Beethovens Neunte, op. 125

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    • Hallo Forianer,



      Aase Nordmo-Lövberg, Christa Ludwig, Waldemar Kmentt, Hans Hotter, Philharmonia Chor, Otto Klemperer, 1957, Stereo

      Eben hörte ich die Neunte aus der EMI-Box, Das Philharmonia Orchestra unter Otto Klemperer! Mit einem Wort Fantastisch. Satz 1 und 2 eher langsam, auf alles achtend (deteilreich) und dennoch mit dem nötigen starken, dramatischen Ausdruck. Dann Satz drei, und da kam eine Überraschung! Wenn man dachte das oft so langsam gespielte Adagio würde hier unter Klemperer noch langsamer und deteilreicher gespielt, der irrt sich, er zieht genau hier im dritten Satz das Tempo an, was sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist, aber dennoch gut ankommt. Dann: Satz 4, mit dem anschließenden, gewaltigem "Ode an die Freude", einfach großartig, Klasse Chor, hinreißende Solisten. :engel
      Kurzum: Diese Aufnahme der Neunten reiht sich mühelos in meine Referenz-Einspielungen ein!




      Dieselbe Aufnahme, diesmal aber "nur" die neunte, gibts auch in einer Ausgabe von TESTAMENT.


      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Original von Amadé
      @ Daniel

      Es sind zwei verschiedene Aufnahmen, die Testament-CD ist ein Konzertmitschnitt. Die Studio-Einspielung entstand in unmittelbarer Nähe dazu.

      GRuß Bernd



      Ohh.... Danke!
      Würdest du die Liveaufnahme empfehlen?

      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Hallo!,
      nach längerer Pause schaue ich heute endlich wieder mal ins Forum und habe verschiedene interessante Sachen darin gefunden (ach, mehr Zeit müßte man haben!). Dabei habe ich festgestellt, daß es mir mit Beethoven recht ähnlich geht wie Satie (obwohl ich kein Berufsmusiker bin). Ich habe ihn in meiner Jugend wahrscheinlich auch zu oft gehört (allerdings leider selten life im Konzert); dagegen habe ich seine späten Streichquartette erst sehr viel später kennen und lieben gelernt ...
      Eine Bekannte, die im Chor singt und Beethoven von ihrer Warte aus beurteilt, urteilt sehr, sehr ungünstig über die Neunte, und speziell den Schlußchor (was aber eben auch wieder nur ein subjektiver Standpunkt sein kann).
      Wie dem auch sei - trotz meines leicht gespaltenen Verhältnisses zu Beethoven als Komponisten monumentaler Symphonien hat es mich aber sehr geärgert, daß in einer Spiegel-Reportage vor wenigen Jahren, als rückblickend von einer Aufführung der Neunten nach dem Fall der Mauer die Rede war, von Beethoven als "konservierter Größe" gesprochen wurde, während die wahren Helden des Tages die Liedermacher mit der Gitarre gewesen seien (kann sich da jemand an Genaueres erinnern?)
      Möglich (und wohl wahrscheinlich), daß der betreffende Journalist mit Klassik generell nicht viel am Hut hatte. Abgesehen davon, daß solches Gegeneinanderausspielen nichts bringt,
      sollten wir uns aber wohl eingestehen, daß die Neunte nun einmal ein "ganz großes" Werk ist, auch wenn nicht alle von uns damit jederzeit und ohne weiteres warm werden können.

      Herzliche Grüße,
      Sarastro
      "Ich hätte das nicht so gemacht!" (Kozeluch zu Mozart über ein Haydn-Quartett). "Ich auch nicht! Und wissen Sie warum? Weil weder Sie noch ich auf diesen Einfall gekommen wären."
    • @ Daniel
      Die live-Aufnahme ist, wie meist, lebendiger als die Studio-Einspielung, Du musst aber einige Publikumsgeräusche in Kauf nehmen.


