Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

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    • Komponistentalk, Ausgabe 2

      Heute: Richard Wagner, Johann Strauss, Carl Orff





      Moderator: "Herr Orff, Sie als jüngster Komponist hier haben an Ihre berühmten Kollegen doch bestimmt eine Menge fragen. Welche Frage wollten Sie denn Herrn Wagner schon immer einmal stellen?"

      Orff (erschrickt): "Jo mei...ha...sackzement...jetzt host mi derwischt..."

      Moderator: "Na gut, vielleicht später. Herr Wagner, Ihre Opern haben Musikgeschichte geschrieben. Wie kamen Sie nur auf all diese genialen Einfälle?"

      Wagner: "Nuu, der Name Wachner bürgt ehm für Gwalidäd. Dr Sachse is generell sehr einfallsreisch, ehm deudsche Gwalidädsorbeid."

      Strauss: "Jö, i versteh ka Wort..."

      Wagner: "Aber gundsädslisch muss mor sisch doch frachn, wie gann mor nu was neues machn, ne wahr? Nuu, hab isch son aldes Buch mid so Mährschn ausn Nordn gefundn, bei mein Eldern in Lääpzsch aufn Dachbodn. Hab isch mir gedacht, nuu, üwern Sikfried hat nu noch keener was gemachd."

      Moderator: "Aber wie sind Sie denn auf die ganzen Ideen mit dem Leitmotiv und der durchgehenden Form..."

      Wagner: "Is doch glor: die Schaise verschdehd doch keene Sau, wenn de nisch jedem Garagder son Emblem gibsd. Nu wurd isch ooch nach Minuden bezahld, und wenn nu eener einpennt midden in dor Ober un nisch mehr weiss, welscher nu dor Wodan war? Brauch er nur hörn uff de Melodie, weess ers wieder. Eiferbübsch, is doch gor ne soo kombläziert, oder, da leck misch doch am Orsch, dass da keener sonst druff gegomm is..."

      Moderator: "Aber das mit dem Leitmotiv, hatten Sie doch auch von Berlioz..."

      Wagner: "Vom Hegdor? Nä, bei dem war das nur so ne fixe Idee gewäsn..."

      Orff: "Ui, i hob an Durscht, sackzement. Gibts nix zum Dringa?"

      Strauss: "A Glaserl Schampus wär ned schlecht."

      Wagner: "Abor mir in Sachsen, mir ham ähm bäsere Ideen gehabt als de Franzosen, ooch wenn se grundsädslisch bar gude Loide ham."

      Strauss: "Geht dös no lang? I muass bis morgen noch an Walzer schreim..."

      Orff: "Und a Brezn dazua."

      Wagner: "Awer so was wie mein Holländor, nä, se wisn schon ta-tääää-tääää-ta-täääää-täääää-tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii..."

      Strauss: "Weil morgen is jo da Opernball, da muass I scho wos rechts ham..."

      Orff: "Oder an Radi und a Mass..."

      Moderator: "Vielleicht könnten wir jetzt mal über Herrn Strauss.."

      Wagner: "Awer de Gödderdämmerung is immer noch mein bestes.."

      Strauss: "Letztes Jahr bin I so im Stress gwesn, dass I aus Versehen an Marsch statt an Walzer gschriebn hob..."

      Wagner: "Hält zwar keene Sau aus so lang..."

      Strauss: "Da hams ganz komisch tanzt..."

      Wagner: "Dafür is dor Täxg Eins a!"

      Orff: "I glaub, mir is schlecht..."

      Strauss: "Hin und her hams sich dreht und gar ned gmerkt, dass a Zweivierteltakt is statt a Dreier..."

      Orff: "I muass glei spein..."

      Moderator: "Können wir jetzt mal vielleicht ein anderes Thema..."

      Wagner: "Weil so normal is nu dor Täxg nisch so unbedingd meine Stärge..."

      Orff (übergibt sich auf die Polstergruppe): "I hobs doch gsogt, I muass glei spein..."

      Wagner: "Au Bagge, dor Gorl hat gegotzd. Awer gann ooch nüscht sachen, dassm ne guud is!"

      Strauss: "Ui, schlimmer als nach n letzten Opernball. Da hab I z vui Schampus gsoffn ghobt und hob der Gräfin von Gredlaching direkt in Ausschnitt..."

