Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

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    • Instrumentenkunde - Einführung:
      Was ist ein Orchester?

      Bevor wir zu einer näheren Betrachtung der verschiedenen Instrumente übergehen, wollen wir uns hier das Orchester vornehmen, in welchem bekanntlich viele der existierenden Instrumente vorkommen. Sollten Sie in einem Konzert keine Instrumente sehen, statt dessen aber viele Sänger ist ein fluchtartiges Verlassen des Saals geboten, da Sie sich in einem Chorkonzert befinden. Diese sind immer zu meiden!
      Gewöhnlich spielt ein Orchester in einem Saal, doch ist das nicht zwingend. Orchester können auch im Freien spielen (am besten bei Regen oder Hagel, oder vor einer Herde weidender Schafe). Das nennt man dann ein Pastoralkonzert (auch dann, wenn kein Pastor anwesend ist).
      Gewöhnlich spielt aber das Orchester in Räumen. Diese müssen so groß sein, dass Publikum mit hineinpasst. Sollte sich ausser Ihnen niemand im Publikum befinden, sind Sie aus Versehen bei der Probe und nicht beim Konzert. Prüfen Sie dann unbedingt das Datum im Programmheft. Ist dieses korrekt, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Konzert mit modernen Stücken. In diesem Fall dürfen Sie bleiben und nach den Stücken klatschen. Sollte der Dirigent abwinken und sagen: "Bitte nochmal den Takt 33, Horn etwas präsenter", sind sie definitiv doch in der Probe gelandet und sollten NICHT applaudieren.

      Im Orchester sind die Instrumente nach der Geschwindigkeit angeordnet:
      Piccolo (sehr schnell)
      Flöten (schnell)
      Oboen (mäßig schnell)
      Klarinetten (halbschnell)
      Fagott (moderat)
      Horn (gemütlich)
      Trompete (ungemütlich)
      Posaune (langsam)
      Tuba (ziemlich langsam)
      Pauken (sehr langsam)
      Becken (extrem langsam, beobachten Sie, wie der Beckenspieler die ganze Zeit über schläft und nur bei seinem Einsatz erwacht, um dann viel zu spät die Becken zu schlagen)

      Bei den Streichern fängt das dann wieder von vorne an:
      1. Geigen (schnell)
      2. Geigen (mäßig schnell)
      Bratschen (langsam)
      Celli (sehr langsam)
      Kontrabässe (unglaublich langsam)
      Dirigent (unverschämt langsam)

      In Relation zu den Geschwindigkeiten haben die Instrumente höhere oder tiefere Klänge:
      Piccolo, auch umgangssprachlich als Hundepfeife für Menschen bekannt gibt ein schrilles Fiepen von sich, von dem man noch Tage nach dem Konzert etwas hat
      Flöten: schrill, laut und unangenehm
      Klarinetten: quäkend, an Hundegebell erinnernd
      Oboen: klingen wie wenn man auf dem Kamm bläst
      Fagott: flatulenzartige, dröhnende und Kopfschmerzen verursachende Geräusche
      Horn: dumpfer und blecherner Klang, Darmreizend
      Trompete: stechend-herb bis schreiend, Synapsen können bei übermäßigem Hören leiden
      Posaune: scheppernd und dröhnend, meist mit schwankender Tonhöhe
      Tuba: knarrend-tiefe Geräusche ohne klare Tonhöhe
      Pauken: Kanonenartig hämmernd, meist von ehemaligen Möbelpackern und Schwergewichtsboxern bedient, die nur selten das Ziel ereichen und tatsächlich das Instrument zerstören (dies erfordert wahre Meisterschaft, und die wäre hier ja nur Perlen, die man vor die Säue wirft)
      Becken: elektrisierend-scharf, blendend, äusserst gefährlich für den Gehörgang
      Geige: meckernd-nasal bis heiser-quietschend
      Bratsche: zerquält kratzend bis knatternd-sauer. Eines der gefährlichsten Instrumente, daher oft von zur Bedienung nicht befähigten Schwerstbehinderten oder beidseitig Armamputierten Instrumentalisten oder vom Hals abwärts gelähmten bedient
      Cello: schrammend-brummig und dumpf bis hohl, Klang hat sich in medizinischen Studien als metastasenbildend erwiesen
      Kontrabass: grummelnd bis rülpsend im Infraschallbereich. Kann Depressionen verursachen und zu Verstopfung führen
      Dirigent: blökend-röchlig bis heiser krächzend. Ohne klare Tonhöhe. Meist werden hier Parkinsonpatienten eingesetzt, daher das ständige nervöse Gefuchtel mit den Armen.

      Einige Instrumente wie die Harfe, Celesta und andere wurden hier nicht erwähnt (warum auch?? War das nicht schon schlimm genug? Was wollen Sie denn noch? Geben Sie es zu: Sie mögen auch Splatter-Movies, stimmts?).
      Nähere Bertrachtungen zu den einzelnen Instrumentengruppen werden folgen.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Lieber Satie,

      vielen Dank für Deinen neuesten Beitrag, der alle bisherigen Versuche (Peter und der Wolf, The Young Persons' Guide to the Orchestra, Yehudi Menuhin erklärt die Instrumente des Orchesters) in den Schatten zu stellen verspricht.

      Jedoch sollte das Kontrafagott nicht unerwähnt bleiben, insbesondere mit Rücksicht auf Deine jüngere Leserschaft (zu der ich mich auch rechnen darf, bin ich doch um einiges jünger als Papagenos junge Geliebte). Dieses Instrument darf man nicht unvorbereitet hören, man könnte sonst auf den Gedanken kommen, sich verhalten kichernd unter den Sitznachbarn umzuschauen oder - oh Graus! - daß es zum guten Ton gehört, diese volltönenden eruktationsartigen Geräusche bei einer Konzertdarbietung von sich zu geben! Sollte ich Dir hier vorgegriffen haben, bitte ich um Verzeihung!

