Gestern im Konzert

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    • Olli Mustonen/NDR Sinfonie-Orchester/K. Petrenko spielen Beethovens KK3 in der Hamburger Musikhalle

      Das Beste gleich vorweg: Es war nicht so schlimm wie Beethovens 1. Klavierkonzert, das ich kürzlich mit Mustonen im Radio gehört hatte.
      Der Notenständer auf dem Flügel ließ nichts Gutes ahnen, und in der Tat brachte sich der Pianist die Partitur mit. Während des langen Orchestervorspiels, das sehr gemächlich angegangen wurde – ich würde fast sagen: spaziergängerisch – vor seinem Einsatz verfiel Mustonen schon in Zuckungen wie ein Veitstänzer und machte ganz unkontrollierte Bewegungen – hyperaktiv, hypernervös? Das wurde auch kaum besser, als er spielte (glücklicherweise wirkte es sich aber kaum auf die Feinmotorik aus).

      Seine Rhythmik und Dynamik fand ich ganz abwegig, seinen Anschlag zumeist hart und klirrend, wenn er sich nicht so sehr bemühte, sanft zuzugreifen, daß er nur die Bewegungen machte und die Tasten gar nicht berührte. Gerade an markanten, strukturell wichtigen Stellen wurde er oft durch das Orchester vollkommen verschluckt. Diese Bewegungen erinnerten mich immer an irgend etwas, zuweilen an jemanden, der eine heiße Herdplatte testet, dann wieder an einen Kellner, der eine Tischdecke mit der Serviette abwedelt. Zwischendurch wischte er sich das Gesicht mit dem Frackärmel ab, etwa so, wie ich es bei der Gartenarbeit tue (dann allerdings nicht im Frack), weil die Hände zu schmutzig für ein Taschentuch sind. Ich mußte an eine neurologische Kondition denken, deren Namen ich vergessen habe.

      Eine interessante Darbietung, wenn auch nicht unbedingt in musikalischer Hinsicht – ein wenig schade um Beethoven.

      Um falschen Schlußfolgerungen vorzubeugen: Ich will hier weder bösartig sein, noch mache ich mich lustig. Eigentlich hat mich das Ganze eher ein wenig besorgt.

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • dem kann ich mich nur anschliessen! Vor einigen Jahren führte er in D'dorf prokofieff (Dornröschen), Hindemith und noch irgendwas auf.... das Geld hätte man sich sparen können! Was sagte mir ein herr einige tage danach? Er sei in der Puase gegangen und habe zu Hause Sokolov gehört....
    • Gedenkkonzert für Rostropovich

      Gestern war es soweit - Die Kinder, Lisa und Ich waren im Gedenkkonzert für Mstislav Rostropovich in der Alten Oper in Frankfurt.

      Netterweise hat der Anhang nur 1€ gekostet - dementsprechend viele Kinder waren dann auch da! Das Durchschnittsalter der Hörer lag deswegen sicher nicht über 35 Jahren. Der Nachwuchs hielt sich tapfer und zeigte gegenüber manchem gelangweilten Bänker kaum größere Konzentrationsschwächen.

      Unter der Leitung von Neeme Järvi spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

      Vor der Pause gab es Ansprachen der Tochter Rostropovichs und einer Vertreterin der Kronberg Academy.

      Gespielt wurde:

      Rodion Shchedrin (*1932):
      Slava, Slava. Ein festliches Glockengeläut

      Max Bruch (1838-1920)
      Kol Nidrei (Mischa Maisky)

      Richard Strauss (1864-1949)
      Romanze F-Dur (David Geringas)

      Antonin Dvorak (1841-1904)
      Cellokonzert Nr. 2 h-Moll op. 104, 2. Satz (Natalia Gutman)

      Nach der Pause dann:

      Peter Tchaikovsky (1840-1893)
      6. Sinfonie h-Moll op. 74 (Pathétique)

      Das festliche Glockengeläut war eine nette Einleiitung! Mischa Maisky hat uns dann alle begeistert. Unglaublich, welche Kraft und Ausstrahlung dieser Mann in der weissen Mähne mit seinem Cello vor 2500 Gästen entwickelt. Ich kann es kaum glauben, wie ein Cello einen solchen Saal erfüllen kann.

      Da hatte es Geringas mit Strauss für meinen Geschmack deutlich schwerer. Der Strauss berührt mich einfach nicht so und damit viel der Zauber leider aus.

      Natalia Gutmann dagegen durfte mit dem Cellonkonzert von Dvorak wieder verzaubern. Wenn auch nicht ganz so eindringlich wie Maisky so war das Zusammenspiel mit dem Orchester einfach begeisternd. Da sitzt man zwischen 2500 Menschen und vergisst die Welt.

      Die Pause allerdings war ernüchternd - keine Chance auf ein Getränk oder eine Brezel - Da ist der Service unterbelichtet!

