Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 "Der Titan"

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    • Hallo Bernd,

      gut dass ich gefragt habe...1940..hmm .Meine älteste Aufnahme stammt aus 1952, und ich hatte stillschweigend angenommen, die Sony-CD beinhalte die 1951(?)er-Aufnahme aufbereitet, die auf einigen anderen Labeln kursiert. Für meine bisherigen Hörgewohnheiten hätte ich schon 1951 als äußerst gewagt empfunden.

      Ich weiß. Du sagst immer man gewöhne sich an historischen Klang, ich weiß ja auch, dass mir viel entgeht (vieles von Beecham, Toscanini z.B.), aber irgendetwas in meinen Ohren oder im Hörzentrum ist, was historischen Klang betrifft, äußerst störrisch.. :B

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von HenningKolf
      Chailly begeistert nicht nur bei der Ersten nicht...................


      nachdem chailly jetzt schon das zweite mal recht schroff abgetan wird, will ich das doch nicht so stehen lassen. denn sein zyklus ist imo einer der besten, wenn nicht überhaupt der beste momentan erhältliche.

      chaillys ansatz, auch bei der ersten, ist ein spielerisch musikantischer, würde ich meinen. im beiheft wird ja auch die nähe mahlers zu verdi angeschnitten (obwohl man über vergleiche dieser art geteilter meinung sein kann). natürlich wird man in solchen interpretationen etwa die emotionalität eines bernstein oder das schroff-fahrige eines solti vergeblich suchen. dafür erhält man über alle symphonien hinweg eine stringente und auf seine weise ganz persönliche sicht der mahler'schen musik - nur eben nicht auf extreme ausgelegt, sondern auf das musikalische element.

      man nehme etwa die erste: wo hat man das tänzelnde hauptmotiv des ersten satzes schon mal so natürlich beschwingt und wunderbar unaufgeregt gehört? oder der trauermarsch – perfekt ausgearbeitet und geradezu spielerisch leicht inszeniert, dabei niemals platt oder gar fad. nicht dass ich meine, dass es nicht auch anders möglich ist, aber dieser ansatz hat für mich schon seinen reiz. dazu kommt eine enorme liebe zum detail. da klingt nichts auch nur ansatzweise zufällig, jede kleine stimme ist perfekt balanciert, die steigerungen kommen klar und präzise, auch mit der nötigen wucht. und das concertgebouw orchester spielt den gesamten zyklus absolut grandios, das ist große kunst.

      natürlich funktioniert chaillys ansatz bei manchen werken besser als bei anderen, etwa in der grandiosen zweiten, der dritten, der fünften, der siebten oder der neunten. weniger überzeugt mich eigentlich nur die sechste, die ein wenig "underplayed" geraten ist.


      übrigens habe ich mahlers erste mit bruno walters aufnahme kennen gelernt. es ist wohl diese hier mit dem cbs symphony orchestra (meine ist gekoppelt mit einer famosen zweiten):



      obwohl mich die erste nicht mehr ganz so überzeugt wie früher, ist walter bei mir immer noch eine instanz bei mahler.
    • RE: Chailly

      Original von uhlmann
      Original von HenningKolf
      Chailly begeistert nicht nur bei der Ersten nicht...................


      nachdem chailly jetzt schon das zweite mal recht schroff abgetan wird

      .........


      so schroff sollte das gar nicht rüberkommen...also gut: Chailly begeistert mich nicht nur bei der ersten nicht.....


      natürlich ist die GA von Chailly keine im Wortsinne schlechte Aufnahme..aber besser bleibe ich mal beim Thema des Fadens (btw.: haben wir eigentlich einen zu den Gesamteinspielungen?):

      Die Bezugnahme auf Verdi trifft schon etwas, was mir gerade nicht gefällt..Mahler hat ja mit der Ersten eine durchaus collagenhafte Komposition erstellt, die vielfache Deutungen zulässt, aber jedenfalls im 3. Satz ist das Klezmer-Zitat mit "jüdischer Seele" zu spielen, finde ich jedenfalls. Ich habe mal in einer Phase recht intensiv traditionellen und auch modernen Klezmer gehört, und alle 4 von mir genannten anderen Dirigenten vermitteln das "Klezmergefühl" besser, wie ich finde.

