Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Meine Lieben,
      recht herzlichen Dank für die vielen Komplimente. Natürlich wird weiteres folgen. Für eine Veröffentlichung müsste natürlich so manches umformuliert werden, auch sollten keine konkreten Namensnennungen darin enthalten sein. Aber es soll erst mal genügen, wenn ich hier zur musikalischen Bildung etwas beitragen kann :)

      Übrigens hier ein Nachtrag:


      Aber der Gergiev ist schon auch immer ein schmuckes Kerlchen...

      Demnächst mehr. Ich will ja meine Fans hier nicht enttäuschen!

      Euer
      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Die Wiener Klassik - kurz und bündig

      Wissen muss man hier drei Namen: Haydn, Mozart, Beethoven. Basta. Der Rest ist eigentlich Luxus, dennoch mögen einige Fakten dem interessierten Klassikfreund hier Stoff für den nächsten Sektempfang liefern. Ausserdem kann man dann auch im Musikgeschäft besser den Fachmann markieren.

      Fangen wir also mit dem Haydn Sepp an, der auch der älteste von den drei Knaben war. Die Biographie ist schnell erzählt: als Junge hat er im Stephansdom vor japanischen Touristen gesungen und hätte dafür um ein Haar die Familienjuwelen abgenommen bekommen (ja, das bedeutet, man hätte ihn fast kastriert). Dann hat er halt irgendwann zu schreibseln begonnen und sich bei einem Fürsten eingeschleimt. Die ersten Hits hat ein Verlag gekauft (Franzmänner) und ihn damit zum Star gemacht. Vor allem die englischen Snobs fanden ihn ziemlich cool und hätten ihn gerne aus Österreich rausgeholt (selber hatten die ja nix), aber da Haydn nur Bahnhof verstand auf der Insel hat ers vermasselt. Er hatte einen üblen Drachen als Frau, der seine Notenblätter benutzt hat, um Fisch einzuwickeln. Greatest Hits: Nationalhymne, Streichquartette und Orchesterzeug, Opern hat er auch geschrieben, allerdings nicht so tolle, daher wenig gespielt.

      Zweiter im Bunde: der Mozart Wolferl. Der wurde schon gleich als er aus dem Bauch der Mutter geploppt war ans Klavier geprügelt und drauf getrimmt, auf Kommando alles mögliche hinzuklimpern. Geige hat er auch spielen müssen, die arme Sau. Dann wurde er den reichen und blöden vorgeführt und musste sich zum Affen machen. Gebracht hats ihm nicht viel. Kohle hat er gehabt wie Heu, allerdings alles versoffen und verspielt. Ein Weiberheld ist er auch gewesen. Dafür dass er gleich nach der Pubertät ins Gras gebissen hat, hat er gar nicht wenig geschrieben. Seine Sachen sind alle Evergreens. Manches kann man nicht mehr hören, darunter Türkischer Marsch, Zauberflöte und C-Dur-Sonate.

      Last but not James: Beethoven. Tja. Der hatte eine ziemlich abgefahrene Frisur, zog dauernd von einer Wohnung in die andere, hatte wenig Humor (naja, wer in Bonn geboren wird...). Da er zu oft in die Disco gegangen war, litt sein Gehör extrem, irgendwann hörte er gar nix mehr, brauchte also auch seine Stücke nur noch aufzuschreiben und nicht mehr anzuhören. Ein paar unglückliche Weibergeschichten gab es da noch, ansonsten ist da auch nicht viel mehr passiert als jedem anderen auch. Meiden: Fidelio, Für Elise, Wildschweinsonate und alles andere mit komischem Titel. Sonst solide Mucke.

      Kurze Zusammenfassung:
      Haydn: fast kastriert, zu blöd für englisch, miese Ehefrau.
      Mozart: wurde gequält, bis er Musik machte, Spiel- Alkohol- und Frauenprobleme, früh gestorben (kurz: Rockstar).
      Beethoven: kaputte Horcher, null Spaß, geile Frisur.


      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Dialog nach dem Konzert:
      (die Pünktchen stehen für den Interpreten-, Dirigenten- oder Orchesternamen)

      A: "... ist halt nicht mehr so schnell wie vor 8 jahren. aber er ist körperlich robust und mit dem kopf immer noch gefährlich."

      B: "Aber bei ihm erübrigt sich ja ohnehin jeder Kommentar."

      (Pause)

      A: "Eine freundliche Atmosphäre ohne Kravalle und Gewalt."

      B: "Südamerikanische teams verzaubern mich seit jeher."

      A: "Meine heimlichen favoriten : Trinidad Tobago & elfenbeinküste."

      (Pause)


      B: "ich glaube, dein Eindruck bezieht sich in erster Linie auf das Spiel der Italiener, ich habs seit 1982 kein zweites mal mehr gesehen."

      A: "Sie sind körperlich sehr flexibel, 'stehaufmännchen', technisch sehr versiert ! und das wichtigste: sie haben ein 'riesiges herz', sie spielen immer 'um ihr leben' !"

      B: "Das Problem besteht darin, dass die meisten von uns einige ganz große Spieler nie wirklich gesehen haben. Im Übrigen bin ich immer für den Außenseiter, gleichgültig welches Land es sein mag."

      A: "mich bewegt in diesem Zusammenhang hauptsächlich eine Frage: Spielt ... noch?"

      B: "schöne Frage, die du da stellst, das regt mich zum Nachdenken an, ich habe mir diese Frage noch nie gestellt."

      (Pause)

      B: "Finde ... ist ein sehr guter und "kompletter" Spieler.
      Jede Position [...] kann er spielen, gutes Auge [...]"

      A: "Die letzte Saison war er [...] sehr gut !"

      B: "Etwas Hoffnung leite ich auch der Tatsache ab, daß es damals im Juni/Juli mehr geregnet hat als üblich. Kurz vorher gabs noch das legendäre Österreichspiel."

      (Pause)


      A: "Das wird ein echter Kulturschock für die Mexikaner werden."





      (sämtliches Material entstammt dem Thread: "WM 2006")
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Original von Satie
      (sämtliches Material entstammt dem Thread: "WM 2006")


      Lieber Satie,

      und was lernen wir daraus? Auch in der Musik wird immerzu nach dem „Weltmeister“ gesucht. Eigentlich schade. Und manchmal finde dieses „XY ist besser als YZ“ oder gar „XZ ist der Beste“ geradezu unerträglich. Obwohl ich natürlich selber ebenso urteile... :(

      Gruß, Cosima
    • Sehr richtig, Cosima!
      Doch demnächst wieder weniger besinnliche Beiträge, aus denen man auch wirklich wieder fachlich wichtiges lernen kann.
      Übrigens: Anregungen nehme ich gerne entgegen! Schließlich dient dieser Thread dazu, den unerfahrenen Klassikliebhabern zu helfen. Und da gibt es noch sehr viel zu tun.
      Fest eingeplant sind Beiträge über Wagner, die Romantik als Epoche, Instrumentenkunde für Anfänger, der kürzeste Abriss der kompletten Musikgeschichte aller Zeiten, Lexikon musikalischer Fachausdrücke und vieles mehr!

      Bis demnächst

      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Lexikon musikalischer Fachausdrücke
      Teil 1

      a cappella engl.: eine Gruppe von Musikanten

      a due svw. auf Wiedersehen

      alla turca mit Kräutersauce und ohne Zwiebeln bitte

      Anschlag svw. Attentat

      a quattro mani für Mutanten

      a tempo mit Taschentuch

      attacca Angriff

      brillante Edelsteine

      comodo kleiner Schrank

      con grazia mit Dank

      con moto mit Motorrad

      con spirito mit Alkohol

      Dominante Frau, die auf Erniedrigung basierende Sexualpraktiken ausübt

      espressivo wie starker Kaffee

      forzato, sforzato mit Blähungen

      mezzoforte ein Halbstarker

      mezzopiano ein halb abbezahltes Klavier

      non tanto der Onkel

      ossia Tanz, der vorwiegend in den neuen Bundesländern gepflegt wird

      poco a poco (von) Schwein zu Schwein (ital.)

      portato (engl.) Kartoffel

      presto italienische Pastasauce aus Genua, besteht aus Basilikum, Knoblauch, Pinienkernen und Olivenöl

      quasi Vorname des Glöckners von Notre Dame

      saltato gesalzen

      sinistra Amerikanischer Sänger italienischer Herkunft, Vorname Frank

      tempo rubato gestohlenes Taschentuch

      Tonika bittere Getränke

      tosto englisches Weißbrot

      tranquillo Beruhigungsmittel

      Triller spannender Krimi

      Vibrato für die Dame


      gez. Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • ZAPPING - Libretti-Poesie für den Hausgebrauch

      Es ist überhaupt nicht damit getan, eine Oper nur zu hören, sondern man sollte auch die Texte studieren. Wichtige Stellen sind auswendig zu lernen, damit man sie im täglichen Gebrauch anwenden kann. Unsere Umgangssprache entbehrt im allgemeinen der Poesie und es wird Zeit, diesem Missstand abzuhelfen. Im besonderen bietet sich hier Richard Wagner an, seine Verse in die Umgangssprache einfließen zu lassen.

      Es wirkt unkultiviert, wenn der Ehemann zu seiner Frau sagt: „Hör auf zu heulen“; viel besser klingt, wenn er vorschlägt, dass sie die „tröpfelnden Tränen der Trübsal trocknen“ soll.

      Manchmal muss man auch ein bisschen auswendig lernen, um zur aktuellen Situation den passenden Spruch zur Hand zu haben.

      :J

      Folgende Szene. Der Haushaltsvorstand hatte Ärger im Beruf und kommt abends spät schlecht gelaunt nach Hause. Die Frau freut sich, dass er endlich da ist, öffnet die Haustür und offeriert ein strahlendes Lächeln. Dann sagt er:

      „Eine zierliche Fresse zeigst Du mir da,
      lachende Zähne im Leckermaul!
      Gut wär’ es, den Schlund dir zu schließen;
      Dein Rachen reckt sich zu weit.“


      Danach setzt der Mann sich an den Küchentisch und motzt:

      „Trinken wollt ich:
      Nun treffe ich auch Fraß“


      Der Zitterrochen schüttet das Glas Rotwein über die weiße Tischdecke. Vergeblich versucht die Hausfrau den Flecken auszuwaschen. Am nächsten Tag kommt die Freundin Besuch und gibt Ratschläge, die keinen Eindruck machen. Beide lieben den Belcanto und Sabine erklärt:

      Una macchia è qui tuttora...
      Via di dico, o maledetta


      Martha Mödel übersetzt:

      „Dieser Flecken kommt immer wieder...
      Hinweg mit dir, verdammter Flecken.


      :W

      Rätselfrage an die Forianer: Um welche der beiden Opern handelt es sich?

      :engel
    • Lieber Engelbert,
      unverkennbar handelt es sich um Siegfried und Macbeth.
      Die Idee ist sehr schön! Vielleicht finden sich im Laufe der Zeit noch viele weitere Beispiele für die praktische Anwendung dieser Universalphrasen.

      Merci
      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Kritiker werden - leicht gemacht

      Wer zu taube Ohren hat, um den Unterschied zwischen Wagner und Pachelbel oder zwischen einer Harfe und einer Tuba zu hören, hat als Klassikliebhaber schlechte Karten. Man möchte dann vielleicht auch gerne dazugehören, bringt aber so gar nichts mit, was einen dazu befähigen könnte.
      Hier gibt es zum Glück eine weitere Möglichkeit: werden Sie Musikkritiker! Um ein solcher werden zu können gibt es einige kleine Kriterien, die Sie erfüllen sollten:

      - Arroganz
      - Selbstherrlichkeit
      - fehlen jeglicher Musikalität

      Das genügt völlig. Sollte ein Kritiker sich unerwarteter Weise einmal in der Öffentlichkeit präsentieren müssen, sollte er einen Anzug und eine Krawatte besitzen, um zumindest optisch über die inneren Mängel hinwegzutäuschen. Dazu gehört selbstverständlich auch ein überheblicher Blick.
      Grundsätzlich muss der Kritiker sich antrainieren, alles schlecht zu finden. Mit etwas Übung ist das leicht zu erreichen. Natürlich ist es entscheidend, die ablehnende Grundhaltung durch Phrasen zum Ausdruck zu bringen, die besser klingen als sie sind.
      Bei Opernsängern etwa:
      "XY war mit dieser Partie eindeutig überfordert"
      statt
      "Mann, hat die furchtbar gesungen"
      oder
      "Was finden die eigentlich alle an dem entsetzlichen Gejaule?"

      Wenn eine Sängerin dem Kritiker nicht hübsch genug war, schreibt er:
      "An ihrer Technik muss sie noch arbeiten."
      War die Sängerin zu fett, hatte sie "ein großes Volumen, doch fehlte es ihr an Leichtigkeit."

      Hat ein Musiker total langweilig gespielt, war er "souverän" oder "solide".
      Hat ein Geiger gefiedelt wie Waldi, 90 Prozent falsche Töne, heißt es: "die Intonation war teilweise noch verbesserungswürdig."

      "Das Publikum honorierte die Leistung des Orchesters gebührend" kann natürlich auch bedeuten, dass die sauschlecht gespielt haben und dann logischerweise ausgebuht wurden.

      Weitere Beispiele:

      "Dagegen fehlte es bei solistischen Satzanfängen oder fugierten Einsätzen manchmal ein wenig an Sicherheit und dadurch auch an Volumen, im schnelleren Tempo war der Chor nicht immer zusammen. Am wirkungsvollsten gelangen feierliche Sätze" (Schwäbisches Tagblatt,10.2.2002)
      Das bedeutet: Die Chrosänger konnten eh keine Noten lesen, dann waren alle zusammen, inkl. Dirigent so besoffen, dass die total arhythmisch waren und auch nur leise vor sich hin gelallt haben. Das langsame Zeug konnten sie auch so noch einigermaßen.


      "Den Abschluss bildeten vier »Ungarische Tänze« von Johannes Brahms; ausgesprochen emotionale Werke, die hohe Ansprüche an die technische Versiertheit der Interpreten stellten."(Siegener Zeitung, 29. September 2001)
      Sprich: Dass da danebengelangt wird, versteht sich von selbst.


      "XY hat nicht nur den Chor mustergültig studiert, sondern läßt auch die Streicher des Wiener Kammerorchesters geschmeidig singen und von den beteiligten Tiroler Bläsern und Pauken klangmächtig unterstützen."(Tiroler Tageszeitung, 23.12.1995)
      Im Klartext: Der Chor hat mehr oder weniger die richtigen Töne getroffen, die Streicher haben vor sich hin gesäuselt, während Blech und Pauken viel zu laut gedröhnt haben.

      "XY (Alt) hatte anfangs etwas Mühe, sich während der Arie "Von den Stricken meiner Sünden ..." stimmlich gegenüber dem Ensemble zu behaupten. Mit der Arie "Es ist vollbracht!", korrigierte sie jedoch den ersten Eindruck nachdrücklich. " (Schwäbisches Tagblatt 20.02.2005)
      Hier bedeutet das: Das Orchester spielte schweinelaut, damit man die miserable Sängerin nicht hören muss. Die sagte sich dann: Na wartet, Ihr Drecksäcke, euch zeig ichs! Und dann hat sie halt so laut gesungen, dass das Orchester keine Chance mehr hatte.
      Weiter in der selben Kritik:
      "Am Ende wagte zunächst keiner der Zuschauer, eine Hand zu rühren. Erst nach vielen Augenblicken rührten sich die Leute und klatschten langanhaltenden Applaus. "
      Naja, das dauert halt, bis alle aus dem Tiefschlaf aufwachen und sich das Ohropax wieder rausgepuhlt haben...

      "XY am Piano sann einfühlsam der "ewigen Melodie" Wagners nach."(Traunsteiner Tagblatt 17.2.2006)
      Der Sänger hat also dermaßen geschleppt, dass das Klavier kaum hinterher kam.

      "Von Gustav Mahler ebenso beeinflusst wie von seinem Schüler und Schwager Schönberg setzen sie den Hörer durch ihren irisierenden Symbolismus in staunende Bewunderung."(Südostbayerische Rundschau 04.12.2004 )
      Klartext: Alle verstanden nur Bahnhof.


      "Der Sänger hat an stimmlicher Reife entschieden gewonnen, ohne seine trocken-helle (optimal verstehbare) “Ausdrücklichkeit” verloren zu haben. Und er wußte, was er sang!
      Das ist keine Selbstverständlichkeit heutiger Tage."(Traunsteiner Tagblatt 3. April 2002 )
      Der Sänger ist also endlich nicht mehr ganz so lausig wie früher, und diesmal hat er auch nicht aus Versehen plötzlich Brahms statt Mozart gesungen. Bravo!


      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Streichquartett - Die Gattung für Profis

      Um auch dem bereits fortgeschrittenen Klassikliebhaber etwas zu bieten, wollen wir uns nun einer der schwersten und unzugänglichsten Gattungen der Musik zuwenden: dem Streichquartett. Zunächst müssen wir, um nicht peinlich aufzufallen, einmal wissen, was denn nun ein Streichquartett eigentlich ist. Das Wort Quartett kennen wir alle aus unserer Jugendzeit, dies ist nämlich jenes bekannte Kartenspiel, bei welchem man etwa Geschwindigkeiten von Autos oder das Alter von Dinosauriern vergleicht, um dem Gegner möglichst viele Karten abzujuxen. Ähnlich geht es auch im Streichquartett zu, nur eben nicht mit Karten, sondern zum Beispiel mit Noten. Meist hat man am Ende folgende Situation in der Rangliste: ganz oben eine Geige, gefolgt von der zweiten Geige, dann die Bratsche (sonst generell auf dem letzten Platz) und zu guter Letzt ein Cello. Diese Verteilung entspricht weitgehend der konditionellen Leistung des Notenspiels, die erste Geige schafft also am meisten, die zweite schon weniger und so weiter.
      Aber gehen wir schrittweise vor und definieren zunächst die Instrumente:
      Violine oder treffender Geige nennt man einen seltsam geformten Kasten mit Saiten (vergleichbar mit dünnen Drähten oder Schüren, die über diesen Kasten senkrecht verlaufen. Dieser Kasten wird krampfhaft unter das Kinn geklemmt, während die linke Hand in anatomisch möglichst ungeeigneter Weise verdreht diese Saiten unter Schmerzen an diversen Punkten herunterdrückt (dies verursacht in der Regel tiefe Schnitte in den Fingern, die aber dank der mangelhaften Durchblutung (durch das Verdrehen der Hand) nur selten Blut ausströmen lassen.
      Dasselbe gilt auch für die Bratsche oder Viola, nur dass dieses Instrument größer gebaut ist und dadurch noch verkrampfter festgeklemmt werden muss. Dies erfordert wiederum eine der Anatomie des Homo Sapiens noch weniger angemessene, stärkere Drehung des Handgelenks, weshalb ein Greifen und drücken der Saiten vollends verunmöglicht wird. Die Bratsche wird also lediglich mit dem Bogen gestrichen, ohne dass Saiten gedrückt werden müssen.
      Bei diesem Bogen, der bisher nicht erwähnt wurde, handelt es sich um einen Stock von mittlerer Länge, welcher immer in der rechten Hand gehalten wird. Warum dies der Fall ist, wird später erläutert. An diesem Stock ist ein halber Pferdeschwanz angebracht, der dank einer klebrigen Masse bei waagerechtem Streichen über die Saiten einen gequetschten, gequält klingenen Laut erzeugt.
      Das Cello ist das größte der Instrumente eines Streichquartetts. Es würde unter der selben Benutzung wie Violine und Bratsche unsägliche Schmerzen, Tennisarme und irreparable Nackensteifheit verursachen und wird daher anders bespielt, nämlich auf einem Stachel stehend. Der Cellist ist immer der gesündeste Musiker des Streichquartetts, da er die Hand nicht verdrehen muss und das Gewicht des Instrumentes nicht tragen muss. Auch hat der Cellist nur wenige tiefe Töne zu spielen.

      Woran erkennt man nun ein gutes Streichquartett?

      a) es besteht aus zwei Geigen, einer Bratsche und einem Cello
      b)Alle halten den Bogen in der rechten Hand, und zwar immer. Pflaster auf dem Auge des zweiten Violinisten oder des Bratschers deuten darauf hin, dass die korrekte Handbenutzung nicht immer beachtet wurde.
      c) Wenn Geiger und Bratscher das Instrument vom Hals absetzen, muss ein deutliches "Plopp" zu hören sein.
      d) der Cellist musssein Instrument mit dem Stachel tief und unverrückbar in den Boden rammen, nachdem er aufgetreten ist und sich verbeugt hat.

      Woran erkennt man eine gute Streichquartett-Komposition?

      a) Sie ist ausschliesslich für die Instrumente Violine 1, Violine 2, Bratsche und Cello geschrieben, und zwar so, dass jedes der Instrumente eine eigene Stimme hat.
      b) Die vier Instrumente spielen auch tatsächlich alle (man achte strengstens darauf, dass nicht etwa einer oder mehrere der Spieler nur so tun, als würden sie spielen. Wenn die Bratsche ausser andauernden Auf- und Abstrichen nichts tut, also weder einen der anderen Spieler anschaut noch irgendetwas mit der linken Hand zu drücken versucht, ist das normal.
      c) Sie dauert zwischen 10 und 15 Minuten, der Höreindruck ist aber so, als sei die tatsächliche Dauer 3 Stunden.
      d) Sie darf kein Thema haben, welches man sich merken kann.


      Wie verhält man sich in einem Streichquartett-Konzert?

      Man zieht sich zunächst einen möglichst unbequemen Frack oder Anzug an, mit passender enger Fliege (so eng schnüren, dass man die Luftzufuhr um etwa 50 Prozent reduziert, aber noch nicht blau anläuft). Man setze sich möglichst in die erste Reihe, aber nicht neben den ersten Geiger. In ca. 2-minütigen Intervallen hüstelt man leise, aber vernehmbar. Während des gesamten Konzertes soll man eine leicht seitliche Sitzhaltung einnehmen, das Kinn auf die linke Hand gestützt. Die MUndwinkel zeigen nach unten, die Stirn ist in Falten zu legen. Vorsicht: auch in der Pause soll die Mimik keinesfalls verändert werden. Das Kinn muss allerdings dann nicht gestützt werden.
      Während des Pausenchampagners unterhält man sich möglichst oberflächlich mit irgendwelchen Leuten. Diesen schaut man nicht in die Augen, sondern fixiert einen Punkt irgendwo hinter den Leuten. Es bieten sich Floskeln an wie: "In den Ecksätzen ist mir der Ton des Primarius definitiv zu metalisch." " Das LaSalle-Quartett hat die Tempi letzten Sommer in Lugano etwas vitaler genommen." "Der Cellist ist den Beethovenschen Scherzi mit seinem penetrant lyrischen Ton nicht gewachsen. Auch hat sein Instrument einen deutlich hörbaren Wolf beim kleinen ges. "

      Sicherheitshalber sollten die Mundwinkel auch nach dem Konzert und während des gesamten Heimwegs noch nach unten weisen. Sollten sich die Mundwinkel danach über mehr als 36 Stunden nicht wieder entspannen lassen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Vor übertriebenem Konsum von Streichquartettmusik wird gewarnt, da zunehmend chronische Fälle von Mundwinkelstarre verzeichnet werden.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Lieber Satie,

      superb - ich habe Tränen gelacht. Wie schön, daß Du diesen (Leit-)Faden aus gegebenem Anlaß wieder aufleben läßt! Er war nämlich bisher völlig an mir vorbeigegangen!!

      Wenn ich so verwegen sein darf, einen Wunsch zu äußern, so würde ich Dich herzlich bitten, doch bei nächster Gelegenheit einmal die Klaviermusik Robert Schumanns abschließend zu behandeln.

      Beste Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Original von Gamaheh
      Lieber Satie,

      superb - ich habe Tränen gelacht. Wie schön, daß Du diesen (Leit-)Faden aus gegebenem Anlaß wieder aufleben läßt! Er war nämlich bisher völlig an mir vorbeigegangen!!

      Wenn ich so verwegen sein darf, einen Wunsch zu äußern, so würde ich Dich herzlich bitten, doch bei nächster Gelegenheit einmal die Klaviermusik Robert Schumanns abschließend zu behandeln.

      Beste Grüße,
      Gamaheh


      Liebe Gamaheh,
      herzlichen Dank. Deiner Bitte werde ich selbstverständlich in Kürze nachkommen.

      Herzlich

      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Robert Schumanns Klavierwerke
      Auf allgemeinen Wunsch wollen wir unsere Werkbetrachtungen anhand des Schumannschen Oeuvres für das Pianoforte fortsetzen.
      Dies ist ein Thema, welches wir vor allem unter medizinischen Gesichtspunkten angehen müssen (dies wurde und wird bis heute in der Literatur leider nicht getan). Ausserdem wollen wir mit diesem Beitrag auch endlich einmal das junge Konzertpublikum ansprechen und haben uns um eine zeitgemäßere Formulierung bemüht.

      Der Schumann Beppo hat schon früh fürs Piano geschreibselt, eigentlich weil er selber mit den Stücken absahnen wollte. Das hat er sich aber gründlich versaut, weil er sich selber die Pfoten vermurkst hat. Kein Dunst von Anatomie. Hat ernich kapiert, dass man halt ums Verrecken den Ringfinger nicht so hoch kriegt wie die andern. Und Viagra gabs ja damals noch nicht, deshalb hat er sich also die Finger an so Schnurkonstruktionen nachts hochgebunden, bis die Pfoten definitiv im Eimer waren. Aus der Traum, Pustekuchen, basta. Naja, hat er halt ne Pianistin geheiratet, die ihm dann immer sein Zeug gespielt hat, so lange wie sie noch nich vom Windeln wechseln die Krise gekriegt hat.
      Später ging Schumann gerne in die Clubs um DJ Fred Chopin und Johnny Brahms live on stage zu hören, natürlich immer mit der Ohrmuschel voll auf der Fenderröhre drauf, bis er sich die Ohren denn auch noch so was von demoliert hatte, dass er da immer so nen Pfeifton drauf hatte. Krüppelpfoten und Gefiepse ey, das hat dem voll Stress gemacht, Mann...
      Ausserdem war seine Alte dann auch noch son Groupie von dem Brahms geworden und hat ihm wohl auch noch son Balg untergejubelt von dem, naja, da hat er eben die Schnauze gestrichen voll gehabt und wollte mal eben vorzeitig ins Seegras beissen. Aber denkste, rausgeholt haben sie ihn und in die Klapse gestopft, wo er vollgedröhnt mit Drogen dann auch mal endlich nochn paar vernünftige Sachen geschrieben hat, auch wenn das nun damals keine Sau verstehen wollte. Ja, so war das mit dem.

      Ok, jetzt aber mal endlich Pianomucke. Also da hat er mal für so ne Tussi diese Variationen geschrieben, die jetzt der Lang Lang immer auf DVD spielt. Aber mit der war ja wohl nix.
      Aus Frust ist der Robbie denn auch in sone Gang eingetreten, die nannten sich Davidsbündler, voll krasse Typen, total abgefahren. Für die hat er dann auch Songs geschrieben, Papillons zum Beispiel, da hat er alles fgezeigt, was die da so angestellt haben im Suff, und natürlich haben die dann auch Nicknames gehabt, Eusebius und so. Naja, aber viel gutes hat er da noch nich so gemacht, so Zeug wo er Sachen von Paganini gecovert hat und son Stuss wie symphonische Etüden (wo das doch für Piano sein soll!). Dann hat er so Partymucke gemacht (Carnaval), ja, ganz groovy teilweise. Dann gibts noch son paar dröge Sonaten und sone furchtbar lange Phantasy in C.
      Geileres Zeug sind dann schon so Fantasiestücke und Kinderszenen.
      Ey, und voll Deprizeug hat er auch noch: Nachtstücke. Megagruftimäßig. Na, da war er ja auch schon so ziemlich am Durchknacken, der Alte. Dann hat er noch so ne Hippiephase gehabt und Waldstücke geschrieben (mit sprechenden Vögeln, blutigen Blumen und som kranken Mist. Naja, eben am Durchknacken). Den Rest kannste eigentlich auch n Joint draus drehen, was der so gemacht hat. Nix Band Aid oder so. Aber trotzdem hey, der Alte war so was wie der Fifty Cent von den Romantikern damals, nur Kohle hat er nich so krass viel gehabt. Gabs ja noch nich CD und mp3. Und halt voll nich tanzbar sag ich euch. Aber wenigstens is das Zeug für Piano und nich noch mit Gesang oder sonst was ätzendem. Wird halt mal Zeit fürn geilen Remix oder ne gute Coversache. Yo, gimme five Bob!
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Lieber Satie,

      einfach großartig. :down :down :down :down :down

      Da hatte ich bislang wirklich was verpasst (keine Ahnung, warum mir das Handbuch bisher schlicht entgangen war).

      Endlich eine wirkliche Orientierung, endlich mitreden können!!!! Grazie, grazie, grazie!

      Gut, dass diese unerlässliche Handreichung für den Klassikfreund aus gegebenem Anlass aus der Vesenkung wieder auferstanden ist.


      Herzliche Grüße und ebensolchen Dank

      Sabine
      (fortbildungsbegierig)

      Steht da nicht noch die angekündigte Instrumentenkunde aus?
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von cellodil ()

    • Benutzer online 4

      4 Besucher