Bachs Kunst der Fuge

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    • Bachs Kunst der Fuge

      Liebe Forianer,
      angesichts Nikolaus' Neuerwerbungen habe ich mir ebenfalls erneut Bachs "Kunst der Fuge" zu Gemüte geführt undjetzt doch spontan das Bedürfnis, einen Thread dazu zu eröffnen. Eine langwierige Einführung möchte ich mir ersparen, nur kurz einige Bemerkungen dazu:

      Die "Kunst der Fuge" BWV 1080 ist Bachs letztes Werk, über der letzten Fuge ist Bach verstorben, wie sein Sohn Carl Philipp Emanuel in seiner Handschrift vermerkte, die Fuge bleibt Fragment. Ein wenig unheimlich mutet diese Schlussfuge an, da das letzte Thema die Töne B-A-C-H verwendet.

      Spekulationen hierzu bieten sich zwar an, will ich aber jetzt mal beiseite lassen.
      Eine recht ausführliche Beschreibung findet sich hier:
      de.wikipedia.org/wiki/Die_Kunst_der_Fuge

      Das Werk darf man im Zusammenhand mit Bachs "Musikalischem Opfer" sehen, ebenfalls ein ganz spätes Werk (BWV 1079), welches ein einziges Thema als Grundlage für eine Sammlung von Fugen und Kanons benutzt. In der "Kunst der Fuge" (der Titel stammt von Bach selbst) werden verschiedene kunstvolle Möglichkeiten der Arbeit mit einem vorgegebenen Thema gezeigt. Das Thema:



      Die große Kunst besteht vorerst darin, ein Thema zu finden, mit dem man möglichst viel machen kann. Bach benutzt das Thema in der Grundgestalt, wie oben gezeigt, aber auch gespiegelt:



      Die Abbildung zeigt das Thema rhythmisch leicht verändert, zuerst in gespiegelter Form, also so, dass alle Intervalle umgedreht sind (was rauf geht, geht runter und umgekehrt, oder in Tonschritten, vereinfach ausgedrückt: wenn das Thema so ist: 5 Töne nach oben - 3 nach unten - 3 nach unten - 1 nach unten etc., dann ist die Spiegelung: 5 nach unten - 3 nach oben - 3 nach oben - 1 nach oben etc.). Die Schwierigkeit besteht darin, ein Thema so zu gestalten, dass es gleichzeitig in beiden Formen funktionieren kann, ohne irgendwo zu seltsamen Zusammenklängen zu führen.
      So auch in dieser Spiegelfuge:


      Dass Bachs Musik trotz solch festgelegter thematischer Spielereien schön und poetisch ist, erstaunt mitunter. Noch extremer ist es, wenn aus einem normalen Kanon ein Augmentationskanon wird. Ein Thema kommt in der einen Stimme im normalen Tempo, in einer anderen im doppelten oder halben. Als ob jemand normal spricht:
      Guten Tag
      ein anderer dazu viel langsamer
      G u t e n T a g

      Zusammen ergibt sich eine Verschiebung:
      Guten Tag
      G u t e n T a g
      Und trotzdem klingt es zusammen wunderbar. All das geht mit Bachs einmal gewähltem Thema wunderbar.

      Von der Anlage her ist das Werk so, dass es aus 18 (Handschrift) oder 19 (Erstdruck) Fugen und Kanons besteht:
      Zitat Wikipedia:

      * Contrapunctus 1 - 4 (Einfache Fugen, je zwei über das Originalthema und seine Umkehrung)
      * Contrapunctus 5 - 7 (Gegenfugen mit Vergrößerung und Verkleinerung des Themas und seiner Umkehrung)
      * Contrapunctus 8 - 11 (Fugen mit zwei und drei Themen)
      * Contrapunctus 12 und 13 (Spiegelfugen, d.h. die im zweiten Teil vollständig umgekehrt werden)
      * Vier Kanons
      * Abschließende Quadrupelfuge

      Der Erstdruck lässt Contrapunctus 10 von seiner Frühfassung folgen und schiebt vor der Schlussfuge noch eine Bearbeitung des original dreistimmigen Contrapunctus 13 (der zweiten Spiegelfuge) „a 2 Clav.““ ein.