      Wenn man den Schwerpunkt auf technische Perfektion des Spiels legt, empfinde ich die San Francisco Symphony überzeugender als das Concertgebouw, auch die Aufnahmetechnik ist bei TT/SFS besser, bei der Chaillyeinspielung wirkt der Klang bei Einsatz vieler Instrumentengruppen bzw. den tutti etwas eingedickt und intransparent (um bestimmten Verdachtsmomenten gleich vorzubeugen: Chailly habe ich als CD/FLAC, TT nur als mp3, trotzdem finde ich letztere Aufnahme besser klingend...)

      Walters Mahler hab ich übrigens auf der "Liste", wann wurde denn die 1. eingespielt?

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • meine walter-aufnahme ist aus 1961, die klangqualität ist erstaunlich gut dafür. was ich gesehen habe, gibt es einige andere aufnahmen der ersten unter walter auf cd.

      nochmal zu chailly: ich mag den bezug auf verdi auch nicht wirklich (ich mag eigentlich verdi nicht wirklich). es steht halt im beiheft und soll wohl den spielerischen ansatz chaillys rechtfertigen bzw. unterstützen. na ja...

      auch bin ich gar kein übertriebener freund technischer perfektion - falls das so rüber gekommen ist. im gegenteil ist mir immer die interpretation des dirigenten wesentlich wichtiger als das reine orchesterspiel (sonst müsste ich wohl karajan mögen, kleiner scherz). im falle mahler-chailly passen eben für mich beide komponenten zusammen, das ist dann wunderbar.
    • Wer mir bei Mahler 1 besonders gut gefällt, hängt wohl davon ab, was mir an Mahler 1 so gut gefällt.
      Oft wurde der dritte Satz genannt, bei mir ist es aber der erste Satz. Zum einen, weil er damals, als ich die Sinfonie zum ersten mal hörte, so ganz anders klang, als alle anderen Sinfonien, die ich zuvor gehört hatte (Klassik/Romantik).
      Zum anderen gefallen mir besonders die sinfonischen Sätze, die auf zuvor komponierten Liedern basieren. Im Falle der Ersten habe ich ständig die Zeile "Ging heut' morgen übers Feld" im Hinterkopf.
      Ich genieße es, wenn sich im ersten Satz aus leisen ersten Tönen langsam eine Melodie entwickelt. Und hier sind natürlich diejenigen Aufnahmen im Vorteil, bei denen die ersten leisen Töne nicht im Rauschen untergehen. So sehr ich z.B. die alte Bernstein Aufnahme mag, bei Mahler 1.1 greife ich auch gerne mal zu Inbal.
      Etwas allgemeiner formuliert: Bei Mahler haben auch schwächere Interpretationen am Markt eine Chance, solange sie klangtechnisch Top sind.

      Und wie reihe ich Mahler 1 im Vergleich zu seinen anderen Sinfonien ein ?
      Einerseits höre ich sie lieber als fast alle andere Sinfonik der Klassik und Romantik, andererseits gibt es noch Mahlers 2, 3, 6 oder 10, die das Potenzial haben, mich gefühlsmäßg mitzureissen und das je nach Stimmungslage auch machen. Solche Stellen hat Mahlers Erste leider nicht aufzuweisen. Zumindest ist es mir noch nicht passiert.

      Grüße
      Jürgen
    • Original von Jürgen

      Oft wurde der dritte Satz genannt, bei mir ist es aber der erste Satz. Zum einen, weil er damals, als ich die Sinfonie zum ersten mal hörte, so ganz anders klang, als alle anderen Sinfonien, die ich zuvor gehört hatte (Klassik/Romantik).

      Grüße
      Jürgen


      Hallo Jürgen,

      Lange war mein Lieblingssatz der dritte, heute gefallen mir alle Sätze gleich gut...... bis auf den vierten Satz, den hab ich nun doch etwas lieber.
      Der Weg aus dem Sanften, in die Realität. Dieses Spektakel, diese aggressive Gangart...... :down

      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Hallo Daniel und alle anderen!

      Danke für Deine Eröffnung! :)

      Ich besitze folgende Aufnahmen:

      Paul Kletzki / Wiener Philharmoniker 1965
      Leonard Bernstein / Concertgebouw Orchestra 1987
      Colin Davis / Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks 1988
      Yuri Simonov / The Royal Philharmonic Orchestra 1994

      Alle vier Aufnahmen haben ihre Qualitäten. "Must Haves" sind die Bernstein- und die Davis-Einspielung. Welche von beiden ich als besser empfinde, wechselt bei mir je nachdem, worauf ich das Hauptaugenmerk lege. Momentan ist eindeutig Bernstein vorn.

