Chopin: Die Nocturnes

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    • Lieber Zelenka,

      Du musst Dich doch nicht für Deine Auswahl und Deine Vorlieben rechtfertigen. Grundsätzlich ist das alles auch eine Frage des eigenen Gefühls und Geschmacks.

      Ich behaupte keinesfalls, dass Pollini die allein selig machende Interpretation bietet. Mir ist sehr wohl bewusst, dass er im Grunde mit seinem Ansatz fast eine Außenseiterposition einnimmt (Francois' GA kenne ich nicht). Gleichwohl denke ich, dass sich ein Pianist von seinem Range und seiner Erfahrung (auch gerade in Bezug auf Chopin) etwas gedacht haben wird, als er sich für diesen Ansatz entschied.

      Moravec und Pollini sind sehr unterschiedlich in ihrer Herangehensweise, und ich bin mir fast sicher, dass Dir Moravec besser gefallen wird. Seine Interpretationen sind verinnerlichter, er gestaltet das „Drama“ (ich nenne es jetzt einfach mal so) von innen nach außen, Pollini umgekehrt, also von außen nach innen. (Ich weiß nicht, ob das verständlich ist. :D)

      Gruß, Cosima
    • Lieber Zelenka,

      Du musst Dich doch nicht für Deine Auswahl und Deine Vorlieben rechtfertigen. Grundsätzlich ist das alles auch eine Frage des eigenen Gefühls und Geschmacks.

      Ich behaupte keinesfalls, dass Pollini die allein selig machende Interpretation bietet. Mir ist sehr wohl bewusst, dass er im Grunde mit seinem Ansatz fast eine Außenseiterposition einnimmt (Francois' GA kenne ich nicht). Gleichwohl denke ich, dass sich ein Pianist von seinem Range und seiner Erfahrung (auch gerade in Bezug auf Chopin) etwas gedacht haben wird, als er sich für diesen Ansatz entschied.

      Moravec und Pollini sind sehr unterschiedlich in ihrer Herangehensweise, und ich bin mir fast sicher, dass Dir Moravec besser gefallen wird. Seine Interpretationen sind verinnerlichter, er gestaltet das „Drama“ (ich nenne es jetzt einfach mal so) von innen nach außen, Pollini umgekehrt, also von außen nach innen. (Ich weiß nicht, ob das verständlich ist. :D)

      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima

      Moravec und Pollini sind sehr unterschiedlich in ihrer Herangehensweise, und ich bin mir fast sicher, dass Dir Moravec besser gefallen wird. Seine Interpretationen sind verinnerlichter, er gestaltet das „Drama“ (ich nenne es jetzt einfach mal so) von innen nach außen, Pollini umgekehrt, also von außen nach innen. (Ich weiß nicht, ob das verständlich ist. :D)

      Gruß, Cosima


      :D Ich werde darüber intensiv nachdenken, wenn Moravec' Gesamteinspielung bei mir eintrifft!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Cosima

      Moravec und Pollini sind sehr unterschiedlich in ihrer Herangehensweise, und ich bin mir fast sicher, dass Dir Moravec besser gefallen wird. Seine Interpretationen sind verinnerlichter, er gestaltet das „Drama“ (ich nenne es jetzt einfach mal so) von innen nach außen, Pollini umgekehrt, also von außen nach innen. (Ich weiß nicht, ob das verständlich ist. :D)

      Gruß, Cosima


      :D Ich werde darüber intensiv nachdenken, wenn Moravec' Gesamteinspielung bei mir eintrifft!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Cosima
      (Obgleich ich bei Op. 27, 2 inzwischen besonders Pollinis dramatischere Version schätze, hier ist mir auch Moravec zu langsam).


      Hier muss ich mich korrigieren, nachdem ich das Stück noch einige Male konzentriert gehört habe. Moravec ist nicht einfach nur langsam. Seine Interpretation hat etwas Verletzliches und Unwirkliches. Sie berührt mich sehr mit all ihrer Introvertiertheit. Ich musste unwillkürlich an Schumanns Eusebius beim Hören denken…

      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima
      (Obgleich ich bei Op. 27, 2 inzwischen besonders Pollinis dramatischere Version schätze, hier ist mir auch Moravec zu langsam).


      Hier muss ich mich korrigieren, nachdem ich das Stück noch einige Male konzentriert gehört habe. Moravec ist nicht einfach nur langsam. Seine Interpretation hat etwas Verletzliches und Unwirkliches. Sie berührt mich sehr mit all ihrer Introvertiertheit. Ich musste unwillkürlich an Schumanns Eusebius beim Hören denken…

      Gruß, Cosima
    • Ich schätze bei den Nocturnes besonders den meditativen Grundcharakter der Nocturnes, den ich auch gerne durch die aufrührenden Zwischenteile nicht zerstört hören will. Ich höre ja Chopin eher selten und auch nur selte gefällt mir eine Interpretation. Bei den Nocturnes mag ich jedenfals ganz besonders Ewa Kupiecs hellleuchtende Scheinwerfer-Ausleuchtung (so in der Rondo-Rezension, wenn ich mich recht entsinne), bei Koch. Die höre ich stets mit größtem Genuss.

