Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

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    • Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Nachdem Rachmaninov und ich uns gerade schon ein paar PN zu den letzten 3 Schubert-Sonaten geschickt haben, eröffne ich hiermit die Diskussion. Was machen diese Sonaten so einzigartig? Welche Aufnahmen bevorzugt Ihr?
    • Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Nachdem Rachmaninov und ich uns gerade schon ein paar PN zu den letzten 3 Schubert-Sonaten geschickt haben, eröffne ich hiermit die Diskussion. Was machen diese Sonaten so einzigartig? Welche Aufnahmen bevorzugt Ihr?
    • @Jeremias,

      schön das Du mit diesen Sonaten einen Thread startest!

      Wenn Du die letzten Schubert Sonaten ansprichts gehe ich zunächst einmal davon aus, daß Du die letzten drei Sonaten, also D958, D959 und D960, meinst!

      Was die Sonaten für mich zu etwas ganz besonderm macht ist etwas was ich als "emotionale Bandbreit" bezeichnen würde. Ein Spiegelbild einen Gefühlswelt, die ich durchaus beim hören der Sonaten für mich begreifen und nachempfinden kann.

      Auch wenn ich bereits weiß, das Du Afanassiev eher etwas kritisch siehst, möchte ich auf seine Denon Aufnahme der letzten drei Sonaten hinweisen, die übrigens erneut veröffentlicht wurde, sowie der Lockenhaus-Aufnahme bei ECM der D960.



      Aber es gibt viele hoch interessante Aufnahmen ......
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • @Jeremias,

      schön das Du mit diesen Sonaten einen Thread startest!

      Wenn Du die letzten Schubert Sonaten ansprichts gehe ich zunächst einmal davon aus, daß Du die letzten drei Sonaten, also D958, D959 und D960, meinst!

      Was die Sonaten für mich zu etwas ganz besonderm macht ist etwas was ich als "emotionale Bandbreit" bezeichnen würde. Ein Spiegelbild einen Gefühlswelt, die ich durchaus beim hören der Sonaten für mich begreifen und nachempfinden kann.

      Auch wenn ich bereits weiß, das Du Afanassiev eher etwas kritisch siehst, möchte ich auf seine Denon Aufnahme der letzten drei Sonaten hinweisen, die übrigens erneut veröffentlicht wurde, sowie der Lockenhaus-Aufnahme bei ECM der D960.



      Aber es gibt viele hoch interessante Aufnahmen ......
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Für mich wird in diesen Sonaten die emotionale Situation, in der sich Schubert befand, ohne jegliche Manieriertheit deutlich. Durch die Syphilis gezeichnet scheint er seine Lebenseindrücke in der Musik aufzuzeichnen.
      Stärkste Gefühle die er aufschrieb und die mich jetzt zutiefst bewegen.

      Daher sind für mich die ausdrucksstarken Interpretationen von Afanassiev das Maß der Klänge. Obwohl ich noch Aufnahmen von Kronenberg, Pollini, Sofronitsky, Perahia, Leonskaja, Lupu, Korstik und Horrowitz kenne, beeindruckt mich dieser Gefühlszauberer am meisten.




      Für den ersten Satz der Sonate B-Dur D960 nimmt er sich 28 Minuten Zeit - ohne dass ich auch nur eine Sekunde als überzogen empfinde.

      Schlagt mich dafür - aber für die Interpretation reichen keine 20 Punkte!


      Walter
      Walter
    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Für mich wird in diesen Sonaten die emotionale Situation, in der sich Schubert befand, ohne jegliche Manieriertheit deutlich. Durch die Syphilis gezeichnet scheint er seine Lebenseindrücke in der Musik aufzuzeichnen.
      Stärkste Gefühle die er aufschrieb und die mich jetzt zutiefst bewegen.

      Daher sind für mich die ausdrucksstarken Interpretationen von Afanassiev das Maß der Klänge. Obwohl ich noch Aufnahmen von Kronenberg, Pollini, Sofronitsky, Perahia, Leonskaja, Lupu, Korstik und Horrowitz kenne, beeindruckt mich dieser Gefühlszauberer am meisten.




      Für den ersten Satz der Sonate B-Dur D960 nimmt er sich 28 Minuten Zeit - ohne dass ich auch nur eine Sekunde als überzogen empfinde.

      Schlagt mich dafür - aber für die Interpretation reichen keine 20 Punkte!


