Bachs Kunst der Fuge

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    • Original von Rachmaninov
      Original von ab
      Wenn ich mich recht entsinne, dann gibts von Sokolov nur Konzertmitschnitte - zum Glück!


      Von Sokolov gibt es grundsätzlich NUR Konzertmitschnitte!


      Schade!

      Trotzdem vielen Dank für die prompte Auskunft. Gut, dass ich vorher gefragt habe...

      Gruß, Carola
      Bey einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart. J.S. Bach
    • Original von Carola
      Die Kunst der Fuge gehört zu den wenigen Werken, von denen ich gar nicht genug Aufnahmen haben kann, ich liebe diese Musik einfach.

      Hallo Carola,

      da geht es mir ähnlich. Zu meiner Aufzählung weiter oben in diesem Thread ist in der Zwischenzeit noch Savall hinzugekommen. Seine Interpretation ist insofern bemerkenswert, als er die Kunst der Fuge nach meinem Empfinden eher wie Renaissancemusik spielt bzw. spielen lässt, und das geht durchaus in die richtige Richtung, denn Bachs Vorbilder sind hier eher im Frühbarock oder in der Spätrenaissance zu suchen. Wenn man Komponist und Entstehungszeit nicht kennen würde, käme man vermutlich nie auf die Idee, dass diese Musik in der Mitte des 18. Jahrhunderts komponiert worden ist.

      Ich mag diese Aufnahmen nicht beurteilen, kann aber sagen, dass ich keine von ihnen missen möchte, da sie sich sehr stark voneinander unterscheiden. Etwas schwer tue ich mich noch mit der reinen Cembaloaufnahme von Davitt Moroney. Das hat aber nichts mit seinem Spiel zu tun sondern damit, dass ich mir einfach klanglich mehr Abwechselung wünsche.

      Dem Wunsch nach klanglicher Abwechslung kommen sicher Musica Antiqua Köln und Hesperion XX am meisten entgegen, wobei mich letztere mehr überzeugt. Klavier und Streichquartett dagegen sind klanglich fast so monoton wie ein Cembalo - insofern wäre vielleicht eine Aufnahme mit Orgel das Richtige für Dich. Bei den Cembaloaufnahmen ist Moroney sicher nicht die erste Wahl.

      Wenn beim Hören der Eindruck von Monotonie entsteht, sollte man sich vergegenwärtigen, dass dieses Werk von Bach wohl nicht für eine zyklische Aufführung konzipiert war. Die Tiefe und Schönheit dieser Komposition erschliesst sich nach meiner Erfahrung nur bei intensivem und wiederholten Hören einer einzelnen Fuge oder eines einzelnen Kanons (nach Möglichkeit mit den Noten in der Hand, früher gab es bei Bärenreiter eine relativ preiswerte Taschenpartitur), wobei die Spiegelfugen auch letzlich eine einzelne Fuge sind (die zuerst "rectus" und dann "inversus", also gespiegelt, gespielt wird). Wenn man erst einmal in die kompositorischen Tiefen "abtaucht", ist von Monotonie keine Rede mehr...

      Viele Grüsse
      Andreas
    • Original von Satie
      Original von nikolaus


      P.S.: Habe ich es richtig verstanden, dass eine Tripel- bzw. Quadrupel-Fuge sozusagen aus drei bzw. vier "Themen" besteht. Und was ist richtig: ist die letzte Fuge eine Quadrupel-Fuge, wie Du es schreibst, oder eine Tripel-Fuge, wie im Booklet der Keller Quartett-Aufnahme beschrieben?


      Lieber Nikolaus,
      Du hast gut beobachtet! Ich habe mich geirrt! Die letzte geschriebene Fuge ist eine Tripelfuge. Anscheinend wollte Bach danach noch eine Quadrupelfuge schreiben, verwechselte aber leider vorher das Zeitliche mit dem Ewigen und kam daher nicht mehr dazu.
      Und Du hast richtig verstanden: eine Tripelfuge hat drei, eine Quadrupelfuge vier Themen.


      Herzlich,
      S A T I E


      Im Beiheft der Savall-Aufnahme



      führt Hans Eppstein aus, dass die letzte Fuge zwar nur drei Themen verarbeitet, bevor sie abbricht, von diesen drei Themen aber keines mit dem Hauptthema identisch sei. Da man aber dieses fehlenden Hauptthema ebenfalls gut mit den drei Themen kombinieren kann (das wurde laut Eppstein inzwischen ausprobiert), liegt die Vermutung nahe, dass dieses Hauptthema das fehlende vierte Thema der Quadrupelfuge hätte sein sollen (Seite 47). Wäre das von Bach nicht so gedacht gewesen, hätte das eigentliche Grundthema also in der letzten Fuge gar nicht vorkommen sollen, hätte sie nach Eppstein dem Gesamtwerk "Kunst der Fuge" eigentlich gar nicht angehört (Seite 46).

