Don Carlos - eine vollkommene Oper

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    • Don Carlos - eine vollkommene Oper

      In diesem Thread möchte ich gerne über eine meiner absoluten Lieblingsopern diskutieren: Don Carlos. Ich glaube, ich besitze von keinem anderen Werk so viele Einspielungen wie von diesem faszinierenden, vielschichtigen Drama über Einsamkeit, Freundschaft, unerwiderter Liebe und absoluter Macht.
      Staatsräson als oberste Pflicht und Kirche töten denjenigen, der sich ihnen beugt, psychisch, den, der sich ihnen widersetzt, physisch.
      Konsequenter Weise wird jede Hoffnung erstickt, jedes Wünschen bleibt unerfüllt. Augenblicken des Glücks folgt sofort die Ernüchterung.

      Den hohen Stellenwert, den diese Oper in Wien hat, zeigt sich an der Tatsache, dass sie als einziges Werk im Haus am Ring in zwei verschiedenen Inszenierungen und Fassungen zu sehen ist. Da gibt's einerseits die schon etwas angestaubte aber immer noch funktionelle alte Inszenierung der italienischen Version (die aber auch bereits unter Weglassung des Fontainebleau-Bilds gespielt wird - teilweise etwas lächerlich mit Ketzern auf fahrbaren Kreuzen) und andererseits die ungestrichene französische Originalfassung in der spannenden Konwitschny-Inszenierung von 2004 (auch als CD erhältlich).

      Verdi benützt in dieser Oper nur äußerlich die Form der Grande Opera, um in Wirklichkeit Seelendramen von immenser Dichte und nie da gewesener Intensität zu erreichen. Denn während bei den meisten Opern nur wenige Figuren wirklich ausgeleuchtet werden, (wen interessieren schon Massetto, Oroveso, Gilda, Trovatore-Leonora, Desdemona oder Alvise Badoero, um bei den spannenden Opern bleiben. Opern von Puccini oder Strauss mag ich aufgrund ihrer langeweiligen, uninteressanten Charaktere und der larmoyanten Musik bis auf wenige Ausnahmen - Il Tabarro, Salome, Frau ohne Schatten- generell nicht) entwirft Verdi hier komplexe Bilder und Verflechtungen von sechs Personen und selbst dem Mönch als 7. Protagonisten gibt Verdi ein scharfes, unverwechselbares Profil. Ähnliches gelingt nur Mozart mit Nozze di figaro.

      Gleichzeitig setzt Verdi ein politisches und menschliches Manifest für Freiheit und Toleranz und gegen Tyrannentum sowohl in politischer als auch klerikaler Hinsicht (der Tyrann Philipp hat Posa als Antipoden, der Großinquisitor den geheimnisvollen Mönch). In dieser Hinsicht gleicht Don Carlos einem weiteren Geniestreich Verdis, dem Simon Boccanegra. Obwohl beide Opern in der Vergangenheit angesiedelt sind, zeigen sie doch ganz deutlich Menschen des 19. Jahrhunderts (Posa hätte wohl keine Stunde an Philipps Hof überlebt, und in Simones Rede für Toleranz, Liebe und Freiheit spricht wohl Verdi selbst).
      Viel wichtiger scheint mir aber, dass Verdis Anliegen auch heute noch so aktuell sind wie vor 150 Jahren.

      Eine der großen Versäumnisse der Plattengeschichte ist, dass die Callas keine Don Carlos-Aufnahme hinterlassen hat. Aber es gibt immerhin eine Aufnahme der Elisabetharie und - und da habe ich gestaunt: Oh don fatale! Dass beide Aufnahmen überwältigend sind, versteht sich bei der Callas ja beinahe von selbst.

      Aber auch sonst finde ich die Zahl der interessanten bis gelungenen Carlos - Einspielungen- und Mitschnitte recht beeindruckend. Ich kenne eigentlich nur eine einzige Aufnahme, die ich als völlig misslungen und indiskutabel bewerten würde und bei der ich bereue, sie gekauft zu haben. Müßte ich eine Entscheidung um die beste Aufnahme treffen (was mir zugegebener Maßen schwer fallen würde), würde ich mich für den Scala-Mitschnitt 1978 unter Abbado mit zum Teil ungewöhnlicher Besetzung entscheiden.

      Ich erwarte mit Spannung eure Don Carlos-Eindrücke.

      Liebe Grüße


      Werner
    • RE: Don Carlos - eine vollkommene Oper

      Original von manrico

      [...]

