Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 "Titan"

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    • Die 1. in verschiedenen Einspielungen

      Die 1. kenne ich in folgenden 4 Einspielungen, von denen sicher keine wirklich schlecht ist:






      Kubelik (als Platte. gibts aber auch bei Originals)
      frühe Bernstein,
      Solti, live
      Kondrashin, live

      Kubelik ist hier so groß geraten, weil ich ihn mal in diesem Thread besonders herausheben will. Eigentlich finde ich seinen Mahler etwas langweilig im Vergleich zu der starken Konkurrenz :D, aber bei dieser Symphonie bringt er genau das was ich haben will; jedenfalls in den ersten beiden Sätzen. Und das ist eine gewisse "Stimmung". Besonders natürlich der Anfang und die Melodie aus "des Knabens Wunderhorn" (weiß grade nicht mehr aus welchem Lied). Das hat so ein bisschen etwas "böhmisches", auch ein wenig "musikantisches" was ich aber eben besonders bei Kubelik toll finde. Freilich ist der letzte Satz einfach viel zu schwach. Dort kann es mir gar nicht zu dramatisch zugehen, und das fehlt halt leider bei Kubelik. Sonst wäre es eine wirlich tolle Einspielung.

      Den frühen Bernstein kann ich sowieso bei jeder Mahlersymphonie nur empfehlen, ich wüsste keine, die schlecht geraten ist. Er geht wie immer sehr emotional an die Musik, und ist wohl hin und wieder auch etwas genauer als Kubelik. Sehr gut!

      Solti ist natürlich ein exzellenter Dirigent. Mir fehlt allerdings der Zugang zu seinem Mahler etwas. Wahrscheinlich, weil er nicht diese Bernstein-Emotionalität, die meiner Meinung nach sowieso das beste Mahler-Verständnis ist - so empfinde ich Mahler auch selber - hat, und er auch nicht wirklich analytisch (das andere Extrem) an die Symphonien rangeht. Leider kann ich meine Live-Aufnahme nicht mit der von Decca vergleichen, aber mir fehlt hier - trotz live - die oben beschriebene Stimmung, die für mich sowieso das wichtigste bei dieser großartigen Symphonie ist. Das Finale ist hier allerdings unglaublich gut!

      Kondrashin geht wiederum ganz anders an diese Symphonie heran als die anderen. Er beginnt viel verhaltener. Ja, beinahe düster. Auch mal ganz interessant. Und nach einem sehr "traurigen" Marsch (an sich ist er ja eher komisch) platzt bei ihm dann schön das "Dall' Inferno" herein.

      Alle drei zu empfehlen!
      Und Bernstein ist immernoch am besten :wink

      Grüße an alle Mahlerfans,
      Kreisler
      von eurem kreislerianer
    • RE: Die 1. in verschiedenen Einspielungen

      Original von kreisler
      Und Bernstein ist immernoch am besten :wink


      Abend kreisler,

      Ebenfalls zur Höchstform auflaufend tut Lenny mit dem Concertgebouw Orchestra.



      Ein wahrer Ohrenschmaus!

      Grüße
      Daniel
      :beer
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Original von kreisler
      Guten Abend zurück :hello

      Kann ich mir gut vorstellen!
      Ich kenne leider noch keine Aufnahme von ihm mit dem Concertgebouw. Welche Symphonien hat er da eigentlich bei DGG aufgenommen? War das noch vor seiner GA mit den Wienern?

      Grüße,
      Kreiser


      Bernstein hat 3 mal den gesamten Mahler-Symphonien-Zyklus eingespielt.
      Die erste mit den New Yorker Philharmonikern in den sechziger Jahren.



      Dann hat er in den siebziger Jahren noch einmal den gesamten Zyklus live eingespielt, mit drei verschiedenen Orchestern, dem London Symphonie Orchestra, den Wiener Philharmonikern und dem Israel Philharmonic Orchestra. Die Aufnahmen sind heute leider nur als DVD erhältlich.



      Ich besitze auch diesen Zyklus und es ist eine Freude Bernstein bei der Arbeit zuzusehen, jedoch sieht man seine Leistung und die des Orchesters dann kaum noch Objektiv, da man in dieses Geschehen hineinversetzt wird und nicht mehr nur von der Musik mitgerissen wird......ich glaub du weißt was ich meine.

      Und zuletzt,



      der Zyklus der mir im Gesamten am Besten gefällt, da Lenny dort so herrlich langatmig und Ausschweifend wird, OHNE das die Spannung verloren geht...... :engel
      Diesen letzten Zyklus hat er ebenfalls live eingespielt und wieder für die DGG mit folgenden Orchestern: Concertgebouw Orchestra, New Yorker Philharmonic Orchestra, Wiener Philharmoniker. Die Spitze dieses Zykluses ist für mich die 2te Symphonie Mahlers, welche so gewaltig vorgetragen wird dass einem die Freude garnicht ausgehen will.......und oh staune, es spielen die New Yorker Philharmoniker, seine alte Liebe.....

      Ich kenne noch nicht alle Mahler Symphonien genau, sondern taste mich von Symphonie zu Symphonie mit verschiedenen Aufnahmen vor, das hält meine Konzentration fürs Werk aufrecht :cool.

      Grüße
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()


    • Ich kenne noch nicht alle Mahler Symphonien genau, sondern taste mich von Symphonie zu Symphonie mit verschiedenen Aufnahmen vor, das hält meine Konzentration fürs Werk aufrecht :cool.

      Grüße
      Daniel


      Ich hab die 2. vor noch nicht einmal einem Jahr zum ersten mal angehört. War natürlich entzückt. Ach was, ich war bis in meine musikalischen Grundfesten erschüttert. Ich hätte nicht geglaubt das es so etwas wie den 1. Satz überhaupt geben kann.
      Als ich dann neugierig noch die 1. anhörte war ich, und das bin ich immer noch, vollkommen Mahler-infiziert. Und hab mich auf die anderen Symphonien gestürzt und sie so oft gehört, das ich nach alternativen Aufnahmen gesucht habe, zwechs Abwechslung. Der frühe Lenny ist mir aber als ganzes immer noch am liebsten geblieben. Nur die 8. ist noch verschont geblieben.

      der Zyklus der mir im Gesamten am Besten gefällt, da Lenny dort so herrlich langatmig und Ausschweifend wird, OHNE das die Spannung verloren geht...... :engel
      Diesen letzten Zyklus hat er ebenfalls live eingespielt und wieder für die DGG mit folgenden Orchestern: Concertgebouw Orchestra, New Yorker Philharmonic Orchestra, Wiener Philharmoniker.


      Das mit den unterschiedlichen Orchestern war mir neu. Wieder was gelernt, danke :D

      Mein Vater hatte mir vom späten Bernstein abgeraten, beim frühen hätte er noch nicht so viel geraucht und getrunken... :tongue: Soll heißen, der erste sei "frischer".
      Aber ehrlich gesagt war dann auch der Preis ausschlaggebend.

      Und die 2. hab ich mal auf dieser DVD gesehen. Ich versteh was du meinst...

      Danke für die fachkundige Antwort:D,
      Kreisler
      von eurem kreislerianer
    • RE: Mahler 1 mit Bernstein und Solti

      Hallo kreisler und daniel,

      diesen Thrad nahm ich dieser tage zum Anlass die Mahler 1 wiedermal zu hören.
      Ich bediente mich dabei zuerst der Bernstein-Aufnahme mit dem CGBO Amstedam, die man auf der CBO-Seite zusammen mit anderen mit dem CGBO gespielten klassischen Werken als gut aufgelöste MP3-Dateien runterladen kann.
      Mit meinem Programm MP3DirectCut habe ich dann gleich die vier Sätze in 4 MP3-Dateien umgewandelt !
      ((OT: Auch interessant die Mendelssohn 4 mit Kondraschin !))

