W.A.Mozart - Violinkonzerte

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    • Original von Amadé
      von Nordolf:
      Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.


      Lieber Jörg,

      als Mozart-Verehrer und Haydn-Freund kann ich dies nicht nachvollziehen, aber ich möchte weiterhelfen.
      Vielleicht versuchst Du es mal mit Mozarts KLavierkonzert Nr.9 Es-dur KV 271 oder Nr.22 Es-dur KV 482. Bei Haydn empfehle ich die Sinfonien NR.88, 92 und 104.

      Um Rückantwort bittend
      Bernd



      Guten Abend alle zusammen! :hello

      Dieses Konzert, das sogenannte "Jeunehomme" Klavierkonzert war mein erstes Erlebnis, mit dem Klavier! Ich weiß noch genau, dass es mich erst nicht angesprochen hat, da ich es aber über Tage hinweg im CD - Player hatte (eine der ersten CD's) und einfach zu faul war um zu wechseln, hab ichs immer wieder angemacht und dann hats dieses Erwachen gegeben! Es war herrlich! Bei Klavierkonzerten allgemein, auch bei Mozart, hatte ich große Anfangsschwierigkeiten!

      @Jörg

      Da Amade gerade ein Paar Werke angesprochen hat, mit denen du es versuchen könntest, möchte ich auch kurz was dazugeben:

      Das Klavierkonzert Nr 23, KV 488, mit dem (für mich) schönsten Adagio, was die Welt je gesehen, gehört hat (dann am Besten auch gleich in meiner Lieblingsversion, Böhm / Pollini 1976)
      Bei Haydn wären es die Pariser Symphonien, 82 - 87 mit stetig Schlagfertigen Eingangssätzen, die danach automatisch nach mehr verlangen!

      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Original von Amadé
      von Nordolf:
      Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.


      Lieber Jörg,

      als Mozart-Verehrer und Haydn-Freund kann ich dies nicht nachvollziehen, aber ich möchte weiterhelfen.
      Vielleicht versuchst Du es mal mit Mozarts KLavierkonzert Nr.9 Es-dur KV 271 oder Nr.22 Es-dur KV 482. Bei Haydn empfehle ich die Sinfonien NR.88, 92 und 104.

      Um Rückantwort bittend
      Bernd



      Guten Abend alle zusammen! :hello

      Dieses Konzert, das sogenannte "Jeunehomme" Klavierkonzert war mein erstes Erlebnis, mit dem Klavier! Ich weiß noch genau, dass es mich erst nicht angesprochen hat, da ich es aber über Tage hinweg im CD - Player hatte (eine der ersten CD's) und einfach zu faul war um zu wechseln, hab ichs immer wieder angemacht und dann hats dieses Erwachen gegeben! Es war herrlich! Bei Klavierkonzerten allgemein, auch bei Mozart, hatte ich große Anfangsschwierigkeiten!

      @Jörg

      Da Amade gerade ein Paar Werke angesprochen hat, mit denen du es versuchen könntest, möchte ich auch kurz was dazugeben:

      Das Klavierkonzert Nr 23, KV 488, mit dem (für mich) schönsten Adagio, was die Welt je gesehen, gehört hat (dann am Besten auch gleich in meiner Lieblingsversion, Böhm / Pollini 1976)
      Bei Haydn wären es die Pariser Symphonien, 82 - 87 mit stetig Schlagfertigen Eingangssätzen, die danach automatisch nach mehr verlangen!

      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Hallo Werner!

      Scheinbar geht es hier um unterschiedliche Ausdrucksformen. Das auch Mozart und Haydn den Schmerz kennen, würde ich nie bestreiten - genausowenig wie deren Genialität (Mozart war ein großer Melodienerfinder). Es gibt Werke von beiden, die ich mag (von Haydn z.B. die La Passione). Auf mich wirkt die barocke Musik insgesamt aber in dem oben beschriebenen Sinne: eben sehr harmonistisch. Ich denke, das viele Barockhörer diese vollendete Harmonie auch gerade an ihr schätzen. Möglicherweise aber habe ich mich noch zu wenig damit beschäftigt und kann daher noch nicht genug Emotions-Differenzen in dieser Musik wahrnehmen.

      Beethovens Musik wühlt sich sicherlich nicht im Selbstmitleid. Pathos kann durchaus einen sehr kämpferischen aufrufenden Charakter haben. Beethoven führt ja die Motive, die er gegeneinanderstellt, letztlich auch zur Lösung. Gerade bei Beethoven herrscht ein quasi "heroischer" Kampf zwischen den Motiven, der eben "durchgestanden" werden muss. Ich brauche diese offensichtliche - für Dich vielleicht plakative - Reibung in der Musik. Und eben diese Schwere - das hat aber etwas mit meinem Gemüt zu tun und war nicht als Kriterium gemeint. Insofern war der Begriff "Ernst" unglücklich gewählt - natürlich ist Mozart genauso ernste Musik wie Bach oder Beethoven... Nur eben auf eine mehr "luftig-leichte" (um es positiv auszudrücken: aristokratisch-distanzierte) Art und Weise.

      Wenn es um "Selbstmitleid" geht, wäre Schubert nun sicherlich der verdächtigere Kandidat - also die "Winterreise" kann man durchaus unter diesem Aspekt hören... Aber die "Winterreise" berührt mich gerade deswegen sehr tief - diese Art Schmerz, Leiden und damit auch das Klagen gehören zum menschlichen Dasein mit dazu. Kunst lässt diesen Zustand - indem sie ihn auf eine höhere ästhetische Ebene hebt - zu einem genußvollen Erlebnis werden und bewirkt damit im besten Fall auch schon eine Lösung, Reinigung und Distanzgewinnung. Mit andern Worten: - ich muss meinen Mitmenschen nicht mit Selbstmitleid auf den Keks gehen, wenn ich im stillen Kämmerlein bei Beethoven und Schubert alles mit mir abmachen kann.

      Herzliche Grüsse!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)
    • Hallo Werner!

      Scheinbar geht es hier um unterschiedliche Ausdrucksformen. Das auch Mozart und Haydn den Schmerz kennen, würde ich nie bestreiten - genausowenig wie deren Genialität (Mozart war ein großer Melodienerfinder). Es gibt Werke von beiden, die ich mag (von Haydn z.B. die La Passione). Auf mich wirkt die barocke Musik insgesamt aber in dem oben beschriebenen Sinne: eben sehr harmonistisch. Ich denke, das viele Barockhörer diese vollendete Harmonie auch gerade an ihr schätzen. Möglicherweise aber habe ich mich noch zu wenig damit beschäftigt und kann daher noch nicht genug Emotions-Differenzen in dieser Musik wahrnehmen.

      Beethovens Musik wühlt sich sicherlich nicht im Selbstmitleid. Pathos kann durchaus einen sehr kämpferischen aufrufenden Charakter haben. Beethoven führt ja die Motive, die er gegeneinanderstellt, letztlich auch zur Lösung. Gerade bei Beethoven herrscht ein quasi "heroischer" Kampf zwischen den Motiven, der eben "durchgestanden" werden muss. Ich brauche diese offensichtliche - für Dich vielleicht plakative - Reibung in der Musik. Und eben diese Schwere - das hat aber etwas mit meinem Gemüt zu tun und war nicht als Kriterium gemeint. Insofern war der Begriff "Ernst" unglücklich gewählt - natürlich ist Mozart genauso ernste Musik wie Bach oder Beethoven... Nur eben auf eine mehr "luftig-leichte" (um es positiv auszudrücken: aristokratisch-distanzierte) Art und Weise.

      Wenn es um "Selbstmitleid" geht, wäre Schubert nun sicherlich der verdächtigere Kandidat - also die "Winterreise" kann man durchaus unter diesem Aspekt hören... Aber die "Winterreise" berührt mich gerade deswegen sehr tief - diese Art Schmerz, Leiden und damit auch das Klagen gehören zum menschlichen Dasein mit dazu. Kunst lässt diesen Zustand - indem sie ihn auf eine höhere ästhetische Ebene hebt - zu einem genußvollen Erlebnis werden und bewirkt damit im besten Fall auch schon eine Lösung, Reinigung und Distanzgewinnung. Mit andern Worten: - ich muss meinen Mitmenschen nicht mit Selbstmitleid auf den Keks gehen, wenn ich im stillen Kämmerlein bei Beethoven und Schubert alles mit mir abmachen kann.

      Herzliche Grüsse!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)
    • Ja, die Mozart-Violinkonzerte. Herrlich! Schade, dass er in späteren Jahren nicht mehr für dieses Instrument geschrieben hat! Wie wunderbar ist doch die Sinfonia Concertante gemeinsam mit Bratsche!

      Meine Lieblingsaufnahme, bei der es mir unmöglich ist, sie nebenher zu hören, ist die von Nikolaus Harnoncourt mit den Wiener Philharmonikern (DG). Was für eine Musizierfreude! Besser habe ich das nie gehört. Ach ja, Gidon Kremer ist auch noch dabei, gerade am Übergang von seiner Rupf-Phase langsam zu einem schöneren Ton. Musikalisch vor allem in den späten Konzerten sehr frei aber kongenial. Die Sinfonia Concertante mit Kim Kashkashian habe ich noch nie schöner gespielt gehört!

      Sonst schätze ich sehr die bereits genannte mit Grumiaux/Davies (Philips). Gelegentlich mag ich auch noch die mit Carmignola (Divox).

      Ach ja, am schönsten von allen fünfen finde ich das B-dur Konzert!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • Ja, die Mozart-Violinkonzerte. Herrlich! Schade, dass er in späteren Jahren nicht mehr für dieses Instrument geschrieben hat! Wie wunderbar ist doch die Sinfonia Concertante gemeinsam mit Bratsche!

      Meine Lieblingsaufnahme, bei der es mir unmöglich ist, sie nebenher zu hören, ist die von Nikolaus Harnoncourt mit den Wiener Philharmonikern (DG). Was für eine Musizierfreude! Besser habe ich das nie gehört. Ach ja, Gidon Kremer ist auch noch dabei, gerade am Übergang von seiner Rupf-Phase langsam zu einem schöneren Ton. Musikalisch vor allem in den späten Konzerten sehr frei aber kongenial. Die Sinfonia Concertante mit Kim Kashkashian habe ich noch nie schöner gespielt gehört!

      Sonst schätze ich sehr die bereits genannte mit Grumiaux/Davies (Philips). Gelegentlich mag ich auch noch die mit Carmignola (Divox).

      Ach ja, am schönsten von allen fünfen finde ich das B-dur Konzert!
      Gruß, ab

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      (Rudolf Arnheim)

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    • Hallo Bernd und Daniel!

      Ich hörte vor kurzem das Klavierkonzert Nr. 23 in dieser Interpretation:



      Piano: Artur Rubinstein // Otmar Nussio / Orchestra della Svizzera Italiana 1955

      - und war wirklich begeistert. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung für mich... :wink

      Da ich nun gerade die Pianistin Mitsuko Uchida für mich entdeckt habe und sie ja auch als Mozart-Spezialistin gilt, finde ich bestimmt darüber einen Zugang.

      Danke für Eure Tipps!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)

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    • Hallo Bernd und Daniel!

      Ich hörte vor kurzem das Klavierkonzert Nr. 23 in dieser Interpretation:



      Piano: Artur Rubinstein // Otmar Nussio / Orchestra della Svizzera Italiana 1955

      - und war wirklich begeistert. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung für mich... :wink

      Da ich nun gerade die Pianistin Mitsuko Uchida für mich entdeckt habe und sie ja auch als Mozart-Spezialistin gilt, finde ich bestimmt darüber einen Zugang.

      Danke für Eure Tipps!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)

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    • Original von Mime
      Meine absolute Lieblingsgeigerin ist Julia Fischer. Ihre Einspielung der Konzerte KV 216 und 218 ist eine absolute Top-Empfehlung. Man hört Mozarts Geist atmen...
      :engel :engel


      Hi bin ich völlig anderer Meinung! Kraizberg's Dirigat ist grausig und das Gespann Fischer und er klingen schon hier ohne Elan!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Ohne jemanden nahe treten zu wollen, bin ich geneigt, mich dem zweiten Statement anzuschließen, leider.

      Sehr interessant im Gegensatz zu Kreizberg/Fischer, nämlich im Sinne einer zeitgemäßen Interpretation, voll von Klangfarbgestaltung, empfinde ich übrigens noch die letzte Aufnahme von A.S. Mutter für das Mozartgedenkjahr, ganz anders übrigens als ihre hochgradig enttäuschenden Mozartsonatenaufnahmen.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Liebe Mozart-Kenner,

      ich selber bin nicht der große Mozart-Fan und Kenner.
      Die Mozart VC-Nr.1-3 habe ich mit Oistrach / Berliner PH (EMI)
      und
      VC-Nr.3-5 mit Frank Peter Zimmermann / Würtembergisches Kammerorchester / Jörg Faerber (EMI).

      Was haltet ihr (soweit bekannt) von diesen Aufnahmen ?
      Ich selbst finde die beiden CD´s gut und stimmig, kenne aber NULL Vergleichseinspielungen.


      - habe nur dieses Cover gefunden - habe die CD aus der EMI-Studio - Serie -


      - auch hier habe ich eine andere EMI-CD-Ausgabe -
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Original von daniel5993

      Die Geschichte Haydn - Mozart ist eine der schönsten in der Musik (denke ich)!
      Bin durch Mozart auf Haydn gekommen! Habe eine Super Biographie über Haydn gelesen und dadurch erst richtigauf Ihn aufmerksam geworden.


      Lieber Daniel,

      welche Biografie hast Du denn gelesen?

      Mir geht es mit den Mozart-VKs derzeit ebenfalls so, dass ich sie registriere und ab und an gern höre, aber momentan eher nebenher, während ich arbeite. Bewusst (im Sinne eines alleinigen Auseinandersetzens mit der Musik) habe ich sie, glaube ich, noch nie gehört. Frage mich gerade, warum? ?( Ich habe wohl etwas nachzuholen.

      Ach ja, ich habe die Einspielung von Kremer mit Wien PO/Harnoncourt.

      Grüße,
      Gerion
    • Original von Gerion
      Original von daniel5993

      Die Geschichte Haydn - Mozart ist eine der schönsten in der Musik (denke ich)!
      Bin durch Mozart auf Haydn gekommen! Habe eine Super Biographie über Haydn gelesen und dadurch erst richtigauf Ihn aufmerksam geworden.


      Lieber Daniel,

      welche Biografie hast Du denn gelesen?

      Mir geht es mit den Mozart-VKs derzeit ebenfalls so, dass ich sie registriere und ab und an gern höre, aber momentan eher nebenher, während ich arbeite. Bewusst (im Sinne eines alleinigen Auseinandersetzens mit der Musik) habe ich sie, glaube ich, noch nie gehört. Frage mich gerade, warum? ?( Ich habe wohl etwas nachzuholen.

      Ach ja, ich habe die Einspielung von Kremer mit Wien PO/Harnoncourt.

      Grüße,
      Gerion


      Hallo Gerion,

      Das Buch heißt:

      Joseph Haydn
      Seine Kunst, seine Zeit, sein Ruhm
      Christian Wegner Verlag
      geschrieben von Heinrich Eduard Jacob



      Ich weiß nicht ob das Buch noch erhältlich ist?!
      Durch einen Zufall besitze ich es zweimal, also wenn du interessiert bist, lass ichs dir zukommen. Ich hab das lesen genossen, ein sehr schönes und intensives Buch über Haydn und sein Leben.

      Ach ja, ich habe die Einspielung von Kremer mit Wien PO/Harnoncourt


      ab hatte diese Zusammenarbeit schon positiv vermerkt, an der ein oder anderen Stelle. Schätze, dass ich da über kurz oder lang auch nicht dran vorbeikomme.

      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Original von daniel5993
      ab hatte diese Zusammenarbeit schon positiv vermerkt, an der ein oder anderen Stelle. Schätze, dass ich da über kurz oder lang auch nicht dran vorbeikomme.

      Gruß
      Daniel


      eine von Kremer bei den Großen Konzerten exterme Interpretation - sicher nicht für jeden - aber eine einzigartig musikantische Aufnahme.
      :down
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von teleton

      ich selber bin nicht der große Mozart-Fan und Kenner.
      Die Mozart VC-Nr.1-3 habe ich mit Oistrach / Berliner PH (EMI)
      und
      VC-Nr.3-5 mit Frank Peter Zimmermann / Würtembergisches Kammerorchester / Jörg Faerber (EMI).

      Was haltet ihr (soweit bekannt) von diesen Aufnahmen ?
      Ich selbst finde die beiden CD´s gut und stimmig, kenne aber NULL Vergleichseinspielungen.


      Wie Du sagst: Beides sind Aufnahmen "gut und stimmig".

