Beethoven - 'Der Sturm', op. 31 Nr. 2

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    • Beethoven - 'Der Sturm', op. 31 Nr. 2

      Hallo!

      Weil ich gerade ein Sturm-Sonaten-Vergleichshören (tolles Werk! ich liebe sie sehr!) mache und momentan diese Aufnahme läuft..



      … diese Thread-Eröffnung.

      Ich stelle fest, dass Pollini den stürmischen 3. Satz mit am schnellsten spielt. Schnell, klar, leuchtend und temperamentvoll – ein Wunder! :down Gulda ist noch schneller, wirkt aber leicht gehetzt auf mich.

      Die Zeiten im 3. Satz:

      Friedrich Gulda (Decca): 5:52
      Maurizio Pollini (DG): 6:06
      Wilhelm Backhaus (Decca): 6:27
      Sviatoslav Richter, 1965 (Brilliant): 6:52
      Sviatoslav Richter, 1961( EMI): 6:53
      Emil Gilels (DG): 7:26

      Aber es geht ja nicht nur um Schnelligkeit. Welches sind Eure liebsten Einspielungen?

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Beethoven - 'Der Sturm', op. 31 Nr. 2

      Hallo!

      Weil ich gerade ein Sturm-Sonaten-Vergleichshören (tolles Werk! ich liebe sie sehr!) mache und momentan diese Aufnahme läuft..



      … diese Thread-Eröffnung.

      Ich stelle fest, dass Pollini den stürmischen 3. Satz mit am schnellsten spielt. Schnell, klar, leuchtend und temperamentvoll – ein Wunder! :down Gulda ist noch schneller, wirkt aber leicht gehetzt auf mich.

      Die Zeiten im 3. Satz:

      Friedrich Gulda (Decca): 5:52
      Maurizio Pollini (DG): 6:06
      Wilhelm Backhaus (Decca): 6:27
      Sviatoslav Richter, 1965 (Brilliant): 6:52
      Sviatoslav Richter, 1961( EMI): 6:53
      Emil Gilels (DG): 7:26

      Aber es geht ja nicht nur um Schnelligkeit. Welches sind Eure liebsten Einspielungen?

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Nachtrag:

      Ich erkenne gerade einen wahrscheinlichen Irrtum meinerseits: Die Assoziation mit meteorologischen, tonmalerischen Gegebenheiten (also: Sturm) scheint falsch zu sein. Das Missverständnis beruht hierauf: Beethoven habe, befragt nach dem Schlüssel zu der Sonate, erwidert: „Lesen Sie nur Shakespeares Sturm!“ Daher stammt die Bezeichnung „Sturm-Sonate“, die aber auf einer eigentlich ironischen Aussage Beethovens basiert. Erklärungshilfen lassen sich somit nicht ableiten.

      Also kein Sturm. Was nun? Ist meine Vorstellung, dass der 3. Satz auch "stürmisch" klingen müsse, demnach falsch? Wer bringt Licht in das Dunkel?

      Gruß, Cosima :)
    • Nachtrag:

      Ich erkenne gerade einen wahrscheinlichen Irrtum meinerseits: Die Assoziation mit meteorologischen, tonmalerischen Gegebenheiten (also: Sturm) scheint falsch zu sein. Das Missverständnis beruht hierauf: Beethoven habe, befragt nach dem Schlüssel zu der Sonate, erwidert: „Lesen Sie nur Shakespeares Sturm!“ Daher stammt die Bezeichnung „Sturm-Sonate“, die aber auf einer eigentlich ironischen Aussage Beethovens basiert. Erklärungshilfen lassen sich somit nicht ableiten.

      Also kein Sturm. Was nun? Ist meine Vorstellung, dass der 3. Satz auch "stürmisch" klingen müsse, demnach falsch? Wer bringt Licht in das Dunkel?

