"Musik ist das nicht" - Chopin, Op. 35

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    • "Trauermarsch"-Sonaten

      Liebe Forianer,

      möglichweise hat Chopin Beethoven Klaviersonate As-dur op.26 "mit dem Trauermarsch" gekannt, belegen kann ich dies jedoch nicht. In Beethovens Sonate steht Marcia funebre an dritter Stelle, danach folgt noch ein kurzer, überwiegend motorisch bewegter, gleichsam wie ein Perpetuum Mobile agierender Finalsatz, der den Hörer/Spieler etwas ratlos zurücklässt. Chopin verfährt ähnlich wie Beethoven, der Schlusssatz, unisono gespielt, klingt hier jedoch radikaler: Des Pianisten Hände fegen über die Tasten, "wie der Windstoß über das Grab", wie ein Zeitgenosse Chopins festhielt.

      Gruß Amadé
    • "Trauermarsch"-Sonaten

      Liebe Forianer,

      möglichweise hat Chopin Beethoven Klaviersonate As-dur op.26 "mit dem Trauermarsch" gekannt, belegen kann ich dies jedoch nicht. In Beethovens Sonate steht Marcia funebre an dritter Stelle, danach folgt noch ein kurzer, überwiegend motorisch bewegter, gleichsam wie ein Perpetuum Mobile agierender Finalsatz, der den Hörer/Spieler etwas ratlos zurücklässt. Chopin verfährt ähnlich wie Beethoven, der Schlusssatz, unisono gespielt, klingt hier jedoch radikaler: Des Pianisten Hände fegen über die Tasten, "wie der Windstoß über das Grab", wie ein Zeitgenosse Chopins festhielt.

      Gruß Amadé
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Vielleicht noch ein Zitat aus dem Beiheft zur Box "Alfred Cortot: The Master Classes" (Sony S3K89698). Cortot gibt der Sonate hier ein "Programm", das zumindest z.T. sehr traditionell ist, deswegen aber nicht unbedingt passend sein muß (das Booklet übersetzt nur ins Englische):

      "Thus I wish that, sharing in my feeling, performers of this masterpiece of Romanticism, in the first movement, rebellions, pleas in a tragic fight against some hopeless fate; suggest in the Scherzo the menacing moves of mysterious forces, vaguely stirring in the dark; translate the sublime progression of the Funeral March whose accents seem to contain the echoes of all human pain; and evoke in the harsh shivering of the hallucinatory Finale, the frozen whirl of the wind of death and of the wind over the graves."

      Chopin hätte dieses Programm wie alle vorgeschlagenen Programme für seine Musik nicht gemocht, und schon Liszt wandte sich gegen die Vorstellung, im letzten Satz blase der Wind über Gräber.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Vielleicht noch ein Zitat aus dem Beiheft zur Box "Alfred Cortot: The Master Classes" (Sony S3K89698). Cortot gibt der Sonate hier ein "Programm", das zumindest z.T. sehr traditionell ist, deswegen aber nicht unbedingt passend sein muß (das Booklet übersetzt nur ins Englische):

      "Thus I wish that, sharing in my feeling, performers of this masterpiece of Romanticism, in the first movement, rebellions, pleas in a tragic fight against some hopeless fate; suggest in the Scherzo the menacing moves of mysterious forces, vaguely stirring in the dark; translate the sublime progression of the Funeral March whose accents seem to contain the echoes of all human pain; and evoke in the harsh shivering of the hallucinatory Finale, the frozen whirl of the wind of death and of the wind over the graves."

