Gestern im Konzert

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    • Original von Gamaheh
      Original von HenningKolf
      "Gestern im Konzert" nicht, aber morgen auch nicht.....

      Passt nicht wirklich hierhin, aber loswerden muss ich es (und ein neuer Faden ist auch nicht angezeigt):

      Ende Juli kommt Alfred Brendel auf seiner Abschiedstournee, man mag es kaum glauben, in die tiefste Provinz, nämlich in meinen Wohnort Neubrandenburg...
      Wer hat zu spät davon erfahren und keine Karte bekommen?

      Natürlich ich Dösbaddel........ :S :S :( X(


      "Dösbaddel" klingt richtig und trifft auch auf mich zu mit meiner Abneigung, Karten im Vorverkauf zu erstehen - das ist mir am letzten Donnerstag hier auch passiert. Neubrandenburg ist aber doch eine Hochburg des MVP-Musikfestivals (oder wie immer es heißt) ??! Also von wegen "tiefste Provinz"!

      Grüße,
      Gamaheh


      Na ja, sicherlich ist das Festival eine gute Sache, aber Künstler mit dem Renomé von Brendel (und bei mir kommt hinzu, dass ich ihn im Gegensatz zu sehr vielen Forenmitgliedern gerne höre) lassen sich schon selten blicken...er spielt in der hiesigen Konzert"kirche" [als christlich Erzogener ist es für mich noch immer recht gewöhnungsbedürftig wie man im Osten mit "Gotteshäusern" umgegangen ist und umgeht - es gibt auch Kapellen, die zu Kinos oder Tanzschuppen umfunktioniert worden sind], was den Vorteil einer passablen - wenn auch möglicherweise leicht halligen - Akustik hat. Das ist bei den hiesigen "Festspielen Mecklenburg-Vorpommern" nämlich durchaus nicht immer der Fall.

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Gestern in der Essener Philharmonie: Gabriela Montero

      Im 1. Teil spielte sie die Bach-Chaconne (nach Busoni) sowie Chopins 3. und 1. Ballade, getrennt durch die Polonaise-Fantaisie. Im zweiten Teil spielte sie dann vor ihrem Improvisationspart den 1. Mephisto-Walzer von Liszt.

      Also, ich habe sie jetzt 3x live gesehen und als "normale" Pianisten hat sie wirklich nicht viel zu sagen. Sehr viel Pedal, sehr viel umnebelt, teilweise keine Melodieführung mehr hörbar.... Schade!

      Dafür hat der 2. Teil dann entschädigt :cool
    • :haha

      Ich schließe mich dem an...

      Pach, 2. Partita: Unglaublich, diese Beherrschung der völligen Trennung der beiden Hände... ich habe die Ecksätze noch nie in so einem Tempo gehört... bei der Sarabande beispielsweise dann ließ er mit ganz wenigen Tönen den Saal regelrecht erstarren....

      Beethoven op.111: Ebenfalls eine Offenbarung! Er hat es geschafft, dieses Werk mit Elan und "Drive" zu spielen und erzeugte eine unglaubliche Spannung, es kam niemals Langeweile auf...

      Brahms op.119: Ebenfalls eine Meisterleistung. Zimerman ist ja bekanntlich ein sehr guter Brahms-Interpret

      Szymanowski's Variationen über ein polnisches Thema: Zimerman der Virtuose, der seine Technik stets in den Dienst des Werkes stellt....

      Ein unglaublicher Abend...

      :times10
    • Gestern in der Oper Wuppertal: Peter Grimes von Benjamin Britten

      Ich wäre freiwillig nie in diese Oper gegangen, da Britten's Musik mir absolut nicht liegt. Es bot sich aber die günstige Gelegenheit, dieses Werk kennenzulernen.

      Ich tue mir mit englischsprachiger Musik immer schwer und so war es auch gestern. Zudem sind die tragische Handlung und die Musik, die teilweise an Fragmente erinnert, nicht sehr fördernd. Alles in allem war es interessant sich hiermit auseinander zu setzen. Aber so schnell werde ich mir die Oper nicht noch einmal ansehen.