      Gruß, Cosima :)
    • Original von Cosima
      Nachtrag:

      Ich erkenne gerade einen wahrscheinlichen Irrtum meinerseits: Die Assoziation mit meteorologischen, tonmalerischen Gegebenheiten (also: Sturm) scheint falsch zu sein. Das Missverständnis beruht hierauf: Beethoven habe, befragt nach dem Schlüssel zu der Sonate, erwidert: „Lesen Sie nur Shakespeares Sturm!“ Daher stammt die Bezeichnung „Sturm-Sonate“, die aber auf einer eigentlich ironischen Aussage Beethovens basiert. Erklärungshilfen lassen sich somit nicht ableiten.

      Also kein Sturm. Was nun? Ist meine Vorstellung, dass der 3. Satz auch "stürmisch" klingen müsse, demnach falsch? Wer bringt Licht in das Dunkel?

      Gruß, Cosima :)


      @Cosima,

      das ist das Diabolische an diesen Beinamen bei derartigen Werken. Sie können in die falsche gedankliche Richtung führen.
      Vielleicht kannst Du ja noch etwas zur Entstehung der Sonate hier erläutern.

      Interessant ist Beethoven's Hinweis auf Shakespeares der Sturm in so weit, dass es Shakespears letzes Theaterstück gilt.

      Nun, stellen sich die Fragen:

      1) empfand Beethoven das Werk derart vollendet, dass es sich mit Shakespeares "Genius" vergleichen wollte bzw. in seiner Kunst als "equivalent" empfand?

      oder

      2) bezieht er sich auf diese "These" ...


      In der Hauptfigur Prospero wird gerne Shakespeare selbst gesehen, der am Ende seiner Schaffenszeit seiner „Zaubermacht“ entsagt
      (Quelle: Wikipedia)

      und fürchtete ähnliches?

      Wahrscheinlich ist es hier wichtig in welcher emotionalen und gesundheitlichen Phase Beethoven sich zu dieser Zeit empfand.
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Cosima
      Nachtrag:

      Ich erkenne gerade einen wahrscheinlichen Irrtum meinerseits: Die Assoziation mit meteorologischen, tonmalerischen Gegebenheiten (also: Sturm) scheint falsch zu sein. Das Missverständnis beruht hierauf: Beethoven habe, befragt nach dem Schlüssel zu der Sonate, erwidert: „Lesen Sie nur Shakespeares Sturm!“ Daher stammt die Bezeichnung „Sturm-Sonate“, die aber auf einer eigentlich ironischen Aussage Beethovens basiert. Erklärungshilfen lassen sich somit nicht ableiten.

      Also kein Sturm. Was nun? Ist meine Vorstellung, dass der 3. Satz auch "stürmisch" klingen müsse, demnach falsch? Wer bringt Licht in das Dunkel?

      Gruß, Cosima :)


      @Cosima,

      das ist das Diabolische an diesen Beinamen bei derartigen Werken. Sie können in die falsche gedankliche Richtung führen.
      Vielleicht kannst Du ja noch etwas zur Entstehung der Sonate hier erläutern.

      Interessant ist Beethoven's Hinweis auf Shakespeares der Sturm in so weit, dass es Shakespears letzes Theaterstück gilt.

      Nun, stellen sich die Fragen:

      1) empfand Beethoven das Werk derart vollendet, dass es sich mit Shakespeares "Genius" vergleichen wollte bzw. in seiner Kunst als "equivalent" empfand?

      oder

      2) bezieht er sich auf diese "These" ...


      In der Hauptfigur Prospero wird gerne Shakespeare selbst gesehen, der am Ende seiner Schaffenszeit seiner „Zaubermacht“ entsagt
      (Quelle: Wikipedia)

      und fürchtete ähnliches?

