DVD - Oper aus der Flimmerkiste

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    • Ich habe mir heute in der Mediathek vier OpernDVDS geliehen und werde gleich loslegen:

      Massenet: Cherubin
      Händel: Agrippina
      Monteverdi: Il ritorno di Ulisse in patria
      Gluck: Alceste


      Alles Opern, die ich noch nie gesehen habe! Freu! :leb :leb :leb
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Das Folgende habe ich gestern Abend geschrieben, aber vor dem abschicken hat es mein Internet zerlegt, ich habe die Oper also nicht heute morgen um sechs gesehen, sondern gestern Abend um sechs.

      Begegnung mit dem Terfel...



      Ein professioneller Kritiker würde sich vermutlich davor hüten, unmittelbar nach einer Vorstellung sofort seine Eindrücke niederzuschreiben. Ich nehme an, Freud oder Leid, Gefallen oder Nichtgefallen sind noch zu frisch, als daß er zu einer objektiven Schilderung fähig wäre. Ich muß ja zum Glück nicht objektiv sien, und werfe mich sofort in das Vergnügen, eine DVD anzupreisen, die ich vor wenigen Minuten gesehen habe, und die mich fassungslos vor Begeisterung zurückgelassen hat.
      "Faust" von Charles Gounod.
      Ich habe die Oper heute zum erstenmal gesehen, kannte sie bisher nur in Auszügen und kenne ich mich im französischen Stil ohnehin nicht so gut aus als das ich beurteilen könnte, ob Sänger und Musiker diesen Stil nun immer getroffen haben oder nicht. Da ist Fairy sicherlich wesentlich kompetenter als ich, ich schildere die Vorstellung also so, wie ich sie erlebt habe, und so wie ich sie erlebt habe, war sie phänomenal. Und ich hätte nicht gedacht, daß ich das mal von einer Oper sage, bei der Roberto Alagna mitgewirkt hat. :ignore
      Ein netter Mensch der meine Begeisterung für einen gewissen Sänger teilt, hat dafür gesorgt, daß ich in den Genuß dieser DVD kam, da ich weiß, daß er hier mitliest (wenn auch nicht schreibt, was er aber schleunigst tun sollte!!!) an dieser Stelle: ganz lieben Dank!!!


      Nun also zur DVD:


      Hier die Besetzung:
      Faust: Roberto Alagna
      Marguerite: Angela Gheorghiu
      Mephisto: Bryn Terfel (und ja: er war der Grund)
      Valentin: Simon Keenlyside
      Siebel: Sophie Koch
      Dirigent: Antonio Pappano
      Regie: David McVicar
      Royal Opera House Covent Garden, 2004

      Die Handlung wurde in die Zeit um 1914 verlegt, also in die Zeit zu Beginn des ersten Weltkriegs, als Tod und Teufel reiche Ernte einfuhren,
      und als es, wie im Deutschland Goethes, einer Katastrophe gleichkommen konnte,
      wenn ein braves Bürgerstöchterlein unehelich schwanger wurde.
      Nach der Ouvertüre befinden wir uns (ausgerechnet) in einer Kirche,
      in der Faust seinen Lebensüberdruß besingt, sich von Gott abwendet weil der ihm die ersehnte Jugend nicht wiedergibt,
      und den Teufel um Hilfe anruft.
      Es gehört schon eine gehörige Portion Mut und Frechheit dazu,
      heutzutage einen Opern-Mephisto wirklich und wahrhaftig mit Rauch, Feuer und Theaterdonner
      aus der Tiefe an die Oberfläche steigen zu lassen,
      und ihn noch dazu mit Federhut, Umhang, Degen und bleichem Gesicht auzustatten.
      Das kann ganz schnell in die Parodie abgleiten und funktioniert nur,
      wenn man einen Teufel zu Verfügung hat, der die Szene mit der nötigen Ironie spielen kann.
      Ich muß wohl nicht erwähnen, daß Terfel die Prüfüng glänzend besteht:
      ein Teufel, der sich mit dem Taschentuch den Rauch aus dem gelangweilten Gesicht fächelt,
      und es eigentlich jetzt schon satt hat, den immer gleichen Idioten die immer gleichen Wünsche zu erfüllen:
      Ruhm, Geld, Macht oder, wie in diesem Fall, Jugend und Frauen.
      Einer der ganz wenigen Momente in denen so etwas wie Humor aufblitzt,
      denn hier ist Terfel böse. Nicht Don-Giovanni-böse, nicht Scarpia-böse, sondern wirklich RICHTIG böse.
      So abgrundtief böse, daß ein bestimmten Regieeinfall im Walpurgisnacht-Bild,
      der ganz fürchterlich hätte schief gehen und lächerlich wirken können,
      überhaupt erst möglich war. Ich verrate ihn hier nicht, aber was bei JEDEM anderen
      Kollegen albern gewesen wäre,wirkt bei ihm erschreckend und kein einziger im Publikum hat sich getraut zu lachen.
      Ich glaube, wir hatten alle Angst, daß wir geradewegs zu Hölle fahren,
      wenn wir auch nur grinsen. Selbst Jahre später vor dem Fernseher...
      Bryn Terfel ist ein Operngott, und er steckt alle Kollegen die jünger, schlanker und schöner sind als er
      spielend in die Tasche. Der Satz "Tausend Künste kennt der Teufel, aber singen kann er nicht..."
      trifft hier nicht zu. Dieser Teufel kann. Und wie.
      Wo war ich?
      Ja: Idioten die sich idiotische Dinge wünschen. Roberto Alagna verkörpert ihn perfekt.
      Ich bin kein großer Fan von ihm, selbst in seinen besten Zeiten habe ich seine Stimme nie übermäßig gemocht,
      da mir sein Timbre einfach nicht gefällt, und die besten Zeiten liegen ja nun leider
      auch schon eine Weile zurück. Aber hier schlägt er sich mehr als achtbar.
      Er singt und spielt wirklich gut, auch wenn ich "Salut demeure..." schon sehnsuchtsvoller und musikalischer gehört habe,
      und er mir manchmal ein bißchen zu deutlich zeigt wie toll es mit den Spitzentönen gerade funktioniert,
      aber sei's drum.
      Dieser Faust glaubt fast bis zum Schluß wirklich und wahrhaftig,
      daß Mephisto in seinen Diensten steht, während er (wie alle anderen)
      schon längst dessen Marionette ist. Ein kleines Kabinettstückchen vollbringt er,
      als er sich auf offener Bühne vom alten Faust in den jungen verwandelt,
      und unmittelbar danach ein Rad schlägt. Dagegen sind Rolandos Nemorino-Äpfel gar nix...
      Also: dafür daß ich ihn nicht wirklich mag, hat er mir richtig gut gefallen!