      Bernsteins Zugang entspricht wohl den Intentionen Mahlers am besten. Die ersten drei Sätze praktizieren einen ironischen Blick auf den "symphonischen Helden", während der letzte wie ein "Aufschrei", wie eine "Anklage gegen Gott" klingen soll. Genauso interpretiert Expressivo-Lenny das Werk. Die Bläser im ersten Satz imitieren hier wirklich einen Naturlaut, der durch den sehr vollen Klang seine durchdringende Wirkung entfalten kann. Den Zweiten kann ich mir gemütlicher und behaglicher kaum vorstellen: - unser "Held" hat hier hörbar seinen gesellschaftlichen Erfolg mit aller "Philisterei", die dazu gehört. Der ironische Trauermarsch wird in einem schnellen Tempo gespielt, was die Satire verstärkt. Davis ist hier im Vergleich viel bedächtiger, sentimentaler, trauriger - was mir persönlich mehr liegt, aber Lenny trifft eben die Idee, die Mahler mit diesem Part verband.
      Der letzte Satz zieht eine scharfe Trennlinie zu den drei vorangegangenen: - er bricht mit einer hochfahrenden Geste über den Hörer herein, die deutlich von Beethoven inspiriert ist. Die Ironie - das Als-ob - ist nun endgültig verschwunden: Pathos, Stolz und kämpferische Tragik werden mit vollem Ernst insziniert. Bernstein "tobt" hier ganz in seinem Element: - der Frühlingsweckruf des Beginns ist zum Schlachtensignal geworden, die ca. zwanzigminütige Dauerspannung wird gehalten, die Pauken sind so präsent und gewittrig, das einem Hören und Sehen vergeht.

      Im Grunde ist in der 1. Symphonie schon der ganze Mahler präsent: - Trauermarsch, romantische Ironie, Tragik, das "Schütteln der Faust gegen Gott", der Naturlaut usw.

      Herzliche Grüsse!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Mahler 1 - Norrington

      hallo zusammen,

      ich habe gestern und heute erstmals die aufnahme der ersten unter roger norrington gehört.



      wie erwartet bevorzugt norrington einen recht nüchtern-kühlen ansatz, er ist auf klare strukturen und klangliche transparenz aus. natürlich läßt er wie immer ohne vibrato spielen (schon fast sein markenzeichen), und er spielt die symphonie mit dem von mahler nachträglich entfernten blumine-satz (als zweiten satz).

      die aufnahme hinterläßt bei mir einen zwiespältigen eindruck. das vibratolose klangbild finde ich grundsätzlich ganz interessant (auch wenn ich es nicht unbedingt haben muss). positiv zu vermerken ist die gute durchhörbarkeit und eine prägnante rhythmik, wodurch vor allem das scherzo schön beschwingt daherkommt. allerdings leiden die anderen sätze, allen voran der erste, durch norringtons steife tempi und sein unvermögen, zwischendurch auch mal etwas pathos zuzulassen. so geht doch viel an dramatik und innerer spannung verloren.

      angesichts dieser interpretation wundert es mich nicht, dass norringtons mahler so unterschiedlich rezensiert wird (positiv hier, negativ hier). es ist dies sicher keine aufnahme für jedermann.
    • RE: Mahler 1 - Norrington

      Original von uhlmann

      angesichts dieser interpretation wundert es mich nicht, dass norringtons mahler so unterschiedlich rezensiert wird (positiv hier, negativ hier). es ist dies sicher keine aufnahme für jedermann.


      Mich wundern die unterschiedlichen Reaktionen auch nicht - die negative Rezension wurde mal wieder von diesem snobistischen, herablassenden Mr. H. geschrieben, bei dessen Rezensionen mir regelmäßig ganz blümerant wird. Allein schon der Einleitungssatz... :S
    • Gibt es eigentlich überzeugende Einspielungen der Ersten, die den "Blumine" Satz enthalten? Sind solche Einspielumngen notwendig, oder hat sich Mahler richtig entschieden, diesen Satz zu entfernen? Ich kenne diesen nämlich gar nicht....
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    • Original von Dr. Schön
      Gibt es eigentlich überzeugende Einspielungen der Ersten, die den "Blumine" Satz enthalten? Sind solche Einspielumngen notwendig, oder hat sich Mahler richtig entschieden, diesen Satz zu entfernen? Ich kenne diesen nämlich gar nicht....


      Ich kenne keine, auch nicht als Einzeleinspielung. (nach wie vor ist meine Lieblingseinspielung der ersten (ohne Blumine) von der Süddeutschen Philharmonie mit Denis Zsoltay)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • Original von ab
      Original von Dr. Schön
      Gibt es eigentlich überzeugende Einspielungen der Ersten, die den "Blumine" Satz enthalten?


      Ich kenne keine, auch nicht als Einzeleinspielung.


      Ich meinte, ich kenne keine Interpretation von Blumine, die mich überzeugt hätte, und Interpretationen habe ich einige gehört.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: Mahler 1 - Norrington

      Original von uhlmann

      angesichts dieser interpretation wundert es mich nicht, dass norringtons mahler so unterschiedlich rezensiert wird (positiv hier, negativ hier). es ist dies sicher keine aufnahme für jedermann.


      Lieber Uhlmann,

      mich wundert das auch nicht. Ich habe Norrington ja ziemlich oft im Konzert gehört und mich hat er nur ein einziges Mal überzeugt mit einer frühen Mozart-Sinfonie mit kleiner Besetzung und historischen Instrumenten (warum ich trotzdem oft in den Konzerten war, das ist eine andere, längere Geschichte, die einen außermusikalischen Hintergrund hat). Ich habe den Eindruck, dass er - zumindest mittlerweile - seine Interpretation nicht aus dem Werk heraus erarbeitet, sondern jedwedem Werk seine Masche überstülpt. Ich finde das zäh und langweilig und - vor allem - unangemessen.

      Liebe Grüße

      Sabine

      P.S. Ich bin ja kein großer Mahler- und kein großer Sinfonien-Hörer und besitze deshalb nur eine Aufnahme von Mahlers No. 1, für die ich mich beim Vergleichshören entschieden hatte und die mir immer noch gut gefällt. Und zwar diese:


      Gustav Mahler - Symphony No. 1
      Royal Concertgebouw Orchestra - Mariss Jansons
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • RE: Mahler 1 - Norrington

      Original von cellodil
      Ich habe den Eindruck, dass er - zumindest mittlerweile - seine Interpretation nicht aus dem Werk heraus erarbeitet, sondern jedwedem Werk seine Masche überstülpt. Ich finde das zäh und langweilig und - vor allem - unangemessen.

      Liebe Grüße
      Sabine


      das mag heute durchaus so sein, ich kenne aber (angesichts des hohen preises) fast keine neueren einspielungen. viele seiner früheren aufnahmen mit den london classical players finde ich recht gelungen: etwa die symphonien beethovens oder mozarts opern.

      neuerdings wird sein bruckner (mit dem swr-orchester) in den höchsten tönen gelobt. ich habe da so meine zweifel...
    • RE: Mahler 1 - Norrington

      Original von uhlmann
      neuerdings wird sein bruckner (mit dem swr-orchester) in den höchsten tönen gelobt. ich habe da so meine zweifel...


      ... ich auch.

      Liebe Grüße

      Sabine

      P.S. Ich kenne zwar "den frühen Norrington" nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er irgendwann in grauer Vorzeit tatsächlich mal Gutes geleistet haben muss. Irgendwoher muss seine Reputation ja stammen und aus dem, was er gegenwärtig (und schon seit längerer Zeit) abliefert (anders kann man das nicht bezeichnen, finde ich), lässt sich das nicht erklären.
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von cellodil ()

    • RE: Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 "Der Titan"

      Im November 1989 wurde dieses Werk Uraufgeführt. Leider ist mir über die Reaktion des Publikums nichts bekannt. Es wäre interessant zu wissen, wie die Konzertbesucher damals dieses Werk beim ersten Mal aufgefasst haben.


      Meines Wissen gab es beim Publikum, und besonders auch bei die Kritikern sofort zwei Lager:

      Eben die Einen, die unglaublich begeistert waren und erkannten, was das Werk für ein genialer Erstling ist, der damals in ganz neue Bahnen lenkte.

      Die Anderen waren empört. Vermutlich jedoch aus genau den selben Gründen. Denn das neue (und für sie
      "skandalöse") war die Verwendung von volkstümlicher und auf den ersten Blick! naiver Musik, so beispielsweise der Ländler (2. Satz). Tatsächlich wird sogar behauptet es gäbe einen regelrechten Skandal bei der Uraufführung. Ich denke die meisten damals Leute haben einfach den dritten Satz nicht verstanden und wurden dann vom vierten niedergeschmettert (mit geschmettere :D)

      Aber wie gesagt, wen es jemand gefallen hatte war er wohl hin und weg...
      von eurem kreislerianer
    • RE: Mahlers Erste - wunderbar hochmusikalisches Werk

      Hallo Kreisler und alle Mahlerianer,

      ich gehöre zu der Zielgruppe die gerade die Sinfonie Nr.1 von Mahler überaus schätzen. Eime meiner liebsten Mahler-Sinfonien.

      :engel Selbst meine Frau, die Klassik heutzutage mehr nebenbei bei mir hört, staunt über die zahlreichen Ohrwürmer in dieser Sinfonie.

      Meine Erste und nach wie vor höchstgeschätzeste Aufnahme ist die mit Solti / Chicago SO (DECCA) in meiner Decca-GA-Box.
      Fabelhafte Dramaturigie, Spannung pur und audiophile Klangtechnik gehen wunderbar Hand in Hand. (Ich berichtete auch hier bereits von meiner Vorliebe für Solti´s Wahnsinnsaufnahmen).

      Eine Ergänzung zu Solti bietet mir die Bernstein-Aufnahme (SONY).
      Hierzu hat Nordolf ein voll zutreffendes Statement abgegeben, dem ich mich voll anschließen möchte:
      Bernsteins Zugang entspricht wohl den Intentionen Mahlers am besten. Die ersten drei Sätze praktizieren einen ironischen Blick auf den "symphonischen Helden", während der letzte wie ein "Aufschrei", wie eine "Anklage gegen Gott" klingen soll. Genauso interpretiert Expressivo-Lenny das Werk. Die Bläser im ersten Satz imitieren hier wirklich einen Naturlaut, der durch den sehr vollen Klang seine durchdringende Wirkung entfalten kann. Den Zweiten kann ich mir gemütlicher und behaglicher kaum vorstellen: - unser "Held" hat hier hörbar seinen gesellschaftlichen Erfolg mit aller "Philisterei", die dazu gehört. Der ironische Trauermarsch wird in einem schnellen Tempo gespielt, was die Satire verstärkt. Davis ist hier im Vergleich viel bedächtiger, sentimentaler, trauriger - was mir persönlich mehr liegt, aber Lenny trifft eben die Idee, die Mahler mit diesem Part verband.
      Der letzte Satz zieht eine scharfe Trennlinie zu den drei vorangegangenen: - er bricht mit einer hochfahrenden Geste über den Hörer herein, die deutlich von Beethoven inspiriert ist. Die Ironie - das Als-ob - ist nun endgültig verschwunden: Pathos, Stolz und kämpferische Tragik werden mit vollem Ernst insziniert. Bernstein "tobt" hier ganz in seinem Element: - der Frühlingsweckruf des Beginns ist zum Schlachtensignal geworden, die ca. zwanzigminütige Dauerspannung wird gehalten, die Pauken sind so präsent und gewittrig, das einem Hören und Sehen vergeht.

      :beer Diese Worte schrieb Nordolf zur Bernstein-Aufnahme mit dem CGO (DG) --- sie gelten aber auch gleichsam für meine Aufnahme mit den New Yorker PH.



      :cool Auf den Blumine-Satz, der die Sinfonie IMO unerträglich lang machen würde (denn Gesang ist ohnehin nicht meine Dömäne) kann ich gerne absolut verzichten.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: Mahlers Erste - wunderbar hochmusikalisches Werk

      Original von teleton
      :cool Auf den Blumine-Satz, der die Sinfonie IMO unerträglich lang machen würde (denn Gesang ist ohnehin nicht meine Dömäne) kann ich gerne absolut verzichten.


      Also ich kenne nur eine Einspielung der Blumine. Die ist etwa 7:30 Minuten lang und instrumental.
      Die Länge der Sinfonie ist für mich kein Argument, die Blumine wegzulassen. Die Erste ist ohnehin eine der kürzesten (wenn nicht sogar die kürzeste) Sinfonien Mahlers, der sogar längere Lieder komponierte :D.

      Ich schätze eher, Mahler hatte sie für zu leicht empfunden. Das zumindest ist mein Eindruck, wenn ich sie mit dem Rest der Sinfonie vergleiche. Sie hat einfach nicht mehr hineingepasst.

      Grüße
      Jürgen
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