      :ignore
    • Original von Jeremias
      :haha

      Ich schließe mich dem an...

      Pach, 2. Partita: Unglaublich, diese Beherrschung der völligen Trennung der beiden Hände... ich habe die Ecksätze noch nie in so einem Tempo gehört... bei der Sarabande beispielsweise dann ließ er mit ganz wenigen Tönen den Saal regelrecht erstarren....

      Beethoven op.111: Ebenfalls eine Offenbarung! Er hat es geschafft, dieses Werk mit Elan und "Drive" zu spielen und erzeugte eine unglaubliche Spannung, es kam niemals Langeweile auf...

      Brahms op.119: Ebenfalls eine Meisterleistung. Zimerman ist ja bekanntlich ein sehr guter Brahms-Interpret

      Szymanowski's Variationen über ein polnisches Thema: Zimerman der Virtuose, der seine Technik stets in den Dienst des Werkes stellt....

      Ein unglaublicher Abend...

      :times10


      Dem schliesse ich mich in allen Punkten an!!

      Als Info für die anderen: Zimerman liess nach der Patita die Klaviatur auswechseln, und selbst ich habe den Unteschied gehört - beeindruckend!!

      Ein faszinierender Abend!
    • Leonidas Kavakos, Ivan Fischer und das Budapest Festival Orchestra

      Gestern in Bad Kissingen

      Zu Beginn die Rumänischen Volkstänze von Bela Bartok. Nach dem 1.Satz brach der Dirigent ab und erklärte dem Publikum die Hintergründe ihrer Entstehung. Als Zeugen kamen dann 3 Musiker, 2 Violinen und Kontrabass, aufs Podium und spielten Bartoks Vorlagen, Volkstänze aus Transsilvanien. Das war eine Augen- und Ohrenweide. Riesiger Beifall. Danach die letzten 3 Sätze in Bartoks Bearbeitung. Kurz vor Schluss des letzten Satzes kamen während der Aufführung die 3 "Zigeuner"-Musiker wieder aufs Podium und brachten in ihrer unnachahmlichen Art zusammen mit dem Festival-Orchester des Werk zu Ende. Das Publikum tobte, vielleicht auch wegen der gelungenen pädagogischen "Lehrstunde".
      Danach Dvoraks Violinkonzert a-moll op.53 mit dem jungen griechischen Geiger Leonidas Kavakos, temperamentvoll dargeboten, ohne das die lyrischen Abschnitte zu kurz kamen. Als Zugabe erklang ein modernes Stück, könnte zu Schnittke passen, bin mir aber nicht so sicher, da ich von ihm zu wenig kenne.
      Nach der Pause die 2. von Brahms, zigmal schon gehört, aber immer wieder gern, vor allem dann, wenn sie nicht so tiefschürfend und lastig interpretiert wird, sondern mehr von der Sonne des Wörthersees erzählt, so bot sie Ivan Fischer und das Budapest Festival Orchestra dar. Für den großen Beifall gewährten die Musiker noch eine Zugabe, die Tritsch-Tratsch-Polka von J.Strauß.
      Der weite Weg nach Kissingen hatte sich für mich gelohnt. Nächste Woche Sonntag dann Sokolov in Dortmund.

      Grüße Amadé
    • Gestern in der Dortmunder Philharmonie:


      Martha Argerich [Klavier]
      Mischa Maisky [Violoncello]


      Ludwig van Beethoven
      Sieben Variationen für Klavier und Violoncello über das Duett Es-Dur WoO 46 »Bei Männern, welche Liebe fühlen« aus Mozarts Oper »Die Zauberflöte«

      Edvard Grieg
      Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll op. 36

      P A U S E

      Olivier Messiaen
      »Louange à l’Eternité de Jésus« für Violoncello und Klavier Nr. 5 aus: »Quatuor pour la fin du temps« für Violine, Klarinette, Violoncello und Klavier

      Dmitrij Shostakovich
      Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 40

      Als Zugabe: der langsame satz aus Rachmaninoffs Cellosonate sowie die 3 Fantasiestücke op.73 von Schumann

