Chopin: Berceuse in Des-Dur op. 57

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Chopin: Berceuse in Des-Dur op. 57

      Ob es richtig ist zu versuchen, die etwas vor sich hinschlummernde Beschäftigung mit Chopins Werken ausgerechnet mit einer kurzen Einführung in seine filigrane Berceuse (Wiegenlied) in Des-Dur op. 57 aus dem Jahre 1844 wiederzubeleben, wird sich zeigen …

      Der Pianist muß hier (in der Regel) vier bis fünf Minuten ganz hellwach sein. Die linke Hand hat zwar nur ein stetiges Ostinato zu spielen, dafür hat die rechte allerdings in den insgesamt 14 Variationen der Berceuse einige recht schwierige Fingerübungen zu meistern, nur gegen Ende wird es dann wie am Anfang wieder etwas ruhiger. Die Virtuosität, die man in einem Wiegenlied eigentlich gar nicht nicht erwartet, sollte ganz unauffällig sein, sie sollte dem Hörer gar nicht bewußt werden. Auffälliges Rubato ist hier ganz fehl am Platze, Regelmäßigkeit sollte hier geradezu hypnotisierend wirken.

      Meine Aufnahmen:

      Hofmann (1918) Andante Chopin: Solo Piano vol. 1 AND1150 3.08
      Koczalski (1928) Andante Chopin: Solo Piano vol. 1 AND1150 4.20
      Backhaus (1928) Andante Great Interpreters 29962999 3.57
      Cortot (1949) Andante Chopin: Solo Piano vol. 1 AND1150 4.16
      Kempff (1945) Music & Arts CD1071 4.57
      Solomon (1952) Philips Great Pianists of the 20th Century 4569732 4.59
      Gieseking (1956) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568112 4.56
      Kempff (1958) Decca The Classic Sound 4523072 4.38
      Kempff (1960) Orfeo Orfeo d'Or C721072I 4.51
      Michelangeli (1962) Aura 223042 4.15
      Rubinstein (1962) RCA Red Seal 2 CD Twofer 74321341752 4.36
      Ashkenazy (1977) Decca Double Decca 4521672 4.58
      Goverts (1986) Deutsche Harmonia Mundi Schola Cantorum Basiliensis: Documenta HM8332 4.35
      Pollini (1990) Philips Great Pianists of the 20th Century 4569402 4.23
      Moravec (2002) Vox VXP7908 4.55
      Amoyel (2004) Calliope CAL9351.2 5.07

      Meine bevorzugten Sandmänner sind derzeit Kempff und Gieseking, dem auch übrigens ein wunderschönes Schumann-Schlummerlied (Albumblätter op. 124, No. 16) gelungen ist. Läßt sich das Forum auch ab und zu von Chopins Berceuse hypnotisieren? Und, wenn ja, von welchen Pianisten?

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      die von Dir aufgezählten Aufnahmen habe ich auch (fast) alle :D, plus:

      Stefan Askenase (DG)
      Fou Ts'ong (Sony)
      Adam Harasiewicz (Decca)
      Nikita Magaloff (Decca)
      Arturo Benedetti Michelangeli (1942 auf Teldec)

      Bevor ich allerdings eine (mehr oder weniger) geistreiche Stellungnahme zu den einzelnen Aufnahmen bzw. zu meiner Lieblings-Aufnahme abgeben kann, muss ich sie natürlich alle noch einmal hören. In der letzten Zeit habe ich die Michelangeli-Aufnahme aus 1962 sehr gern gemocht. In der früheren Aufnahme aus 1942 ist er übrigens mit 4:53 sehr viel langsamer gewesen als in der späteren. Ich denke aber, ich bevorzuge die schnellere Version.

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Original von Cosima
      Lieber Zelenka,

      die von Dir aufgezählten Aufnahmen habe ich auch (fast) alle :D, plus:

      Stefan Askenase (DG)
      Fou Ts'ong (Sony)
      Adam Harasiewicz (Decca)
      Nikita Magaloff (Decca)
      Arturo Benedetti Michelangeli (1942 auf Teldec)

      Gruß, Cosima


      :down :down :down

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      21 Versionen der Berceuse wären geschafft. Nun bin ich redlich müde.

      Sehr schön und zart eingelullt (dieses Mal im positiven Sinne!) mit seinem gleichmäßigen Klavierspiel hat mich Wilhelm Kempff. Für eine Version konnte ich mich nicht entscheiden. Vielleicht bevorzuge ich jene aus 1945.

      Berauschendes Klavierspiel (IMO das schönste Spiel von allen) hörte ich von Arturo Benedetti Michelangeli aus dem Jahre 1962. Er könnte etwas langsamer sein.

      Sehr gern gehört habe ich Pollini und Moravec. Nicht schlecht fand ich Harasiewiczs Klavierklang, sein Spiel vielleicht ein bisschen zu forsch.

      Ein breites Mittelfeld mit Gieseking, Magaloff, Askenase, Solomon usw. Hofmann ist mir deutlich zu schnell. Rubinstein mag ich gar nicht mehr mit Chopin hören, aber das ist Geschmacksache.

      Cortot, Backhaus und Ashkenazy empfand ich als eher nichtssagend, bei Amoyel bin ich mir noch unschlüssig (eigentlich höre ich ihn nicht so gern).

      Ganz schlimm fand ich Fou Ts’ong. Seine Berceuse wirkt IMO geradezu entstellt, von Ebenmaß oder fragilem Schönklang keine Spur.

      Ich reiche noch eben die Zeiten nach:

      Stefan Askenase (DG) 4:52
      Fou Ts'ong (Sony) 5:04
      Adam Harasiewicz (Decca) 4:24
      Nikita Magaloff (Decca) 4:49
      Arturo Benedetti Michelangeli (1942 auf Teldec) 4:53

      Und nun: Gute Nacht! :engel

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cosima ()



    • 1937 spielte Josef Hofmann die Berceuse in fast rekordverdächtiger Zeit (1918 war er allerdings noch schneller, wie ich eben sah): 3:38 Min. und damit eine der schnellsten Interpretationen, die ich bislang gehört habe. Das ist kein wonniges Schlummerliedchen mehr - eher eine rasante Etüde. Aber es macht riesigen Spaß, Hofmanns halsbrecherischem und m.E. sehr geschmackvollem Klavierspiel zu lauschen!

      Die ganze CD ist übrigens fantastisch. Hofmann spielt z.B. die „Caprice Espagnole“ seines Lehrers Moszkowski. Im Konzert brauchte er dazu 5:18, spielt in einem Wahnsinnstempo und zugleich sehr klar. :down Das Verrückte aber ist, dass er das Stück noch viel schneller spielen konnte: Hier benötigt er gerade mal 4:29. Grandios!

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • RE: Chopin: Berceuse in Des-Dur op. 57

      Ich finde die Berceuse eine ganz große, und oft zu Unrecht so wenig gespielte, Komposition.
      Nun bin ich nicht so ein CD - Sammler wie die meisten hier, aber ich habe eine Aufnahme Rubinstein (1932) 4,13, und Tamas Vasary.
      Ja, sie ist durchaus nicht einfach zu spielen und erfordert gute Konzentration, aber bei welchem Werk braucht man die nicht :-).
      Technisch ist sie durchaus spielbar.
      Cosima: Du hast sicher recht. Auch ich empfinde heute das Klavierspiel von Rubinstein manchmal etwas streng und veraltet. Aber die Klavierkonzerte mit Rubinstein zählen immer noch zu meinen Lieblingsaufnahmen.
      Gruß Dieter

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dieter ()

    • RE: Chopin: Berceuse in Des-Dur op. 57

      Original von Dieter
      Ich finde die Berceuse eine ganz große, und oft zu Unrecht so wenig gespielte, Komposition.
      Nun bin ich nicht so ein CD - Sammler wie die meisten hier, aber ich habe eine Aufnahme Rubinstein (1932) 4,13, und Tamas Vasary.
      Ja, sie ist durchaus nicht einfach zu spielen und erfordert gute Konzentration, aber bei welchem Werk braucht man die nicht :-).
      Technisch ist sie durchaus spielbar.
      Cosima: Du hast sicher recht. Auch ich empfinde heute das Klavierspiel von Rubinstein manchmal etwas streng und veraltet. Aber die Klavierkonzerte mit Rubinstein zählen immer noch zu meinen Lieblingsaufnahmen.
      Gruß Dieter


      Lieber Dieter:

      Schön, daß sich die Zahl der Berceuse-Freunde in diesem Forum auf 3 erhöht hat. Das Werklein hat Chopin immerhin ganz besonders am Herzen gelegen.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • RE: Chopin: Berceuse in Des-Dur op. 57

      Irgendwann als Kind oder Jugendlicher hatte ich die Berceuse im Radio gehört, seither ging mir das stetig sich wiederholende Motiv der linken Hand nicht mehr aus dem Kopf, und ich hatte keine Ahnung wie das Stück hieß oder wer es geschrieben hatte. Ich versuchte das Motiv sogar als junger Punk auf der Bassgitarre zu imitieren, meine Bandkollegen hatten allerdings wenig Verständnis dafür.

      Erst mit ca. 35 Jahren hörte ich das Stück wieder im Radio und war fix genug, mir bis zur Abmoderation Papier und Bleistift zu besorgen und den Titel zu notieren. So kaufte ich mir die nächstbeste Interpretation; mit Pianisten kannte ich mich damals noch weniger aus als heute. Ich habe es auch bis heute noch nicht zu einer Vergleichsaufnahme gebracht, doch noch immer meine ich jedesmal, wenn ich die CD höre, einen Glücksgriff getan zu haben. Die Pianistin ist Maria João Pires.