      Deiner weiteren Ausführungen begierig harrend,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gamaheh ()

    • Große Persönlichkeiten der Musikwelt, Teil 1: Pianisten

      Horowitz, Vladimir
      spielte immer zur Tea Time auf seinem eigenen, präparierten Piano. Schön wie der Liberace und sexy wie Genscher griff er mit Schmackes ins Elfenbein, meist zwar daneben, aber hey, who cares?

      Gould, Glenn
      sass am Piano wie nasser Sack, als hätte er gar kein Rückgrat. Wohl der erste wirbellose Pianist der Welt. Hat sich beim Spielen röntgen lassen und war frech zu Leuten von der Presse. Geübt hat er immer beim Staubsaugen oder Fersehgucken. Gut, dass er dann nur noch auf Schallplatte rauskam.

      Rubinstein, Artur
      ja, die alte Charme-Beule! Genauso hübsch anzusehen wie Horowitz, hat aber weniger daneben gelangt. Dafür hat er zu soft gespielt, aber das war vielleicht, weil der Man zu wenig geschwitzt hat an den Händen. Die hat er sich immer mit Sprühklebe eingeschmiert, damit er nicht immer von den Tasten weggerutscht ist. Also ehrlich, was soll man da noch drüber sagen...

      Benedetti Michelangeli, Arturo
      Naja, nun, der hat halt das nicht so gehabt mit Humor. Und mit Poesie auch weniger. Und technisch, also da weiss ich auch nicht so richtig. Aber spitzenmäßige Frisur und cooles Schnauzerchen. Und bei dem Namen kommt der eh nicht ins Fegefeuer, kann er auch spielen wie Sau.

      Franz, Justus
      Bedeutendster Musiker der gesamten Nachkriegszeit. Niemand vor oder nach ihm erreichte eine solche Tiefe insbesondere in der Mozart-Interpretation, auch gab es keinen besseren Dirigenten als ihn, niemals. Sein Genie lässt alle anderen erblassen und neidisch zu ihm, der droben im Olymp unter Göttern sich tummelt, Nektar und Ambrosia schlürft, hinaufblicken. Ohne ihn hätten wir Musik nie als wahre Musik erfahren dürfen. Ach Moment mal, das ist ja gar nicht der Franz, den ich meine, das war ja James Last! Ich Dussel...

      Labeque, Katja und Marielle
      Also spielen tun die nicht so doll, auch haben die immer so komische Stücke. Naja, halt vierhändig. Aber die guck ich so gern an im Fernsehen!

      Argerich, Martha
      Die Matha Hari der Pianistinnen. Eiskalt berechnend erledigt sie einen feindlichen Dirigenten nach dem anderen, besonders im Gespann mit Komplizen wie Kremer und Maisky. Sehen Sie sich vor vor der!

      Gulda, Friedrich
      Zu Lebzeiten mehrfach zum Sexiest Man Alive gewählt, wird ihm dieser Titel nunmehr nur noch vom nekrophilen Pianisten Fanclub verliehen. Sein Style war einzigartig, fantastisches Modebewusstsein zeichnete ihn vor allen anderen aus. Gespielt hat er natürlich miserabel.

      Brendel, Alfred
      Ein Magier. Er beherrscht die Kunst, den Zuhörer durch seine Flaschenboden-Brillengläser derart hypnotisierend anzuschauen, dass niemand mehr merkt, dass der Brendel dadurch ständig danebenlangt und sowieso alles nur langsam und fade spielt. Ich sage, der spielt gar nicht selber, sondern hat einen mp3-Player im Flügel, der auf Pedaldruck dann spielt. Der Mann hat immerhin Zeit, auch noch schlechte Gedichte zu schreiben (oder gibts da einen Ghostwriter??). Wer so wenig übt, der kann halt nicht mehr spielen, zumindest nicht gut. Aber ein schmuckes Kerlchen ist er. Früher war er oft mit Horowitz und Gulda zusammen, die drei nannte man das "Rat Pack".

      Richter, Swjatoslaw (Mensch, wasn Vorname)
      Der Gegenspieler von Martha Argerich beim KGB. Fotografisches Gedächtnis, Top-Kondition, Pokerface, kurz:einer der Top-Agenten! Klavierspielen hätte er allerdings nicht müssen...

      Schulz, Kevin
      Guter Anschlag, gutes Notenlesen in Violin- und Bassschlüssel, tadellose Handhaltung, gutes Ohr. Dafür dass ich den Schüler erst zwei Jahre habe, ist der doch schon ganz gut geworden, spielt mühelos im Fünffingerraum einige Stücke der Russischen Klavierschule. Tonleitern muss er natürlich auch üben, aber da drückt er sich immer, der faule Sack. Nur weil er erst 5 ist kann er sich doch trotzdem mal anstrengen, oder? Aber aus dem wird schon noch was. Mit viel Geduld und regelmäßigen Schlägen ins Genick ist noch jeder mit dem Czerny fertig geworden.

      Lang, Lang und länger
      Schlitzohriges Schlitzauge, unterwandert nach und nach als gelbe Gefahr die Konzertsäle des Abendlandes, ab und an mit einem Ahnen an der Rosshaarfiedel im Schlepptau. Dem trauen Sie mal lieber nicht.