      Moderator: "Vielleicht könnten wir jetzt wirklich mal zu einer anderen Frage..."

      Wagner: "Nuu, nach Saufn is mor ooch schon öfders s Essen ausn Gesischd gefalln. Besonders nach Dannhoiser in Barihs! Mein God, da hab isch misch veleischd vollaufen lassen, bis zur Besinnungslosischgeid!"

      Strauss: "Dafür hob I die Gräfin glei selber auszogn..."

      Wagner: "Awer hat ooch sein Gudes gehabd: Is mor glei dor Barsefal eingefalln im Suff!"

      Orff: "I glaub, I muass glei no amoi..."

      (Werbeblock)
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Lieber Satie,

      charmant, charmant - und erheblich kurweiliger als die allermeisten Talkformate...

      Liebe Grüße

      Sabine

      P.S. Kennst Du eigentlich diese Hörspielreihe, bei der die Riege der großen Komponisten von einem Personality-Trainer Nachhilfe in Marketing bekommt? Weiß leider nicht mehr, von wem das war und wann das ausgestrahlt wurde... :ignore
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • RE: Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

      Rejo,

      selbstverständlich ist unser Handbuch exklusiv für die Besucher dieses Forums. Niemals würden wir es einfach so im Handel anbieten.
      Schließlich handelt es sich hierbei nur um neueste, absolut fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse der Musikologie, die wir nicht in die falschen Hände geraten lassen wollen.

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

      Original von Satie
      selbstverständlich ist unser Handbuch exklusiv für die Besucher dieses Forums. Niemals würden wir es einfach so im Handel anbieten.
      Schließlich handelt es sich hierbei nur um neueste, absolut fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse der Musikologie, die wir nicht in die falschen Hände geraten lassen wollen.


      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • RE: Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

      Original von Satie
      Rejo,

      selbstverständlich ist unser Handbuch exklusiv für die Besucher dieses Forums. Niemals würden wir es einfach so im Handel anbieten.
      Schließlich handelt es sich hierbei nur um neueste, absolut fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse der Musikologie, die wir nicht in die falschen Hände geraten lassen wollen.

      Herzlich,
      S A T I E



      Satie, ich danke Dir.

      Ich habe nun endlich auch das Gefühl, einer kleinen, ganz exklusiven Gemeinschaft anzugehören. Jetzt brauche ich die Freimaurer doch nicht mehr.

      Frank :beer :beer :beer

      Vielleicht sollten wir uns noch ein paar Verschwörungstheorien einfallen lassen?
      Difficile est satiram non scribere.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von LazarusLong ()

    • RE: Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

      Original von LazarusLong
      Satie, ich danke Dir.

      Ich habe nun endlich auch das Gefühl, einer kleinen, ganz exklusiven Gemeinschaft anzugehören. Jetzt brauche ich die Freimaurer doch nicht mehr.


      :rofl :rofl :rofl

      Original von LazarusLong
      Vielleicht sollten wir uns noch ein paar Verschwörungstheorien einfallen lassen?


      bin ich gleich zu haben! Und da sollte uns doch was Nettes einfallen...

      Liebe Grüße

      Sabine
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    • David Garrrrrettttttt

      Endlich:

      David Garrett


      Wer kennt ihn nicht? Erst letztens erhielt er endlich die verdiente Auszeichnung für seinen neuen Film:



      Eigentlich überflüssig, diesen mit Sicherheit größten Künstler der heutigen Zeit überhaupt noch vorzustellen, denn er ist uns allen doch vertrauter als der eigene Nachbar. Sämtliche Fachjournale wie die BILD, der Berliner Kurier oder Express sind sich über den Rang dieses Meisters der Violine einig.

      Garrett kam als Sohn einer Eisschnellläuferin und eines Hundertmetersprinters in nur 30 Sekunden zur Welt. Was die Ärzte zunächst als Geschwulst an der linken Hand und dem Kinn interpretierten, war tatsächlich eine bereits im Mutterleib mit herangewachsene Stradivari, welche (so wie er selbst) schon nach 5 Tagen vollkommen ausgewachsen war. Die Nabelschnur musste bei ihm nicht durchgeschnitten, sondern lediglich aus dem Verstärker gezogen werden, ein medizinischer Präzedenzfall. Die Mutter erhielt einen verdienten Eintrag im Guiness-Buch für die schnellste Entbindung der Geschichte.
      An seinem 6. Geburtstag erhielt Garrett zusammen mit dem Abitur auch einen Plattenvertrag. Dieser beinhaltete unter anderem die Klausel, der Künstler müsse so viele CDs wie möglich mit so vielen Noten wie möglich füllen und dadurch so viel Geld wie möglich eintreiben. Bislang hat der diese Anforderung hervorragend erfüllt.