      Wahrscheinlich ist es hier wichtig in welcher emotionalen und gesundheitlichen Phase Beethoven sich zu dieser Zeit empfand.
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Übrigends schrieb Czerny:


      „Diese Sonate ist vollkommen. Die Einheit der Idee und des tragischen Charakters, die, durch keine Episode gestörte Kunstform, das Romantisch-pittoreske des ganzen Tongemäldes werden nie verfehlen, die größte Wirkung zu machen, wenn die Fantasie des Spielers mit seiner Kunstfertigkeit auf gleich hoher Stufe steht.“
      (Quelle: Wikipedia)


      Dies sollte man beim hören der verschiedenen Aufnahmen denke ich berücksichtigen....
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Übrigends schrieb Czerny:


      „Diese Sonate ist vollkommen. Die Einheit der Idee und des tragischen Charakters, die, durch keine Episode gestörte Kunstform, das Romantisch-pittoreske des ganzen Tongemäldes werden nie verfehlen, die größte Wirkung zu machen, wenn die Fantasie des Spielers mit seiner Kunstfertigkeit auf gleich hoher Stufe steht.“
      (Quelle: Wikipedia)


      Dies sollte man beim hören der verschiedenen Aufnahmen denke ich berücksichtigen....
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Hallo Cosima,

      ich möchte noch auf zwei Dinge hinweisen, die bei der Interpretation dieser Sonate und somit bei der Beurteilung von Wichtigkeit sind.

      1. Im ersten Satz gibt es von T.143-158 eine Stelle, die Beethoven mit Largo - con gran espressione e semplice überschrieben hat und alles soll mit einem Pedal gespielt werden. Unterbrochen wird diese Stelle einmal durch einen viertaktigen Allegro-Einschub. Nimmt man Beethovens Vorschrift ernst, muss der Spieler 5 bzw. 4 Takte das Pedal gedrückt halten, wobei die Töne ineinander verschwimmen, was einen besonderen Effekt ergibt, alles klingt sehr geheimnisvoll. Backhaus, Kempff und viele anderen ignorieren Beethovens Pedalvorschriften, am schönsten = richtigsten interpretieren dies Hans Richter-Haaser (der vielen Musikfreunden heute leider nicht mehr bekannt ist), Schnabel und Arrau diese Stelle.

      2. Die Sechzehntel-Noten des Themas am Anfang sind so zu betonen: tatátatam
      tatátatam....also die 2. Note betont und nicht, wie man es auch hören kann: tátatata tátatatam, die erste, das bringt das Metrum aus dem Fluss.

      Hört bitte mal Eure Aufnahmen daraufhin ab. Aud weitere Diskussion hier würde ich mich freuen.

      Gruß Bernd
    • Hallo Cosima,

      ich möchte noch auf zwei Dinge hinweisen, die bei der Interpretation dieser Sonate und somit bei der Beurteilung von Wichtigkeit sind.

      1. Im ersten Satz gibt es von T.143-158 eine Stelle, die Beethoven mit Largo - con gran espressione e semplice überschrieben hat und alles soll mit einem Pedal gespielt werden. Unterbrochen wird diese Stelle einmal durch einen viertaktigen Allegro-Einschub. Nimmt man Beethovens Vorschrift ernst, muss der Spieler 5 bzw. 4 Takte das Pedal gedrückt halten, wobei die Töne ineinander verschwimmen, was einen besonderen Effekt ergibt, alles klingt sehr geheimnisvoll. Backhaus, Kempff und viele anderen ignorieren Beethovens Pedalvorschriften, am schönsten = richtigsten interpretieren dies Hans Richter-Haaser (der vielen Musikfreunden heute leider nicht mehr bekannt ist), Schnabel und Arrau diese Stelle.

      2. Die Sechzehntel-Noten des Themas am Anfang sind so zu betonen: tatátatam
      tatátatam....also die 2. Note betont und nicht, wie man es auch hören kann: tátatata tátatatam, die erste, das bringt das Metrum aus dem Fluss.

      Hört bitte mal Eure Aufnahmen daraufhin ab. Aud weitere Diskussion hier würde ich mich freuen.

      Gruß Bernd
    • Original von Amadé

      1. Im ersten Satz gibt es von T.143-158 eine Stelle, die Beethoven mit Largo - con gran espressione e semplice überschrieben hat und alles soll mit einem Pedal gespielt werden.