      Kritik folgt.... nur soviel: Ich habe den Herrn neben mir sehr glücklich gemacht! Ich hatte eine Karte übrig und er war der erste, der sie abkaufen wollte. Standen direkt 5 Leute um mich rum.... :leb
    • Original von Jeremias
      Gestern in der Dortmunder Philharmonie:


      Martha Argerich [Klavier]
      Mischa Maisky [Violoncello]


      Ludwig van Beethoven
      Sieben Variationen für Klavier und Violoncello über das Duett Es-Dur WoO 46 »Bei Männern, welche Liebe fühlen« aus Mozarts Oper »Die Zauberflöte«

      Edvard Grieg
      Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll op. 36

      P A U S E

      Olivier Messiaen
      »Louange à l’Eternité de Jésus« für Violoncello und Klavier Nr. 5 aus: »Quatuor pour la fin du temps« für Violine, Klarinette, Violoncello und Klavier

      Dmitrij Shostakovich
      Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 40

      Als Zugabe: der langsame satz aus Rachmaninoffs Cellosonate sowie die 3 Fantasiestücke op.73 von Schumann

      Kritik folgt.... nur soviel: Ich habe den Herrn neben mir sehr glücklich gemacht! Ich hatte eine Karte übrig und er war der erste, der sie abkaufen wollte. Standen direkt 5 Leute um mich rum.... :leb


      Wieder will ich Jeremias nicht vorgreifen, aber ich kann besagten Herren sehr gut verstehen!

      Mir gibt Martha Argerichs Spiel unglaublich viel :down

      Nikolaus.
    • Mir auch! Es ist unglaublich, was sie für Töne auf dem Klavier zaubert.... ich denke an die Staccato-Stellen in der Grieg-Sonate, den Schmelz bei Beethoven oder die Repetitionen im 2. Satz der Schostakowitsch-Sonate. Letzte habe ich letztes Jahr mit Maisky und seiner Tochter gehört... welch ein Unterschied!

      Aber irgendwas hat mir gestern gefehlt... vielleicht waren es die Stücke... die Grieg-Sonate besteht aus vielen einzelnen Fragmenten, man muss sich ständig umstellen. Messiaen ist nicht mein Fall und dann Schostakowitsch hinterher war am Ende für mich etwas zuviel. Ich hätte mir die ganze Rach-Sonate gewünscht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich momentan etwas abgespannt und urlaubsreif bin und auch der gestrige Tag nicht gerade erholsam im Büro war.

      Aber Martha ist und bleibt eine Göttin am Klavier und Maisky hat gerade bei Messiaen mit seinem Ton unglaublich beeindruckt!

      Jetzt kommt Sokolov am Dienstag!

      @ Nikolaus: Wo hast Du gesessen? Wir waren oben im 2. Balkon rechts ziemlich in der Mitte
    • Mir hat das Programm sehr gut gefallen:
      Erst die Variationen von Beethoven zum Einstimmen des Publikums.
      Danach die Grieg-Sonate als Steigerung.
      Nach der Pause eine andere Grundstimmung, wieder mit einem sozusagen einführendem Stück (Messiaen, wobei mich dieser Satz aus dem Quatuor pour la fin du temps trotz oder gerade wegen seiner Schlichtheit sehr beeindruckt) und als Höhepunkt Shostakovich.
      Aber du hast schon Recht, es ist keine Musik zum "Erholen". Ich war zwar vorher einigermassen entspannt, dafür aber halb tot, als ich im Bett war.

      Mich fesselt Martha Argerich immer wieder.
      Es ist unglaublich, welche Kraft und Geschwindigkeit sie aus dem Nichts entwickelt und dabei äusserlich weitgehend ruhig bleibt. Es ist, als könnte sie ihre Wahnsinns-Energie ganz gezielt durch ihre Arme und Hände in die Tasten lenken. Und im nächsten Moment zaubert sie die zartesten Töne. Diese Flexibilität und Kontrolle ist fantastisch.
      Ausserdem beeindruckt mich eine Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit in ihrem Spiel, die ich bei anderen so nicht erlebe. Und immer wieder spürt und sieht man ihren Spaß an der Musik.