      Viele Aufnahmen hängen am Schluss (weil das letzte Stück ja nicht fertig ist) eine im Druck eingefügte Fassung des Chorals "Wenn wir in höchsten Nöthen sein" an, was eigentlich ein ziemlicher Quatsch ist, da der Choral mit den anderen Stücken nichts zu tun hat.

      Bei Aufnahmen gilt also bereits hier zu unterscheiden:
      a) nur die ursprünglichen Stücke oder auch der Choral?
      b) das letzte Stück als Fragment oder in einer verkürzten/ verlängerten Fassung (das dürfte eher selten der Fall sein)?

      Natürlich ist die wohl hitzigste Frage die nach der Instrumentation. Zwar lässt sich alles auf dem Klavier, Cembalo oder der Orgel spielen, doch hat Bach alle Sätze (außer dem letzten) auf einzelnen Systemen notiert, ohne Angabe zu Instrumenten. Das eröffnet der Interpretation gewaltigen Raum, von der ganz konzentrierten Cembalovariante bis hin zu fantasievoll instrumentierten Fassungen, die alle ihren Reiz haben können.
      Mir gefällt zur Zeit diese Aufnahme ganz außerordentlich:


      La Grande Ecurie & La Chambre Du Roy
      Direction: Jean-Claude Malgoire
      K617

      Wie steht ihr zu dem Werk und welche Aufnahmen gefallen euch am besten?

      Herzliche Grüße,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Ich muss zugeben, dass ich mich mit dem Werk überhaupt noch nicht beschäftigt habe; deshalb kann ich nichts beitragen und nur eine Frage loswerden:

      Dass Aimard Soloklavier - und wie ich ihn einschätze ein modernes Instrument - spielt und die Kellers als Quartett auftreten ist ja nur mittelschwer zu erraten. Die Grand Ecurie @ Chambre du Roy ist dann eine größere Besetzung? Da Satie die Einspielung mag: mit alten Instrumenten? Irgendwie bringe ich das Ensemble mit Händel in Verbindung - eine Aufnahme mit Chor und/oder Vokalsolisten?

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Lieber Henning,
      tatsächlich hatte ich vergessen, das zu erwähnen. Es ist ein Instrumentalensemble, bestehend aus Instrumenten, wie sie zu Bachs Zeit verfügbar waren, also Streicher, Cembalo, Oboen, Fagott. Dabei sind manche Sätze sehr orchestral gesetzt (aber grundsätzlich solistisch), andere auch mal nur mit Cembalo realisiert, ein Kanon durchaus auch mal nur mit zwei Violinen.
      Bei dieser Aufnahme ist das bei den orchestral gesetzten Fugen etwas freier: nicht immer spielt ein Instrument immer eine Stimme, sondern es kann zum Beispiel bei einem Zwischenspiel einen Instrumentationswechsel geben, was ich sehr reizvoll finde.
      Ja, es sind historische Instrumente.
      Das Ensemble hat auch Händels Dauerhits, die Feuerwerks- und Wassermusik eingespielt, wie ich gesehen habe, aber auch einige Opern (etwa Lullys Alceste).

      Die Kunst der Fuge ist zweifellos in der Fassung für Cembalo allein sagen wir mal "am schwersten verdaulich", eben weil immer wieder dasselbe Thema variiert wird. Gerade das ist aber bei näherer Beschäftigung natürlich das Interessante daran. Mir gefällt grundsätzlich beides, im Moment mag ich aber die farbigere Variante lieber.