      2. Die Sechzehntel-Noten des Themas am Anfang sind so zu betonen: tatátatam
      tatátatam....also die 2. Note betont und nicht, wie man es auch hören kann: tátatata tátatatam, die erste, das bringt das Metrum aus dem Fluss.



      Lieber Amadé,
      sehr richtig ist Dein Hinweis zum Pedal an besagter Stelle im ersten Satz. Um es noch zu präzisieren: neben dem Bleifuß-Pedal rechts steht da auch noch "una corda", und darüber muss man noch mehr diskutieren als über das rechte Pedal, denn beim Hammerklavier bedeutet "una corda" eben wirklich, dass beim drücken des linken Pedals nur eine Saite angeschlagen wird (nicht wie beim modernen Flügel zwei, was einen sehr viel kleineren Klangunterschied bewirkt). Beim Hammerflügel ist der Klang also sehr dünn, mit deutlich anderer Klangfarbe. Ich weiss, wr hatten die Diskussion, aber es ist wert, hier neu besprochen zu werden. Wie Beethoven nun der moderne Flügel gefallen hätte, können wir nur mutmaßen. Sicher ist aber, dass er hier diesen Klang wollte, und den kann man so zwar nur auf dem Hammerflügel erzeugen, man kann aber shr wohl versuchen, auf dem heutigen Flügel an dieses Klangideal heranzukommen, indem man besonders pp spielt und auch die staccati ernst nimmt, die im Pedal auch anders klingen als ein Legato.

      Zu Deiner zweiten Anmerkung:
      welchen Satz meinst Du? Den dritten? im ersten sind keine Sechzehntel, deshalb war ich etwas verwundert... Falls es sich auf den dritten bezieht: es ist einfach nur stümperhaft, falls tatsächlich auf dem ersten Sechzehntel betont würde. Auch würde s ein mangelhaftes Lesen des Notentextes verraten, denn iun der Durchführung gibt es Stellen, an denen Beethovenm bewusst eine Abweichung mit einer Betonung auf dem zweiten (!) Sechzehntel notiert (falls mein Urtext wirklich ein Urtext ist...).
      Doch genauer: das Stück beginnt ja nicht volltaktig, sondern mit drei Auftakt-Sechzehnteln (sonst ist es verwirrend, weil man ja grundsätzlich schn auf die Eins betont). Bei diesen Auftakttönen ist es weniger so, dass davon überhaupt etwas richtig betont wird, sondern so, dass die eher auf das nachfolgende, auf Zählzeit Eins des Dreiachteltaktes stehende Achtel ZIELEN sollten, statt dass eine Binnenbetonung wirklich nötig wäre. Ergo wäre eigentlich richtig, leise anzufanen und ein ganz kleines schwungvolles Crescendo (sehr minim! Kaum hörbar) hin zur Zähleit Eins zu machen. Ob man das wirklich hören kann? Zu blöd, dass ich keine einzige Aufnahme mehr davon habe... Obwohl die Sonate wunderbar ist.
      Was die ganzen Assoziationen mit den Beinamen betrifft: hier sollte man möglichst alles vergessen, was einem da spontan einfällt. Der erste Satz weckt natürlich diese Eindrücke, weil wir hier diese stark kontrastierenden Elemente mit den wechselnden extremen Tempi haben. Worauf sich das genau bei Shakespeares Sturm beziehen soll, ist nun tatsächlich eine gute Frage. Beethoven wird sich wohl eher nicht mit dem alten Shakespeare verglichen haben...
      Tempo: der dritte Satz ist nur mit Allegretto überschrieben daher sicherlich kein Presto. Dieses Treiben kommt ebenfalls von er falschen Assoziation, der die Pianisten ebenso aufliegen wie dann logischerweise der Hörer. Beim dritten Satz muss man besonders arauf achten, ob die kontrastierenden dynamischen Details wirklich gut hörbar sind. In Beethovens Notntext gibt es zwar viele Crescendi, aber kaum Decrescendi, also müsste streng nach Text oft piano fast unvermittelt nach einem kräftigen forte kommen. Die meisten Pinisten müssen das aber immer glätten, weil es ihnen sonst nicht weich genug ist. Wäre interessant, ob es hier tatsächlich einen mehr am Notentext orientierten Ansatz gibt.

