Beethovens Neunte, op. 125

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    • Original von Rachmaninov
      Original von Zelenka
      Original von Rachmaninov
      Bin ein wenig betrübt was diesen Thread angeht. Hier findet sich nichts / kaum etwas über das Werk an sich..... :I


      :I :I :I Vielleicht kommt ja eines Tages noch ein Faden, der sich dann gar nicht bei den Aufnahmen aufhält. Das wäre schön! Ich werde ihn allerdings nicht eröffnen, ich stehe mit dieser Symphonie eher auf Kriegsfuß.

      Gruß, Zelenka


      Wahrscheinlich weil sie wie eine grandiose Sinfonie ist, die zum Vokalwerk abriftet, oder?
      Gerade daher wäre die Werkbesprechung toll :D


      Die Symphonie ist grandios, sie hat einen ungeheuren Einfluß auf spätere Komponisten ausgeübt, ich respektiere Beethovens Sentimente(Freiheit, Brüderlichkeit etc.). Sie ist aber leider eben auch politisch mißbraucht worden, etwa am Nachmittag des 19.4.1942. Und 1989 ist unter Bernstein sogar in den Text eingegriffen worden.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Rachmaninov
      Original von Zelenka
      Original von Rachmaninov
      Bin ein wenig betrübt was diesen Thread angeht. Hier findet sich nichts / kaum etwas über das Werk an sich..... :I


      :I :I :I Vielleicht kommt ja eines Tages noch ein Faden, der sich dann gar nicht bei den Aufnahmen aufhält. Das wäre schön! Ich werde ihn allerdings nicht eröffnen, ich stehe mit dieser Symphonie eher auf Kriegsfuß.

      Gruß, Zelenka


      Wahrscheinlich weil sie wie eine grandiose Sinfonie ist, die zum Vokalwerk abriftet, oder?
      Gerade daher wäre die Werkbesprechung toll :D


      Die Symphonie ist grandios, sie hat einen ungeheuren Einfluß auf spätere Komponisten ausgeübt, ich respektiere Beethovens Sentimente(Freiheit, Brüderlichkeit etc.). Sie ist aber leider eben auch politisch mißbraucht worden, etwa am Nachmittag des 19.4.1942. Und 1989 ist unter Bernstein sogar in den Text eingegriffen worden.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Furtwängler und die 9.

      Original von Amadé
      @Zelenka

      Aber es gibt aus dem Jahr 1942 noch eine Aufnahme, und zwar eine mit hochpolitischem Hintergrund, das Konzert fand am 19.IV. statt, Proramm: Bach Air, Beethoven 9.. Es wurde unlängst bei Archipel veröffentlicht.

      Grüße Amadé


      Nach einigen Recherchen in Diskographien etc. kommt mir die angebliche neue Neunte vom 19.4.1942 immer spanischer vor, sie wird nirgends erwähnt. Das Konzert hat es gegeben, aber bringt die Archipel-Ausgabe am Ende nicht doch die altbekannte Aufnahme vom März 1942? Archipel ist kein besonders vertrauenswürdiges Label und hat sich schon öfter einfach bei z.B. Music & Arts bedient.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Furtwängler und die 9.

      Original von Amadé
      @Zelenka

      Aber es gibt aus dem Jahr 1942 noch eine Aufnahme, und zwar eine mit hochpolitischem Hintergrund, das Konzert fand am 19.IV. statt, Proramm: Bach Air, Beethoven 9.. Es wurde unlängst bei Archipel veröffentlicht.

      Grüße Amadé


      Nach einigen Recherchen in Diskographien etc. kommt mir die angebliche neue Neunte vom 19.4.1942 immer spanischer vor, sie wird nirgends erwähnt. Das Konzert hat es gegeben, aber bringt die Archipel-Ausgabe am Ende nicht doch die altbekannte Aufnahme vom März 1942? Archipel ist kein besonders vertrauenswürdiges Label und hat sich schon öfter einfach bei z.B. Music & Arts bedient.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Zelenka
      Sie ist aber leider eben auch politisch mißbraucht worden, etwa am Nachmittag des 19.4.1942.


      Die Entstehungszeit der Symphonie ist 1817-1824. Ich habe keinerlei Probleme damit, dass das Werk politisch missbraucht worden ist. Beethoven ist nicht für die Sünden der Generationen nach ihm verantwortlich und ich nicht für die der Generationen vor mir.

      Ansonsten: Ich fühle mich nicht in der Lage, eine Werkanalyse zu verfassen. Ich möchte aber auch niemanden davon abhalten – nur zu! :)

      Ich werde in Kürze wahrscheinlich zwei Furtwängler-Aufnahmen hören können und hernach berichten.

      Gruß, Cosima
    • Original von Zelenka
      Sie ist aber leider eben auch politisch mißbraucht worden, etwa am Nachmittag des 19.4.1942.


      Die Entstehungszeit der Symphonie ist 1817-1824. Ich habe keinerlei Probleme damit, dass das Werk politisch missbraucht worden ist. Beethoven ist nicht für die Sünden der Generationen nach ihm verantwortlich und ich nicht für die der Generationen vor mir.

      Ansonsten: Ich fühle mich nicht in der Lage, eine Werkanalyse zu verfassen. Ich möchte aber auch niemanden davon abhalten – nur zu! :)

      Ich werde in Kürze wahrscheinlich zwei Furtwängler-Aufnahmen hören können und hernach berichten.

      Gruß, Cosima
    • Mich hatte immer irritiert, dass Beethoven nach den drei Instrumentalsätzen im Schlusssatz die menschliche Stimme zum Einsatz bringt. Ich empfand den Satz fast als unpassend, weil er die Harmonie des Ganzen zu stören schien. Und dann las ich Furtwänglers Erläuterungen zum Finalsatz in „Gespräche über Musik“ (S. 47 ff.):

      „In Wirklichkeit war es so, dass Beethoven für das, was es ihn auszusprechen drängte, was er aus dem Sinn der vorangehenden Sätze, aus dem ganzen Werk als Musiker sagen wollte, nach dem geeigneten Text suchte und ihn zufällig bei Schiller, mit dessen auf das Abstrakte, Ideelle gehender Tendenz, fand. […]
      Wenn es ihn bei der „Neunten“ zum Wort, zur menschlichen Stimme drängte, so doch nur aus einem Bedürfnis heraus, das seinen Ursprung in den vorhergehenden Sätzen, d.i. eben doch im rein Musikalischen hat. Das Thema dieses letzten Satzes als solches war es, das alles weitere, den Text, die menschliche Stimme, die zyklische Form, mit sich zog. Dieses Urbild aller Themen, eine Erfindung allein des Musikers, konnte nicht Erklärung oder Interpretation eines bestimmten Textes sein. Viel eher wirkt umgekehrt das Gedicht als eine Interpretation des Themas. Und so ist auch die herangezogene menschliche Stimme nur gleichsam als die natürliche „Instrumentation“ dieser ewigen Melodie anzusprechen.“


      Die Irritation war aufgelöst! „Die menschliche Stimme ist hier nur noch ein Instrument mehr, das sich dem Chor der anderen Instrumente hinzugesellt.“ Wenn man sich diese Erklärung vergegenwärtigt und die Symphonie erneut hört, wird plötzlich alles schlüssig. Eine grandiose Idee Beethovens!

      Gruß, Cosima
    • Mich hatte immer irritiert, dass Beethoven nach den drei Instrumentalsätzen im Schlusssatz die menschliche Stimme zum Einsatz bringt. Ich empfand den Satz fast als unpassend, weil er die Harmonie des Ganzen zu stören schien. Und dann las ich Furtwänglers Erläuterungen zum Finalsatz in „Gespräche über Musik“ (S. 47 ff.):

      „In Wirklichkeit war es so, dass Beethoven für das, was es ihn auszusprechen drängte, was er aus dem Sinn der vorangehenden Sätze, aus dem ganzen Werk als Musiker sagen wollte, nach dem geeigneten Text suchte und ihn zufällig bei Schiller, mit dessen auf das Abstrakte, Ideelle gehender Tendenz, fand. […]
      Wenn es ihn bei der „Neunten“ zum Wort, zur menschlichen Stimme drängte, so doch nur aus einem Bedürfnis heraus, das seinen Ursprung in den vorhergehenden Sätzen, d.i. eben doch im rein Musikalischen hat. Das Thema dieses letzten Satzes als solches war es, das alles weitere, den Text, die menschliche Stimme, die zyklische Form, mit sich zog. Dieses Urbild aller Themen, eine Erfindung allein des Musikers, konnte nicht Erklärung oder Interpretation eines bestimmten Textes sein. Viel eher wirkt umgekehrt das Gedicht als eine Interpretation des Themas. Und so ist auch die herangezogene menschliche Stimme nur gleichsam als die natürliche „Instrumentation“ dieser ewigen Melodie anzusprechen.“


      Die Irritation war aufgelöst! „Die menschliche Stimme ist hier nur noch ein Instrument mehr, das sich dem Chor der anderen Instrumente hinzugesellt.“ Wenn man sich diese Erklärung vergegenwärtigt und die Symphonie erneut hört, wird plötzlich alles schlüssig. Eine grandiose Idee Beethovens!

      Gruß, Cosima
    • Man muss bei Beethoven meiner Ansicht nach die beiden Moll-Symphonien als auskomponiertes "durch Nacht zum Licht"-Ideal sehen, und zwar sowohl in einer generell optimistischen Bedeutung als auch in einer bewusst politischen. Die 9. ist dabei eigentlich die plakativere der beiden. Wo die 5. sich hin entwickelt zum Sonnengesang (C-Dur) der Revolution, also noch Chiffre bleibt (wenn auch für die Zeitgenossen sicher hörbar), so ist die 9. offen liegend, besonders durch den Text, der ohne Frage alles klärt. Dass man das als zu plakativ empfindet, kann ich mir durchaus vorstellen. Damals jedenfalls muss es wirklich revolutionär gewesen sein, überhaupt eine Symphonie dieses Ausmaßes.
      Übrigens habe ich in diesem Zusammenhang auf Wikipedia gelesen (passend zu einem anderen aktuellen Thread):

      Es wird allgemein angenommen, dass die endgültige Länge einer CD von Philips und Sony auf Drängen von Herbert von Karajan auf 74 Minuten festgelegt wurde, um die 9. Sinfonie vollständig und ohne CD-Wechsel hören zu können.


      Ich persönlich habe schon sehr lange keine Beethoven-Symphonie mehr gehört (außer die 1. vor einigen Wochen). Ich kann weder die 3., die 5., die 6. (am wenigsten) noch die 9. noch wirklich genießen, wahrscheinlich habe ich sie früher zu oft gehört, damals übrigens (welch Zufall) immer unter Karajan, von dem ich eine Gesamtaufnahme hatte. Mit Beethovens Klavierkonzerten geht es mir genau so. Lediglich die Klaviersonaten und die übrige Kammermusik kann ich immer noch unbeschwert anhören. Aber wahrscheinlich ist das ein persönliches Problem, es scheint mir nicht grundsätzlich mit der Musik zu tun zu haben. Es liegt wohl eher am paradigmatischen Charakter dieser Werke und der daraus resultierenden Folge, dass sie zu Tode analysiert und diskutiert wurden (ja, es stimmt, im Studium habe ich aufgehört, diese Werke zu hören). Vielleicht wird es mir eines Tages wieder möglich sein, hinzuhören.

      Ich denke ein wenig könnte diese Problematik auch Schuld daran sein, dass hier gar keine Einführung zum Werk mehr stand. Es ist einfach gar nicht nötig (oder scheint zumindest nicht nötig zu sein). Diese Symphonie ist mehr als alle anderen (überhaupt als alle Symphonien, egal welches Komponisten) zum Monument geworden. Das hat kein Bruckner, kein Mahler, kein Brahms, nein, niemand überbieten können. Und das will schon etwas heißen...ob etwas negatives oder positives - kommt eben drauf an.

      Der Schlussteil allerdings (das geht mir so wie vielen anderen Hörern und Musikwissenschaftlern) muss genau so sein, das Gleichgewicht ist auf diese Weise genau hergestellt worden, die Dramaturgie ist perfekt, die Botschaft wird verstanden. Daran ist nicht zu rütteln. Aber eben: gefallen muss es trotzdem nicht...

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Man muss bei Beethoven meiner Ansicht nach die beiden Moll-Symphonien als auskomponiertes "durch Nacht zum Licht"-Ideal sehen, und zwar sowohl in einer generell optimistischen Bedeutung als auch in einer bewusst politischen. Die 9. ist dabei eigentlich die plakativere der beiden. Wo die 5. sich hin entwickelt zum Sonnengesang (C-Dur) der Revolution, also noch Chiffre bleibt (wenn auch für die Zeitgenossen sicher hörbar), so ist die 9. offen liegend, besonders durch den Text, der ohne Frage alles klärt. Dass man das als zu plakativ empfindet, kann ich mir durchaus vorstellen. Damals jedenfalls muss es wirklich revolutionär gewesen sein, überhaupt eine Symphonie dieses Ausmaßes.
      Übrigens habe ich in diesem Zusammenhang auf Wikipedia gelesen (passend zu einem anderen aktuellen Thread):

      Es wird allgemein angenommen, dass die endgültige Länge einer CD von Philips und Sony auf Drängen von Herbert von Karajan auf 74 Minuten festgelegt wurde, um die 9. Sinfonie vollständig und ohne CD-Wechsel hören zu können.


      Ich persönlich habe schon sehr lange keine Beethoven-Symphonie mehr gehört (außer die 1. vor einigen Wochen). Ich kann weder die 3., die 5., die 6. (am wenigsten) noch die 9. noch wirklich genießen, wahrscheinlich habe ich sie früher zu oft gehört, damals übrigens (welch Zufall) immer unter Karajan, von dem ich eine Gesamtaufnahme hatte. Mit Beethovens Klavierkonzerten geht es mir genau so. Lediglich die Klaviersonaten und die übrige Kammermusik kann ich immer noch unbeschwert anhören. Aber wahrscheinlich ist das ein persönliches Problem, es scheint mir nicht grundsätzlich mit der Musik zu tun zu haben. Es liegt wohl eher am paradigmatischen Charakter dieser Werke und der daraus resultierenden Folge, dass sie zu Tode analysiert und diskutiert wurden (ja, es stimmt, im Studium habe ich aufgehört, diese Werke zu hören). Vielleicht wird es mir eines Tages wieder möglich sein, hinzuhören.

      Ich denke ein wenig könnte diese Problematik auch Schuld daran sein, dass hier gar keine Einführung zum Werk mehr stand. Es ist einfach gar nicht nötig (oder scheint zumindest nicht nötig zu sein). Diese Symphonie ist mehr als alle anderen (überhaupt als alle Symphonien, egal welches Komponisten) zum Monument geworden. Das hat kein Bruckner, kein Mahler, kein Brahms, nein, niemand überbieten können. Und das will schon etwas heißen...ob etwas negatives oder positives - kommt eben drauf an.

      Der Schlussteil allerdings (das geht mir so wie vielen anderen Hörern und Musikwissenschaftlern) muss genau so sein, das Gleichgewicht ist auf diese Weise genau hergestellt worden, die Dramaturgie ist perfekt, die Botschaft wird verstanden. Daran ist nicht zu rütteln. Aber eben: gefallen muss es trotzdem nicht...

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Bernsteins fantastisches Freudenkonzert zur Wiedervereinigung

      Hallo Beethoven-Freunde,

      was 1942 mit Furtwängler war weiss ich nicht, es iist jedenfalls lange überholt, da sollte man nun das Gras, dass bisher drüber gewachsen ist, nicht wieder wegmähen und neu aufwühlen.

      Dies finde ich weitaus interessanter, da es sich um ein freudiges Ereignis handelt:
      Und 1989 ist unter Bernstein sogar in den Text eingegriffen worden.

      Dies war 1989 ein Freudenkonzert über die erfolgreiche Wiedervereinigung.
      Ich sehe dieses LIVEKONZERT von Bernstein mit Beethovens 9ter nicht als einen Eingriff, sondern einen wahnsinnig passenden Anlass hier statt "Freude..." einfach "Freiheit schönes götter Funken..." singen zu lassen.
      Eine tolle überaus passende Idee von Bernstein. Wo wird den da auch groß eingegriffen ???
      :down :down :down Ich habe mich als "Wessi" damals unheimlich gefreut, das zusammengefügt wird, was zusammen gehört ! Nie hätte ich gedacht dies jemals nochmal zu erleben.
      Famtastisch diese Freude auch mit geliebten Beethoven-Klängen zu verbinden.

      Das dieses LIVE-Konzert bei DG auch auf CD erschien ist IMO nicht nötig gewesen, da genügend Aufnahmen existieren. Aber wer den freudigen Anlass hören will, kann dies mit dieser Konserve auch tun.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Bernsteins fantastisches Freudenkonzert zur Wiedervereinigung

      Hallo Beethoven-Freunde,

      was 1942 mit Furtwängler war weiss ich nicht, es iist jedenfalls lange überholt, da sollte man nun das Gras, dass bisher drüber gewachsen ist, nicht wieder wegmähen und neu aufwühlen.

      Dies finde ich weitaus interessanter, da es sich um ein freudiges Ereignis handelt:
      Und 1989 ist unter Bernstein sogar in den Text eingegriffen worden.

      Dies war 1989 ein Freudenkonzert über die erfolgreiche Wiedervereinigung.
      Ich sehe dieses LIVEKONZERT von Bernstein mit Beethovens 9ter nicht als einen Eingriff, sondern einen wahnsinnig passenden Anlass hier statt "Freude..." einfach "Freiheit schönes götter Funken..." singen zu lassen.
      Eine tolle überaus passende Idee von Bernstein. Wo wird den da auch groß eingegriffen ???
      :down :down :down Ich habe mich als "Wessi" damals unheimlich gefreut, das zusammengefügt wird, was zusammen gehört ! Nie hätte ich gedacht dies jemals nochmal zu erleben.
      Famtastisch diese Freude auch mit geliebten Beethoven-Klängen zu verbinden.

      Das dieses LIVE-Konzert bei DG auch auf CD erschien ist IMO nicht nötig gewesen, da genügend Aufnahmen existieren. Aber wer den freudigen Anlass hören will, kann dies mit dieser Konserve auch tun.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: Bernsteins fantastisches Freudenkonzert zur Wiedervereinigung

      Lieber Wolfgang:

      Über die Zeit um 1942 wächst so schnell kein Gras, es kann da keines wachsen, selbst wenn manche es sich herbeiwünschen.

      Ja, 1989 ist in Schillers Text unnötig eingegriffen worden, ich hatte mir erspart, den sattsam bekannten Anlaß weiter namhaft zu machen. In Schillers Text ist die Freiheit implizit, ohne sie könnten die Millionen sich kaum freudig umschlingen. Textänderungen sind da gar nicht erforderlich, man hätte es bei "Freude schöner Götterfunken" belassen können. Man sollte die Worte seiner Dichter und Denker respektieren.

      Ich habe weiter oben durchblicken lassen, daß mir die Symphonie nicht ganz geheuer ist. Unsicher war schon Schiller geworden, als er den Text seiner Ode mit der Zeit als naiv empfand und Revisionen vornahm. Mindestens ab 1793, als der Ausbruch der Französischen Revolution noch nicht lange zurücklag, ein Dritteljahrhundert vor der Fertigstellung der Symphonie, trug sich Beethoven mit dem Gedanken, Schillers Ode zu vertonen. Viel später, unter ganz anderen politischen Bedingungen, als in jedem Wiener Kaffeehaus wenigstens ein Spitzel horchte, hat Beethoven das Projekt wieder aufgenommen. Wenig bekannt ist leider, daß auch er sich unwohl fühlte mit dem uns bekannten 4. Satz und sich mit dem Gedanken trug, ihn durch ein rein instrumentales Finale zu ersetzen. Wie dem auch sei: Gemeint war die Symphonie durchaus ganz politisch, sie präsentierte einen Gegenentwurf zur damaligen repressiven, nationalen und restaurativen politischen Landschaft.

      Wie Cosima schon kurz angedeutet hat, kann Beethoven nichts dafür, daß seine Musik u.a. bei Geburtstagsfeiern für Staatsoberhäupter, bei Olympischen Spielen oder als "Europahymne" eingesetzt wird. Nur: Wenn ich die Neunte höre, komme ich doch immer wieder ins Grübeln, rechte Freude mag nicht aufkommen. Es klebt einige Geschichte an ihr.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Bernsteins fantastisches Freudenkonzert zur Wiedervereinigung

      Lieber Wolfgang:

      Über die Zeit um 1942 wächst so schnell kein Gras, es kann da keines wachsen, selbst wenn manche es sich herbeiwünschen.

      Ja, 1989 ist in Schillers Text unnötig eingegriffen worden, ich hatte mir erspart, den sattsam bekannten Anlaß weiter namhaft zu machen. In Schillers Text ist die Freiheit implizit, ohne sie könnten die Millionen sich kaum freudig umschlingen. Textänderungen sind da gar nicht erforderlich, man hätte es bei "Freude schöner Götterfunken" belassen können. Man sollte die Worte seiner Dichter und Denker respektieren.

      Ich habe weiter oben durchblicken lassen, daß mir die Symphonie nicht ganz geheuer ist. Unsicher war schon Schiller geworden, als er den Text seiner Ode mit der Zeit als naiv empfand und Revisionen vornahm. Mindestens ab 1793, als der Ausbruch der Französischen Revolution noch nicht lange zurücklag, ein Dritteljahrhundert vor der Fertigstellung der Symphonie, trug sich Beethoven mit dem Gedanken, Schillers Ode zu vertonen. Viel später, unter ganz anderen politischen Bedingungen, als in jedem Wiener Kaffeehaus wenigstens ein Spitzel horchte, hat Beethoven das Projekt wieder aufgenommen. Wenig bekannt ist leider, daß auch er sich unwohl fühlte mit dem uns bekannten 4. Satz und sich mit dem Gedanken trug, ihn durch ein rein instrumentales Finale zu ersetzen. Wie dem auch sei: Gemeint war die Symphonie durchaus ganz politisch, sie präsentierte einen Gegenentwurf zur damaligen repressiven, nationalen und restaurativen politischen Landschaft.

      Wie Cosima schon kurz angedeutet hat, kann Beethoven nichts dafür, daß seine Musik u.a. bei Geburtstagsfeiern für Staatsoberhäupter, bei Olympischen Spielen oder als "Europahymne" eingesetzt wird. Nur: Wenn ich die Neunte höre, komme ich doch immer wieder ins Grübeln, rechte Freude mag nicht aufkommen. Es klebt einige Geschichte an ihr.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Furtwängler 1942

      @ Zelenka

      Ich habe mir die 9. vom 19.04.42 gestern Abend noch mal angehört und bin der Ansicht, es ist ein echter Furtwängler. Wenn man sich immer wieder mit seinen Aufnahmen beschäftigt hat, wird man sensibilisiert für seine Art, Musik zum Klingen zu bringen, besonders intensiv gelangen ihm immer wieder die Übergänge zwischen den Formteilen eines Satzes. Die von Dir geäußerte Ansicht, es könne sich doch um die Aufnahme vom März 42 handeln, muss widersprochen werden, da nicht Peter Anders, sondern Helge Rosvaenge den Tenorpart singt, dass ist deutlich zu hören. Auch die Spielzeiten stimmen nicht überein, alle Sätze, außer dem dritten, sind rund eine Minute länger. Zudem gibt es nach dem mitgeschnittenen Applaus noch die Radioabsage des Großdeutschen Rundfunks mit dem Hinweis, in welche Länder das Konzert übertragen wurde. Außerdem stimmen die vielen Störungen aus dem Publikum (mehr im März) in beiden Aufnahmen nicht überein.
      Da es sich um eine Rundfunkübertragung handelt kann man nicht ausschließen, dass ein Techniker das Konzert mitgeschnitten hat.

      Grüße Amadé
    • RE: Furtwängler 1942

      @ Zelenka

      Ich habe mir die 9. vom 19.04.42 gestern Abend noch mal angehört und bin der Ansicht, es ist ein echter Furtwängler. Wenn man sich immer wieder mit seinen Aufnahmen beschäftigt hat, wird man sensibilisiert für seine Art, Musik zum Klingen zu bringen, besonders intensiv gelangen ihm immer wieder die Übergänge zwischen den Formteilen eines Satzes. Die von Dir geäußerte Ansicht, es könne sich doch um die Aufnahme vom März 42 handeln, muss widersprochen werden, da nicht Peter Anders, sondern Helge Rosvaenge den Tenorpart singt, dass ist deutlich zu hören. Auch die Spielzeiten stimmen nicht überein, alle Sätze, außer dem dritten, sind rund eine Minute länger. Zudem gibt es nach dem mitgeschnittenen Applaus noch die Radioabsage des Großdeutschen Rundfunks mit dem Hinweis, in welche Länder das Konzert übertragen wurde. Außerdem stimmen die vielen Störungen aus dem Publikum (mehr im März) in beiden Aufnahmen nicht überein.
      Da es sich um eine Rundfunkübertragung handelt kann man nicht ausschließen, dass ein Techniker das Konzert mitgeschnitten hat.

      Grüße Amadé
    • RE: Furtwängler und die 9.

      Original von Zelenka
      Nach einigen Recherchen in Diskographien etc. kommt mir die angebliche neue Neunte vom 19.4.1942 immer spanischer vor, sie wird nirgends erwähnt.


      Hier findet sich eine Furtwängler-Diskographie, in der die Aufnahme vom 19.04.1942 erwähnt wird:

      my.dreamwiz.com/fischer/Furtwa…gler-discography.htm#No.9

      19th Apr. 1942, Philharmonie, Berlin
      with Berliner Philharmoniker, Bruno Kittel Choir, Erna Berger(S), Gertrude Pitzinger(A), Helge Rosvaenge(T), Rudolf
      Watzke(B)
      CD ; Archipel ARPCD 0270
      Notes by Y.Lee ] Newly discovered, and the eve concert of Hitler's 53rd birthday. Thanks to Dr. Sweeney &
      Mr. Lehtonen, and the famous Furtwängler expert Mr. Henry Fogel ascertain this performance is
      different from 22~24th Mar. Berlin live. See this link and an article by Mr. Fogel in Newsgroup
      (rec.music.classical.recordings). Special thanks to Mr. Lehtonen & Mr. U.Reicke, who corrected the
      error; not Tilla Briem but Erna Berger.
    • RE: Furtwängler und die 9.

      Original von Zelenka
      Nach einigen Recherchen in Diskographien etc. kommt mir die angebliche neue Neunte vom 19.4.1942 immer spanischer vor, sie wird nirgends erwähnt.


      Hier findet sich eine Furtwängler-Diskographie, in der die Aufnahme vom 19.04.1942 erwähnt wird:

      my.dreamwiz.com/fischer/Furtwa…gler-discography.htm#No.9

      19th Apr. 1942, Philharmonie, Berlin
      with Berliner Philharmoniker, Bruno Kittel Choir, Erna Berger(S), Gertrude Pitzinger(A), Helge Rosvaenge(T), Rudolf
      Watzke(B)
      CD ; Archipel ARPCD 0270
      Notes by Y.Lee ] Newly discovered, and the eve concert of Hitler's 53rd birthday. Thanks to Dr. Sweeney &
      Mr. Lehtonen, and the famous Furtwängler expert Mr. Henry Fogel ascertain this performance is
      different from 22~24th Mar. Berlin live. See this link and an article by Mr. Fogel in Newsgroup
      (rec.music.classical.recordings). Special thanks to Mr. Lehtonen & Mr. U.Reicke, who corrected the
      error; not Tilla Briem but Erna Berger.
    • RE: Furtwängler und die 9.

      Original von Cosima
      Original von Zelenka
      Nach einigen Recherchen in Diskographien etc. kommt mir die angebliche neue Neunte vom 19.4.1942 immer spanischer vor, sie wird nirgends erwähnt.


      Hier findet sich eine Furtwängler-Diskographie, in der die Aufnahme vom 19.04.1942 erwähnt wird:

      my.dreamwiz.com/fischer/Furtwa…gler-discography.htm#No.9

      19th Apr. 1942, Philharmonie, Berlin
      with Berliner Philharmoniker, Bruno Kittel Choir, Erna Berger(S), Gertrude Pitzinger(A), Helge Rosvaenge(T), Rudolf
      Watzke(B)
      CD ; Archipel ARPCD 0270
      Notes by Y.Lee ] Newly discovered, and the eve concert of Hitler's 53rd birthday. Thanks to Dr. Sweeney &
      Mr. Lehtonen, and the famous Furtwängler expert Mr. Henry Fogel ascertain this performance is
      different from 22~24th Mar. Berlin live. See this link and an article by Mr. Fogel in Newsgroup
      (rec.music.classical.recordings). Special thanks to Mr. Lehtonen & Mr. U.Reicke, who corrected the
      error; not Tilla Briem but Erna Berger.


      :A Herzlichen Dank für den Hinweis! Ebenso an Amadé!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Furtwängler und die 9.

      Original von Cosima
      Original von Zelenka
      Nach einigen Recherchen in Diskographien etc. kommt mir die angebliche neue Neunte vom 19.4.1942 immer spanischer vor, sie wird nirgends erwähnt.


      Hier findet sich eine Furtwängler-Diskographie, in der die Aufnahme vom 19.04.1942 erwähnt wird:

      my.dreamwiz.com/fischer/Furtwa…gler-discography.htm#No.9

      19th Apr. 1942, Philharmonie, Berlin
      with Berliner Philharmoniker, Bruno Kittel Choir, Erna Berger(S), Gertrude Pitzinger(A), Helge Rosvaenge(T), Rudolf
      Watzke(B)
      CD ; Archipel ARPCD 0270
      Notes by Y.Lee ] Newly discovered, and the eve concert of Hitler's 53rd birthday. Thanks to Dr. Sweeney &
      Mr. Lehtonen, and the famous Furtwängler expert Mr. Henry Fogel ascertain this performance is
      different from 22~24th Mar. Berlin live. See this link and an article by Mr. Fogel in Newsgroup
      (rec.music.classical.recordings). Special thanks to Mr. Lehtonen & Mr. U.Reicke, who corrected the
      error; not Tilla Briem but Erna Berger.


      :A Herzlichen Dank für den Hinweis! Ebenso an Amadé!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis