Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

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    • Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

      Liebe Freunde der klassischen Musik,
      ausgehend von den hohen Wogen, die der Thread über die Frage, ob dies Forum denn nun elitär sei oder nicht, möchte ich hier beginnen, natürlich total überspitzt, einige polemische Thesen aufzuwerfen, die uns beweisen sollen, wieviel Selbstironie wir überhaupt haben und haben können und darüber hinaus einfach mal zum Schmunzeln anregen...

      1. Um ein Klassikliebhaber zu werden, muss man folgende Eigenschaften haben: zu wenig Geld für Pop-CDs und daraus resultiernder Hass auf die gesamte Unterhaltungsmusik, genügend Verschrobenheit, um sich durch Wühltische der Wohltat'schen Buchhandlung zu quälen und alle paar Minuten einen Heureka-Schrei auszustoßen, und natürlich die Fähigkeit, sich einen interessanten Nickname zuzulegen, hinter dem man sich dann eine neue fiktive Identität zurechtschustern kann.

      2. Nach mehreren Tagen ratlosen herumsuchens auf den oben erwähnten Wühltischen entscheide man sich blind für einige CDs, deren Titel einem so wenig wie irgend möglich sagen. Es ist zu empfehlen, dabei auf skandinavisch oder östlich klingende Komponisten- und Interpretennamen zurückzugreifen, das erhöht die Chance, sich etwas wirklich exklusives zu ergattern.

      3. Zu Hause lese man die Booklets der CDs (das ist die musikalisch-theoretische Grundausbildung). Falls die CDs aus dem 1-Euro-Segment stammen und evtl. kein Booklet vorhanden sein sollte, gebe man am besten den Namen bei Google ein. Nun hat man bereits ein Spezialgebiet (die Kenntnis anderer Komponisten und Werke ist völlig überflüßig).

      4. Es ist besonders zu empfehlen, die Komponistennamen bei Wikipedia zu suchen und dann die Namen der völlig unbekannten und ebnso unwichtigen Freunde und Lehrer des unbekannten Komponisten zu googeln, denn damit läßt sich noch sehr viel besser angeben!

      5. Danach empfiehlt es sich, eine Datenbank mit sämtlichen existenten Interpretationen zu suchen. Davon merkeman sich primär jene Aufnahmen, die wahnsinnig teuer sind oder besser noch jene, die man gar nicht mehr imHandel erhält. Letztere Aufnahmen sind in regelmäßigen Abständen immer wieder als Referenz anzuführen.

      6. Es schadet nicht, sich im Laufe der Zeit ein blasiertes Vokabular anzueignen, damit man immer längere Beiträge verfassen kann, nachdem man anfänglich mit knappen Informationen genügnd Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, um als profunder Kenner respektiert zu werden. Es empfiehlt sich, immer wieder Phrasen wie "von beachtlichem handwerklichem Geschick", "Elastizität in den Ecksätzen", "Stupender Technik jenseits allen Manierismus", "Werkadäquater analytischer Interpretation, verquickt mit filigraner Poetik" oder ähnliche immer wieder zu üben. Die Rechtschreibung (ordogravih) ist dabei nebensächlich, denn man soll ruhig den Eindruck haben, das sei alles im Rausch dahingeschrieben. Schließlich hat der Kenner im Hintergrund gerade das Bläserseptett in his-moll von Ignaz Karl Schrattenhofer im Player, und er muss während des Schreibens noch auf den vierfachen Kontrapunkt hören und selbstverständlich beim Erreichen des Seitenthemas in der Reprise noch ein lautes Auflachen für die genervten Nachbarn herauspressen können.

      7. Über alles ihm nicht bekannte muss der Klassikspezialist höhnische Verrisse schreiben. Auch hier empfehlen sich einige Standardphrasen wie: "seine Musik hat sich mir bisher noch nicht erschließen können". Das ist für den Anfang gut, doch klingen geschliffene Formulierungen wie: "Harnoncourt hat die Essenz dieser Musik noch nie verstanden, auch sind seine Tempi etwas zu salopp genommen. Sehr viel besser hier die leider vergriffene Aufnahme von xy aus dem Jahre 1923 (nur auf Schellack erhältlich), die den Charakter des Werkes wirklich zur Geltung bringt".

      8. Niemals sollten zu ausführliche Begründungen für Gefallen oder Ablehnung hervorgebracht werden. Dies könnte sehr schnell in eine Sackgasse führen (etwa wenn nachgefragt wird). Ein simples "diese Interpretation geht völlig am Kern vorbei" genügt. Kommen Nachfragen, sollte man eher ein Gegenbeispiel geben, etwa "die Aufnahme mit xy mit der Niedermährischen Stattskapelle unter Zwietoslaw Kaschmirinsky kommt dem, was ich meine, sehr viel näher" (unbedingt einen fiktiven Namen nehmen!). Falls dennoch weitergefragt wird, kann man sich auch mit einem simplen "auf diesem Niveau kann das nicht ausdiskutiert werden" helfen.