      Herzliche Grüße,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Original von Amadé

      1. Im ersten Satz gibt es von T.143-158 eine Stelle, die Beethoven mit Largo - con gran espressione e semplice überschrieben hat und alles soll mit einem Pedal gespielt werden.

      2. Die Sechzehntel-Noten des Themas am Anfang sind so zu betonen: tatátatam
      tatátatam....also die 2. Note betont und nicht, wie man es auch hören kann: tátatata tátatatam, die erste, das bringt das Metrum aus dem Fluss.



      Lieber Amadé,
      sehr richtig ist Dein Hinweis zum Pedal an besagter Stelle im ersten Satz. Um es noch zu präzisieren: neben dem Bleifuß-Pedal rechts steht da auch noch "una corda", und darüber muss man noch mehr diskutieren als über das rechte Pedal, denn beim Hammerklavier bedeutet "una corda" eben wirklich, dass beim drücken des linken Pedals nur eine Saite angeschlagen wird (nicht wie beim modernen Flügel zwei, was einen sehr viel kleineren Klangunterschied bewirkt). Beim Hammerflügel ist der Klang also sehr dünn, mit deutlich anderer Klangfarbe. Ich weiss, wr hatten die Diskussion, aber es ist wert, hier neu besprochen zu werden. Wie Beethoven nun der moderne Flügel gefallen hätte, können wir nur mutmaßen. Sicher ist aber, dass er hier diesen Klang wollte, und den kann man so zwar nur auf dem Hammerflügel erzeugen, man kann aber shr wohl versuchen, auf dem heutigen Flügel an dieses Klangideal heranzukommen, indem man besonders pp spielt und auch die staccati ernst nimmt, die im Pedal auch anders klingen als ein Legato.

      Zu Deiner zweiten Anmerkung:
      welchen Satz meinst Du? Den dritten? im ersten sind keine Sechzehntel, deshalb war ich etwas verwundert... Falls es sich auf den dritten bezieht: es ist einfach nur stümperhaft, falls tatsächlich auf dem ersten Sechzehntel betont würde. Auch würde s ein mangelhaftes Lesen des Notentextes verraten, denn iun der Durchführung gibt es Stellen, an denen Beethovenm bewusst eine Abweichung mit einer Betonung auf dem zweiten (!) Sechzehntel notiert (falls mein Urtext wirklich ein Urtext ist...).
      Doch genauer: das Stück beginnt ja nicht volltaktig, sondern mit drei Auftakt-Sechzehnteln (sonst ist es verwirrend, weil man ja grundsätzlich schn auf die Eins betont). Bei diesen Auftakttönen ist es weniger so, dass davon überhaupt etwas richtig betont wird, sondern so, dass die eher auf das nachfolgende, auf Zählzeit Eins des Dreiachteltaktes stehende Achtel ZIELEN sollten, statt dass eine Binnenbetonung wirklich nötig wäre. Ergo wäre eigentlich richtig, leise anzufanen und ein ganz kleines schwungvolles Crescendo (sehr minim! Kaum hörbar) hin zur Zähleit Eins zu machen. Ob man das wirklich hören kann? Zu blöd, dass ich keine einzige Aufnahme mehr davon habe... Obwohl die Sonate wunderbar ist.
      Was die ganzen Assoziationen mit den Beinamen betrifft: hier sollte man möglichst alles vergessen, was einem da spontan einfällt. Der erste Satz weckt natürlich diese Eindrücke, weil wir hier diese stark kontrastierenden Elemente mit den wechselnden extremen Tempi haben. Worauf sich das genau bei Shakespeares Sturm beziehen soll, ist nun tatsächlich eine gute Frage. Beethoven wird sich wohl eher nicht mit dem alten Shakespeare verglichen haben...
      Tempo: der dritte Satz ist nur mit Allegretto überschrieben daher sicherlich kein Presto. Dieses Treiben kommt ebenfalls von er falschen Assoziation, der die Pianisten ebenso aufliegen wie dann logischerweise der Hörer. Beim dritten Satz muss man besonders arauf achten, ob die kontrastierenden dynamischen Details wirklich gut hörbar sind. In Beethovens Notntext gibt es zwar viele Crescendi, aber kaum Decrescendi, also müsste streng nach Text oft piano fast unvermittelt nach einem kräftigen forte kommen. Die meisten Pinisten müssen das aber immer glätten, weil es ihnen sonst nicht weich genug ist. Wäre interessant, ob es hier tatsächlich einen mehr am Notentext orientierten Ansatz gibt.

