Chopin - 3. Klaviersonate

    • Chopin - 3. Klaviersonate

      Die 3. Klaviersonate Chopins (op. 58) zeichnet sich aus durch großen Fantasiereichtum, wunderschön lyrische Passagen, verklärte und verträumte Momente, aber auch sehr energische und virtuose Abschnitte. Sie ist in ihrem Aufbau stimmiger als die 2. Sonate, kein Satz ragt – so wie der Trauermarsch – besonders heraus. In ihrem Grundcharakter ist diese (1844 entstandene) Sonate heller als ihre Vorgängerin; so weit ich weiß, wussten selbst Chopins Zeitgenossen nichts an ihr auszusetzen (sie kam, glaube ich, weitaus besser beim Publikum an als die 2.).

      1. Satz: Allegro maestoso
      2. Satz: Scherzo. Molto Vivace
      3. Satz: Largo
      4. Satz: Finale. Presto, ma non tanto

      Besonders gefällt mir das kurze Scherzo, das durch seine perlenden Bewegungen einen übermütigen Charakter erhält. Und dann vor allem das herrliche Finale! Dieser Finalsatz mit seiner drängenden und sich steigernden rhythmischen Intensität ist sehr kühn und aufregend… und erfordert sicher große Virtuosität!

      Aufnahmen, die mir nur sehr wenig Freude bereiten:
      Askenase, Stefan (DG)
      Magaloff, Nikita (Decca)
      Pommier, Jean-Bernard (Apex)

      Diese Aufnahmen finde ich allesamt gelungen bis sehr stark:
      Ashkenazy, Vladimir (Decca)
      Cziffra, György (EMI)
      François, Samson (EMI)
      Harasiewicz, Adam (Decca)
      Lipatti, Dinu (EMI)

      Lieblingsaufnahmen sind:

      Pollini, Maurizio (DG)
      Überzeugt mich vor allem durch Pollinis herrlich kantables Spiel, könnte etwas leidenschaftlicher sein.

      Kapell, William (RCA):
      Diese Aufnahme aus 1951 nimmt – wie schon Kapells 2. Sonate – bei mir eine Sonderstellung ein. So leidenschaftlich, bezwingend und draufgängerisch spielt keiner der (mir bekannten) Pianisten dieses Werk!

      Gruß, Cosima
    • Chopin - 3. Klaviersonate

      Die 3. Klaviersonate Chopins (op. 58) zeichnet sich aus durch großen Fantasiereichtum, wunderschön lyrische Passagen, verklärte und verträumte Momente, aber auch sehr energische und virtuose Abschnitte. Sie ist in ihrem Aufbau stimmiger als die 2. Sonate, kein Satz ragt – so wie der Trauermarsch – besonders heraus. In ihrem Grundcharakter ist diese (1844 entstandene) Sonate heller als ihre Vorgängerin; so weit ich weiß, wussten selbst Chopins Zeitgenossen nichts an ihr auszusetzen (sie kam, glaube ich, weitaus besser beim Publikum an als die 2.).

      1. Satz: Allegro maestoso
      2. Satz: Scherzo. Molto Vivace
      3. Satz: Largo
      4. Satz: Finale. Presto, ma non tanto

      Besonders gefällt mir das kurze Scherzo, das durch seine perlenden Bewegungen einen übermütigen Charakter erhält. Und dann vor allem das herrliche Finale! Dieser Finalsatz mit seiner drängenden und sich steigernden rhythmischen Intensität ist sehr kühn und aufregend… und erfordert sicher große Virtuosität!

