In Memoriam: Giuseppe Di Stefano

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    • In Memoriam: Giuseppe Di Stefano

      Einer der größten Tenöre des 20. Jahrhunderts ist tot: Giuseppe Di Stefano starb am Montag, den 3. März, nach langem Leiden friedlich in seinem Haus in der Nähe von Mailand. Er wurde 86 Jahre alt.

      Berühmt wurde Di Stefano zusammen mit Maria Callas. Er wurde als Sohn eines Polizisten und einer Schneiderin am 24. Juli 1921 in Motta Sant’Anastasia auf Sizilien geboren und wuchs in Mailand auf. Im Jahr 1946 gab er sein Bühnendebüt in Reggio Emilia als Des Grieux in Jules Massentes Manon Lescaut.

      Nur ein Jahr später trat er in der gleichen Rolle an der Mailänder Scala auf, es folgten Engagements sowohl an der Metropolitan Opera in New York als Herzog von Mantua in Verdis Rigoletto als auch als Mario Cavaradossi in Puccinis Tosca im Londoner Covent Garden. In den 50er und 60er Jahren war er der vermutlich bestbezahlte Sänger der Welt.

      Bekannt wurde Giuseppe Di Stefano vor allem durch seine häufigen Auftritte mit Maria Callas – was ihm bei seinen Fans die Bezeichnung „Der Tenor der Callas“ einbrachte. Als erste stimmliche Probleme 1963 bei der Aufführung von Puccinis La Bohème am Covent Garden auftreten, wird Di Stefano im Jahr darauf durch einen jungen Sänger ersetzt: Luciano Pavarotti.

      Mitte der 80er Jahre verabschiedete sich der Sänger von der Weltbühne, versuchte in der Folge allerdings mehrere Comebacks, die jedoch misslingen, so dass er sich Ende der 80er Jahre als Sänger endgültig von den Bühnen der Welt zurückzieht. Als Regisseur blieb er seinen Fans allerdings noch länger erhalten: So inszenierte 1988 die Cavalleria Rusticana in Taormina, 1989 führte er Regie beim Tourneetheater „Stagione d’Opera Italiana“ mit Puccinis La Bohème.

      2004 wurde Giuseppe Di Stefano in seinem Haus an der kenianischen Küste südlich von Mombasa überfallen und dabei so schwer verletzt, dass er ins Koma fiel. Er überstand eine lebensgefährliche Operation, von seinen Verletzungen erholte er sich allerdings nie mehr.


      (Quelle: Klassik-heute.com)


    • Hallo Jeremias,

      danke für die ausführliche Information.

      Ich glaube, gestern habe ich die Kurznachricht im Radio gehört.
      Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich überrascht war. Überrascht, dass er überhaupt noch gelebt hatte.

      Ich habe bei di Stefano nur eine einzige Lücke, die aber sehr groß ist.
      Da ich, abgesehen von ein wenig Wagner, kaum Aufnahmen aus den 50ern oder älter höre, ist er bei mir durch das Raster gefallen.

      Du schreibst, dass er 1963, also etwa 42 jährig, erste stimmliche Probleme bekam. Wikipedia sagt, es sei Überbeanspruchung gewesen. Schade also, wenn einer im besten Alter schon verheizt ist.

      Wie ist er denn heute, mit der nötigen zeitlichen Distanz betrachtet, in die Riege der großen Tenöre des 20.Jahrhunderts einzuordnen?

      Grüße
      Jürgen
    • Eine schöne, ich möchte fast sagen, sympathische Tenorstimme findet hier so gut wie kein Echo. Ich denke, das beantwortet doch in gewisser Weise die Bedeutung di Stefanos. Ich glaube, er hat einfach keine weltbewegenden Deutungen einer Rolle hinterlassen. Ich finde seinen Cavaradossi gut und ich mag ihn als Edgardo, aber das war's auch schon. Mit di Stefano geht es mir wie mit Pavarotti: beide sind kein Grund, mir eine Aufnahme zuzulegen (aber aus unterschiedlichen Gründen). Di Stefano habe ich quasi immer nur mit der Callas mitgekauft. Die sizilianische Sonne klingt aus seiner Stimme, sie lächelt, ist freundlich und trotzdem überzeugt sie mich nicht.

