Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 "Der Titan"

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    • Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 "Der Titan"

      Guten Morgen Mahler-Freunde,


      Gustav Mahler (1860 - 1911)

      Geboren: * 7. Juli 1860 in Kalischt, Böhmen
      Gestorben: † 18. Mai 1911 in Wien
      ___________________________________________





      Gustav Mahler - Symphonie Nr. 1 "Der Titan"

      Jetzt, wo dieses Forum wieder eine Zukunft hat bin ich doch gleich moiviert mit Neuem loszulegen :).

      Die erste Symphonie war erst 10 Jahre nach der eigentlichen fertigstellung in Mahlers Augen vollendet. Von 1984 - 1988 komponierte er diese Symphonie, welche schon früh den Beinahmen "Der Titan", von Mahler selbst bekam, nach dem gleichnamigen Roman "Der Titan" von Mahlers Lieblingsschriftsteller. Später zog er diesen Beinahmen wieder zurrück, was unser eins aber kaum registriert, auch heut heißt sie bei uns noch "Der Titan" Ich möchte mich nicht länger mit den Umgrabungen der Symphonie in den Jahren 1889 - 1899 aufhalten. Bei weitergehendem Interesse ist sind diese (ausführlichen) Link'a sinnvoll:

      wikipedia

      Im November 1989 wurde dieses Werk Uraufgeführt. Leider ist mir über die Reaktion des Publikums nichts bekannt. Es wäre interessant zu wissen, wie die Konzertbesucher damals dieses Werk beim ersten Mal aufgefasst haben. Beim ersten mal Hören fand ichs interessant, dann hab ich diese Symphonie im Konzert (Staatsorchester Braunschweig, dir. Alexander Joel) gehört und war hin und weg. Welche Gigantische Orchesterbesetzung diese Symphonie erfordert, ein Schauspiel von großer Klasse. Und dann diese Musik, als ob jemand einen Roman erzählt, oder als ob jemand sein Leben vor einem Ausbreitet.
      Ich war total fasziniert und erinnere mich noch Gut, dass ich kaum zu halten war, als die letzten Takte dieser Symphonie verklangen. Aus mir Sprach keine Vernunft mehr, so betäubt war ich. Begeisterung Pur! Aber was ist es was mich so begeistert hat? Dieser "Mahler"ische lange Atem dieser Symphonie, das erzählerische, die gebundenheit zur Natur, die Aufgehende Sonne im ersten Satz, die darauffolgenden Vogelstimmen"Vogelgezwitscher", die böhmischen Volksklänge u.a. "Frere Jaques", der Atemberaubende Ausklang, mit Donner, Trommeln und Trompeten. Mahler der Geschichtenerzähler, ein Buch aus Noten, lang und doch NIE langweilig! Eine wahrhaft aufwühlende Musik. Und an dieser Stelle kann ich Leonard Bernstein noch viel Besser verstehen, dass er in dieser Art Musik Erfüllung finden konnte. Wer Ihn beim dirigieren von Maler einmal zugesehen hat, weis wovon ich rede. Wie Hefeteig der bei der bestimmten Temperatur, aufgeht. Bernstein Mahler 1 (Teilstück) Faszinierend!


      ...über den letzten Satz der Symphonie, welcher wie ein Gewitter über den Hörer herreinplatzt....

      "Wie der Blitz aus dunkler Wolke" bricht der Schlußsatz mit schneidenden Dissonanzen herein, ein "Aufschrei eines im Tiefsten verwundeten Herzens" (Mahler)

      "Das Inferno symbolisiert die Hölle des Daseins, das Paradiso Überwindung des Elends und Leids. Mahler meinte, der ‚Held‘ seines Werkes erringe den Sieg erst im Tode." (Constantin Floros)

      Ja, dieser Schlusssatz hat auch so manchen Mahlerunverständigen Konzertbesucher unsanft aus dem Schlaf gerissen, wie ich beobachten konnte und welches ich mit Freuden registrierte :D

      Videobeispiel - Claudio Abbado, 1990, Mahler Symphonie Nr. 1 "Titan"

      Videobeispiel - Claudio Abbado, 1990, Mahler Symphonie Nr. 1 "Titan" Teil 2


      Man vermutet, dass Mahler in diesem "Holzschnitt" seine Anregung zur komposition des (wunderschönen) 3. Satzes bekam.

