierten Attila ("Oh del fugente nuovolo") Modell gestanden sein. Der Tod des Lusignano ist wieder eine von Donizettis großartigen, ergreifenden Eingaben. Die Finalstretta ist gemessen, würdevoll und ebenfalls glänzend gelungen.

      Von dieser Oper kenne ich zwei Aufnahmen, eine von 1974 unter Elio Boncompagni mit einer mittelmäßigen Besetzung (Rinaldi, Garaventa, Montefusco) - da reißen einem weder die Oper selbst noch die Protagonisten (Rinaldi ist ganz ok) vom Hocker.

      Die zweite ist ein technisch akzeptabler Livemitschnitt von 1972 aus Neapel mit einem ganz ausgezeichneten Protagonistentrio (Gencer, Aragall, Bruson). Leyla Gencer singt mit großer Innigkeit viele schöne hohe Pianostellen, kann ihre ganze Meisterschaft ausspielen und holt ein Maximum aus dieser etwas vertrackten Oper heraus. Aragall - der Sänger mit der allerschönsten Tenorstimme der jüngeren Vergangenheit - hat einen Glanztag und schmettert ein prachtvolles "All'armi" (Ja, das gibt's nicht nur im Trovatore).
      Bruson ist schlichtweg eine Idealbesetzung als Lusignano, der ja überhaupt kein Bösewicht sondern ein unglücklicher Mensch ist und der darüber verzweifelt, Schuld am Unglück zweier Menschen, die ihm nahe stehen, zu sein.
      Also, ein Fest prächtigster Stimmen in einer etwas konventionellen Oper. Wegen dieser drei Sänger lohnt es sich meiner Meinung nach, die Oper kennen zu lernen.

      Liebe Grüße


      Werner
    • Caterina Cornaro

      Na, gut, nachdem keiner mit mir über die Maria de Rudenz diskutieren mag, versuch ich's einmal mit der Caterina Cornaro, die letzte Premiere einer Donizetti-Oper zu seinen Lebzeiten (Dom Sebastien wurde zwar später komponiert, aber noch vor der Caterina uraufgeführt).

      Venedig 1454: Aus Staatsräson wird Caterina am Tag ihrer Hochzeit mit dem französischen Edelmann Gerard gezwungen, diese abzusagen, um Lusignano, den König von Cypern zu heiraten. Lusignano selbst ist sich der Tatsache bewußt, dass diese Heirat einzig der vermehrten venezianischen Einflußnahme in Cypern dienen soll.
      In Nikosia rettet er einen Fremden, der natürlich niemand anderer als Gerard ist, vor einem Angriff. Sie erkennen sich, stellen fest, dass sie beide unglücklich sind und schwören einander Freundschaft. Der Versuch der Venezianer einen Keil zwischen die beiden zu schieben, indem man Caterina und Gerard des Ehebruchs bezichtigt, scheitert. So kämpfen die beiden gegen den Angriff der Venezianer. Gerard führt die cypriotischen Truppen, Lusignano fällt in der Schlacht.
      Caterina beschließt, weiterhin allein über Cypern zu herrschen.

      Soweit kurz die Handlung. Die Musik selber finde ich nicht schlecht, erreicht aber meiner Meinung nach nicht durchwegs die Höhe seiner Meisterwerke. Vor allem der Prolog in Venedig ist eher konventionell und uninspiriert geraten. Das kurze Liebesduett ist aus Don Pasquale entliehen (Tornami a dir). Die erste Arie der Caterina (Vieni, oh tu, che ognora io chiamo) ist sicherlich der Lichtblick in diesem Akt (die Cabaletta dazu wieder eher schwach).Das darauffolgende Duett Caterina / Gerard hat schöne Stellen, wirkt streckenweise aber etwas gesucht.
      Der erste Akt eröffnet mit der Arie des Lusignano (Da che sposa Caterina). Die ist recht hübsch, aber ziemlich konventionell. So schleppt sich die Oper über das Freundschaftsduett hin, bis zur der kurzen Unterhaltung zwischen Lusignano und Caterina. Er weiss, dass sie Gerard liebt, macht es ihr aber nicht zum Vorwurf (Ah non turbarti). Das ist eine wirklich sehr sehr schöne Stelle.
      Der kurze zweite Akt ist am besten gelungen. Hier haben im wesentlichen Gerard und Caterina je eine Arie - Gerard mit einer starken Stretta ("Morte, morte") und natürlich Caterina mit einem großartigen Finale. Der lyrische Teil ("Pieta oh Singor, ti mouvano") könnte Verdi für seinen nur wenig später komponierten Attila ("Oh del fugente nuovolo") Modell gestanden sein. Der Tod des Lusignano ist wieder eine von Donizettis großartigen, ergreifenden Eingaben. Die Finalstretta ist gemessen, würdevoll und ebenfalls glänzend gelungen.