      Die Pathetique war dann genau das Richtige um das Jungvolk am späteren Abend wach zu halten. Das Bayerische Orchester gab alles und spielte dynamisch und mitreissend, voller Engagement und mit ganzem "körperlichen" Einsatz. Obwohl Järvi nach dem Stück Schwierigkeiten hatte das Podest zu verlassen und für den Applaus wieder zu erklimmen, war er während des Dirigats zu Sportlichen Höchstleistungen fähig.

      Der Tchaikowsky war also ein voller Erfolg und wir freuen uns schon auf Heute Abend - da sind wir beim Benefiz-Konzert für die Rostropovich Cello Foundation :leb
      Walter
    • RE: Gedenkkonzert für Rostropovich

      Original von Walter
      ... Mischa Maisky hat uns dann alle begeistert. Unglaublich, welche Kraft und Ausstrahlung dieser Mann in der weissen Mähne mit seinem Cello vor 2500 Gästen entwickelt. Ich kann es kaum glauben, wie ein Cello einen solchen Saal erfüllen kann.



      Das kann ich nachempfinden.
      Ich habe ihn nun mehrfach in Lugano erlebt, und es war jedesmal sehr beeindruckend :down
      Man mag sein Spiel mögen oder nicht, mangelnde Tiefe oder Intensität kann man ihm nicht absprechen!

      Nikolaus Nikolaus
      Nikolaus
      (ich konnte mich nicht entscheiden, welches der grünste Farbton ist... :wink)
    • Gestern dann haben wir in der Halle der Bänker unseren Konzertbesuch vom Mittwoch noch getoppt:

      Donnerstag, 4. Oktober 2007
      Benefiz-Konzert für die Rostropovich Cello Foundation
      Herrmann Josef Abs Saal Frankfurt, 19:00 Uhr


      Das fing erst mal mit dem Service an :J es gab die ganze Zeit genügend Getränk und Knabberzeugs (natürlich nicht während des Konzerts)

      Nach der Ansprache von Mr. Burns (direkt geeignet für eine Folge Simpsons) erfuhren wir, dass Yuri Bashmet nicht spielen kann :I :I :I

      daher musste gleich mal ein Höhepunkt ausfallen:

      Max Bruch: Kol Nidrei
      Yuri Bashmet Viola

      wurde ersetzt durch ein Nocturne von Tchaikovsky mit Mischa Maisky und der Kremerata Baltica. Im Vergleich zur Kol Nidrei nur ein nettes Appetithäppchen, doch schon hier funkelten die Klänge schon auf.

      Danach eine weitere Ansprache der Tochter Rostropovichs.

      Der Schnittke riss mich danach nicht vom Hocker, allerdings bin ich nicht unbedingt ein Fan.

      Alfred Schnittke: Menuett für Streichtrio, uraufgeführt von Gidon Kremer, Yuri Bashmet und Mstislav Rostropovich
      Gidon Kremer Violine
      David Geringas Violoncello

      Aber danach kam dann der erste Höhepunkt des Abends:

      Dmitri Shostakovich: Klaviertrio No. 2 e-Moll op.67
      Gidon Kremer Violine
      Mischa Maisky Violoncello
      Martha Argerich Klavier

      BOAHHH - :times10 das kann mir keiner mehr nehmen! Der Saal war gefüllt von Energie und Spannung. Einmal die der Musik und Shostakovichs und mittendrin diese gewaltigen Kräfte der Musiker.

      Die Pause brauchten dann doch die meisten!


      Peter Tchaikovsky: Streichsextett d-Moll «Souvenir de Florence» op.70, Fassung für Streichorchester
      Kremerata Baltica

      Wunderschön der volle Klang der Kremerata Baltica. Genau das Richtige um wieder einzutauchen in die Musik. Wegträumen in den Wogen der Streicher.

      Dann der zweite Höhepunkt des Abends:

      Astor Piazzolla: „Hommage à Liège" Doppelkonzert für Bajan, Violoncello und Streicher
      David Geringas Violoncello
      Geir Draugsvoll Bajan
      Kremerata Baltica

      Diese Rhythmen einer Musik für Liebende. Top, das Spiel von Geir Draugsvoll - perfekt auf ihn eingehend Geringas und alles getragen von der Kremerata Baltica.
      Auch hier wieder Standing Ovations und eine Zugabe von Piazzolla.

      Vorbei - der laue Herbstabend hatte uns wieder - sanftes Schweben durch die Häuserschluchten Frankfurts...
      Walter
    • Original von nikolaus
      Das kann ich mir alles gut vorstellen und hätte das auch gerne erlebt!! Das sind Moment, die man nie vergisst :down

      Das Trio Argerich/Kremer/Maisky habe ich auch schon live erlebt mit einem Schumann-Trio. Da herrscht eine unglaubliche Energie schon bevor der erste Ton gespielt wird, Wahnsinn!

      Immer noch ganz grün, Nikolaus.


      Endlich durften wir die Drei auch mal sehen - Du hattest ja schon öfter das Vergnügen!

      :hello
      Walter
    • RE: Gedenkkonzert für Rostropovich

      Original von Walter
      Netterweise hat der Anhang nur 1€ gekostet - dementsprechend viele Kinder waren dann auch da! Das Durchschnittsalter der Hörer lag deswegen sicher nicht über 35 Jahren. Der Nachwuchs hielt sich tapfer und zeigte gegenüber manchem gelangweilten Bänker kaum größere Konzentrationsschwächen.

      Lieber Walter,

      das finde ich mal eine tolle Sache und es zeigt doch, daß die dann auch mitgehen und nicht in den Konzertsaal gepeitscht werden müssen! Aber in meiner Erfahrung muß es dann auch schon irgendwas Besonderes sein, da haben die Kinder einen untrüglichen Sinn für - aber das war es ja in diesem Falle auch ohne Frage, und das hat sich wohl auch mitgeteilt - schön für Euch!

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Boris Bloch bei Bechstein

      Noch zwei kleine Nachträge, zunächst am 28.9. im Bechstein-Centrum einer von deren willkommenen Klavierabenden, diesmal mit Boris Bloch; das Programm:

      D. Scarlatti: Sechs Sonaten
      W.A. Mozart: Fantasie in c KV 475
      J.S. Bach: Italienisches Konzert
      F. Liszt: Sarabande u. Chaconne aus "Almira" von Händel/Danza sacra e duetto final aus "Aida" von Verdi
      Chopin: Scherzo n.3 op.39 in cis

      Die Scarlatti-Sonaten haben mich direkt begeistert: Ich hätte nicht gedacht, daß jemand diese langweiligen kleinen Dinger so interessant machen kann und ganz individuell und dann auch noch hübsch (in der Vita des Komponisten war vom "unvergleichlichen Singen seines Klavierspiels" die Rede, und obwohl man diese Ergüsse in der Regel mit ganz viel Salz zu sich nehmen muß, stimmte es hier mal).

      Das Italienische Konzert war für jemanden, für den der transparente Ton von Glenn Gould das Höchste der Gefühle ist, im Mittelsatz etwas pedalvernebelt, dafür im letzten Satz umso eindrucksvoller.

      Bei dem Chopin-Scherzo hätte ich mir etwas mehr Panache gewünscht, die kam dann aber in den zwei Zugaben von Grieg, wo der Pianist einfach losließ. Ich hätte nicht gedacht, daß der anfangs so streng wirkende Bloch so freundlich lächeln kann.

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Mit dem Schostakowitsch-Trio habe ich die drei auch mal vor Jahren gehört.. eines der schönsten ERlebnisse meines Lebens!!!! Zuvor gab es die Fantasiestücke für Trio von Schumann....

      am Donnerstag gibt es ein Highlight in Düsseldorf: Paul Badura-Skoda zu seinem 80. Geburtstag..

      :down
    • Original von Jeremias
      Heute Abend das Requiem von Verdi in der Kölner Philharmonie... Borodina, Vargas, Bychkov.... wäre ich in dem Moment von dieser Erde gegangen, ich wäre der glücklichste Mensch gewesen!


      Lieber Jeremias,

      das scheint ja wirklich eine Sternstunde gewesen zu sein. Wie schön!

      Herzliche Grüße

      Sabine
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • Original von Jeremias
      Heute Abend das Requiem von Verdi in der Kölner Philharmonie... Borodina, Vargas, Bychkov.... wäre ich in dem Moment von dieser Erde gegangen, ich wäre der glücklichste Mensch gewesen!



      Ich bräuchte jetzt mal dringend einen Smiley mit dem ich grenzenlosen Neid ausdrücken kann....ich armer Exkölner und nunmehriger Ostprovinzler :I

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von HenningKolf
      Original von Jeremias
      Heute Abend das Requiem von Verdi in der Kölner Philharmonie... Borodina, Vargas, Bychkov.... wäre ich in dem Moment von dieser Erde gegangen, ich wäre der glücklichste Mensch gewesen!



      Ich bräuchte jetzt mal dringend einen Smiley mit dem ich grenzenlosen Neid ausdrücken kann....ich armer Exkölner und nunmehriger Ostprovinzler :I

      Gruß
      Henning


      @Jeremias,

      das klingt zwar klasse, aber schön das Du noch da bist :engel

      @Henning,

      wenn Du so ein smilie findest einfach Bild schicken!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Es war einmalig! Die Solisten, absolute Weltklasse! Vom ersten bis zum letzten Ton eine unbeschreibliche Spannung! Meine bessere Hälfte kannte das Requiem noch nicht und war eher skeptisch... nach ein paar Tönen war sie hin und weg! Das Lacrimosa war mit das große Highlight! Dann die 3 Chöre aus Turin, vom NDR und WRD.... sagenhaft! Und schließlich Bychkov... er war in einer anderen Welt! 15 Minuten lang Standing Ovations!

      Am 23.11. gibt es eine Radiosendung in WDR3, zudem gab es eine TV-Aufzeichnung!
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