      Aber auch sonst finde ich die Zahl der interessanten bis gelungenen Carlos - Einspielungen- und Mitschnitte recht beeindruckend. Ich kenne eigentlich nur eine einzige Aufnahme, die ich als völlig misslungen und indiskutabel bewerten würde und bei der ich bereue, sie gekauft zu haben. Müßte ich eine Entscheidung um die beste Aufnahme treffen (was mir zugegebener Maßen schwer fallen würde), würde ich mich für den Scala-Mitschnitt 1978 unter Abbado mit zum Teil ungewöhnlicher Besetzung entscheiden.

      Ich erwarte mit Spannung eure Don Carlos-Eindrücke.

      Liebe Grüße


      Werner


      Hallo Werner,

      nachdem ich seit vielen Jahren diese hier besitze



      (ich meine mein Vater hatte sie mir empfohlen), aber eher nur sehr selten auch nur auszugsweise reingehört habe, habe ich bei meinem letzten Besuch im "Kulturkaufhaus" spontan in zwei weitere Aufnahmen reingehört:



      Ich muss zugeben, dass ich mit der französischen Fassung so meine Schwierigkeiten hatte, die Aufnahme unter Santini hat mir beim kurzen querhören so gut gefallen, dass ich sie mitgenommen habe. Und auch komplett war ich nicht enttäuscht. Allerdings habe ich auch sonst keine weiteren Vergleichsmöglichkeiten bei dieser Oper.

      Ich nehme an, bei der Abbado-Einspielung handelt es sich um die italienische Fassung? Wie hältst Du es mit der französischen?

      In jedem Fall hat diese Oper in meiner lockeren Opern-Reihenfolge ein paar Plätze gut gemacht.

      Grüße,
      Wolfgang
      Wir sollten uns nicht brüsten, der Gipfel der Evolution zu sein, sondern uns daran freuen, eine Art Freak der Natur zu sein.
      So etwas wie uns wird die Evolution nie wieder hervorbringen. (Paul Sereno, Paläontologe)
    • Die Don Carlos - Fassungen

      Hallo Wolfgang !

      Also, ich glaube, dass ich den Don Carlos ja einiger Maßen gut kenne, aber wie viele Fassungen es gibt, kann ich auch nicht sagen.

      Die Giulini - Aufnahme ist jedenfalls eine italienische Fassung in 5 Akten, das heisst, Giulini hat den Strich des 1. Aktes wieder aufgemacht, so wie er es in seiner sensationellen Arbeit in London 1958 gemacht hat. Hier erklingt zum ersten Mal das Motiv (De quel transport), das in der Oper immer wieder als Reminiszenz auftaucht. Ohne diesen Akt macht das Motiv im weiteren Verlauf keinen Sinn.
      Beide Male hat Giulini ein exquisites Ensemble. Die Caballe als Elisabeth finde ich ehrlich gestanden zu distanziert, vor allem im letzten Bild, aber man hört, dass hier sehr sorgfältig gearbeitet wurde. Domingo liefert für meinen Begriff neben der Giovanna d'Arco eines seiner besten Rollenportraits, die Stimme der Verrett habe ich immer als äußerst attraktiv empfunden (besonders in Meyerbeers L'Africaine - eine Rolle, der die Caballe z.B. mit völligem Unverständnis begegnet) und Milnes hat einen absolut prächtigen Bariton.

      Santini spielt die lange Zeit übliche Fassung ohne Fontainebleau-Akt. Auch er hat zumindest zum Teil die Großen seiner Zeit zur Verfügung: Boris Christoff als Philipp und Giulio Neri als Großinquisitor. Die Auseinandersetzung der beiden jagt einem kalte Schauer über den Rücken. Bei Tito Gobbi bin ich ein wenig gespalten: Ja, er ist ein großer Darsteller, seine Leistungen (vor allem sein Simon Boccanegra oder sein Scarpia sind besondere Kunststücke) und doch kann ich mich für seine Stimme nicht so recht erwärmen. Als Posa mag ich ihn allerdings.