      Von dieser Oper kenne ich zwei Aufnahmen, eine von 1974 unter Elio Boncompagni mit einer mittelmäßigen Besetzung (Rinaldi, Garaventa, Montefusco) - da reißen einem weder die Oper selbst noch die Protagonisten (Rinaldi ist ganz ok) vom Hocker.

      Die zweite ist ein technisch akzeptabler Livemitschnitt von 1972 aus Neapel mit einem ganz ausgezeichneten Protagonistentrio (Gencer, Aragall, Bruson). Leyla Gencer singt mit großer Innigkeit viele schöne hohe Pianostellen, kann ihre ganze Meisterschaft ausspielen und holt ein Maximum aus dieser etwas vertrackten Oper heraus. Aragall - der Sänger mit der allerschönsten Tenorstimme der jüngeren Vergangenheit - hat einen Glanztag und schmettert ein prachtvolles "All'armi" (Ja, das gibt's nicht nur im Trovatore).
      Bruson ist schlichtweg eine Idealbesetzung als Lusignano, der ja überhaupt kein Bösewicht sondern ein unglücklicher Mensch ist und der darüber verzweifelt, Schuld am Unglück zweier Menschen, die ihm nahe stehen, zu sein.
      Also, ein Fest prächtigster Stimmen in einer etwas konventionellen Oper. Wegen dieser drei Sänger lohnt es sich meiner Meinung nach, die Oper kennen zu lernen.

      Liebe Grüße


      Werner
    • RE: Caterina Cornaro

      Original von manrico
      Na, gut, nachdem keiner mit mir über die Maria de Rudenz diskutieren mag,


      Hallo Werner,

      na ja ich mag schon aber ich hab es leider noch nicht mal auf die Reihe gebracht mir die Pia de Tolomei-Dvd komplett anzuschauen. :(

      Das liegt auch daran dass ich mir noch einige andere Cds gekauft habe, die wollen ja auch alle erst mal gehört werden.



      Viele Grüsse von


      Jimi
    • RE: Caterina Cornaro

      Original von manrico
      Na, gut, nachdem keiner mit mir über die Maria de Rudenz diskutieren mag,


      Hallo Werner,

      na ja ich mag schon aber ich hab es leider noch nicht mal auf die Reihe gebracht mir die Pia de Tolomei-Dvd komplett anzuschauen. :(

      Das liegt auch daran dass ich mir noch einige andere Cds gekauft habe, die wollen ja auch alle erst mal gehört werden.



      Viele Grüsse von


      Jimi
    • RE: Francesca di Foix

      Original von manrico

      Francesca di Foix kenne ich überhaupt nicht, nicht einmal im Ansatz. Ich weiss lediglich, dass die von dir genannte Aufnahme existiert. Vielleicht kannst du bei Gelegenheit hier im Forum ein bißchen was darüber erzählen.




      Hallo Werner,

      die gute Francesca die Foix hat übrigens sozusagen noch eine "jüngere Schwester" namens Elvida, wie die "Foix" in Einakter der anlässlich von Feierlichkeiten in Neapel komponiert wurde. Ich habe die Aufnahme leider noch nicht hören können

      Hier ein Ausschnitte einer Besprechung der beiden Aufnahmen von Uwe Schneider auf klassik.com :



      Zwei Einakter Gaetano Donizettis sind nun bei Opera Rara in gewohnt guter Aufnahmetechnik und mit bestechender Sängerbesetzung erschienen. Im März 2004 fanden unter Studiobedingungen, mit nahezu identischer Sängerbesetzung und unter dem temperamentvollen Dirigat von Antonello Allemandi, in der Londoner Henry Wood Hall die Aufnahmesitzungen der beiden nun separat erschienenen Opernausgrabungen statt.

      Beide Werke sind Auftragsarbeiten für Feierlichkeiten in Neapel. Die ‚Elvida’ erblickte am 6. Juli 1826 zum Geburtstag Maria Isabellas von Spanien das Licht der Bühne, ‚Francesca di Foix’ am 30. Mai 1831 anlässlich des Namenstags des Königs. Diese äußeren Umstände erklären auch die Kürze der Werke, denn die jeweilige Feierlichkeiten waren umfangreich und die Opern nur einer von vielen Programmpunkten.


      Die gesamte Besprechung kann man hier nachlesen.

      :hello Jimi
    • RE: Francesca di Foix

      Original von manrico

      Francesca di Foix kenne ich überhaupt nicht, nicht einmal im Ansatz. Ich weiss lediglich, dass die von dir genannte Aufnahme existiert. Vielleicht kannst du bei Gelegenheit hier im Forum ein bißchen was darüber erzählen.