      Herzliche Grüße,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Lieber Nikolaus,
      das ist bei Aimard zu erwarten gewesen, auch Malgoire macht das so. Wer würde sich auch zutrauen, so eine komplizierte Fuge fertigzuschreiben?
      Die letzte ist ein Fragment und wird daher auch so gespielt. Man könnte theoretisch aufhören, bevor diese letzten Achtel losgehen, die dann nicht mehr weitergehen, aber das wäre auch seltsam. Mir persönlich gefällt es als Fragment sehr gut. Beim Hören versuche ich immer, die Linie weiterzuführen (in Gedanken) manchmal habe ich eine Idee, wie es klingen könnte, manchmal nicht.
      Da ich die Aimard-Aufnahme nicht kenne (nur in Auszügen): geht er denn dynamisch etwas zurück, damit der Schluss nicht ganz so hart ist? Oder bricht es ganz unvermittelt ab? Bei der Malgoire-Aufnahme ist es etwas dezenter, wird ein wenig leiser, aber nicht langsamer, so dass man erst einmal den Puls quasi weiterfühlt aber nicht total erschrickt...

      Jedenfalls: absolut normal, dass das so aufhört, offenbar hatte man aber beim Erstdruck auch Angst und deshalb den Choral eingefügt, der dann alles schön in Dur schließen lässt. Auch das ist verständlich: wer wünscht sich nicht ein Happy End?

      Herzlich,
      S A T I E
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      Harry Partch
    • Lieber Satie!

      Original von Satie
      ...
      Da ich die Aimard-Aufnahme nicht kenne (nur in Auszügen): geht er denn dynamisch etwas zurück, damit der Schluss nicht ganz so hart ist? Oder bricht es ganz unvermittelt ab? Bei der Malgoire-Aufnahme ist es etwas dezenter, wird ein wenig leiser, aber nicht langsamer, so dass man erst einmal den Puls quasi weiterfühlt aber nicht total erschrickt...



      Sowohl Aimard als auch das Keller Quartett nehmen sich zum Ende hin ganz wenig zurück, so dass der Abbruch nicht ganz so krass ist.
      Bei Aimard klingt allerdings der letzte Ton kaum nach, während beim Keller Quartett , sicherlich auch aufnahmetechnisch bedingt - eine angenehm "hallige" Akkustik - man dem letzten Ton noch nachhören kann: sehr eindrucksvoll.

      Noch ein paar Worte zum Keller Quartett:
      Für mich, der ich das Werk ja kaum kenne, ist das eine grandiose Aufnahme.
      Hier Auszüge aus dem Booklet (Text geschrieben von Hans-Klaus Jungheinrich):
      "... Das ungarische Keller Quartett geht denn auch auf andere, sozusagen experimentelle Weise an Bachs Kunst der Fuge heran. Es spielt ohne auffälliges Vibrato, ..."
      "... Dabei kommen auch "Klanggeräusche" nicht zu kurz: jene Passagen vor allem in den Fugen-Zwischenspielen, die dem freien Auslauf der Phantasie gelten, bevor diese wieder durch strenge Fugen-Durchführung gebunden wird. Das Moment der Freiheit, das die Gesamtkonzeption der Kunst der Fuge bedeutsam durchwirkt, wird von den Interpreten auch noch in anerer Beziehung nachdrücklich beherzigt: bei der Tempowahl. Daß Bach eine riesige Instrumentalkomposition aus vielen Sätzen in einer einzigen Tonart ablaufen lässt (d-moll), verführt viele Wiedergebende zu einem gleichbleibenden Tempo für alle Sätze - eine in ihrer Monotonie zwar grandiose, im Endeffekt aber tödlich "monotone" Lösung. ...; es (das Keller Quartett) spielt alle Stücke in sehr unterschiedlichen Zeitmaßen, von extrem ruhig bis beschwingt und viruos, und dabei werden auch einfache Tempo-Proportionen (z.B. rasches Zeitmaß genau doppelt so schnell wie langsames) souverän weggefegt. Lebendigkeit, Farbigkeit, emotionale Mitteilsamkeit sind Richtschnur dieser Vergegenwärtigung, die deutlich auch mit dem "utopischen" Potential des Werkgehalts "spielt", indem sie z.B. Beethoven-Assoziationen (etwa beim punktierten Rhythmus der 2. Fuge) nicht scheut. Es ist ja bekannt, wie gründlich sich der späte Beethoven gerade mit der Kunst der Fuge beschäftigte. ..."