      Wirklich hingerissen bin ich dagegen von (noch) Gattin Angela Gheorghiu als Marguerite (Gretchen).
      Optisch wirkt sie, vor allem in den strengen Kostümen der vorletzten Jahrhundertwende,
      schon ein bißchen zu alt für die Rolle, singt und spielt aber darüber hinweg.
      Im späteren Verlauf, mit offenem ( dann geschorenem) Haar und dem Wahnsinn nahe
      wirkt sie auch optisch sehr jung und verletzlich.
      Ich mag ihre Stimme sehr, kenne sie bisher aber fast nur von der CD und aus Konzerten,
      und habe sie bisher erst einmal in einer Liveübertragung gesehen: als Magda in "La rondine".
      Sie und Terfel haben einen besonders starken Moment in der Szene
      in der Gretchen in der Kirche beten will und Mephisto als ihr Versucher auftritt,
      sie in den Wahnsinn treiben will und verflucht.
      Sein donnernder Bass-Bariton, ihr zarter Sopran dazu der optische Gegensatz zwischen dem
      riesenhaften Hünen und der zierlichen Sängerin: das war schon ganz, ganz großes Theater,
      und hätte ich es nicht besser gewußt, hätte ich vermutet, daß hier mit Filmtricks gearbeitet wurde.
      Glücklich der Regisseur, der solche Künstler zur Verfügung hat.

      Mit Simon Keenlyside war ein wahrer Luxus-Valentin am Werk:
      ein etwas spröder Soldat, dem die "Ehre" seiner Schwester
      (was immer dieser viel mißbrauchte Begriff auch bedeuten mag) über alles geht,
      der sie erbarmungs- und lieblos verflucht, und der dabei so unglaublich gut singt,
      daß es mir völlig gleichgültig ist, ob er den französischen Stil trifft.
      Ich trage mich zur Zeit mit dem Gedanken, einen Don Giovanni anzuschaffen bei dem er die Titelrolle singt,
      weiß aber nicht, ob ich es tun soll, denn irgendwie kann ich ihn mir als
      Verführer nicht wirklich vorstellen. Als Soldat,der ohne Illusionen in den Krieg zieht,
      und noch desillusionierter aus selbigem zurückkehrt hat er mir aber sehr, sehr gut gefallen.
      Er und seine Kameraden ziehen in den ersten Weltkrieg, und wenn man sie in ihren Uniformen sieht, kommt man nicht umhin, an die Hölle von Ypern zu denken, der sie anheim fallen werden...

      Der einzige Mann in dieser Oper der zu wahrer Liebe fähig ist
      (denn über Mephistos Liebesfähigkeit müssen wir uns wohl nicht unterhalten, und was Faust für Liebe hält ...nun ja...)
      ist Siebel, der junge Anbeter Gretchens.
      Es singt Sophie Koch, die ich bisher nur in Hosenrollen erlebt habe (Octavian) und die mir wieder sehr gefallen hat.
      Hier hat Siebel ein steifes Bein und hinkt, was erklärt. warum er nicht in den Krieg zieht.

      Die Inszenierung kommt im Großen und Ganzen traditionell daher wenn man mal davon absieht,
      daß die Handlung in eine andere Zeit versetzt wurde, ist aber m.E. alles andere als langweilig,
      auch wenn es für mich ein paar Ungereimtheiten gibt:
      so tanzt man den Faust-Walzer in einem Cabaret mit dem sinnigen Namen
      "Cabaret L'Enfer" in dem es wüst zugeht und bei dem man sich fragt,
      was die brave Margarete dort verloren hat..
      Sehr passend dagegen Margaretes Schicksal in einer Zeit in der ein einziger Fehltritt,
      oder was man dafür hielt, ausreichte, einer jungen Frau das Leben zu zerstören.

      Das in der französischen Oper ja wohl unvermeidliche Ballett in der Walpurgisnacht erleben wir als zunächst amüsante,dann immer grausamere Parodie auf das romantische ballet blanc im allgemeinen und "Giselle" im Besonderen: in seinen Morphium-Fantasien durchlebt Faust
      noch einmal die jüngsten Ereignisse: die schwangere, verzweifelte Margarete die er verlassen hat,
      den scheinbar von den Toten zurückgekehrten Valentin den er getötet hat.
      Ich werde den Endruck nicht los, daß es auch den Tänzerinnen des
      Corps de Balletts Freude gemacht hat, die Spitzenschuhe in die Ecke pfeffern und in ihren schönen "Giselle"-Kostümen mal so richtig fies sein zu dürfen...


      Am Ende, wir wissen es, siegt der Himmel: "Gerichtet!" "Gerettet!",
      Faust bleibt verzweifelt (und erneut gealtert) zurück, Mephisto fährt,
      ein bißchen frustiert wie es scheint, zurück in die Hölle.
      Bis der nächste Idiot kommt und sich was wünscht...



      Und by the way: heute wird er 45, der Herr Terfel. Wie heißt es bei Schubert? "Kränze ihm und Saitenklang..." :D
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von Solitaire ()

    • Liebe Solitaire, ich mag Gounods Opern gerne und kenne natürlich den Faust, allerdings nicht in dieser phänomenalen Besetzung!
      Das ist ja mehr als der reinste Luxus, Keenlyside und Koch in Nebenrollen zu haben, aber 2004 waren sie halt noch nicht so berühmt wie heute. Ich hoffe, diese Aufnahme in meiner Mediathek zu finden, sie kommt sofort auf die Liste! Ich bin nun nicht eben der Alagna und Gheorghiu Fan, aber medienwirksam waren die beiden schon- als Tosca und Cavaradossi haben sie mich auch überrascht!
      Wie Alagna sich 2004 stimmlich aus der Affâre gezogen hat, muss ich selbst hören. die frz. Tenorrollen liegen fast alle mörderisch hoch und gewisse Zweifel an Alagna kann ich da nciht unterdrücken. Aber er war zeitweise richtig gut, daher kommt es immer ganz auf seine jeweilige Form an. Gheorghiu als Margarethe ist für meinen Gusto zu schwer besetzt, als "zarten Sopran" kann ich sie beim besten Willen nciht empfinden, für mich ist das eine jungendlich-dramatische Stimme, eben Tosca. Aber auch das ist in eienr Besetzungspolitik Geschmackssache. Wenn sie die Koloraturen in der Juwelenarie hinbekommt- warum nicht! Terfel ist sicher voll in seinem Element!
      ich fidne ja persönlch den Faust von Berlioz spannender und " goethenäher" als den von Gounod, aber das ändert ncihts daran, dass auch dieser Faust (der eigentlich "Margarethe" heisst) eine schöne Oper ist. Danke für den Bericht.

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Hallo Fairy!
      Nun es stimmt schon: manchmal zieht sich Alagna wirklich einfach „nur“ aus der Affaire, aber immerhin: er scheint mit den hohen Tönen keine unüberwindlichen Probleme zu haben. Mein Problem mit ihm ist eher, daß ich seine Stimme wie gesagt nicht besonders schön finde, aber das ist Geschmackssache und nicht seine Schuld, also will ich fair bleiben.
      Sein Faust wirkt zu Beginn als er Gretchen umwirbt sehr siegessicher, manchmal geradezu gockelhaft, und ehrlich gesagt bin ich mir nicht ganz sicher, ob das wirklich die Rolle ist oder... :ignore
      Aber ich soll nicht immer so böse sein.
      Ab und zu wenn ich eine Oper sehe geht es mir so, daß ich von dem Spektakel, der Musik, den Sängern geradezu überrumpelt bin und manches was mich bei nüchterner Betrachtung vielleicht stören würde, im Rausch der Begeisterung untergeht. Das war gestern definitv so.
      Die Berliozoper kenne ich bisher leider nicht. Lieber Himmel, es gibt soviel tolle Musik auf der Welt, und sowenig Zeit sie zu hören... :I
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)
    • Liebe Fairy, laut der (inoffiziellen) Met Futures-Seite von Brad Wilber, ist übrigens für die Spielzeit 2013/2014 an der Met eine Neuproduktion von I Puritani mit Dessay/Florez geplant. Das schreit doch nach HD Broadcast und anschließender DVD!

      Hoffen wir mal, dass Natalie Dessay bis dahin auch ihre stimmlichen Probleme überwunden hat.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Dulcamara ()

    • Das klingt ja superb! :leb
      Und wenn Natalie Nationale dabei mitmacht, dann kann man damit rechnen, dass auch die Inszenierung sich sehen lassen kann, zumindest nciht total verstaubt sein wird.
      Hoffen wir, dass die Stimmen der beiden Protagonisten bis dahin durchhalten, denn die Partien der Elvira und des Arturo sind nun alles Andere als ein Spaziergang!
      In hoffnungsvoller Vorfreude

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Original von Solitaire
      Das wäre aber überaus genial!!!
      Was die Stimmen angeht, mußman um Dessay vielleicht mehr fürchten als um Florez, bei dem habe ich das Gefühl, er ist unkaputtbar! :down


      Verschrei's bloß nicht! :D Aber einer Puritani-Aufnahme mit dem Dreamteam Dessay&Flórez giere ich natürlich auch entgegen!!! :leb :leb :leb

      lg Sevi :hello
    • Verdi, Don Carlo (ROH 2008)

      Ein unerwartetes Adventgeschenk flatterte mir heute ins Haus, nämlich der "Don Carlo" von der ROH in einer Inszenierung von Nicholas Hytner.
      Vorweg die Besetzung:

      Don Carlo - Rolando Villazón
      Elisabetta - Marina Poplavskaya
      Marquis Posa - Simon Keenlyside
      Prinzesson Eboli - Sonia Ganassi
      Philip II - Ferruccio Furlanetto
      Großinquisitor - Eric Halfvarson
      Karl V - Robert Lloyd

      Dirigat: Antonio Pappano


      Regisseur Nicholas Hytner hällt sich nicht mit einer tiefschürfenden Analyse oder gar einer Neudeutung des "Don Carlo" auf, er inszeniert die Geschichte brav vom Blatt und verlässt sich voll und ganz auf das schauspielerische Potenzial und die Bühnenpräsenz seines Ensembles, und darauf kann er sich auch Gott sei Dank verlassen, sodass trotz seiner schwächlichen Inspiration das Drama wirklich stattfindet.

      Das Bühnenbild ist sehr abstrahiert und kommt mit nur wenigen Requisiten aus, also eigentlich so, wie ich es liebe, leider schwankt Bob Crowley zwischen sehr ästhetischen, auf wenige Grundfarben reduzierten Bildern und grellen, kitschigen Farborgien. Letzteres gilt vor allem für die 2. Bilder des 2. und 3. Aktes, die in einem Rot-Orange ertrinken, das ich nur schwer aushalte. So spielt die Gartenszene vor einer knallroten, kassetierten und in Stufen abfallenden Wand, in deren Mitte ein Kreuz ausgespart ist, das auch als Eingang dient. Spanien ertrinkt in Blut, na schön. (Natürlich ist das nicht schön, aber bei diesem Sujet weder eine neue Erkenntnis noch sonderlich originell.) Den rechten Bühnenrand begrenzt hingegen eine schwarze Wand, in der in regelmäßigen Abständen quadratische Öffnungen klaffen, sodass man das ganze auch als abstrahiertes Gitter deuten kann. Diese Wand taucht fast in jedem Bild auf, oft auch in zweifacher Ausführung, einmal als Abschluss zur Hinterbühne, einmal als Vorhang, und fehlt nur im ersten, denn im Wald von Fontainebleau darf sich Elisabettas und Carlos Liebe frei entfalten, wenn auch nur kurz. Danach ähnelt ihr Leben immer mehr dem in einem Käfig. Einige Bilder enden mit dem einsam vor dem "Gittervorhang" am Boden kauernden Prinzen. Sehr eindrucksvoll auch, wenn diese Wand bei der drohenden Revolte in der Gefängnisszene nach oben entweicht und einen schmalen Streifen blauen Himmels frei gibt - eine kurze Illusion von Freiheit.
      Völlig missglückt ist hingegen in meinen Augen das Autodafèbild, das in Kitsch untergeht: Das beginnt mit der goldglänzenden Fassade eine Kathedrale im Hintergrund, findet einen weiteren unrühmlichen Höhepunkt in einem riesigen Prospekt mit dem blutüberströmten Gesicht des Schmerzensmannes, das die gesamte linke Bühnenhälfte einnimmt, und endet mit dem knallrot gewandeten Königspaar. Besonders lächerlich wirken die Ketzer in weißen Gewändern und Spitzhüten, die mit roten Flammen bemalt sind. Auch szenisch befriedigt mich dieses Bild am wenigsten.

      Soviel also zum Szenischen. Was diese Produktion sehenswert und phasenweise wirklich zum Erlebnis macht, ist die Interaktion zwischen den Sängern, denn sie formen aus den papierenen Figuren des Librettos lebendige Menschen, deren Lieben und Leiden, Hass und Verzweiflung uns unmittelbar angehen und berühren. Also, zumindest ich habe das so empfunden. Deshalb sehe ich gerne darüber hinweg, dass es stimmlich sicher optimalere Besetzungen für Carlo und Elisabetta gibt als Rolando Villazón und Marina Poplavskaya, aber das wird durch die unglaubliche Intensität ihres Ausdrucks wettgemacht.

      Rolando Villazón befand sich zum Zeitpunkt der Aufzeichnung im Juni 2008 in einer erstaunlich guten stimmlichen Verfassung, wenn man bedenkt, dass der Carlo immer eine Grenzpartie für ihn war und sich außerdem Krise II bereits abzeichnete. Aber sein "süffiges" Timbre ist hier noch völlig intakt und vermittelt das ganze Spektrum an Emotionen, das der unglückliche Prinz durchlebt.
      Und Rolando Villazón spielt hinreißend. Schon für den verzweifelten Blick, als er im Wald von Fontainebleau erkennen muss, dass sein Liebesglück, kaum erwacht, schon wieder vorbei ist, könnte man ihn knuddeln, und auch sein Aufbegehren gegen Philip in der Autodafészene, der Argwohn gegen Posa (Die Verachtung, die er in die Worte "Il favorito del Re" legt!), der wilde Schmerz bei Posas Tod gelingen ihm absolut glaubhaft.
      Ganz wunderbar gestaltet Villazón die Schlusszene, wo er zunächst in stiller Resignation die unvermeidliche Trennung von Elisabetta akzeptiert, dann noch einmal in einer verzweifelten Aufwallung das verlorene Liebesglück beschwören will, sich wieder fasst und schließlich in eine Art Ekstase über seine künftige Mission hineinsteigert, aus der er jäh gerissen wird, als der König die Liebenden trennt. (Übrigens wird Carlo in dieser Inszeniering in einem Degengefecht tödlich verwundet und stirbt in Elisabettas Armen. Eigentlich gefällt mir das besser als diese merkwürdige "Entrückung" durch Karl V, die meist ein bisschen peinlich wirkt.)