      @ Sarastro
      Da hat Deine Bekannte nicht unrecht, vor allem die Soprane liegen stellenweise mehrere Takte lang sehr hoch, z. B. "Über Sternen muss er wohnen" 4 Takte lang sehr laut auf dem hohen g, dann nochmals 5 Takte lang auf demselben Ton nur sehr leise. Da muss die Stimme schon ganz locker geführt werden, sonst schnürts der Sängerin die Gurgel zu.

      Grüße Amadé
    • RE: Furtwängler und die 9.



      Aus dem Booklet:

      "Für diese Veröffentlichung wurde der Original-Bandmitschnitt des Bayerischen Rundfunks verwendet. Dieses authentische Dokument der Radioübertragung unterscheidet sich von der bislang erhältlichen Version der EMI, die ein anderes Klangbild und offensichtliche Schnitte und Korrekturen mit anderem Tonmaterial als dem der Aufführung vom 29. Juli 1951 aufweist. Beim Remastering wurde das Originalklangbild erhalten, wobei die Durchhörbarkeit deutlich verbessert wurde. Bandrauschen und andere Störungen, wie Klicks und Knacken, wurden so weit reduziert, dass das Originalklangbild nicht beeinträchtigt wurde. Alle klanglichen Veränderungen sind nach mehrmaligen Tests mit Leitung der Bayreuther Festspiele und ORFEO abgeklärt worden."

      Man würde gern mehr wissen. Woher stammt das "andere Tonmaterial", das EMI verwendet hat? Von der Generalprobe? Walter Legge hat bekanntermaßen öfter Schummeleien betrieben, die wahrscheinlich sogar gut gemeint waren … Der Orfeo-Klang ist zwar gut durchhörbar, aber nicht besonders warm.

      Zum Vergleich die Trackzeiten der EMI-GROC-Ausgabe und der neuen Orfeo-CD:

      EMI: 17.51 12.00 19.32 24.59

      Orfeo: 18.10 11.56 19.23 25.01

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      die CD ist heute eingetroffen, ich hoffe sie am Wochenende, wenn der op.61-Druck vorbei ist, intensiv hören kann. Das Legge und Furtwängler mit der Aufführung!! nicht zufrieden waren, habe ich weiter oben schon dargelegt. Was unmittelbar danach mit dem auf Band fixierten Ereignis klangtechnisch erfolgte, entzieht sich meiner Kenntnis. Die EMI-Veröffentlichung war für mich nie ein besonderer Edelstein im Furtwängler-Katalog, die Wiener Aufnahmen gefallen mir wesentlich besser. Dass Hurwitz Furtwänglers Neunten kritisch sah, war zu erwarten, er ist halt Engländer.

      Gruß Amadé
    • Original von Amadé
      Lieber Zelenka,

      die CD ist heute eingetroffen, ich hoffe sie am Wochenende, wenn der op.61-Druck vorbei ist, intensiv hören kann. Das Legge und Furtwängler mit der Aufführung!! nicht zufrieden waren, habe ich weiter oben schon dargelegt. Was unmittelbar danach mit dem auf Band fixierten Ereignis klangtechnisch erfolgte, entzieht sich meiner Kenntnis. Die EMI-Veröffentlichung war für mich nie ein besonderer Edelstein im Furtwängler-Katalog, die Wiener Aufnahmen gefallen mir wesentlich besser. Dass Hurwitz Furtwänglers Neunten kritisch sah, war zu erwarten, er ist halt Engländer.

      Gruß Amadé


      Lieber Amadé:

      Ich bin auf Deine Meinung zu der neuen Orfeo-Ausgabe sehr gespannt! Ich finde sie allein klanglich schon immer noch nicht sehr attraktiv.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      wir können dabei zusammenarbeiten. Ich habe die EMI-9. noch auf LP, Du wahrscheinlich auf CD. Falls Du einen Kopfhörer einsetzen kannst, bitte ich Dich Deine CD mit Kopfhörer abzuhören. Dabei kann man bei einer CD (besonders bei historischen Aufnahmen) Schnittstellen bemerken, wenn man aufmerksam zuhört, merke Dir genau wo. Bei dem Bayreuther Mitschnitt darf es keine Schnittstellen geben, da das Konzert nur 1 mal stattfand, also die Möglichkeit eines Zusammenschneidens, wie es heute Usus ist, nicht besteht. Die daraus resultierende Erkenntnis ist m.E. sehr wichtig in Bezug auf die zeitliche Fixierung der EMI-Veröffentlichung.

      Vielleicht kann auch ein anderer Forianer diesbezügliche Erkenntnisse hier bekannt machen.

      Gruß Amadé

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amadé ()

    • Original von Amadé
      Lieber Zelenka,

      wir können dabei zusammenarbeiten. Ich habe die EMI-9. noch auf LP, Du wahrscheinlich auf CD. Falls Du einen Kopfhörer einsetzen kannst, bitte ich Dich Deine CD mit Kopfhörer abzuhören. Dabei kann man bei einer CD (besonders bei historischen Aufnahmen) Schnittstellen bemerken, wenn man aufmerksam zuhört, merke Dir genau wo. Bei dem Bayreuther Mitschnitt darf es keine Schnittstellen geben, da das Konzert nur 1 mal stattfand, also die Möglichkeit eines Zusammenschneidens, wie es heute Usus ist, nicht besteht. Die daraus resultierende Erkenntnis ist m.E. sehr wichtig in Bezug auf die zeitliche Fixierung der EMI-Veröffentlichung.

      Vielleicht kann auch ein anderer Forianer diesbezügliche Erkenntnisse hier bekannt machen.

      Gruß Amadé


      Ich werde meine Kopfhörer überstülpen! Auch aus anderen Gründen.

      , Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Rachmaninov
      Original von Zelenka


      Ich werde meine Kopfhörer überstülpen! Auch aus anderen Gründen.

      , Zelenka


      Was für ein klasse Smiley.


      Ich habe es von Emma geklaut (im Geradehörfaden) ... Ich hoffe, sie verzeiht es mir. Ich fand es putzig.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Zu Furtwänglers Bayreuther Neunten von 1951 und seiner Luzerner von 1954 (und ihrem neuen Transfer bei Music & Arts) vgl. hier.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Beethoven 9. Bayreuth 1951 Furtwängler

      Hallo Zelenka und ihr anderen Beethoven-Freunde,

      ich habe in den vergangenen Tagen die neue Orfeo-Ausgabe mit der EMI-Veröffentlichung, die ich noch auf LP besitze, sehr eingehend miteinander verglichen, manche Stellen musste ich immer wieder noch einmal hören, um mir letzte Klarheit zu verschaffen.
      Unter der Prämisse, beide Tondokumente sind zu verschiedenen Zeiten, also am 28.07. (Generalprobe) und 29.07.(Aufführung) aufgenommen worden, müssten Stellen auszumachen sein, die bei der einen Aufnahme anders klingen als bei der anderen, spieltechnisch besser bzw. schlechter gelungen sind, oder das Tempo differiert. Auch Nebengeräusche und Huster müssten verglichen werden. Das trifft tatsächlich in den Sätzen 1 bis 3 zu.
      Nebengeräusche, Huster:
      Die EMI-Aufnahme wurde technisch aufgearbeitet, vermutlich sogar mehrmals. Störgeräusche sind nur selten zu hören, auf der Orfeo-CD dagegen immer wieder (ohne dass sie meinen Hörgenuss schmälern). Vermutlich sind sie bei der Orfeo-CD, die laut Booklet das Original-Rundfunkband wiedergibt, nicht eleminiert worden. Das bedeutet, Störgeräusche auf der EMI-LP müssen auch auch bei der selben Stelle auf der Orfeo-CD auftreten. Im 1. Satz habe in Takt 41 eine Störung, in T.76/77 Huster, in T.102/103 wieder eine Störung vernommen, diese müsste auf der Orfeo-CD ebenfalls zu hören sein, das ist aber nicht der Fall.
      Spieltechnische Hinweise:
      1.Satz: Der Einsatz des 1. Fagotts ist bei EMI in T.178/179 kaum zu hören, bei Orfeo hört man ihn gut.
      2.Satz: Bei EMI ist das Motiv, das unmittelbar nach der Pauke folgt, rhythmisch ungenau, bei Orfeo wie es sein soll. Diese Ungenauigkeit tritt auch bei der Wiederholung nach dem Trio auf, der Verdacht drängt sich auf, dass der Anfang nach dem Trio hineingeschnitten wurde.
      3.Satz: Einsatz der 1.Violine bei T.43, er beginnt mit einem Vorschlag, dieser kurze Moment klingt in beiden Aufnahmen unterschiedlich. Letzter Takt: bei Orfeo setzt die Flöte auf 2 etwas zu früh ein, bei EMI stimmt es.

      Nach dem Vergleich der beiden Aufnahmen komme ich zu dem Schluss, dass für die Sätze 1 bis 3 zumindest in Teilen verschiedenes Aufnahmematerial herangezogen wurde. Im 4. Satz konnte ich keine Abweichungen feststellen. Für diese These sprechen auch die unterschiedlichen Laufzeiten, die Zelenka weiter oben angegeben hat.

      Die Unterschiede im Klangbild der beiden Aufnahmen sprechen jedoch nicht dafür. Orfeo greift auf das Originalband des Bayerischen Rundfunks zurück, EMI nach meinem Dafürhalten nicht. 1951, im Anfangsjahr von Neu-Bayreuth hatten sich mit Zustimmung von Wieland und Wolfgang Wagner zwei Schallplattenfirmen zu Aufnahmen auf dem Grünen Hügel eingefunden: Die englische Columbia mit Walter Legge und seinem Team sowie die englische Decca, die vertraglich mit der deutschen Telefunken-AG verbunden war, unter Führung von John Culshaw. Waltere Legge hatte sich vertraglich ausbedungen, die Meistersinger und den Ring mit Karajan sowie die Proben (!) aufnehmen zu dürfen. Bei den Aufnahmen sich heraus, dass das Decca-Team in Bezug auf den Klang teilweise die Nase vorn hatte. Außer den Mitschnitten bei Proben und Aufführungen nahm der Bayerische Rundfunk mit eigenen Mikrophonen (!) die Werke auf und übertrug sie direkt oder zeitversetzt. Das bedeutet, dass das klangliche Resultat unterschiedlich ausfallen musste, da verschiedene Mikrophone und Bandmaterialien im Einsatz waren.
      Die EMI-Aufnahme, zumindest meine LP, die ich vor Beginn des Digitalzeitalters erworben habe, klingt stumpf, topfig, die Mitwirkenden sind entfernt zu orten. Die Orfeo-CD, die das Band des BR nutzt, klingt dagegen hell und sehr präsent und hat ein viel farbigeres Klangbild.

      Mit letztendlicher Gewissheit kann die Frage, ob es sich bei EMI um dieselbe Aufnahme wie die des BR handelt, nur von Toningenieuren beantwortet werden, die Erfahrungen mit der Restaurierung historischer Aufnahmen erworben haben.

      Bei der aufreibenden Beschäftigung mit EMI und Orfeo/BR konnte ich so nebenbei wieder einmal erfahren, mit welcher Intensität Furtwängler damals arbeitete, z.B. das Orchesterzwischenspiel nach dem Tenorstück „Froh wie seine Sonnen..“ bis zu „Freude schöner...“, wer hat das jemals so eindringlich dargestellt?

      Österliche Grüße
      Amadé
    • Ihr Lieben,

      ich habe am Wochenende meine letzten Neuerwerbungen in Sachen Beethoven Symphonie Nr. 9 d-moll op. 125 gehört


      Anima Eterna
      Anna-Kristiina Kaappola, Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer, Thomas Bauer / Jos van Immerseel


      Berliner Philharmoniker / Swedish Radio Choir, Eric Ericson Chamber Choir /
      Karita Mattila, Violeta Urmana, Thomas Moser, Thomas Quasthoff / Claudio Abbado
      Aufnahme vom April/Mai 2000
      Hierbei scheint es sich um eine Neuabmischung der Aufnahme zu handeln, die schon in der Box mit den Aufnahmen aus der Philharmonie veröffentlicht wurde.
      Alle anderen Symphonien in der oben gezeigten Box wurden 2001 in Rom aufgezeichnet.

      Bei der Gelegenheit habe ich auch noch mal wieder eine weitere Aufnahmen gehört:


      Orchester der Bayreuther Festspiele / Chor der Bayreuther Festspiele
      Elisabeth Schwarzkopf, Elisabeth Höngen, Hans Hopf, Otto Edelmann / Wilhelm Furtwängler

      sowie heute am Nachmittag diese:


      Orchestre Révolutionaire et Romantique / The Monteverdi Choir
      Luba Orgonasova, Anne Sofie von Otter, Anthony Rolfe Johnson, Gilles Cachemaille / John Eliot Gardiner

      Abbado und van Immerseel haben mir ausgesprochen gut gefallen, aber auch die unter Gardiner kann ich gut hören. Erstaunlicherweise kommen mir die Unterschiede zwischen Abbado und van Immerseel geringer vor als die zwischen diesen beiden Aufnahmen und Gardiner. Erstaunt hat mich im direkten Vergleich Abbado/van Immerseel das Tempo bei Abbado, und da ich es nicht glauben konnte, hier mal die Zeiten:

      Abbado: 14'19 / 13'02 / 12'50 / 22'04 (5'37/16'27)
      Gardiner: 13'05 / 13'08 / 12'05 / 21'25 (5'30/15'66)
      Immerseel: 15'05 / 13'28 / 12'26 / 23'45 (6'10/3'26/10'13/3'56)

      Zum Vergleich Furtwänler:
      18'10 / 11'56 / 19'23 / 25'01

      Um sicher zu gehen, daß sie alle das Gleiche spielen, habe ich mir das erste mal seit meiner Schulzeit meine alte Eulenberg-Taschenpartitur geschnappt und mitgelesen. Abbado, Gardiner und van Immerseel lassen alle Wiederholungen im zweiten Satz spielen, Furtwängler verzichtet auf eine Wiederholung (ich habe das so lange nicht mehr gemacht, daß ich mindestens drei Anläufe gebraucht habe und mir Zettel an die div. Wiederholungen und Klammern kleben musste, um nicht total durcheinander zu kommen; hat aber Spaß gemacht).

      Ich habe jetzt nicht versucht, nachzuvollziehen, wer sich exakt an die Metronomangaben hält, ich finde jedoch die drei erstgenannten jede für sich absolut stimmig, keine Aufnahme kommt mir gehetzt vor. Fürtwängler ist mir zu langsam, alles zu bombastisch und für mein Geschmack irgendwie statisch. Das stört micht dann fast noch mehr als die Aufnahmequalität mit all den Nebengeräuschen, Hustern etc. Zu dieser Aufnahme werde ich daher für den Moment nichts weiter schreiben.

      Die Orchester sind bei Abbado, Gardiner und Immerseel absolut top, ebenso der Chor (bzw. Chöre bei Abbado). Das Solistenquartett scheint mir bei Abbado insgesamt schon noch ein wenig besser. Bei Gardiner ist im vierten Satz das "Allegro assai vivace - Alla Marcia" (Marcia alla Turca) viel weniger markig und laut, was dem Ganzen ein wenig vom marschmäßigen nimmt.

      Ich finde es immer wieder schwer, bei einem so komplexen Werk alle Eindrücke in Worte zu fassen, daher lasse ich es dabei auch bewenden. Vielleicht nur noch soviel:

      für mich hat Abbado die Nase knapp vor van Immerseel. Gardiner bleibt da etwas auf der Strecke, ohne daß ich sie damit als nicht absolut hörenswert bezeichnen würde.

      Viele Grüße,
      Wolfgang
      Wir sollten uns nicht brüsten, der Gipfel der Evolution zu sein, sondern uns daran freuen, eine Art Freak der Natur zu sein.
      So etwas wie uns wird die Evolution nie wieder hervorbringen. (Paul Sereno, Paläontologe)
    • Vorweg : Ich bin mit Sicherheit kein Experte, sondern rede nur über persönliche Vorlieben und Geschmack.

      Ich habe die Neunte bisher von Bernstein und von Karajan dirigiert gehört, und mein Favorit ist ganz klar Karajan. Wenn ich Bernsteins Version höre, schlafe ich beinah ein ;)
      Ich habe nur einen sehr begrenzten Einblick ins Forum (habe mich heute erst angemeldet), aber scheinbar ist Karajan nicht besonders hoch geachtet unter den hier anwesenden Kennern. Welche Gründe gibt es dafür (ganz neutral gefragt) ? Für mich persönlich sind Beethoven und Karajan ein göttliches Gespann. Ich lasse mich aber auch gern eines Besseren belehren, und höre gern unvoreingenommen in andere Versionen hinein (sofern es sie auf youtube gibt ^^)

      Auf jeden Fall ist die Neunte in meinen Augen die Vollkommenheit der menschlichen Schaffenskraft. Auf youtube (klar, der Klang ist Mist) :

      (Part 1) : youtube.com/watch?v=O2AEaQJuKDY&feature=related
      (Part 2) : youtube.com/watch?v=cSEqQsAXbJw&NR=1
      Wenn ich beim zweiten Teil Karajans Gesicht bei 30:11 anschaue, dann sehe ich Beethovens Geist...

      Denkt ihr auch so ?
      Ich möchte, daß Musik um der Musik willen gehört wird.

      (Herbert von Karajan)
    • Hallo Clockwork,

      willkommen im Forum!
      Original von ClockworkOrange
      Vorweg : Ich bin mit Sicherheit kein Experte, sondern rede nur über persönliche Vorlieben und Geschmack.

      Ich habe die Neunte bisher von Bernstein und von Karajan dirigiert gehört, und mein Favorit ist ganz klar Karajan. Wenn ich Bernsteins Version höre, schlafe ich beinah ein ;)
      Ich habe nur einen sehr begrenzten Einblick ins Forum (habe mich heute erst angemeldet), aber scheinbar ist Karajan nicht besonders hoch geachtet unter den hier anwesenden Kennern. Welche Gründe gibt es dafür (ganz neutral gefragt) ? Für mich persönlich sind Beethoven und Karajan ein göttliches Gespann. Ich lasse mich aber auch gern eines Besseren belehren, und höre gern unvoreingenommen in andere Versionen hinein (sofern es sie auf youtube gibt ^^)

      Auf jeden Fall ist die Neunte in meinen Augen die Vollkommenheit der menschlichen Schaffenskraft. Auf youtube (klar, der Klang ist Mist) :

      (Part 1) : youtube.com/watch?v=O2AEaQJuKDY&feature=related
      (Part 2) : youtube.com/watch?v=cSEqQsAXbJw&NR=1
      Wenn ich beim zweiten Teil Karajans Gesicht bei 30:11 anschaue, dann sehe ich Beethovens Geist...

      Denkt ihr auch so ?


      Das HvK hier im Forum pauschal "nicht besonders hoch geachtet" ist, glaube ich nicht. Allerdings ziehen sicher einige Mitglieder – und dazu zähle ich in jedem Fall – andere Dirigenten mit einem andern Ansatz und anderen Vorstellungen, wie viele Werke klingen sollen, deutlich vor. Ich finde nicht, daß man hier nur Ablehnung lesen kann.

      Gruß,
      Wolfgang
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