      Chopin hätte dieses Programm wie alle vorgeschlagenen Programme für seine Musik nicht gemocht, und schon Liszt wandte sich gegen die Vorstellung, im letzten Satz blase der Wind über Gräber.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Original von Amadé
      Liebe Forianer,

      möglichweise hat Chopin Beethoven Klaviersonate As-dur op.26 "mit dem Trauermarsch" gekannt, belegen kann ich dies jedoch nicht. In Beethovens Sonate steht Marcia funebre an dritter Stelle, danach folgt noch ein kurzer, überwiegend motorisch bewegter, gleichsam wie ein Perpetuum Mobile agierender Finalsatz, der den Hörer/Spieler etwas ratlos zurücklässt. Chopin verfährt ähnlich wie Beethoven, der Schlusssatz, unisono gespielt, klingt hier jedoch radikaler: Des Pianisten Hände fegen über die Tasten, "wie der Windstoß über das Grab", wie ein Zeitgenosse Chopins festhielt.

      Gruß Amadé


      Lieber Amadé,
      danke für den Hinweis auf die Tradition der Sonate mit Trauermarsch! Mir fällt neben Beethoven und Chopin noch Godowskis e-moll-Sonate ein, die innerhalb des Finalsatzes einen Trauermarsch enthält. Überhaupt lohnt es sich, einmal nach Trauermärschen überhaupt zu suchen. Wir finden Sie bei Mozart (rhythmisch sehr nahe an Chopin, allerdings nur ein kleines Stückchen Musik im Vergleich zu Chopin und Beethoven). Ebenfalls kenne ich einen von Mendelssohn (auch für Klavier, mit einem eher Fanfarenhaften Rhythmus), dann haben wir bei Beethoven auch noch in der 3. Sinfonie einen solchen, bei Mahler in der 5. als Eröffnungssatz.
      Die hier genannten Trauermärsche für Klavier kommen an Chopin insofern nicht heran, weil gerade der lyrische Mittelteil bei Chopin so wunderbar ist (würde ich zumindest annehmen) und die Melodie des Hauptthemas an Einfachheit kaum zu übertreffen ist (nur eine ausgefüllte Kleinterz, danach lediglich eine zusätzliche Terzenmixtur, dann ein phrygischer Abstieg --> Trauermotiv, welches historisch gewachsen ist, dann schon wieder der Anfang), ebenso ist die Harmonik extrem einfach, im Grunde könnte man sogar auf eine einzige Stufe plus Wechselnote beschränken.
      Mendelssohns Trauermarsch ist am ehesten dem ersten Teil des Chopin'schen gleichzusetzen, auch von der Ekstatik her, zu der er sich "aufbäumt". Der lyrische Mittelteil allerdings ist hier nicht vorhanden.
      Dennoch würde ich fast behaupten, dass es Mozarts Trauermarsch ist, der hier den Prototyp geliefert hat, denn das Modell ist bei den folgenden durchaus zu erkennen, inklusive einem dynamische4n Aufbau und nachfolgendem Abstieg, wenn auch bei Mozart noch auf sehr kleinem Raum.
      Gibt es noch mehr Trauermärsche? Ich kenne keine mehr, aber ich bin sicher, der eine oder andere hat hier noch von weiteren zu berichten.

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Original von Amadé
      Liebe Forianer,

      möglichweise hat Chopin Beethoven Klaviersonate As-dur op.26 "mit dem Trauermarsch" gekannt, belegen kann ich dies jedoch nicht. In Beethovens Sonate steht Marcia funebre an dritter Stelle, danach folgt noch ein kurzer, überwiegend motorisch bewegter, gleichsam wie ein Perpetuum Mobile agierender Finalsatz, der den Hörer/Spieler etwas ratlos zurücklässt. Chopin verfährt ähnlich wie Beethoven, der Schlusssatz, unisono gespielt, klingt hier jedoch radikaler: Des Pianisten Hände fegen über die Tasten, "wie der Windstoß über das Grab", wie ein Zeitgenosse Chopins festhielt.

      Gruß Amadé


      Lieber Amadé,
      danke für den Hinweis auf die Tradition der Sonate mit Trauermarsch! Mir fällt neben Beethoven und Chopin noch Godowskis e-moll-Sonate ein, die innerhalb des Finalsatzes einen Trauermarsch enthält. Überhaupt lohnt es sich, einmal nach Trauermärschen überhaupt zu suchen. Wir finden Sie bei Mozart (rhythmisch sehr nahe an Chopin, allerdings nur ein kleines Stückchen Musik im Vergleich zu Chopin und Beethoven). Ebenfalls kenne ich einen von Mendelssohn (auch für Klavier, mit einem eher Fanfarenhaften Rhythmus), dann haben wir bei Beethoven auch noch in der 3. Sinfonie einen solchen, bei Mahler in der 5. als Eröffnungssatz.
      Die hier genannten Trauermärsche für Klavier kommen an Chopin insofern nicht heran, weil gerade der lyrische Mittelteil bei Chopin so wunderbar ist (würde ich zumindest annehmen) und die Melodie des Hauptthemas an Einfachheit kaum zu übertreffen ist (nur eine ausgefüllte Kleinterz, danach lediglich eine zusätzliche Terzenmixtur, dann ein phrygischer Abstieg --> Trauermotiv, welches historisch gewachsen ist, dann schon wieder der Anfang), ebenso ist die Harmonik extrem einfach, im Grunde könnte man sogar auf eine einzige Stufe plus Wechselnote beschränken.
      Mendelssohns Trauermarsch ist am ehesten dem ersten Teil des Chopin'schen gleichzusetzen, auch von der Ekstatik her, zu der er sich "aufbäumt". Der lyrische Mittelteil allerdings ist hier nicht vorhanden.
      Dennoch würde ich fast behaupten, dass es Mozarts Trauermarsch ist, der hier den Prototyp geliefert hat, denn das Modell ist bei den folgenden durchaus zu erkennen, inklusive einem dynamische4n Aufbau und nachfolgendem Abstieg, wenn auch bei Mozart noch auf sehr kleinem Raum.
      Gibt es noch mehr Trauermärsche? Ich kenne keine mehr, aber ich bin sicher, der eine oder andere hat hier noch von weiteren zu berichten.

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Noch mehr Trauermärsche gibt es von Purcell, zur Beerdigung von Queen Mary geschrieben, und auch von Händel (in Saul). Vielleicht stoße ich noch auf mehr.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Noch mehr Trauermärsche gibt es von Purcell, zur Beerdigung von Queen Mary geschrieben, und auch von Händel (in Saul). Vielleicht stoße ich noch auf mehr.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Diese Trauermärsche nennt die englische Wikipedia s.v. "Funeral march":

      The funeral march for piano written by Frédéric Chopin in 1837, which became the 3rd movement of his Piano Sonata No. 2 in B flat minor, op. 35 and the theme for his Marche funèbre in C minor, Op. 72 No. 2. (This is probably the best-known and most famous funeral march with many appearances in popular culture, such as cartoons and/or computer games).

      The Dead March from Saul by George Frideric Handel

      The Funeral March in Memory of Rikard Nordraak by Edvard Grieg

      The second movement of Ludwig van Beethoven's Symphony No. 3 (Eroica)

      The third movement of Beethoven's Piano Sonata No. 12 (written in the key of A-flat minor with a middle section in A-flat major).

      The "Funeral March" from the incidental music for A Midsummer Night's Dream by Felix Mendelssohn

      The Funeral March for the Final Scene of Hamlet by Hector Berlioz

      The Marche funèbre second movement of Charles-Valentin Alkan's Symphony for solo piano, Op. 39 No. 5

      Siegfried's Funeral March from Götterdämmerung by Richard Wagner

      The fourth movement of Alexander Scriabin's Piano Sonata No. 1

      The slow movement of the Symphony No. 1 by Gustav Mahler; this movement includes a parody of the French folk tune Frère Jacques.

      The Trauermarsch opening movement of Mahler's Symphony No. 5.

      The song "Der Tamboursg'sell" from Des Knaben Wunderhorn, by Gustav Mahler

      The ninth variation from Benjamin Britten's Variations on a Theme of Frank Bridge, Op. 10

      The third movement of Mahler's first symphony, based on the children's song Frère Jacques.

      The 2nd movement of Brahms' Deutsches Requiem has the characteristics of a Funeral March but is in a slow triple metre.

      The "Funeral March": Adagio Molto from Shostakovich's String Quartet No. 15

      The Trauermarsch written by Anton Diabelli in memory of Michael Haydn for solo classical guitar.

      The "Funeral Music" for Akhnaten's father in Act I of the opera Akhnaten, by Philip Glass.

      The funeral march for Lìu in the opera Turandot, by Giacomo Puccini

      A funeral march for Napoleon Bonaparte, in Háry János, by Zoltán Kodály (after Napoleon has been defeated by the hero Háry János)

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Diese Trauermärsche nennt die englische Wikipedia s.v. "Funeral march":

      The funeral march for piano written by Frédéric Chopin in 1837, which became the 3rd movement of his Piano Sonata No. 2 in B flat minor, op. 35 and the theme for his Marche funèbre in C minor, Op. 72 No. 2. (This is probably the best-known and most famous funeral march with many appearances in popular culture, such as cartoons and/or computer games).

      The Dead March from Saul by George Frideric Handel

      The Funeral March in Memory of Rikard Nordraak by Edvard Grieg

      The second movement of Ludwig van Beethoven's Symphony No. 3 (Eroica)

      The third movement of Beethoven's Piano Sonata No. 12 (written in the key of A-flat minor with a middle section in A-flat major).

      The "Funeral March" from the incidental music for A Midsummer Night's Dream by Felix Mendelssohn

      The Funeral March for the Final Scene of Hamlet by Hector Berlioz

      The Marche funèbre second movement of Charles-Valentin Alkan's Symphony for solo piano, Op. 39 No. 5

      Siegfried's Funeral March from Götterdämmerung by Richard Wagner

      The fourth movement of Alexander Scriabin's Piano Sonata No. 1

      The slow movement of the Symphony No. 1 by Gustav Mahler; this movement includes a parody of the French folk tune Frère Jacques.

      The Trauermarsch opening movement of Mahler's Symphony No. 5.

      The song "Der Tamboursg'sell" from Des Knaben Wunderhorn, by Gustav Mahler

      The ninth variation from Benjamin Britten's Variations on a Theme of Frank Bridge, Op. 10

      The third movement of Mahler's first symphony, based on the children's song Frère Jacques.

      The 2nd movement of Brahms' Deutsches Requiem has the characteristics of a Funeral March but is in a slow triple metre.

      The "Funeral March": Adagio Molto from Shostakovich's String Quartet No. 15

      The Trauermarsch written by Anton Diabelli in memory of Michael Haydn for solo classical guitar.

      The "Funeral Music" for Akhnaten's father in Act I of the opera Akhnaten, by Philip Glass.

      The funeral march for Lìu in the opera Turandot, by Giacomo Puccini

      A funeral march for Napoleon Bonaparte, in Háry János, by Zoltán Kodály (after Napoleon has been defeated by the hero Háry János)

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Lieber Zelenka,
      vielen Dank für diese Liste! Natürlich enthält sie teilweise Stücke, die nicht eindeutig als Trauermarsch deklariert sind, auch ist Mahlers Erste doppelt aufgelistet.
      Interessant ist aber, und das wusste ich vorher auch nicht, dass Chopin offenbar in Op. 72,2 noch einmal einen Trauermarsch komponiert hat. Ich habe ihn vorher nie gehört, und jetzt mir die Noten heruntergeladen. Es ist ernüchternd, was für ein langweiliges Stück nun dieser Marsch Op. 72,2 darstellt im Vergleich zum Trauermarsch der Sonate...
      Entstanden ist Op. 72,2 zwischen 1826 und 1829, also durchaus als Jugendwerk anzusehen, welches denn auch erst posthum veröffentlicht wurde. Allerdings widersprechen sich hier die Internetquellen mal wieder beispielhaft... Die Wikipedia gibt das Jahr 1837 an, und da wurde wahrscheinlich ein Trauermarsch mit dem anderen verwechselt, denn in diesem Jahr war der Trauermarsch der Sonate entstanden. Außer gewissen sich ja ohnehin aufdrängenden Gemeinsamkeiten in der Rhythmik haben jedenfalls beide Märsche so gut wie nicht mit einander zu tun. Gottseidank...

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Lieber Zelenka,
      vielen Dank für diese Liste! Natürlich enthält sie teilweise Stücke, die nicht eindeutig als Trauermarsch deklariert sind, auch ist Mahlers Erste doppelt aufgelistet.
      Interessant ist aber, und das wusste ich vorher auch nicht, dass Chopin offenbar in Op. 72,2 noch einmal einen Trauermarsch komponiert hat. Ich habe ihn vorher nie gehört, und jetzt mir die Noten heruntergeladen. Es ist ernüchternd, was für ein langweiliges Stück nun dieser Marsch Op. 72,2 darstellt im Vergleich zum Trauermarsch der Sonate...
      Entstanden ist Op. 72,2 zwischen 1826 und 1829, also durchaus als Jugendwerk anzusehen, welches denn auch erst posthum veröffentlicht wurde. Allerdings widersprechen sich hier die Internetquellen mal wieder beispielhaft... Die Wikipedia gibt das Jahr 1837 an, und da wurde wahrscheinlich ein Trauermarsch mit dem anderen verwechselt, denn in diesem Jahr war der Trauermarsch der Sonate entstanden. Außer gewissen sich ja ohnehin aufdrängenden Gemeinsamkeiten in der Rhythmik haben jedenfalls beide Märsche so gut wie nicht mit einander zu tun. Gottseidank...

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Lieber Satie:

      Besonders in diesem Falle nicht zu danken! Die Liste ist ja mit allen Unstimmigkeiten nur aus der Wikipedia kopiert. Und die Wikipedia sollte man nie zu ernstnehmen ...

      Der Trauermarsch op. 72, 2 befindet sich ausgerechnet nicht in meiner Tonträgersammlung (op. 72, No. 1 ist die 19. Nocturne, Nos. 3- sind Ecossaisen, die allesamt vorhanden sind). Der Trauermarsch op. 72, No. 2 ist jedenfalls schon 1827 komponiert worden. Aufnahmen sind rar, lieferbar sind derzeit u.a. Versionen von Biret (Naxos) und Ashkenazy (Decca).

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Lieber Satie:

      Besonders in diesem Falle nicht zu danken! Die Liste ist ja mit allen Unstimmigkeiten nur aus der Wikipedia kopiert. Und die Wikipedia sollte man nie zu ernstnehmen ...

      Der Trauermarsch op. 72, 2 befindet sich ausgerechnet nicht in meiner Tonträgersammlung (op. 72, No. 1 ist die 19. Nocturne, Nos. 3- sind Ecossaisen, die allesamt vorhanden sind). Der Trauermarsch op. 72, No. 2 ist jedenfalls schon 1827 komponiert worden. Aufnahmen sind rar, lieferbar sind derzeit u.a. Versionen von Biret (Naxos) und Ashkenazy (Decca).

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Original von Satie
      Es ist ernüchternd, was für ein langweiliges Stück nun dieser Marsch Op. 72,2 darstellt im Vergleich zum Trauermarsch der Sonate...


      Habe ich mir gerade auf einer Aufnahme von Fou Ts’ong angehört. Ich stimme Dir zu, gar kein Vergleich zu dem anderen Trauermarsch.

      Gruß, Cosima
    • RE: "Trauermarsch"-Sonaten

      Original von Satie
      Es ist ernüchternd, was für ein langweiliges Stück nun dieser Marsch Op. 72,2 darstellt im Vergleich zum Trauermarsch der Sonate...


      Habe ich mir gerade auf einer Aufnahme von Fou Ts’ong angehört. Ich stimme Dir zu, gar kein Vergleich zu dem anderen Trauermarsch.

      Gruß, Cosima
    • Trauermarsch op.72,2

      Hallo Zelenka und Ihr anderen,

      ich habe mir soeben op.72 Nr.2 c-moll mit Abdel Rachman El Bacha angehört, Vol.1 der sehr empfehlenswerten Gesamteinspielung bei Forlane, dort ist 1827 als Entstehungszeit angegeben.



      Mein Eindruck vom Werk: Die Musik ist empfindsam, jedoch nicht traurig gestimmt, eher ein Genrestück melancholischer Art. Es gibt kein scharf umrissenes, einprägsames Thema wie in op.35.

      Dann stehen noch in meiner Sammlung eine Aufnahme mit Vladimir Ashkenazy sowie gleich drei gespielt von Cyprien Katsaris als Anhang seiner Polonaisen-Gesamtaufnahme, vorgelegt von Sony.



      Scheinbar ist kein Autograph überliefert, es existieren jedoch zahlreiche Abschriften, die jedoch von einander abweichen. Katsaris spielt eine Version editiert von Julian Fontana, Berlin 1855 (Verlag Schlesinger), dann eine Ausgabe aus Oxford 1932 sowie eine "rekonstruierte" Version von Jan Ekier für die Polnische Gesamtausgabe 1990. Zitat Beiheft: "die Oxford-Edition" unterscheidet sich von den beiden anderen Ausgaben durch eine siebentaktige Coda und weist zudem eine etwas "orchestralere" Gestaltung des Klaviersatzes auf. Das Booklet der Sony CDs gibt als Entstehungsjahr 1827 oder 1829 an.
      Die Spielzeiten:Ashkenazy 5'22
      El Bacha 4'36
      Katsaris - Ekier 4'22
      Katsaris- Fontana 3'56
      Katsaris - Oxford 4'53

      Grüße Bernd
      :cool
    • Trauermarsch op.72,2

      Hallo Zelenka und Ihr anderen,

      ich habe mir soeben op.72 Nr.2 c-moll mit Abdel Rachman El Bacha angehört, Vol.1 der sehr empfehlenswerten Gesamteinspielung bei Forlane, dort ist 1827 als Entstehungszeit angegeben.



      Mein Eindruck vom Werk: Die Musik ist empfindsam, jedoch nicht traurig gestimmt, eher ein Genrestück melancholischer Art. Es gibt kein scharf umrissenes, einprägsames Thema wie in op.35.

      Dann stehen noch in meiner Sammlung eine Aufnahme mit Vladimir Ashkenazy sowie gleich drei gespielt von Cyprien Katsaris als Anhang seiner Polonaisen-Gesamtaufnahme, vorgelegt von Sony.



      Scheinbar ist kein Autograph überliefert, es existieren jedoch zahlreiche Abschriften, die jedoch von einander abweichen. Katsaris spielt eine Version editiert von Julian Fontana, Berlin 1855 (Verlag Schlesinger), dann eine Ausgabe aus Oxford 1932 sowie eine "rekonstruierte" Version von Jan Ekier für die Polnische Gesamtausgabe 1990. Zitat Beiheft: "die Oxford-Edition" unterscheidet sich von den beiden anderen Ausgaben durch eine siebentaktige Coda und weist zudem eine etwas "orchestralere" Gestaltung des Klaviersatzes auf. Das Booklet der Sony CDs gibt als Entstehungsjahr 1827 oder 1829 an.
      Die Spielzeiten:Ashkenazy 5'22
      El Bacha 4'36
      Katsaris - Ekier 4'22
      Katsaris- Fontana 3'56
      Katsaris - Oxford 4'53

      Grüße Bernd
      :cool
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