      Und wie ich gerade mit Freude entdecke, saubillig neu aufgelegt:


      (Schon lange habe ich vor, mir damit Alfred Cortot anzuhören...)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Ich schätze bei den Nocturnes besonders den meditativen Grundcharakter der Nocturnes, den ich auch gerne durch die aufrührenden Zwischenteile nicht zerstört hören will. Ich höre ja Chopin eher selten und auch nur selte gefällt mir eine Interpretation. Bei den Nocturnes mag ich jedenfals ganz besonders Ewa Kupiecs hellleuchtende Scheinwerfer-Ausleuchtung (so in der Rondo-Rezension, wenn ich mich recht entsinne), bei Koch. Die höre ich stets mit größtem Genuss.

      Und wie ich gerade mit Freude entdecke, saubillig neu aufgelegt:


      (Schon lange habe ich vor, mir damit Alfred Cortot anzuhören...)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von ab

      (Schon lange habe ich vor, mir damit Alfred Cortot anzuhören...)


      Leider hat er nur 6 Nocturnes aufgenommen ...

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von ab

      (Schon lange habe ich vor, mir damit Alfred Cortot anzuhören...)


      Leider hat er nur 6 Nocturnes aufgenommen ...

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Samson Francois (EMI) :down

      Eine Aufnahme der Nocturnes, die mich begeistert: Francois, der ungestüme, launische und freiheitsliebende Poet am Klavier! Mit eher straffer Gangart und mit viel Gefühl für Rhythmik beleuchtet Francois wunderbar die verschiedenen Stimmungen, die in den Nocturnes jeweils vorherrschen. Da klingt es verträumt, melancholisch und verspielt, dann dramatisch, trotzig, aufbrausend etc. Recht eigenwillig stellenweise, aber sehr lebendig und aufregend und stets sehr verfeinert im Ausdruck. Tolle Aufnahme!

      Gruß, Cosima
    • Samson Francois (EMI) :down

      Eine Aufnahme der Nocturnes, die mich begeistert: Francois, der ungestüme, launische und freiheitsliebende Poet am Klavier! Mit eher straffer Gangart und mit viel Gefühl für Rhythmik beleuchtet Francois wunderbar die verschiedenen Stimmungen, die in den Nocturnes jeweils vorherrschen. Da klingt es verträumt, melancholisch und verspielt, dann dramatisch, trotzig, aufbrausend etc. Recht eigenwillig stellenweise, aber sehr lebendig und aufregend und stets sehr verfeinert im Ausdruck. Tolle Aufnahme!

      Gruß, Cosima
    • RE: Chopin: Die Nocturnes

      Original von Zelenka
      Weissenberg (1969, EMI)


      Nur der Vollständigkeit halber, weil Du ihn erwähntest:

      Weissenberg besitzt IMO nichts von dem, was die von mir favorisierten Chopin-Interpreten auszeichnet: Weder Pollinis leuchtenden und kantablen Ton, auch nicht Moravecs Beseeltheit und schon gar nicht Francois’ lebhaften Charme.

      Ich empfinde seine Interpretation als eher grob, die dramatischen Ausbrüche als zu derb und hart gezeichnet, insgesamt als sehr anstrengend zu hören. Sicher ist er ein hervorragender Pianist, aber Weissenberg und Chopin passt m.E. hier überhaupt nicht zusammen.

      Gruß, Cosima
    • RE: Chopin: Die Nocturnes

      Original von Zelenka
      Weissenberg (1969, EMI)


      Nur der Vollständigkeit halber, weil Du ihn erwähntest:

      Weissenberg besitzt IMO nichts von dem, was die von mir favorisierten Chopin-Interpreten auszeichnet: Weder Pollinis leuchtenden und kantablen Ton, auch nicht Moravecs Beseeltheit und schon gar nicht Francois’ lebhaften Charme.

      Ich empfinde seine Interpretation als eher grob, die dramatischen Ausbrüche als zu derb und hart gezeichnet, insgesamt als sehr anstrengend zu hören. Sicher ist er ein hervorragender Pianist, aber Weissenberg und Chopin passt m.E. hier überhaupt nicht zusammen.

      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima
      Samson Francois (EMI) :down

      Eine Aufnahme der Nocturnes, die mich begeistert: Francois, der ungestüme, launische und freiheitsliebende Poet am Klavier! Mit eher straffer Gangart und mit viel Gefühl für Rhythmik beleuchtet Francois wunderbar die verschiedenen Stimmungen, die in den Nocturnes jeweils vorherrschen. Da klingt es verträumt, melancholisch und verspielt, dann dramatisch, trotzig, aufbrausend etc. Recht eigenwillig stellenweise, aber sehr lebendig und aufregend und stets sehr verfeinert im Ausdruck. Tolle Aufnahme!