      9. Vermieden werden sollte ein Diskutieren über Werke, die sehr bekannt sind (etwa Betthovens Symphonien). Falls es dennoch notwendig ist, darauf einzugehen, empfiehlt es sich, das Werk unbedingt positiv zu bewerten. Hier genügen die allgemeinsten Floskeln wie "wundervolle Musik" oder "herrliche Orchestration" um sich zunächst viele Freunde zu machen, die dann auch nichts schlechtes mehr über die Niedermährische Staatskapelle sagen werden.

      10. Es empfiehlt sich aber auch, mindestens eine Epoche oder Gattung zu wählen, die man prinzipiell nur schlecht findet. Sehr beliebt ist hier etwa die Musik nach 1945 oder aber auch alles vor dem Hochbarock. So kann man sich auch ersparen, über komplizierte Dinge wie Mensuralnotation oder Serialismus etwas nachlesen zu müssen.
      Es genügt im Grunde, der gewählten Epoche Musikalität grundsätzlich abzusprechen oder einige wenige Standardargumente immer wieder einzubringen. Musik des Mittelalters ist "zu wenig entwickelt" , moderne Musik "kindliches Herumexperimentieren ohne Sinn und Zweck". Es ist grundsätzlich auch möglich, Gattungen wie die Vokalmusik anzuprangern, etwa indem man mangelnde kompositorische Rafinessen in der Gattung grundsätzlich immer wieder betont. Bei einzelnen Komponisten kann ebenfalls eine verneinende Haltung angenommen werden. Bei manchen geht das einfach, etwa bei Smetana ("also bitte, der Mann war taub!") oder auch bei Puccini ("wer so viel Kokain nimmt, kann nichts gutes produzieren"). Aber auch bei Bach ("bei so vielen Gören würde ich auch wirres Zeug schreiben") oder Schubert ("Syphilis war noch nie sehr inspirierend") kann man genügend einfache und schlagende Argumente immer wieder in die Runde werfen.

      Damit wären die wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Karriere als Klassikliebhaber gegeben. Oder habe ich etwa irgend etwas vergessen?

      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

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    • Lieber Eric

      köstlich! Habe deine Ausfühungen unter Tränen (der Freude natürlich) und mit größtem Gewinn gelesen!

      Dass eine Diskussion über den angeblichen Elitismus dieses Forums aufgeflammt sein soll, ist mir bislang zum Glück entgangen - dieser Punkt wurde in dem anderen namhaften Forum (dessen Namen ich jetzt nicht nennen werde :wink) nämlich immer und immer wieder durchgekaut - und auf ermüdende Diskussionen über das Selbstverständnis dieses Forums habe ich partout keine Lust....

      LG!
      Daniel
    • Merci, Daniel und Cosima!

      Auf vielfachen Wunsch setze ich hier meine Ratschläge fort. Ein wichtiger Punkt ist der, wie man eine Interpretation bewerten soll. Hier gibt es einige einfache und objektive Kriterien. Eine Aufnahme ist schlecht, wenn:

      a) das Cover aussieht, als hätte ein dreijähriges Kind es gemalt.
      b) der Dirigent unrasiert abgebildet ist oder nicht lächelt
      c) eines der folgenden Instrumente vorkommt: Fagott, Vibraphon, Piccoloflöte, Gesang oder gar Chor, Orgel
      d) der Komponist vor 1650 oder nach 1900 geboren wurde
      e) sie überall erhältlich ist
      f) sie nicht mindestens eine Doppel-CD ist (besser wären 3 oder mehr)
      g) der Name des Komponisten nicht mindestens aus fünf Silben inklusive mindestens dreier kryptischer Zeichen besteht (Nachname)
      h) der Interpret nicht bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Von noch lebenden ist sowieso abzuraten
      i) der Booklet-Text auf deutsch ist

      Es empfiehlt sich, diese Liste auszudrucken und sich mit ihr sofort in das nächste Musikgeschäft aufzumachen. Vielleicht sollte aber besser noch gewartet werden, bis auch die Richtlinien zur Auswahl dieser Geschäfte vorliegen.

      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

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    • b) der Dirigent unrasiert abgebildet ist oder nicht lächelt


      Dann dürfte ich keine Gergiev-CD mehr kaufen. :D

      c) eines der folgenden Instrumente vorkommt: Fagott, Vibraphon, Piccoloflöte, Gesang oder gar Chor, Orgel


      Habe ich Dich hierzu inspiriert? Das stimmt nämlich! Die Klarinette hast Du noch vergessen. :rofl Ach ja, die Gitarre natürlich auch noch. :S

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Aufgrund der hohen Nachfrage und allgemeinen Zustimmung habe ich mich entschlossen, ein weiteres, äusserst heikles Thema anzuschneiden: die Oper.
      Der ungeübte Klassikfreund wird es hier sehr schwer haben, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ausserdem muss man Oper live erleben (Aufnahmen allein können nicht als Referenz dienen).
      Nun hat man natürlich das Problem, dass die Opern meistens nicht von Komponisten stammen, die völlig unbekannt sind. Auch stammen sie meistens nicht aus jenen Epochen, die man (siehe erstes Kapitel) so ganz einfach rundweg unter den Tisch fallen lassen kann. Doch keine Sorge, auch bei der Oper gibt es sehr viele und ebenso einfache Richtlinien zur Beurteilung.
      Zunächst ist es aber notwendig, die Gattung selbst zu definieren. Eine Oper ist ein Theaterstück, bei welchem statt gesprochen mit (mehr oder minder) klarer Tonhöhe gebrüllt wird. Im Gegensatz zum Theaterstück ist die Handlung einer Oper aber sehr viel einfacher, der Text ist, da meist ausländisch, ohnehin nicht wichtig (90 Prozent der Opernbesucher sprechen neben deutsch höchstens ein wenig englisch, und das kommt in der Oper (ausser bei gewagten Neuinszenierungen vielleicht) nicht vor. Also: auf den Text müssen Sie nicht achten, und die Handlung erklärt sich von selbst. Falls nicht, gibt es einige wenige Prototypen von Handlungen, die in der Oper vorkommen können. a) historisches. Meist daran zu erkennen, dass viele Figuren sterben. Achten Sie hierzu darauf, ob nach der Pause noch alle Leute auf der Bühne auftauchen, die auch am Anfang da waren. b) Schmonzetten. A liebt B, hat aber entweder nicht den Mumm das zu sagen oder nimmt sich das Leben, weil B wahrscheinlich die Liebe nicht erwidert oder ist eifersüchtig, weil B scheinbar mit C rummacht. Manchmal mit und manchmal ohne Humor. Sehr simpel.
      Im Grunde war es das.
      Doch nun zu den wichtigeren Kriterien.

      Eine Oper ist gut, wenn:
      a) der Dirigent glatt rasiert und lächelnd auftritt.
      b) die Sängerinnen selbst gehen können und nicht auf fahrbaren Podesten über die Bühnen geschoben werden müssen.
      c) die Kostüme auf der Bühne schön bunt sind.
      d) die Kostüme im Publikum von Armani sind.
      e) es in der Pause ein gutes Buffet gibt oder wenigstens Alkohol (abhängig von der Dauer der Oper).
      f) kein Chor dabei ist.
      g) kein Schweinkram wie Hosenrollen, Countertenöre oder Wagnertuben vorkommt.
      h) kein Idiot dabei ist, der "da Capo" schreit.
      i) man trotz des hohen c noch das fiepsen des Hörgerätes des Nachbarn hören kann (spricht für hohe Qualität!).
      j) Tiere, Gewalt, Sex oder alle drei zusammen vorkommen (wenn man das auch im Kino billiger haben kann!).

      Natürlich müssen zu den wichtigsten Opern noch ein paar helfende Worte hierher, damit man da nicht wie der Ochs am Berg steht.
      Carmen: Luder verdreht Männern den Kopf. Handlung also Schmonzetten-Kategorie, aber fetzige Mucke. Leider Chor.
      Zauberflöte: Tiere, Sex und Gewalt enthalten! Handlung unwichtig, Mucke 1a, leider Chor.
      Madame Butterfly: Thema Sextourismus, ausgeprägter Schmonzettenstil, süffig.
      Barbier von Sevilla: Der Stoff gehört in den Bereich des Phantastisch-Absurden: heterosexueller Frisör!!!
      Wilhelm Tell: Gehen Sie lieber nach der Ouvertüre, dann ist das beste vorbei.
      Der fliegende Holländer: Ausländerproblematik gut getroffen, ansonsten laut.
      Wozzeck: Nomen est Omen.
      Hoffmanns Erzählungen: Popcorn mitnehmen!
      Xerxes: Tuntiger König singt vor Geilheit Bäume an, Blockflöten vorhanden. Komponist verheimlichte bewusst seine Glatze. Meiden!
      Bajazzo: naja, wer auf flennende Clowns steht...
      La serva padrona: für Fetischfreunde.
      Die Italienerin in Algier: Damals gabs noch keine Reportagen. Heute BBC mehr zu empfehlen.
      Entführung aus dem Serail: frühe Thematisierung deutsch-türkischer Freundschaft. Kostüme meistens top! Nichts für Fundis.
      Fidelio: Titel total irreführend. Knastgeschichten. Lang. Vorsicht: tauber Komponist.
      Aida: Nur echt am Originalschauplatz! Achtung: Chor und komische Trompeten.
      Götterdämmerung: Wollten Sie nicht sowieso lieber ins Kino gehen?
      Die spanische Stunde: Und Sie wollten ins Kino gehen!!