      Ich weiß zwar nicht, ob das ganze in eine zu freie Wiedergabe ausufert, aber in sich stimmig ist die Aufnahme auf jeden Fall.

      Gruß, Nikolaus.

      P.S.: Habe ich es richtig verstanden, dass eine Tripel- bzw. Quadrupel-Fuge sozusagen aus drei bzw. vier "Themen" besteht. Und was ist richtig: ist die letzte Fuge eine Quadrupel-Fuge, wie Du es schreibst, oder eine Tripel-Fuge, wie im Booklet der Keller Quartett-Aufnahme beschrieben?
    • Original von nikolaus


      P.S.: Habe ich es richtig verstanden, dass eine Tripel- bzw. Quadrupel-Fuge sozusagen aus drei bzw. vier "Themen" besteht. Und was ist richtig: ist die letzte Fuge eine Quadrupel-Fuge, wie Du es schreibst, oder eine Tripel-Fuge, wie im Booklet der Keller Quartett-Aufnahme beschrieben?


      Lieber Nikolaus,
      Du hast gut beobachtet! Ich habe mich geirrt! Die letzte geschriebene Fuge ist eine Tripelfuge. Anscheinend wollte Bach danach noch eine Quadrupelfuge schreiben, verwechselte aber leider vorher das Zeitliche mit dem Ewigen und kam daher nicht mehr dazu.
      Und Du hast richtig verstanden: eine Tripelfuge hat drei, eine Quadrupelfuge vier Themen.


      Herzlich,
      S A T I E
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      Harry Partch
    • @Satie,

      danke für diese Thread.

      Die Faszination für Bach's Kunste der Fuge manifestiert sich für mich aus vielen Aspekten.

      Hier ist einerseits meine Vorliebe für alles Mathematische und in einer gewissen Weise hat es ja schon ein wenig mit Mathematik zu tuen wieviele theoretische Möglichkeiten es eigentlich überhaupt geben kann aus einem Thema überhaupt eine gewisse Anzahl Variationen zu erzeugen bzw. zu entwickeln.

      Desweiteren zeigt sich in der KDF für mich die Einzigartigkeit des Komponisten Bach. Es muß eine sehr intensive menschliche Leistung gewesen sein, die es seinem Genius ermöglicht hat diese Werk zu schaffen.

      Alleine beim Hören des Werks fällt mir immer wieder auf wie sich die Fugen in ihrer Komplexität steigern und alleine den Struklturen und den Einfällen Bach's zu folgen ist nicht gerade eine ganz so einfach Übung. Aber dieses alles zu ersinnen.

      Für mich stellt sich die Frage der Instrumentierung eher weniger. Dieses Werk erscheint mir universal. Daher kann es auch mit jeder Instrumentierung gespielt werden und "funktioniert" auch in jeder Instrumentierung. Ob Klavier, Streichquartett oder wie auch immer, es sind eher persönliche Vorlieben, die hier den Ausschlag geben als andere Argumente.

      Tja, leider ist Bach über diese Arbeit verstorben. Allerdings, wenn ich mich recht erinnere, war es nicht so, daß er nicht mehr all zu viel Zeit hatte zwischen seinen letzeten Schriften bis zum Tod. Habe schon öfters darüber nachgedacht welchen Grund es dafür gegeben haben mag.
      Bin mir nicht sicher ob Bach selber einfach nicht mehr die Kraft hatte, oder ob er hier selber eventuell keine weitere Steigerung oder Lösung mehr entwickeln konte.