      Die französische Fassung, die du ansprichst, ist ein Live-Mitschnitt aus Wien. Nachdem ich diese Inszenierung selbst in heller Begeisterung gesehen habe, habe ich natürlich auch eine besondere Beziehung zu dieser Fassung. Sie ist die umfangreichste, die meines Wissens je produziert wurde und nachdem Don Carlos eine meiner absoluten Lieblingsopern ist, freu ich mich natürlich über jeden Takt mehr. Ich gebe aber durchaus zu, dass hier manche Stellen etwas sperrig sind (quasi Don Carlos für Fortgeschrittene). Die Großleistung hier ist für mich allerdings das Kerkerbild. Hier passieren zwei entscheidende Dinge:
      1. Das Duett Philipp - Don Carlos: Die Streichung dieser wunderschönen Totenklage habe ich nie verstanden. Außerdem finde ich diese Szene auch von dramaturgischer Wichtigkeit: Nur hier über der Leiche des gemeinsamen toten Freundes finden Vater und Sohn zusammen. Aber auch hier sind ihre Stimmen nicht parallel geführt.
      2. Der Aufstand: Auch die Öffnung dieses Strichs ist von großer Wichtigkeit. Hier wird klar, dass Eboli das Volk aufgestachelt und an die Gefängnismauer geführt hat, um die Befreiung Carlos zu bewirken, quasi als letzten Liebesdienst, bevor sie sich der Welt durch ihren Gang ins Kloster entzieht. Bei dieser Szene hat Konwitschny allerdings sehr konsequent weitergedacht: Eboli entkommt den Schergen des Großinquisitors nicht: Sie wird getötet, nachdem sie Carlos befreit hat,noch bevor sie sich in den schützenden Bereich des Klosters, der dem Großinquisitor offensichtlich nicht zugänglich ist, flüchten kann.

      Musikalisch völlig anders (und weniger straff aber sehr interessant) ist auch die Auseinandersetzung Philipp Posa. Verdi hat diese Passage völlig neu überarbeitet. Außerdem gibt's noch ein Duett Elisabetta/Eboli (eigentlich 2, aber das im Gartenbild ist sehr kurz), die Umänderung des Freundschaftsduetts, eine Umarbeitung des Quartetts (Ah, sia maledetto) und die Wiederherstellung der Holzfällerszene (die ich für wichtiger als die Jagdszene halte, denn nur dadurch erklärt sich, warum Elisabeth auf ihr privates Glück verzichtet).

      Also, für mich ist die französische Fassung schon sehr wichtig, aber, wie gesagt, sie ist sicherlich schwieriger zugänglich als italienische.

      Liebe Grüße


      Werner
    • Hallo Nikolaus!

      Jetzt haben sich unsere Beiträge überschnitten:

      Ich geb dir absolut recht - eine sehr hörenswerte Einspielung. Allerdings unterscheidet sich auch diese Fassung von der Wiener Einspielung.
      Mir gefällt vor allem die Elisabeth der Karita Mattila. Die Arie im letzten Akt sehe ich als einen der entscheidenden Stellen für ihre Rolle: Mattila ist eine der wirklich ganz wenigen Sängerinnen, die das "riposo profondo" piano nimmt!! Und das ist so wichtig!!!!!
      Die meisten (vor allem die Freni, aber auch die Caballe) schaffen eben dieses piano nicht und erwecken eher die Toten als das sie ihnen ewige Ruhe gönnen.

      Die Meier wird wohl nie meine Lieblingssängerin werden (singt aber tadellos), und auch sonst ist der Rest der Besetzung ausgezeichnet - wie gesagt: ich finde, es gibt gerade vom Don Carlos eine ganze Reihe hervorragender Aufnahmen.

      Liebe Grüße


      Werner
    • RE: Die Don Carlos - Fassungen

      Hallo Werner,

      vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen. Ich denke, ich werde in jedem Fall bei der nächsten Gelegenheit noch mal etwas länger in eine der genannten französischen Fassungen reinhören - so Dussmann sie da hat.

      Ich werde mich dann bei Gelegenheit dazu melden.