      Mischa Maisky ist ähnlich flexibel (wahrscheinlich funktionieren sie deshalbe auch so gut zusammen), wobei ich den Eindruck habe, daß er dann doch ab und zu die Kontrolle verliert und es etwas arg wild wird. Aber auch er spielt wundervolle Töne, die direkt ins Herz gehen.

      Kurz: ein grandioser Abend mit zwei schönen Zugaben!

      Ganz beseelt, Nikolaus.

      @ Jeremias: Ich saß in der zweiten Reihe der Chorempore von der Bühne aus gesehen rechts. Für 25€ nah am Geschehen, eigentlich gar nicht schlecht dort.
      Ich konnte zwar ihre Hände nicht sehen, dafür aber ihr Gesicht. Zwischendurch hat sie immer wieder gelächelt, als wenn ihr eine Passage gerade besonders geglückt ist - zum Dahinschmelzen...
    • Gestern abend war ich ueberraschend im Eroeffnungskonzert des "Mostly Mozart"-Festivals 2008 im Londoner Barbican: Haydns D-Dur-Cellokonzert mit dem Solisten Claudio Boho'rquez, Mozarts Klavierkonzert No. 27 mit Steven Osborne, die Academy of St Martin in the Fields unter Andreas Delfs dann zum Schluss allein in Beethovens Symphonie No. 1. Insgesamt mehr als solide Leistungen von allen Beteiligten. Am meisten beeindruckte mich vielleicht die mit grosser Verve gespielte Symphonie. (Links hinter mir sass uebrigens der Pianist Stephen Hough.)

      Vor dem Konzert eine knapp einstuendige Panel-Diskussion mit spaeterer kurzer Beteiligung des Publikums zur Frage, ob Mozart oder Beethoven der bessere Komponist sei. Sehr ernstgemeint war die Diskussion nicht, man kann sie sich vielleicht so auch nur in England vorstellen. Am Ende stimmte das Publikum ab, nachdem der Moderator gefragt hatte, wer von den beiden Komponisten aus der Gondel des Ballons geworfen werden sollte. Mozart flog (trotz "Mostly Mozart"), Beethoven blieb ...

      Gruss, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Zelenka
      Gestern abend war ich ueberraschend im Eroeffnungskonzert des "Mostly Mozart"-Festivals 2008 im Londoner Barbican: Haydns D-Dur-Cellokonzert mit dem Solisten Claudio Boho'rquez, Mozarts Klavierkonzert No. 27 mit Steven Osborne, die Academy of St Martin in the Fields unter Andreas Delfs dann zum Schluss allein in Beethovens Symphonie No. 1. Insgesamt mehr als solide Leistungen von allen Beteiligten. Am meisten beeindruckte mich vielleicht die mit grosser Verve gespielte Symphonie. (Links hinter mir sass uebrigens der Pianist Stephen Hough.)

      Vor dem Konzert eine knapp einstuendige Panel-Diskussion mit spaeterer kurzer Beteiligung des Publikums zur Frage, ob Mozart oder Beethoven der bessere Komponist sei. Sehr ernstgemeint war die Diskussion nicht, man kann sie sich vielleicht so auch nur in England vorstellen. Am Ende stimmte das Publikum ab, nachdem der Moderator gefragt hatte, wer von den beiden Komponisten aus der Gondel des Ballons geworfen werden sollte. Mozart flog (trotz "Mostly Mozart"), Beethoven blieb ...

      Gruss, Zelenka


      Lieber Zelenka,
      auch wenn´s nicht ernst gemeint war - peinlich, lächerlich und irgendwie unwürdig ist so ein Zirkus aber doch schon, finde ich. Und das auch noch nach einer Aufführung mit KV 595, Mozarts letztem Klavierkonzert, das zweifellos zu den subtilsten und spirituellsten Werken dieses Genres zählt (auch wenn ich mir nach Deiner Schilderung gut vorstellen kann, daß Beethovens - an Tiefe aber natürlich bei allem Respekt nicht mit KV 595 vergleichbarer - symphonischer Erstling überzeugender interpretiert wurde).
      Abgesehen davon sollten die Engländer dankbarer sein und "ihren" Haydn nicht vergessen. Der hätte nämlich zusammen mit Mozart und Beethoven in der Gondel bleiben müssen ...