      Auch in Marina Poplavskays Gesicht spiegeln sich alle Emotionen wider, die Elisabetta durchleiden muss. Dabei ist sie aber kein passives Opferlamm, sondern eine sehr willensstarke Frau, die speziell in der Kabinettszene Philip wirkungsvoll Paroli bietet.
      Eigentlich gefällt mir Frau Poplavskaya auch stimmlich in den meisten Szenen ausgezeichnet, besonders die stille Traurigkeit und Verweiflung der Königin kann sie wirkungsvoll in Töne kleiden, aber in ihrer großen Schlusszene machen sich doch Ermüdungserscheinungen bemerkbar, gerät sie an ihre Grenzen.

      Ferruccio Furlanetto ist eigentlich immer ein eindrucksvoller Philip II, so unter die Haut gegangen wie auf dieser DVD ist er mir aber schon lange nicht mehr. Was für ein großartiger Singschauspieler!! Ungewohnt ist die Betonung des Menschen Philip, und zwar nicht nur beim "Ella gammai m'amavi...", für mich der einzig sichtbare Fußabdruck des Regisseurs. Schon in der Szene mit Posa reagiert Philip äußerst emotional, nicht empört, sondern im Innersten aufgewühlt durch den Vergleich mit Nero. So unfruchtbar ist der Boden gar nicht, in den Posas Worte fallen, scheint es. Ein König, der gerne Mensch sein möchte, es aus seinem Selbstverständnis heraus aber nicht sein darf. Das zeigt sich auch in der Szene mit Elisabetta, als er die Ohnmächtige zärtlich in seinen Armen wiegt und plötzlich gar nicht mehr der Despot ist. Spannend wie ein Krimi dann die Szene mit dem Inqisitorgeneral, gegen den Philip sogar kurz das Messer zückt in ohnmächtiger Wut, weil er sich der Inquisition beugen muss.
      Auch stimmlich ist Furlanetto souverän, keine Spur von der Brüchigkeit, die in den letzten Jahren leider manchmal zu bemerken ist. In einem wunderbaren Legato und ergreifend im Ausdruck gelingt ihm seine große Arie.

      Eric Halfvarson spielt einen Großinquisitor zum Fürchten, leider passt seine Stimme nicht ganz dazu, die so gar nicht nach Höllenschlund klingt, wie ich es bei dieser Partie liebe.

      Großartig ganz ohne Abstriche ist Simon Keenlyside als Marquis Posa. Ich bin zwar der Überzeugung, dass Keenlyside nicht geboren wurde, um Verdi zu singen - zumindest in meinen Ohren ist das nicht wirklich sein Fach - aber diese Partie liegt ihm ausgezeichnet in der Kehle. Das ist auch ein Sänger, von dem ich nie genug bekommen kann, nicht von seinem samtigen Timbre, nicht von der kultivierten, geschmeidigen Stimmführung, nicht von der intelligenten Interpretation. Der Schauspieler Keenlyside steht dem Sänger um nichts nach, und die Sterbeszene ist einfach zum Mitsterben ergreifend gestaltet. Alleine der entrückte Blick bei den letzten Worten, der schon in eine andere, bessere Welt gerichtet ist.... Es ist mir völlig unverständlich, wie man da nach dem "Morro per te!" hineinklatschen und den Spannungsbogen dieser Szene zerreißen kann!!!!

      Bleibt noch Sonia Ganassi als Prinzessin Eboli, die eine gute Leistung erbringt, ohne mich aber wirklich mitzureißen. Ihr ewig freundlicher,etwas puppenhafter Gesichtsausdruck straft oft den Text lügen, den sie zu singen hat, und besonders beim "O don fatale" fehlt es ihr in meinen Augen an Feuer und Entschlossenheit.

      Dafür sorgt Antonio Pappano im Graben für Feuer, er lässt Verdi aufleuchten und aufrauschen, dass es eine Freude ist.

      Zusammenfassend würde ich sagen, dass diese DVD sicher den einen oder anderen Wunsch offen lässt, wem aber eine stimmige und spannende Darstellung wichtiger ist als perfekter Schöngesang und sich nicht daran stört, dass der Regisseur nicht viel mehr als ein Posten auf dem Besetzungszettel ist, wird damit gut bedient.

      lg Severina :hello

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Severina ()

    • Liebe Sevi,

      ich danke Dir für diesen ausführlichen Bericht, der meine positive Erinnerung an diese vor einiger Zeit gesehene DVD bestätigt. Ich würde zwar mit dem Regisseur Nicholas Hytner nicht so hart ins Gericht gehen wie Du, aber wegen seiner Regie würde ich die DVD auch nicht empfehlen. Sie gehört für mich in die große Schar der "Stört nicht" - Inszenierungen, die immerhin den Vorteil haben, das Werk für sich selbst sprechen zu lassen. Auch bin ich nicht so sicher, ob manchen darstellerischen Leistungen nicht doch von dem Regisseur aufgeholfen wurde, denn es ist sicher kein purer Zufall, dass fast sämtliche darstellerischen Leistungen in dieser Einspielungen besser sind, als man sie von den jeweiligen Sängern in der Regel gewohnt ist. Natürlich muss(te?) man einen Villazon eher bremsen als mit Einfällen überfüttern, aber das gilt nicht für jeden. So scheint mir Dein berechtigtes Lob für Furlanetto, der fraglos ein guter Sängerdarsteller ist, auch ein wenig von Hytner verdient zu sein

      Diese Leistungen haben aber sicher auch mit dem Dirigat Pappanos zu tun, den ich hier wie in der Pariser Aufnahme mit Alagna noch besser finde als De Billy in Wien, wobei ich in allen Fällen "nur" die DVD bewerten kann, während Du den Wiener Don Carlos ja live erlebt hast. Leider haben diese Aufzeichnungen, die für mich derzeit die Spitzengruppe der DVD-Carlosse bilden, ihre Schwachstelle ausgerecnet im Autodafé-Akt, wenn auch aus sehr verschiedenen Gründen. Hier hat Luc Bondys Pariser Inszenierung, die endlich mal illustriert, warum Rodrigo erst so spät eingreift, ihre besondere Stärke, und hier kann auch John Dexters prunkvolle Inszenierung an der MET punkten, die mit Domingo, Freni, Quilico und Bumbry auch nicht schlecht besetzt ist.

      Aber dazu lieber mehr, wenn ich mich je einmal dazu aufraffen kann, alle vier Einspielungen direkt miteinander zu vergleichen (und möglichst auch noch Chaillys Amsterdamer Carlos mit Villazon, Roocroft und Urmana, Haitinks Londoner mit Lima und Cotrubas und Zancanaro, Muti/Zeffirellis Mailänder Produktion mit Pavarotti, Ramey und Dessi und last, but not least Karajans Wiener Darbietung mit Carreras, D'Amico, Baltsa und Furlanetto aus Wien daneben abzuspielen). der DON CARLOS ist nämlich, ebenso wie der FALSTAFF, vielleicht die Oper Verdis, die auf DVD bislang am besten bedient wurde, zumal ja auch noch zwei verschiedene Sprachfassungen als Kriterium hinzu kommen. Ein Kriterium übrigens, das ich ausweislich der hier genannten Aufführungen weniger relevant finde als die unbedingt vorzuziehende vollständige Fassung mit dem ersten, dem Fontainebleau-Akt. Dass er den notorisch weggelassen hat, disqualifiziert für mich die Einspielungen Karajans, so sehr sie ansonsten ihre Meriten haben.

      Aber vielleicht lässt sich ja hier die Diskussion dieser Fassungen wieder aufnehmen, die wir einst in einem anderen Forum geführt und nie abgeschlossen haben.

      :hello Rideamus
      Ich mag alle Kunstformen und Genres. Ich höre Musik von Alban Berg und gehe ins Musical. Für mich gibt es keine Hierarchie der Künste, denn es sind letztlich alles Erzählformen. Alain Resnais
    • Hallo Severina!
      Vielen Dank für diese Besprechung! Ich habe die DVD ja auch, und habe im Großen und Ganzen den gleichen Eindruck wie du.
      Was das Autodafé-Bild angeht, so ist es m.E. kaum jemals erschütternder inszeniert worden als 2004 in Amsterdam von Willie Decker. Auch damals hieß der Infant von Spanien Rolando Villazón, und er lieferte ein brennendes, hochneurotisches Rollenportrait gegen das der Londoner Carlos ein ausgeglichener, heiterer junger Mann war...die Aufführung litt unter einer hörbar indisponierten Elisabetta (Amanda Roocroft), bot jedoch mit Violeta Urmana eine wahre Luxus-Eboli. Der Rest der Besetzung war musikalisch gutes Mittelmaß, bis auf RV, der wohl schon damals (vor allem in dieser Rolle) hochgefährdet war, darauf keinerlei Rücksicht nimmt und mir immer unvergesslich bleiben wird, Grenzpartie hin oder her :down
      Decker hat die beste Carlos-Inszenierung auf die Bretter gebracht die ich je gesehen habe, und wenn man bereit ist, neben einer großartigen Eboli und einem sich am psychischen Abgrund bewegenden, eindrucksvollen Carlos anonsten Mittelmäßige bis problematische gesangliche Leistungen zu akzeptieren, sollte man es um der Inszenierung willen wirklich tun!
      Soviel dazu.
      Deinen Eindruck der Londoner Aufführung teile ich wie gesagt weitgehend. Von allen beteiligten hat mich Ferrucio Furlanetto am meisten beeindruckt, ich habe ihn in einer Aufführung als Salzburg unter Karajan (Osterfestspiele um 1983) in der gleichen Rolle gesehen, und er hat mir bereits dort sehr gefallen, obwohl er da noch reichlich jung für die Rolle war, hier aber ist er wahrhaft erschütternd und das Duett zwischen ihm und Posa ist ein wahrer Höhepunkt der Oper.
      In der Karajan-Aufführung wurde der Großinquisitor übrigens von Matti Salminen gesungen, schwärzer geht es ja nun kaum noch und er klang in der Tat wie Satan persönlich...

      Keenlyside ist auch für mich grandios, wie schon an anderer Stelle angemerkt: er bildet m.E. einen sehr glaubhaften Gegenpol zu dem sehr schwärmerischen Carlos von Villazón. Singen tut er ohnehin zum niederknien, und ein sewhr guter Darsteller ist er auch. Ich habe ihn mir gestern nochmal als Valentin angesehen und es ist großartig, was er aus dieser kleinen Rolle macht. Eine schöne „Vorsingarie“ und die Sterbeszene, mehr braucht er nicht um den Zuschauer zum nachdenken über den Krieg und das, was er mit Menschen anrichtet zu bringen...

      Ich bin ja oberflächlich genug zuzugeben, daß mir an der Londoner Inszenierung auch das gefallen hat, was die Franzosen „Le Physique du Rôle“ nennen, denn die hatte hier nun wirklichfast jeder Beteiligte. Endlich einmal eine junge, schöne Elisabetta, endlich ein Carlos und ein Posa die in der strengen Mode jener Zeit nicht völlig albern aussehen (und das will was heißen bei den Hosen...), endlich ein Filippo, der tatsächlich um viele Jahre älter wikrt als seine Frau. Das mag oberflächlich sein, aber mir hat es gefallen, ich gebe es zu.
      Danke nochmal für deine Schilderungen, vielleicht krame ich die DVd auch noch mal raus, aber zur Zeit bin ich sehr im Banne von Berlioz und werde heute Abend wohl erstmal „La damnation de Faust“ hören. Das wäre dann das drittemal innerhal einer guten Woche, aber was will man machen. Comes love, nothing can be done... :D

      EDIT
      Ich sehe gerade, daß Rideamus ebenfalls Willie Decker und Karajan erwähnt, so daneben kann ich mit meiner Meinung also nicht liegen. :beer
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

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    • Liebe Mina,

      ich teile Deine Begeisterung für die Willy-Decker-Inszenierung voll und ganz und haderte gestern die ganze Zeit mit dem Schicksal des Opernfans, dem es doch so selten vergönnt ist, eine in allen Teilaspekten beglückende Aufführung (oder eben Konserve) zu erleben: Die Inszenierung von Amsterdam mit der Besetzung von London (bis auf den Tausch Ganassi gegen Urmana) - das wäre eine Sternstunde auf DVD!
      Interessant die von Dir erwähnte Entwicklung, die Rolandos Carlo inzwischen durchlaufen hat: Während in Amsterdam irgenwie noch die Eierschalen an ihm klebten, ist er ein London erwachsen geworden - zumindest so erwachsen, wie ein Rolando Villazón halt sein kann :wink :D

      Ich werde mir heute gleich die Amsterdamer Produktion noch einmal anschauen, vielleicht können wir danach noch den einen oder anderen Eindruck austauschen. (Leider bin ich ab morgen wieder eine Woche offline und muss aus der Carlo(s)- Diskussion, für die ich bekanntlich IMMER zu haben bin, vorübergehend aussteigen :( )

      lg Sevi :hello

      PS: Ich habe gestern überall gesucht, wo Du die Londoner DVD besprochen hast, aber nichts gefunden.
    • Original von Rideamus
      Liebe Sevi,

      Auch bin ich nicht so sicher, ob manchen darstellerischen Leistungen nicht doch von dem Regisseur aufgeholfen wurde, denn es ist sicher kein purer Zufall, dass fast sämtliche darstellerischen Leistungen in dieser Einspielungen besser sind, als man sie von den jeweiligen Sängern in der Regel gewohnt ist. Natürlich muss(te?) man einen Villazon eher bremsen als mit Einfällen überfüttern, aber das gilt nicht für jeden. So scheint mir Dein berechtigtes Lob für Furlanetto, der fraglos ein guter Sängerdarsteller ist, auch ein wenig von Hytner verdient zu sein
      :hello Rideamus


      Lieber Rideamus,

      was die Betonung der menschlichen Seite von Philip betrifft, hast Du sicher Recht, dass das auf Hytners Mist gewachsen ist, denn ich habe Furlanetto schon oft in dieser Rolle erlebt, aber noch nie so eindringlich.
      Keenlyside ist immer ein ausgezeichneter Posa, nur profitiert er hier natürlich von seinen Partnern, die ihm darstellerisch ebenbürtig sind, sodass sie sich gegenseitig befruchten und in eine Art Trancezustand hineinsteigern, zumindest wirkt Posas Tod so auf mich. Das ist einer der seltenen Momente, wo Sänger und Rolle völlig eins scheinen.

      lg Sevi :hello
    • Original von Severina
      Während in Amsterdam irgenwie noch die Eierschalen an ihm klebten, ist er ein London erwachsen geworden - zumindest so erwachsen, wie ein Rolando Villazón halt sein kann :wink :D


      Das führt uns dann doch direkt zu dem Umstand, daß RV auf der Bühne immer wieder junge Männer verkörpert hat, die mit dem Erwachsenwerden so ihre Probleme haben: Alfredo der immer noch von seinem Vater gegängelt wird, Rodolfo, der Gedichte über die Liebe schreibt aber seine todkranke Freundin zu einem anderen schickt, weil er Angst vor ihrem Sterben hat und die Verantwortung fürchtet, Nemorino, der entzückend und zum knuddeln, aber mehr großer Junge als erwachsener Mann ist, Werther, der sich in Lotte verliebt als er sie in der MUTTERrolle erlebt (Hallo???), Don Carlos trotz allem auch immer nach der Anerkennung seines Vaters strebt. Vielleicht hat auch das einen Teil seines Erfolges ausgemacht: man glaubt es ihm einfach...

      Den Londoner Carlos habe ich noch nicht besprochen, und das ist ja auch nicht nötig, da du es so zutreffend getan hast!
      Aber ich freue mich schon sehr auf einen Austausch über Deckers Interpretation, die ich wie gesagt grandios finde.
      Dir einen schönen Urlaub, wenn es denn einer ist!
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

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    • Leider kenne ich die tollen Don Carli von denen ihr hier so schwärmt nicht. :I
      Was Villazons glaubwürdige Charakterdarstellungen unreifer schwärmerischer Jungmänner/ Söhne angeht(hier wäre auch noch der des Grieux aus der Manon zu nennen): da habt ihr m.E. eine sehr gute Analyse abgegeben. Vielleicht sollte auch in realiter eine Mutter oder ein Vater den Knaben regelmâssig an die Brust nehmen und auf den richtigen Weg bringen.
      Ich habe irgendwo vor längerer Zeit mal geschrieben, dass er m.E. unter dem Peter Pan Syndrom leidet: bloss nciht erwachsen werden.
      Sich selbst kann er augenscheinlich am besten spielen.
      Was den Don Carlo angeht: wenn Sevi zurück ist (gute Reise!) mach ich da gerne auch im Rahmen meienr Möglichkeiten mit. Die tragischste Oper die ich kenne und immer wieder neu und spannend zu inszenieren. Ich fand Luis Lima und Ileana Cotrubas mit Robert Lloyd auch sehr überzeugend- leider war die Eboli eine komplett unglaubwürdige Matrone........
      Man kann wohl niemals alles haben!

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Ich besitze insgesamt 6 DVDs von "Don Carlo(s)", ist er doch nach dem Simone meine liebste Verdi-Oper mit ganz hohem Suchtfaktor! Dazu kommt auch noch meine Vorliebe für das Schiller'sche Drama, das mir die Oper doppelt interessant macht, also für Diskussionsstoff dürfte gesorgt sein!! :D (Wobei wir das Verhältnis Drama-Libretto bei Capriccio ja schon ausführlich diskutiert haben, speziell die "Dreicksbeziehung" :wink Carlos-Elisabeth-Posa!)

      lg Sevi :hello
    • Okay, dann will ich mich mal des Amsterdamer Don Carlos annehmen, so wie ich ihn in Erinnerung habe, denn zufälligerweise habe ich gerade etwas Zeit.



      Die Besetzung:
      Filippo: Robert Lloyd
      Don Carlo: Rolando Villazón
      Posa: Dwayne Croft
      Elisabetta: Amanda Roocroft
      Eboli: Violeta Urmana
      Großinquisitor: Jaakob Ryhänen

      In Amsterdam wurde seinerzeit die vieraktige italienische Fassung gespielt, was dem Tenor zwar eine Arie schenkt („Io l’ho perduta“ kommt glaube ich in der fünfaktigen Version nicht vor, oder?), dem Liebespaar aber die einzig glücklichen Augenblicke und uns viel schöne Musik nimmt.
      Das Bühnenbild ist sehr spartanisch, und wird im Bühnenhintergrund von einer unüberwindbaren Mauer beherrscht die bei näherem Hinsehen aus vielen (Grab-?)Steinen besteht, die die Namen früherer Könige und Königinnen von Spanien tragen.
      Die Oper beginnt hier mit der Vermählung von Filippo und Elisabetta und Carlos’ Verzweiflung darüber, bereits hier wird die zerstörte Vater-Sohn Beziehung und was dahinter steckt thematisiert: Filippo zwingt seinen widerstrebenden und offensichtlich panischen Sohn, das Kreuzzeichen zu schlagen, Elisabetta schreckt davor zurück, ihrem jetzigen Stiefsohn die Hand zu reichen, als fürchte sie, daß die kleinste Berührung des Mannes den sie liebt ihre Selbstbeherrschung und Tapferkeit ins Wanken bringt.
      Das grandiose an dieser Inszenierung sind weniger spektakuläre Bilder, die gibt es kaum, als vielmehr eine wirklich durchdachte und stimmige Personenführung. Willie Decker hat sich ganz offensichtlich nicht nur intensiv mit Verdi, sondern ebenso intensiv mit Schiller befasst und darüber hinaus einen Blick auf die historischen Tatsachen geworfen.
      Szenisch gibt es nur ein oder zwei wirkliche Ausrutscher, in Erinnerung geblieben ist mir vor allem das Schlußbild der Autodafé-Szene das Carlos in der Haltung des Gekreuzigten zeigt, das war mir persönlich dann doch ein bisschen too much, aber auch ein Willie Decker hat ab und zu einen schwächeren Moment.