      Viele Grüße,
      Wolfgang
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    • Nachdem ich ja am Samstag die Don Carlos Übertragung aus London gehört habe, ist mir wieder einmal aufgegangen, welch ein Meisterwerk diese Oper ist. Für mich in einem Atemzug mit Mozarts "Don Giovanni" zu nennen. Ich besitze ebenfalls die Aufnahme mit Domingo, die ich nach wie vor auch für die schönste halte.
      Bin immer noch auf der Suche nach einer guten DVS. Ich besitze den Amsterdamer Don Carlos mit Villazón in der Titelrolle und Violeta Umana als Eboli, aber so wirklich glücklich bin ich damit nicht: Elisabetta ist furchtbar, und Philipp seltsam blaß (für meinen Geschmack, da war Feruccio Furlanetto am Samstag eine ganz andre Hausnummer!). Allerdings ist Posa ziemlich klasse. Sehr gut gefällt mir die Regie von Willie Decker, die furchtbaren Kostüme mal ausgenommen.
      Warum treiben eigentlich alle Regisseure in letzter Zeit Carlos in den Selbstmord (in Amsterdam sowie auch hier in unserem Stadttheater) oder lassen ihn im Degenkampf umkommen (jetzt in London)? Bei Verdi steht nix von Selbstmord und auch nix von tödlichem Duell. Ist denen der geheimnisvolle Mönch, der Carlos ins Kloster zieht zu esoterisch?
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

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    • Don Carlos' Ende

      Hallo Solitaire!

      Regisseure nehmen es halt leider oft nicht so genau mit der Intention der Komponisten - und damit meine ich jetzt nicht moderne Inszenierungen sondern Sinnentstellungen. Wir haben in Wien seit Jahren eine selten hässliche "Puritani" Inszenierung laufen -irgendwas zwischen konservativ und einfallslos, mit Phanasiekostümen, wie sich John Dew halt hätte vorstellen können, dass die Puritaner ausgesehen haben hätten können - geschmacklos ohne Ende. Hier wird am Ende Arturo von Riccardo erstochen und Elvira zu "Ah sento, oh mio bel angelo" wieder wahnsinnig. Das macht wirklich keinen Sinn und entspricht weder dem Original noch der für Maria Malibran eingerichteten neapolitanischen Fassung.

      Beim Don Carlos liegt die Sache ein wenig anders:
      Von Don Carlos gibt es eine (für mich) nicht überblickbare Zahl an Fassungen, und auch am Finale hat Verdi immer wieder gearbeitet. Es gibt 3 verschiedene Fassungen des Finales: das bekannte mit der Entrückung Carlos ins Kloster, den Selbstmord Carlos, um sich den Schergen der Inquisition zu entziehen sowie die Übergabe Carlos an die Inquisition. Bei den beiden letzten Fassungen fällt der Auftritt des Mönches weg. Damit macht aber auch der Auftritt des Mönches im 2. (respektive 1.) Akt keinen Sinn mehr. Den Selbstmord halte ich für dramaturgisch am wenigsten spannend, weil doch sehr konventionell. Insofern ist die Übergabe des Carlos an die Inquisition der spannendere, härtere Schluss, wenn man die Mönchsszene für zu verklärend hält. Aber ein Selbstmord ist wahrscheinlich leichter in Szene zu setzen als die anderen beiden Lösungen.

      Apropos DVD: Ich weiss nicht, ob es eine DVD von der Wiener Produktion gibt, aber sie ist in jedem Fall sensationell (angeblich war sie jetzt im Juni zum allerletzten mal zu sehen - ein Umstand, den ich sehr bedaure).


      liebe Grüsse




      Werner
    • Hallo manrico!
      Ich wusste gar nicht, daß in den verschiedenen Fassungen auch der Schluß variiert. Danke für die Aufklärung!
      Aber wenn ich einen ganzen Opernabend lang mit Carlos mitgelitten habe, möchte ich ihn am Ende nicht der Inquisition und damit der Folter ausgeliefert sehen. Ich bin da phantasiebegabter, als meinem Nachtschlaf gut tut und kann dieses Ende schon Schiller nicht verzeihen X(. Da ist mir ja der Selbstmord noch lieber, obwohl ich den eigentlich für nicht sehr plausibel halte: ich hatte bisher immer den Eindruck, daß Carlos durch Posas Opfertod wachgerüttelt wird, und endlich sein Leben selbst in die Hand nimmt, egal was Papa sagt, allein schon, damit Posas Opfer nicht umsonst war. Bringt sich einer in solch einer Situation um? Obwohl: ehe die Inquisition einen in die Finger kriegt...von daher ist die Londoner Lösung vielleicht doch nicht die schlechteste: Carlos wehrt sich mit dem Degen, wird tödlich getroffen und hinauf geht’s zu den Engeln. Da kann er dann mit Posa auf einer Wolke sitzen und über Philipp herziehen. :J
      Du hast natürlich recht: die Schiller’sche Version wäre die härteste und die ehrlichste.
      Gruselig.
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      (Albus Dumbledore)

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    • RE: Don Carlos' Ende

      Original von manrico

      Apropos DVD: Ich weiss nicht, ob es eine DVD von der Wiener Produktion gibt, aber sie ist in jedem Fall sensationell (angeblich war sie jetzt im Juni zum allerletzten mal zu sehen - ein Umstand, den ich sehr bedaure).



