Schumann, Klavierkonzert in A-moll op. 54

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    • Schumann, Klavierkonzert in A-moll op. 54

      Dann kam das Klavierkonzert [sc. Schumanns Klavierkonzert] hinzu, das habe ich auch schon als ganz junger Mann zu spielen versucht. Und ich muß wirklich betonen: versucht, weil es ein Stück ist, das beim Lesen wunderbar einleuchtend scheint. Wenn man es aber unternimmt es aufzuführen, ist da dies und jenes, was nicht ganz stimmt, was nicht ganz ins Lot gekommen ist. Ich will die Komposition gar nicht beschuldigen, doch fällt es offenbar dem Interpreten und dem Zusammenwirken aller Beteiligten in diesem Stück besonders schwer. Es gibt frustrierende Werke, wo man manchmal in die Nähe, aber nie ganz hinkommt.
      (Alfred Brendel in "Ausgerechnet ich", pp. 203-4)


      Schumanns Klavierkonzert in A-moll op. 54: Der gezähmte Florestan?


      Ganz zu Beginn unvermittelt eine Kaskade von Akkorden, die nur hier in dieser Form erscheint, dann eine unvergeßliche Melodie, die gleich vorherrschend wird und aus der sich fast alles Folgende entwickeln wird: Der Beginn von Schumanns einzigem Klavierkonzert ist spektakulär. Darf man vielleicht die feurigen Akkorde zu Anfang dem lebhaften Florestan in Schumann zuordnen, das beherrschende Hauptthema aber Clara? Oder kann man den langsamen Teil (andante espressivo) des Kopfsatzes als Liebesduett deuten? Wird der unstete Florestan endlich von der sanften Clara sozusagen gezähmt? Vielleicht, vielleicht auch nicht, reizvoll sind solche Spekulationen allemal. Die Entstehung dieses erzromantischen Konzerts ist jedenfalls einigermaßen unromantisch verlaufen, es wurde keineswegs in einer einzigen kurzen, intensiven und inspirierten Arbeitsphase geschaffen. Begonnen wurde es 1841 etwa ein halbes Jahr nach der Hochzeit der Schumanns und zwar als einsätzige Fantasie mit jenem eigenen langsamen Mittelteil, dem "Liebesduett", und einem eigenen Finale. In dieser Form konnte das Stück weder aufgeführt noch verlegt werden, der Markt verlangte unerbittlich dreisätzige Konzerte. 1845 fügte Schumann nahtlos zwei weitere Sätze an: das traumhaft schöne Intermezzo und das ohne Pause folgende optimistische, vorwärtsdrängende Finale (allegro vivace). Insgesamt war das Werk jetzt etwa doppelt so lang geworden. Die Uraufführung war im Dezember 1845 in Leipzig, natürlich mit Clara am Flügel.

      Das Konzert ist von Schumann sehr bewußt nicht für mehr oder weniger eitle Virtuosen geschrieben worden, und Liszt z.B. hat es anfangs deswegen auch nicht spielen wollen. Vielleicht noch mehr als Beethovens Violinkonzert, dem es in diesem Punkte ähnelt, setzt dieses Klavierkonzert auf den Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester. Beide Seiten müssen sehr aufmerksam und flexibel sein. Zeitweise vertauschen sich die Rollen, wenn das Klavier das Orchester begleitet. Anderswo wird es richtiggehend kammermusikalisch, wenn das Klavier mit einzelnen Instrumenten aus dem Orchester Zwiegespräche hält. Die Zeitgenossen nahmen sehr wohl war, daß Schumann neue Wege ging, auch wenn sein Konzert wiederum in einer Tradition steht und er Anregungen von Beethoven (3. Klavierkonzert), Mendelssohn, Schubert und Bach bezog.

      Auch im Zusammenhang mit diesem Konzert sind Schumann Schwächen bei der Orchestrierung vorgeworfen worden. Ganz unberechtigt sind sie nicht, viel Erfahrung hatte er nicht, als er mit der ursprünglichen Fantasie begann. Vielleicht macht es sogar den besonderen Charme dieses Meisterwerks aus, daß es eben nicht ganz perfekt ist, sondern ein wenig grün und jugendlich geblieben ist. Und im ganzen jugendlich frisch sollte es meiner Meinung nach gespielt werden und eben nicht schmalzig-schmachtend bis hin zur völligen Gedankenverlorenheit und Lethargie. Bruno Walter ("Von der Musik und vom Musizieren") hat z.B. auf eine unselige Aufführungstradition hingewiesen, die bis zum heutigen Tage nicht ausgerottet ist: Nach den fallenden Akkorden ganz zu Anfang wird das Tempo für das "Clara-Thema" gewöhnlich sofort gedrosselt, obwohl das in der Partitur überhaupt nicht so notiert ist. Erst sehr viel später wird das Thema langsamer verlangt, ein Kontrast geht also dann entweder verloren oder es muß wiederum noch langsamer, noch schmachtender gespielt werden … Ein wenig Schmachten, ein wenig Sehnsucht muß sein, aber nicht im Übermaß. Auch unbändige Lebenslust und Drama haben hier ihren Platz, und wie sich anhand der gehörten Aufnahmen zeigt, sind diese verschiedenen Elemente in diesem Konzert nicht einfach im Gleichgewicht zu halten.


      Aufnahmen

      Cortot, LSO, Ronald (1927) Andromeda ANDRCD5012 14.54 4.54 10.03
      Nat, O Symphonique, Bigot (1933) EMI 094634782623 14.50 4.36 10.10


      Sowohl Cortot als auch Nat standen leider nur sehr mäßige Orchester zur Verfügung, als Solist ist wohl Cortot der "romantischere" oder freiere. Während das Klavier in beiden Aufnahmen noch einigermaßen gut eingefangen wurde, ist der Orchesterklang beide Male eher katastrophal.