      Bei Oistrach muss man den schwelgerisch intensiven, bei Zimmermann den kratzig expressiven Ton mögen. Ich persönlich kann gut ohne beide Aufnahmen leben. Statt Zimmermann würde ich eher Zehetmair (denn ich auch nicht haben müsste) vorziehen, die durchaus beide gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. Bei der Wahl Oistrach vs. Schneiderhan hingegen täte ich mir schwerer.
      (Das sind aber nichts als Geschmacksurteile!)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Auch wenn es hier um alle Violinkonzert Mozarts geht, möchte ich für meinen kurzen Höreindruck der nachfolgend gezeigten Aufnahme keinen eigenen Thread starten.

      Diese hier:


      Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
      Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur KV 219
      Mittschnitte von den Salzburger Festspielen:
      Arthur Grumiaux / Mozarteum-Orchester Salzburg / Bernhard Paumgartner (1956)
      Erica Morini / Orchestre National de la Radiodiffusion-Télévision Francaise Paris / George Szell (1959)
      Nathan Milstein / Sächsische Staatskapelle Dresden / Karl Böhm (1961)
      Wolfgang Schneiderhan / Wiener Philharmoniker (1973)

      habe ich jetzt am Stück durchgehört.

      Grumiaux:
      Gleich im ersten Satz hatte ich den Eindruck, als ob er und das Orchester teilweise deutlich auseinander sind, und im dritten Satz ist das nicht besser. Interessant, was ich dann im Beiheft gelesen habe:

      "Mit Bernhard Paumgartner hatte er sich für die Ecksätze auf ungewohnt schnelle Tempi geeinigt, was Paumgartner sehr versiert durch schlankes Musizieren und elegante Phrasierung ermöglichte. Bisweilen spürt man dennoch, dass der Puls des Salzburger Mozart-Kenners ein wenig anders schlug und und Paumgartner vielleicht auch im Finale etwas ruhiger, akzentbetonter hätte musizieren wollen."

      Morini:
      Die Einleitung kommt ja seeehr gemüüütlich daaheeer, aber dann wird es besser, wenn auch in allen Sätzen nicht ganz so flott wie Grumiaux. Allerdings ein für mein Geschmack etwas dicker Orchesterglang. Morini spielt eine ziemlich ausufernde Kadenz, die mir etwas sehr wuchtig vorkommt. Schöner voller Geigenklang, den der Eine oder Andere ja zum dahinschmelzen finden mag, mir ist es teilweise etwas zu "schmalzig".

      Milstein:
      Sportlich schnell, gewissermaßen der 911er im Vergleich zu Morinis Diesel. Und auch im zweiten Satz, dem Adagio kommt er mir manchmal etwas drängend vor, was mich aber nicht stört. Im dritten Satz schlägt er vielleicht etwas über die Stränge und ist etwas sehr um virtuose Effekte bemüht, sehr treffend spricht Gottfried Kraus im Beiheft davon: "er setzt dann – mehr Paganini als Mozart nahe – die wunderbare Balance dieses Satzes gewagt aufs Spiel."

      Schneiderhan:
      Hier wie schon bei Morini ist mir das Orchester doch etwas zu wuchtig, wenn auch nicht ganz so wie bei ersterer. Alles sehr schön stimmig zusammen und gut zum satten und vollen Ton von Schneiderhan passend.

      Insgesamt eine sehr schöne Vergleichsmöglichkeit mit diesem Violinkonzert. Alles in allem ziehe ich die Interpretation von Milstein – trotz gewisser Einschränkungen im dritten Satz – etwas vor, wobei mir Grumiaux' Ton etwas besser gefällt und in der Gesamtbetrachtung Schneiderhan vielleicht die geschlossenere Interpretation liefert.

      Grüße,
      Wolfgang
      Wir sollten uns nicht brüsten, der Gipfel der Evolution zu sein, sondern uns daran freuen, eine Art Freak der Natur zu sein.
      So etwas wie uns wird die Evolution nie wieder hervorbringen. (Paul Sereno, Paläontologe)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Poztupimi ()

    • Hallo wieder einmal,
      im Hinblick auf die bisher unbeantwortete Anfrage eines Neumitglieds habe ich, nachdem dort Mozarts Violinkonzerte (wie übrigens auch die von Bach) leider überhaupt nicht genannt werden - über den Geschmack läßt sich eben nicht streiten -, zumindest die letzten beiden der Reihe (D-Dur KV 218, KV 219 A-Dur) aber Spitzenwerke sind, diesen Faden hier erneut durchgesehen.
      Zunächst dies: Daß Mozarts Violinkonzerte alles in allem hinter seinen Klavierkonzerten zurückstehen, läßt sich in gewisser Weise objektiv begründen. Die fünf gesicherten Werke dieser Gattung entstanden bekanntlich alle innerhalb eines kurzen Zeitraums im Jahr 1775, als der damals 19jährige Komponist noch nicht zur vollen Reife gelangt war. Von einer dramatischen Spannung, wie sie viele seiner späteren Klavierkonzerte (ab KV 271), aber auch die Sinfonia Concertante Es-Dur (KV 364) auszeichnet, ist in den Violinkonzerten noch nicht viel zu spüren.
      Aber: Die beiden letzten Violinkonzerte (und eigentlich schon das in G-Dur, KV 216) haben doch schon mehr zu bieten als die "übliche" Mozartseligkeit, die zunächst vor allem diejenigen für sich einnimmt, die dafür ohnehin schon empfänglich sind, aber jemandem, der die musikalische Substanz, handwerkliche Arbeit und dramatische Spannung deutlicher und greifbarer wahrnehmen möchte, weniger zu sagen haben (bezeichnend für diesen nicht selten anzutreffenden Standpunkt ist die Stellungnahme von Nordolf oben vom 4. 11. 2007).
      Absoluter Höhepunkt in der Reihe von Mozarts Violinkonzerten ist und bleibt ohne Zweifel KV 219. Alfred Einstein meint in seinem klassischen Mozartbuch (S. 272) mit Recht, "dies Konzert ist an Glanz, Innigkeit, Witz nicht zu überbieten" und stellt die Besonderheiten heraus, die dieses Stück auszeichnen. Überall gibt es Überraschungen, wie im Kopfsatz "die halb improvisatorische Selbstvorstellung der Geige", den "humoristischen Ausbruch von Furiosität in ‚türkischer’ Aufmachung" im letzten Satz, ein Tutti in A-moll, das in geradem Takt steht und einen wirkungsvollen Kontrast zu dem Tempo di Minuetto des Hauptteils bildet.
      Wie so oft bei Mozart liegt ja – finde ich wenigstens - ein besonderer ästhetischer Reiz darin, daß motivische Arbeit und subtile Satztechnik eher unauffällig realisiert werden: Ich denke etwa an Takt 46ff. mit dem Kontrast zwischen der markanten Stimme der Solovioline und den Streichern des Orchesters, die nicht einfach nur begleiten, sondern im Hintergrund das aufsteigende Thema der Einleitung wiederholen.
      Wahrscheinlich trägt auch die Wahl der Tonart zum Charakter des Werkes das Ihrige bei und verbindet dieses Konzert mit der auch zeitlich nahestehenden Symphonie KV 201.

      Und noch etwas: Ich persönlich finde gerade KV 219 anders als Daniel im Eröffnungsbeitrag gar nicht so "frei (...) von besonderer Tiefe" und "wild und fröhlich, ausgelassen" (mit Ausnahme bestimmter Partien wie etwa dem genannten "türkischen" Teil im Schlußsatz). Vielleicht paßt das auf die ersten drei Violinkonzerte ja eher, aber für mich gehört KV 219 im Gegenteil zu den Mozartstücken, die mich am tiefsten berühren und nicht einfach nur das Ohr erfreuen.

      Ich habe die Gesamtedition von Yehudi Menuhin, die ich aber wieder einmal bewußt anhören müßte (warum ist die eigentlich oben nicht genannt worden?). Irgendwie hat sich in mir im Lauf der Zeit eine Art idealtypische Klangvorstellung von den Konzerten verfestigt; das ist natürlich schlecht, wenn es einem auf spezifische interpretatorische Unterschiede ankommt ...
      Recht wenig anfangen kann ich allerdings mit der (oben aber sowieso nicht genannten) Einspielung mit Pinchas Zukerman und dem Saint Paul Chamber Orchestra (KV 218, 219; Adagio E-Dur KV 261; Rondo C-Dur KV 373). Das ist mir einfach über weite Strecken viel zu schleppend und zu lahm. Da gefällt mir die Einspielung mit Eduardo Marturet und dem Concertgebouw Chamber Orchestra in der Mozart GA von Brilliant sehr viel besser.