      Hallo Solitaire und Werner,

      der "Wiener Don Carlo" ist Ende letzten Jahres endlich auf DVD herausgekommen:



      Für mich insgesamt gesehen eine der besten Opern-DVD wo gibt( na ja ok, von denen die ich kenne :D). Mag sein dass die eine oder andere Arie oder Duett auf einer anderen Aufnahme noch besser gelungen ist, aber der Gesamteindruck ist, wie Werner sagt, SENSATIONELL GUT :down

      :hello Jimi
    • Das ist doch mal eine Ansage, danke!
      Auch wenn ich mir einen Infanten von Spanien optisch irgendwie ein bißchen eleganter vorstelle als den knuffigen Ramón Vargas, aber da spricht eben die Tussi in mir :rofl
      Ich habe ihn in Köln in der Philharmonie gehört und fand ihn klasse :).
      Ich kann mich übrigens erinnern, Bo Skovus mal in Auszügen als Posa gesehen zu haben, er hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht war es sogar diese Produkton, die mal im Fernsehen lief.
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    • Original von Solitaire

      Auch wenn ich mir einen Infanten von Spanien optisch irgendwie ein bißchen eleganter vorstelle als den knuffigen Ramón Vargas, aber da spricht eben die Tussi in mir :rofl ...
      ... Vielleicht war es sogar diese Produkton, die mal im Fernsehen lief.


      Du wirst dich wundern, Ramon Vargas gibt eine außerordentlich elegante Balletteinlage :leb :leb :leb

      Genau, die Produktion wurde vor ein paar Jahren im Fernsehen übertragen, ich hatte danach einige Schwierigkeiten meine Frau vom Kauf der Aufnahme (auf Cd) abzuhalten :D. Ende 2007 ist dann endlich die DVD erschienen und das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das gute Stück ist zwar nicht ganz billig aber man bekommt ja einiges dafür geboten(2 DVD's).

