Haydns Klaviertrios

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    • Eine ganz bemerkenswerte Scheibe, die ich den Freunden der Trios nicht vorenthalten will, hat das Trio Goya (keine Spanier, sondern eine multinationale Truppe) vorgelegt. Die Klangbalance der historischen Instrumente ist sensationell. Das Violoncello verschmilzt in tieferen Lagen vollständig mit dem Bass des Fortepianos (aber wird nicht zugedeckt) und das gibt ein sattes Fundament, wie ich es auf anderen Aufnahmen nicht gehört habe. Zusammen bilden die beiden obertonreichen Streicher das perfekte Gegengewicht zum Tasteninstrument. Auch interpretatorisch gefällt mir das außerordentlich - es gibt hier einfach den Schuss mehr an Vorwärtsdrang, Dynamik und Detailfreude. Aber keine Angst; es sind keine spätberufenen HIP-Rabauken der ersten Stunde am Werk. Hier wird nichts gegen den Strich gebürstet, die immer wieder auftretenden Ausbrüche und Einbrüche wirken nicht erzwungen sondern organisch und sind damit umso wirkungsvoller. Man vergisst allzu leicht, dass die späten Trios in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den außerordentlichen Quartetten von op. 76 entstanden sind - das Trio Goya erinnert uns daran. Das ist das Beste was mir bislang in Sachen ausgewählte Trios untergekommen ist und ich wüsste nicht, wie man das noch toppen könnte. Eine ganz fette Empfehlung von mir!



      Joseph Haydn; Klaviertrios C-Dur, Es-Dur, fis-Moll & D-Dur, Hob. XV:27, 28, 26 & 24
      Trio Goya
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • So, habe nun alles ein paar Mal gehört.

      Zunächst hatte ich den Eindruck, die Violine ist zu dominant. Beim mehrmaligen Hören hat sich dieser Eindruck nun aber wieder relativiert. Der Hammerflügel hat allerdings zuweilen schon mal "zu kämpfen", aber Du hast völlig recht, Cetay, das Cello und der Piano-Baß bilden ein "schlagkräftiges" Fundament.

      Dennoch gefällt mir im Andantino von No. 26 der Violin-Klang an einigen Stellen nicht, was sich aber bei weiteren Wiederholungen ja noch ändern kann. :)

      Erstaunlich ist die Transparenz der Instrumente, jederzeit sind alle Stimmen klar und gut zu verfolgen (was mir sehr gut gefällt).

      Tolle Aufnahme!

      (Und als MP3 für 8,90 zu haben!)
      --
      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")
    • Danke für diese Höreindrücke. :thanks Es ist leider sehr selten geworden, dass hier zwei das Gleiche hören, wenn nicht gesungen wird. :I
      Ich habe versucht herauszuhören, wo und wie die Violine speziell im Andantino von Nr. 26 anders spielt, aber bin nicht recht dahinter gekommen. Vielleicht etwas mehr Vibrato (mit dem sie sonst zum Glück sehr sparsam sind) in den höheren Lagen - das könnte ein Stilmittel sein, um der Bezeichnung "Andantino et innocentemente" Ausdruck zu verleihen?

      Meine nächste Empfehlung ist das Trio Franz Joseph - das ist im Zeitalter der Suchmaschinen nicht gerade die schlaueste Namenswahl, außer man legt es darauf an, nicht gefunden zu werden. Hier verschmelzen die Originalinstrumente nicht so sehr wie beim Trio Goya; schon rein Aufnahmetechnisch ist das viel weiter auseinandergezogen. Es wird zurückhaltender -fast schon sachlich- und vor allem langsamer musiziert. Auf der Habenseite verbuchen die Haydns eine äußerst fein schattierte dynamische Gestaltung - man vergleiche z.B. im Andante der Hoboken-Nummer 27.
      Die sicherlich nicht auf emotionale Überwältigung zielende Leseart gefällt mir sehr gut und zeigt, dass die Stücke dazu auch ohne viel interpretatorisches Aufhebens taugen.


      Joseph Haydn; Klaviertrios C-Dur, G-Dur, c-Moll & G-Dur, Hob. XV:27, 32, 13 & 25
      Trio Franz Joseph
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Im Andantino gefällt mir z.B. der Klang bei Sekunde 50-52 nicht, das hört sich irgendwie seltsam an... ;)

      Die neue Empfehlung ist auch super. Habe mir gleich die CD für 3,- Euro bestellt. :)
      Der Hammerflügel kommt hier m.E. besser zur Geltung. Mal sehen, wenn die CD da ist.

      Thanks again!
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      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")
    • So, die CD ist da, gleich gerippt und gehört.

      Was soll ich sagen: Ich bin begeistert, der Zusammenklang der drei Instrumente gefällt mir noch besser als die andere Aufnahme (die schon kaum zu toppen ist).

      Im einzelnen:

      Der Hammerflügel ist angenehm unaufdringlich, das Klangbild sehr homogen, sowohl in Diskant als auch in der Tiefe. Er wummert in der Tiefe nicht so los wie manch andere Nachbauten. Die Mittellage ist ebenso angenehm und zurückhaltend, der Diskant nicht "spitz". Dennoch kommt die ganze Klang-Charakteristik des Hammerflügels des Ende des 18. Jhdts. zur Geltung.

      Das Cello spielt ebenso wie die Violine ebenfalls unaufdringlich. Hier fiel mir stellenweise die andere Aufnahme des Goia-Trios tw. unangenehm auf. Es kann aber auch an der Mischung durch den Tonmeister liegen. In der Goia-Aufnahme fand ich die Violine oft zu sehr im Vordergrund, den Klang zu "quäkend", tw. habe ich mit dem Equalizer versucht, den Effekt wegzubekommen, was mir nur tw. gelang.

      In dieser Franz-Joseph-Aufnahme ist die Ausgewogenheit höher, was mir besser gefällt. Ich würde dieses Klangbild immer vorziehen. Denn auch die Transparenz der Stimmen geht ja nicht verloren!

      Klare Empfehlung: Nicht zu toppen. :)

      (Für die Jugend: Trio Franz Joseph rulez!)
      ;)
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      (Aus "Amadeus")
    • Eine habe ich noch. Ein Fall von historisch uninformierter Aufführungspraxis mal verkehrt herum. Während die 1785 in Wien begonnene Serie noch mit Sonata per il Cembalo col Violino e Violoncello bezeichnet wurde, später dann je nach Ausgabe auch mal Cembalo oder Fortepiano erwähnt werden, ist für die 1795 in England entstandenen Trios die Sachlage klar: "Sonate pour le Piano Forte avec Violon & Violoncelle" heisst es da. Und es gibt genug Evidenz, dass sie ganz klar mit den klanglichen Möglichkeiten des neuen Hammerklaviers in Hinterkopf komponiert wurden. So schreibt Ludwig Finscher: Die starke Betonung der klanglichen Möglichkeiten des Klaviers (Akkordspiel, Arpeggien, extreme Lagen) gibt ihnen ein unverwechselbares Kolorit, wie man es weder bei Mozart noch beim frühen Beethoven findet. "Na und?", dürfte sich das Queen's Chamber Trio gedacht haben. Wenn Haydn heute auf Konzertflügeln, die erst Jahrzehnte später verfügbar waren, gespielt wird, dann dürfte es niemanden stören, wenn wir ein Instrument nehmen, für das Haydn noch ein Jahr zuvor in der gleichen Werkgruppe komponiert hatte.

      Das Ergebnis ist jedenfalls weit mehr als eine Kuriosität und unbedingt hörenswert, zumal die Interpreten sich und damit der Klangentfaltung reichlich Zeit lassen und einen schon fast röntgenographischen Blick auf die Textur und Struktur ermöglichen - da geht kein Detail verloren. Erbsenzähler werden monieren, es fehle an Esprit, aber man kann halt nicht immer alles haben. Sehr empfehlenswert.


      Joseph Haydn; Klaviertrios C-Dur, es-Moll & E-Dur, Hob. XV:27, 31 & 28
      The Queen's Chamber Trio
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Ja, super!

      Ich finde den Gebrauch eines Cembalos auch gar nicht abwegig, sogar dann wenn "für Pianoforte" da steht. Ich spiele viele Klavierstücke auf beiden Instrumenten und finde sehr oft den Cembaloklang schon fast angemessener. Bin gerade (wieder mal) dabei, das Haydn D-Dur-Konzert zu spielen und habe es spaßeshalber mal mit Cembalo-Klang probiert. Insbesondere das Rondo all'ungarese hört sich gar nicht mal so übel an...

      Aber auch die G-Dur-Sonate (XVI:40), und da besonders das Allegretto e innocente, hört sich sehr sehr schön mit Cembalo an. Einfach mal ausprobieren!

      :)
      --
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      (Aus "Amadeus")
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