      Für das Mitlesen der Partitur eignet sich nach meiner Erfahrung übrigens die Savall-Aufnahme sehr gut, aber auch mit Goebel komme ich in dieser Hinsicht (und auch sonst) gut klar.

      Gruß, Carola
      Bey einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart. J.S. Bach

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    • Original von Tranquillo


      ... - insofern wäre vielleicht eine Aufnahme mit Orgel das Richtige für Dich.

      Viele Grüsse
      Andreas


      Lieber Andreas,

      ich habe mir inzwischen eine Aufnahme mit Orgel besorgt



      fremdele aber noch damit. Das hat aber wohl weniger mit der konkreten Aufnahme als damit zu tun, dass ich generell Schwierigkeiten mit diesem Instrument habe - es klingt erstens irgendwie dickflüssig in meinen Ohren und zweitens ein wenig zu sehr nach Kirche (und weckt dadurch ungute Erinnerungen...)

      Aber vielleicht gelingt es mir ja noch, mich neu zu konditionieren in diesem Punkt. Das wäre schon deshalb schön, weil mir sonst ein großer Teil von Bachs Werk entginge.

      Gruß, Carola
      Bey einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart. J.S. Bach

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carola ()

    • Original von Carola
      Original von Rachmaninov
      Von Sokolov gibt es grundsätzlich NUR Konzertmitschnitte!


      Schade!


      Wieso? Das ist doch ganz und gar wunderbar! Sokolov ist der Heikelste, den es wohl gibt, und wenn auch nur ein einziger Ton unbeseelt ist, gibt er den Mitschnitt nicht frei. Auch das Programm bestimmt einzig er.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von Carola
      Im Beiheft der Savall-Aufnahme führt Hans Eppstein aus, dass die letzte Fuge zwar nur drei Themen verarbeitet, bevor sie abbricht, von diesen drei Themen aber keines mit dem Hauptthema identisch sei.

      Satie hat schon eingangs anhand von Notenbeispielen dargestellt, dass das Thema variiert wird (z. B. durch Spiegelung, andere Rhythmisierung, "Auffüllen" der Intervalle mit Durchgangsnoten etc.). Das erste Thema der letzten Fuge hat durchaus eine gewisse Verwandtschaft mit dem Hauptthema.

      Gegen eine Quadrupelfuge spricht, dass die Exposition der einzelnen Themen im Verlauf der Fuge immer kürzer wird. Die Exposition des ersten Themas ist relativ lang, die des zweiten Themas schon kürzer und die des dritten Themas (B-A-C-H) sehr knapp. Diesem Bauplan folgend müsste die Exposition des vierten Themas noch kürzer sein - es sei denn, man würde unterstellen, dass Bach das Hauptthema ohne vorherige Exposition verwendet hätte, was aber höchst ungewöhnlich wäre. Eine vierte Exposition war von Bach offenbar auch gar nicht vorgesehen, denn nach der Exposition des B-A-C-H-Themas erreicht die Fuge mit der Kombination der drei Themen bereits einen Höhepunkt. Wäre es denkbar und überzeugend, danach noch ein viertes Thema einzuführen?

      Es wird durchaus diskutiert, ob die letzte Fuge überhaupt von Bach für die "Kunst der Fuge" vorgesehen war. Carl Philipp Emanuel, der nach Bachs Tod den Druck überwachen sollte, war offensichtlich mit den Absichten seines Vaters nicht vertraut; er nahm die unvollendete Fuge mit gegenüber dem Manuskript gekürztem Schluss sowie die Choralbearbeitung "Wenn wir in höchsten Nöten sein" in den Druck auf. Wie Bachs Absichten für den Druck tatsächlich waren, darüber kann man nur spekulieren.

      Viele Grüsse
      Andreas
    • Original von ab aus "Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2009 ?" (22.08.2009)
      Aimards Bach hat mir im Laden gar nicht gefallen, wie gefällt er Dir? Sollte ich mich dem womöglich doch noch einmal widmen?

      Danke! :hello

      Ich kenne Deinen diesbezüglichen Kommentar und dachte mir schon, dass da ev. was kommt. :wink

      Ich glaube, es ist keine Interpretation, die einem beim 1. Hören – dies habe ich gerade hinter mir - gefällt. Eher trocken schienen mir die ersten Fugen gespielt - doch je weiter Aimard voranschreitet umso mehr wich von mir dieser Eindruck. Es ist etwas an seinem Spiel das mein Interesse geweckt hat, nochmals hineinzuhören - und dabei genauer hinzuhören! Es scheint mir doch eine sehr eigenwillige Interpretation zu sein...