      Der Meister erreichte durch permanent hohe Koffeinzufuhr die Fähigkeit, jedes Stück durchgängig mit einem Prestissimo-Tremolo und vibratissimo zu spielen, eine Technik, die der Fachmann heute als "garrettando" bezeichnet. Das Garrettando ist allerdings, wie man sich denken kann, dem Instrument denkbar schädlich, weshalb Garrett von seinem Vater (heute Gebrauchtgeigenhändler) jeweils nur sehr alte Exemplare für die Nutzung im Konzert erhält, die ohnehin keine lange Lebensspanne mehr hätten erwarten dürfen (beispielweise Stradivari-Schrott-Fideln, über 300 Jahre schon vom Holzwurm gelöchert). Entsprechend schlecht ist dann jeweils die Klangqualität. Natürlich fällt nur dem Experten auf, dass dieser Umstand allein in den schlechten Instrumenten begründet ist, daher wird dem Künstler all zu oft Unrecht getan, indem behauptet wird, er spiele gar nicht gut. Dieses Vorurteil möchten wir nun endgültig aus der Welt schaffen. Uns gelang es, eine Aufnahme zu finden, die auf einem schönen, ganz neuen Instrument eines namhaften chinesischen Herstellers eingespielt wurde:

      youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=FrvK75jGdjE

      Man beachte, dass er hier in jungen Jahren das Garrettando noch nicht so schnell wie später ausführte. Auch hat sich natürlich sein Äußeres im Laufe der 4 Jahre, die zwischen dem Film und heute liegen, entscheidend verändert:













      Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Garrett im Jahr 2011 für die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums durch Beobachtungen weit entfernter Supernovae den lange verdienten Nobelpreis für Physik erhielt, darüber hinaus rettete er zwischen Generalprobe und Konzert in der Carnegie Hall am 1.4.2011 insgesamt 53 Menschen vor einem durch New York City fegenden Tornado, indem er mittels eines Kaugummis und einer Haarspange im Alleingang eine allen Witterungen trotzende Barriere errichten konnte. Diese Tat brachte ihm große Sympathiepunkte für seinen kommenden Wahlkampf um das Amt des Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika ein. Experten sind sich bereits jetzt einig, dass Garrett das Rennen gewinnen wird.

      Neben seiner Konzerttätigkeit, seiner Profisportlerkarriere und seiner Tätigkeit als Neurochirurg bleibt Garrett nur noch wenig Zeit für seine weiteren Interessen, so dass für 2012 leider die Teilnahme als Mittelstürmer bei der Fußball-EM im deutschen Team nicht möglich sein wird. Garrett begründete dies in einem Interview damit, dass er zu sehr eingespannt sei durch seine Hauptrolle in Roland Emmerichs neuem Film "Der Tag an dem die Fiedel still stand", ein düsteres Endzeitepos, welches in einem New York der Zukunft spielt, in dem Kolophonium nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist und die Geigenbögen mit Menschenhaar bespannt werden müssen. Garrett wird an der Seite von Robert de Niro und Dustin Hoffman spielen. Hier darf man ein großartiges Kino a la Arthaus erwarten, der Film wird schon jetzt als Oscaranwärter (bester Hauptdarsteller und bester Film) gehandelt.

      In der spärlichen Freizeit, die David Garrett bleibt, entspannt er sich gerne bei leichter Lektüre (zu seinen Lieblingsautoren zählen Sartre, Spinoza und Wittgenstein, über die er auch diverse Arbeiten veröffentlicht hat), gerne widmet er sich auch seinem anderen Steckenpferd, der kybernetischen Anthroplogie, einem Gebiet, auf dem Garrett eine international anerkannte Koryphäe ist. Der Künstler bedauerte in diversen Interviews, dass er einige Freizeitbeschäftigungen nun leider aufgeben musste, so das von ihm sehr geliebte Ikebana, die chinesische Kalligraphie und die Teilnahme an Mathematikwettbewerben. Insbesondere bei letzterer Tätigkeit war Garrett oft als Sieger hervorgegangen, zuletzt hatte er in Paris 2009 den ersten Preis für die Berechnung 57stelliger Primzahlen im Kopf in nur 4 Sekunden erhalten.