      Aufnahmen, die mir nur sehr wenig Freude bereiten:
      Askenase, Stefan (DG)
      Magaloff, Nikita (Decca)
      Pommier, Jean-Bernard (Apex)

      Diese Aufnahmen finde ich allesamt gelungen bis sehr stark:
      Ashkenazy, Vladimir (Decca)
      Cziffra, György (EMI)
      François, Samson (EMI)
      Harasiewicz, Adam (Decca)
      Lipatti, Dinu (EMI)

      Lieblingsaufnahmen sind:

      Pollini, Maurizio (DG)
      Überzeugt mich vor allem durch Pollinis herrlich kantables Spiel, könnte etwas leidenschaftlicher sein.

      Kapell, William (RCA):
      Diese Aufnahme aus 1951 nimmt – wie schon Kapells 2. Sonate – bei mir eine Sonderstellung ein. So leidenschaftlich, bezwingend und draufgängerisch spielt keiner der (mir bekannten) Pianisten dieses Werk!

      Gruß, Cosima
    • RE: Chopin - 3. Klaviersonate

      Liebe Cosima:

      Ganz herzlichen Dank für diesen weiteren Chopin-Faden!

      Die dritte Sonate ist gewiß weniger verstörend als die zweite etwa mit ihrem monotonen und monochromen letzten kurzen Satz. Sie ist im ganzen konventioneller angelegt, z.B. ist Hummel hier nicht ohne Einfluß gewesen. Auch Bach ist präsent, und gerade im Largo, das man fast als ein Nocturne sehen kann, grüßen Bellini und die italienische Oper.

      Meine Aufnahmen sind diese:

      Lipatti (1947) EMI Références CDH7630382
      Lipatti (1947) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568922
      Lipatti (1947) Andante Chopin: Solo Piano vol. 1 AND1150
      Kapell (1951/2) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568532
      Kempff (1958) Decca The Classic Sound 4523082
      Arrau (1960) EMI Great Recordings of the Century 724356288423
      Francois (1964) EMI 724357445726
      Argerich (1965) EMI CDC5568052
      Argerich (1967) DG Galleria 4190552
      Argerich (1967) Philips Great Pianists of the 20th Century 4567032
      Freire (1968) Philips Great Pianists of the 20th Century 4567812
      Perahia ((P) 1974) CBS MK76242
      Weissenberg (1977) EMI TOCE13278
      Gilels (1978) Philips Great Pianists of the 20th Century 4567992
      Pletnev (1996) DG 4534562

      Die sicher zu Recht legendäre Einspielung Lipattis repräsentiert vielleicht einen undankbaren goldenen Mittelweg, den man eben respektiert und schätzt. An- oder aufregender ist dann allerdings doch Kapell in seiner RCA-Aufnahme, die stellenweise einfach sprachlos macht. Ähnliches passiert mir nur noch im Falle von Martha Argerichs DG-Aufnahme, aber nicht ganz so intensiv. (Die EMI-Version ist vergleichsweise eher als tastende Annäherung an die Sonate zu verstehen.) Francois spielt bei mir recht weit oben mit, während ich nicht verstehen kann, warum Freires Version überhaupt in die Reihe der "Great Pianists" aufgenommen worden ist. Arrau und Gilels betonen eher weniger die Virtuosität, die hier auch gefordert ist. Brav, viel zu brav sind Kempff und Perahia bei allem schönen Spiel. Weissenberg klingt dagegen wie auch anderswo in seinen Chopin-Einspielungen einfach zu perkussiv und brutal. (Ob hier auch die Toningenieure etwas zu verantworten haben, kann ich leider nicht beurteilen.) Und Pletnev geht, auch wie zu erwarten, einen eigenen, etwas verschlungenen Pfad, auf dem ich ihm nicht recht folgen möchte. Der erste Satz, in dem er die Wiederholung der Exposition nimmt, gerät ihm mit fast 15 Min. einfach zu lang und langweilig.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Chopin - 3. Klaviersonate

      Liebe Cosima:

      Ganz herzlichen Dank für diesen weiteren Chopin-Faden!

      Die dritte Sonate ist gewiß weniger verstörend als die zweite etwa mit ihrem monotonen und monochromen letzten kurzen Satz. Sie ist im ganzen konventioneller angelegt, z.B. ist Hummel hier nicht ohne Einfluß gewesen. Auch Bach ist präsent, und gerade im Largo, das man fast als ein Nocturne sehen kann, grüßen Bellini und die italienische Oper.

      Meine Aufnahmen sind diese:

      Lipatti (1947) EMI Références CDH7630382
      Lipatti (1947) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568922
      Lipatti (1947) Andante Chopin: Solo Piano vol. 1 AND1150
      Kapell (1951/2) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568532
      Kempff (1958) Decca The Classic Sound 4523082
      Arrau (1960) EMI Great Recordings of the Century 724356288423
      Francois (1964) EMI 724357445726
      Argerich (1965) EMI CDC5568052
      Argerich (1967) DG Galleria 4190552
      Argerich (1967) Philips Great Pianists of the 20th Century 4567032
      Freire (1968) Philips Great Pianists of the 20th Century 4567812
      Perahia ((P) 1974) CBS MK76242
      Weissenberg (1977) EMI TOCE13278
      Gilels (1978) Philips Great Pianists of the 20th Century 4567992
      Pletnev (1996) DG 4534562

      Die sicher zu Recht legendäre Einspielung Lipattis repräsentiert vielleicht einen undankbaren goldenen Mittelweg, den man eben respektiert und schätzt. An- oder aufregender ist dann allerdings doch Kapell in seiner RCA-Aufnahme, die stellenweise einfach sprachlos macht. Ähnliches passiert mir nur noch im Falle von Martha Argerichs DG-Aufnahme, aber nicht ganz so intensiv. (Die EMI-Version ist vergleichsweise eher als tastende Annäherung an die Sonate zu verstehen.) Francois spielt bei mir recht weit oben mit, während ich nicht verstehen kann, warum Freires Version überhaupt in die Reihe der "Great Pianists" aufgenommen worden ist. Arrau und Gilels betonen eher weniger die Virtuosität, die hier auch gefordert ist. Brav, viel zu brav sind Kempff und Perahia bei allem schönen Spiel. Weissenberg klingt dagegen wie auch anderswo in seinen Chopin-Einspielungen einfach zu perkussiv und brutal. (Ob hier auch die Toningenieure etwas zu verantworten haben, kann ich leider nicht beurteilen.) Und Pletnev geht, auch wie zu erwarten, einen eigenen, etwas verschlungenen Pfad, auf dem ich ihm nicht recht folgen möchte. Der erste Satz, in dem er die Wiederholung der Exposition nimmt, gerät ihm mit fast 15 Min. einfach zu lang und langweilig.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • In der Zeit sammeln sich doch so ein paar Aufnahmen an, obwohl ich eigentlich Chopin im allgemeinen und diese Sonate im besonderen nicht so recht schätze.
      So bin ich selbst überrascht, vier zuhause stehen zu haben:

      1. Dinu Lipatti (1947) History
      2. Emil Gilels (1977) Brilliant
      3. Mitsuko Uchida (1987) Philips
      4. Mikhail Pletnev (1997) DGG

      Mit keiner bin ich so recht glücklich.

      Gibt es eine von Horowitz? Dessen 2. Sonate, wohl aus den 50ern, hat mir nämlich durchaus recht gut gefallen und das Presto sogar eindlich einmal wirklich überzeugt.

      (Von der ersten Sonate habe ich noch nie etwas gehört. Warum ist das so? Ist die so matt? Gibts da überhaupt Aufnahmen, ich weiß nur von der El Bacha-GA.)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • In der Zeit sammeln sich doch so ein paar Aufnahmen an, obwohl ich eigentlich Chopin im allgemeinen und diese Sonate im besonderen nicht so recht schätze.
      So bin ich selbst überrascht, vier zuhause stehen zu haben:

      1. Dinu Lipatti (1947) History
      2. Emil Gilels (1977) Brilliant
      3. Mitsuko Uchida (1987) Philips
      4. Mikhail Pletnev (1997) DGG

      Mit keiner bin ich so recht glücklich.

      Gibt es eine von Horowitz? Dessen 2. Sonate, wohl aus den 50ern, hat mir nämlich durchaus recht gut gefallen und das Presto sogar eindlich einmal wirklich überzeugt.

      (Von der ersten Sonate habe ich noch nie etwas gehört. Warum ist das so? Ist die so matt? Gibts da überhaupt Aufnahmen, ich weiß nur von der El Bacha-GA.)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

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    • Also, Horowitz hat die 3. Sonate leider nicht eingespielt. Meine Favoriten sind hier u.a. auch Kapell und Pollini, dazu gab es mal ein unbeschreibliches Live-Erlebnis mit Zimerman :down

      Was die 1. Sonate angeht, so kann ich bisweilen auch nicht verstehen, warum sie so im Schatten steht. Es gibt u.a. eine Einspielung von Ashkenazy und preisgünstig mit Andsnes, die ich sehr empfehlen kann!
    • Also, Horowitz hat die 3. Sonate leider nicht eingespielt. Meine Favoriten sind hier u.a. auch Kapell und Pollini, dazu gab es mal ein unbeschreibliches Live-Erlebnis mit Zimerman :down

      Was die 1. Sonate angeht, so kann ich bisweilen auch nicht verstehen, warum sie so im Schatten steht. Es gibt u.a. eine Einspielung von Ashkenazy und preisgünstig mit Andsnes, die ich sehr empfehlen kann!
    • Original von ab

      Gibt es eine von Horowitz? Dessen 2. Sonate, wohl aus den 50ern, hat mir nämlich durchaus recht gut gefallen und das Presto sogar eindlich einmal wirklich überzeugt.



      Von Horowitz existieren keine Aufnahmen der dritten Sonate. Warum das so ist, weiß ich nicht zu sagen.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von ab

      Gibt es eine von Horowitz? Dessen 2. Sonate, wohl aus den 50ern, hat mir nämlich durchaus recht gut gefallen und das Presto sogar eindlich einmal wirklich überzeugt.



      Von Horowitz existieren keine Aufnahmen der dritten Sonate. Warum das so ist, weiß ich nicht zu sagen.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von ab
      So bin ich selbst überrascht, vier zuhause stehen zu haben:

      Mit keiner bin ich so recht glücklich.


      Nachdem ich sie nun in Folge gehört habe, würde ich spontan folgende Reihung, bzogen auf meinem Geschmack vornehmen:

      1. Dinu Lipatti
      -
      3. Mitsuko Uchida
      --
      3. Emil Gilels
      4. Mikhail Pletnev

      Ich denke nun, mit Lipatti kann ich hinreichend glücklich sein!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von ab
      So bin ich selbst überrascht, vier zuhause stehen zu haben:

      Mit keiner bin ich so recht glücklich.


      Nachdem ich sie nun in Folge gehört habe, würde ich spontan folgende Reihung, bzogen auf meinem Geschmack vornehmen:

      1. Dinu Lipatti
      -
      3. Mitsuko Uchida
      --
      3. Emil Gilels
      4. Mikhail Pletnev

      Ich denke nun, mit Lipatti kann ich hinreichend glücklich sein!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von ab
      hier schon gelesen?

      Sie wird doch tatsächlich als die Perfekte geschildert!

      Simon Trpèeski


      Sie mag perfekt sein, aber die CD gehört in den Faden zur 2. Sonate! :)

      Hier eine andere Stimme ...

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • Original von ab
      hier schon gelesen?

      Sie wird doch tatsächlich als die Perfekte geschildert!

      Simon Trpèeski


      Sie mag perfekt sein, aber die CD gehört in den Faden zur 2. Sonate! :)

      Hier eine andere Stimme ...

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

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