      Du hast ja selber oben geschrieben: "Wer mag diese letzte Fuge weiter schreiben..?"
      Nun, vielleicht vermochte dies nicht einmal JSB? Spekulation, wilde Spekulation, aber ich denke was auch immer der Grund sein mag, man würde sich an diesem Wekr vergehen würde ma sich anmaßen über das hinaus zu gehen was Bach selber hinterlassen hat!
      ___

      Jedenfalls erscheint mir die KDF als eins der wesentlichen Werke in Bach's Schaffen. Wenn man die KDF kennt, dann hört man vieles in seinen anderen Werken viel bewußter. Dann wird einem viel klarer welche Kunst des Komponierens sich durch sein Schaffen zieht. Ich kann jedenfalls nur empfehlen einmal die KDF zu hören und dann die Violinkonzerte Bach's. Ein Aha-Erlebnis!

      Übrigends hatte ich mir auch die Frage gestellt wo man diesen Thread einstellen könnte. Denke aufgrund des universalen Charakters ist es hier bei der Instrumentalmusik am besten!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: Bachs Kunst der Fuge

      Vielen Dank, Satie, für diesen sehr erhellenden Faden.

      Nachdem ich mir unter Opfern endlich das Musikalische Opfer (mit Hilfe der Kuijken-Familie) erkämpft habe und reichlich belohnt wurde, komm ich nun wohl nicht mehr drum herum, mir diesen Brocken vorzunehmen.
      Um über die Geburtswehen leichter hinwegzukommen, möchte ich gerne eine klanglich reizvolle Kombination hören. Nun berichtet Wikipedia von einer

      exotisch anmutenden Kombination (Oboe, Akkordeon und Fagott).

      Das wäre genau das Richtige! Leider bringt mich die übliche Googelei nicht weiter. Wer kennt diese Aufnahme?
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • RE: Bachs Kunst der Fuge

      Lieber Dox,
      ich habe hier eine Aufnahme mit Saxophonquartett gefunden:

      Die Kunst der Fuge BWV 1080 für Saxophonquartett

      Detailinformationen
      New Century Saxophone Quartet
      Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
      * Label: Channel , DDD, 2004
      * Bestellnummer: 3599347 (JPC)

      dann noch mit Bläserquintett:

      Die Kunst der Fuge BWV 1080 f. Bläserquintett
      Detailinformationen
      Calefax Reed Quintet
      * Label: MDG , DDD, 00
      * Bestellnummer: 2242619 (JPC)

      Etwas exotischeres konnte ich nicht finden.
      Das Bläserquintett funktioniert recht gut! Das Saxophonquartett scheint mir hingegen doch etwas gewagt... naja, für manchen klingt ja Bach wie Jazz...also passt zu einem schönen Jack Daniels on the rocks und einer guten filterlosen Gauloise. Ansonsten würde ich da doch eher zu einer anderen raten...
      Recht exzentrisch klingt auch die hier:

      Viotta Ensemble, De Vriend

      * Label: Ottavo , DDD, 2003/2004
      * Bestellnummer: 8680661 (JPC)

      Das Arrangement ist recht eigenwillig, teilweise mitten in der melodischen Phrase ein Instrumentenwechsel...sehr eigen...ja, die Holländer wieder...
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • RE: Bachs Kunst der Fuge

      Original von Satie
      Das Arrangement ist recht eigenwillig, teilweise mitten in der melodischen Phrase ein Instrumentenwechsel...sehr eigen...ja, die Holländer wieder...


      Interessant ist auch das Arrangement für Blechbläser von Canadian Brass:



      Allerdings fehlen bei dieser Einspielung die zweistimmigen Kanons, und auch hier wechselt öfter mal mitten im Stück das Instrument (zwischen Trompete und Horn, Horn und Posaune oder Posaune und Tuba), was das Verfolgen der einzelnen Stimmen etwas erschwert.