      Einer seiner letzten Auftritte scheint auf der Seebühne Mörbisch als Herzog von Urbino gewesen zu sein. Der Auftritt war einfach ein veritables Debakel.

      lg

      Werner
    • Ich kenne DiStefano in erster Linie auch durch die Callas-Aufnahmen, habe ihn vor allem als Cavaradossi, Duca, Edgardo auf dem Zettel. Habe jetzt, anläßlich seines Todes, gelesen, daß er ein wunderbarer DesGrieux gewesen sein soll. (Massenet, nicht Puccini)
      Jedenfalls: die "Tosca" mit Callas, Gobbi und eben DiStefano ist für mich immer noch uinerreicht, und das liegt eben nciht nur an Callas und Gobbi. Ich werde mich mla erjkundigen, ob es ein Recital mit verschiedenen Arien gibt, um mal anderes von ihm zu hören als nur italienische Oper.
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)
    • Guten Abend Freunde der Stimme,

      Lange habe ich überlegt, ob ich einen Neuen Thread über diesen Sänger hätte starten sollen, finde aber, dass der Beitrag hier doch recht gut aufgehoben ist.

      Für mich ist Giuseppe di Stefano zu einem Ausnahmesänger geworden. Eine strahlend schöne Stimme, fern von absoluter Klahrheit, wie man es bei Mario del Monaco oder auch Luciano Pavarotti hört, eine Stimme in der mehr Mitschwingt, was mir Schwerfällt genauer zu beschreiben. Nachdem ich so manche Oper mit Ihm neben der Callas gehört habe und mir der Name Di Stefano geläufig wurde, kaufte ich mir diese CD mit Italienischen und neapolitanischen Liedern, gesungen von Giuseppe di Stefano.

      Jeremias schrieb:
      wenn Ihr Di Stefano einmal in seinem Element erleben möchtet, so empfehle ich Euch seine Einspielungen von Neapolitanischen Liedern.... ein Vollblut-Italiener!




      Diese unglaublich warme und herzliche Stimme di Stefano's kommt in diesen Liedern wunderbar zur Geltung. Seit die Lieferung mit dieser CD gestern bei mir angekommen ist, drehte sie bereits 5x ihre Runde und ich bin immer wieder hingerissen, einerseits über die herrlichen Lieder, diese Heimatlichen Klänge Italiens und dann dieser zum wiederholten male grandiose Stimme di Stefano's! Übrigens sah ich gerade bei Amazon 2 weitere CD's mit neapolitanischen Liedern und Giuseppe di Stefano (Testament).

      Hallo Werner,

      manrico schrieb: Mit di Stefano geht es mir wie mit Pavarotti: beide sind kein Grund, mir eine Aufnahme zuzulegen (aber aus unterschiedlichen Gründen). Di Stefano habe ich quasi immer nur mit der Callas mitgekauft. Die sizilianische Sonne klingt aus seiner Stimme, sie lächelt, ist freundlich und trotzdem überzeugt sie mich nicht.

      In wie weit muss dich noch "was" "mehr" überzeugen? Du hast Di Stefano's Stimme treffend beschrieben. Für mich reichen diese Punkte aus um zu sagen, es ist eine Stimme die zu den größten des 20sten Jahrhunderts zählt und für mich persöhnlich noch ein bisschen mehr.
      Etwas zu Pavarotti, seine Art, sich ab den 80er Jahren als Chef der 3 Tenöre durch die Welt zu schlagen und die Oper in die POPrichtung zu bringen, finde ich, war eine in meinen Augen schlechte Idee (und in meinen Ohren ebenfalls)! Er hätte der Oper weiterhin viel mehr dienen können. Aber seine Stimme hat mich trotz dieses in meinem Kopf eingefressene Urteil, restlos überzeugt! Mich würde bei Zeiten (vielleicht im "Erinnerungssthread Pavarottis) interessieren wo dich Pavarotti nicht überzeugen kann.

      Eine schöne, ich möchte fast sagen, sympathische Tenorstimme findet hier so gut wie kein Echo. Ich denke, das beantwortet doch in gewisser Weise die Bedeutung di Stefanos. Ich glaube, er hat einfach keine weltbewegenden Deutungen einer Rolle hinterlassen.