      Herzliche Grüße,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Original von Satie
      Lieber Amadé,
      sehr richtig ist Dein Hinweis zum Pedal an besagter Stelle im ersten Satz. Um es noch zu präzisieren: neben dem Bleifuß-Pedal rechts steht da auch noch "una corda", und darüber muss man noch mehr diskutieren als über das rechte Pedal, denn beim Hammerklavier bedeutet "una corda" eben wirklich, dass beim drücken des linken Pedals nur eine Saite angeschlagen wird (nicht wie beim modernen Flügel zwei, was einen sehr viel kleineren Klangunterschied bewirkt). Beim Hammerflügel ist der Klang also sehr dünn, mit deutlich anderer Klangfarbe. Ich weiss, wr hatten die Diskussion, aber es ist wert, hier neu besprochen zu werden. Wie Beethoven nun der moderne Flügel gefallen hätte, können wir nur mutmaßen. Sicher ist aber, dass er hier diesen Klang wollte, und den kann man so zwar nur auf dem Hammerflügel erzeugen, man kann aber shr wohl versuchen, auf dem heutigen Flügel an dieses Klangideal heranzukommen, indem man besonders pp spielt und auch die staccati ernst nimmt, die im Pedal auch anders klingen als ein Legato.


      Da wäre es natürlich höchst interessant die Sonate auf dem Hammerklavier zu hören.
      Kennt jemand die Aufnahme von Ronald Brautigam mit dieser Sonate?

      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Satie
      Lieber Amadé,
      sehr richtig ist Dein Hinweis zum Pedal an besagter Stelle im ersten Satz. Um es noch zu präzisieren: neben dem Bleifuß-Pedal rechts steht da auch noch "una corda", und darüber muss man noch mehr diskutieren als über das rechte Pedal, denn beim Hammerklavier bedeutet "una corda" eben wirklich, dass beim drücken des linken Pedals nur eine Saite angeschlagen wird (nicht wie beim modernen Flügel zwei, was einen sehr viel kleineren Klangunterschied bewirkt). Beim Hammerflügel ist der Klang also sehr dünn, mit deutlich anderer Klangfarbe. Ich weiss, wr hatten die Diskussion, aber es ist wert, hier neu besprochen zu werden. Wie Beethoven nun der moderne Flügel gefallen hätte, können wir nur mutmaßen. Sicher ist aber, dass er hier diesen Klang wollte, und den kann man so zwar nur auf dem Hammerflügel erzeugen, man kann aber shr wohl versuchen, auf dem heutigen Flügel an dieses Klangideal heranzukommen, indem man besonders pp spielt und auch die staccati ernst nimmt, die im Pedal auch anders klingen als ein Legato.


      Da wäre es natürlich höchst interessant die Sonate auf dem Hammerklavier zu hören.
      Kennt jemand die Aufnahme von Ronald Brautigam mit dieser Sonate?