      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Original von Satie
      Merci, Daniel und Cosima!

      Auf vielfachen Wunsch setze ich hier meine Ratschläge fort. Ein wichtiger Punkt ist der, wie man eine Interpretation bewerten soll. Hier gibt es einige einfache und objektive Kriterien. Eine Aufnahme ist schlecht, wenn:

      a) das Cover aussieht, als hätte ein dreijähriges Kind es gemalt.
      b) der Dirigent unrasiert abgebildet ist oder nicht lächelt
      c) eines der folgenden Instrumente vorkommt: Fagott, Vibraphon, Piccoloflöte, Gesang oder gar Chor, Orgel
      d) der Komponist vor 1650 oder nach 1900 geboren wurde
      e) sie überall erhältlich ist
      f) sie nicht mindestens eine Doppel-CD ist (besser wären 3 oder mehr)
      g) der Name des Komponisten nicht mindestens aus fünf Silben inklusive mindestens dreier kryptischer Zeichen besteht (Nachname)
      h) der Interpret nicht bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Von noch lebenden ist sowieso abzuraten
      i) der Booklet-Text auf deutsch ist


      f) sie nicht von einem Label ist, dass einen Jahresumsatz von 1.000.000.000.000 Euro deutlich übersteigt.


      Es empfiehlt sich, diese Liste auszudrucken und sich mit ihr sofort in das nächste Musikgeschäft aufzumachen. Vielleicht sollte aber besser noch gewartet werden, bis auch die Richtlinien zur Auswahl dieser Geschäfte vorliegen.

      Satie


      Es sind ausnahmslos große Fillialen namhafter Ketten anzusteuern. Ein Kauf bei Online-Auktionshäusern verbietet sich. Dort wird eh nur Musik nach 1945 angeboten. Darüber hinaus gilt: Wer Beratungsangbote im Laden seitens eines Verkäufers annimmt, verdirbt sich den Spaß und den Überraschungseffekt beim Hören.

      Ach ja, nicht zu vergessen: Wenn man bei namhaften Ketten kauft, sollte man CDs nie an den Ort zurückstellen, an dem man sie entnommen hat. Man entferne sich weitest möglich von diesem Punkt (am besten geht man in die Pop-Abteilung) und legt die CDs dort in ein "Wir räumen für Sie weg"-Fach. Nur so ist gewährleistet, dass die CDs dem nächsten Interessenten sofort verfügbar gemacht werden.

      Wenn man etwas zum Schreiben benötigt, reiße man eine Seite aus dem im Laden ausliegenden Bielefelder Katalog und notiere dort. Der Katalog erscheint eh monatlich neu und ist auch gar nicht teuer.

      :wink
    • Lieber Gerion,
      herzlichen Dank für die sehr sinnvollen und notwendigen Erläuterungen.
      Wir werden uns bemühen, dieses Handbuch so umfassend und dennoch einfach wie möglich zu gestalten. Zwar fehlen uns gegenwärtig noch die Feldversuche, sowie notwendige Ansätze zur Falsifizierung der Thesen, doch wir sind sehr zuversichtlich, dass sich das Handbuch in der Praxis bewähren wird.
      Es steht noch sehr viel an, von einer generellen Epochenkunde hin zu gattungsspezifischen Details (auch Instrumentenkunde) und theoretischen Exkursen.
      Wir empfehlen dem geneigten Leser deshalb, hin und wieder einen Blick in diesen Thread zu werfen, um jeweils auf dem aktuellen Stand zu sein.

      Satie
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      Harry Partch
    • Lieber Satie,

      ich habe mich köstlich amüsiert. Ich verspreche Dein Handbuch gründlichst zu studieren, um mich auch nach ihm richten zu können.




      und auf ermüdende Diskussionen über das Selbstverständnis dieses Forums habe ich partout keine Lust....



      Ich auch nicht mehr.


      Ja, ich tus ja auch nicht wieder. :D

      Gruß Martin
    • RE: Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

      Nächste Lektion:
      Wie erkennt man einen guten Pianisten?

      Die Gefahren bei der Beurteilung eines Interpreten sind offenkundig. Wenn etwa Kritik unbegründet ist, fällt das extrem negativ auf, andereseits: wer hört denn nun schon einen Unterschied zwischen all diesen Argerichs, Richters, Goulds und Guldas?
      Einige einfache und absolut idiotensichere Richtlinien helfen auch hier dem armen, ahnungslosen Klassikliebhaber über die ersten Hürden.
      Also, wohlgemerkt, einen guten Pianisten erkennt man daran:

      1) Er tritt im Frack und mit Fliege auf, möglichst eng zugeknöpft, mit minimaler Bewegungsfreiheit. Ein gutes Erkennungsmittel: pochende blaue Adern an Hals und Schläfen.
      2) Er hat eine schlechte Frisur, bzw. gar keine. Je wirrer die Haare in alle Himmelsrichtungen stehen, desto besser. Allerdings verunmöglicht die wahre Pianistenmähne die unter Punkt 1 genannte Erkennungsmethode der Schläfenader.
      3) Er hat Finger, die nicht zu dick sind, um jeweils wirklich nur eine einzige Taste herunterzudrücken. In aller Regel sollte der Pianist davon jeweils 5 an je einer von maximal zwei Händen haben. Ausnahmen können allerdings die Regel bestätigen.
      4) Auf Zuruf muss der Pianist "Hänschen klein" auswendig vortragen können. Falls es sich um einen Pianisten handeln sollte, der des deutschen Liedgutes nicht mächtig ist, etwa einen Japaner, fällt er sowieso aus der Kategorie "guter Pianist" heraus. Um nicht unangenehm aufzufallen sollte der Zuruf nicht während des Spielens erfolgen. Diese Regel muss bei zeitgenössischen Werken nicht beachtet werden, da bei diesen alles werkimmanent und qualitätssteigernd sein kann.
      5) Der Pianist sitzt während des Spielens, und zwar dergestalt, dass er mit ausgestreckten Armen die Klaviatur (Tasten!) erreichen und bedienen kann. Dabei sollte er frontal zur Klaviatur sitzen. Das ist dann der Fall, wenn die Tasten mit den Fingerkuppen und nicht mit den Knöcheln gedrückt werden. Die Füße benutzt der Pianist ausschließlich für die Pedale. Sollte er verwirrt mit den Füßen umherwandern ist vorsicht geboten: es könnte sich um einen getarnten Organisten handeln!
      6) Der Pianist hat während eines Klavierabends mindestens zwei Liter Flüssigkeit herauszuschwitzen. Ist dies nicht der Fall, kann dies mehrere Gründe haben: a) die gewählten Stücke waren zu einfach. Bei einem solchen Fall von Scharlatanerie ist das Eintrittsgeld unverzüglich zurückzufordern. b) der Pianist war gedopt. Falls Sie einen solchen Verdacht hegen, ist der Konzertveranstalter sofort zu informieren. Es ist in diesem Fall unumgänglich, an Ort und Stelle eine Urinprobe zu untersuchen. Moderne Konzerthäuser sind für solche Maßnahmen selbstverständlich bestens ausgerüstet. c) der Pianist ist Japaner. Unverzüglich den "Hänschen klein" - Test zur Kontrolle anwenden!
      7) Nach den Stücken hat sich der Pianist zu verbeugen. Tut er es nicht, kann es mehrere Gründe hierfür geben: a) der Pianist ist während des Spielens eingeschlafen oder verstorben und kann deshalb den Applaus oder die Buhrufe nicht mehr hören. b) der Pianist hat ein steifes Rückgrat, wie es sehr oft bei dieser Berufsgruppe vorkommt. Profis haben aber für solche Fälle einen Assistenten auf der Bühne, der sich an ihrer Stelle verbeugt, bzw. ihnen beim Biegen des Rückens behilflich ist. Sollte der Pianist die Verbeugung übertrieben lange ausführen, war der Assistent zu grob.