      Servas,
      Thomas

      P.S.: Witzig finde ich dieses kurze „Making of – Video“: Klick

      Techniker: Die Barockmusiker, die ich kenne, würden wahrscheinlich alle dadadidamtida…
      Aimard: Ich weiß, ich weiß - aber das ist mir völlig egal!

      :J

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von thwinter12 ()



    • Eigentlich bevorzuge ich Aufnahmen auf Tasteninstrumenten. Es gefällt mir hier, dass artgleiche Instrumente spielen. Aufnahmen mit Ensembles verschiedener Instrumente konnte ich bisher noch weniger abgewinnen.

      Ich habe die CD erst neu und daher nur der erste Eindruck: Zunächst mal finde ich die Reihenfolge seltsam, das irritiert mich beim ersten Hören. Ebenso der sehr reduzierte Umgang mit Verzierungen. Dann ist natürlich der Eindruck der sehr guten Transparenz der Stimmen vordergründig, das gefällt mir und ist spannend anzuhören. Was mir daneben im Vergleich zu den Klavieraufnahmen am stärksten auffällt ist der etwas schwermütige Eindruck, den die Streicher trotz ihrer Fragilität mir manchmal machen. Das klingt mitunter depressiv - eigentlich mag ich das, aber hier hat es mitunter auch einen leichten Hang ins pathetische, das weiß ich noch nicht, ob mir das gefällt. Aber die Instrumente klingen schön, besonders in den tiefen Lagen.
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Hallo,

      ich bevorzuge die Kunst der Fuge auf modernem Fluegel interpretiert. Exzellent: Sokolov, Koroliov, Janssen und Aimard. Ich mag Aimards Aufnahme sehr. Er hat einen sonoren und sehr schoenen Anschlag. Fuer mich immer in Erinnerung haftend: die damalige Philips-Veroeffentlichung mit Zoltan Kocsis ! Schade, dass es sie nicht auf CD gibt !

      LG, Siamak

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AcomA ()

    • Die Kocsis-Aufnahme kenne ich nicht, aber es gibt sie auf CD (vergriffen, aber kaufbar), einfach auf Amazon danach suchen.

      Sokolovs Aufnahme ist übrigens kein Mitschnitt, sondern eine Studio-Aufnahme von 1982. Er hat in der Sowjetunion eine Reihe Studio-Aufnahmen gemacht, nur ist davon fast nichts auf CD erschienen und die anderen opus 111 CDs sind anscheinend sämtlich Mitschnitte.
    • So gut wie vergessen scheint die 1966 entstandene Aufnahme mit Milan Munclinger und seinem 1954 gegründeten Ensemble Ars Rediviva zu sein. Munclinger war vorne dabei, als die Alte Musik Bewegung richtig ins Rollen kam und hat sich mit historischer Aufführungspraxis auseinandergesetzt. Das ist dieser Aufnahme allerdings kaum anzuhören, zumindest nicht, wenn man aktuellere Einspielungen wie die der Akademie für Alte Musik Berlin als Vergleichsmaßstab heranzieht. Bei einem Werk, bei dem weder eine Instrumentierung angegeben ist, noch geklärt ist, ob es überhaupt zur öffentlichen Aufführung gedacht war, sollte man allerdings nicht so streng sein – die Zeitlosigkeit des Werks wird niemand in Abrede stellen wollen, deshalb sollte es auch Interpretations-Gepflogenheiten, die erst zu späterer Zeit aufkamen, einigermaßen aushalten. Vor allem, wenn man durch folgende Instrumentierung entschädigt wird: Oboe, Englischhorn, 2 Fagotte, 15 Streicher (4-4-4-3-2) und Cembalo, wobei das Ensemble hier komplett und da in Teilen (z.B. nur Streicher oder nur Bläser & Cembalo) hörbar ist und gelegentlich auch das Cembalo alleine eine Fuge übernimmt. Ich war beim Hören dieser Aufnahme einigermaßen perplex. So sehr der warme und volle Klang des Ensembles zunächst einnimmt, so schnell hört man durch ihn hindurch und "sieht" die Architektur ebenso klar und deutlich wie auf einer spröden Gustav Leonhardt Aufnahme. Auch wenn Eingeweihte sich mit Grausen abwenden: Das ist eine Tiefen auslotende Kunst der Fuge, die man auch einfach nur genießen kann. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass man ein fast schon unverschämt klangsinniges Musikalisches Opfer als Kopplung geboten bekommt. Hier ist die Durchhörbarkeit nicht ganz so einfach, weil die Linien von Flöte und Violine gegenüber dem Cembalo und anderen Instrumenten (die unspezifizierten Teile sind noch mit Fagott, Oboe, Viola, Cello besetzt) doch arg dominieren und die Konzentration auf den Zusammenklang nicht einfach machen. Das ist ein sehr lohnendes Opfer.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • RE: Bachs Kunst der Fuge

      Original von Cetay am 28.01.2008

      (...) [ich] möchte gerne eine klanglich reizvolle Kombination hören. Nun berichtet Wikipedia von einer

      exotisch anmutenden Kombination (Oboe, Akkordeon und Fagott).

      Das wäre genau das Richtige! Leider bringt mich die übliche Googelei nicht weiter. Wer kennt diese Aufnahme?


      Manchmal muss man halt ein klitzeklein wenig Geduld aufbringen, dann findet man die Antwort selbst:


      Trio 335
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • Original von Yorick
      Habe ich es überlesen oder wurde Glenn Gould noch nicht mit aufgeführt? Ich weiß, er ist nicht unumstritten, sollte aber in so einem Thread nicht fehlen!


      Das finde ich auch. Sowohl mit Orgel als auch mit Klavier finde ich das überragend. Vielleicht sollte ich das folgende Zitat zu meiner Signatur hinzufügen: Mit einer europäischen Denkweise... fokussieren wir uns immer hauptsächlich auf die Intention des Komponisten... sehr wenig Aufmerksamkeit konzertiert sich auf die tatsächlichen Wirkungen, die Schnittstelle wenn die Musik den Hörer trifft - was läuft dabei ab, was macht es mit mir? (Salonen -> hier). Natürlich könnten besorgte Kulturheinis hier den Aufruf zum Hedonismus wittern, aber ich denke so ist es nicht gemeint - es geht um Ausgewogenheit und darum, vor lauter Intellektualismus die sinnliche Erfahrung nicht zu vergessen. Konkret: Es ist Schnurz, ob Gould umstritten ist. Zu ihm haben viele furchtbar kluge Köpfe viele furchtbar kluge Positionen vertreten ohne auch nur in die Nähe eines Konsens zu kommen. Man kann ihn ablehnen, weil er sich nicht an gesicherte Erkenntnisse hält, wie man etwas korrekt zu spielen hat oder weil er gar den Notentext und Vortragsanweisungen mit Missachtung straft. Nur ist es zu bequem, es dabei zu belassen. Warum macht er das und wie verändert das die Interpretation (interpretatio = Auslegung, Übersetzung, Erklärung) und die hermeneutische Deutung? Sogar Berufs-Skeptiker erkennen mitunter nach langen Jahren, dass Text-Treue und Werk-Treue zwei Paar Stiefel sind und ein Interpret möglicherweise etwas entdeckt in einem Stück, was vielleicht nicht einmal der Komponist erkannt hat. :wink

      Jetzt bin ich abgeschweift. Für mich kommt Goulds Kunst der Fuge noch vor seinen Goldbergvariationen. Dass dies im allgemeinen nicht so ist, mag auch daran liegen, dass die Aufnahme unvollständig ist. Insgesamt hat er nur 12 Fugen eingespielt, davon einige doppelt. Aber das geht in Ordnung; es ist ohnehin fraglich, ob das je zur Aufführung und gar zu einer zyklischen vorgesehen war.


      Glenn Gould
      • Contrapunctus 1-9 (Orgel)
      • Contrapunctus 1, 2, 4, 9, 11, 13 & 14 (Klavier)
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cetay ()



    • Das Ensemble L'Arte della Fuga hat eine von ihrem Cellisten Hans-Eberhard Dentler eingerichtete Version für Violine, Viola, Violoncello, Fagott & Kontrabass eingespielt. Das ist (zusammen-)klanglich nicht uninteressant und hat laut Dentler den Vorteil, dass jede Stimme durchgespielt werden kann, ohne das Instrument zu wechseln. Damit soll die Architektur sehr leicht zu verfolgen sein. Ich finde, der basslastige und bisweilen ätherische Klang verleitet leicht dazu, sich einlullen zu lassen. Vertreter der harten Linie, die meinen, man müsse sich Bach erarbeiten und wer abwechslungsreiche Instrumentierung oder gar Romantisierung benötigt ist halt ein Weichei, das für diese höchsten Weihen noch nicht reif ist, dürften den Daumen senken.
      Dentler hat auch einige sehr weit hergeholte Thesen zusammengezimmert, mit denen er alle Rätsel dieses Werks gelöst zu haben glaubt und sogar -schon 13 Jahre vor Veröffentlichung dieser Aufnahme- ein Buch dazu geschrieben.





      Ich meine, dass die Beschäftigung mit weit hergeholten Thesen allemal interessanter ist, als das ständige Wiederkäuen von nahe liegenden und so finden diejenigen, die nicht gleich in Abwehrhaltung gehen, wenn sie mit ungewohnten Gedankengängen konfrontiert werden, einigen Nachdenkens werten Stoff.

      Die in meinen Ohren monochrome und seltsam indifferent gespielte Aufnahme spiegelt freilich die gewaltige Ambition hinter diesem philosopisch-theologischen Gedankengebäude in keiner Weise wieder.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

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