      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • @ Satie

      Du hast natürlich recht, ich meinte ad 2. den 3.SAtz, hatte ich vergessen zu anzumerken, Kenner merken das jedoch sofort.
      ad 1.: Deine ausführlichen Anmerkungen zum Pedalgebrauch sind (vielleicht) nicht ganz korrekt. Du schreibst Beethoven hat neben dem Liegepedal auch noch una corda, also die Verschiebung durch das linke Pedal notiert. Das irritiert mich doch, in meinen beiden Ausgaben von Wallner (Henle) und Hoehn (Schott) - zwar nicht mehr die allerneuesten, steht nirgends una corda vermerkt. Hast Du eine AUsgabe auf dem neuesten musikwissenschaftlichen Stand, die dies so angibt? Vielleicht kannst Du besser als ich hier in Berlin in einer guten Musikalienhandlung neuere Ausgaben durchsehen, das würde mich sehr interessieren, ob es da neuere Erkenntniss gibt. Es ist schon von Bedeutung ob nur das rechte oider beide Pedale zu treten sind.

      @ Rachmaninov

      Die neue BRautigam CD wird schon von mir erwartet, ich kenne sie jedoch noch nicht. Die bisherigen CDs sind alle sehr aufschlussreich und mit Gewinn anzuhören.

      Gruß Bernd
    • @ Satie

      Du hast natürlich recht, ich meinte ad 2. den 3.SAtz, hatte ich vergessen zu anzumerken, Kenner merken das jedoch sofort.
      ad 1.: Deine ausführlichen Anmerkungen zum Pedalgebrauch sind (vielleicht) nicht ganz korrekt. Du schreibst Beethoven hat neben dem Liegepedal auch noch una corda, also die Verschiebung durch das linke Pedal notiert. Das irritiert mich doch, in meinen beiden Ausgaben von Wallner (Henle) und Hoehn (Schott) - zwar nicht mehr die allerneuesten, steht nirgends una corda vermerkt. Hast Du eine AUsgabe auf dem neuesten musikwissenschaftlichen Stand, die dies so angibt? Vielleicht kannst Du besser als ich hier in Berlin in einer guten Musikalienhandlung neuere Ausgaben durchsehen, das würde mich sehr interessieren, ob es da neuere Erkenntniss gibt. Es ist schon von Bedeutung ob nur das rechte oider beide Pedale zu treten sind.

      @ Rachmaninov

      Die neue BRautigam CD wird schon von mir erwartet, ich kenne sie jedoch noch nicht. Die bisherigen CDs sind alle sehr aufschlussreich und mit Gewinn anzuhören.

      Gruß Bernd
    • Hallo!

      Vielen Dank für die vielen interessanten Hinweise. Ich stecke allerdings zu wenig in der Materie, um auf Anhieb etwas dazu sagen zu können.

      Das Rätsel um den Beinamen werden wir wohl nicht lösen können. Dies hier dazu: (es sagt im Grunde nur aus, dass alles Spekulation ist)

      Beethoven hat das Werk keineswegs als >>Sturm-Sonate<< bezeichnet, was viele allzu wilde und tempestuose Assoziationen nahelegt. Auf Schindlers Frage nach dem Schlüssel für Opus 31 Nr. 2 orakelte Beethoven vielmehr> >>Lesen Sie Shakespeares >Sturm<!<<

      Was verrät nun die Leküre des >Sturm<? Shakespeares letztes Drama hebt zwar stürmisch an, aber es beginnt eigentlich doch da, wo die großen Tragödien sonst enden: nämlich nach blutigen Auseinandersetzungen und Vertreibungen. Der >Sturm< ist keine Tragödie amoklaufender mächtiger Individuen mehr, sondern das muskerfüllteste Stück Shakespeares. Überall klingt und singt es auf der Zauberinsel; ausgerechnet das Untier Caliban preist sehnsüchtig Ton und Traum; ein verbannter, gelehrter Herzog besitzt Zauberstab, Zaubermantel und Zauberkünste: im Schlußakt resigniert Prospero, auf Gnade hoffend; und der seelenlose Luftgeist Ariel geht wieder in die Elemente ein...Dies etwa läßt sich aus dem >Sturm<-Märchen herauslesen, das übrigens den shakespeare-beflissenen Theaterdirektor Schikaneder zur >Zauberflöten<-Dichtung anregte...