      Cziffra, György
      Der Beweis, dass man mit gebrochenen Pfoten auch nicht schlechter spielt als vorher.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • @ Satie

      Böse, böse, böse

      Ich bin entsetzt.

      Wenn ich das früher gewußt hätte, dann hätte ich .... ja was wohl?
      :J
      Keine Ahnung, aber mach weiter so. Dieser thread entwickelt sich für mich immer mehr zum Highlight des Tages.
      :thanks
      Frank

      Hast Du vielleicht auch noch eine Klassifizierung der diversen Musikliebhabertypen parat? Wer weiß, wo ich mich da wiederfinde.
      Difficile est satiram non scribere.
    • Original von LazarusLong
      @ Satie

      Böse, böse, böse

      Ich bin entsetzt.

      (...) mach weiter so. Dieser thread entwickelt sich für mich immer mehr zum Highlight des Tages.
      :thanks
      Frank


      Stimmt. Macht gute Laune im Jahresendgehetze...

      Herzliche Grüße

      Sabine
      (die die Gründung eines Handbuch-Fanclubs erwägt...)

      Original von LazarusLong
      Hast Du vielleicht auch noch eine Klassifizierung der diversen Musikliebhabertypen parat? Wer weiß, wo ich mich da wiederfinde.


      Lieber Frank,

      meinst Du wirklich, wir würden die Wahrheit über uns ertragen??? Oder brauchen wir da hinterher womöglich eine Selbsthilfegruppe?

      Herzliche Grüße

      Sabine
      (gespannt auf Selbsterkenntnis hoffend)
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • Original von cellodil

      Stimmt. Macht gute Laune im Jahresendgehetze...

      Herzliche Grüße

      Sabine
      (die die Gründung eines Handbuch-Fanclubs erwägt...)


      Ich bin dabei
      Original von cellodil
      Original von LazarusLong
      Hast Du vielleicht auch noch eine Klassifizierung der diversen Musikliebhabertypen parat? Wer weiß, wo ich mich da wiederfinde.


      Lieber Frank,

      meinst Du wirklich, wir würden die Wahrheit über uns ertragen??? Oder brauchen wir da hinterher womöglich eine Selbsthilfegruppe?

      Herzliche Grüße

      Sabine
      (gespannt auf Selbsterkenntnis hoffend)


      Sei stark, Sabine sei stark, denn es steht geschrieben:
      "Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter"
      :P
      Gruß

      Frank
      Difficile est satiram non scribere.
    • Auf Wunsch des verehrten Lazarus Long wollen wir also einige grundlegende Hilfestellungen beim Werdegang zum professionellen Klassikliebhaber bieten, insbesondere zur Frage:
      Welche Art von Klasikfreund bin ich?

      In der Literatur findet sich bisher keine systematische Aufstellung solcher Typen, daher ist es uns eine Freude, hier endlich diese Lücke zu schließen und auch dieses Thema bei der Wurzel zu packen.

      Der Anfänger
      Dieser Typus ist scheu, will aber um jeden Preis verbergen, dass er absolut keine Ahnung von der Materie hat. Meist sind solche Leute sehr raffiniert und kaschieren Ihr Unwissen durch geschliffene Formulierungen. Sie würden niemalssagen: "Was ist denn nun mit diesem Mozart oder wie der heisst? Hat der irgendwie goldene Eier gelegt oder was?"
      Nein, sie würden eher sagen: "Ein Mysterium wie Wolfgang Amadeus Mozart wird sich auch dem profundesten Kenner der Materie nicht ganz erschließen können." Natürlich vermeidet der Anfänger um jeden Preis, zu konkreten Werken oder biografischen Details eines Komponisten einen Kommentar abzugeben. Er bleibt so weit an der Oberfläche, wie es sein mangelnder Wissensstand erfordert. In der Regel kennt er nur ein paar Namen von wichtigen Komponisten, mehr steht ihm an Wissen nicht zur Verfügung. Kein Werk hat er je wirklich gehört, auch hat er keine Ahnung von stilistischen Dingen oder sonstigen musikalischen Zusammenhängen. Diese Stufe ist leicht zu erreichen und erfordert kaum Training, abgesehen von den sprachlichen Tricks.

      Der Kopist
      Er hat keine eigene Meinung, auch klingen für ihn Brahms und Ligeti genau gleich, Flöte und Pauke kann er nicht nach der Klangfarbe unterscheiden. Der Kopist ist dem Anfänger insofern unterlegen, als er noch nicht einmal sprachliche Finessen vorweisen kann. Daher sucht sich der Kopist irgendwelche Kritiken und Rezensionen zusammen (bevorzugt aus fremdsprachigen Quellen), die er dann irgendwie neu zusammenmontiert und als sein geistiges Eigentum verkauft. Da sich niemand die Mühe macht, in Rezensionen oder Kritiken nachzuforschen belibt der Kopist oft bis ans Lebensende getarnt, mitunter wird er selbst Kritiker bei der Zeitung. Dem Kopisten kann man nur so auf die Schliche kommen: Man telefoniert mit ihm und fragt ihn ausgiebig, woher er denn das Heraklit-Zitat mit Bogen und Leier habe, welches er zu Schumanns Op. 1 als Leitmotiv in seiner neuesten Rezension benutzt habe. Wenn am anderen Ende zunächst nervöses Hüsteln, dann aufgeregtes Durchblättern von Zeitungen und Lexika zu hören ist, kann man davon ausgehen, dem Kopisten auf die Schliche gekommen zu sein. Manchen Kopisten unterlaufen auch hie und da Fehler, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Im obigen Fall etwa könnte es vorkommen, dass der Kopist sich verrät, indem er antwortet: der Zusammenhang zwischen Herakles und Schubert erklärt sich doch von selbst.