      *** Bernstein geht packend zur Sache und ist alles andere als "nicht frisch, verraucht oder versoffen", wie es Kreislers Vater weiss machen will.
      Die letzte Bernstein-Interpretation der Mahler 1 hat für mein Empfinden mehr Tiefe als seine alte mit den New Yorker PH und ist zudem klanglich absolut TOP (auch bei mir als "nur" MP3.)
      Eine Aufnahme mit dser man auf Ewig zufrieden sein kann.

      :times10 Letztendlich stelle ich aber fest, das mir Solti auch bei bei Mahler 1 wiedermal mehr liegt. Bei Solti habe ich nirgendwo das Gefühl das etwas nicht zusammenhält oder Blöcke aneinandergereiht sind. Solti neben der hohen Dramatik vorwärsdrängender und spricht mich damit einfach mehr an. Auch der erste Satz, der erst am Ende "zur Sache geht" habe ich bei Solti immer als spannender empfunden und das "erst am Ende zur Sache gehen" war mir nie aufgefallen, weil Solti das Werk vom Anfang bis zum Ende spannend gestaltet.
      Kreisler schreibt auch von Solti´s alter ORFEO-Aufnahme mit den WPO und erkennt dort, das das Finale unter Solti erstklassig ist; diese Aufnahme wirkt klanglich natürlich historischer. Höre Dir mal die audiophile Decca-Aufnahme mit dem Chicago SO an - die spricht alle Sprachen - in allen Sätzen.
      Fazit:
      Mahler 1 mit Solti / Chicago SO (Decca)
      :down Für mich bleibt es immer noch die beste Aufnahme.
      Und ich gebe gerne zu, das ich von dieser geprägt bin - alle anderen müssen sich bei mir an dieser messen.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: Mahler 1 mit Bernstein und Solti

      Original von teleton
      *** Bernstein geht packend zur Sache und ist alles andere als "nicht frisch, verraucht oder versoffen", wie es Kreislers Vater weiss machen will.
      Die letzte Bernstein-Interpretation der Mahler 1 hat für mein Empfinden mehr Tiefe als seine alte mit den New Yorker PH und ist zudem klanglich absolut TOP (auch bei mir als "nur" MP3.)
      Eine Aufnahme mit dser man auf Ewig zufrieden sein kann.


      Ist der Download kostenlos? Ich habe ihn nicht gefunden.
      Ich glaube immer noch, das mein Vater in sofern schon recht hat, dass die erste GA etwas "authentischer" ist und mit unglaublichen Engagement zur Sache geht. Freilich wird ein Dirigent (oft) auch besser mit dem Alter, und so kann es schon sein, dass die ein oder andere späte Aufnahme von ihm etwas perfekter gelungen ist.
      Letztendlich würde ich es mal gerne vergleichen, aber da ich mit der alten Bernstein so sehr zufrieden bin würde ich natürlich noch lieber hier andere Dirigenten kennen lernen.


      Fazit:
      Mahler 1 mit Solti / Chicago SO (Decca)
      :down Für mich bleibt es immer noch die beste Aufnahme.
      Und ich gebe gerne zu, das ich von dieser geprägt bin - alle anderen müssen sich bei mir an dieser messen.


      Bei mir ist es genau andersherum :)
      Ich bin von Bernstein geprägt, und zwar durch und durch. Außerdem habe ich wohl auch ein bisschen sein Mahler-Verständnis, soll heißen: Ich würde es gleich angehen, wäre ich Dirigent.
      Natürlich werde ich auch die Decca-Solti anhören, wenn sich mir die Gelegenheit bietet.
      Allerdings hab ich ja oben gesagt dass ich (bis auf Ausnahmen) mit Soltis Mahler nicht viel anfangen kann.

      Viele Grüße,
      Kreisler
      von eurem kreislerianer
    • RE: Mahler 1 mit Bernstein

      Hallo Kreisler,

      ich habe jetzt eine halbe Stunde nach dem LINK zum Runterladen einiger CGBO-Aufnahmen im entsprechenden Forum gesucht. Kann ihn aber leider nicht mehr finden (ich hatte im Dez08 geloaded und jetzt erst gehört und die MP3-Schnitte in 4Sätzen vorgenommen.)

      Die Bernstein-Aufnahme (DG) der MAHLER 1 ist auf jeden Fall emotionaler, ausgehörter und einfach reifer, als seine 60er-Jahre - Aufnahme, die ich ansonsten bei den andern Mahler-Sinfonien auch sehr schätze.

      *** Bitte mache Dich von dem Gedanken frei, das Bernstein bei seinen neuen DG-Aufnahmen weniger autenischer (so ein blödsinn :( ) oder mit weniger Engagement zur Sache geht. Im Gegenteil, er vertieft sich mehr denn je in diese Aufnahmen, schlüpft quasi in die Rolle des Komponisten und gestaltet unbändig ohne an Konventionen anzuknüpfen.
      :engel Höre Dir auch neben Mahler mal seine jetzten Aufnahmen der Sibelius-Sinfonien (DG) an, welche Eingebungen Bernstein hier umsetzt - der absolute Wahnsinn an Tiefe und Emotion.

      Daniel hat es auch schon mehrfach propagiert, das die DG-Mahler - Aufnahmen (auch bei der Nr.2) mit Bernstein ganz große Jahrhundertaufnahmen sind.
      Ein Jammer, das ich den Link für Mahler 1 nicht finde, damit Du Dir mal ein Bild von diesem DG-Genie machen kannst. Das dies schon bei CBS(SONY) der Fall ist, hast Du ja schon erkannt.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Guten Abend teleton, Kreisler

      Original von teleton: *** Bernstein geht packend zur Sache und ist alles andere als "nicht frisch, verraucht oder versoffen", wie es Kreislers Vater weiss machen will.


      Daniel hat es auch schon mehrfach propagiert, das die DG-Mahler - Aufnahmen (auch bei der Nr.2) mit Bernstein ganz große Jahrhundertaufnahmen sind.


      *** Bitte mache Dich von dem Gedanken frei, das Bernstein bei seinen neuen DG-Aufnahmen weniger autenischer (so ein blödsinn unglücklich ) oder mit weniger Engagement zur Sache geht. Im Gegenteil, er vertieft sich mehr denn je in diese Aufnahmen, schlüpft quasi in die Rolle des Komponisten und gestaltet unbändig ohne an Konventionen anzuknüpfen.


      Ich glaube, dass ich in diesem Forum schon öfter habe durchblicken lassen, wie sehr ich ganz besonders die Aufnahmen aus Lennys letzten 15 Jahren bei der DGG zu schätzen gelernt habe. Ich rede nicht nur von seinem letzten DGG-Mahler Zyklus. Man höre nur mal seinen Brahms, welchen er bei der DGG wie mir bekannt ist vollständig eingespielt hat, VK, KK, Symphonien, Overtüren usw. Man höre seine Mendelssohn Aufnahmen (Symphonien) mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Wer hätte zudem gedacht, dass der alte Lenny Mozarts Symphonien so Zauberhaft leichtgewichtig und dennoch tiefgründig rüberzubringen vermag und dass in der letzten Phase seines Lebens? Weiter bewundere ich seinen späten Schumann, die Symphonien und auch die Beethoven GA bei der DGG ziehe ich doch noch einen Tick vor, vor der New Yorker GA, welche zugegeben auch so ihre Vorteile hat........

      Zu den größten (seiner vielen) Sternstunden würde ich neben Mahlers 2. Symphonie die 6. Symphonie von Tschaikowsky nennen, die Pathetique.

      Was den alten Bernstein so wahnsinnig interessant macht ist, wie Wolfgang schon gesagt hat, wie es Bernstein versteht ein Werk so tiefsinnig zu ergreifen und wiedergeben. Der alte Mann hat sein ganzes gequältes ICH, seine ganze Energie und Liebe in die Musik gesteckt haben müssen, er schmilzt förmlich dahin und es ist mir immer eine große Freude, wie dieser Mann die Musik gelebt hat! Anders kann ich mir seine fesselnden und ergreifenden Aufnahmen, die er gemacht hat nicht erklären.


      Original von Kreisler: Bei mir ist es genau andersherum smile Ich bin von Bernstein geprägt, und zwar durch und durch. Außerdem habe ich wohl auch ein bisschen sein Mahler-Verständnis

      Wenn dir Lennys Stil wirklich so zusagt, wirst du auf deiner Entdeckungsreise wohl kaum an seinen DGG-Aufnahmen vorbeikommen :D Deine Begeisterung stimmt ja schon........wie bei mir! In diesem Sinne :beer

      Grüße
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Ahhh, gegen Lenny hab ich nichts gesagt, der finde ich schon Klasse:D Meinte nur, dass ich seine alten Aufnahmen sehr gut finde und mir nicht vorstellen kann, dass die späten so viel besser seien... :)

      Aber so wie es aussieht, muss ich mich da wohl erst ein mal gehörig vorbilden.:D

      Zum Glück habe ich jetzt mit Hilfe von Uhlmann eine Seite gefunden, wo ich dass machen kann. auch wenn der Download etwas dauert... (und sorry teleton, dass du für mich so lange im Internet rumgesucht hast)

      Viele Grüße euch beiden,
      Kreisler

      und noch was: bei dem "authentisch" bleibe ich ganz stur immer noch, und zwar insofern, als dass die alten Aufnahmen den ersten großen Mahlerzyklus auf Schallplatte bilden, und noch dazu von einem jungen Dirigenten, der sich anscheinend vollkommen in Mahler reinversetzt hat. Für mich bleibt sie Referenz, aber ich sag jetzt erstmal nichts mehr gegen die neuen Aufnahmen... :wink
      von eurem kreislerianer
    • RE: Bernstein auf CBS und DG


      Aber so wie es aussieht, muss ich mich da wohl erst ein mal gehörig vorbilden. :D

      ... als dass die alten Aufnahmen den ersten großen Mahlerzyklus auf Schallplatte bilden, und noch dazu von einem jungen Dirigenten, der sich anscheinend vollkommen in Mahler reinversetzt hat.
      Für mich bleibt sie Referenz, aber ich sag jetzt erstmal nichts mehr gegen die neuen Aufnahmen...


      Hallo kreisler,

      beim "gehörig vorbilden" mit den DG-Mahler-Bernstein-Aufnahmen wünsche ich Dir viel Hörspaß, denn den wirst Du haben.
      :wink Aber Referenz kannst Du den ersten Bernstein-Mahler-CBS-Zyklus nicht nennen, weil Du die neueren DG-Aufnahmen gar nicht kennst ! :D
      :beer Ja, referenzwürdig sind die Alten, aber vorsicht mit dem Begriff Referenz !
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Schlechte Aufnahmen vom Mahlers 1.

      Original von kreisler
      Die 1. kenne ich in folgenden 4 Einspielungen, von denen sicher keine wirklich schlecht ist:


      Nach soviel Lobgehudel auf Bernstein möchte ich doch gerne einmal wirklich wissen, welche Aufnahme von Mahlers 1. "wirklich schlecht" ist. Auch bei Rezensionen von Mahler-Sinfonien die ganzen letzten Jahre über wird alles immer mehr oder weniger über den günen Klee gelobt. Sicher: Mahlers Sinfonien sind offensichtlich auch in mittelmäßigen und womöglich sogar schlechten Interpretation nicht umzukriegen und erzielen große Wirkung. Schön so! Aber: Welche Aufnahmen sind denn nun die mittelmäßige oder schlecht?

      Jezt rückt mal raus, bekennt Farbe in dieser Hinsicht. Danke!

      :hello
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • :hello

      Berechtigte Frage!

      Und mir fällt da auf Anhieb auch gar nichts ein, da es oft so ist, wie bsp. bei der ein oder anderen Abbado-CD, dass die Ausführung und so ziemlich perfekt gelungen ist, dafür aber sehr viel an Tiefe Gefühl oder ähnlichem fehlt.

      Nicht gerne mag ich bsp. Chailly.

      Seinen Mahler habe ich auch nur kurz gehört und fand ihn im Vergleich zu meinen anderen CD´s zu sehr nur auf Klang und weniger auf Musik bedacht. deswegen hab ich ihn mir auch nicht gekauft.

      Aber bis jetzt kenne ich noch nicht genug Aufnahmen von Mahler 1, um mehr Beispiele zu nennen.

      lg Kreisler
      von eurem kreislerianer
    • RE: Schlechte Aufnahmen vom Mahlers 1.

      Original von ab
      ...möchte ich doch gerne einmal wirklich wissen, welche Aufnahme von Mahlers 1. "wirklich schlecht" ist.


      richtig schlecht fand ich vor kurzem norrington, auch der sonst so oft gelobte boulez gefällt mir bei mahler nicht besonders (die erste ist aber noch besser als seine unfassbar langweilige zweite).
      ansonsten gibts unter meinen aufnahmen einige, die ich als mittelmäßig einstufe, die aber sicher nicht "wirklich schlecht" sind: gergiev, inbal, kondraschin (ndr-orchester), neumann, rattle, solti, tabakov (der leider ein sehr schwaches orchester hat, dessen interpretationen mir aber ganz gut gefallen).
      richtig gute erste sind imo: barbirolli, bernstein, chailly, kubelik, walter
      die eine wirkliche top-aufnahme, die ich klar über alle anderen stelle, habe ich offenbar noch nicht gefunden.
    • @ teleton, daniel,

      ich muss umbedingt noch was zum "späten Bernstein" - insgesamt zur GA sagen.
      Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich schrieb, mein Vater fände die frühen Aufnamhen viel besser, sie hätten etwas echteres...

      Also, nachdem ich mir jetzt auch die 1., 3., 5. und 6. angehört habe, musste ich sie ihm natürlich auch vorspielen :)
      Und er konnte nicht bestreiten, dass diese Aufnahmen im Vergleich zu den Sony´s um einiges "gewaltiger", sicher auch genauer und wenn man so will, besser sind. Sie verdient schon die "1" die ich ihr bei der 3. Symphonie gegeben habe.
      Allerdings, und da muss ich ihm zustimmen, manchmal ist sie etwas "zu perfekt".
      Er weiß ganz genau, welche Effekte er erzielt, er legt es gewissermaßen drauf an, dass man sagt: Das ist perfekt, genau das wollte Mahler. Aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, er machts nur für die anderen, weil die Mahler noch nicht so gut kennen wie er, er steht ja schon beinah über der Musik. Ich weiß nicht ob es euch auch ganz bisschen so geht?

      Soll heißen:
      Mein Fazit bei Mahler und Bernstein: Ich ziehe letztendlich, nachdem ich aus beiden Zyklen etwas kennen und schätzen gelernt habe immer noch den alten Zyklus vor. Hier musiziert er voll für die Musik, auch für eine damals neue, auch für ihn unglaublich aufregende Musik. Mag nicht überall alles so perfekt sein wie später, solche Stimmung ist mir dann doch wichtiger!

      lg kreisler
      von eurem kreislerianer
    • Heureka! Ich habe endlich etwas verstanden, oder glaube es jedenfalls...

      Dieses Gefühl ist bei mir sehr selten der Fall, da ich nicht gerne etwas in die Musik hineininterpretiere, aber als ich das letzte Mal diese Symphonie gehört habe ist mir irgendwie etwas aufgegangen:

      Zu dem Trauermarsch (3. Satz) gibt es das - durchaus von Mahler selber überlieferte - Bild der Tiere im Wald, die den toten Jäger begraben (dazu gibt es übrigens auch einen Holzschnitt von Moritz von Schwind der angeblich Mahler zu genau diesem Satz inspiriert haben soll.)
      Das ist ein typisches Märchen oder Fabelbild, aber ich mag gerade diese Mischung aus Skurrillem und Fantastischem. Jedenfalls konnte ich mir fast noch nie eine Szenerie so gut zu einer Musik vorstellen. Ich meine nicht, dass Mahler hier Programmmusik schreibt (was er nie macht) sondern das er diesen Gedanken wunderbar einfängt und ihn sozusagen "durch Musik aufwertet".

      Das ist alles noch schön und gut (und vielleicht noch halbwegs verständlich :wink) aber im Verlauf der Symphonie bekommt dieser Satz noch eine übergeordnete Bedeutung (und das ist wieder ein Beweis, das Mahler weit über jeglicher Programmmusik steht!):

      Ein großer Komponist (oder Künstler), so denke ich, versucht immer etwas darzustellen, was es so in der Form auf der Welt gar nicht gibt. Zum Beispiel eine ideologisierte Vorstellung von Natur. Das diese Natur etwa von der richtigen Natur weit abweicht, tut gar nichts zur Sache.
      Ich würde das ganze etwa mit "ungreifbaren Ideen oder Vorstellungen" beschreiben, die der Mensch hat.
      Diese "Ideen" sind wie ferne Galaxien-Nebel, von denen man wies, das es sie gibt, die man sich aber nicht richtig vorstellen kann, nicht greifen kann, und die, wenn man tatsächlich (mit irgendwelchen Raumschiffchen:D) dort landen würde, all ihren Reiz verlierne würden, denn gerade dieses Unangreifbare macht sie ja aus. (Sehr gewagter Vergleich, ich weis :J)
      Ich denke jeder normale Mensch wäre vielleicht über die wortwörtlich galaktischen Ausmaße irgendeiner Galaxie erstaunt, oder müsste sogar zugeben, das sie doch recht schön aussehen, solche Andromeda-Nebel. Ich denke aber den Künstler würde gerade das faszinieren, was ich eben versucht habe zu erklären.

      Nun, zurück zum Trauermarsch: Ich denke er steht auch allgemein genau für diese abgehobene mystische Welt, die eigentlich nur im Kopf eines Menschen existieren kann.
      Aber das Erstaunliche und Überraschende kommt dann: Der letzte Satz macht all das zunichte!
      Auf mich wirkte der Übergang schon immer wie ein Wechsel in der Kompositionsweise, und ich denke ich weiß warum: Er ist viel deutlicher und echter. Diese Verzweiflung, Steigerungen aber auch das schöne zweite Thema, das ist Musik die wir wirklich emotionell fassen können. Vielleicht versucht Mahler hier dieses "Dilemma", dass sich eben aus der "Unwirklichkeit" besonders des 3. Satzes, durch eine schon fast andere Art von Musik zu lösen. Jedenfalls fand ich eindeutig, dass hier im 4. Satz der Mensch selber "erwacht", und die Musik nicht mehr aus flüchtigen Ideen bestehend wirkt, sondern versucht den Hörer direkt anzusprechen.

      Ich weis, dass das alles viel zu viel in die Musik hineingelegt ist, und das ich ganz viele Aspekte nicht beachte, aber mich faszinieren solche zugegebenermaßen etwas abstruse Gedankengänge immer - selbst wenn sie von mir sind :D

      lg kreisler
      von eurem kreislerianer

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von kreisler ()

    • Original von kreisler

      Ich weis, dass das alles viel zu viel in die Musik hineingelegt ist, und das ich ganz viele Aspekte nicht beachte, aber mich faszinieren solche zugegebenermaßen etwas abstruse Gedankengänge immer - selbst wenn sie von mir sind :D

      lg kreisler

      Mich auch ... immer nur nur her damit! :D :hello
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Original von kreisler
      Heureka! Ich habe endlich etwas verstanden, oder glaube es jedenfalls...

      Dieses Gefühl ist bei mir sehr selten der Fall, da ich nicht gerne etwas in die Musik hineininterpretiere, aber als ich das letzte Mal diese Symphonie gehört habe ist mir irgendwie etwas aufgegangen:

      Zu dem Trauermarsch (3. Satz) gibt es das - durchaus von Mahler selber überlieferte - Bild der Tiere im Wald, die den toten Jäger begraben (dazu gibt es übrigens auch einen Holzschnitt von Moritz von Schwind der angeblich Mahler zu genau diesem Satz inspiriert haben soll.)
      Das ist ein typisches Märchen oder Fabelbild, aber ich mag gerade diese Mischung aus Skurrillem und Fantastischem. Jedenfalls konnte ich mir fast noch nie eine Szenerie so gut zu einer Musik vorstellen. Ich meine nicht, dass Mahler hier Programmmusik schreibt (was er nie macht) sondern das er diesen Gedanken wunderbar einfängt und ihn sozusagen "durch Musik aufwertet".

      [...]

      Nun, zurück zum Trauermarsch: Ich denke er steht auch allgemein genau für diese abgehobene mystische Welt, die eigentlich nur im Kopf eines Menschen existieren kann.
      Aber das Erstaunliche und Überraschende kommt dann: Der letzte Satz macht all das zunichte!
      Auf mich wirkte der Übergang schon immer wie ein Wechsel in der Kompositionsweise, und ich denke ich weiß warum: Er ist viel deutlicher und echter. Diese Verzweiflung, Steigerungen aber auch das schöne zweite Thema, das ist Musik die wir wirklich emotionell fassen können. Vielleicht versucht Mahler hier dieses "Dilemma", dass sich eben aus der "Unwirklichkeit" besonders des 3. Satzes, durch eine schon fast andere Art von Musik zu lösen. Jedenfalls fand ich eindeutig, dass hier im 4. Satz der Mensch selber "erwacht", und die Musik nicht mehr aus flüchtigen Ideen bestehend wirkt, sondern versucht den Hörer direkt anzusprechen.


      Beinahe noch wichtiger als des Jägers Leichenbegängnis scheint mir der Bezug auf Mahlers eigene Lieder zu sein. Das Hauptthema des Kopfsatzes stammt aus "Ging heut morgen übers Feld", das Scherzo oder das Trio hängt mit einem der ganz frühen Lieder zusammen und der Mittelteil des Bruder-Jakob-Satzes entspricht einer Episode aus dem letzten der Gesellen-Lieder "Die zwei blauen Augen". Zwar besteht ein Unterschied zwischen dem ebenfalls schreitenden, marschähnlichen Hauptteil des letztgenannten Liedes, aber sicher eine Verwandtschaft. Das Lied ist eher eine melancholische Nachtwanderung (Vorbild dürften Lieder Schuberts sein, z.B. das erste aus der Winterreise), der Abschied von der unerfüllten Liebe usw. Der Sinfoniesatz ist wesentlich grotesker, was durch die zwischen Melancholie und wieherndem Spott changierende "Klezmer-Episode" verstärkt wird. Die "Lindenbaum-Traum"-Musik (im Lied heißt es "Auf der Straße steht ein Lindenbaum, da hab ich zum ersten Mal im Schlaf geruht") ist jedesmal der schärfste Kontrast. Einmal die Flucht in den Traum vor Einsamkeit und Liebeskummer, einmal vor einer allgemeiner gefaßten Art Weltekel.
      Die Rolle des Finales wage ich nicht zu beurteilen. Der Satz folgt ja mehr oder minder einer Art per-aspera-ad-astra-Schema, wovon vorher in der Sinfonie, ungeachtet des ironisch-resignativen 3. Satzes nicht viel zu merken war. Der Beginn hat wieder eine gewisse Gemeinsamkeit mit dem dramatischsten der Gesellenlieder "Ich hab ein glühend Messer". Ich kann aber nicht behaupten, daß ich dieses Finale besonders gut verstehen würde, weder für sich noch im Rahmen der Sinfonie.

      Wooster
    • Besitzt jemand von euch diese CD



      aus der Esprit-Reihe? Da hat doch bei amazon jemand geschrieben, dass es sich tatsächlich gar nicht um Bruno Walters auf dem Cover angegebene Aufnahme von 1961 mit dem Columbia SO, sondern um die ältere New Yorker Einspielung von 1954 handelt.

      Stimmt das wirklich? Einen solchen Irrtum/Etikettenschwindel kann ich mir fast nicht vorstellen.

      Gruß, jünter

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von jünter ()

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