      Walter
      Walter
    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Hallo Walter,
      ja genau das ist es. Es sind die ganz seltenen Werke, bei denen man spürt daß der Künstler sein Innenleben mit Musik als Sprache, eins zu eins, vermitteln kann.
      Deshalb möchte ich hier auch eine CD empfehlen, bei der der Interpret mit ähnlichem Schicksal konfrontiert war. Naher Tod und Abschied.
      Die Aufnahme entstand während seines Kampfes gegen eine heimtückische Krebserkrankung. Es schien zu diesem Zeitpunkt so, als könne er sie noch besiegen, was er auch dem Energiegewinn bei der Auseinandersetzung mit dieser letzten Schubertsonate zu verdanken glaubte.
      Sie ist für mich die ergreifendste Aufnahme dieses Werkes. Daß sie auf einem Hammerflügel gespielt wird, vergessen selbst Gegner dieses Klanges nach ein paar Minuten. Der Klang ist unglaublich schön.
      Als ich im Booklet las, daß er die Krankheit wohl besiegt hatte, freute ich mich einen Pianisten meiner Generation gefunden zu haben, der einen noch Jahrzehnte begleiten könnte.
      Es folgten noch zwei großartige Aufnahmen auf einem Konzertflügel, u.a. eine grandiose Darstellung der "Bilder einer Ausstellung".

      Das Leben ist unbarmherzig!!!!!!!!!!!!!!!!!
      Letztes Jahr ist er gestorben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      Gruß
      Norbert


      Nikolaus Lahusen +

    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Hallo Walter,
      ja genau das ist es. Es sind die ganz seltenen Werke, bei denen man spürt daß der Künstler sein Innenleben mit Musik als Sprache, eins zu eins, vermitteln kann.
      Deshalb möchte ich hier auch eine CD empfehlen, bei der der Interpret mit ähnlichem Schicksal konfrontiert war. Naher Tod und Abschied.
      Die Aufnahme entstand während seines Kampfes gegen eine heimtückische Krebserkrankung. Es schien zu diesem Zeitpunkt so, als könne er sie noch besiegen, was er auch dem Energiegewinn bei der Auseinandersetzung mit dieser letzten Schubertsonate zu verdanken glaubte.
      Sie ist für mich die ergreifendste Aufnahme dieses Werkes. Daß sie auf einem Hammerflügel gespielt wird, vergessen selbst Gegner dieses Klanges nach ein paar Minuten. Der Klang ist unglaublich schön.
      Als ich im Booklet las, daß er die Krankheit wohl besiegt hatte, freute ich mich einen Pianisten meiner Generation gefunden zu haben, der einen noch Jahrzehnte begleiten könnte.
      Es folgten noch zwei großartige Aufnahmen auf einem Konzertflügel, u.a. eine grandiose Darstellung der "Bilder einer Ausstellung".

      Das Leben ist unbarmherzig!!!!!!!!!!!!!!!!!
      Letztes Jahr ist er gestorben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      Gruß
      Norbert


      Nikolaus Lahusen +

    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      @josquin

      die Lahusen Aufnahme emfpinde ich durchaus auch als eine Bereicherung meiner Sammlung was die D960 angeht. Dein Statement bzgl. des Klavierklanges ist zwar richtig, baer so ganz vergessen kann man es dann doch nicht. Das moderne Klavier ist dann doch noch klangschöner! :wink
      Die Interpretation an sich gefällt mir aber richtig gut.
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      @josquin

      die Lahusen Aufnahme emfpinde ich durchaus auch als eine Bereicherung meiner Sammlung was die D960 angeht. Dein Statement bzgl. des Klavierklanges ist zwar richtig, baer so ganz vergessen kann man es dann doch nicht. Das moderne Klavier ist dann doch noch klangschöner! :wink
      Die Interpretation an sich gefällt mir aber richtig gut.
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Schön,
      daß es Dir auch gefällt!
      Hör Dir mal das erste Stück der CD an. Nach ca. 3 Minuten im wunderschönen Mittelteil, dort wird der Klang durch ein Register verändert, IMO. Gänsehautstelle!

      Gruß
      Norbert
    • RE: Die letzten Schubert-Sonaten - ein Mythos?

      Schön,
      daß es Dir auch gefällt!
      Hör Dir mal das erste Stück der CD an. Nach ca. 3 Minuten im wunderschönen Mittelteil, dort wird der Klang durch ein Register verändert, IMO. Gänsehautstelle!

      Gruß
      Norbert
    • Hallo allerseits,

      nur mal eine kleine Zwischenfrage: Möchte hier wirklich niemand Richter nennen? Kann doch nicht sein, nicht wahr? Oder wollt Ihr mir nur den Vortritt lassen, weil ich ihn sowieso ins Spiel bringen werde? :D

      Ich höre gerade D960 aus der Brillant-Box (1961). Die ist doch gigantisch!
      Die Komposition gehört für mich zu den schönsten der Klavierliteratur, unheimlich ergreifend, ein gigantisches Meisterwerk von Schubert.