      :hello Jimi
    • Hui, ein tanzender Ramón Vargas, also nicht nur Anna kann es... :J
      Da muß ich dann ja wohl. Ich warte jetzt mal ab, was meine Kartenanfrage an Berlin macht ("Eugen Onegin") wenn das nicht klappt, und danach sieht es leider aus, gibt's den Don Carlos als Trostpflaster.
      Ich habe damals im Fernsehen Posas Tod gesehen, der mich ohnehin immer schwer mitnimmt.
      Wie es der Zufall will, ist mir gestern in der Bibliothek ein Buch über Don Carlos (Oper, mit kleinen Abstechern zum Stück) in die Hände gefallen, in dem ein seitenlanger Artikel der Frage gewidmet ist, wie denn nun die Freundschaft der beiden Männer zu bewerten sei: reine Freundschaft, oder vielleicht doch.... :D
      Ich hatte eine unterhaltsame Viertelstunde :J
      In einem andren Artikel ging es dann darum, ob Posa wirklich nur aus Freundschaft handelt, oder ob da nicht auch eine ganze Menge politisches Kalkül hintersteckt: er hat das große Ziel, Flandern und ganz Spanien zu einem freieren Land zu machen, weiß, daß er das nicht kann, Carlos als künftiger König aber irgendwann sehr wohl, und rettet ihn deshalb vor dem Tod, aus politischen Überzeugungen, weniger aus menschlicher Verbundenheit.
      Was mich angeht: das mag ja alles Sinn machen, wenn man nur das Textbuch liest, aber Verdis Musik spricht eine andere Sprache, Ende der Diskussion :cool
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    • Die Frage nach dem Charakter des Posa finde ich eine sehr spannende.
      Verdi war ja ein hochpolitischer Mensch, und ich glaube nicht, dass er einen Charakter wie Posa auf den guten Freund Carlos' reduziert hat. Posa hat sogar ganz bestimmt politische Ambitionen als Triebfeder seines Handelns, aber ich würde nicht meinen, dass er die Freundschaft Carlos' als Vehikel für seine Ziele missbraucht. Ich halte ihn eher für einen durch und durch charismatischen, anziehenden Menschen, dem alle sofort verfallen und vertrauen (Carlos, Philipp, Eboli, Elisabetta), der sich aber umgekehrt an niemanden bindet. Auch die Eboli macht ihm doch im ersten Terzett Avancen (Che mai si fa nel suol francese). Sie eröffnet das Gespräch mit tänzerisch lockendem, verspielten Rhythmen, Posa antwortet unverbindlich, geradlinig, geht auf ihre musikalische Aufforderung in keiner Weise ein, macht ihr nur ein etwas unverbindliches Kompliment, damit sie abgelenkt ist und Elisabetta den Brief Carlos in Ruhe lesen kann. Posa ist ein starker, unabhängiger, freier Mensch, der die politische wie persönliche Freiheit als höchstes Gut empfindet. Das passt aber nicht in die Welt dieser einsamen, schwachen Menschen am spanischen Hof. Posa ist für sie eine Lichtgestalt, der Freund, der Vertrauensmensch, der Geliebte, nachdem sich ausnahmslos alle sehnen. Nur als sie merken, dass er sich nicht in einen goldenen Käfig sperren lässt, dass er nur sich selbst und seinen Idealen gehört (selbst im Tod geht es ihm nicht um seine persönliche Beziehung zu Carlos sondern um die Befreiung Flanderns), schlägt diese immense Liebe in Enttäuschung um. Und diese Enttäuschung macht die Menschen rachsüchtig. Selbst der Grossinquisitor ist Posa irgendwie verfallen - wie könnte es sonst sein, dass er einen politisch an sich unbedeutenden Marquis mit so viel Hass verfolgt, und ihm der Kronprätendent eigentlich völlig gleichgültig ist. Sie können ihn nicht einfach ziehen lassen, sie müssen ihn vernichten.
      Auch Elisabetta muss sich wohl noch heimlich mit Posa getroffen haben (schade, dass wir nicht wissen, was da passiert ist....), denn in ihrer letzten Arie singt doch im Mittelteil "A Posa di vegliar i giorni suoi giuro) - und ich wüsste nicht, in welcher der Szenen, die wir zu sehen gekriegt haben, Elisabetta Posa dieses Versprechen gegeben hätte. Ich mein, das ist jetzt reine Spekulation, aber hätten wir hier nicht ein viel besseres Motiv für den Mord Philipps an Posa als die getürkten Briefe? Posa kann ohne Carlos politisch nichts ausrichten, und Posa steht Philipp sicherlich näher als sein Sohn. Warum lässt er also ausgerechnet den Mann töten, den er eigentlich auf seine Seite bringen will? Warum erfüllt er den Wunsch des verhassten Grossinquisitors? Nein, die politische Motivation glaube ich nicht, Philipp hat ein persönliches Motiv.
      Er gesteht Posa in der grossen Auseinandersetzung seine Eifersucht, nennt aber dem Grossinquisitor gegenüber ein rein politisches Motiv, um den Sohn und Rivalen aus dem Weg zu räumen. Wie wäre es, wenn der Fall bei Posa ähnlich gelagert wäre? Elisabetta hat sowohl die Gräfin Aremberg als auch die Eboli als Vertraute verloren. Der einzige, den sie noch auf ihrer Seite glaubt, ist doch Posa. Ein Treffen zwischen den beiden könnte dem König hinterbracht worden sein, und er fühlt sich von dem Mann verraten, den er für seinen Freund gehalten hat. Hier schlägt Liebe in Hass um, hier hätten wir ein meiner Ansicht nach viel plausibleres Motiv für den Mord. Es gibt keine öffentliche Anklage, keine Übergabe an die Schergen der Inquisition, sondern einen Mord aus dem Hinterhalt. Diese Art der Tötung spricht weniger für politisches als für ein sehr persönliches Motiv Philipps.
      Ich halte Posa nicht für einen so einfachen Charakter, wie er oft gezeigt wird, denn alle grossen Charaktere sind bei Verdi äusserst vielschichtig. Und Posa gehört hier sicher auch dazu.

      lg

      Werner
    • Eine sehr interessante Charakterstudie, danke dafür!
      Über den Mord aus dem Hinterhalt habe ich mich schon immer gewundert: warum läßt Philipp Posa nicht einfach öffentlich des Hochverrats anklagen und hinrichten? Das wäre dann auch gleich eine Warnung an andere potentielle Revoluzzer: so ein richtig schönes Autodafé mit allem drum und dran. Aber das wäre natürlich eine Erklärung: es geht im weniger um das, was er unter Gerechtigkeit versteht, sondern um persönliche Rache.(Und ich denke, das weiß Posa auch ganz genau). Ich halte den Marquis auch für den spannendsten und vielschichtigsten Charakter, da stimme ich dir zu. In jenem Artikel wurde allerdings angedeutet, daß Posa seinen Freund bewußt benutzt und manipuliert, um seine politischen Ziele durchzusetzen, und genau das glaube ich nun eben nicht. Die Beziehung gründet sicher nicht nur auf persönlicher Sympathie, sondern auch auf der gleichen Weltanschauung und gleichen politischen Zielen, ist aber keine reine Zweckgemeinschaft. Irgendwo habe ich mal gelesen, daß Carlos auf Posa jederzeit, Posa aber auf Carlos (der ja nun definitiv der labilere von beiden ist) nur bedingt bauen könne. Nicht was persönliche Freundschaftsbande, vielleicht auch Opferbereitschaft angeht, aber was Entschlußkraft und energisches Handeln betrifft. Das glaube ich nun ohne weiteres, und das ändert sich m.E. erst nach Posas Tod.
      Posa ist auch derjenige der, wenn ich das jetzt mal so ketzerisch formulieren darf, Carlos die nötigen Aschtritte verpasst und ihm den Gedanken eingibt, seinem Leben ein anderes Ziel zu geben ,da das mit Elisabetta ja wohl nichts mehr werden wird.
      Auf jeden Fall ist Posa die treibende Kraft hinter Carlos. Das wird im Amsterdamer Don Carlos sehr schön durch die Anfangsszene des Autodafébildes deutlich: Carlos wird von einer begesiterten Menge eingekreist, was er erst panisch (man ist wohl klaustrophobisch veranlagt), dann ungläubig und schließlich begeistert zur Kenntnis nimmt. Posa beantwortet seinen freudestrahlenden Blick mit einer Geste die wohl „Ich hab’s dir ja gleich gesagt!“ bedeutet.
      Carlos lange währende Passivität ist auch kein Wunder: die Beziehung Carlos-Philipp wäre ein gefundenes Fressen für jeden Analytiker, und das wohl nicht erst seit Elisabettas Auftauchen.
      Vor allem bei Schiller wird deutlich, welch eine erschreckende Angstbeziehung Carlos mit seinem Vater verbindet. Das ist es übrigens, was mir, trotz der genannten Unzulänglichkeiten (wer hat bloß diese Elisabetta engagiert???) an der Amsterdamer Inszenierung von Willie Decker so außerordentlich gut gefällt: da hat jemand nicht nur seinen Verdi, sondern auch seinen Schiller im Kopf, das Ergebnis ist beeindruckend.


      Es ist mir noch nie aufgefallen daß, außer Carlos und Philipp, auch alle anderen Menschen am Hof von Posa beeindruckt und fasziniert sind, aber jetzt, da du es so treffend beschreibst muß ich dir völlig recht geben.
      Aber mal ehrlich: was für eine bedauernswerte Kreatur ist Philipp eigentlich, daß er jemanden gleich für seinen Freund hält, nur weil der aufrichtig und ohne Angst sagt was er denkt, und kein Speichellecker ist. Philipp hat es aber auch nicht leicht: seine Frau liebt den Infanten, und der einzige Mann dessen Freundschaft Philipp vermutlich wirklich ersehnt ist dessen Vertrauter und integer genug, diese Freundschaft nicht für ein bißchen Abglanz vom königlichen Strahlenkranz zu verraten. Philipp muß seinen Sohn doch insgeheim glühend beneiden...

      EDIT
      Übrigens: kennt jemand Tito Gobbi als Posa? Für viele ist ja DER Posa schlechthin, ich kenne von ihm nur „ Oh Carlo ascolta...Io morrò ma lieta in core“ und das macht mich sehr neugierig auf mehr.
      Zum Glück gibt’s das bei jpc für kleines Geld.
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      (Albus Dumbledore)

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    • Tito Gobbi

      Liebe Solitaire!