      Schöne Grüße,
      Sarastro
      "Ich hätte das nicht so gemacht!" (Kozeluch zu Mozart über ein Haydn-Quartett). "Ich auch nicht! Und wissen Sie warum? Weil weder Sie noch ich auf diesen Einfall gekommen wären."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sarastro ()

    • Vor mehr als 5 Jahren ist es hier um diese Konzerte still geworden. Ich habe nicht verfolgt, was seither diskographisch passiert ist, aber speziell in den letzten Wochen scheint für die Violinkonzerte beste Konjunktur zu herrschen, sind doch gleich drei neue hochkarätige Einspielungen erscheinen, wegen denen ich diesen Faden aus der Versenkung hole. Bei mir stehen die Violinkonzerte höher im Kurs als die Klavierkonzerte und ich mache mir wenig Gedanken, ob sie kompositorisch gewichtig genug sind, um ihnen meine Zeit zu opfern. Ich höre sie einfach gerne und immer wieder ist das eine höchst befriedigende Sache.

      Bei mir steht die oben zwei mal böse abgewatsche Aufnahme mit Julia Fischer hoch im Kurs, nicht zuletzt wegen des Dirigats von Kreizberg. Die Kombination von ruppigen Akzentsetzungen und harten Dynamikkontrasten mit farbenreichem Schönklang finde ich sehr reizvoll. Auch Frank-Peter Zimmermanns mit Anfang 20 aufgenommene Einspielung lässt trotz des jungen Alters des Solisten und der Begleitung durch ein Provinzorchester mit eher breiten Tempi kaum Wünsche offen. Die unverkopfte Unbekümmertheit des Solisten steht den Werken sehr gut zu Gesicht.

      Jetzt nimmt Zimmermann 30 Jahre später den Zyklus nochmal auf; der erste Teil ist gerade erschienen. Und höre da, der Geigenton ist -kaum verwunderlich- größer und reifer geworden, die Gestaltung ist vielschichtiger und wirkt souveräner, aber für meine Ohren eben auch mehr verkopft und bisweilen gewollt.

      Auch Vilde Frang macht aus jedem Ton und jeder Phrase ein Ereignis und bringt ihre überreiche Palette an Gestaltungsmitteln zur Geltung. Aber was bei Nielsen und Sibelius zu wahren Offenbarungen führt, funktioniert bei Mozart noch lange nicht. Für mich geht das in die Richtung von Sokolovs Mozartspiel beim Salzburg-Recital, wo man den Pianisten für seine Anschlagskultur und -vielfalt und die reiche, fein differenzierte Klangfarbenpalette bewundert, aber dabei vergisst, dass man Mozart hört. Ich muss ihr noch einige Chancen geben, aber nach dem dritten Hördurchgang kann ich damit wenig anfangen.

      Die Überraschung, ach was, die Sensation ist für mich Rachel Barton Pine. Die bei uns nie ganz aus dem Schatten ihrer Crossover-Zeit herausgetretene 40-jährige Amerikanern kombiniert den großen Ton des neuen Zimmermann mit der Unbekümmertheit des alten. Die Gestaltung ist organisch, Temperament und Elan wirken frisch und natürlich und wenn es mal mit ihr durchzugehen droht, fängt der 50 Jahre ältere Neville Marriner sie behutsam wieder ein. Ich hatte etwas bedenken, aber der Altmeister, dem gerne mal das Etikett Routinier angehängt wird, ist in Höchstform. Während andernorts über Besetzungsstärken und Bogenstrich diskutiert wird, herrscht hier eine Souveränität, die es erlaubt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf die Solistin hören, ihr folgen, sie bremsen, Impulse geben, sie in den Orchesterklang einbinden und wieder loslassen - immer dem natürlichen Fluss der Musik folgend. Ohne wenn und aber ist das meine neue Geliebte.



      Nr. 1, 3 & 4; Frank-Peter Zimmermann, Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Radoslaw Szulc
      Nr. 1, 5 & Sinfonia Concertante; Vilde Frang, Arcangelo, Jonathan Cohen
      Nr. 1-5 & Sinfonia Concertante; Rachel Barton Pine, Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

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