      Soweit die objektiven Kriterien, die ohne jegliches musikalische Gespür beobachtet werden können. Sollten Sie jedoch unsicher sein, empfiehlt es sich, den Pianisten anhand der Interpretation zu beurteilen, was weitaus mühsamer ist. Doch auch hier gibt es einige Hilfsmittel. Ob der Pianist gut spielt, können Sie an folgenden Kriterien festmachen:
      1) Er lächelt ab und zu ins Publikum, bei Chopin und Liszt nur in Richtung der blonden Dame in der ersten Reihe. Dabei darf er sich nicht verspielen! Bei Scarlatti lächelt er immer (was meist nur eine gekonnte Kaschierung des Leidens bei den Überkreuzpassagen ist).
      2) Er vermeidet es, bei einhändigen Passagen mit der anderen Hand in der Nase zu bohren
      3) Er wirft in unregelmäßigen Zeitabständen die Haare vor und zurück. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um die Adern an den Schläfen ausfindig zu machen!
      4) Er atmet laut genug, damit man es auch in der letzten Reihe hören kann. Dieser Kunstgriff ermöglicht es dem Pianisten darüber hinaus, etliche falsche Töne im Pianissimobereich zu vertuschen. Eine Steigerung davon wäre lautes Mitsingen der Melodie oder ekstatisches Stöhnen. Aber Vorsicht: stöhnt der Pianist ohne Pause, handelt es sich um Keith Jarrett, und Sie sitzen aus Versehen in einem Jazzkonzert.
      5) Bei Rachmaninov, Liszt und Skrjabin hat der Flügel sich pro Stück um mindestens zehn Zentimeter von der ursprünglichen Position wegzubewegen.
      6) Der Pianist vermeidet es, unmittelbar vor dem Spielen noch hastig in Heften mit der Aufschrift "Hanon" oder "Czerny" irgendetwas nachzuschlagen.
      7) Der Pianist unterbricht nicht sein Spiel mit den Worten "heute morgen konnte ich es noch fehlerfrei" oder "Verzeihung, ich dachte, ich bin schon beim Schlusssatz". Der wahrhaft heroische Musiker spielt bis zum bitteren Ende durch, auch wenn die rechte Hand schon zwei Minuten vorher am Ziel ist. Er nimmt auch während des Spielens keine Telefonanrufe seiner Mutter entgegen. Auf Verpflegung zwischen den Einzelstücken verzichtet er ebenfalls (Alkohol oder Tabletten sind Ausnahmen).

      Das nötige Rüstzeug für den erfolgreichen Klavierabend haben Sie nun. Nähere Untersuchungen zu Streichern und Bläsern werden folgen.

      Satie
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      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Hallo Satie,

      zundeinen Beiträgen kann ich nur Papageno zitieren:
      Herrlich - himmlisch - GÖTTLICH ! :engel :beer :engel
      Wann bringst du deine gesammelten Bosheiten gedruckt auf den Markt?
      Bestsellerverdächtig! :down

      Die von dir erwähnten Quantumsschreiber ergötzen sich täglich an ihren steigenden Ziffern bisheriger Beiträge.Ich hör sie geradezu wiehern.
      :leb
      Mime mahnt:Nehmt euch in Acht! Alberich naht.
    • Liebe Cosima,
      es freut mich sehr, dass das Handbuch seinen Zweck nicht verfehlt. Schließlich will man ja helfen wo man kann!
      Als sinnvolle nächste Lektion müssen wir uns nun einem harten Brocken widmen, dem gemeinen Dirigenten (gemein natürlich in der zoologisch-wissenschaftlichen Verwendung, wie bei der gemeinen Stubenfliege oder ähnlichem).

      Zunächst wollen wir den Gegenstand unserer Betrachtungen einmal definieren, denn sonst wird es schwierig sein, sich hier genau vorzustellen, worum es geht. Stellen wir uns also so dumm wie möglich und fragen: was ist ein Dirigent?
      Hierzu muss man in der Historie recht weit zurückgehen, eigentlich in die graue Vorzeit, an jenen Punkt, wo einer aus der Herde das Maul besonders weit aufreisst und sich dadurch zum Leithammel macht. Dass dafür das Maulaufreissen nicht lange reicht, kann man sich vorstellen. Argumente allein hatten noch selten ewig Bestand. Daher war es nützlich, sich durchaus physischer Gewalt zu bedienen, etwa indem man einen großen Knüppel nahm und alles, was aufmüpfig war einfach niederschlug.

      Aus dieser Figur des Leithammels entwickelten sich mehrere bis in die heutige Zeit existente Tätigkeiten, die alle mit Machtpositionen zu tun haben. Der Politiker, der Boxer, der Zahnarzt und der Dirigent, alle haben sie ihre Wurzeln im prähistorischen Knüppelschwinger, nur die Knüppel sind entweder zu rein geistigen geworden oder extrem verkümmert im Laufe der Evolution. Beim Dirigenten ist dieser letzte Rest des Knüppels in Form eines kleinen Stäbchens besonders gut zu erkennen. Auch hat die Funktion dieses Knüppels sich ein wenig gewandelt. Er wird nicht mehr zum direkten Prügeln benutzt (wozu er auch kaum noch zu gebrauchen wäre), das Prügeln wird damit vielmehr nur noch angedeutet. Alles ist etwas sublimer geworden, der Dirigent gibt den Takt an, ob er viel mehr tut, darüber streiten die Gelehrten schon lange.