      Viele Grüsse
      Andreas
    • RE: Bachs Kunst der Fuge

      Original von Satie
      Lieber Dox,
      Das Bläserquintett funktioniert recht gut! Das Saxophonquartett scheint mir hingegen doch etwas gewagt... naja, für manchen klingt ja Bach wie Jazz...also passt zu einem schönen Jack Daniels on the rocks und einer guten filterlosen Gauloise. Ansonsten würde ich da doch eher zu einer anderen raten...
      ´

      Lieber Satie,
      danke für die Hinweise.

      Randbemerkung: Das Saxophon wird zwar immer sofort mit Jazz assoziert, das liegt meiner Meinug nach aber nicht am Klang des Instruments, sondern an der Intonation der Jazz-Musiker. Wenn ich mir die spärliche Konzertliteratur - z.B. Debussys Rhapsodie pour Orchestre e Saxophone Alto (1903) - anhöre, bei der klassisch rein intoniert wird, dann stellt sich absolut kein Bezug zum Jazz ein. (Außer dass ich immer genervt bin, weil ich vergeblich darauf warte, dass der Solist endlich mal "richtig" in sein Instrument reinbläst :ignore ).
      Deswegen kann die o.g. Aufnahme durchaus klassisch klingen - und dann braucht man sich auch nicht nebenher die Gesundheit zu ruinieren. :cool
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • RE: Bachs Kunst der Fuge

      Lieber Dox,
      sie KÖNNTE durchaus klassisch klingen, tut sie aber nicht. Dazu müsste der Ton gerader sein. Ich habe keine Vorurteile gegenüber dem Saxophon und schätze es durchaus. Die Hörproben jedenfalls schienen mir zu wattiert und vom Ton her zu wacklig, was bei mir dann eher diese Assoziation weckte. Das nur zur Klarstellung.. :beer

      @tranquillo:

      WELCOME TO THE CLUB!
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      Harry Partch

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Satie ()

    • Ich habe mich jetzt mal durch die Quintett-Aufnahmme geschnipselt. WOW!
      Ich habe Normalbesetzung (etwa: Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn) erwartet. Aber das Calefax Ensemble ist wirklich exotisch: Oboe, Klarinette, Baßklarinette, Saxofon und Fagott. Damit ist aus dem Hinweis ein ganz heisser Tip geworden :thanks und ich muss jetzt schnell nach einer Ausrede suchen, die das neuerliche Päckchen erklärt, sonst...
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Streichquartettfassung

      Bei mood, dem Eigenlabel von Zweitausendeins, gibts eine Streichquartettfassung der Kunst der Fuge, die das Modern String Quartet spielt. Dies ist eine Streichquartettformation, die sonst Jazz oder (gefällige) moderne Musik spielt. Ich bekam sie vor Jahren geschenkt. Laut Eigenwerbung haben sie „ein frisches, unbekümmertes und vor allem unakademisches Verhältnis zu Bach“ In der Süddeutschen rezensierten sie einst: "Vom ersten Ton an faszinierte das Spiel des Quartetts. Die Kunst, ein Publikum 1 1/2 Stunden aufs Äußerste zu fesseln.“
      Ich kann dazu nur sagen, dass ich sie mir äußerst selten anhöre. Das geht nicht unwesentlich darauf zurück, dass sie klanglich recht enttäuschend ist, aber auch, dass sie musikalisch angejazzt spielen. Sprich: Etwas für Jazz-Fans oder solche, die das Balansecu-Quartett oder Michael Nyman lieben.




      Ich warte darauf, dass das Hagen Quartett eine Einspielung vorlegen wird. Derzeit touren sie ja bereits damit. Noch klingt das Werk bei ihnen unausgegoren, aber bereits so im Anfangsstadium hat es mich wesentlich tiefer berührt als alle anderen Streichquartettfassungen, die ich von Kremer oder Borciani über Juilliard und Keller bis Delme und Emerson gehört habe.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von Dox Orkh
      Ich habe Normalbesetzung (etwa: Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn) erwartet. Aber das Calefax Ensemble ist wirklich exotisch: Oboe, Klarinette, Baßklarinette, Saxofon und Fagott.