      Ich besitze zwei Aufnahmen dieses Werkes:


      New Yorker Philharmoniker, Leonard Bernstein, 1966


      Chicago Symphonie Orchestra, Sir Georg Solti, 1983


      Ich bin noch an weiteren Aufnahmen dran und werde dann bei Zeiten darüber berichten über z.B Bernsteins späte Wiener Aufnahme....

      Oder könnt Ihr mir eine "Haben muss!" Aufnahme nennen?
      Abschließend würde mich jetzt interessieren, wie Ihr dieser Symphonie Gegenübersteht?
      Löst sie auch solch eine Begeisterung in euch aus?

      Ich hoffe auf interessante Diskussionen!

      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Ich finde, Mahler hat erst in seiner zweiten Sinfonie so richtig zu sich gefunden. Mich begeistert die seine erste nicht so richtig.

      Aber ich nütze wieder einmal die Gelegenheit, um folgenden Geheimtipp loszuwerden:
      Gustav Mahler, Sinfonie 1, der Titan, Denis Zsoltay, Süddeutsche Philharmonie

      Sie ist 1976 bei Intercord herausgekommen und ist immer noch die mir liebste Interpretation, die ich von dieser Sinfonie kenne! Nicht zuletzt auch deshalb, weil in ihr - noch lange vor den Experimenten eines Uri Canes (Winter&Winter) - die jüdischen Wurzeln Mahlers offen gelegt werden.
      :down
      (Da nehme ich selbst den 70er-Jahre-Klang in Kauf.) Unbedingt anhören!

      Inzwischen unter diesem Cover:
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • Hallo Daniel,

      Danke für Deinen schönen Mahler-Beitrag.
      Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
      Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahlker Kompetenz hat.
      Zudem kam ein wichtiger Punkt hinzu - die vorbildliche Decca-Klangqaulität, die diese Aufnahmen nach wie vor an die Spitze stellt. Diese Cd´s werden allerorten als Beispiel- und Vorführaufnahmen verewendet.
      Solti´s Interpretation der Sinfonie Nr.1 wirkt auf mich von Anfang bis zum Ende schüssig und spannend - für mich nach wie vor meine Lieblingsaufnahme.
      ?( Es gibt einige Klassikhörer die Mahler´s Erste als banale Sinfonik bezeichnen. Von solchen Bezeichnungen möchte ich distanzieren.
      Wie kann man solch fantastischen und fabelhaften Erfindunbgsreichtum, voller Ohrwurmthemen als banal bezeichnen.
      Die Erste gehört zu meinen liebsten Mahler-Sinfonien, zusammen mit der Sinfonie Nr.6 (natürlich auich mit Solti).


      Ich habe auch die Bernstein-Aufnahme mit den New Yorker PH (SONY) - ebenfalls als GA.
      Bernstein ist für mich ein wunderbarer Mahler-Dirigent mit allen Emotionen. Und seien diese Emotionen laut Aussagen einiger Kritiker noch so übertrieben - ich finde es wunderbar ! Mahler ist für mich Emotional und so soll es auch klingen.
      Auch Mahler´s 1 finde ich mit Bernstein voll gelungen und angemessen interpretiert.
      Seine wiener Aufnahme (DG) kenne ich nicht - muß ich auch nach dieser nicht mehr, weil die Sony-Aufnahe voll ( im positiven Sinne ) ausreicht.


      Meine dritte Aufnahme der Sinfonie Nr.1 ist die Chailly-Aufnahme mit dem CGO Amsterdam (Decca) - ja, auch als GA !
      Diese hatte ich mir seinerzeit für das TOP-Angebot beim Nederlands Dagblatt für 20,-Euro bestellt um Interpretaionsvergleiche zu haben. Klanglich in DDD und Decca-Like absolut zufriedenstellend. Trotz DDD aber nicht noch besser als Solti analog - wer will das auch noch toppen ??? Aber interpretatorisch fehlt mir bei Chailly die Emotionalität Bernsteins und der packende Zugriff Solti´s.
      Ein Mahler der Mitte, den Chailly bietet, leider mehr nicht.
      Ein bekannter Forums-Kritiker (aus dem Nord(erstedt)en Deutschlands) hatte im letzten Jahr mal einen passenden Ausspruch zu Chailly´s Mahler:
      "Weder Fisch noch Fleisch !"
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von teleton ()

    • Original von teleton

      Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
      Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahler Kompetenz hat.


      Ich dachte in der GA wäre die Londoner Analogaufnahme enthalten gewesen - lieg' ich da falsch?
      ?(
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von ab
      Original von teleton

      Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
      Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahler Kompetenz hat.


      Ich dachte in der GA wäre die Londoner Analogaufnahme enthalten gewesen - lieg' ich da falsch?
      ?(

      Hallo ab,

      ja, da liegst Du falsch.
      In der DECCA-GA sind alle Solti-Aufnahmen mit dem Chicago SO.

      Und um Daniels Frage jetzt noch zu beantworten:
      Oder könnt Ihr mir eine "Haben muss!" Aufnahme nennen?

      Du hast Sie schon - es ist IMO Deine mit Solti !
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Hallo ab,

      Original von ab
      Ich finde, Mahler hat erst in seiner zweiten Sinfonie so richtig zu sich gefunden. Mich begeistert die seine erste nicht so richtig.



      Zustimmung bei der zweiten Symphonie Mahlers! Vielleicht sogar die größte und Schönste Symphonie in meinen Augen, wohl zusammen mit der Neunten Beethovens. Jedoch finde ich, dass die erste und die zweite Symphonie garnicht so weit auseinander liegen.

      Danke für den Denis Zsoltay - Tipp!


      Gruß
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Original von daniel5993
      Danke für den Denis Zsoltay - Tipp!


      Womöglich geistert sie sogar als kostenloser Download im mp3 Format zum Kennelernen in den Weiten des Interents herum. Dunkel meine ich mich zu entsinnen, diese Info einmal irgendwo aufgelesen zu haben. ?(
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Guten Tag Wolfgang,

      Danke für Deinen schönen Mahler-Beitrag.

      Schön, dass du auch wieder da bist. Ich hatte die Befürchtung, dass du dich hier komplett abgemeldet hast.

      Die Mahler: Sinfonie Nr.1 war mein Mahler-Einstieg.
      Ich wählte dazu die von Dir genannte Solti-Aufnahme (Decca) , die ich mir direkt als GA zugelegt hatte, nachdem ich mich vorher lange informiert hatte, wer die Mahlker Kompetenz hat.

      Mein Einstieg war ebenfalls die erste mit Georg Solti.
      Falls du dich erinnern kannst, es war noch im Hifi-Forum und „damals“ hatte ich die Gesamtaufnahme über PN von dir erstanden, damals noch auf Schallplatte.
      Kurz darauf kam dann Lenny B. mit der New Yorker GA.

      Solti´s Interpretation der Sinfonie Nr.1 wirkt auf mich von Anfang bis zum Ende schüssig und spannend - für mich nach wie vor meine Lieblingsaufnahme.

      :beer

      Auch Mahler´s 1 finde ich mit Bernstein voll gelungen und angemessen interpretiert.

      :beer :beer

      Bernstein ist für mich ein wunderbarer Mahler-Dirigent mit allen Emotionen. Und seien diese Emotionen laut Aussagen einiger Kritiker noch so übertrieben - ich finde es wunderbar ! Mahler ist für mich Emotional und so soll es auch klingen.

      :beer Was muss ich da noch sagen? Ganz mein reden! :beer

      Seine wiener Aufnahme (DG) kenne ich nicht - muß ich auch nach dieser nicht mehr, weil die Sony-Aufnahe voll ( im positiven Sinne ) ausreicht.

      Ich kenne die 2. Symphonie von der DGG-GA und diese Symphonie legt noch eine geballte Ladung „Power“ mehr drauf als die der Sony GA, von daher ists für mich schon interessant, wie das wohl bei den anderen Symphonien der DGG-GA aussieht.

      Grüße
      Daniel
      :hello
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • @ leleton

      Die DGG hat Mahlers 1. mit Bernstein nicht mit den Wiener Philharmonikern sondern mot dem Concertgebouw-Orchester produziert.
      Die Chailly-Aufnahme, da bin ich ganz Deiner Meinung, ist nicht das Gelbe vom Ei.

      @ Daniel u.a.

      Auf zwei andere Einspielungen möchte ich noch hinweisen, zunächst auf eine Außenseiter-Aufnahme: Arpád Jóo hat 1983 mit einem weniger renommierten holländischen Orchester, den Amsterdamer Philharmonikern, die 1. produziert von Sefel-Records, jetzt erhältlich bei Arts.



      Er erlaubt dem Hörer wie kaum ein anderer Dirigent den BLick ins Innere des Werkes und arbeitert die verschiedenen Ebenen der Komposition hervorragend heraus.
      Gut hat mir immer gefallen wegen ihres Drives, wenn auch nicht so tiefschürfend wie Jóo, die 1. Aufnahme mit James Levine und dem London Symphony Orchestra aus dem Jahr 1974 bei RCA.

      Grüße Amadé
    • Herzlichen Dank an Daniel für seine Mühen!

      Ich kann mich leider nicht zu den Mahler-Kennern zählen, ich werde und will wohl auch kein solcher mehr werden. Entsprechend gering sind meine Bestände:

      NYPO, Bernstein Sony SX12K89499
      BRSO, Kubelik DG Originals 4497352
      Florida Philharmonic O, Judd Harmonia Mundi Classical Express HCX3957118
      Tonhalle O Zürich, Zinman RCA Red Seal 82876871562

      Überzeugend finde ich hier nur Bernstein, Kubelik ist staubtrocken, Judd merkwürdig, und auch der sorgfältige Zinman hat mich enttäuscht.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Cosima
      Die 1. ist neben der 4. meine liebste der Mahler-Symphonien. Herbert Kegel (Edel classics) und Jascha Horenstein (Unicorn) sind meine Favoriten.

      Gruß, Cosima


      Wo sind Kegle und Horenstein nun Deine Favoriten, bei der 1. oder 4.? Oder gar sowohl als auch?
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von Cosima
      Sowohl als auch eigentlich... (Szell in der 4. aber nicht zu vergessen).


      Danke!
      (Ist zwar off topic aber: Horenstein, den ich ja besonders mag, finde ich bei der 4. eher enttäuschend - aber das trifft inzwischen ja auf alles zu, seit ich Mengelberg mit Vincent Jo kenne.)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von Zelenka
      Judd [ist] merkwürdig


      Ich stimme zu, betone aber anders: Merk-würdig.
      Ich finde es großartig, mit welch langem Atem Judd riesige Spannungsbögen aufbaut und hält. Er trifft den Mahlerschen Tonfall aus einer recht "objektiven" Sicht heraus. Dazu passt der extrem satte, farbige und dabei dennoch transparente Orchesterklang. Ich schätze -wie auch bei Levi und López Cobos- diese Herangehensweise an Mahler sehr. Mit der Betonung der klanglichen und architektonischen Seite wird jene Emotionalität vermeiden, die gerne mal in Kitsch und Sentimentalität umschlägt (wie in meinen Ohren bei Bernstein/DG).
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Original von Dox Orkh
      Original von Zelenka
      Judd [ist] merkwürdig


      Ich stimme zu, betone aber anders: Merk-würdig.
      Ich finde es großartig, mit welch langem Atem Judd riesige Spannungsbögen aufbaut und hält. Er trifft den Mahlerschen Tonfall aus einer recht "objektiven" Sicht heraus. Dazu passt der extrem satte, farbige und dabei dennoch transparente Orchesterklang. Ich schätze -wie auch bei Levi und López Cobos- diese Herangehensweise an Mahler sehr. Mit der Betonung der klanglichen und architektonischen Seite wird jene Emotionalität vermeiden, die gerne mal in Kitsch und Sentimentalität umschlägt (wie in meinen Ohren bei Bernstein/DG).


      Lieber Dox:

      Einiges hat Judd sicher auch einer sehr guten Aufnahmetechnik zu verdanken ... Im ganzen klingt mir seine Interpretation zu unidiomatisch, überlegt und sachlich. Zwischen Judd und dem völligen Kitsch liegen doch noch einige Zwischenstufen, die mir mehr zusagen würden.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • Original von Zelenka
      Original von Dox Orkh
      Original von Zelenka
      Judd [ist] merkwürdig


      Ich stimme zu, betone aber anders: Merk-würdig.
      Ich finde es großartig, mit welch langem Atem Judd riesige Spannungsbögen aufbaut und hält. Er trifft den Mahlerschen Tonfall aus einer recht "objektiven" Sicht heraus. Dazu passt der extrem satte, farbige und dabei dennoch transparente Orchesterklang. Ich schätze -wie auch bei Levi und López Cobos- diese Herangehensweise an Mahler sehr. Mit der Betonung der klanglichen und architektonischen Seite wird jene Emotionalität vermeiden, die gerne mal in Kitsch und Sentimentalität umschlägt (wie in meinen Ohren bei Bernstein/DG).


      Lieber Dox:

      Einiges hat Judd sicher auch einer sehr guten Aufnahmetechnik zu verdanken ... Im ganzen klingt mir seine Interpretation zu unidiomatisch, überlegt und sachlich. Zwischen Judd und dem völligen Kitsch liegen doch noch einige Zwischenstufen, die mir mehr zusagen würden.

      Gruß, Zelenka


      Lieber Zelenka,

      in der Tat erlangte diese Aufnahme durch die Klangtechnik einigen Ruhm. Stereophile gab ihr 1995 das Prädikat "Records 2 Die 4". Was die Dynamik angeht, ist mir das zu gut, denn es ist praktisch unmöglich, diese Aufnahme anzuhören, ohne zwischendurch am Lautstärkeregler zu drehen.
      Ich finde deine Sichtweise "zu unidiomatisch, überlegt und sachlich" gar nicht so weit weg von meiner; ich würde lediglich das "zu" weglassen.

      Gruß, Jochen
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Original von Dox Orkh

      Lieber Zelenka,

      in der Tat erlangte diese Aufnahme durch die Klangtechnik einigen Ruhm. Stereophile gab ihr 1995 das Prädikat "Records 2 Die 4". Was die Dynamik angeht, ist mir das zu gut, denn es ist praktisch unmöglich, diese Aufnahme anzuhören, ohne zwischendurch am Lautstärkeregler zu drehen.
      Ich finde deine Sichtweise "zu unidiomatisch, überlegt und sachlich" gar nicht so weit weg von meiner; ich würde lediglich das "zu" weglassen.

      Gruß, Jochen


      Lieber Jochen:

      Besten Dank für den Link! Als Leckerbissen für Audiophile habe ich die Aufnahme immer empfunden. Daß die Dynamik nicht komprimiert worden ist, ist ja eher löblich! Aber ich erinnere mich, daß ich auch Schwierigkeiten hatte, die richtige Einstellung der Lautstärke zu finden (falls ich sie gefunden habe).

      Was die Interpretation angeht, scheinen wir ja überraschend gar nicht so weit auseinanderzuliegen.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Hallo Daniel,

      wirkliche Begeisterung für Mahler habe ich eigentlich erst ab der 3. Sinfonie aufwärts entwickelt, gleichwohl nenne ich einige Einspielungen der Ersten mein eigen:

      Bernstein/NYPO
      Giulini/ChicagoSO
      Chailly/Concertgebouworkest
      Tilson Thomas/SFS
      Kondraschin/StaatlSO der Moskauer Philharmonie (oder eine ähnliche Orchesterbezeichnung, ich habe eine in der Ukraine lizensierte Melodyiaausgabe - alles kyrillisch auf dem Cover)

      Sowohl Giulini als auch TT leiten Orchester, die sich durch allerhöchste Spielkultur und technische Perfektion auszeichnen, aber für meine Ohren bleibt die Emotion ein wenig auf der Strecke (gleichwohl für viele Klassikfreunde sicher empfehlenswert).

      Weder die New Yorker noch das Sowjetorchester zeichnen sich durch obige Eigenschaften aus, aber dafür vermitteln die Einspielungen keine Distanz, sondern emotionales Erleben. Dies gefällt mir bei dieser Art Musik am besten (tatsächlich höre ich, wenn ich die Erste höre, fast immer Kondraschin).

      Chailly begeistert nicht nur bei der Ersten nicht...................

      Interessieren würde mich, ob jemand - Bernd und ab kennen schließlich fast alles :) - diese Aufnahme





      kennt. Ich bin noch unschlüssig, ob ich mir die CD zulegen soll oder nicht..Mahlers 6. unter Mitrop., die ich früher einmal besaß, finde ich - durchaus im Wortsinne - dämonisch gut. Allerdings liegen zwischen der ersten und sechsten Welten.


      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Lieber Henning,

      sicher liegen zwischen 1 und 3 musikalische Entwicklungen, aber sowohl die erste als auch die zweite haben ihre Meriten. Die 3. übringens auch in den Ecksätzen Längen.
      Zur Mitropoulos-CD kann ich nur zuraten, allerdings handelt es sich um kommerzielle! historische Aufnahmen aus den Jahren 1940 Mahler und 45 Rachmaninoff. Das Bandrauschen wurde behutsam weggefildert. Mahler wird keineswegs verschleppt, wie heute so oft, sondern höchst lebendig bis zum Schluss geführt, mit 47'32'' die schnellste meiner Aufnahmen.

      Gruß Bernd