      Herzliche Grüße,
      Sarastro
      "Ich hätte das nicht so gemacht!" (Kozeluch zu Mozart über ein Haydn-Quartett). "Ich auch nicht! Und wissen Sie warum? Weil weder Sie noch ich auf diesen Einfall gekommen wären."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sarastro ()

    • Original von Sarastro
      Original von Zelenka
      Gestern abend war ich ueberraschend im Eroeffnungskonzert des "Mostly Mozart"-Festivals 2008 im Londoner Barbican: Haydns D-Dur-Cellokonzert mit dem Solisten Claudio Boho'rquez, Mozarts Klavierkonzert No. 27 mit Steven Osborne, die Academy of St Martin in the Fields unter Andreas Delfs dann zum Schluss allein in Beethovens Symphonie No. 1. Insgesamt mehr als solide Leistungen von allen Beteiligten. Am meisten beeindruckte mich vielleicht die mit grosser Verve gespielte Symphonie. (Links hinter mir sass uebrigens der Pianist Stephen Hough.)

      Vor dem Konzert eine knapp einstuendige Panel-Diskussion mit spaeterer kurzer Beteiligung des Publikums zur Frage, ob Mozart oder Beethoven der bessere Komponist sei. Sehr ernstgemeint war die Diskussion nicht, man kann sie sich vielleicht so auch nur in England vorstellen. Am Ende stimmte das Publikum ab, nachdem der Moderator gefragt hatte, wer von den beiden Komponisten aus der Gondel des Ballons geworfen werden sollte. Mozart flog (trotz "Mostly Mozart"), Beethoven blieb ...

      Gruss, Zelenka


      Lieber Zelenka,
      auch wenn´s nicht ernst gemeint war - peinlich, lächerlich und irgendwie unwürdig ist so ein Zirkus aber doch schon, finde ich. Und das auch noch nach einer Aufführung mit KV 595, Mozarts letztem Klavierkonzert, das zweifellos zu den subtilsten und spirituellsten Werken dieses Genres zählt (auch wenn ich mir nach Deiner Schilderung gut vorstellen kann, daß Beethovens - an Tiefe aber natürlich bei allem Respekt nicht mit KV 595 vergleichbarer - symphonischer Erstling überzeugender interpretiert wurde).
      Abgesehen davon sollten die Engländer dankbarer sein und "ihren" Haydn nicht vergessen. Der hätte nämlich zusammen mit Mozart und Beethoven in der Gondel bleiben müssen ...

      Herzliche Grüße,
      Sarastro


      Lieber Sarastro:

      Der Name Haydn wurde in der Diskussion nicht genannt, seine Verdienste um das englische Musikleben waren zumindest vorgestern in Vergessenheit geraten.

      Wie gesagt: Sehr ernsthaft ging es nicht zu, allerdings sehr sachkundig schon z.T. (Ein wenig erinnerte das gestellte Thema an Faeden, die ein schlaefriges Klassikforum ein wenig beleben sollen ...) Alle Teilnehmer schaetzten beide Komponisten, Mozart und Beethoven, und es ist ja niemand wirklich in grosser Hoehe aus einer Gondel geworfen worden. Und ich gebe Dir hier recht, dass Mozarts letztes Klavierkonzert insgesamt eine tiefschuerfendere Leistung als Beethovens erste Symphonie darstellt.

      Ich hatte in meinem Bericht vergessen, das spektakulaere Feuerwerk nach dem Konzert zu erwaehnen.

      Gruss, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • @ Jeremias und Nikolaus

      Danke für den Bericht! Ich werde M. Argerich mit exakt dem gleichen Programm im November in der Berliner Philharmonie hören und freue mich schon sehr!
      Hebre
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heike ()

    • Soeben zurück aus Dortmund. Sokolov gab einen eindrucksvollen Abend mit 2 Sonaten von Mozart und den Preludes von Chopin sowie insgesamt 6 Zugaben (jew. 3x Chopin & Skriabin).

      für mich DAS Highlight des diesjährigen Festivals!

      :engel

      Mehr dazu morgen!

      Gute Nacht
    • Sokolov in Dortmund - das Letzte herausholen

      Eigentlich wollte Jeremias vom Konzert am Sonntagabend mit Grigory Sokolov berichten, er schreibt sicher noch was. Da ich Morgen in den Urlaub fahre und dann einige Zeit nicht mehr erreichbar bin, möchte ich hier noch kurz meinen Eindruck wiedergeben.
      Das Programm: Mozart Sonaten KV 280 und 332, nach der Pause Chopins 24 Preludes op.28.
      Nach den Preludes sagte eine Dame hinter mir zu einer Nachbarin: "Der holt das Letzte aus der Musik heraus!" Damit hatte sie Sokolovs Kunst auf das Genaueste charakterisiert, man kann gewiss Mozarts Sonaten anders interpretieren, schneller im Tempo, eleganter, mit perlenderen Läufen, aber nicht wahrhaftiger.
      Noch eine Bemerkung zu Chopin: das erste der Preludes wird oft als Einspielstück vorgestellt, es kommt darauf an, die Zuhörerschaft in Chopins Klavierwelt aufzunehmen, mehr nicht. Nicht so bei Sokolov, hier konnte man ein genau charakterisiertes kleines Kunstwerk erleben, das einen Anfang und nach einigen Sekunden ein folgerichtiges Ende fand, klanglich genau abgetönt, sofern man sich sofort auf das Spiel des Pianisten konzentrierte. Nach fast 45 Min. hatte Sokolov das Letzte aus den Preludes herausgeholt. Kann ihm das irgendein Pianist nachmachen?

      Grüße Amadé
    • Festival Chopin à Bagatelle: Philippe Bianconi

      Liebe Forenser,

      nach einem weiteren Kurztrip letzte Woche berichte ich:

      Das Festival Chopin, das die französische Chopin-Gesellschaft in diesem Jahr zum 25. Mal in der Orangerie des Parc de Bagatelle in Paris ausrichtet, steht diesmal unter dem Motto „Chopin en miroir“. In jedem der Abendkonzerte (es finden auch andere statt) wird Chopin einem anderen Komponisten gegenübergestellt. Diese „Concerts aux chandelles“ verdanken ihre besondere Atmosphäre den Kerzen, die nicht nur die Bühne beleuchten, sondern auch den wunderschönen Park und nach Schluß der Veranstaltung den Weg zurück zum Ausgang. Sie ziehen ein Publikum aller Altersgruppen an (auch Kinder!) und sind vermutlich stets ausverkauft.



      Über die Orangerie habe ich bereits anderswo berichtet. Die Akustik ist zweifelhaft, und die Struktur selbst könnte ein bißchen liebevolle Aufmerksamkeit vertragen. Ein merkwürdiges Knistern oder Rascheln begleitete das Konzert, das ich besuchte, und der geringe Regen, der fiel, kann das nicht verursacht haben; ich dachte an kleine Nager im Gebälk!

      Diese Konzerte beginnen um 20h45, und das von mir besuchte dauerte gute zwei Stunden mit einer kleinen Pause von zehn Minuten – kaum genügend Zeit, um ein wenig im kerzenbeleuchteten Park zu lustwandeln.



      Am 10. Juli spielte Philippe Bianconi Chopin, und der Komponist im Spiegel war (unüberraschenderweise) Schumann.

      Zunächst zwei der kleinen Fantasiestücke op.12 von Robert Schumann: „Des Abends“ bereitete gewissermaßen die Stimmung: Ein einfaches, unprätentiöses Stück, so einfach gespielt, wie es nur ein großer Musiker kann.* Dann folgte „In der Nacht“, ein Kontrast der Unruhe, der sogleich gespiegelt wurde von den beiden Nocturnes op. 27: der Alptraum gefolgt von seinem (hier) friedvollen, selig-verträumten Gegenstück, wieder in aller ihm gemäßen Einfachheit. (Jemand erzählte mir, daß M-A. Hamelin dieselben Nocturnes einige Tage zuvor am selben Ort völlig anders gespielt hätte, und beide Interpretationen hätten sie überzeugt.)

      Der Höhepunkt der ersten Hälfte war dann die Fantaisie op.49 (über die man vielleicht auch noch mehr sagen müßte), die ich noch nie so konzentriert gehört hatte, wahrscheinlich weil dieses Stück, das so kontrastreich und widerborstig ist, in den mir bekannten Aufnahmen oft entweder einfach auseinanderfällt oder geglättet wird (Ausnahme ist Jorge Bolet, bei dem nichts auseinanderfällt und der auch nichts glättet). Bianconi gestaltet einen sinnvollen Spannungsbogen über den Marsch (den er ungeniert martialisch spielt), einen lyrischen Teil, ein Triumphlied, eine Trauerepisode ...; alle diese heterogenen Episoden – so kontrastreich wie das Leben selbst – verschmelzen zu einer sinntragenden Einheit, vielleicht gerade weil die Widersprüche akzeptiert werden.

      Und dann das 2. Scherzo, ein Stück, von dem ich glaubte, die besten Interpretationen schon gehört zu haben. Hier verrät Bianconi gleich am Anfang, daß er es anders sieht (nicht nur als die anderen Pianisten, sondern anscheinend auch als Chopin), als er auf die sotto voce Frage (so erscheint es hier) der ersten drei Takte nicht – wie wir es gewohnt sind – eine selbstbewußt auftrumpfende ff Entgegnung folgen läßt, sondern ein schüchternes, zweifelnd gehaltenes Echo. Ich kann mir kein Urteil darüber erlauben, ob es Hinweise gibt, die das rechtfertigen, aber warum er das macht, erklärt sich im folgenden: Der Dialog, der Kontrast, entwickelt sich erst allmählich.

      Hier ist dieses Scherzo nicht einfach ein elegantes Stück voller Panache, sondern ein Werk voller Spannung, das sich – auch hier aus einem inneren Dialog, aus Gegensätzen – entwickelt. Es hat einen Anfang, eine Steigerung, einen Höhepunkt und eine Auflösung, es wird zum Drama. Ohne Zweifel: auch hier Eleganz und Panache, aber noch viel mehr. Ich kenne nicht viele Pianisten, die ein Stück in seiner dramatischen Entwicklung so spannend gestalten können – und gerade die Werke, die man meint zu kennen.

      In der zweiten Häflte dann zunächst ein reizendes kleines Stück von Fauré, Le jardin de Dolly, das ursprünglich für Klavier zu vier Händen geschrieben wurde, in einer Transkription von Alfred Cortot, als Hommage an den Park (ein weiterer Bestandteil der diesjährigen Konzerte).

      Es folgten dann die gegenseitigen Widmungen: Chopins 2. Ballade und Schumanns Kreisleriana, über die ich anderswo ausführlich geschrieben habe und dem ich im Moment nichts hinzufügen kann.

      Als Zugaben, um die Gegenüberstellung zu komplettieren, Schumanns Chopin-Episode aus dem Carnaval, „Aufschwung“ aus den Fantasiestücken, und zu guter letzt noch Chopins Mazurka in a op.67/4.

      Es gibt gewiß extravertiertere Musiker mit mehr Charisma, die das Publikum mit eigenwilligen, virtuosen Interpretationen und durch Affirmation der eigenen Persönlichkeit unterhalten, beeindrucken oder überwältigen. Aber ich kenne keinen, der großzügiger das Glück, das ihm die Musik so offensichtlich beschert, mit seinem Publikum teilt. Die lautere, ernste Hingabe, mit der er das macht, überzeugt jedesmal.

      Grüße,
      Gamaheh

      *Bruno Walter drückt es so aus: „(E)s gehört, angesichts des Ringens um größte Wirkungen, wie es in der heutigen Musiköffentlichkeit üblich ist, Mut dazu, eine einfach gemeinte Phrase einfach zu spielen.“ (Von der Musik und vom Musizieren. o.O.: S. Fischer Verlag, 1977. S.86)
      In girum imus nocte et consumimur igni.