      Diverse Sagen ranken sich um einige heroische Dirigenten der Vergangenheit. So erzählt man sich heute noch voller Erschauern die Geschichte von Lully, der sich mit seinem (damals noch durchaus knüppelhaften) Stab den Fuß rammte und kurz darauf verschied. Ein Suizid der besonderen Sorte!
      Doch diese heroischen zeiten sind vorbei, heute scheuen die meisten Dirigenten das Risiko, und kaum einer würde mehr selbst ein solches Opfer für die Kunst bringen. Nein, heute geht es dem Dirigenten in erster Linie darum, dem Komponisten zu zeigen, was eine Harke ist. Wedelnd steht der Dirigent an seinem Pult und fuchtelt alle ihm untergebenen Musiker in die Knie. Selbst bei Messen und anderen geistlichen Werken hat der Dirigent keine Skrupel, statt Andacht walten zu lassen das blanke Stäbchen sprechen zu lassen. Das Werk hat vor dem Maestro zu erzittern, nicht etwa umgekehrt! Was man hört ist nicht Mozart oder Beethoven, sondern Bernstein oder Celibidache.
      Der Dirigent muss nur die Auf- und Abwärtsbewegung des Stabes erlernen, nichts weiter. Zählen kann das Orchester allein, und zwar gut genug, um sich nicht durch das arhythmische Gefuchtel aus der Ruhe bringen zu lassen. Gewiefte Dirigenten bringen es zustande, mit der freien Hand ebenfalls Bewegungen auszuführen. Solche Wunderknaben sind rar, und der tosende Applaus ist ihnen gewiss. Schließlich ist das so, als ob ein dressierter Affe gleichzeitig eine Banane isst und sich mit dem linken Fuß am Kopf kratzt. Vor solcherlei Launen der Natur hatte der Pöbel schon seit jeher Respekt. Zu Recht.

      Der Weg zum Dirigentendasein führt also über mehrere Stationen. Zunächst muss man einiges an Feinmotorik mitbringen, um überhaupt ein Stäbchen koordiniert bewegen zu können. Nicht nur muss das Holzstück auf und ab bewegt werden, nein, es muss dabei auch fest genug gehalten werden, dass es nicht etwa versehentlich aus der Hand fällt. In der ersten Probephase werden dem angehenden Maestro denn auch diverse Unfälle nicht erspart bleiben, von ausgestochenen Augen über tote Haustiere und zerstörte Porzellansammlungen hin zu unabsichtlich kastrierten Schulfreunden. Ist diese Klippe nach Jahren zermürbernden Trainings umschifft, muss sich der Dirigent einige feinere Eigenschaften antrainieren wie Arroganz, Geldgier, Oberflächlichkeit und Narzissmus. Manche haben darüber hinaus eine rudimentäre musikalische Grundausbildung, doch darauf kann man sich nicht verlassen.
      In aller Regel muss man zufrieden sein, wenn der Dirigent weiß, in welche Richtung er zu blicken hat (für gewöhnlich hat er einen Handlanger, der sich Konzertmeister nennt. Dieser schüttelt dem Dirigenten immer wieder die Hand, damit dieser seine Position wieder richtig einnimmt und auch, damit sich die um das Stäbchen gekrampfte Hand wieder etwas entspannen kann). Intelligentere Exemplare der Spezies sind auch in der Lage, blitzschnell ihre Position durch eine Drehung um 180 Grad zu verändern, um sich gekonnt zum Publikum hin zu verbeugen. Einigen von ihnen gelingt es sogar, sich anschließend wieder mit katzenartiger Behendigkeit in die Ausgangslage zurück zu bewegen. Doch das ist angeborenes Genie, welches sich dem Normalsterblichen nur schwer erschließt.

      Frisurtechnisch gilt für den Dirigenten im verstärkten Maße das, was bereits für den Pianisten entscheidend war (siehe dort). Lächeln muss der Dirigent nicht! Dies kann sogar hinderlich sein und ihn in seiner erkämpften Machtposition schwach wirken lassen. Die Mimik ist die wahre Kunst des Dirigenten. So kann man es etwa bei Lorin Maazel beobachten, der mit seinem Blick unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er nicht nur alle Musiker und das Publikum, sondern auch die Musik selbst abgrundtief verachtet und nur dort droben auf dem Podest steht, weil der Taxameter tickt und ihm den neuen Swimmingpool als sicher finanziert verspricht.

      Der Dirigent ist in der glücklichen Lage, das meiste Geld zu verdienen und dafür am wenigsten tun zu müssen. Er muss in der Regel nur einen Auftakt schlagen, danach läuft die Sache quasi von selbst. Üben kann der Dirigent in seinem Sessel zu Hause mit einem schönen Glas Cognac in der einen Hand und der Partitur in der anderen. Lesen kann er sie größtenteils nicht, und so verbringt er die Zeit damit, die schwarzen Punkte mit einem Buntstift zu verbinden und sich von den entstehenden Bildern überraschen zu lassen.
      Es ist natürlich nicht verkehrt, wenn der Dirigent den Schluss der Komposition nicht verpasst. Danach weiterzuschlagen wäre nicht von Vorteil. Der gebildete Dirigent weiß natürlich, dass der Schluss in 90 Prozent aller Fälle laut ist und immer von Stille gefolgt wird. Diese Stille muss schnell genug wahrgenommen werden, was schon schwieriger ist, da es zur verbindlichen Natur eines Dirigenten gehört, maximal 10 Prozent Hörfähigkeit zu besitzen. Aber der wahre Künstler hat es halt im Blut und wird blitzschnell reagieren, den Atem anhalten und erstarren, sich kurz darauf mit einem Nicken umdrehen und erleichtert sein, wenn tatsächlich geklatscht wird und er nicht doch einfach bei der Generalpause aufgehört hat. Aber da stehen die Chancen fity-fifty, da kennt die wahre Spielernatur gar nichts.

      Ansonsten muss der Dirigent noch ein Autogramm geben können und einen Plattenvertrag unterschreiben, den Rest macht sein Assistent. Derzeit wird die Dirigententätigkeit für sehr viele arbeitslose Fleischer und Polizisten interessant, doch nur wenige wagen einen solchen beruflichen Abstieg tatsächlich, viele werden wegen Überqualifikation auch gar nicht von den Orchestern angenommen.

      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Lieber Satie,

      ja das Orpheus Chamber Orchestra verzichtet ja auch konsequenterweise ganz auf einen Dirigenten, etwa in den Geschöpfen des Prometheus von Beethoven, wo ich ihn persönlich nicht besonders vermißt habe.

      Am komischsten fand ich die Sache mit dem Dirigenten im Hamburger Alleetheater. Das ist sozusagen die kleinste Opernbühne Hamburg ( eher ein größerer Raum als ein kleinerer Saal). Die Sänger sind toll, aber ein eben großes "Orchester" leisten die sich nicht. Jedenfalls bei der Cosi Fan Tutte. Das waren irgendwie 5 oder 6 Leutchen. Wie der Dirigent da vor den paar Leutchen herum fuchtelte hatte schon etwas unfreiwillig komisches. Aber vielleicht kommt es ja noch mal dazu, daß die Dirigenten auch versuchen, Streichquartette zu dirigieren.

      Gruß Martin
    • Lieber Satie,

      ich bin ein ganz großer Fan Deiner Lektionen! Sie sind wirklich klasse! :beer

      Beim Dirigenten ist dieser letzte Rest des Knüppels in Form eines kleinen Stäbchens besonders gut zu erkennen.


      :D :D :D

      Da fiel mir gleich ein: Leithammel Gergiev mit Stäbchen. (Der Absatz über die wirre Frisur passt hier auch!)



      Nicht nur muss das Holzstück auf und ab bewegt werden, nein, es muss dabei auch fest genug gehalten werden, dass es nicht etwa versehentlich aus der Hand fällt.


      Sune, der hier leider kaum noch schreibt, erzählte einmal eine Anekdote aus Finnland, wonach Gergiev während eines Konzertes der Taktstock aus der Hand gefallen sei und er ohne weiter dirigierte. Da Souvenirjäger das begehrte Objekt am Ende hatten mitgehen lassen, drohte Gergiev scherzhaft, dass er das nächste Konzert ausfallen lassen würde, sollte der Taktstock nicht wieder auftauchen. Daraufhin überreichte ihm einer der finnischen Gäste einen Zahnstocher mit dem Vermerk, dass dieser doch ein angemessener Ersatz sei.

      Gewiefte Dirigenten bringen es zustande, mit der freien Hand ebenfalls Bewegungen auszuführen. Solche Wunderknaben sind rar, und der tosende Applaus ist ihnen gewiss.


      Hier musste ich auch wieder an Gergiev denken, der ganz eigenartige Bewegungen mit der freien Hand ausführt, die wie Zittern aussehen. Ich habe versucht, diese Handbewegung zu imitieren – funktioniert nicht! Ein echter Wunderknabe! :)

      Bitte weiter schreiben, Satie!

      Gruß, Cosima
    • Ich schließe mich Cosima an:

      Bitte bitte weitermachen! Das ist wirklich veröffentlichungswürdig, was Du hier schreibst. Das kann nur jemand schreiben, der erstens großen Humor hat und zweitens wirklich völlig in der Musik verwurzelt ist.

      Ich lache und lerne! Und ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzungen. Und es ist eigentlich schade, daß das nicht mehr Leute lesen, als so ein kleines Forum her gibt.

      Gruß Martin
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