      Ich finde übrigens nicht, dass nur weil di Stefano hier kaum Resonanz bekommt, dass seine Stimme den Menschen nichts zu sagen hat, nicht gemocht wird! Das liegt wohl eher daran, dass sich die Forianer hier kaum mit der Oper auseinandersetzten und dadurch gezwungenermaßen nichts zu diesem Sänger beitragen können.

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      In meinen Ohren eine Ausnahmestimme, auf welche ich leider erst seit kurzem gestoßen bin und ich mich auch erst seit kurzem wirklich beschäftige.

      Grüße
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Hier ein Paar Musikausschnitte aus Opern mit G.D.Stefano, um einmal die Künste dieses Künstlers unters Forianervolk zu mischen.

      Giuseppe di Stefano"La donna e mobile" from Rigoletto

      Giuseppe Di Stefano "E lucean le stelle" from Tosca

      Giuseppe di Stefano "Addio alla madre" Cavalleria

      Giuseppe di Stefano - Tu ca nun chiagne


      und zuletzt ein neapolitanisches Lied:
      Giuseppe di Stefano "Chiovu Abbalati" :down :down :down (Hier zeigt sich der Vollblut-Italiener wie Ihn Jeremias ebenfalls sieht)
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Ich bin gerade dabei, mich durch die 10-CD-Box mit di-Stefano-Aufnahmen, die bei Zweitausendeins für nicht einmal 10 Euro angeboten wird, zu hören. Es handelt sich bei diesen Aufnahmen größtenteils um Live-Mitschnitte von Konzerten oder Opernaufführungen.
      Nachdem ich die erste CD mit einem Konzert aus dem Jahr 1950 gehört habe, ist mein Eindruck zwiespältig.
      Natürlich konnte di Stefano fast alles im italienischen und französischen Bereich singen - bei diesem Konzert sang er mehr als 10 Tenorschlager, darunter so schwierige wie die Faust-Arie "Salut demeure", und man hat nie den Eindruck, daß es ihm zuviel wird. Stilistisch habe ich allerdings schon ein paar Einwände. Er hätte sich nicht erlauben sollen, jede, aber wirklich jede Fermate bis in's Unendliche auszudehnen; ich empfinde das als zirkusähnlich und mag es nicht. Und dann klingt alles irgendwie gleich, weil er jede Arie angeht wie Sir Eglamore den Drachen: Attacke!!!
      Auf der 2. CD singt er dann aber wieder mit Maria Callas in den Puritanern, und vielleicht bewirkt die Gegenwart dieser ihm ja nun wirklich ebenbürtigen Künstlerin, daß er sich ein bißchen zurücknimmt: und prompt wird alles sehr viel schöner, runder, wohlklingender.
      Mal schauen, was die nächsten CDs bringen.

      Grüße!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Ich gehöre zu den Fans von di Stefanos Stimmme, auch wenn er sich manchmal ein bisschen an zu hohem Repertoire verhoben haben mag. Das Timbre selbst ist einfach schön und wenn Maria Callas ihn zu ihrem Haupt-Tenor-Partner machte liegt das sicher nicht daran, dass sie neben ihm besser glänzen konnte. Diese Partnerwahl allein würde ihn für alle Zeiten adeln, aber das hat er gar nicht nötig, finde ich. Ich habe aber keine Einzel-Cd mit ihm, sondern nur die Aufnahmen, wo er mit Callas zusammen singt.
      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Original von Honoria Lucasta
      I
      Natürlich konnte di Stefano fast alles im italienischen und französischen Bereich singen - bei diesem Konzert sang er mehr als 10 Tenorschlager, darunter so schwierige wie die Faust-Arie "Salut demeure", und man hat nie den Eindruck, daß es ihm zuviel wird. Stilistisch habe ich allerdings schon ein paar Einwände. Er hätte sich nicht erlauben sollen, jede, aber wirklich jede Fermate bis in's Unendliche auszudehnen; ich empfinde das als zirkusähnlich und mag es nicht. Und dann klingt alles irgendwie gleich, weil er jede Arie angeht wie Sir Eglamore den Drachen: Attacke!!!
      Grüße!