      Wie nahe liegt es, die Rätsel der Rezitativ-Sonate mit der Magie des >Sturms< in Beziehung zu setzen? Selbst der strenge Musiker und Analytiker Donald Francis Tovey räumt ein, es schade hier nicht, gelegentlich an Shakespeare zu denken. Im übrigen: daß exakte Beziehungen zwischen zwei Werken -- über die Jahrhunderte und die Gattungen hinweg -- nicht objektiv >>belegbar<< sein können und daß hinzuspekulierte Übereinstimmungen bestimmt nicht helfen, spezifische musikalisch-interpretatorische Probleme zu lösen, dies ist ebenso wahr wie trivial. Müssen darum wirklich alle Musikfreunde und Skespeare-Bewunderer, zumal wenn sie den >Sturm< gelesen haben, es sich nun versagen, gleichwohl ein wenig über derartige >>Beziehungen<< nachzusinnen, nachdem immerhin Beethoven selber die Phantasie der Nachgeborenen in diese Richtung wies?" (Kaiser: 305 - 306).

      (Quelle: raptusassociation.org/son17g.html)


      Gruß, Cosima
    • Hallo!

      Vielen Dank für die vielen interessanten Hinweise. Ich stecke allerdings zu wenig in der Materie, um auf Anhieb etwas dazu sagen zu können.

      Das Rätsel um den Beinamen werden wir wohl nicht lösen können. Dies hier dazu: (es sagt im Grunde nur aus, dass alles Spekulation ist)

      Beethoven hat das Werk keineswegs als >>Sturm-Sonate<< bezeichnet, was viele allzu wilde und tempestuose Assoziationen nahelegt. Auf Schindlers Frage nach dem Schlüssel für Opus 31 Nr. 2 orakelte Beethoven vielmehr> >>Lesen Sie Shakespeares >Sturm<!<<

      Was verrät nun die Leküre des >Sturm<? Shakespeares letztes Drama hebt zwar stürmisch an, aber es beginnt eigentlich doch da, wo die großen Tragödien sonst enden: nämlich nach blutigen Auseinandersetzungen und Vertreibungen. Der >Sturm< ist keine Tragödie amoklaufender mächtiger Individuen mehr, sondern das muskerfüllteste Stück Shakespeares. Überall klingt und singt es auf der Zauberinsel; ausgerechnet das Untier Caliban preist sehnsüchtig Ton und Traum; ein verbannter, gelehrter Herzog besitzt Zauberstab, Zaubermantel und Zauberkünste: im Schlußakt resigniert Prospero, auf Gnade hoffend; und der seelenlose Luftgeist Ariel geht wieder in die Elemente ein...Dies etwa läßt sich aus dem >Sturm<-Märchen herauslesen, das übrigens den shakespeare-beflissenen Theaterdirektor Schikaneder zur >Zauberflöten<-Dichtung anregte...

      Wie nahe liegt es, die Rätsel der Rezitativ-Sonate mit der Magie des >Sturms< in Beziehung zu setzen? Selbst der strenge Musiker und Analytiker Donald Francis Tovey räumt ein, es schade hier nicht, gelegentlich an Shakespeare zu denken. Im übrigen: daß exakte Beziehungen zwischen zwei Werken -- über die Jahrhunderte und die Gattungen hinweg -- nicht objektiv >>belegbar<< sein können und daß hinzuspekulierte Übereinstimmungen bestimmt nicht helfen, spezifische musikalisch-interpretatorische Probleme zu lösen, dies ist ebenso wahr wie trivial. Müssen darum wirklich alle Musikfreunde und Skespeare-Bewunderer, zumal wenn sie den >Sturm< gelesen haben, es sich nun versagen, gleichwohl ein wenig über derartige >>Beziehungen<< nachzusinnen, nachdem immerhin Beethoven selber die Phantasie der Nachgeborenen in diese Richtung wies?" (Kaiser: 305 - 306).

      (Quelle: raptusassociation.org/son17g.html)


      Gruß, Cosima