      Wir wünschen diesem Universalgenie weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf seine nächste CD, welche unter anderem die vom Künstler selbst erstellte Rekonstruktion von Beethovens 10. Symphonie sowie den von Garrett komponierten fehlenden Satz aus Schuberts Unvollendeter (jeweils in Bearbeitungen für Violine Solo mit obligatem E-Bass und DJ) enthalten wird.

      S A T I E
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      Harry Partch
    • Diesen Fred muss ich mir noch genauer anschauen - passt! (= größt denkbares fränkisches Lob!)

      Bisherige private Höhepunkte: die Kurzzusammenfassungen zu den drei Wiener Klassikern einschließlich Foto des Bonner Misanthropen sowie die Lexika musikalischer Fachausdrücke.

      :downWolfgang

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Andréjo ()

    • Vielen Dank für die Blumen.
      Wir bemühen uns, hier in Bälde neue Kapitel bereitzustellen. Nicht dass am Ende noch die Welt im Chaos versinkt, so gänzlich ungelenkt...

      Doch fahren wir fort, ich werde darauf zurück kommen.

      Herzlich,
      SATIE
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      Harry Partch
    • Wir möchten (endlich!) darauf hinweisen, dass einer unserer geschätzten Autoren, Zebedäus Yvar Bromskloss, eine eigene Internetseite eröffnet hat.
      Unter bromskloss.de finden sich ab sofort in unregelmäßigen Abständen neue Beiträge zu ausgewählten Forschungsthemen der Musik.
      Wir würden uns freuen über zahlreiche Besucher und angeregte Diskussionen!

      Über den Autor:

      Zebedäus Yvar Bromskloss (*1973)

      Forscher auf dem Gebiet der Klangimagination und verschollener Fiktivkompositionen. Beschrieb als erster das Phänomen des Phantomkonzerts anlässlich eines Symposions zur Thematik “Pleonexie und Münchhausen-Syndrom als Weg aus der Isolation” in Helsinki, 1956. Daneben Krummhorn-Virtuose (u.a. Ehrenmitglied des Zurich Art Ensemble, dort u.a. Soprankrummhornist bei der legendären 1986er-Tournee).

      Seit 2014 Künstlerischer Direktor des Instituts zur Erforschung verschollener Kompositionen von anonymen Kleinmeistern des südlichen Mitteltoggenburgs und Umgebung (IEvKaKsMTU) in Ennetbühlshausen Nord.

      Lebt gegenwärtig.

      Schriften (Auswahl):

      “Vom Dualismus des Pittoresken. Das Werk Franz-Herbert Pudelvischers (1887-1964)”. In: Hobel und Spahn – Holzhandwerk im Spiegel der Geisteswissenschaft, 13/1982 (vergriffen)

      “Die Negierung der Quadrupelfuge – Eine systemische Analyse”. In: Rhetoriquaristika – Fachzeitschrift des int. Verbandes der pescetarischen Disputanden, Sonderheft 2, 2001

      “Der Hoquetus im Werk Ignaz Ferdinand von Schrattenhofers”. In: Klinkcklangk – Mazagin der Geslelschatf legahtesnicher Musikwisensschatfler, 2003/4

      “Synästhetisches Komponieren im Kontext gesellschaftlicher Isolation – Neue Studien zum Werk des Komponisten Benjamino Fegatone”. In: Festschrift für Yorick Weichkopp, Winsen/Luhe 1963

      “Entkunstete Musik als Vehikel zur kathartischen Peristaltik”. Vortrag, unveröffentlicht
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      Harry Partch
    • Nach einer viel zu langen Pause melden wir uns zurück mit einem neuen Kapitel des Handbuchs:

      Chormusik - ausführlich erklärt

      Es ist allgemein bekannt, dass der Homo Sapiens sich gerne in Gruppen zusammenfindet. Hierbei kann es zu unterschiedlichsten Ausformungen kommen, vom Fußballverein über Töpferkurse hin zu Freunden guter Zigarren bis zu illegalen Fight Clubs. Mangelt es an einem sinnvollen Inhalt zur Gründung einer derartigen Menschenanhäufung, bildet sich gewöhnlich notgedrungen ein Chor heraus.
      Ein Chor ist zunächst eine beliebige Anhäufung von Menschen der Altersgruppe 70 plus, sehr selten gesellen sich jüngere Menschen hinzu, es sei denn sie sind bereits ertaubt oder haben keine andere Möglichkeit sozialer Kontakte. Charakteristisch für Mitglieder eines Chors ist die Unfähigkeit zur Unterscheidung von Tonhöhen, was auch daran liegen kann, dass sich in die eigentlich von der Komposition her verlangten Töne immer noch hochfrequente Hörgeräte-Fiepsereien gesellen sowie laute Hust- und Stöhngeräusche, die im Zusammenhang mit allerhand Alterserkrankungen der Protagonisten stehen. Dass man im Chor singt ist im Grunde das Hauptproblem, denn wäre diese Bedingung nicht gegeben, könnte ein solcher Verbund durchaus wenig störend neben anderen Vereinen u.ä. existieren.
      Es gibt neben den in aller Regel anzutreffenden gemischten Chören leider auch noch Ausformungen wie den Männerchor und den Kinderchor, die hier ebenfalls kurz näher betrachtet werden müssen. Männerchöre sind in erster Linie eine Alternative zum klassischen Stammtisch. Sie unterscheiden sich von diesem in erster Linie durch den zeitlichen Ablauf: hier wird zuerst gesungen und danach gesoffen, wenn auch die Hauptmotivation zur Zusammenkunft in beiden Fällen der Alkohol ist. Kinderchöre hingegen sind mehr Ausdruck eines elterlichen Sadismus, haben die jungen Sänger doch nicht einmal die Möglichkeit, sich (legal) dem Hochprozentigen hinzugeben, auch funktionieren in der Regel ihre Ohren noch einwandfrei, sodass die Kinder ebensogut in den Turnverein oder andere sinnvolle Gemeinschaften aufgenommen werden könnten. Kinderchöre sind ähnlich wie Internate nur für die Eltern von Vorteil, die ihren Nachwuchs für eine Weile vom Hals haben wollen. Problematisch wird es ab dem Stimmbruch, der die Insassen dann automatisch von ihrer Singpflicht entbindet. Häufig entwickeln diese aber eine durch die dann eintretende Orientierungslosigkeit bedingte Trunksucht, die bereits auf die Aufnahme im späteren (Männer-) Chor vorbereitet.
      Zurück zum gemischten Chor. Dort befinden sich zumeist in einer enormen Überzahl sehr alte Altistinnen, sprich Sängerinnen, die vom Ambitus her nicht mehr als große Terz bewältigen können in der normalen Sprechlage. Durch die in diesem Alter bereits stark fortgeschrittene Abnutzung der Stimmbänder ist das Halten einer Tonhöhe ohnehin nicht mehr gewährleistet (gilt für sämtliche Choristen), auch entspricht der Klang eher einem krähenartigen Krächzen als einem musikalisch verwertbaren Ton. Ein paar wenige Soprane finden sich für gewöhnlich, dies sind jene Frauen, die noch gefahrlos einige hohe Töne herauspressen können, da sie noch nicht an Inkontinenz leiden. Natürlich geht dies stark zu Lasten der Klangschönheit, hier haben wir es mit einem verzerrten und von der Frequenz her gar nicht mehr definierbaren Kreischen, vergleichbar dem Klang einer defekten Kreissäge, zu tun. Bei den Männern entspricht diese Tonlage den Tenören, für die genau dasselbe gilt, darunter haben wir einen in der Regel viel zu stark besetzten Anteil an Bassisten, die allesamt durchgehend vor sich hin grunzen. Vorteilhaft ist dies für alle Narkolepsie-Patienten, da sie während Proben und Aufführungen einfach schlafen und schnarchen können, ohne dass es besonders auffallen würde.