      Gruß, Cosima
    • Hallo allerseits,

      nur mal eine kleine Zwischenfrage: Möchte hier wirklich niemand Richter nennen? Kann doch nicht sein, nicht wahr? Oder wollt Ihr mir nur den Vortritt lassen, weil ich ihn sowieso ins Spiel bringen werde? :D

      Ich höre gerade D960 aus der Brillant-Box (1961). Die ist doch gigantisch!
      Die Komposition gehört für mich zu den schönsten der Klavierliteratur, unheimlich ergreifend, ein gigantisches Meisterwerk von Schubert.

      Gruß, Cosima
    • Original von josquin
      Die berühmte Aufnahme von 1972!
      Auf dem modernen Klavier, Richter


      Hallo Norbert, hallo allerseits,

      das klingt, ab ob Richter ansonsten auf einem Hammerklavier spielte. :D

      Die 1972er Aufnahme finde ich auch gut, tendiere aber eher zu der älteren Aufnahme. Die Regis-Ausgabe ist aber auch mit einer tollen D958 gekoppelt.

      Ich fand seinerzeit eine Rezension der Aufnahmen auf der Brillant-Box, die ich so schön finde, dass ich sie zitieren möchte:

      Ein Sieg des Willens

      Was kann unser Ohr und Herz wirklich erschüttern? Gewiss diese pianistische Weltraumexpedition. Ein Tastengigant unternimmt sie, der seine Darstellung weit emportreibt in die turmhohen Verwerfungen und ins jenseitige Leuchten später Beethoven- und Schubertsonaten oder auch der h-Moll-Sonate Franz Liszts. Der aus der Ukraine stammende Sviatoslav Richter (1915-97) kannte keine Grenzen des Repertoires und schon gar nicht der Gestaltungskraft.

      Hier wird sie dankenswerterweise wieder greifbar und begreifbar: in Moskauer Konzertmitschnitten der Jahre 1961-78. Auch durch das enge, mulmige Klangbild hindurch dringt diese Demonstration einer transzendentalen, von Wucht wie Zartheit regierten Klavieraktion. Die Kopfsätze in Schuberts B-Dur- und G-Dur-Sonaten D 960 und D 894 dehnt Richter ins schier Uferlose aus - auf mehr als 24 bzw. 26 Minuten. Aber nur, um die Elementarkraft des schlichten Satzbaus durch paradiesisches Ausschweifen und beklemmendes Stocken noch zu steigern. Wo wäre heute der Pianist, der so viel Willensleistung ins Spiel bringt wie Sviatoslav Richter!“

      (Quelle: S. Weyh , HNA, 15.08.2005)

      Schön, nicht wahr? Richter forever! :down

      Gruß, Cosima :)
    • Original von josquin
      Die berühmte Aufnahme von 1972!
      Auf dem modernen Klavier, Richter


      Hallo Norbert, hallo allerseits,

      das klingt, ab ob Richter ansonsten auf einem Hammerklavier spielte. :D

      Die 1972er Aufnahme finde ich auch gut, tendiere aber eher zu der älteren Aufnahme. Die Regis-Ausgabe ist aber auch mit einer tollen D958 gekoppelt.

      Ich fand seinerzeit eine Rezension der Aufnahmen auf der Brillant-Box, die ich so schön finde, dass ich sie zitieren möchte:

      Ein Sieg des Willens

      Was kann unser Ohr und Herz wirklich erschüttern? Gewiss diese pianistische Weltraumexpedition. Ein Tastengigant unternimmt sie, der seine Darstellung weit emportreibt in die turmhohen Verwerfungen und ins jenseitige Leuchten später Beethoven- und Schubertsonaten oder auch der h-Moll-Sonate Franz Liszts. Der aus der Ukraine stammende Sviatoslav Richter (1915-97) kannte keine Grenzen des Repertoires und schon gar nicht der Gestaltungskraft.

      Hier wird sie dankenswerterweise wieder greifbar und begreifbar: in Moskauer Konzertmitschnitten der Jahre 1961-78. Auch durch das enge, mulmige Klangbild hindurch dringt diese Demonstration einer transzendentalen, von Wucht wie Zartheit regierten Klavieraktion. Die Kopfsätze in Schuberts B-Dur- und G-Dur-Sonaten D 960 und D 894 dehnt Richter ins schier Uferlose aus - auf mehr als 24 bzw. 26 Minuten. Aber nur, um die Elementarkraft des schlichten Satzbaus durch paradiesisches Ausschweifen und beklemmendes Stocken noch zu steigern. Wo wäre heute der Pianist, der so viel Willensleistung ins Spiel bringt wie Sviatoslav Richter!“

      (Quelle: S. Weyh , HNA, 15.08.2005)

      Schön, nicht wahr? Richter forever! :down

      Gruß, Cosima :)