      Posa (Dwayne Croft) ist buchstäblich und metaphorisch der Mann hinter Carlos, er führt und leitet ihn, er ist es, der nach „Dio che nell’alma...“ eine Tür in der unüberwindbaren Mauer öffnet und Carlos ein Stück leuchtend blauen Himmel zeigt, eine Tür, durch die Carlos nur gehen müsste...
      Es ist Posa, der den zögernden Carlos ermutigt, zu Beginn des Autodafé-Bildes auf die ihm (nicht Filippo!) zujubelnde Volksmenge zuzugehen, es ist Posa, der den ungläubigen und (für dieses eine Mal) freudestrahlenden Carlos mit einem „ich-hab’s-dir-doch-gleich-gesagt-Blick“ ansieht als das Volk den Infanten auf den Schultern trägt. Es ist Posa, der Carlos ermutigt, zu tun, was er kurz darauf tut: als der Klerus in prächtigen Gewändern und ein großes Kreuz vor sich hertragend die Szene betritt, schreitet die Volksmenge mit Carlos an ihrer Spitze auf die Geistlichkeit zu, Carlos nimmt den Fassungslosen das Kreuz aus den Händen um es da aufzustellen, wo es hingehört: mitten unter die Geknechteten und Gedemütigten. Angesichts dessen, was auch heute noch überall auf der Welt im Namen welchen Glaubens auch immer geschieht, ein zutiefst bewegendes Bild.
      Auch Dwayne Croft klingt leicht indisponiert und irgendwo habe ich gelesen, daß er mit schwerer Erkältung gesungen haben soll und sich hat ansagen lassen. Vor diesem Hintergrund fand ich seine Leistung beachtlich, und ohne Experte zu sein, glaube ich schon, daß er ohne Erkältung ein beeindruckender Posa ist, er hat mir aber auch so, mit gewissen Einschränkungen im Musikalischen wirklich gut gefallen.
      Im Duett mit Filippo gibt er alles, und müht sich nach Kräften, Robert Lloyd auf Touren zu bringen, der aber für meinen Geschmack etwas blaß bleibt. Allerdings bin ich da vermutlich etwas unfair, da „mein“ Filippo tatsächlich Ferrucio Furlanetto ist, und mit dem ist er, zumindest an diesem Abend, nicht zu vergleichen.
      Die musikalischen Schwächen vor allem der Sopranistin wurden ja schon erwähnt, und müssen nicht näher besprochen werden, darstellerisch macht Amanda Roocroft als Elisabetta ihre Sache jedoch gut, auch wenn sie definitiv und wesentlich älter ist als Carlos, was den Eindruck des idealistischen, nobel gesonnenen aber unreifen Jüngling noch erheblich verstärkt.
      Darstellerisch ist sie in der Auseinsandersetzung Carlos-Elisabetta wirklich gut, sie schreit ihm ins Gesicht „Bring es zuende, ermorde deinen Vater und führe mit blutigen Händen deine Mutter zum Altar“. Wenn man Oper als MusikTHEATER sieht, packt die Szene schon sehr, auch wenn ihr Part musikalisch nicht immer ein Genuß ist, aber ich habe sie vorher und nachher nie gehört und will annehmen, daß sie entweder einen ganz unglücklichen Abend erwischt, oder zum Zeitpunkt der Aufführung eine akute und heftige Krise durchlitten hat, und in beiden Fällen soll man gnädig mit Künstlern umgehen...

      Violeta Urmanas Eboli ist, ich habe es schon erwähnt, der pure Luxus, sie singt wunderschön, allerdings wird der positive musikalische Eindruck leider ganz erheblich durch den einzigen wirklichen Schwachpunkt der Regie gestört, zu dem ich jetzt kommen muß: die Kostüme. Sie sind fürchterlich und sorgen für manch unfreiwillig komische Situation.
      Villazon und Urmana hat es in dieser Hinsicht besonders übel erwischt: er in Weiß mit Beinkleidern die ein Spötter einmal böse aber zutreffend als „Windelhosen“ bezeichnet hat, sie in furchterregendes Schwarz geschnürt, den Busen hochgezurrt. Da ein Bild mehr sagt als tausend Worte:



      Wie mein Gatte seinerzeit vor dem Fernseher sagte: „Kein Wunder daß er nicht will, die verfrühstückt ihn ja ohne mit der Wimper zu zucken! Da hätte ich auch Angst...“
      Das muntere junge Mädchen das Schiller uns schildert ist diese Eboli nicht, und das ist nicht ihre Schuld. Für die Kostüme gibt es wirklich Punktabzug...

      Zum Schluß der Titelheld: jeder weiß es, die Rolle war für RV schon immer gefährlich, dennoch bin ich froh, daß er sie in zwei Produktionen gesungen hat. Dieser Amsterdamer Carlos hat m.E. sehr, sehr viel mit Schillers Vorlage zu tun, die ich hier in zwei Auszügen zitieren möchte:

      Ich hasse meinen Vater nicht - Doch Schauer
      Und Missethäters-Bangigkeit ergreifen
      Bei diesem fürchterlichen Namen mich.
      Kann ich dafür, wenn eine knechtische
      Erziehung schon in meinem jungen Herzen
      Der Liebe zarten Keim zertrat? Sechs Jahre
      Hatt' ich gelebt, als mir zum ersten Mal
      Der Fürchterliche, der wie sie mir sagten,
      Mein Vater war, vor Augen kam. Es war
      An einem Morgen, wo er stehnden Fußes
      Vier Bluturtheile unterschrieb. Nach diesem
      Sah ich ihn nur, wenn mir für ein Vergehn
      Bestrafung angekündigt ward. - O Gott!
      Hier fühl' ich, daß ich bitter werde - Weg -
      Weg, weg von dieser Stelle!


      Warum von tausend Vätern
      Just eben diesen Vater mir? Und ihm
      Just diesen Sohn von tausend bessern Söhnen?
      Zwei unverträglichere Gegentheile
      Fand die Natur in ihrem Umkreis nicht.
      Wie mochte sie die beiden letzten Enden
      Des menschlichen Geschlechtes - mich und ihn -
      Durch ein so heilig Band zusammen zwingen?
      Furchtbares Loos! Warum mußt' es geschehn?
      Warum zwei Menschen, die sich ewig meiden,
      In einem Wunsche schrecklich sich begegnen?
      Hier, Roderich, siehst du zwei feindliche
      Gestirne, die im ganzen Lauf der Zeiten
      Ein einzig Mal in scheitelrechter Bahn
      Zerschmetternd sich berühren, dann auf immer
      Und ewig aus einander fliehn.


      Und mehr muß man eigentlich auch gar nicht sagen, denn genau so ist dieser Carlos: ein schwer traumatisierter junger Mann, der nach wie vor in Angst vor seinem Vater lebt, sich dennoch schmerzhaft nach seiner Liebe oder zumindest Anerkennung sehnt und für den die unglückliche Liebe zu Elisabetta nur ein Teilaspekt seiner Tragödie (und vermutlich nicht einmal der wichtigste) ist.
      Wie sehr die Angst und das Entsetzen Carlos’ Leben beherrschen, wird in Posas Sterbeszene deutlich: als Posa tödlich getroffen zu Boden sinkt, verkriecht sich Carlos wie ein entsetztes Kind in eine Ecke seiner Zelle und einige unerträgliche Momente lang fürchtet man, er ließe seinen Freund alleine sterben. Dieser Carlos leidet an soviel mehr als nur daran, daß er das Mädchen nicht bekommt. Das hat Decker grandios herausgearbeitet, das hat Villazón musikalisch und szenisch kongenial umgesetzt und das lasse ich mir auch von keinem Stimmenexperten und Schlaumeier dieser Welt ausreden, Stimmkrise hin, selber schuld her.


      Zu Filippo ist für mich leider nicht mehr zu sagen, als daß er gut aber nicht spektakulär singt und mich weder zu Begeisterungsstürmen hingerissen noch auf voller Linie enttäuscht hätte.
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Solitaire ()

    • Liebe Mina,

      ich bin auch gerade dabei, einige Szenen der Amsterdamer und Londoner Produktion zu vergleichen, eben gerade das Gartenbild.
      Zunächst kurz zu Deiner Bemerkung zum Bühnenbild: Willie Decker hat sich hierbei wohl an den Königsgräbern des Escorial orientiert, die auf mich ebenso einschüchternd und erdrückend wirkten wie diese Wand aus Grabsteinen, der es nachempfunden ist. Immer wenn ich dieses marmorne Mausoleum sehe, denke ich mit leisem Schauder an jenen Februartag 1989 zurück, als ich mutterseelenalleine durch die verwinkelten Gänge und Räume des Panteon de los infantes wanderte und mich nicht gewundert hätte, plötzlich die furchteinflößende Stimme von Carlo quinto zu hören.
      Das düstere Bühnenbild gibt die bedrückende Atmosphäre des Escorial perfekt wieder, der auf mich eher wie ein Gefängnis gewirkt hat denn als Kloster oder gar Palast. (Das ist in der Hochsaison wahrscheinlich anders, wenn Heerscharen bunt gekleideter, schnatternder und knipsender Touristen einfallen.)
      Die Kostüme von Carlos, Posa und Elisabetta sind farblich übrigens genau auf diese Marmorstruktur abgestimmt, sodass die Personen oft mit den Wänden zu verschmelzen scheinen. Das kann man natürlich ganz verschieden deuten: Die Macht des Königtums, das alles Menschliche absorbiert, oder so in diese Richtung.
      Was meinst Du, Mina?

      Aber zurück zum DVD-Vergleich: Ich muss gestehen, dass mir der reifere Carlo der Londoner Version, der sich resigniert in sein Schicksal ergibt und in stiller Verzweiflung leidet, zumindest in der ersten Szene besser gefällt als der neurotische, an der Kippe zum Wahnsinn stehende in Amsterdam. Das liegt aber auch an den so unterschiedlichen Elisabettas, denn Amanda Roocroft wirkt nicht nur optisch wie Villazóns Mutter, sie benimmt sich auch wie eine Mutter, die ihren unbotmäßigen Lieblingssohn zur Ordnung ruft. Tut mir Leid, aber erotisches Knistern orte ich in dieser Szene gar keines.
      Wie anders hingegen Villazón und Poplavskaya: Abgesehen von der optischen Übereinstimmung, die ein Liebespaar glaubhaft macht, spürt man bei ihr auch die enorme Beherrschung, die es sie kostet, Carlos Werben nicht nachzugeben, die Kraftanstrengung, Contenance zu wahren und ihm nicht einfach in die Arme zu sinken, sich seinen stürmischen Küssen hinzugeben. Bei Roocroft habe ich eher den Eindruck, ihr ist der hysterische Auftritt ihres Stiefsohns ein bisschen peinlich und sie gibt Posa innerlich Recht, dass man diesen Hitzkopf schleunigst auf andere Gedanken bringen muss.

      Eindeutig die Nase vorne hat Willy Decker in der Autodafészene, die Solitaire schon eindrucksvoll beschrieben hat. Vor allem die Idee, Carlos als Hoffnungsträger des ganzen Volkes zu zeigen, vom dem ihm gehuldigt wird, gibt diesem Bild einen ganz neuen Drive, der aber Sinn macht. Dafür erspart einem Decker die abgedroschenen Bilder von brennenden Scheiterhaufen o.ä.

      Bei den restlichen Bildern ist es einfach Geschmachssache, welchem man den Vorzug gibt. Willy Deckers Inszenierung ist härter, brutaler, lässt einen oft frieren, er betont den politischen Aspekt stärker und treibt den Vater-Sohn-Konflikt auf die Spitze.

      Hytner scheint die Liebsgeschichte mehr als das politische Drama zu interessieren, er zeigt Carlos in erster Linie als unglücklich Verliebten. Aber auch die anderen Charaktere sind viel weicher gezeichnet, Philip ist nicht so sehr Despot aus Überzeugung wie bei Decker, er darf auch menschliche Seiten zeigen, auch Posa ist nicht nur Realpolitiker, der Carlos als Werkzeug einsetzt, um seine politischen Utopien zu verwirklichen, sondern eher ein Idealist, der an die Überzeugungskraft des Wortes glaubt und diesen Irrtum zu spät erkennt.

      Schauspielerisch stehen einander die Posas, Philips und Großinquisitoren um nichts nach, stimmlich allerdings sind Keenlyside und Furlanetto um Klassen besser. Beim Großinquisitor ist es umgekehrt, da entfacht Jaakko Ryhänen einen wesentlich indrucksvolleren vokalen Terror als der recht zahme Eric Halfvarson.

      Leider habe ich momentan zu wenig Zeit, um wirklich jede Szene genau zu vergleichen, aber vielleicht holen wir das einmal nach oder Du, liebe Mina, beginnst gleich damit :D. In einer Woche bin ich dann wieder mit von der Partie!!
      lg Sevi :hello

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Severina ()

    • Ich habe dank Severina den Londoner Don Carlo ansehen können und bin - abgesehen von der Inszenierung- ziemlich begeistert. :down :down :down
      Villazon singt und spielt wie immer sich selbst, aber diese rolle ist ihm derartig auf den Leib geschneidert, dass man als Publikum mittendrin steckt und genauso soll es sein. Ich habe schon viele Don Carli gesehen, dieser war mit Abstand der Glaubwürdigste. Und das nciht nur im Hinblick auf die Titelrolle sondern auch was die Besetzung der Elisabetta angeht- da konnte nur Ileana Cortrubas mithalten, nur war sie leider stimmlcih nciht ganz so souverän wie Marina Poplavskaja. Zu oft wird diese Rolle iener serh jungen Frau mit Matronen besetzt, die wirklich wie Carlos Mutter wirken und genau das darf einfach nicht passieren. Auch Furlanetto hat die Rolle 100% überzeugend gestaltet und seine grosse Arie ist und bleibt einer der grössten Leistungen, die Verdi je komponiert hat- allein das Vorspiel sagt schon Alles und was Pappano hier daraus macht :down :down :down
      Zu Keenlyside muss man nichts mehr sagen, der ist fast schon zu gut für die Rolle, zu Sonia Ganassi gibt es sicherlich Alternativen, aber schlecht war sie wahrlich auch nciht. Der Grande Inquisitore hat mich nciht überzeugt- der war nicht dämonisch genug und zu un-finster.(siehe Sevi)
      Aber alles in allem von der musikalischen Seite eine heutige Referenzeinspielung, da muss die MET sich gehörig anstrengen!
      Ich hoffe allerdings, dass sie eine bessere Inszenierung hinbekommen. Die Ketzerszene war durch die albernen Kostïume der Hâretiker geradezu lächerlich und das hat mich dann wirklich geärgert, denn das ist eine der tragischsten Szenen der Operngeschichte. Von der Engelsstimme hat man kaum was gehört und das Bühnrenbild fand ich unter alle Kanone!

      Wie hervorragend dagegen Konwitschny mit seiner Inszenierung! Aber man kann halt nciht alles haben..... X(

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Fairy, soweit ich weiß ist die Inszenierung der Met eine Koproduktion mit Covent Garden. Will sagen, es ist die gleiche Inszenierung. Zumindest ist es der gleiche Regisseur.

      Ich kenne die Inszenierung nicht, aber eine sehr lesenswerte positive Kritik von einem Regie-Jünger in den USA hat mich sehr neugierig gemacht. Das Autodafe gefällt ihm aber auch nicht. Hier klicken. Der Autor vergleicht die Inszenierung auch mit Konwitschnys Hamburger/Wiener-Inszenierung, für mich auch DIE Inszenierung dieses Werkes.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dulcamara ()

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