      Ich habe Gobbi in 2 Don Carlo - Aufnahmen: einmal in der Santini - Einspielung (1954) und einmal in der Giulini-Aufnahme 1958 aus London. Gobbi bereitet mir Kopfzerbrechen. Seine gebrochene Stimme ist faszinierend aber nicht schön. Mir klingt alles ein wenig unzulänglich, herb und rau. Passt aber gut in Giulinis Konzept mit dem ebenfalls sehr eigenwilligen Vickers als Carlo. Insgesamt hat die Stimme wenig Kern und wird rasch hauchig. Mit trockener Stimme kämpft ja beispielsweise auch Eberhard Wächter, aber im Gegensatz zu Wächter kann Gobbi die Figur zum Leben erwecken und ihr ein (narbiges) Gesicht geben, während Wächter einfach nur fehlbesetzt ist (am besten zieht er sich noch in München 1975 aus der Affäre mit Ricciarelli, Cossutta, Raimondi und Fassbaender!!) oder Mario Sereni sich (und uns) als Posa quält (und das kreide ich ihm besonders an, wenn Carlo und Elisabeth Placido Domingo und Sena Jurinac heissen!!!!).

      Mein Lieblings - Posa heisst eindeutig Renato Bruson.

      lg

      Werner
    • Hallo Manrico!
      Danke für die Info! Naja, bei jpc gibt's den Don Carlos mit Gobbi für kleines Geld, ich kann es ja mal versuchen.
      Mir gefällt Sherill Milnes gut, weil ich finde daß seine Stimme ganz wunderbar mit der von Placido Domingo harmoniert, allerdings habe ich in einer Plattenkritik mal das vernichtende Urteil "Milnes singt fehlerlos mehr aber auch nicht" gelesen. :B
      Nicht verzeihen kann ich ihm sein albernes "Aaargg!" im Augenblick des Todes. Hier stirbt ein spanischer Grande, nicht John Wayne. Aber gut, auch einem spanischen Granden tut die Kugel im Leib weh, von daher... :J
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      (Albus Dumbledore)
    • Eben bei jpc entdeckt:


      Ein DVD-Mitschnitt der Salzburger Osterfestspiele 1982. Für den Kauf sprechen Furlanetto und Baltsa, aber ist Carreras ein Don Carlo??? Naja, vermutlich nicht mehr und nicht weniger als Rolando Villazón, der ihn ja auch gerade gesungen (und mir mit kleinen Abstrichen durchaus gut gefallen) hat.
      Neugierig bin ich ja schon, wie ein Carlos klingt, der so ein ganz andres Timbre hat als Domingo, mein unangefochtener Lieblings-Carlo.
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      (Albus Dumbledore)

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    • RE: Die Don Carlos - Fassungen

      Original von manrico
      Die Giulini - Aufnahme ist jedenfalls eine italienische Fassung in 5 Akten, das heisst, Giulini hat den Strich des 1. Aktes wieder aufgemacht, so wie er es in seiner sensationellen Arbeit in London 1958 gemacht hat. Hier erklingt zum ersten Mal das Motiv (De quel transport), das in der Oper immer wieder als Reminiszenz auftaucht. Ohne diesen Akt macht das Motiv im weiteren Verlauf keinen Sinn.
      Beide Male hat Giulini ein exquisites Ensemble. Die Caballe als Elisabeth finde ich ehrlich gestanden zu distanziert, vor allem im letzten Bild, aber man hört, dass hier sehr sorgfältig gearbeitet wurde. Domingo liefert für meinen Begriff neben der Giovanna d'Arco eines seiner besten Rollenportraits, die Stimme der Verrett habe ich immer als äußerst attraktiv empfunden (besonders in Meyerbeers L'Africaine - eine Rolle, der die Caballe z.B. mit völligem Unverständnis begegnet) und Milnes hat einen absolut prächtigen Bariton.


      @manrico,

      welche der Guilini Aufnahmen würdest Du empfehlen?

      :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Hallo Rachmaninov!

      Die Aufnahmen sind sehr unterschiedlich. Beide sind sehr feinfühlig und exakt dirigiert, die Unterschiede sind in der gänzlich anderen Besetzung zu suchen. Für die Studioeinspielung hat Giulini ein Ensemble mit Stimmen wie aus dem Hochglanzmagazin. Alles spiegelt und glänzt, es gibt kaum Unebenheiten - eine perfekte Studioeinspielung. In Covent Garden schaut es ganz anders aus. Die Stimmen sind durch viele Furchen gekennzeichnet. Das bedeutet, dass die vokalen Gesichter der Protagonisten nicht so schön aber viel interessanter und individueller sind. Die Charakterzeichnng gelingt profilierter (vor allem bei Christoff und Brouwestijn).

      Es hängt also ganz davon ab, welche Vorstellungen du erfüllt wissen möchtest.

      lg

      Werner
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