      Der Phantast
      Auch er hat überhaupt keine Ahnung, ist aber unfähig, gut zu formulieren und zum Kopieren zu faul. Er faselt also einfach nur irgendwelches Zeug mit vorwiegend emotionalem Charakter. Egal worum es geht, er wird sagen:"Diese Dichte geht mir so nahe, da kann ich nicht mehr denken, das ist so, als ob man mit Fieber aufwacht und nicht weiss was geschehen ist. Aber großartig, einfach unerreicht, vielleicht manchmal fast zu viel Dichte, wo das doch schon so tief und dicht ist die ganze Zeit. Das ist so schwer zu fassen, dese tiefe Dichte und dichte Tiefe, die da schon innen so mitatmet."
      Den Phantasten erkennen Sie relativ schnell, da niemand auf das eingehen wird, was er sagt.

      Der Buchhalter
      Dieser Typus verlangt zumindest nach einigen Büchern oder anderen brauchbaren Quellen, die auch gelesen werden müssen. Der Buchhalter sieht die Zahl als wesentliche Information an. Wenn er spricht, wird es in etwa so sein:
      "Franz Karl Wilhelm Rübenhauser wurde 1739 als vierter Sohn des Ehepaares Reinhuld Ingeborg Klara Hildegard und Ignaz Max Johannes Nepomuk Ferdinand Rübenhauser (der Jüngere) um 7 Uhr 23 MEZ im 1537 erbauten und von Hans Strunk von 1724 bis 1768 als Chefarzt geleiteten Stiftshospital der barmherzigen Schwestern als Steissgeburt zur Welt gebracht von einer Hebamme mit Namen Hilde Kromm, welche aus einem naheliegenden Ort Namens Unterhinternebenhofen (exakt 12,347 KM nördlich von seiner Geburtsstadt entfernt) stammte und zum Zeitpunkt der Geburt des Frank Karl Wilhelm Rübenhauser selbst zwei Kinder (4 und 7 Jahre alt) hatte, die allerdings beide später (im Alter von 35 bzw. 46 Jahren) an Leukämie sterben sollten, nachdem sie in der Nachbargemeinde Zwatzenhausen im Klosterhospiz zu St. Ephraim von den Brüdern Josephus (1712-1779) und Berhanrdus (lebensdaten unbekannt!) behandelt worden waren mit Aderlässen (7 Behandlungen) und Kneipp-Bädern (5 mal wöchentlich, jeweils nach dem Frühstück, welches um 7 Uhr eingenommen wurde, nach dem Morgengebet um 6 Uhr), ohne dass diese eine Wirkung zeigten, obwohl die Statistiken der damaligen Zeit eindeutig belegen, dass die Heilungschancen bei mindestens 53 Prozent lagen (s. dazu medizinisches Journal der Universität zu Zwatzenhausen vom 19. Februar 1798)."

      Und so weiter und so weiter. Wenn es um konkrete Musikstücke geht, wird der Buchhalter diese so beschreiben:
      "Die Exposition, welche beim Sonatensatz an erster Stelle kommt (es sei denn, ihr ist noch eine (meist langsame) Einleitung vorangestellt) ist bei Beethoven (welcher insgesamt 157 Sonatensätze in fertigen Werken und weitere 2345 in Skizzen geschrieben hatte) genau 147 Takte (Viervierteltakte) lang. Das Tempo ist mit Allegro angegeben, also zwischen MM=100 und MM=120 anzusetzen, womit diese Exposition also zwischen 2,37 und 4,56 Minuten dauert (unter Annahme, dass das Tempo konsequent gehalten wird). In der Exposition finden sich 345 Viertelnoten, 4567 Achtel und 17645 Sechzehntelnoten und 5 Triolenachtel (Auftakt mitgezählt). Der Ton c kommt 35462 mal vor, der Ton d 374625 mal, der Ton e 25346 mal,........." (etc. ad infinitum)
      Den Buchhalter erkennt man daran, dass er, wenn man ih nach der Kernaussage des Gesagten fragt zur Toilette eilt und nach ca. 20 Minuten mit einer errechneten Quersumme wiederkommt.

      Der versehentliche Klassikliebhaber
      Immer wieder kommt es vor, dass Menschen in den Kreis der Klassikfreunde geraten, die dort gar nichts zu suchen haben und auch nicht hinwollten. Erst spät bemerken sie erst ihren Irrtum. So kann es etwa geschehen, dass ein eigentlicher Fussballfan sich so zu erkennen gibt:
      "Das kann doch wohl nicht wahr sein! Da hat doch die Kuh in der 44. Minute das C nicht halten können! Applaus für die Gegenmannschaft und der Dirigent gab natürlich kein Foul, der Trottel, nicht mal ne Gelbe gabs! Die Hooligans sind voll ausgeflippt und haben auch noch Verlängerung gewollt, da hat die dann das C nochmal nicht halten können und ist ausgedribbelt worden. Keine Chance! Und dann fürn Stehplatz Fuffzig Euro, Bier und Würstchen gabs auch nich."

      Der Herrgott
      Er ist das Sahnehäubchen unter den Klassikliebhabern, und jeder ambitionierte Anfänger sollte versuchen, ein solcher Herrgott zu werden. Dieser hat tatsächlich eine gewisse Sachkenntnis. Zwar nicht von der Musik oder den Komponisten, aber er besitzt tonnenweise CDs (sonst gar nichts, auch ist er generell eher technikfeindlich). Von diesen CDs fertigt der Herrgott eine Datenbank oder besser: ein Haushaltsbuch an, in dem er verzeichnet, wann die CD gekauft wurde, wie teuer sie war, in welchem Regal sie steht und wer spielt. Manchmal auch Gewicht, Farbe des Booklets und anderes. Das ist das Potenzial des Herrgotts, denn er ist der Allwissende, dem nichts entgeht. Er kann sofort sagen: "Die Aufnahme mit Karajan am Bass und Argerich an der Harfe unter Leitung von Konsalik aus dem Jahre 46 (bei Moneta als Neuauflage der alten Mammon-Schellack herausgekommen, Japanpressung, Vierfarbbooklet auf Bütten) ist die beste Aufnahme dieses Werks." Und dann wird systematisch nach unten weitergearbeitet: "Dieser beinahe ebenbürtig ist die 57 erschienene aber leider vergriffene Einspielung der Leningrader Symphoniker unter Grzimek, die vom interpretatorischen Ansatz her aber zurückhaltender ist."
      Wichtig ist hier, über Interpretation kaum zu sprechen, und wenn, dann nur in Phrasen wie "das ist die einzige überzeugende Einspielung" oder "der Dirigent hat den Notentext genau studiert". Entscheidend sind die Daten zu den Aufnahmen, nichts weiter. Es gilt: je rarer die Aufnahme, desto besser (da niemand diese Aufnahme dann kennen wird). Rare Aufnahmen findet man anhand folgender Kriterien:
      -sie liegen verstaubt in einer Ecke in der Besenkammer des Musikalienhändlers
      - sie klingen furchtbar, knacken und rauschen immer
      - sie sind auf Schallplatte (das sind größe, schwarze Scheiben, welche die Höhlenmenschen zur Musikaufzeichnung benutzten)

      FORTSETZUNG FOLGT
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

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    • Welche Art von Klassikfreund bin ich? Part 2

      Der Schüchterne
      Ihn zeichnet aus, dass er jeweils bevor er zum eigentlichen Gegenstand seiner Frage kommt (Antworten hat er keine) sich derart im Gestrüpp der Fragestellung verheddert, dass ihn bereits eine Antwort überrollt, bevor er das Wesentliche auf den Punkt gebracht hat. Etwa: "Ich bin ja nun mit den Werken von Beethoven noch nicht so sehr vertraut, naja, ich hab zwar da so eine Box mit den Symphonien und den Klavierkonzerten, ganz ordentliche Aufnahmen, finde ich, und die höre ich ja nun, äh, auch ganz gern mal, also, äh, so zum Frühstück, wenn ich dann mal nen schönen Earl Grey gemacht hab und dann noch dazu komm, also da hab ich mich jetzt halt gefragt, ob nun bei den Streichquartetten, wenn ich die mal jetzt, äh, so pauschal nennen kann, also da hab ich mir nicht ganz erklären können, wie das nun hier, äh,..." Spätestens dann wird er schon längst von einem Herrgott (s. vorheriger Beitrag), einem Kopisten oder Buchhalter (ebenda) übertönt worden sein. Meistens halten sich die Schüchternen nicht lange.

      Der Choleriker
      Er findet grundsätzlich so viel Missfallen an Musik und Musikindustrie, dass es ihm schon lange nicht mehr um die Musik geht, sondern nur noch um die Schweine, die sie verkaufen und spielen. Wo er spricht, wächst kein Gras mehr:
      "Da hab ich doch heute von diesem verfluchten Mistlabel schon wieder ne Neunte von Beethoven gesehen, die müssen ja die Kuh melken, solange sie noch nicht ganz verwest ist, diese Krämerseelen, diese erbärmlichen. Denen sollte man mal den ganzen Vivaldi, den sie so rausbringen einfach in den Hintern schieben und dann mal schauen, ob aus dem Gierschlund dann auch Goldstücke rauskommen! Die rauch ich doch in der Pfeife, dies miesen, armseligen, elenden, Armani-Anzug-tragenden, pomadierten, Havanna paffenden, gelackten, stinkenden hrvxzfr+*#§%!!!!!!!!!!!"
      Der Choleriker hat zwar den Vorteil, dass er frisch von der Leber weg sprechen kann, sogar wenn es um interpretationen geht ("Der Arrau soll doch zurück zu seiner Baustelle in Italien und sich da mal seinen Liszt vom Polier mit dem Stahlträger einhämmern lassen. Vielleicht lernt er ja dann endlich mal was, der!"). Allerdings verunmöglicht der Choleriker durch seine aufbrausende Art den echten Dialog ("Der kann doch einfach überhaupt nichts, der Sack, der liegt immer an der russischen Riviera am Strand statt mal am Instrument zu sitzen!" - "Also, verzeihung, aber so kann man das doch nun auch wieder nicht..." - "Hast Du mich grad Vollidiot genannt???? Willst Du mich provozieren, Du alter, mickriger, widerlicher...(Rest zensiert)...."

      Der Esoteriker
      Er kann beim besten Willen nicht anders, als hinter allem eine mystische Kraft zu vermuten, ganz egal, wie banal der thematische Zusammenhang des Gesprächs gerade ist.
      A: "Ich frage mich, ob das eine kluge Labelpolitik ist, jetzt diese Renaissance-Reihe so spottbillig auf den Markt zu bringen"
      Esoteriker: "Du, das Label, das will uns doch damit, nur was rüberbringen, weisst Du, das will nur mal umarmt werden. Wir sind ja hier nicht allein im Universum, nä, da müssen wir das Label nun schon auch mal in den Arm nehmen und sich mal als in den Makrokosmos eingebettet fühlen lassen...."
      B: "Natürlich werden die diese billigen Preise nicht halten können, aber was wollen die denn machen, wenn jetzt Universal die ganzen Kunden wegschnappt?"
      Esoteriker: "Aber wir sind doch alle zusammen das Universum, Du. Das müssen wir halt jetzt nur mal wieder so auf ner tieferen Ebene wieder mal spüren. Komm, jetzt atmen wir mal tief ein und machen dazu das Mudra der Erleuchtung, nä, und dann will ich jetzt mal von Dir n schönes Om hören, Du, hast ja schon ne ganz verbeulte Aura..."

      Der Negationsfetischist
      Er hat nur eine Strategie: er verneint alles immer. Daher kann er niemals ein Gespräch beginnen, sondern wartet begierig auf irgendeinen Beitrag.
      A: "Ich habe heute eine neue CD geschickt bekommen mit Haydn Klaviersonaten und Paurizio Mollini. Nach einem ersten Hören muss ich sagen, ich bin sehr angetan."
      Negationsfetischist:"Ich bin der Meinung, dass die CD viel zu schnell die Schallplatte abgelöst hat. Natürlich ist Haydn völlig überschätzt, und dieser Mollini hat mir noch nie gefallen."
      B: "Da kann ich mich nur anschließen. Ich finde auch, dass Mollini gar nicht so toll spielt. Haydn hab ich persönlich auch nicht so gern, und meine Vinyls ziehe ich der CD noch immer vor."
      Negat.Fet.:"Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein! Die CD ist der Schallplatte doch meilenweit überlegen in der Klangqualität, und gerade wenn man einen so großartigen Komponisten wie Haydn zumal in der hochlarätigen Interpretation von Mollini hört ist das doch wohl entscheidend!"
      Auf diese Weise verwirrt der Negationsfetischist gekonnt sein gesamtes Umfeld. Er gehört zur Gruppe der raffinierteren Klassikfreunde (Feinde?).

      Der Humorist
      Er versucht ständig, das ernste Gerede durch Scherze und lustigeBemerkungen aller Art aufzulockern. Seine Sätze sind von dieser Art:
      "Die Klafünfmusik, äh, hähähähähä, KlaVIERmusik natürlich von Handschumann ihihihi, hört man und natürlich auch Frau hahaha, nicht so oft wie die von von Schulöffelbert ohohoho, so wie man die Saupone uuuuuuuuuhuhuhuhu, äh, Posaune, also die hat jetzt nichts mit dem Po zu tun, hahaha, nicht so oft hört wie das Einhorn AAAAAAAHAHAHA, äh, Waldhorn, nä, so zum Bleistift uhuhu, so Hornkonzert von Vogel Strauss (KREISCH) äh, natürlich Richars Strauss....."
      Der Humorist hat in der Regel sehr wenige Freunde im Kreise der Klassikliebhaber und wird in aller Regel nach angeregten Gesprächen geteert und gefedert. Wenn er dann immer noch von Schafotten, Flockblöten und Tomatensatz erzählt, kann er Gefahr laufen, in Beton gegossen auf dem Meeresgrund versenkt zu werden.


      S A T I E (Was wollt ihr denn mit dem Beton, bitte?)
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Nein, nein, lieber Satie, noch wirst Du nicht in Beton gegossen - erst, wenn Du den Kleinen Musikfreund drohst beendet zu haben! Was das heißt, ist evident. Aber es ist schon ein böses Spiel, das Du hier mit uns treibst: Wer würde sich nicht in einer, mehreren oder gar allen Kategorien der Klassikfreunde wiedererkennen! Schon frage ich mich: Kann ich das so schreiben? Entlarve ich mich nicht gerade als dieser oder jener Typ?

      Späte Grüße,
      Gamaheh

      P.S.: Welches Heraklit-Zitat ist gemeint?
      In girum imus nocte et consumimur igni.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gamaheh ()

    • Der Dilletant verneigt sich in Ehrfurcht vor dem Könner. Neidlos, ohne schlechte Gefühle, da sowieso unerreichbar, aber voller Vorfreude auf den nächsten Beitrag.

      Im Moment überlege ich noch, ob ich mich outen soll. In der einen oder anderen Kategorie habe ich mich doch wiedererkannt, :(wenn auch nicht ganz reinrassig.

      Ave Satie, dilletanti ti salutant
      :down :down :down :down :down :down :down
      Da Capo

      Frank

      PS.: Gibt es einen Lateiner unter uns, der mir sagen kann ob obige Formulierung richtig ist, nur der Neugierde halber?
      Difficile est satiram non scribere.
    • Original von Gamaheh
      Nein, nein, lieber Satie, noch wirst Du nicht in Beton gegossen - erst, wenn Du den Kleinen Musikfreund drohst beendet zu haben! Was das heißt, ist evident. Aber es ist schon ein böses Spiel, das Du hier mit uns treibst: Wer würde sich nicht in einer, mehreren oder gar allen Kategorien der Klassikfreunde wiedererkennen! Schon frage ich mich: Kann ich das so schreiben? Entlarve ich mich nicht gerade als dieser oder jener Typ?

      Späte Grüße,
      Gamaheh

      P.S.: Welches Heraklit-Zitat ist gemeint?


      Liebe Gamaheh,
      Du passt doch nicht so einfach in eine dieser Schubladen! Und falls doch: all diese Kategorien sind ja nun durch mich endlich legitimiert worden, daher kann man sich beliebig eine davon aussuchen.
      Was das Heraklit-Zitat betrifft:
      "Sie verstehen nicht, wie das eine auseinanderstrebend ineinanderstrebt, wie gegeneinanderstrebend sich Bogen und Leier verbinden." - Fragmente, B 51
      (Das würde vielleicht tatsächlich auch zu Schumann passen)

      Mit philosophischem Gruß,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Original von LazarusLong
      Der Dilletant verneigt sich in Ehrfurcht vor dem Könner. Neidlos, ohne schlechte Gefühle, da sowieso unerreichbar, aber voller Vorfreude auf den nächsten Beitrag.

      Im Moment überlege ich noch, ob ich mich outen soll. In der einen oder anderen Kategorie habe ich mich doch wiedererkannt, :(wenn auch nicht ganz reinrassig.


      Zu viel der Ehre, lieber Frank, aber ich danke sehr. Outen würde ich mich ja lieber nicht. Du gehörst zwar immerhin nicht zu den Buchhaltern, leider aber auch nicht zu den Herrgöttern, daher kann es gefährlich enden, wenn man zu viel von sich preisgibt!

      Bei dem lateinischen Satz kann ich leider nicht weiterhelfen, aber es müsste "te" heissen und nicht "ti", wenn ich nicht irre. In Abwandlung von "morituri te salutant" habe ich sonst spontan den Eindruck, das müsste stimmen. Aber in Latein hatte ich immer einen Fensterplatz. Tja.

      Herzlichst

      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Original von LazarusLong
      Ave Satie, dilletanti ti salutant

      Da Capo

      Frank

      PS.: Gibt es einen Lateiner unter uns, der mir sagen kann ob obige Formulierung richtig ist, nur der Neugierde halber?


      Lieber Frank,

      dilettanti ist die italienische Form; die lateinische müßte delectantes sein, aber ich kann im Moment nicht nachprüfen, ob es die tatsächlich in der Bedeutung gegeben hat (ich habe meine Zweifel). te ist richtig (ti ist wieder ital.); da capo: "mit dem Kopf voran".

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Instrumentenkunde, Teil 2
      Blasinstrumente

      Nachdem bereits das Orchester eingehend behandelt wurde, bietet sich nun eine tiefere Betrachtung der Blasinstrumente an.
      Zunächst wollen wir die historische Entwicklung dieser Instrumente verfolgen. Die ersten Blasinstrumente waren Knochen und Hörner. Die Knochen, meist von feindlichen Höhlenmenschen stammend, wurden an den Enden abgeschnitten, worauf der Neandertaler das Mark heraussaugte. Man kann sich schon vorstellen, dass dabei irgendwann eines der unangenehmen Geräusche entstand, die auch heute den Blasinstrumenten noch eigen sind. Die Hörner wurden in der Frühzeit noch am Kopf des Bisons befestigt gespielt, bis man praktischere Handhabungen in Erwägung zog und schließlich das Horn vom Schädel entfernte. Eine weitere Verbesserung dieses Vorgangs wurde dadurch erreicht, dass das Bison erst getötet wurde, bevor man das Horn entfernte. Durch diesen letzten Schritt sank die Sterberate der frühen Hornisten drastisch.
      Später wurden Flöten aber nicht mehr nur aus Knochen hergestellt, sondern auch aus Holz. Die Panflöte, eines der gefährlichsten und am schlechtesten klingenden Instrumente überhaupt, diente ursprünglich gar nicht der Musikerzeugung (wen wunderts?), sondern als Auslosungsmittel für Menschenopfer. Wer das kürzeste Rohr zog, musste sich schlachten lassen. Die blutige Geschichte dieses Instruments schwebt auch heute noch in jeder schrillen Note mit, die dieses Gerät verursacht.
      Bei den Hörnern trat der Wandel erst durch Intervention der Tierschutzvereinigungen ein, welche das vom aussterben bedrohte Bison schützen wollte. Wie so oft wurde dadurch alles nur noch schlimmer: die Hörner wurden nun aus Metall hergestellt, wodurch sie noch brutaler und dumpfer klangen als vorher. Etliche Versuche, den unsäglichen Klang dieser Instrumente zu verbessern führten zu diversen Abwandlungen des Horns in Form von Trompeten, Posaunen und Tuben, die trotz des bei weitem noch kläglicheren Klangs bis heute nicht aus den Orchestern verschwunden sind. Diese Blechblasinstrumente (diese gängige Bezeichnung ist eine bei weitem zu schöngeistige, verniedlichende, dem Klang dieser durch Mark und Bein sich brennenden Monstren nicht angemessene) werden entsprechend nur bei Trauermärschen, Wahnsinnsszenen und Darstellungen historischer Schlachten benutzt.
      Das moderne Horn hat einen Umfang von etwa drei sich geringfügig in der Tonhöhe unterscheidenden Geräuschen. Es ist das einzige Blasinstrument, welches von Einarmigen bedient werden kann. Einige exotischere Blasinstrumente sind etwa der Dudelsack (Nomen est Omen), welcher aus einem Sack besteht, in den man eine Katze gestopft hat. Durch kräftiges zudrücken des Sacks an verschiedenen Stellen erzeugt die Katze mehr oder weniger jämmerliche Jaultöne, die diesem Instrument die charakteristische Klangfarbe verleihen. Ein modernes Instrument ist die Klarinette, welche aus der Staubsauger-Industrie stammt und ursprünglich als Spezialaufsatz zur Reinigung von Sofaritzen konzipiert war. Doch selbst dafür war sie nicht geeignet...
      Das Fagott (english: svw. Homosexueller) wird aufgrund seines Namens immer wieder falsch benutzt und muss regelmäßig von Proktologen aus der Klemme gerettet werden. Der Klang des Instruments erklärt sich weitgehend aus eben dieser Fehlbenutzung. Gespielt wird es aber dennoch mit dem Mund!
      Manche Blasinstrumente wie Serpent, Schalmei, Krummhorn, Zinke sind gottseidank ein für allemal ausgestorben.
      Die Beliebtheit der Blasinstrumente in der volkstümlichen Musik zeigt ganz deutlich, auf welchem Niveau diese zu Hause sind. Es ist an der Zeit für eine Petition, in der gefordert wird, diese unsäglichen Maschinen ganz und gar dem Kosmos von Karl Moik, Zillertaler Schürzenjägern und Herzbuben einzuverleiben und damit den Konzertsälen ein für allemal fernzuhalten.

