W.A.Mozart - Violinkonzerte

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    • Daniel Barenboim sagte Anfang der Nuller Jahre in einem Interview, die Essenz bei Mozart seien die da Ponte-Opern & die Klavierkonzerte. Damals dachte ich mir: "Schlitzohr! Das sind natürlich die Sachen, die er gerade alle eingespielt hat..." Mittlerweile stimme ich ihm allerdings - bedingt - zu. Von den Violinkonzerten höre ich speziell das 5. ab & zu dennoch gern. Einfach, weil hier viele originelle Ideen spriessen. Das macht immer aufs Neue einfach Spass. Um bei Barenboim zu bleiben, legte ich diese Platte nach einer Ewigkeit mal wieder auf:


      Konzert A-dur KV 219
      Pinchas Zukerman, English Chamber Orchestra - Daniel Barenboim
      (LP, CBS, 1970)

      Zukerman spielt musikantisch & mit Temperament. Das Eingangs-Rezitativ des Solisten ist für meinen Geschmack etwas zu breit, zu bedeutungsschwanger. Der Ausklang des Schlusssatzes könnte mehr Schwerelosigkeit vertragen - ein Entschweben in blaue Lüfte ist das nicht gerade. Ansonsten eine Werkauffassung, die mir rundum zusagt: klassisch, gediegen, ausbalanciert & ohne Mätzchen. Das ECO kommt streckenweise etwas hemdsärmelig daher - mehr Feinschliff, mehr Delikatesse wären schon wünschenswert. Insgesamt gefällt mir aber der sehnige, kraftvolle Ensembleklang.

    • Konzert A-dur KV 219
      Pinchas Zukerman, Saint Paul Chamber Orchestra
      (LP, CBS, 1983)

      Diese später von Zukerman als Solist & Dirigent in Personalunion realisierte Aufnahme fällt (soweit ich sie noch im Ohr habe - sie hat irgendwann meine Sammlung verlassen) dagegen deutlich ab. Zu betulich & zahm ist die gesamte Herangehensweise. Oder war mehr das Klangbild das Problem? Eine staubtrockene Akustik lässt hier nämlich alles ausgesprochen unnatürlich wirken - kein Raumklang, keine Tiefe. Ein Pluspunkt aber doch: das col legno der Streicher im Mittelteil des 3. Satzes kommt hier so knackig & plastisch herüber, dass es eine Freude ist! Aber, wie gesagt, leider so ziemlich die einzige...
      Nur für Zukermaniacs, ansonsten verzichtbar.

    • Konzert A-dur KV 219
      Kim Sjøgren, Collegium Musicum København - Michael Schønwandt
      (LP, BIS, 1983)

      Hoch erfreut wird das Ohr durch Sjøgrens eleganten, unaufdringlichen Ton - da hat jemand einen untrüglichen Sinn für noble, zeitlose Ästhetik (ich weiss, das klingt gestelzt - & doch trifft es die Sache nunmal genau). Schade, dass im Klappentext die Kadenzen mit keinem Wort erwähnt werden - auch bei anderen Aufnahmen kann man leider nicht immer auf solche Informationen zählen. Jedenfalls weichen sie (die Kadenzen) von den meistens zu hörenden ab. Das Orchester ist klanglich wie durch einen Schleier abgebildet. Was doppelt schade ist, da es eigentlich angenehm federnd & schlank artikuliert. Das col legno wird überhaupt nicht hörbar - ein Jammer (wobei das nicht zwangsläufig nur an der Klangregie liegen muss)!
      Da die Einspielung des KV 216 von der Darbietung her ebenfalls sehr gelungen ist, behält die Platte bis auf Weiteres ihren Platz im Regal.
    • Na sowas! Das gibt es neue Antworten in diesem Faden und ich muss feststellen, dass ich Zimmermanns erste Aufnahme hier zwar wohlwollend erwähnt habe, meine subjektive Lobhudelei jedoch fehlt. Offenbar hab ich die einem anderen Faden geschrieben. Also schnell die Suchfunktion bemüht und hierher kopiert:


      Frank Peter Zimmermann, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Jörg Faerber

      Vor und nach Zimmermanns Jugendstreich sind viele Aufnahmen dieser Konzerte entstanden (unter anderem von Zimmermann selbst): Virtuosere, reifere, individuellere, spritzigere, klangschönere, gewichtigere, die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtigende, mit Referenzen ausgezeichnete, besser zwischen Solist und Orchester verzahnte, tiefer geistig durchdrungene, klügere Auseinandersetzung mit dem Notentext zeigende, sich dem Originalklang besser annähernde...
      Nach kurzer Begeisterung verschwinden die im Regal (oder aus dem Speicher beim Ström-Dienst) - Zimmermann I bleibt. Das nenne ich eine Aufnahme für die Ewigkeit.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Neu


      Konzert A-dur KV 219
      Frank Peter Zimmermann, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn - Jörg Faerber
      (CD, EMI, 1984)

      Allegro aperto 10'17
      Adagio 11'34
      Rondeau. Tempo di Menuetto - Allegro 8'50

      @ Cetay,
      wer über Augen, Herz & Hirn gebietet, dem konnte Deine Verehrung dieser Aufnahmen allhier nicht entgehen.
      Zwar trau' ich mich kaum, es zu schreiben aber: diese Doppel-CD verbrachte beinahe 2 Jahre in der 2. Reihe meiner CD-Regale. & das sind die Kandidaten fürs: (sorry) Aussortieren. Das ist nunmal die brutale Wahrheit.
      Zur erneuten Chance, mein Urteil zu revidieren (im Berufungsverfahren, quasi) fand sie nun aber wieder den Weg in meinen Disc-Dreher.
      Fazit: im Vergleich finde (höre) ich keinen zweiten Solisten mit einem solch persönlichen, beseelten Geigenton. Das hebt ihn allemal heraus aus der Masse der achtbaren Aufnahmen.
      Problematisch ist vielmehr das Klangbild: die Heilbronner spielen detailgetreu wie durchs Brennglas, wenn auch interpretatorisch etwas neutral, nicht mit letzter Finesse. Das col legno ist dezent zu vernehmen, hat aber bei weitem nicht die plastische Kontur wie bei Zukerman / Saint Paul / Zukerman. & noch dazu sind sie dabei derart näselnd, flach & praktisch komplett im oberen Frequenzspektrum eingefangen, dass es beim besten Willen keine Freude bereitet. Auch via Hochregeln der Bässe lässt sich keine befriedigende Balance herstellen.
      Kann man das den bekannten Schwächen vergleichsweise früher Digital-Aufnahmen zuschreiben?
      Das Produktionsdatum meiner Box lautet auf 1990. Gab es seither etwa neue, optimierte Abmischungen?
      Mit verbesserter Klangbalance hätte sie nennenswerte Chancen auf den Thron. So aber bleibt ihr Status bei mir im Irgendwo...
    • Neu


      Konzert a-dur KV 219
      Katrin Scholz, Kammerorchester Berlin
      (CD, Berlin Classics, 1998)

      Allegro aperto 10'20
      Adagio 11'34
      Rondeau. Tempo di Menuetto - Allegro 9'15

      An sich ist hier alles am rechten Ort, die Tempi sind fliessend, die Phrasierungen natürlich & folgerichtig. & dennoch fehlt etwas: Ecken & Kanten. Der Geigenton ist voll & kernig (technisch souverän sowieso) aber eine Spur zu neutral, zu ungefähr. Auch das Orchester agiert etwas zu farblos, klingt auf eine Art eingeengt.
      Was Frau Scholz allerdings schafft, ist, dem überdimensionierten Adagio ein wenig die quälenden Längen zu nehmen.
    • Neu