      Gieseking, BPO, Furtwängler (1942) Arkadia The 78s 1CD78556 14.54 5.43 9.39
      Gieseking, Sinfonie O des Hessischen Rundfunks, Schröder (1949) Tahra TAH409/412 14.22 5.13 9.44


      Auch im Falle Giesekings unter Furtwängler muß man erhebliche Konzessionen machen, was die technische Qualität der Live-Aufnahme angeht. (Ob andere Transfers vielleicht besser gelungen sind, vermag ich nicht zu sagen.) Giesekings Spiel ist eher nüchtern und elegant, teils auch ein wenig uninvolviert, Solist und Dirigent sind, fast erwartungsgemäß, nicht immer einer Meinung. Im Prinzip prallen hier Welten aufeinander: der zwar wendige, aber eher wuchtige Dirigierstil Furtwänglers und Giesekings eher nach Frankreich weisende Leichtigkeit. Besser abgestimmt sind Gieseking und Schröder, leider läßt die Orchesterleistung ein wenig zu wünschen übrig.

      Lipatti, Philharmonia O, von Karajan (1948) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568922 14.22 5.26 9.56
      Lipatti, O de la Suisse Romande, Ansermet (1950) Decca Golden Documents 4581212 15.32 4.52 11.28


      Lipatti und Karajan hatten recht unterschiedliche Vorstellungen, wie das Konzert zu spielen sei: ein straff führender "superklassischer" (Lipatti) Dirigent und ein Solist, der sich einige Freiheiten nehmen wollte und es dann nur in der Kadenz konnte. Trotz dieser Spannungen bleibt die Aufnahme schon allein wegen Lipattis wunderschönem Spiel ein Klassiker. Vielleicht ziehe ich allerdings doch die (klanglich sehr mäßige) Live-Aufnahme unter Ansermet vor, der Lipattis Sicht des Konzerts weitgehend respektiert. (Nebenbei sei noch erwähnt, daß Karajan 1954 sich Arrau gegenüber bei einer Aufführung in Edinburgh ähnlich verhalten hat wie gegenüber Lipatti, er erreichte das Ende des Konzerts vor dem Solisten …)

      M. Haas, BPO, Jochum (1951) DG Original Masters 002894776201 14.47 4.55 10.33
      M. Haas, BRSO, Jochum (1954) Tahra TAH567 14.38 4.36 10.47


      Nach anfänglicher Begeisterung für Monique Haas' Spiel ist inzwischen bei mir eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Es scheint mir bei aller durchaus von mir erwünschten Leichtigkeit ein wenig zu monochrom. Dies gilt für beide hier vertretenen Versionen. Jochum ist ein zuverlässiger Begleiter.

      Haskil, Philharmonisches Orchester Den Haag, van Otterloo (1951) Vandisc THE5005 14.02 4.37 10.17

      Die größte Neuentdeckung bei der Vorbereitung dieses Beitrags war für mich Clara Haskil, deren Aufnahme, wenn es nach ihrem Willen gegangen wäre, nie hätte veröffentlicht werden sollen. Ein wenig unzufrieden konnte sie mit der der Leistung des Haager Orchesters sein, ihr Spiel bleibt dagegen erfrischend frei von romantisierenden Zutaten wie übermäßigem Rubato.

      Hess, Philharmonia O, Schwarz (1952) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568322 15.51 5.37 11.37

      Myra Hess' Version ist wohl einer früheren Aufnahme des Konzerts mit ihr unterlegen, bei allem Schönklang fehlt es hier ein wenig an Verve.

      Kempff, LSO, Krips (1953) DG Original Masters 4740242 15.22 5.36 11.17
      Kempff, BRSO, Kubelik (1973) DG POCG90121 15.35 5.40 11.50
      Kempff, BRSO, Kubelik (1977) Dreamlife DLVC8038 DVD


      Kempffs erste Einspielung ist wohl seine beste geblieben, dies mag vor allem an Krips' sehr aufmerksamen Dirigat liegen, das mir insgesamt besser gefällt als das von Kubelik in den beiden späteren Versionen. Allen drei Versionen gemeinsam ist, daß besonders der Kopfsatz und das Finale zu langsam genommen werden, auch wenn Kempffs poetisches Spiel, besonders dann auch im Intermezzo, immer wieder ein Genuß ist.

      Richter, Radio-Orchester Moskau, Gauk (1954 [?1948]) Multisonic 3102682 14.18 4.59 9.43
      Richter, Warsaw National Philharmonic, Rowicki (1958) Ö1-Klassiker 4748532 14.28 5.13 10.20


      Richter ist hier mit zwei Aufnahmen vertreten, die ihn beide nicht im besten Licht zeigen. Ob dies in beiden Fällen hauptsächlich auf das Konto der in der Tat wenig inspirierenden, spannungslosen Begleitung geht, wage ich nicht zu beurteilen. Ein wirkliches Geben und Nehmen scheint nicht zustandezukommen, Richter selbst wirkt eher steif.

      Francois, O National de la Radiodiffusion Francaise, Kletzki (1958) EMI Les Introuvables CZS762912 15.27 4.29 10.25

      Eine neue Bekanntschaft war Francois in diesem Konzert, auch hier kann ich meine Enttäuschung nicht verhehlen. Schon am Beginn des Konzerts irritiert die ungemein schleppende Begleitung Kletzkis, der ein Orchester dirigiert, das nicht sehr diszipliniert zu sein scheint.

      Anda, BPO, Kubelik (1963) DG Original Masters 002894775289 15.34 5.32 10.55

      Andas Version war in der LP-Zeit meine erste Einspielung des Konzerts überhaupt und ist nicht aus meinem Gedächtnis zu verdrängen, auch wenn ich ihr später ein wenig untreu geworden bin. Sie stellt eine sehr eigenwillige, breitangelegte, tiefdurchdachte und hochpoetische Sicht des Konzerts dar, die aber letztlich, etwa hinsichtlich des großzügig eingesetzten Rubato, manchmal schlicht zuviel des Guten ist.

      Serkin, Philadelphia O, Ormandy (1964) Sony esprit 82876887962 14.51 5.24 10.25

      Serkin hatte ich schon einmal aus meiner Sammlung entfernt, für diesen Beitrag ist er noch einmal zurückgekehrt und macht immer noch nicht recht Freude. Grundsätzlich handelt es sich um eine durchaus zufriedenstellende Version, die aufmerksam begleitet ist, am Ende aber ohne rechten Charme und wirkliche Inspiration bleibt. Es mag an Serkins für mich immer wieder problematischen Klavierton liegen. (Interessanter sind die beigegebenen seltenen, aber durchaus hörenswerten Konzertstücke opp. 92 und 134 für Klavier und Orchester.)

      Kovacevich, BBC Symphony O, C. Davis (1970) Philips 50 Great Recordings 4647022 14.42 5.32 10.31

      Über längere Zeit war Kovacevich wohl meine bevorzugte Einspielung. Colin Davis ist hier ein sehr aufmerksamer Begleiter, das Wechselspiel zwischen Soloist und Orchester könnte kaum besser gestaltet sein (wie auch später in Perahias erster Aufnahme des Konzerts). Kovacevich vermeidet es ganz richtig peinlichst, sein Spiel etwa mit schmachtendem Rubato zu sentimantalisieren. Ich wünschte nur einmal mehr, daß sein Klavierton schöner wäre.

      Lupu, LSO, Previn (1973) Decca Legends 4663832 14.35 5.23 10.28

      Lupus Version macht mir viel Freude mit ihrer Frische und ihrer Brillianz in den Außensätzen und ihrer Zartheit des Ausdrucks im Intermezzo.

      Gilels, LSO, Böhm (1975) Andante Great Orchestras 4983 16.56 4.22 12.13

      Gilels' Salzburger Aufnahme ist fast schockierend angesichts ihrer bleiernen Schwere und Lethargie. Der Solist hatte offenbar erst sehr spät im Leben zum Konzert gefunden.

      Moravec, Tschechische Philharmonie, Neumann (1976) Supraphon SU35082 15.45 5.40 10.34

      Obwohl mir der Kopfsatz in Moravec' Version zu langsam genommen zu sein scheint, ist sie für mich eine der schönsten Neuentdeckungen der letzten Zeit allein schon wegen des einfach herzzereißend schönen und sorgfältigen Spiels des Solisten. Nicht das einzige Mal, daß ich interpretatorische Vorgaben meinerseits einfach unterdrücken muß …

      Grigore, Symphony O of the Cluj Philharmonic (1987) Electrecord EDC244/245 16.17 II + III 16.31

      Der mir bis vor kurzem völlig unbekannte rumänische Pianist Dan Grigore ist hier durchaus kompetent und recht erfreulich, aber im ersten Satz viel zu langsam.

      Perahia, BRSO, C. Davis (1988) CBS MK44899 14.43 5.12 10.19
      Perahia, BPO, Abbado (1994) Sony SK64577 14.48 5.08 10.08
      Pollini, BPO, Abbado (1989) DG Masters 4455222 15.08 5.32 10.29


      Perahias sehr empfehlenswerte Münchener Live-Aufnahme unter Colin Davis sehe ich heutzutage ein klein wenig kritischer als vordem: In den ersten beiden Sätzen spielt er ein wenig neben dem Orchester her, überbetont zuweilen und erlaubt sich, etwa im Vergleich mit Kovacevich, ein paar Freiheiten, die nicht unbedingt angebracht sind. Perahias spätere Version unter Abbado (gekoppelt mit opp. 92 und 134) ist leider eher enttäuschend. Dies mag auf den Dirigenten zurückgehen, der möglicherweise mit der eigentümlichen Poesie Schumanns nicht viel anfangen kann, ein Tatbestand, der sich dann auch bei Pollini offenbart, nur daß in letzterem Falle auch der Solist nicht recht bei der Sache zu sein scheint und nicht viel zum Konzert mitzuteilen hat.

      Holtmann, RSO Berlin, Soltesz (1991) Laserlight Classics 14097 14.52 5.43 10.28

      Holtmanns unspektakuläre Einspielung (gekoppelt mit den beiden Konzertstücken) bleibt nicht länger im Gedächtnis haften.

      Argerich, Chamber O of Europe, Harnoncourt (1992) Teldec 4509906962 14.24 5.09 10.01

      Martha Argerich vergißt man nicht so schnell, dieses Konzert scheint gerade in den letzten Jahren ihre besondere Spezialität zu sein. Bei dieser schon älteren Live-Aufnahme verläuft keineswegs alles perfekt, Harnoncourt ist allein schon nicht flexibel genug. Angesichts der Farbigkeit und Brillianz des Spiels der Solistin verstummt auch hier einmal wieder schnöde Kritik.

      Staier, O des Champs Elysées, Herreweghe (1995) Harmonia Mundi musique d'abord HMA1951731 12.09 4.59 8.06

      Staiers Version ist hier die einzige, in der historische Instrumente zum Einsatz kommen, der Solist spielt auf einem Flügel aus der Zeit um 1850. Dies ist eine schlanke Einspielung z.B. völlig ohne schmachtendes Rubato und mit Tempi, die wohl den Intentionen des Komponisten näher kommen dürften als jene in allen anderen hier vertretenen Aufnahmen.

      Brendel, Philharmonia O, Sanderling (1997) Philips 4623212 15.30 5.12 11.28

      Und zum guten Schluß Brendel, der ebenfalls eine eher unsentimentale, nüchterne, im ganzen sehr aufmerksam begleitete Interpretation vorlegt, die im Finale allerdings nicht recht abzuheben vermag.

      Vielleicht sollte ich jede Aufnahme, deren Kopfsatz länger als 15 Min. und deren dritter Satz länger als 11 Min. dauert, von vornherein strengstens abwerten. Bei Überschreitung dieser Höchstzeiten stellt sich automatisch der Verdacht ein, daß z.B. zuviel schmachtendes Rubato zum Einsatz kommt und auch die Anweisungen Schumanns öfter ignoriert werden. Es hat dann, Moravec ist da ein Beispiel, doch wieder Pluspunkte für wunderschönes Spiel gegeben, dieser Rezensent ist schon bestechlich, auch wenn er meint, daß die Idealzeiten für eine Aufführung eher näher an denen der Staier-Aufnahme liegen müßten.

      Aus den 30 gehörten Aufnahmen kristallisiert sich leider keine absolute Idealaufnahme heraus, was vielleicht auch angesichts der Wankelmütigkeit des Rezensenten nicht anders zu erwarten ist. Alfred Brendel hat recht: Dies ist kein einfaches Konzert … Im Moment möchte ich jedenfalls keineswegs ohne Lipatti, Haskil, Anda, Kovacevich, Moravec, Lupu und Perahia (1988) sein.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • Schon lange nehme ich mir vor, mich endlich mal mit Schumann zu beschäftigen.......ich traue mich ja kaum mich zu outen, aber ich habe nur ein paar Aufnahmen der Sinfonien und auch diese liegen schon lange größtenteils ungeöffnet herum :ignore. Was ich gehört habe hat mir sogar gefallen, ich weiss auch nicht, warum es dabei geblieben ist.

      Und weil ich Klavierkonzerte liebe, werde ich auch mit einer Einspielung des hier vorgestellten Konzerts einen Versuch wagen.

      Danke für die sehr kenntnisreiche threaderöffnung.

      So, und jetzt sollen die schreiben, die von der Materie Ahnung haben.............

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von HenningKolf

      Und weil ich Klavierkonzerte liebe, werde ich auch mit einer Einspielung des hier vorgestellten Konzerts einen Versuch wagen.

      Gruß
      Henning


      Lieber Henning:

      Dann hat ja meine Fadeneröffnung wenigstens schon einmal ein wenig Sinn gemacht! Garantieren, daß Dir das Konzert gefällt, kann ich natürlich nicht.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Schumann, Klavierkonzert in A-moll op. 54

      @Zelenka,

      danke für diese sehr persönliche und wunderbare Threaderöffnung, die wiedereinmal zeigt, daß Du ein wirklicher Kenner der klassischen Musik bist und darüber hinaus scheinbar nahezu eine wahnsinnige Vielzahl Aufnahmen bereits kennst.

      Original von Zelenka
      Dann kam das Klavierkonzert [sc. Schumanns Klavierkonzert] hinzu, das habe ich auch schon als ganz junger Mann zu spielen versucht. Und ich muß wirklich betonen: versucht, weil es ein Stück ist, das beim Lesen wunderbar einleuchtend scheint. Wenn man es aber unternimmt es aufzuführen, ist da dies und jenes, was nicht ganz stimmt, was nicht ganz ins Lot gekommen ist. Ich will die Komposition gar nicht beschuldigen, doch fällt es offenbar dem Interpreten und dem Zusammenwirken aller Beteiligten in diesem Stück besonders schwer. Es gibt frustrierende Werke, wo man manchmal in die Nähe, aber nie ganz hinkommt.
      (Alfred Brendel in "Ausgerechnet ich", pp. 203-4)


      Oh, interessante Ausführung! Hoffe Jeremias findet die Zeit und kann ggf. hier aus der Sicht des "Pianisten" auch seine Erfahrungen mitteilen ?(
      Zugegeben, für mich klingt das Material nicht wirklich "schwer" im Vergleich zu anderen Konzerten.


      Schumanns Klavierkonzert in A-moll op. 54: Der gezähmte Florestan?

      Darf man vielleicht die feurigen Akkorde zu Anfang dem lebhaften Florestan in Schumann zuordnen, das beherrschende Hauptthema aber Clara? Oder kann man den langsamen Teil (andante espressivo) des Kopfsatzes als Liebesduett deuten? Wird der unstete Florestan endlich von der sanften Clara sozusagen gezähmt? Vielleicht, vielleicht auch nicht, reizvoll sind solche Spekulationen allemal.


      Interessanter Gedankengang. Wie kommst Du zu dieser Spekulation, wie Du es selber bezeichnest.


      Das Konzert ist von Schumann sehr bewußt nicht für mehr oder weniger eitle Virtuosen geschrieben worden, und Liszt z.B. hat es anfangs deswegen auch nicht spielen wollen. Vielleicht noch mehr als Beethovens Violinkonzert, dem es in diesem Punkte ähnelt, setzt dieses Klavierkonzert auf den Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester. Beide Seiten müssen sehr aufmerksam und flexibel sein. Zeitweise vertauschen sich die Rollen, wenn das Klavier das Orchester begleitet. Anderswo wird es richtiggehend kammermusikalisch, wenn das Klavier mit einzelnen Instrumenten aus dem Orchester Zwiegespräche hält. Die Zeitgenossen nahmen sehr wohl war, daß Schumann neue Wege ging, auch wenn sein Konzert wiederum in einer Tradition steht und er Anregungen von Beethoven (3. Klavierkonzert), Mendelssohn, Schubert und Bach bezog.


      Äußerst reizvoll sind für mich die Solopassagen, die auch klar zeigen das Schumann's "Traditon" die Klaviermusik ohne Orchester ist.


      Ein wenig Schmachten, ein wenig Sehnsucht muß sein, aber nicht im Übermaß.


      Da bin ich völlig Deiner Meinung! Romantisch ja, zu "schmalzen" bitte NICHT!


      Lipatti, Philharmonia O, von Karajan (1948) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568922 14.22 5.26 9.56
      Lipatti, O de la Suisse Romande, Ansermet (1950) Decca Golden Documents 4581212 15.32 4.52 11.28


      Lipatti und Karajan hatten recht unterschiedliche Vorstellungen, wie das Konzert zu spielen sei: ein straff führender "superklassischer" (Lipatti) Dirigent und ein Solist, der sich einige Freiheiten nehmen wollte und es dann nur in der Kadenz konnte. Trotz dieser Spannungen bleibt die Aufnahme schon allein wegen Lipattis wunderschönem Spiel ein Klassiker.


      Diese Aufnahme besitze ich auch, in einer Lipatti Box, die ich einst kaufte. Die große Faszination, die diese Aufnahme teilweise auslöst blieb mir beim hören "fremd". Werde sie bei Gelegenheit nochmals hören :engel


      Aus den 30 gehörten Aufnahmen kristallisiert sich leider keine absolute Idealaufnahme heraus, was vielleicht auch angesichts der Wankelmütigkeit des Rezensenten nicht anders zu erwarten ist.
      Gruß, Zelenka


      Das hat eher wenig mit Wankelmüdigkeit zu tuen, sondern mit der Tatsache, daß man durchaus in vielen serh guten Aufnahmen sehr positive Aspekte findet, und ein Werk in vielerlei hinsicht "Beleuchtet" werden kann.

      Ich besitze die Aufnahmen:

      Jansson - Andsnes
      Karajan - Zimerman
      Pollini - Abbado
      Klara Würz
      Richter (DG)
      Van Cliburn - Reiner(?)

      Ein klarer Favorit kristalisiert sich bei mir nicht heraus. Werde sie aber auch alle im laufe der kommenden Wochen hören.

      Zu Van Cliburn: Man muss schon fast feststellen, er spielt das Konzert fast so als wäre er eher bei Prokofiev oder Tchaikovsky.
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: Schumann, Klavierkonzert in A-moll op. 54

      Lieber Rachmaninov:

      Die Sicht eines Pianisten wäre natürlich höchst willkommen! Insgesamt ist der Klavierpart sicher nicht der schwerste ... Aber das Konzert ist aus anderen Gründen eben nicht einfach.

      Die Spekulation (Florestan, Clara) ist im Prinzip Allgemeingut. Im "Clara-Thema" ist der Name in fünf fallenden Noten "einkodiert". Die Florestan-Anspielung ist spekulativer.

      Ich habe es ab und an erlebt, daß Lipatti nicht ganz so heiß und innig geliebt wird. Ich glaube aber trotzdem nicht, daß ich hier unkritische Heiligenverehrung betreibe.

      Ich bin neidisch auf Leute, die für bestimmte Werke eine eindeutige Spitzenempfehlung geben können ... Ich wünschte wirklich, ich könnte es.

      Du hast da ein paar Aufnahmen, die ich auch noch gern gehört hätte, aber es mußte einfach jetzt Schluß sein!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      vielen Dank für Deinen interessanten Einführungsbeitrag zu einem der schönsten Klavierkonzerte der Weltliteratur! :) Auch ich habe bislang keine Idealinterpretation gefunden (obwohl ich mich nahe dran wähne), weshalb sich wohl auch eine größere Anzahl von Aufnahmen angesammelt hat:

      Aufnahmen, die mich (aus unterschiedlichen Gründen) nicht ansprechen, sind:

      Barenboim, Daniel / London Philharmonic Orchestra - Fischer-Dieskau (EMI)
      Lipatti, Dinu / Philharmonia Orchestra - Karajan (EMI)
      Michelangeli, Arturo Benedetti / Warsaw Philharmonic Orchestra – Rowicki (Altara)
      Staier, Andreas / Orchestre des Champs Elysées – Herreweghe (Harmonia mundi)
      Kovacevich, Stephen / BBC Symphony Orchestra – Davis (Philips)
      Brendel, Alfred / Philharmonia Orchestra – Sanderling (Philips)
      Haskil, Clara / Philh. Orchester Den Haag – van Otterloo

      Perahia, Murray – Symphonieorchester des Bay. Rundfunks – Davis (CBS)
      Sicher eine gute Aufnahme, aber ich empfinde Perahias Klavierspiel immer als etwas langweilig.

      Was Richter angeht, so muss ich Dir leider Recht geben. Weder die von Dir genannten Aufnahmen unter Rowicki und Gauk, noch jene unter Matacic (EMI) gefallen mir. Richter ist IMO zu „schwergewichtig“ für dieses Werk – ich höre es lieber froh und leuchtend gespielt.

      (Eigentlich müsste Rubinstein ein guter Interpret sein. Er hat doch dieses Leuchtende und Glückliche in seinem Spiel. Hat er das Konzert nicht gespielt?)

      Aufnahmen, die ich gern bis sehr gern höre, sind:

      Lipatti, Dinu / Orch. de la Suisse Romande – Ansermet (Decca)

      François, Samson / Orch. Nat. de la Radiodiffusion – Kletzki (EMI):
      Hier gefällt mir François’ gelöstes, tänzerisches Klavierspiel sehr gut.

      Pollini, Maurizio / Berliner Philharmoniker – Abbado (DG):
      Keine frohe und leuchtende Interpretation, dennoch macht es Pollinis leuchtendes Klavierspiel für mich wett.

      Moravec, Ivan / Czech Philharmonic Orchestra – Neumann (Supraphon):
      Wunderschön gespielt.

      Und schließlich: Lupu, Radu / London Symphony Orchestra – Previn (Decca) :down

      Dies war die erste Aufnahme des Klavierkonzertes, die ich gehört habe. Und bis heute ist es auch meine liebste geblieben.

      Soweit dieser erste Überblick. :engel

      Gruß, Cosima
    • Hallo Schumann-Freunde,

      Danke erst einmal für Zelenkas hervorragenden Anfangsbeitrag zu Schumanns wunderbarem Klavierkonzert.

      Doch sollte so ein Anfangsbeitrag niemanden davon abhalten weit weniger anspruchsvolle Anfangsbeiträge zu gestalteten und diesen als Standard für das Forum anzusehen.
      :J Sonst traut sich ja keiner mehr neue Threads zu starten !

      Obwohl sehr viele Aufnahmen des Schumann-Klavierkonzertes bereits Erwähnung fanden sind meine drei (von vier) Aufnahmen nicht dabei, die ich kurz vorstellen möchte.

      1. In sehr vielen Fällen ist das Schumann-Klavierkonzert immer mit dem Grieg-Klavierkonzert gekoppelt. Das liegt natürlich an der zeitlichen Nähe beider Konzerte.
      So auch bei meiner ersten CD (hatte das Konzert zuvor nie auf LP) mit
      Entremont / Philadelphia Orchestra / Ormandy (CBS)
      Die CD hatte ich eigendlich wegen Grieg gekauft, doch gefiel mir Schumann auch sehr gut. Da die Aufnahme von 1958 ist, sind schon einige Klangdifferenzen und Rauschen zu verzeichnen.

      2. Im Rahmen der Schumann-Sinfonien mit Bernstein (DG) war auch das Schumann-Klavierkonzert beim Kauf wiedermal dabei mit
      Justus Frantz / Wiener PH / Bernstein (DG).
      Da diese Aufnahme wesentklich neueren Datums ist, war ich nicht nur von Klang sehr zufrieden. Der oft vielgescholtene Frantz hat das Konzert mit Bernstein Jahre zuvor schonmal in New York auf CBS (heute SONY) mit Bernstein aufgenommen. Die beiden sind also gut eingespielt.
      Ich finde die Aufnahme nicht schlecht.

      3. Da ich klanglich mit Entremont nicht das non Plus Ultra hatte, kaufte ich mir die Afnahme mit dem von mir immer hochgeschätzeten Duo
      Fleisher / Cleveland Orchestra / Szell (CBS).
      Diese Interpretation scheint mir perfekt zu sein und erstmals empfinde ich eine geschmackliche "Gleichwertigkeit" der Konzerte von Grieg und Schumann, denn sonst hatte ich die CD´s ja immer wegen Grieg gekauft.
      :W Diese ist meine Favoriten-Aufnahme !

      4. Später kam noch durch Zufall die von cosima bekannte Aufnahme mit
      Pollini / Berliner PH / Abbado (DG)
      hinzu, die mir ebenfalls gut gefällt.
      Interessant cosimas Zitat: "Keine frohe und leuchtende Interpretation, dennoch macht es Pollinis leuchtendes Klavierspiel für mich wett."
      Das diese nicht froh und leuchtend ist, kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Zustimmung zu Pollinis Klavierspiel, dass ich wie immer als absolut perfekt empfinde.

      :beer Ich bin natürlich nicht der Kenner des Schumann-Klavierkonzertes, wie Zelenka und Cosima, aber ich denke, dass ich mit meinen Aufnahmen gut ausgestattet bin.

      An Abb habe ich nur diese gefunden:

      DG, 1988, DDD


      DG, 1994, DDD
      Seltsam, bei mir ist Schumann mit Grieg gekoppelt. Diese Abb ist aber nirgens vorhanden.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • lieber Zelenka,

      herzlichen dank für diesen thread ! :)

      nunmeine erfahrungen im 'low-profile':

      top:

      zacharias, kammerorch. lausanne, zacharias (MDG)
      anda, berl. ph., kubelik (DG)
      rubinstein, boston s. (?), giulini (RCA)
      francois, orch. nat..., kletzki
      lipatti, philh.orch., karajan
      benedetti michelangeli, NY ph., mitropoulos
      moravec, dallas SO, dirigent fällt mir momentan nicht ein (DOREMO)

      wirklich gut:

      lupu, arrau, pollini, fleisher, kovacevich, s.richter (warschau), zimerman

      kalt oder unangenehm:

      s. richter (monte carlo), andsnes

      meine derzeitige lieblingsaufnahme ist die recht aktuelle einspielung durch christian zacharias, der gleichzeitig sein kammerorchester leitet. es ist eine sehr engagierte, liebevolle interpretation mit sorgfältiger motivation des orchesters. klanglich übrigens famos. außerdem werden auch noch die späteren konzertstücke für klavier und orchester gespielt. das introduktion und allegro appassionato op.92 ist ein ebenfalls sehr starkes und intensives werk !



      gruß, siamak :engel
    • Original von AcomA
      rubinstein, boston s. (?), giulini (RCA)


      Dachte ich mir doch, dass eine Rubinstein-Interpretation gut sein müsse!

      meine derzeitige lieblingsaufnahme ist die recht aktuelle einspielung durch christian zacharias, der gleichzeitig sein kammerorchester leitet.


      Die würde mich auch sehr interessieren. Ich glaube nämlich, dass Zacharias genau das richtige Temperament, die Frische und eine Spur Unbekümmertheit besitzt, die diesem Konzert IMO gut tun würden.

      Gruß, Cosima
    • Original von teleton

      1. In sehr vielen Fällen ist das Schumann-Klavierkonzert immer mit dem Grieg-Klavierkonzert gekoppelt. Das liegt natürlich an der zeitlichen Nähe beider Konzerte.
      So auch bei meiner ersten CD (hatte das Konzert zuvor nie auf LP) mit
      Entremont / Philadelphia Orchestra / Ormandy (CBS)
      Die CD hatte ich eigendlich wegen Grieg gekauft, doch gefiel mir Schumann auch sehr gut. Da die Aufnahme von 1958 ist, sind schon einige Klangdifferenzen und Rauschen zu verzeichnen.


      Hallo teleton,

      Ich bin mir sicher, dass bei der geannten CD zwar Entremont das Grieg-Konzert spielt, aber auch ziemlich sicher, dass nicht er, sondern Serkin den Schumann spielt.
      Der Grund für meine Annahme liegt darin, dass nämlich bei der CBS-Kassette, die ich letzte Wochenende erstmals hörte, dieser Paarung vertreten ist. Der Grieg ist von 1958; der Schumann ist aber von 1965 angegeben, wie auch das Konzertstück op. 92. (Das op. 134 ist leider unterschlagen). Das wäre dan die eingangs von Zelenka genannte CD. Oder?

      (Obwohl das Datum um ein Jahr mit Zelenkas Angabe abweicht, gehe ich davon aus, dass es sich um dieselbe Serkin-Aufnahmen handelt.)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Ich muss gestehen, die auswegslose Düsterheit der Brendel/Sanderling-Aufnahmen sehr zu mögen. Brendels leuchtfreien Schattenklang mag ich ja eigentlich gar nicht, aber bei Schumann ist dies anders. Mir gefällt seine düstere Interpretationsart. Ich finde das Dirigat Sanderlings phantastisch. Gerade, dass der 3. Satz nicht "abhebt" gefällt mir. (Seiner früheren Aufnahme, ich glaube mit Abbado, konnte ich nichts abegwinnen.) Schumann verbinde ich gerne mit verzweifelter Expressivität und ihren Pausen dazwischen.

      Sehr mag ich auch Richter/Gauk. Richters leuchtender Ton kann ich keine Kälte abhören. Anders als bei dem uninspirierten Dirigat der DG-Aufnahme finde ich, obwohl bei beiden kein idealer Dialog stattfindet, jedoch eine passable Begleitung.
      Auf der von Zelenka angegebenen Webseite kann ich der Charakteristik durchaus etwas abgewinnen (wenn natürlich weniger der Bewertung dessen):
      Il y a chez lui quelque chose de trop radical, de trop impérieux pour s'acclimater pleinement à ce concerto d'échange et de dialogue. D'autre part l'indifférence bien connue du pianiste à la sonorité, non pas en tant qu'outil expressif, mais à ce que le terme peut véhiculer de beauté de beauté simplement décorative, a toujours abouti à un Concerto de Schumann un peu ligneux, parcouru de nervure trop franches et souvent trop raide.


      Haskil/ van Otterloo finde ich wunderschön, nicht nur im langsamen Satz. Da stört mich gar nicht, dass die Expressivität der Schönheit geopfert wird.

      Serkin/Ormandy hörte ich letzte WE erstmals auf einer alten Kassette. Ich bin fasziniert, wie der virtuose Ton Serkins mit dem Breitbandsound Ormandys zusammengeht. Alles in allem fand ich dies ein schöne Aufnahme, insbesondere von der musikalischen Übereinstimmung. Der dritte Satz ist mir zu virtuos. Ich teile die Ausführungen Zelenkas. Kaufen würde ich sie mir wohl nicht.

      Barenboim hatte ich einmal verschenkt, weil es mit dem Cellokonzert der du Pré gekoppelt war: jenes ganz anders als dieses völlig belanglos. Ähnlich kam mir Perahia vor, aber auch Lipatti/Karajan, den ich einfach nicht mag. Anda ist mir zu künstlich, so wie auch Larrocha.

      Von den genannten würde mich noch am ehesten Fleisher/Szell interesieren, aber natürlich auch Kempff/Krips.

      Gerne hörte ich die mit Gulda, Rubinstein, Lympany aber auch eine mit Backhaus oder Cortot und Gieseking, Schnabel und Solomon.

      Wann wird es eine mit Uchida geben?
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

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    • Original von AcomA

      meine derzeitige lieblingsaufnahme ist die recht aktuelle einspielung durch christian zacharias, der gleichzeitig sein kammerorchester leitet. es ist eine sehr engagierte, liebevolle interpretation mit sorgfältiger motivation des orchesters. klanglich übrigens famos. außerdem werden auch noch die späteren konzertstücke für klavier und orchester gespielt. das introduktion und allegro appassionato op.92 ist ein ebenfalls sehr starkes und intensives werk !



      gruß, siamak :engel


      Lieber Siamak:

      Abgeschreckt hatte mich dieser Verriß der Zacharias-Version (Hurwitz, 3/7) ... Ich werde in allernächster Zeit die Sachlage selbst überprüfen!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Cosima
      Original von Zelenka
      Ich werde in allernächster Zeit die Sachlage selbst überprüfen!


      Überprüfst Du auch die Sachlage bzgl. Fleisher / Szell? :W (Die Aufnahme würde mich nämlich auch noch interessieren. Beethoven und Brahms waren ja schon fantastisch.)

      Gruß, Cosima


      Ich habe die Verfügbarkeit der Fleisher-Version noch nicht überprüft. Falls sie zu haben ist, werde ich auch überprüfen! :D

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von ab
      Ich muss gestehen, die auswegslose Düsterheit der Brendel/Sanderling-Aufnahmen sehr zu mögen. Brendels leuchtfreien Schattenklang mag ich ja eigentlich gar nicht, aber bei Schumann ist dies anders. Mir gefällt seine düstere Interpretationsart. Ich finde das Dirigat Sanderlings phantastisch. Gerade, dass der 3. Satz nicht "abhebt" gefällt mir. (Seiner früheren Aufnahme, ich glaube mit Abbado, konnte ich nichts abegwinnen.) Schumann verbinde ich gerne mit verzweifelter Expressivität und ihren Pausen dazwischen.

      Wann wird es eine mit Uchida geben?


      Lieber ab:

      Warum nur muß es in diesem Konzert ausweglos düstern zugehen? Der letzte Satz ist allegro vivace zu spielen, laß den Schumanns doch hier ihren Optimismus! Nachher ist es ja dann knüppeldick genug gekommen ...

      Uchida hat das Konzert wohl wenigstens einmal in Wien unter Haitink gespielt, eine CD ist offenbar nicht daraus geworden.

      Ich benutze die Gelegenheit, noch auf diese französische Website hinzuweisen, die eine umfangreiche Diskographie des Konzerts bietet.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • lieber Zelenka,

      ich habe nun die hurwitz-kritik gelesen. es stimmt, dass zacharias' interpretation nicht zu den raschesten gehört. seltsamerweise höre ich das aber nicht so. ich finde die interpretation sehr romanisch und luzide. die behauptung, zacharias könne nicht dirigieren halte ich für nicht belegbar. im gegenteil höre ich hier soviele schöne orchesterdetails wie noch nie zuvor. es verhält sich etwas so wie die interpretation der chopinschen konzerte durch zimerman in personalunion als dirigent.

      z.b. spielt andsnes den 3. satz des schumann-konzertes viel behender zusammen mit jansons, aber es kommt keine rechte stimmung auf, es läuft einfach vorüber. ganz anders zacharias, hier lebt alles auf !

      gruß, siamak
    • Original von Zelenka
      Warum nur muß es in diesem Konzert ausweglos düstern zugehen?


      Muss es ja nicht, aber es kann so interpretiert wird. Ich mag das, auch wenn es nicht den Intentionen des Komponisten entsprechen sollte. Ausdrucksmomente sehe ich als eine Sache der Interpreten und nicht des Werks an. Eine Aufnahme hinsichtlich ihrer Authentizität (d.h. bzgl. der Intentionen des Komponisten) zu bewerten ist etwas anderes als sie hinsichtlich dessen zu bewerten, was zu hören ist. Durch Mangel auf einer der beiden Seiten sollte man keines Strick der jeweils anderen drehen; umgekehrt kann man auch nicht von der genauesten Werktreue auf einen großartigen Höreindruck schließen.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von Zelenka

      Uchida hat das Konzert wohl wenigstens einmal in Wien unter Haitink gespielt, eine CD ist offenbar nicht daraus geworden.


      Ich entsinne mich der Konzertübertragung im Radio, der ich bloß einige Takte des Klaviers ganz fasziniert lauschen konnte, weil ich leider, leider die Wohnung verlassen musste. Der Dirigent wirkte eher schwerfällig auf mich und vor allem im Gegensatz zu ihren Nuancen plakativ. Anders als ich es von ihrem Schubertspiel erwartet hätte, wirkte der Schumann auf mich gar nicht existenziell, sondern sozusagen fast spirituell, um ein vages Bild zu verwenden. Vieles kam mir davon wie ungerhört neu vor.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

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    • Hallo Zelenka!

      Zuerst einmal will ich meiner Freude über Deinen interessanten, wohlformulierten und einfühlsamen Text zu diesem schönen Werk Ausdruck verleihen! :W

      Interessant, das Du das zweite Motiv mit Clara Schumann in Verbindung bringst...
      Ich habe gelesen, das die beiden Themen mit der Doppelgestalt der "Davidsbündler" Florestan und Eusebius zusammenhängen - der erste ein vorwärtsdrängender Sanguiniker und der zweite ein träumerischer Melancholiker. Nach dem wuchtigen Beginn und den fallenden Akkorden des Klaviers folgt im vierten Takt ja dieses sehnsüchtige Motiv, welches allein schon genügt, mir dieses Konzert unvergesslich zu machen. Es wird zuerst von Holzbläsern vorgetragen und im weiteren Verlauf des 1. Satzes variiert. Obwohl ich keine Partituren lesen kann, habe ich heute bei meinem Schumann-Konzert-Hör-Marathon versucht, wenigstens den Anfang mittels der Noten nachzuvollziehen...


      Zu meinen Höreindrücken:

      Im Player liefen heute:

      Rudolf Serkin // Eugene Ormandy / Philadelphia Orchestra 1958
      Claudio Arrau // Christoph von Dohnanyi / Royal Concertgebouw Orchestra 1963
      Radu Lupu // Andre Previn / London Symphony Orchestra 1973
      Sviatoslav Richter // Lovro von Matacic / Orchestre National de l'Opera de Monte Carlo 1975

      Ich mag sie alle vier und will keine missen, aber letztlich sind es Arrau/Dohnanyi und Richter/Matacic, die mir am besten gefallen.

      Arraus feinen weichen Klavierton mag ich sowieso - dazu kommt hier der präzise, klare Akzente setzende Dohnanyi. Beide spielen sehr gut aufeinander abgestimmt. Hier ist der Florestan ganz auf der Seite des Dirigenten und den Eusebius gibt uns der Pianist. Gerade dieser Gegensatz verleiht der Aufnahme etwas sehr Lebendiges. Sie ist romantisch und erinnert an eine warme Sommernacht bei gutem Wein. Das Edle, ja "Aristokratische" dieser Aufnahme spricht mich sehr an.

      Richter/Matacic ist in diesem Forum ja häufig "Sterilität" vorgeworfen worden - vor allem durch unsere Klavierexperten hier. Ich persönlich vermag das nicht zu hören. Die Interpretation ist sehr wuchtig, im ersten Satz geradezu monumental. Schumanns Werk erscheint hier überhöht und fast wie in Stein gemeißelt. Allein wie kräftig schon die ersten Töne daherkommen... Von Frohmut ist aber nichts zu spüren. Richter spielt an vielen Stellen richtiggehend introvertiert. Genau diese Verbindung zwischen Grübelei und Monumentalität gefällt mir besonders gut.

      Die Frage wäre nun für mich: - wie weitermachen? Es gibt da noch Zimmerman/Karajan, über die hier noch gar nichts gesagt wurde. Auf Anda/Kubelik hat mich Zelenka jetzt neugierig gemacht. ab's Beschreibung der Brendel/Sanderling-Aufnahme klingt sehr spannend.


      Herzliche Grüße!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)
    • Meine Sammlung ist da wie immer etwas einseitig:
      3 x Argerich, 1 x Lipatti (den ich gerade erst wiederentdeckt habe in einer Brilliant-Box):


      Martha Argerich, Sivzzera Italiana Orchestra, Alexandre Rabinovitch


      Martha Argerich, Chamber Orchestra of Europe, Nikolaus Harnoncourt


      Martha Argerich, Gewandhausorchester Leipzig, Riccardo Chailly


      Dinu Lipatti, The Philharmonia Orchestra, Herbert von Karajan

      Meine Lieblings-Aufnahme ist die live-Aufnahme aus Lugano unter Rabinovitch. Hier spielt Martha Argerich sehr frei und gelöst, einfach aus dem Moment heraus.
      Die Aufnahme unter Harnoncourt finde ich dagegen etwas - wie soll ich sagen - kontrollierter, kalkulierter (?).
      Der live-Mitschnitt aus Leipzig gefällt mir auch gut, v.a. durch eine wundervolle "Beredtsamkeit" an den innigen Stellen, während die "Ausbrüche" mir manchmal doch zu brachial erscheinen. Ausserdem, und das wiegt fast am schwersten, finde ich das Orchester leider etwas verhalten. Wenn Martha Argerich da einen lebendigeren Gegenpart gehabt hätte, wäre das eine tolle Aufnahme geworden.
      Lipatti höre ich gerade das erstemal wirklich bewusst, und der erste Eindruck ist sehr, sehr positiv (abgesehen von der grottigen Akkustik...)!!

      Nikolaus.

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