      Wir werden die Instrumentenkunde in Bälde fortsetzen mit den Tasteninstrumenten.



      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Original von Gamaheh
      Original von LazarusLong
      Ave Satie, dilletanti ti salutant

      Da Capo

      Frank

      PS.: Gibt es einen Lateiner unter uns, der mir sagen kann ob obige Formulierung richtig ist, nur der Neugierde halber?


      Lieber Frank,

      dilettanti ist die italienische Form; die lateinische müßte delectantes sein, aber ich kann im Moment nicht nachprüfen, ob es die tatsächlich in der Bedeutung gegeben hat (ich habe meine Zweifel). te ist richtig (ti ist wieder ital.); da capo: "mit dem Kopf voran".

      Grüße,
      Gamaheh


      Hallo Gamameh

      Ich habe einfach versucht aus dem Portugiesichen bzw Spanischen abzuleiten. Kann sein, daß sich mein Italienischkurs ebenfalls eingeschlichen hat, aber ich denke ich war schon ziemlich nah dran.

      Die von Dir angesprochenen delectantes haben den selben Wortstamm wie delektieren, also geniessen, ich wollte aber nicht von Geniessern, sondern von Dilletanten, also Anfängern (Laien, Pfuschern) sprechen.
      Ehrlich gesagt, Deine Version mit Geniessern gefällt mir besser. :D
      Daccapo(It) heißt soviel wie noch einmal / Zugabe. Ich habe gerade im Wörterbuch nachgesehen.

      Danke Dir für die Mühe

      Frank

      PS.: Hat "Gamaheh" eine spezielle Bedeutung?
      Difficile est satiram non scribere.
    • Hilfe!!! Selbsterkenntnis....

      Mmmmppfff... So eine Sache mit der Selbsterkenntnis. Esoterischer Notenzähler? Oder doch eher cholerisch-schüchtern? Grübel, grübel, grübel....

      Sollten wir, liebe Gamaheh, lieber Frank, nicht vielleicht doch eine Fan-Selbsthilfegruppe gründen ....

      :leb :leb :leb :leb

      und Satie wird - Höchststrafe muss sein...

      Original von Satie
      Der Humorist hat in der Regel sehr wenige Freunde im Kreise der Klassikliebhaber und wird in aller Regel nach angeregten Gesprächen geteert und gefedert. Wenn er dann immer noch von Schafotten, Flockblöten und Tomatensatz erzählt, kann er Gefahr laufen, in Beton gegossen auf dem Meeresgrund versenkt zu werden.


      S A T I E (Was wollt ihr denn mit dem Beton, bitte?)


      nicht in Beton gegossen, sondern zwangsverpflichtet zur ständigen Teilnahme.... Oder ist das doch zu grausam???

      Herzliche Grüße

      Sabine
      (ansonsten eher nicht zu Sadismen neigend)
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • Original von LazarusLong

      Die von Dir angesprochenen delectantes haben den selben Wortstamm wie delektieren, also geniessen, ich wollte aber nicht von Geniessern, sondern von Dilletanten, also Anfängern (Laien, Pfuschern) sprechen.


      Ich weiß, wovon Du sprechen wolltest; deshalb sagte ich, daß es das Wort in der Bedeutung meiner Meinung nach nicht gegeben hat. (Weil es das Ding nicht gegeben hat: Ich vermute, daß Dilettanten in unserem Sinne eine Erscheinung der bürgerlichen Gesellschaft seit dem späten 18. Jahrhundert sind.) Ein anderes - weniger stark abfälliges - Wort wäre "Amateure", also "Liebhaber", amantes - aber auch hier hat sich die Bedeutung eben erst in moderner Zeit verschlechtert. Dilettare ist natürlich - nach normgerechtem Lautwandel - dasselbe Wort wie delectare.


      Ehrlich gesagt, Deine Version mit Geniessern gefällt mir besser.


      Du hast inzwischen verstanden, daß das nicht meine Version ist? Es heißt auch im übrigen eigentlich "erfreuen", ist also aktiv, was schön zeigt, wie sich nicht nur das lautende Wort, sondern auch seine Bedeutung im Laufe der Zeit gewandelt hat.

      Daccapo(It) heißt soviel wie noch einmal / Zugabe. Ich habe gerade im Wörterbuch nachgesehen.

      Ich wollte hier scherzhaft das machen, was Du gemacht hattest, nur umgekehrt: lat. caput ist "Haupt", "Kopf".

      Es war keine Mühe, und Gamaheh ist der Name der schönen Prinzessin aus E.T.A. Hoffmanns Meister Floh. Ob er eine Bedeutung hat, weiß ich allerdings auch nicht. Aber Hoffmann hatte eine blühende Fantasie und hat viele schöne Namen (und Geschichten) erfunden. (Er hatte übrigens auch eine sehr dezidierte Meinung zu Dilettanten, obwohl er sie - glaube ich - noch nicht so nennt.)

      Viele Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.