      Gruß, Cosima


      Besser kann man es wohl nicht beschreiben, was Francois hier leistet!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Cosima
      Samson Francois (EMI) :down

      Eine Aufnahme der Nocturnes, die mich begeistert: Francois, der ungestüme, launische und freiheitsliebende Poet am Klavier! Mit eher straffer Gangart und mit viel Gefühl für Rhythmik beleuchtet Francois wunderbar die verschiedenen Stimmungen, die in den Nocturnes jeweils vorherrschen. Da klingt es verträumt, melancholisch und verspielt, dann dramatisch, trotzig, aufbrausend etc. Recht eigenwillig stellenweise, aber sehr lebendig und aufregend und stets sehr verfeinert im Ausdruck. Tolle Aufnahme!

      Gruß, Cosima


      Besser kann man es wohl nicht beschreiben, was Francois hier leistet!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Chopin: Die Nocturnes

      Original von Cosima
      Original von Zelenka
      Weissenberg (1969, EMI)


      Nur der Vollständigkeit halber, weil Du ihn erwähntest:

      Weissenberg besitzt IMO nichts von dem, was die von mir favorisierten Chopin-Interpreten auszeichnet: Weder Pollinis leuchtenden und kantablen Ton, auch nicht Moravecs Beseeltheit und schon gar nicht Francois’ lebhaften Charme.

      Ich empfinde seine Interpretation als eher grob, die dramatischen Ausbrüche als zu derb und hart gezeichnet, insgesamt als sehr anstrengend zu hören. Sicher ist er ein hervorragender Pianist, aber Weissenberg und Chopin passt m.E. hier überhaupt nicht zusammen.

      Gruß, Cosima


      Weissenberg ist auch für mich problematisch in den Nocturnes, mit denen er nicht sehr sanft umgeht. Er bleibt für mich hörenswert als jemand, der hier sehr Persönliches zu sagen hat und wahrlich kein Risiko scheut. Ich kenne leider nur eine Auswahl seiner Nocturnes.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Chopin: Die Nocturnes

      Original von Cosima
      Original von Zelenka
      Weissenberg (1969, EMI)


      Nur der Vollständigkeit halber, weil Du ihn erwähntest:

      Weissenberg besitzt IMO nichts von dem, was die von mir favorisierten Chopin-Interpreten auszeichnet: Weder Pollinis leuchtenden und kantablen Ton, auch nicht Moravecs Beseeltheit und schon gar nicht Francois’ lebhaften Charme.

      Ich empfinde seine Interpretation als eher grob, die dramatischen Ausbrüche als zu derb und hart gezeichnet, insgesamt als sehr anstrengend zu hören. Sicher ist er ein hervorragender Pianist, aber Weissenberg und Chopin passt m.E. hier überhaupt nicht zusammen.

      Gruß, Cosima


      Weissenberg ist auch für mich problematisch in den Nocturnes, mit denen er nicht sehr sanft umgeht. Er bleibt für mich hörenswert als jemand, der hier sehr Persönliches zu sagen hat und wahrlich kein Risiko scheut. Ich kenne leider nur eine Auswahl seiner Nocturnes.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Chopin: Die Nocturnes

      Original von Zelenka
      Gedacht sind die Nachtstücke wohl eher für einen intimeren Rahmen, sie sind in gewissem Sinne "Salonmusik", die aber eben nicht nur oberflächlich brilliant und sentimental-klischeehaft ist.


      @Zelenka,

      danke für diesen Thread. Heute höre ich erneut die mir bisher einzige vorliegende Aufnahme. Pollini (DG)

      Ich muss sagen, bei den ersten Höreindrücken wußte ich nicht sorecht was ich von den Nocturnes halten soll.
      Aber wie von die geschrieben geht es hier nicht um oberflächliche brillianz!
      Für mein empfinden muss man hier in einer sehr ruhigen und entspannten Situation zuhören und die Musik auf sich wirken lassen.


      Amoyels ungemein poetische und innige Version


      Glaube diese Spielweise könnte mir hier gefallen. Wobei mir Pollini durchaus gefällt, aber irgendwann steht ja immer eine weitere Aufnahme "an". :hello
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: Chopin: Die Nocturnes

      Original von Zelenka
      Gedacht sind die Nachtstücke wohl eher für einen intimeren Rahmen, sie sind in gewissem Sinne "Salonmusik", die aber eben nicht nur oberflächlich brilliant und sentimental-klischeehaft ist.


      @Zelenka,

      danke für diesen Thread. Heute höre ich erneut die mir bisher einzige vorliegende Aufnahme. Pollini (DG)

      Ich muss sagen, bei den ersten Höreindrücken wußte ich nicht sorecht was ich von den Nocturnes halten soll.
      Aber wie von die geschrieben geht es hier nicht um oberflächliche brillianz!
      Für mein empfinden muss man hier in einer sehr ruhigen und entspannten Situation zuhören und die Musik auf sich wirken lassen.


      Amoyels ungemein poetische und innige Version


      Glaube diese Spielweise könnte mir hier gefallen. Wobei mir Pollini durchaus gefällt, aber irgendwann steht ja immer eine weitere Aufnahme "an". :hello
      _____

      Administrator: Das Klassikforum