      Der körperlich agilste Altersheimbewohner wird gewöhnlich zum Chorleiter. Er muss noch stehen können (ohne Hilfsmittel) und darüber hinaus den Chor anleiten. Zunächst macht dieser ein paar anstrengende Übungen, zum Beispiel Ein- und Ausatmen oder auch Lächeln, ohne dabei die dritten Zähne herausfallen zu lassen. Eine Mitgliedschaft im Chor ist also durchaus ein sinnvolles Körpertraining für Senioren. Dann wird versucht, eine Chorkomposition zu singen, zum Beispiel von Bruckner oder Mozart oder wie die verrückten Komponisten heißen, die ernsthaft gewagt haben, für diesen Apparat Werke zu schreiben. Meist sind das sehr einfache Stücke mit vielen Tonwiederholungen, da die Sänger ohnehin nicht fähig sind, zweimal hintereinander dieselbe Tonhöhe zu produzieren. Wenn beispielsweise ein Chor mit 20 Bässen einen einzelnen Ton singt, so hört man eigentlich 20 verschiedene, aber ständig schwankende Frequenzen. Diese treffen sich nach dem Zufallsprinzip aber immer wieder einmal, sodass die Illusion entsteht, der Chor sänge tatsächlich einen einzigen Ton. Fachleute sprechen hier vom "Fuzzy-Note-Effekt". Komponisten wie Ligeti haben sich das zunutze gemacht: er schrieb Chorkompositionen mit nur einem einzigen Ton, die man allerdings vor der Aufführung nicht üben darf. Daher treffen sich die Frequenzen niemals, und es entsteht der Effekt einer komplexen Klangwolke. Da der Chorleiter ebenso taub ist wie die Sänger, fallen auch ihm bestimmte Tonhöhen nicht auf, und so kommt es immer wieder vor, dass ganze Chorkonzerte eigentlich aus 10 Wiederholungen des "Ave verum" von Mozart bestehen, die man als 10 verschiedene verschwommene Clusterkompositionen wahrnimmt. Textverständlichkeit ist übrigens rundheraus verboten in Chören. Hieran kann der Laie - sofern er den Unterschied in der Personenanzahl nicht bemerkt - den Unterschied zu einem Liederabend feststellen, dort ist die Chance, ab und zu einen Wortfetzen zu verstehen größer, wenn auch nicht zu garantieren.
      Chöre an sich stellen keine Bedrohung für die Umwelt dar, doch leider haben sie die Angewohnheit, Chorkonzerte zu veranstalten. Sollten Sie, lieber Leser, tatsächlich einmal das Pech haben, zu so einer Veranstaltung eingeladen zu werden, erfahren Sie hier, wie man sich am besten hierfür wappnet.
      Richtlinien zum Besuch eines Chorkonzerts:
      1. gehen Sie in die Apotheke oder Drogerie und verlangen Sie nach Ohropax, womit sie sich die Ohren bitte für die Gesamtdauer des Konzerts verstopfen. Damit lösen Sie bereits einen Großteil der mit dem Konzertbesuch verbundenen Probleme.
      2. besorgen Sie sich auf dem Schwarzmarkt eine Schusswaffe, damit Sie im schlimmsten Fall den Chorleiter töten können.
      3. ziehen Sie sich dem Anlass gemäß an: Sportschuhe, damit Sie schnell wegrennen können, bequeme Hosen und unbedingt Einlagen, falls Ihre Blase versagt, was durch allzu komplexe Freuenzgemische immer wieder vorkommt. Falls Sie in der ersten Reihe sitzen müssen (schütze Gott Sie davor!!): Regenkleidung oder zumindest ein aufgespannter Schirm sind dort zwingend nötig. Ich sage nur: 50 Leute mit feuchtest denkbarer Aussprache...
      4. stimmen Sie sich vorher auf das Konzert ein! Schalten Sie einen schönen Splatterfilm bei maximaler Lautstärke ein, gurgeln Sie viermal mit einer Mischung aus drei zerbröselten Kukident und zwei Mottenkugeln. Alternativ können Sie auch einen Tag lang neben einem Bauarbeiter mit Presslufthammer stehen (ohne Ohropax, bitte!) und danach ein Bad in ranziger Milch nehmen.
      5. sollten Sie nicht sicher sein, ob Sie wirklich in einem Chorkonzert sind, nutzen Sie untenstehende Grafik und prüfen Sie das Erscheinungsbild der Menschen auf der Bühne!
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      Harry Partch