Schubert: Symphonie Nr. 9 "die Große C-Dur "

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Gerne möchte ich, mit einigen Jahren Verspätung, einen Teil der Ausgangsfragen beantworten.
      Ich habe 30 Aufnahmen dieses Werks (manche nur in mp3). Man darf daraus schliessen, dass ich dieses Werk sehr schätze, dessen angebliche Längen mich keineswegs stören. Natürlich kann ich bei dieser Menge keine differenzierte Rangordnung aufstellen, aber an der Spitze steht wohl ein Trio gebildet aus Furtwängler 1942
      Abendroth (Ende der 40-er oder Beginn der 50-er Jahre)
      Mengelberg 1942
      Es ist mir klar, dass es wahrscheinlich einen etwas bescheuerten Eindruck macht, dass die Aufnahmen, die ich am eindrucksvollsten finde, alle recht alt sind. Die meines Erachtens herausragende Aufnahme ist selbst für 1942 klangtechnisch miserabel - ich meine die Furtwängleraufnahme, die ich der von 1951 deutlich vorziehe. Sie ist selbst für Furtwängler'sche Verhältnisse oft extrem in ihren manchmal sprunghaften Temporückungen an denen sich wohl nur solche Geister stören, die lieber Partituren lesen als Musik hören.
      Furtwängler ebenbürtig ist als Dirigent Hermann Abendroth, der heute zu Unrecht fast vergessen ist. Nur die französische Tarah scheint sich noch um ihn zu bemühen, nachdem der Versuch von Berlin classics ihn (wieder) im Bewusstsein der Klassikhörer zu etablieren anscheinend vergeblich war.
      Sehr am Herzen liegen mir auch die beiden Radiomitschnitte in den Thomas Zehetmair das niederländische Radiokamerorkest und das amerikanische St. Pauls Kammerorchester leitet. (Die CD-aufnahme mit der Northern Sinfonietta kenne ich nicht). Von ihm als Dirigenten werden wir hoffentlich noch viel hören.
      freundliche Grüsse
      abendroth
    • Original von abendroth

      Sie ist selbst für Furtwängler'sche Verhältnisse oft extrem in ihren manchmal sprunghaften Temporückungen an denen sich wohl nur solche Geister stören, die lieber Partituren lesen als Musik hören.

      abendroth


      Eine merkwürdige Feststellung dies. Als ob es da einen Widerspruch gäbe. Konnte Herr Furtwängler vielleicht ohne eine Partitur des Werkes auskommen? Um ein Werk richtig beurteilen zu können sollte man möglichst auch die Partitur kennen. Denn nur hier offenbart sich die Absicht des Komponisten. Was ein Interpret daraus macht ist eine andere Sache, und hier spielen meistens subjektive Gesichtspunkte beim Hörer eine grosse Rolle. Nur wenn dann z.B. statt eines Allegro ein Andante gespielt wird ist das auch objektiv nicht im Sinne des Komponisten, denn dann hätte er ja gleich Andante geschrieben (allgemeine Feststellung ohne Bezug auf die Furtwängler Einspielung). Mir sind jedenfalls Interpreten suspekt die meinen es besser zu wissen als der Komponist, und sich Freiheiten herausnehmen die dem Werk zuwiderlaufen.

      Gruß Florestan
    • Hallo Florestan,
      nein, natürlich meine ich nicht, Dr. Furtwängler hätte das Werk aufführen können ohne einen Blick in die Partitur zu werfen. Was mich manchmal stört ist ein Hinweis, dies oder jenes stehe nicht in der Partitur. Ich denke dabei u.a. an rubati. Rubati sind der Atem der Musik. Häufig kommt es vor, dass ein Tempo, etwa bei einem melodischen Seitenthema zurückgenommen wird und später wieder etwas Gas gegeben wird. So etwas halten viele Leute heute für verpönt, weil es halt nicht in der Partitur steht. Ich glaube nicht, dass daraus folgt, der Komponist wolle es keinesfalls so aufgeführt haben. Mahler war z.B. mit Mengelbergs Aufführungen seiner Werke sehr zufrieden. Wenn Mengelberg die 4. spielt, dann beginnt das aussergewöhnlich zögerlich, wie wenn eine schwere Person aus einem tiefen Sessel aufsteht und erst nach ein paar Sekunden ein konstantes Schritttempo findet. Das steht gewiss nicht in der Partitur.
      ähnliches gilt für die Zurücknahme des Tempos am Ende eines Werkes, portamenti, etc.
      Aufführungen, bei denen an den Tempi strikt metronomisch festgehalten wird, wirken auf mich häufig seelenlos.
    • Original von abendroth

      Aufführungen, bei denen an den Tempi strikt metronomisch festgehalten wird, wirken auf mich häufig seelenlos.


      Hallo Abendroth

      Da sind wir einer Meinung. Der Komponist lässt ja häufig Spielräume für den Interpreten offen. Es gibt ja auch genügend Beispiele, wo ein Komponist das Werk nach öffentlicher Aufführung umgearbeitet hat. Das ständige herumfeilen eines Bruckner ist ja in dieser Hinsicht legendär.
      Mahler hat seine Sinfonien auch nachträglich verändert. Insofern kann es schon sein, dass er eine Version (z.B. von Mengelberg) gut fand in welcher der Interpret einen teilweise anderen Ansatz gewählt hat, obwohl er ja ansonsten sehr akribische Anweisungen in die Partitur geschrieben hat. Aber so ein Schöpfungsprozess ist ja etwas lebendiges.
      Schubert hat seine grosse C-Dur Sinfonie leider nie öffentlich gehört, war aber auch nicht dafür bekannt, nachträgliche Änderungen vorgenommen zu haben. Insbesondere in seinen letzten beiden Lebensjahren hat er ja wie im Rausch komponiert, das aber perfekt, so dass man eingentlich nichts hinzufügen müsste.
      So lange eine Interpretation in sich schlüssig und nicht beliebig wirkt ist auch gegen einen unkonventionellen Interpretationsansatz nichts einzuwenden. Das ist häufig eine Frage der Stilsicherheit, und die besitzen eigentlich alle grossen Dirigenten.

      Herzliche Grüße Florestan


    • Die Aufnahme der 9. Sinfonie mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Joseph Krips stammt aus dem Jahre 1958, ich besaß sie einst auch als LP. Krips' Auffassung ist genau das Gegenteil von Szell, Furtwängler und Kleiber. Obwohl die Dramatik nicht zu kurz kommt, wird hier doch bewusst nuanciert musiziert, was vor allem den Holzbläsern sehr entgegenkommt. Nicht nur als Alternative zu den Genannten ist sie sehr zu empfehlen.

      Gruß Amadé
    • Heute das erstemal gehört ,bin ich sehr beeindruckt von Immerseels Lesart der Großen C Dur ,



      das ganze ist eine sehr flüssige Angelegenheit von Satz 1-4 und natürlich mit allen Wiederholungen eine Rundum sehr gelungene Einspielung , die mir mehr als nur gefällt ,aber man sollte alte Hörgewohnheiten auch versuchen abzulegen !
      Sie stösst aber nicht meine Lieblings Aufnahme vom Podest ,das ist die Aufnahme von J.Tate und den Dresdnern !!!



      Ich höre mir auch keine 8 (9) mehr an in der die Wiederholungen ausgelassen sind ,das ist für mich mittlerweile zur Manie geworden ,denn das gehört einfach dazu ,sonst ist die Sinfonie nicht vollständig !
      Teleton und andere werden mich jetzt bestimmt steinigen,aber die Karajan 8te s.o. ist für mich sowas von unerträglich ,das es in meinen Ohren nur Lärm ist (und auch noch ohne Wiederholungen ) X( !


      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von palestrina ()

    • Benutzer online 1

      1 Besucher