      Sfantu schrieb:

      das sind die Kandidaten fürs: (sorry) Aussortieren. Das ist nunmal die brutale Wahrheit.
      (...)
      die Heilbronner spielen detailgetreu wie durchs Brennglas, wenn auch interpretatorisch etwas neutral, nicht mit letzter Finesse.
      (..)
      Kann man das den bekannten Schwächen vergleichsweise früher Digital-Aufnahmen zuschreiben?
      Das Produktionsdatum meiner Box lautet auf 1990. Gab es seither etwa neue, optimierte Abmischungen?
      Mit verbesserter Klangbalance hätte sie nennenswerte Chancen auf den Thron. So aber bleibt ihr Status bei mir im Irgendwo...
      Lieber Sfantu,

      Das ist nicht brutal, sondern brutal logisch. Ansonsten wäre das von Sfantay-Cetu formulierte Gesetz über die Mutuale-Phonothek-Immunität verletzt und das Universum, wie wir es kennen, würde augenblicklich aufhören zu existieren.
      (...)
      Wer über Augen, Herz & Hirn gebietet, dem konnte mein Faible für interpretatorische Neutralität nicht entgehen. Dass die unerwarteten himmlischen Höhen und abgründigen Tiefen trotzdem da sind, ist sicher eines Geheimnisse hinter der ungebrochenen Faszination, die diese Aufnahme auf mich ausübt.
      (...)
      Ja, die EMIsten haben in den frühen 90ern einiges digital verbrochen. Bei meiner Ausgabe, der "Electrola Collection" gibt es keine Hinweise auf eine neue Abmischung. Es stimmt schon, dass das mit allzu ehrlichem Wiedergabe-Equipment klanglich nur eingeschränkte Freude bereitet.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Neu

      Sfantu schrieb:

      das sind die Kandidaten fürs: (sorry) Aussortieren. Das ist nunmal die brutale Wahrheit.

      Cetay schrieb:

      Das ist nicht brutal, sondern brutal logisch. Ansonsten wäre das von Sfantay-Cetu formulierte Gesetz über die Mutuale-Phonothek-Immunität verletzt und das Universum, wie wir es kennen, würde augenblicklich aufhören zu existieren.
      ...& wo kämen wir hin, lieber Cetay, wollten wir uns anmaßen, solche Naturgesetze zu bekämpfen oder auszutricksen??

      Heute setze ich für mich mal einen vorläufigen Schlusspunkt beim KV 219, bevor die Reizfluten noch überschwappen.


      Konzert A-dur KV 219
      Itzhak Perlman, Wiener Philharmoniker - James Levine
      (LP, DG, 1983)

      Allegro aperto 9'23 (Kadenz: Itzhak Perlman)
      Adagio 10'53 (Kadenz: Itzhak Perlman)
      Rondeau. Tempo di Menuetto 8'53 (Kadenz: Joseph Joachim)

      Kurz nach Sjøgren hatte ich diese Platte schon einmal auf dem Teller & war drauf & dran, sie zu meiner Favoritin zu küren. Da ich dem ersten überschwänglichen Eindruck aber nicht auf den Leim gehen wollte, hörte ich sie heute nochmals durch.
      Die Wiener Tutti-Geigen sind in den Anfangstakten des Kopfsatzes nicht ganz so schön sauber & kristallin wie die Heilbronner - allerdings auch einen Tick schneller - vielleicht eben drum.
      Perlman hat eine Nuance weniger Charakter in seinem Ton als Zimmermann, spielt aber gleichwohl mit Temperament. Besonders im Finale kommt das zum Tragen: zigeunerhafte Attacke & unbändige Spiellaune im alla turca-Abschnitt! Da rollen die chromatischen Auf-& Ab-Bewegungen der Streicher wie mächtige Wogen aus den Lautsprechern - das ist grosses Kino!
      Gute bis sehr gute Aufnahmequalität. Satte Bässe, geschmeidige Höhen, gute Durchhörbarkeit.

      Summa summarum also ein Punktsieg für Perlman.
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