      Honoria


      Liebe Honoria,
      damit beschreibst Du köstlich, was mich an vielen der adorierten Kultsänger früherer Zeiten stört, besonders extrem bei Corelli und del Monaco: Dass vordergründige Effekthascherei immer vor der Wahrhaftigkeit des Ausdrucks kommt und ich mich des EIndrucks nicht erwehren kann, Oper war für sie in erster Linie ein Wettkampf in den Disziplinen "Wer kann's länger, höher, lauter?" Der letzte Vertreter dieser unseligen Tradition war für mich Franco Bonisolli, der zwar auf Platten erstaunlich diszipliniert singen konnte (eindrucksvolle Stimme hatte er zweifellos), auf der Bühne aber immer nur eine penetrante Show ablieferte.
      lg Severina :hello
    • Jetzt habe ich noch ein wenig weiter gehört und bin bei der CD mit Ausschnitten von Opernaufführungen gelandet:

      Pagliacci, Iris und Cavalleria rusticana.

      Verismo in Reinkultur sozusagen. Wenn ich jetzt jammere, dann auf hohem Niveau: die Zahl der Sänger, die mit vergleichbarer Verve und einer di Stefano auch nur ähnlichen Energie an Partien wie Canio oder Turiddu herangehen können, ist durchaus überschaubar. Stimmlich ist es immer aus einem Guß, manchmal fast stahlgleißend - mithin fehlen -mir zumindest- die Farben. Ich möchte manchmal auch so etwas wie ein Piano hören, und zwar ein wirkliches, kein durch Falsettieren imitiertes (ich bitte Fairy Queen um Nachsicht für die harten Worte, aber gerade sie wird wissen, was ich meine).

      Trotzdem: über die generelle Leistung di Stefanos gerade in den 50ern wird man nicht hinweggehen können. Hätten wir heute einen wie ihn, schliefen manche Intendanten beruhigter und müßten mglw. nicht immer den Cura engagieren, wenn es irgendwas von Puccini zu singen gibt. :wink

      Grüße!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Original von Honoria Lucasta
      J
      Trotzdem: über die generelle Leistung di Stefanos gerade in den 50ern wird man nicht hinweggehen können. Hätten wir heute einen wie ihn, schliefen manche Intendanten beruhigter und müßten mglw. nicht immer den Cura engagieren, wenn es irgendwas von Puccini zu singen gibt. :wink
      Grüße!

      Honoria


      Liebe Honoria,
      vor ein paar Jahren war Marcelo Alvarez dafür eine ausgezeichnete Wahl, leider hat er jetzt schon längere Zeit nicht bei uns gesungen (Krach mit Holender???), daher kann ich über den aktuellen Stand seiner Stimme nichts sagen.

      lg Severina :hello
    • Nach langen Jahren muss ich einfach diesen Thread einmal wieder zurück ins Leben rufen, da ich glaube, dass die meisten Beiträge ihm nicht gerecht werden.

      Giuseppe di Stefano verfügte über eine der schönsten Tenorstimmen des letzten Jahrhunderts, gesegnet mit einem Timbre, warm und rund, samtigweich, voller Farben und Sonne, männlich und gleichzeitig höchst sensibel, voller Charme und Eloquenz. Und er besaß die Gabe, das Publikum immer direkt anzusprechen (daher wohl auch sein überwältigender Erfolg in den fünfziger Jahren), bestach auch im Alter noch durch eine ungewöhnliche Bühnenpräsenz, ging seine Partien eigentlich immer mit großer Leidenschaft an, schmiss sich sozusagen in sie hinein, sang stets völlig unmittelbar und verführte auf der Bühne wiederum durch den Charme seines Auftretens.

      Zudem besaß er die Möglichkeit, gerade im Piano und Pianissimo wundervolle und ausdrucksstarke Phrasen zu spinnen. Herauszuheben sind dazu seine vorbildliche Diktion, seine angemessenen Phrasierungen und sein berückendes Legato.

      Leider entsprach die Qualität seiner restlichen Technik diesem nicht im mindesten. Er debütierte in einer französischen Partie (Manon von Massenet), aber, vielleicht auch zeitbedingt, stilistische Fragen interessierten ihn kaum. Zudem kam sein sogenanntes offenes Singen. Nie hat er es gelernt (seine Ausbildung war kriegsbedingt auch wirklich sehr unstet), die Stimme zu verblenden, in der Maske zu singen. Das kann man sehr gut auf vielen Aufnahmen mit der Callas, die das in Perfektion beherrschte, hören. Dies, sein oftmals hemmungsloses Singen, die falsche Repertoirewahl und wohl auch sein relativ undisziplinierter Lebenswandel führten dazu, dass schon zu Beginn der fünfziger Jahre erste Abnutzungserscheinungen zu bemerken waren.

      Mit man bedenkt, mit welchem Material er ausgestattet war, ist das nicht nur ein Jammer, sondern eine wirkliche Tragik.

      Wer ihn in seinen besten Momenten erleben möchte, sollte u.a. und zunächst zu diesem Recital greifen.



      Seine überhaupt ersten Aufnahmen aus der Schweiz. Das ist wirklich überwältigend schlicht und gleichzeitig ausdrucksvoll ausgesungen und offenbart in jeder Sekunde dieses wirklich einmalige Timbre.
    • Am Nachmittag habe ich mir folgende CD gegönnt:

      Es ist laut Hülle das einzige Recital, das der große Künstler für die DGG aufgenommen hat.
      Begleitet wird er vom Maggio Musicale Fiorentino, Dirigent: Bruno Bartoletti.
      Die Aufnahmen dürften von 1962/63 stammen, sie wurden auf LP erstmals 1963 veröffentlicht. Ein besonderer Vorzug ist der Stereoklang; die meisten EMI-Aufnahmen wurden noch vor Einführung der neuen Technik produziert.
      "Man lauschte seinem Singen wie in ein Märchen hinein", schrieb DIE WELT aus Anlass seines Todes am 3. März 2008. In der Tat, so ist es. Die Aufnahmen stammen bereits aus einer Zeit, als der Sänger seinen Zenit überschritten hatte. Seine beste Zeit waren wohl die 1950er Jahre, als er an der Seite von Maria Callas die unsterblichen Opernaufnahmen für EMI unter der Regie von Walter Legge gemacht hat. Wie schade, dass er so sehr mit seinen Pfunden gewuchert hat, denn eine so warme, sinnliche Tenorstimme hat es seitdem nicht mehr gegeben. Wer ihn einmal in Verdis Requiem unter Victor de Sabata (EMI) gehört hat, der wird sein Singen nie mehr vergessen. Oder der Cavaradossi aus Mailand, unter dem gleichen Dirigenten, mit Maria Callas: Das bleibt im Ohr haften, das ist Glück pur!
      Die obige CD wurde in der Reihe "spotlight" wieder aufgelegt, ich kann sie jedem Opernfreund nur wärmstens empfehlen. Di Stefano singt hier noch so mühelos, sein Stimmaterial ist schier unerschöpflich, und sein südliches Timbre erwärmt Herz und Sinn.
      Nach seinem Rücktritt von den Bühnen der Welt lebte er zurückgezogen, oft in seinem Anwesen in Kenia. Dort wurde er Ende 2004 Opfer eines brutalen Überfalls, von dessen Folgen er sich nicht mehr erholte. Er starb 86jährig in Mailand.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Don Perlimplin ()

    • Don Perlimplin schrieb:

      "Man lauschte seinem Singen wie in ein Märchen hinein",
      Was für ein schönes und v.a. zutreffendes Zitat, lieber Don Perlimplin.

      Diese CD hatte ich früher auch als LP und habe sie rauf und runter gehört. Leider hatte die Stimme da schon lange nicht mehr diesen unnachahmlichen Schmelz der frühen Jahre, leider klingen die so offen gesungenen Höhen immer angestrengter und durchaus auch verhärtet. Ein Folge falscher Technik und falscher Rollenwahl. Und sicherlich auch eines oftmals nicht gerade professionellen Künstlerlebens.
      ABER! Die Rezital ist allemal des Hörens wert. Welch eine überlegene Phrasierung, welch ein Legato, welch eine Diktion (ja auch nicht ganz unwesentlich). Wie er in 'Amor ti vieta' eintaucht, das ist wirklich großartig. Scheinbar auf einem Atem gesungen, ganz großzügig phrasiert, die Arie quasi in einem einzigen großen Bogen denkend. Fantastisch! Für mich der Höhepunkt des Rezitals.

      Und immer, wenn auch nicht mehr 100prozentig, dieser verführerische Klang der Stimme, dieses wirklich einzigartig schöne Timbre und, auch nicht ganz unwesentlich, die Eloquenz seines Vortrags, sein stimmlicher Charme. Das wenigstens hat er sich bis zum Ende erhalten.

      LG Falstaff
    • Unnachahmlich war er auch in dieser Sparte:



      Obwohl ja selber Sizilianer hatte er einfach das Händchen für diese Musik. Es ist nie zu viel und nie zu wenig, will sagen, bei ihm gibt es genau den richtigen Anteil an Sentiment. Abgesehen davon, sind sie großartig gesungen. Zudem nimmt er sie nicht als verhinderte Opernarien. Und auch hier kommt wieder sein unwiderstehlicher Charme zum Tragen.

      Ich erinnere mich an einen Urlaub auf Ischia. Wir saßen am Hafen in einem kleinen Restaurant und aus dem Hintergrund erklangen diese Canzone mit di Stefano. Da stellt sich dann nicht mehr die Frage, ob es Kitsch ist. Es passt einfach zu der Stimmung einer italienischen Sommernacht. :rolleyes:

      :hello Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Und immer, wenn auch nicht mehr 100prozentig, dieser verführerische Klang der Stimme
      Lieber Falstaff,

      genau das ist es! Obwohl schon einige Verschleißerscheinungen hörbar sind, sind die Aufnahmen immer noch ein Traum. Ich schätze sie besonders, weil Di Stefano hier in Stereo zu hören ist, was den Reiz seines Timbres m.E. noch erhöht. Leider kam er ja nur noch wenig in den Genuss der neuen Technik. Ich habe immer bedauert, dass er in der großartigen Karajan-TOSCA von 1962 (RCA/Decca) nur noch ein Schatten seiner selbst ist (vor allem, wenn man ihn mit seiner 1953er Aufnahme unter V. de Sabata vergleicht).
      In einem Nachruf hieß es: "Er nahm sich als geborener Star alle erdenklichen Freiheiten. Selbst die gefährlichste: seine Stimme aus eigener Kraft und Herrlichkeit zu ruinieren. Er verjubelte schlankweg innerhalb weniger Jahre seinen stimmlichen Reichtum, so wie sein Geld im Spielkasino. Doch: In seinen besten, leider viel zu kurzen, Zeiten servierte er eines: reines Glück!"

      Zum Schluß mache ich noch auf ein 2 CD-Album aufmerksam, das z.Zt. bei Amazon für lächerliche 53 Cent (gebraucht) zu haben ist:

      Es enthält fast ausschließlich originale EMI-Aufnahmen aus den 1950er Jahren, als er noch im Vollbesitz seiner herrlichen Stimme war. Teils sind es Einzelaufnahmen, teils Ausschnitte aus den berühmten GA mit Maria Callas.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Don Perlimplin ()

    • Don Perlimplin schrieb:

      In einem Nachruf hieß es: "Er nahm sich als geborener Star alle erdenklichen Freiheiten. Selbst die gefährlichste: seine Stimme aus eigener Kraft und Herrlichkeit zu ruinieren. Er verjubelte schlankweg innerhalb weniger Jahre seinen stimmlichen Reichtum, so wie sein Geld im Spielkasino. Doch: In seinen besten, leider viel zu kurzen, Zeiten servierte er eines: reines Glück!"
      :down :down

      Lieber Don Perlimplin, sehr empfehlenswert ist auch diese CD:



      Die kompletten italienischen Radioaufnahmen von 1952-56


      Arie aus vier Konzerte befinden sich darauf. Vor allen findet sich das gesamte Konzert zum 30. Todestag von Puccini, in dem neben di Stefan auch Tebaldi und Taddei auftraten und in dem er wunderbar die Arie aus 'Gianni Schicchi' sang.

      LG Falstaff