      Naja - es ist halt ein "Reed Quintet", da passen Flöte und Horn nicht so recht hinein. Ich kann mir aber vorstellen, dass man bei dieser Besetzung mit fünf doch sehr charakteristischen Klangfarben die einzelnen Stimmen gut heraushören kann.

      Hier zur Abwechslung mal eine Aufnahme mit dem Instrument, für das Bach die Kunst der Fuge komponiert hat:



      Die Kunst der Fuge lässt sich ohne irgendwelche Veränderungen auf einem Cembalo spielen - mit Ausnahme der Spiegelfugen, hier kommt ein zweites Cembalo hinzu. Für die dreistimmige Spiegelfuge komponierte Bach sogar eine Version mit einer nichtthematischen vierten Stimme, damit der zweite Spieler sich nicht zu langweilen braucht.

      Die Bearbeitungen sind letztlich ein Zugeständnis an den heutigen Hörer - bei 80 Minuten Cembalomusik in d-moll könnte schon mal Langeweile aufkommen, während man bei einer Orgel oder einem Instrumentalensemble durch die unterschiedlichen Klangfarben für Abwechslung sorgt. Beim Instrumentalensemble müssen dabei aber mehr oder weniger deutlich hörbare Zugeständnisse gemacht werden, denn die Stimmumfänge der einzelnen Stimmen sind teilweise so enorm, dass man die Stimme verändern oder das Instrument wechseln muss.

      @Satie: Thanks!

      Viele Grüsse
      Andreas
    • Lieber Tranquillo,
      danke für die wertvollen Hinweise.
      Ich bin allerdings der Meinung, dass das Stück trotz der vielen Indizien nicht unbedingt für Cembalo geschrieben sein muss (übrigens: für das Cembalo explizit ohnehin nicht, aber für Tasteninstrumente). Zwar wurde das Stück ja zu Lebzeiten Bachs nicht aufgeführt, und die Tatsache, dass man komplexe Polyphonie auf Einzelsystemen für jede Stimme notiert hat sowie die Tatsache, dass die Spielbarkeit auf dem Cembalo oder der Orgel gewährleistet ist müssen trotzdem nicht zwingend bedeuten, dass dies ein Stück allein für Tasteninstrumente ist. Genau so wie man diverse Tänze aus dem Frühbarock oder der Renaissance einerseits ohne jegliche Besetzungsangabe in derselben Notationsform kennt, gibt es ja auch die übliche Intavolierung instrumentaler oder vokaler Kompositionen für Tasteninstrumente (also den umgekehrten Weg). Insofern würde ich das nicht unbedingt unterschreiben, obwohl die Musikwissenschaftler (die wohlgemerkt nur selten wahre Musiker sind) das als gesichert annehmen mögen.
      Die Tonumfänge wären dabei noch am ehesten ein Indiz, allerdings gab es doch durchaus damals Instrumente (gerade die Streicher), die problemlos solche Umfänge bewältigen konnten (es ist immerhin spätes Barock). Für die Bläser könnte es hie und da problematisch sein, sicher. Die Bearbeitung für andere Instrumente aber ist damals doch ganz normal gewesen, also würde ich nicht unbedingt vermuten, dass das ein Zugeständnis an den heutigen Hörer ist, zumindest nicht grundsätzlich.
      Aber ich habe noch nicht alle Argumente der Forscher gehört, daher kann ich auch absolut falsch liegen! Die Diskussion über die Besetzungsfrage stammt ja auch erst aus den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Um sie abschließend zu klären, müsste man das ganze satztechnische Gefüge untersuchen und mit explizit als Werke für Tasteninstrument bezeichneten Stücken vergleichen, um etwaige Abweichungen zu entdecken und dann daraus Schlüsse zu ziehen.

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch