Mit meinen heißen Tränen - Schuberts Winterreise D 911

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    • http://www.gopera.com/winterreise/img/friedrich2.jpg

      Ein Übersicht aller(?) bis 2006 erschienenen Aufnahmen findet sich --> hier auf der Seite GOpera.com.
      Die Liste ist nach Interpret, Begleiter und Aufnahmedatum sortierbar und man kann die Auswahl auf eine Stimmlage beschränken. Es finden sich auf dieser Seite allerlei interessante Artikel (in englischer Sprache), u.a. verrät Lotte Lehmann zu jedem Lied ausführlichst ihre Gedanken zur Interpretation (sogar Hinweise zum passenden Gesichtsausdruck gibt es), eine Gegenüberstellung zeigt, wie sich Schuberts Reihenfolge von der finalen Publikation Müllers unterscheidet und wer schon immer wissen wollte, was es mit den Nebensonnen auf sich hat, findet unter "Links" neben vielem anderen einen Verweis auf eine Seite, die dieses Phänomen erklärt.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • Nach mehreren vergeblichen Anläufen gehöre ich nun auch zum Kreis der Winterreisenden. Meine Schwierigkeiten mit der klassischen Lied-Vortragsweise und der Wunsch nach einer möglichst tiefen Stimme und einer introvertierten Darbietung wurde von der Liedgesangs-Fraktion schon mit heftigem Unverständnis quittiert, doch was hilfts? Bei den meisten Einspielungen weiß ich schon nach der zweiten Zeile, dass das nichts für mich ist. Warum trotzdem dieses Ringen mit dem Werk? Weil die wenigen Versuche, die ich durchgehalten habe, sich unauslöschlich ins Hirn gebrannt haben, weil es einfach viel zu viel gute Musik und dazu eine überragendes textliches Konzept gibt. Anlass für die neue Initiative war ein Post im "Das Wichtigste"-Faden:

      Original von Tangua
      3. Schubert - Die Winterreise - ich bin eigentlich kein Fan von klassischer Vokal-Musik, aber diese Lieder schaffen es, bei mir eine Wirkung zu erzielen, wie ich das sonst nur aus dem Bereich Rock und Jazz kenne

      So ist es! Durch die Recherche bin ich dann auf Jorma Hynninen gestossen. Den kenne ich von Sibelius her und seine Stimmfarbe gefällt mir richtig gut; die im Rahmen der BIS-Gesamtedition herausgekommenen Orchesterlieder höre ich sehr gerne. Youtube-Ausschnitte aus einer Winterreise-DVD, die er gemacht hat, haben mich dann vollends überzeugt und ich habe die Aufnahme heruntergeladen.

      Volltreffer! Neben dem warmen Timbre und der absolut ungekünstelten und glaubwürdigen Vortragsweise von Hynninen überzeugt auch das Klavierspiel von Ralf Gothóni auf ganzer Linie und die Symbiose von Solist und Begleiter ist einfach perfekt.


      Jorma Hynninen & Ralf Gothóni, 1988 (71:38)

      Die Live-DVD ist nicht mit der CD identisch; sie entstand 1994 (Ausschnitte: 'http://www.youtube.com/watch?v=R35KRmCVsi0' Einsamkeit & Der Leiermann).

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • Hallo zusammen , hallo Jussi !

      Habe mir mal für ein paar Euronen diese Winterreise zugelegt ......



      also nicht die mit Pregardien sondern jene mit Blochwitz aus Ffm :D HR Sendesaal '94
      Nach dem ersten hören , finde ich einige Lieder gut, aber im großen und ganzen lässt mich das eben
      gehörte etwas ratlos zurück !?
      Liegt vielleicht daran , das ich in letzter Zeit soviel Klavierlieder gehört habe, aber ich werde das ja noch ein paar mal hören, oder hat jemand eine Einstiegsdroge für mich!?
      Die Einleitung z.B. fand ich sehr gelungen .

      Zurück bleibt ein ratloser palestrina ?(
      LG
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Original von palestrina
      Hallo zusammen , hallo Jussi !

      Habe mir mal für ein paar Euronen diese Winterreise zugelegt ......



      also nicht die mit Pregardien sondern jene mit Blochwitz aus Ffm :D HR Sendesaal '94
      Nach dem ersten hören , finde ich einige Lieder gut, aber im großen und ganzen lässt mich das eben
      gehörte etwas ratlos zurück !?
      Liegt vielleicht daran , das ich in letzter Zeit soviel Klavierlieder gehört habe, aber ich werde das ja noch ein paar mal hören, oder hat jemand eine Einstiegsdroge für mich!?
      Die Einleitung z.B. fand ich sehr gelungen .

      Zurück bleibt ein ratloser palestrina ?(
      LG


      Hallo, Palestrina!

      Ich kenne diese Aufnahme auch, finde sie doch sehr interessant. Aber ist ja alles Geschmacksache! :wink
      Gestern im Radio wurde diese Aufnahme mit Daniel Behle und einem Klaviertrio vorgestellt. Kennst Du sie?



      Einen schönen Feierabend!

      LG Jussi
      "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist." Victor Hugo
    • Hallo liebe Jussi, nein noch nicht , aber am Freitag oder Samstag , denn die ist noch nicht zu haben !

      Ich freue mich sehr darauf !
      Wenn ich es gehört habe , dann hier !

      Für die Zender Winterreise brauche ich noch ein paar Durchgänge ! :D

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Kopiere mal hier her, was ich bei" Eben gehört" geopstet hatte , da Severina die beiden CDs auch gehört hatt und wie ich total begeistert war !

      :down :down :down

      oh, diese Winterreise für Klaviertrio von und mit D.Behle und dem Oliver Schnyder Trio, ist sehr sehr schön anzuhören ! Nun habe ich Zender gehört, die Bearbeitung für Streichquartett von J.Josef und diese und das hier ist das BESTE , weil am unaufdringlichsten, sehr dezent in der Bearbeitung er hat die Violine und das Violoncello sehr behutsam eingesetzt !

      Bin gespannt auf deine Zeilen Severina !

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Liebe Winterreisende,

      seit gestern besitze ich die neue CD mit Daniel Behle. Obwohl ich dachte, Jonas Kaufmann hätte mich für alle weiteren Einspielungen verdorben, gefällt sie mir doch sehr gut.
      Zunächst musste ich mich an Behles viel heller timbrierten Tenor gewöhnen, auch geht er vieles wesentlich ruhiger an als sein Landsmann. Er wühlt mich nicht so auf wie Kaufmann, berührt mich auf seine besondere Weise aber auch sehr tief.
      Interessant finde ich die von Behle selbst erstellte Version mit Klavier, Violine und Cello, die den Liedern eine zusätzliche Dimension verleiht. So klingt der Leiermann noch jenseitiger und unheimlicher als mit der üblichen Klavierbegleitung.

      Dies einmal ein erster Eindruck, jetzt wäre ich auf Gegenstimmen neugierig!

      lg Severina :hello

      PS: Palestrina und ich haben wohl gleichzeitig geschrieben!! :D

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    • Original von Jussi
      ... und hier ist Daniel Behle 2013 live mit der Winterreise auf der Schubertiade in Hohenems zu erleben: :engel

      https://www.youtube.com/watch?v=IkSGPsI_73k


      Danke, Jussi, für diesen Link (bei mir funktioniert er zwar nicht, aber das Konzert ist natürlich auffindbar :wink), das ist in der Tat ein vorzüglicher Liedgesang. Sehr natürlich, und obwohl ich das eigentlich mag, fehlt mir etwas - und das Merkwürdige, ich weiß nicht genau, was ...

      Die CD mit dem Winterreise-Trio kenne ich leider noch nicht.

      Meine (nach wie vor) bevorzugte Winterreise ist neben jener Pregardiens (Staier) und Schreiers (Schiff) diese hier:
      youtu.be/kUJK7Ta8gOI?list=PLEA9DC2E8F60FB58C

      Großartig finde ich auch das Klavierspiel Christoph Berners.
      :engel


      Viola
      Wir alle suchen Menschen, die noch barfuß gehen im Herzen ...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Viola ()

    • Liebe Viola,

      mir ging es beim ersten Mal genauso, ich fand den "Sound" perfekt, aber es packte mich nicht so richtig. Inzwischen fesselt mich aber auch der durchgehend resignative Ton, dem man auch das seltene Aufbegehren nicht so wirklich abnimmt. Behle ist ein ganz anderer Wanderer als Kaufmann, bei ihm scheint das (letale) Ende schon von Anfang an festzustehen. Er hat sich innerlich längst aufgegeben, lebt nur von der Erinnerung, die aber zu wenig stark ist, um ihm ein Weiterleben erstrebenswert erscheinen zu lassen, weil er auch da nur das Negative sieht (sich fast darin suhlt). Ich finde es inzwischen faszinierend, wie er diese resignative Grundstimmung vom ersten bis zum letzten Lied durchhält.
      Wobei mir nach dem x-ten Durchgang die Version mit dem Klaviertrio besser gefällt als die übliche. Ginge es nur um eine konventionelle Winterreise (also Klavier+Interpret), wäre Daniel Behle nicht an der Spitze. Aber ich denke, das wäre eine Interpretation, die auch Cetay gefallen könnte, eben weil sie nicht so auf großes Seelendrama, auf expressive Selbstentäußerung (Kaufmann) setzt, sondern sehr introvertiert daherkommt.


      Pregardien/Staier besitze und schätze ich auch!

      lg Severina :hello
    • Liebe Severina,

      interessant, was Du schreibst - kann mir gut vorstellen, dass es mir beim wiederholten Hören ähnlich geht, und mich der relativ "undramatische" Ton Daniel Behles stärker berührt. Und auch möglich, dass Du genau das ansprichst, was mir fehlt: das "Gegenhalten", das Aufbegehren, eine Spur der Hoffnung irgendwie. Eine Spur! Manchmal bricht so etwas durch, für mich, beim ersten Eindruck, zwar an merkwürdigen Stellen, aber egal, nur versackt es (relativ chancenlos) sofort, das beschreibst Du gut.

      Auf das Klaviertrio bin ich natürlich - und nun nach der zweiten begeisterten Reaktion hier im Forum erst recht - gespannt, werde es bei nächster Gelegenheit versuchen anzuhören.

      Restlos überzeugt bin ich von der Fassung für Klavier und Viola, seitdem ich sie vor Jahren in einem Konzert mal gehört hatte. War überrascht, wie perfekt die Singstimme der Winterreise von der Viola übernommen und getragen werden kann.

      Liebe Grüße
      Viola

      (Mit Jonas Kaufmanns Winterreise hab ich eigenartigerweise ein Problem - obwohl ich seine Stimme sonst ziemlich göttlich find' :wink)
      Wir alle suchen Menschen, die noch barfuß gehen im Herzen ...
    • Hallo ihr lieben Winterreisenden .....!

      Nach zigmaligem hören , bin ich der Meinung, man muss es zig mal hören und begreifen was Behle aussagen will, er weiß nämlich noch nicht wie es endet. Am Ende des Leiermanns steht ja 2x ein ? und es gibt keine Antwort, also w.o. erwähnt -Resignation-von Anfang an? Na ich weiß nicht ganz, ich finde er will uns sagen , hallo ich will Euch mal erzählen was geschehen kann ......und er singt die letzte Zeile des Leiermanns mit einem zarten ? nicht als Resignation wie ich meine , denn das Wirtshaus hat ihn auch nicht eingelassen und beim Lindenbaum bliesen ihn die Winde fort , ergo es gibt kein Ende , war alles nur eine Illusion !?
      Und dann denke ich imner an Schubert, was man erzählt hat bei seinem Vortrag der WR 1827 ich singe euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vor . Und auf Schubert gemünzt, -willst zu meinen Liedern deine Leier drehn ? ....und Schubert hat ja noch einige Lieder komponiert !?
      Das habe ich noch gelesen : Nach dem ersten Lied , keine Schwärmerei hat das letzte Wort, sondern Wahrhaftigkeit. Und solche Illusionslosigkeit der weiteren düsteren Stationen sollte auch die Interpretation während des ganzen Zyklus vor der Larmoyanz bewahren, die manchmal zu hören ist.

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Hallo zusammen !

      Ein Beitrag von Irwin Gage , Pianist , Liedbegleiter.

      Meine ursprünglicher Eindruck war der, dass die WRso eine Art Fortsetzung der SM darstellt.
      Der Müllerbursche springt nicht in den Bach ! Er verlässt den Ort seiner unglücklichen Erfahrung
      und zieht in eine Stadt, wo er das Leben eines Einsiedlers führt. Vielleicht zehn Jahre später begegnet er der Müllertochter dort wieder-und das ganze Unglück wird wieder aufgewühlt in ihm!
      Und dann muss er sich auf seine Winterreise begeben ...Ich weiß:Es ist absurd-aber diese Vorstellung drängte sich mir früher auf.
      Abgesehen von dieser assoziativen Verbindung haben die beiden Zyklen nichts gemein. Die "Müllerin"
      hat eine Handlung : MBurche im Dienst, verliebt in die Müllertochter wird nicht erwidert, Verzweiflung !
      Bei der WR handelt es sich um eine Sache der Stimmung: Diese bleibt bestehen; es giebt kaum Veränderungen. Die Stimmung die von Anfang bis Ende bestehen bleibt. Es gibt kein einziges fröhliches Lied in diesem Zyklus, nur dunkle Farben. Bei der Müllerin spürt man hingegen , dass es sich um eine jüngere , jedenfalls aber unerfahrene Person handelt: Da sind Hoffnung und freudige Momente.
      Wie sich oft im Leben die Hoffnungen nicht erfüllen und man seine Wunschträume nicht in die Realität umsetzten kann, so muss der Wanderer in der WR als der ältere Mann eben dies erkennen. Daher kommt seine Verbitterung.
      Obwohl ich weiß, das die Zyklen nicht als Einheit gedacht sind , sehe ich da die Verbindung: Zwei Lebensalter - derselben Person? - werden geschildert. (Irwin Gage)

      Ich finde eine Interessante These , was mein Ihr ?

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Auf SWR 2 Treffpunkt Klassik wurden unlängst 7 neue Aufnahmen der Winterreise besprochen:
      • Daniel Behle (Tenor), Oliver Schnyder Trio
      • Jakob Högström (Bariton), Duo Dialog (Klarinette & Gitarre)
      • Alice Coote (Mezzosopran), Julius Drake (Klavier)
      • Zvil Emanuel-Marial (Altus), Philip Mayers (Klavier)
      • Jan van Elsacker (Tenor), Tom Beghin (Hammerklavier)
      • Jan Kobow (Tenor), Christoph Hammer (Hammerklavier)
      • Matthias Goerne (Bariton), Christoph Eschenbach (Klavier)
      Als Favoriten der Moderation stellen sich Behle (Farbenreich und psychologisch schlüssig erzählt er im Ich-Tonfall von dem heimatlosen Wanderer, macht seine Sorgen und Qualen erlebbar und bleibt dennoch distanziert. Stimmlich in jeder Hinsicht warm, natürlich und flexibel...) und Kobow (Auf dieser Aufnahme hört man keine psychologischen Deutungen eines Textes, hier exponiert auch kein Sänger seine echten oder gespielten Gefühle und kein Pianist seine brillante Technik, sondern man hört Franz Schuberts Musik. Und das ist berührend gut.) heraus,

      Das vollständige Manuskript (aus dem die kursiven Zitate stammen) zur Sendung kann --> hier heruntergeladen werden.
      SWR2 Treffpunkt Klassik - Neue CDs; Am Mikrofon: Dorothea Bossert; Vorgestellte Aufnahmen: Sieben Mal Franz Schuberts „Winterreise“ D 911
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • Kopiert aus "Eben gehört." Ich hoffe, liebe Cosima, das ist in Deinem Sinne.

      Cosima schrieb:

      ZuThomas E. Bauer: Unbedingt mal in die Winterreise mit Immerseel reinhören.

      Das ist eine großartige Aufnahme! In jeder Hinsicht. Ich gebe gerne zu, dass ich sehr durch die diversen FiDi-Winterreisen geprägt bin. Andere Aufnahmen – z. B. von Pregardien oder Güra – fand ich ganz gut, aber nicht annähernd so überwältigend. Die Aufnahme von Thomas E. Bauer und Jos van Immerseel (am Hammerflügel Christopher Clarke, 1988) ist einfach nur begeisternd, ich würde sie ohne Zögern den FiDi-Interpretationen zur Seite stellen. Gerade der wunderbare Klang das verwendeten Instruments trägt zur Stimmung bei.


      Ein Rezensent auf der NDR-Kultur-Seite schrieb seinerzeit sehr richtig:


      Der Ton tiefer Traurigkeit


      Eine ungewohnte Farbe: Nicht so brillant und klar wie der moderne Steinway, sondern beinahe milchig verschwommen und ein bisschen heiser - dieser Hammerflügel lässt uns aufhorchen. Er sorgt für eine zerbrechliche, dunkle Stimmung.
      Diese fragile Grundierung durch das Instrument gibt dem Sänger alle Freiheiten. Und die nutzt Bauer für eine eindringliche Interpretation. Mit seinem edlen Baritontimbre erzählt Bauer die Geschichte des einsamen, enttäuschten und lebensmüden Winterreisenden. Dabei trifft er den typisch Schubertschen Ton tiefer Traurigkeit geradezu erschütternd genau: Es ist kein schreiender Schmerz, der den Hörer anspringt, sondern meist eine leise, nach innen gekehrte Wehmut.


      Bauer hat ein betörendes Timbre, er singt in der Tat sehr eindringlich und ausdrucksstark, alles fließt dabei ganz natürlich. Die Stimmfärbung und der Klang des Instrumentes harmonieren perfekt miteinander.

      Meine Lieblingsaufnahme der Winterreise.


      [...].

      :hello
    • In diese Winterreise habe ich auch hineingehört, aber sie hat mir nicht so gut gefallen wie der Schwanengesang des Duos. Mir ist da noch ein minimaler Ticken zu viel künstlicher Theatralik drin. Bei Bauers älterer Aufnahme der Winterreise (mit Siegfried Mauser) ist das noch mehr, während beim späteren Schwanengesang praktisch nichts mehr davon da ist. Daraus schließe ich, dass Bauer mit zunehmenden Alter, pardon: zunehmender Reife, nein: zunehmender Erfahrung keine Äußerlichkeiten mehr nötig hat. Beim Timbre stimme ich zu: das ist einfach betörend - und diese Aussage kommt von jemanden, der 95% aller Sänger genau deswegen aussortiert. :ignore Dass erst durch den Hammerflügel die dem Sujet angemessene dunkle Stimmung "richtig" getroffen wird, bestätigt sich hier aufs Neue.


      Thomas E. Bauer, Jos van Immerseel
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Dann sollte man aber unbedingt diese dazufügen die im Reigen der Aufnahmen mit Fortepiano eine ganz hervorragende Rolle spielt ...

      AD 2005
      Hans-Jörg Mammel /Tenor Arthur Schoonderwoerd /Fortepiano (Johann Fritz ca1810)
      Hier finden ich das Instrument interessanter und wohlklingender als auf der Bauer/Immerseel CD.
      Auch hier bildet die Zusammenarbeit Mammel /Schoonderwoerd eine ganz wunderbare Einheit!
      Und hervorheben sollte man unbedingt H.-J.Mammels wunderbaren Stimme mit der er auch viel zu interpretieren weiß.
      Das wäre meine Empfehlung, aber ich habe es schon so oft gesagt „ alles ist eine reine Geschmacksfrage " besonders bei Gesangsstimmen, was jetzt allerdings nicht heißen soll T.E.Bauers Stimme gefiele mir nicht, jedoch ziehe ich Mammels Stimme vor, auch wegen seiner Interpretation die mir mehr zusagt.

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • ich habe jetzt mal die hier empfohlenen Aufnahmen quergehört, konnte mich aber für keine so richtig begeistern, mit Ausnahme der von Gerhard Hüsch / Hans-Udo Müller. Das hat mir recht gut gefallen, recht schnörkellos, und vor allem endlich mal einer in Originaltonart! Das ist nämlich der Hauptgrund dafür, dass mir die anderen nicht gefallen, das geht mir auf den Keks. Kennt ihr vielleicht noch andere Aufnahme in Originaltonarten, die ähnlich schlicht gesungen sind? Die Hüsch / Müller Aufnahme kann ich leider nämlich nirgends zu kaufen finden bzw. nur völlig überteuert :(
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Hi Nicolas,

      meinst Du die Aufnahme von 1936?



      Die gefällt Dir wirklich?

      Ich kann diese damals anscheinend übliche abgedunkelte Singweise nicht recht leiden. Auch das übertrieben gerollte "R" hört sich heute eher seltsam an. Dafür sind die Zischlaute unterdrückt, was heute auch kaum jemand noch macht.
      Außerdem finde ich "Gute Nacht" als zu schnell. Es sollen dort doch eigentlich die Schritte des ausziehenden Verschmähten nachempfunden werden, und so schnell wird der schon nicht an der Tür der Geliebten vorbeigehuscht sein...

      M.E. kaum übertroffen:



      Sehr gut gefallen hat mir auch eine Aufnahme mit Siegfreid Vogel (Baß/Bariton). An diese Aufnahme hatte ich mich selbst gehalten, als ich die Winterreise einstudierte. Schöner klarer Baß mit guter Akzentuierung und viel Höhe.
      --
      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Guenther ()

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