      Hallo Werner,

      die gute Francesca die Foix hat übrigens sozusagen noch eine "jüngere Schwester" namens Elvida, wie die "Foix" in Einakter der anlässlich von Feierlichkeiten in Neapel komponiert wurde. Ich habe die Aufnahme leider noch nicht hören können

      Hier ein Ausschnitte einer Besprechung der beiden Aufnahmen von Uwe Schneider auf klassik.com :



      Zwei Einakter Gaetano Donizettis sind nun bei Opera Rara in gewohnt guter Aufnahmetechnik und mit bestechender Sängerbesetzung erschienen. Im März 2004 fanden unter Studiobedingungen, mit nahezu identischer Sängerbesetzung und unter dem temperamentvollen Dirigat von Antonello Allemandi, in der Londoner Henry Wood Hall die Aufnahmesitzungen der beiden nun separat erschienenen Opernausgrabungen statt.

      Beide Werke sind Auftragsarbeiten für Feierlichkeiten in Neapel. Die ‚Elvida’ erblickte am 6. Juli 1826 zum Geburtstag Maria Isabellas von Spanien das Licht der Bühne, ‚Francesca di Foix’ am 30. Mai 1831 anlässlich des Namenstags des Königs. Diese äußeren Umstände erklären auch die Kürze der Werke, denn die jeweilige Feierlichkeiten waren umfangreich und die Opern nur einer von vielen Programmpunkten.


      Die gesamte Besprechung kann man hier nachlesen.

      :hello Jimi
    • Imelda de Lambertazzi

      Lieber Jimi!

      Ich kenne diese Einspielung der Imelda nicht, ich kenne nur die Aufnahme der Nouva Era von 1989.
      Die Oper gehört in die Frühphase Donizettis (entstanden vor Anna Bolena), und diese Werke finde ich generell nicht so irrsinnig beeindruckend. Möglicherweise ist Imelda eine der besseren Werke aus dieser Phase, die Aufnahme unter Marc Andreae ist nur mässig gut, daher ist mein Gesamteindruck eher eigeschränkt.
      Die Geschichte entspricht der Romeo und Julia-Vertonung Bellinis (auch Bellinis Oper folgt ja bekanntlich nicht Shakespeares Drama), auch hier haben wir den Kampf der Guelphen und Ghibellinen. Der Anführer der Guelphen liebt die Tochter der Ghibellinen, kommt als Botschafter zu den Feinden und macht ein Friedensangebot. Der Friede soll durch die Heirat zwischen ihm untd Imelda besiegelt werden. Die Ghibellinen lehnen empört ab. Diese Szene findet sich praktisch identisch bei Bellinis "I Capuletti ed i Montecchi". Dort singt Romeo allerdings dann die wunderschöne Cavatine "Se Romeo t'uccise un figlio". Einen solchen Höhepunkt finde ich in der Imelda nicht. Die Oper endet schliesslich in Mord und Selbstmord der beiden Liebenden.

      Ein paar Dinge finde ich bei der Imelda allerdings schon bemerkenswert. Da ist erst einmal die Besetzung: Der Liebhaber ist Bariton, die Widersacher sind Tenöre. Musikalisch hört sich die Einleitung zum Chor "Del cittadino al dritto" ein wenig an wie ein Vorgriff auf Verdis "Oh splendide feste" an, und das sehr schöne Finale des ersten Akts erinnert an "Souni la tromba" aus Bellinis I Puritani an. Auch das Duett "Di Bonifacio il padre" scheint musikalisch sehr interessant, scheitert aber wieder an der unzulänglichen Interpretation. Das gleiche gilt für die offenbar schwierige Arie des Bonifacio "Imelda a me volgea". Der zweite Akt steigert sich wie der erste gegen das Finale hin, es gibt hier allerdings kein übliches Rondo oder Aria finale, der Tod der Imelda vollzieht sich rasch und dramatisch.

      Mein Fazit über die Imelda: eine recht interessante, dramatische, etwas unausgegorene Oper, die ohne adäquate Wiedergabe mausetot ist. Sie reiht sich für mich nicht in die grossen Donizetti-Opern (Lucia, Don Pasquale, Liebestrank, Lucrezia Borgia, La Favorita, Pia de Tolomei, Maria de Rudenz, Maria Stuarda, Poliuto) ein und kann auch Roberto Devereux, Gabriella di Vergy, Gemma di Vergy, Francesca di Foix (danke für den Tipp, Jimi), Rosmonda d'Inghilterra, Don Sebastien, Linda di Chamonix oder Caterina Cornaro nicht das Wasser reichen, aber Donizetti hat auch weniger Interessantes geschrieben.

      Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter.

      liebe Grüsse

      Werner